Ältestes Stadtrecht von Wien gefunden

josef

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#1
Ältestes Stadtrecht von Wien gefunden

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Eine lange gehegte, aber nie bewiesene Vermutung ist nun Gewissheit: Das älteste Stadtrecht Wiens stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Römerzeit und ist damit rund 1.000 Jahre älter als das bisherige „älteste Stadtrecht“, das aus dem Mittelalter stammt.
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Das geht aus der neuen Interpretation einer Bronzetafel hervor, wie das Wien Museum Dienstagvormittag in einer Pressekonferenz bekanntgab.

„Beweis“ lagerte unerkannt im Wien Museum
Über hundert Jahre lagerte das etwa handgroße Fragment von einer Bronzetafel im Depot des Museums, ohne, dass man es zuordnen konnte. Nun hat der Historiker Niklas Rafetseder herausgefunden: Das Stück ist Teil einer Tafel, auf der das Stadtrecht des römischen Legionsstandortes Vindobona geschrieben stand. Vindobona existierte zwischen dem Ende des 1. Jahrhunderts bis ins 5. Jahrhundert nach Christus. Vermutet hatte man schon länger, dass Vindobona das Stadtrecht besessen hatte, doch die Beweise fehlten bisher. Ob das Recht nur für die Zivilstadt oder auch für die Lagervorstadt gegolten hat, ist allerdings nicht geklärt.

Digitaler Abgleich führte zu heißer Spur
Möglich machte diese Entdeckung die Digitalisierung von archäologischen Fundstücken in globalen Datenbanken. Der Historiker Niklas Rafetseder von der Universität Wien forschte im Zuge seiner Dissertation zum römischen Stadtrecht und beschäftigte sich mit einer Stadtrechte-Tafel, die in den 1980er Jahren in der spanischen Stadt Irni in Andalusien gefunden wurde. Sie stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus.
Die Römer verwendeten gleiche oder ähnliche Rechtstexte für viele Städte, wie eine Art Vorlage, erklärt Niklas Rafetseder. Beim Vergleich der spanischen Inschriften mit anderen vorhandenen Fundstücken stieß er auf die Scherbe in Wien. „Ich habe bestimmte Schlagwörter in die Datenbank eingegeben und bin dann unter anderem auf dieses Stück im Wien Museum gestoßen“, erzählt er. Dass er in der globalen Datenbank ausgerechnet ein passendes Fundstück aus seiner Heimatstadt entdeckte, sei Zufall gewesen.

Wien Museum / Lisa Rastl
Niklas Rafetseder mit der Bronzetafel

Wiener Fragment in globaler Datenbank
Das Wiener Fragment wurde 1913 bei Grabungen im Ersten Bezirk an der Adresse „Am Hof 4“ gefunden, nahe der südlichen Mauer innerhalb des einstigen Legionslagers Vindobona. Bisher lagerte es neben 150.000 anderen Ausgrabungsobjekten im Depot des Wien Museums. 41 Zeichen sind auf dem Metallstück zu sehen, doch zwei Worte machten Niklas Rafetseder aufmerksam: „edicta“ und „Galba“. Galba ist der Name eines römischen Kaisers der von 68 bis 69 nach Christus regierte. Lange Zeit nahm man an, das Fundstück sei Teil eines Edikts, das der Kaiser Galba erlassen habe. Doch zu Galbas Zeit hatte es in Wien noch keinen festen Legionsstandort gegeben.

Erst der Vergleich mit den spanischen Funden entschlüsselte das Rätsel, erklärt Niklas Rafetseder: „Auf der Stadtrechtetafel von Irni kommt die Formulierung vor, dass die Amtsträger in den lokalen Gemeinden nichts tun sollen, dass gegen die Edikte und Dekrete der Kaiser verstößt.“ Üblicherweise wurden auf den Tafeln auch die bereits verstorbenen Kaiser aufgezählt, darunter eben auch Galba, der bis 69 nach Christus regiert hatte, eine Zeit, in der die Römer noch nicht fest in Wien verankert waren, erklärt Rafetseder. Er datiert die Verleihung des Wiener Stadtrechts auf einen möglichen Zeitraum zwischen 120 bis 250 nach Christus.

Stadtrecht war Privileg
Nur privilegierte Gemeinden erhielten das Stadtrecht vom Kaiser. Danach durften sie sich Municipium oder Colonia nennen. Römische Stadtrechte beinhalteten viele Bereiche, von den Bürgerrechten über die Ämtervergabe, die Rechtsprechung, Steuererhebung, bis hin zum Brandschutz. Es wurden beispielsweise Kanal- und Straßenbau geregelt, die Wahl der Beamten, oder auch ein Baueinsatz: Jeder Bürger der Gemeinde konnte im Jahr für fünf Tage im Baueinsatz verpflichtet werden.

