Kalkbrennerei

Dieses Thema im Forum "Alte Berufe, Handwerk u. Gewerbe in Österreich" wurde erstellt von Harald 41, 23. November 2008.

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  1. Harald 41

    Harald 41 Active Member

    Hallo war gestern in Gumpoldskirchen und sah mir auch gleich noch einmal den dortigen Steinbruch etwas genauer an.
    Iteressant anzusehen ist der alte Kalkbrennofen der schon wie auf der Iformationstafel zu lesen 1806 errichtet wurde.
    Das Bergwerk war bis 1990 in Bertrieb bis es entgültig eingestellt wurde.
    Man sieht auch in der Felswand eine vermauerte Höhle,die aber wieder geöffnet wurde,habe ein Foto gemacht aber leider keine Taschenlampe mit um hineinzugehen.
    Wenn wer genaueres über die Höhle weis bitte um info danke.:danke
    Anbei habe ich noch ein paar Fotos von der Umgebung des Bergbaues gemacht.

    LG Harry
     

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  2. Harald 41

    Harald 41 Active Member

    Und hier die Infotafel hatte ich vorher in der eile vergessen,hätte ganz am Anfang gehört,aber da ist sie schon und die restlichen Fotos.

    LG Harry
     

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  3. andreas2

    andreas2 Member

    habe mich in den 1990er-jahren recht intensiv mit der kalkbrennerei im waldviertel beschäftigt, die es ja seit den 1950er-jahren - mit wenigen ausnahmen sogar bis nach 1960 - nicht mehr gibt.

    damals konnte man noch einige dutzend öfen im gelände finden, leider sind einige seitdem verschwunden. aber es gibt immer noch genug zu sehen. ein paar sind immerhin bestandteil von lehrpfaden oder haben zumindest eine kleine infostation. und man konnte damals sogar noch mit menschen sprechen, die selbst gebrannt haben. das wäre wohl heute nicht mehr möglich.

    wenn euch das thema interessiert, kann ich ja bei konkreten fragen einige infos bereitstellen, soweit es meine zeit erlaubt.

    ein paar infos gibts schon im netz:
    www.oeab.at/kulturgeologie/brennen.htm

    andreas
     
  4. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Hallo Andreas,
    besten Dank für die "Thread-Eröffnung" zu diesem Thema! Sicher interessiert uns das! Habe vor Jahren mal die "Kulturgeologie-Seiten" durchgeackert, wie ich jetzt sehe, gibt es da zwischenzeitlich auch einiges an Ergänzungen...:bravo:

    Erlaube mir als Laie, gleich Fragen zum Unterschied der Kalköfen zu stellen:

    - Schachtofen -> ist mir von der Logik her klar, aber
    - Feldofen ? u.
    - Grubenmeiler ? (ähnlich Kohlenmeiler ?)...

    lg
    josef
     
  5. andreas2

    andreas2 Member

    hallo josef !

    also:
    schachtofen ist ein turm-/röhrenartiger ofen für den kontinuierlichen betrieb. oben kommt das rohmaterial rein, untern kommt´s fertig raus.
    der letzte erhaltene steht in unterthumeritz (www.japons.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218851173&detailonr=173948777)

    feldofen ist die "kleingewerbliche", großteils gemauerte ausgabe, von 3 x 3 bis, sagen wir mal grob, 5 x 5 m. der muss bei jedem brand händisch ein- und ausgeräumt werden. ein gutes beispiel der erhaltung durch eigeninitiative steht in heitzing (www.dunkelsteinerwald.gv.at/system/web/gelbeseite.aspx?menuonr=220478232&detailonr=220678595)

    kalkmeiler bzw. grubenmeiler ist ein hilfsbegriff, der sich tatsächlich an die bauweise der kohlenmeiler anlehnt. im prinzip sind es grubenartige vertiefungen mit einem durchmesser von einigen metern, die (heute) von einem erdwall umkränzt sind, manchmal findet man am boden niedrige mauerkränze. bei jedem brennen wurde über den aufgeschlichteten rohsteinen eine erd- und lehmkuppel errichtet, die danach wieder abgerissen wurde.

    andreas

    BR 1.JPG grubenmeiler im göttweiger wald bei münichreith
    EL 2.jpg feldofen in elsenreith
    FL 2.JPG grubenmeiler von brand bei rastenberg
    EIB 5.jpg feldofen bei eibetsberg (restauriert)
     
  6. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Andreas :danke für die Erklärungen und Fotos!
    D.h., ich habe bisher das Auge (Kamera) nur auf die "großen" Schachtöfen gerichtet :)

    lg
    josef
     
  7. Harald 41

    Harald 41 Active Member

    Hallo Andreas;
    Ebenfalls :danke für den interessanten Link und die Bilder, war vor einigen Jahren sehr oft im Waldviertel wegen Mineralien suchen und diverse Ausflüge auch in Elsenreith nur Feldöfen usw... sind mir damals leider nicht aufgefallen:schlecht:
    Naja vielleicht war ich zu sehr auf Steinbrüche fixiert:D

    LG Harry
     
  8. andreas2

    andreas2 Member

    hallo harald !

    das kenn ich, aber im allgemeinen sind die kalköfen nicht weit weg vom steinbruch. schließlich wurde alles mit scheibtruhen, leiterwagen und ähnlichem transportiert. wenn man vor/in einem marmorsteinbruch steht, ist sehr oft ein ofen in der nähe. es lohnt sich daher, dessen nähe abzusuchen. auch im ort kann man bisweilen noch näheres erfahren. das wissen stirbt aber mit den älteren aus. wie bei so vielem.

    die bevölkerung hat bei den meilern oft merkwürdige erklärungsversuche, etwa wurden solche gruben im göttweiger wald "wolfsgruben" genannt. ein gemauerter ofen am arzberg bei elsenreith wurde als eisenschmelze aus dem 11. jh. angesehen, usw..

    andreas
     
  9. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Kalklöschen

    Als Kindheitserinnerung (Ende der 1950iger Jahre des vorigen Jahrh.) ist mir der Vorgang des „Kalklöschens“ noch im Gedächtnis:
    Am Hof des Nachbarn gab es eine mit Holzbohlen abgedeckte „Kalkgrube“. Wenn irgendwelche Bauarbeiten anstanden, wurde das zur Herstellung des Kalkmörtels notwendige Kalkhydrat aus Branntkalk selbst hergestellt. Dabei kippte der Nachbar Brocken von Branntkalk in die Grube und goss Wasser darüber. Mit einem Eisenrechen wurde umgerührt und brodelnd und zischend verwandelten sich die Branntkalk- Brocken in eine breiige Masse zu Kalkhydrat. Wir Kinder durften nur aus sicherer Entfernung dem „Schauspiel“ des chemischen Vorgangs zusehen und die Kalkgrube war bei offener Abdeckung "Verbotszone"... Von wo der Nachbar die gebrannten Kalksteine, die er aus Jutesäcken in die Grube leerte, bezog, kann ich nicht sagen :)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Technischer_Kalkkreislauf

    lg
    josef
     
  10. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Kalköfen bei Hauskirchen im Weinviertel

    Bei der Suche nach den "Ofenanlagen XXXIII u. XXXIV" bei Hauskirchen entdeckte ich 2001 auch die Ruinen von 2 Kalköfen östlich Hauskirchen an der Straße Richtung St.Ulrich. Lt. meinen laienhaften Kenntnissen dürfte es sich dabei um "Schachtöfen" handeln, da oben noch verrostete Rutschen zur Beschickung vorhanden waren. Zwischen den beiden Öfen dürfte früher ein Schrägaufzug gewesen sein.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2017
  11. andreas2

    andreas2 Member

    hallo josef !

    wo war das ? vielleicht kenne ich den standort des ofens.

    lg, andreas
     
  12. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Die "Kleinraffinerie" mit Decknamen "Ofen 33/34" befand sich westlich Hauskirchen. Die Kalköfen befinden sich auf der hier zu sehenden Karte rechts an der Straße von Hauskirchen nach St.Ulrich, etwa im Bereich der dort eingezeichneten Kapelle...

    lg
    josef
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2017
  13. andreas2

    andreas2 Member

    hallo josef !

    laut fotos handelt es sich um einen typischen schachtofen. einen von der größe her ähnlichen gab es bei ötzbach (gem. mühldorf). auch der ist von oben mittels aufzug und rutsche beschickt worden, die aber nicht mehr erhalten sind.

    lg, andreas

    Den Anhang 27693 betrachten einfacher schachtofen in ötzbach (betrieb 1958-1961)
     
  14. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Kalkofenanlage bei Weissenbach an der Triesting

    An der Zufahrtsstraße zur Steinwandklamm von Weissenbach an der Triesting aus, nahe Furth, kommt man auch an einer ehemaligen Kalkofenanlage mit 2 Schachtöfen vorbei:
     

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  15. struwwelpeter

    struwwelpeter Member

    Was mich noch interessieren würde:
    Wie wird es heute gemacht?
    Ist dieses Produkt nicht mehr gefragt, hat sich die Technology gewandelt und wird es anders erzeugt?
     
  16. Joe

    Joe Fehlerkramrumschlager Mitarbeiter

    Das Prinzip ist heute noch das gleiche wie früher. Nur werden die Mengen heute großtechnisch und zentral hergestellt, nicht mehr an kleinen Kalkvorkommen.
    Dafür gibt es Zement- und Kalkwerke mit großen Drehrohr- oder Verwirbelungsöfen.

    Meist direkt an großen Kalksteinbrüchen gelegen, werden die Wege bis zum Endprodukt kurz gehalten.
    Gruß
    Joe
     
  17. Stoffi

    Stoffi Member

    da gab's doch was mit ungelöschtem Kalk in die oberste Toilette einer Schule schütten und runterspülen ....:D
     
  18. josef

    josef Administrator Mitarbeiter

    Heutige großindustrielle Produktion von Kalkprodukten

    Da brauchst du von WN aus nicht weit zu schauen, ein "Abstecher" nach Wopfing ins Piestingtal genügt:
     

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  19. Harald 41

    Harald 41 Active Member

  20. andreas2

    andreas2 Member

    (ungelöschtes) kalkpulver wurde nicht nur im klo zum desinfizieren gebraucht. das u. u. jährliche "weißen" im stall und in der küche half gegen fliegen u. a. ungeziefer. die toten in gräbern, v. a. zu zeiten von pestepidemien, wurden ebenfalls mit kalk bestreut. auch beim gerben von häuten und fellen wurde es deswegen eingesetzt.

    andreas
     

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