Üblicherweise wurde das Stadtrecht auf mehrere Bronzetafeln geschrieben und diese öffentlich ausgestellt. Im Laufe der Geschichte wurde das Material vielerorts immer wieder eingeschmolzen, weshalb nur wenige Stadtrechtetafeln bis heute erhalten geblieben sind.
Die Studie von Niklas Rafetseder über das Stadtrecht von Wien wird demnächst in der Fachzeitschrift TYCHE des Instituts für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien veröffentlicht.

Niklas Rafetseder arbeitet seit 2015 an seiner Dissertation über das Römische Stadtrecht an diesem Institut und auch am Institut für Römisches Recht und antike Rechtsgeschichte der Universität Wien. 2019 wurde seine Dissertation mit dem Theodor-Körner-Förderpreis ausgezeichnet.
03.03.2020, Hanna Ronzheimer, Ö1-Wissenschaft
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josef

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#2
Streit um älteste Stadt Österreichs

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Jahrzehntelang hat Enns als älteste Stadt Österreichs gegolten. Der Fund eines Dokuments in Wien lässt Historiker aber darüber diskutieren, ob nicht doch die Bundeshauptstadt die älteste Stadt Österreichs sein könnte. In Enns ist man sich seiner Sache aber sicher.
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Wien hat offenbar nicht erst – wie bisher angenommen – seit 1221 ein Stadtrecht, sondern bereits seit rund 1.000 Jahren davor. Ein entsprechendes Dokument wurde nun entschlüsselt. Es handelt sich dabei um ein eher unscheinbares Stück Bronze, das laut aktuellen Untersuchungen dokumentiert, dass die Vorstadt des römischen Militärlagers Vindobona bereits über den Status als „Munizipium“ verfügte.

W. Simlinger/cityfoto
Lange Zeit galt Enns als älteste Stadt Österreichs

Enns „nachweislich“ älteste Stadt
In Enns sieht man diese neuen Erkenntnisse gelassen. Immerhin sei man die nachweislich älteste Stadt Österreichs – „mit der Betonung auf nachweislich“, so Gottfried Kneifel der Obmann des Vereins Museum Lauriacum in Enns. Nachweislich deshalb, weil Enns das Original der Stadtrechtsurkunde hat, mit dem der Babenberger Herzog Leopold VI. 1212 Enns bedachte.
Aber auch ein Rückblick in die Römerzeit macht Wien nicht unbedingt zur ältesten Stadt. Enns ist die Nachfolgestadt des römischen Lauriacum. Und Lauriacum wurde im Jahr 212 zur Stadt erhoben. Der in Wien gefeierte neue Fund wird auf die Zeit 150 bis 250 n. Chr. datiert.

ORF
Die Ennser Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1212 im Museum Lauriacum

Bei der Datierung geht es nicht nur um Prestige. Die älteste Stadt Österreichs zu sein, ist für Enns auch wirtschaftlich wichtig, denn die Tourismuswerbung ist darauf ausgerichtet, wie Bürgermeister Franz Stefan Karlinger erklärt: "Es wäre für uns schon ein schmerzlicher Verlust, weil es doch viele Menschen gibt, die die Stadt Enns besuchen, weil sie die älteste Stadt Österreichs war und hoffentlich auch in der Zukunft sein wird.

ORF.at/Sonja Ryzienski

Wien soll sein Stadtrecht bereits rund 1.000 Jahre vor 1221, wie bisher angenommen, erhalten haben.
Ungeachtet dessen ist die Freude in Wien groß. „Damit wird die Stadtgeschichte neu geschrieben“, freute sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Wiener Römermuseum. Im Interview mit dem ORF Wien betonte der Bürgermeister auch, wie stolz er darauf sei, „dass Wien die offensichtlich älteste Stadt“ sei. Sein Ennser Amtskollege sprach von „Kleinklauberei“ und, dass die Stadt Enns den „Fehdehandschuh“ gerne aufnehme.

Wiener Historiker ordnete Stadtgesetztafel zu
Im Zuge seiner Dissertation entdeckte der Historiker, Geschichte- und Lateinlehrer Niklas Rafetseder Parallelen zwischen dem Fundstück und 1986 in Andalusien entdeckten Tafeln des römischen Stadtgesetzes aus dem ersten Jahrhundert. So konnte er nachweisen, dass die Bronzetafel aus dem Depot des Wien Museums das Fragment einer römischen Stadtgesetztafel darstellt. Das Stadtrecht bezog sich dabei wahrscheinlich nicht auf den Legionsstandort Vindobona selbst, sondern auf die im heutigen Bezirk Landstraße gelegene Zivil- bzw. Lagervorstadt.

Wien Museum / Birgit und Peter Kainz
Die römische Stadtgesetztafel

Dort wohnten etwa die Familien der Soldaten oder Handwerker. Sie dürfte zwischen 120 bis 250 den Status eines „Munizipiums“ gehabt haben. Wien ist damit aber nicht unbedingt die älteste Stadt Österreichs. Das ältere Lager in Carnuntum habe mit Sicherheit auch ein „Munizipium“ gehabt, so Rafetseder.

Römisches Stadtrecht vom Kaiser verliehen
Das römische Stadtrecht wurde vom Kaiser privilegierten Gemeinden verliehen. Geregelt wurden dadurch die institutionelle Ordnung wie Ämter und Stadtrat, die Rechtsprechung, die politische Leitung durch eine Klasse von angesehenen Bürgern und die Administration, von der Steuererhebung bis zum Brandschutz und zur Straßenreinigung.
Bürgermeister gab es damals übrigens sogar zwei: Sie waren allerdings hauptsächlich für die Rechtsprechung zuständig und amtierten nur ein Jahr.

Link:
Streit um älteste Stadt Österreichs
 

josef

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#3
Historikerstreit um älteste Stadt Österreichs
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Enns oder Wien – wer ist die älteste Stadt Österreichs? Bisher hatte Enns dieses Prädikat, jetzt reklamiert es Wien für sich. Ein kleines Bronze-Stück aus der Römerzeit soll das beweisen, aus Enns kommt allerdings Widerspruch.
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Seit exakt drei Tagen beansprucht die Bundeshauptstadt den Titel „Älteste Stadt Österreichs“ für sich. Nach der Auswertung eines Bronzefragments aus der Römerzeit als Teil einer Stadrechtstafel von Vindobona. „Ich bin froh, dass Wien die älteste Stadt ist mit zweiten Plätzen geben wir uns nicht zufrieden“, so Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).
Der Beweis ist somit erbracht, dass das römische Vindobona Stadtrecht hatte. Ein genaues Datum lässt sich laut Historikern jedoch nicht bestimmen, es könnte zwischen 120 bis 250 nach Christus liegen. „Genau in diese Zeitspanne fällt auch das Ennser römische Stadtrecht Lauriacum im Jahr 212“, sagte Gottfried Kneifel, Obmann des Museumverein Lauriacum in Enns.

ORF
Der Beweis aus Wiener Sicht: Ein Bronzefragment aus der Römerzeit

„Ein bissl Spaß“
Damit sehe es, was die Römerzeit betrifft, für Wien nicht so gut aus, behaupten die die Ennser. Die exakt 1.000 Jahre später ausgestellte und zeitlich gesicherte Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1212 von Herzog Leopold VI. ist auf jeden Fall älter als jene Wiens. Denn der Babenberger hat Wien erst neun Jahre nach Enns urkundlich zur Stadt erklärt.
Betrachtet man ausschließlich die Römerzeit, könnte laut Archäologen auch Salzburg um den Titel der „Ältesten Stadt Österreichs“ mitmischen. Entscheidend für Wien wäre also das genaue Datum des Fragments der Stadtrechtstafel.

Streit um Titel „Älteste Stadt“
„Wir können es ungefähr datieren und wir wissen, dass andere Beweise für Stadtrechte aus der Römerzeit in einem ähnlichen Datumsfeld sind. Dann ist es halt ein bissl ein Spaß, zu überlegen wer könnte wirklich der Älteste sein. So wie es im Fußball Rivalitäten gibt. Ganz genau werden wir das nie wissen“, sagte Wien-Museum-Direktor Matti Bunzl. Die Auseinandersetzung um den Titel der „Ältesten Stadt Österreichs“ ist also noch lange nicht vorbei.
06.03.2020, wien.ORF.at
Historikerstreit um älteste Stadt Österreichs
 

TORad

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#4
Schönen Guten Morgen,

Im zweiten Semester meines Geschichtsstudiums in Salzburg, bei Professor Emeritus Dr. Dopsch, habe ich gelernt das es in Österreich mehrere Städte gibt die älter sind als ENNS.
In Erinnerung ist mir Juvavum (=Salzburg) Vindobona geblieben.
Diese Städte sind immer als Municipium benannt worden, diese Bezeichnung habe sie auch nie verloren.
Jedoch hat man noch keine schriftlichen Belege der Erhebend zum Municipium gefunden.
Die ist nun in Wien offensichtlich geglückt.
Somit haben wir womöglich jetzt die schriftlich belegte Erhebungsurkunde einer Stadt in Österreich.

Grüße
Ralf
 

TORad

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#5
Guten Abend,

nach längerem Suchen habe ich nun ein Buch meines Professors die Zeilen gefunden die Klar sind.
"Salzburg, die Geschichte einer Stadt" von Heinz Dopsch und Robert Hofmann, Anton Pustet Verlag, Salzburg 2008, ISBN 978-3-7025-0598-1.
Seite 40 und 41,

"Der bekannte römische Schriftsteller und Naturforscher, Plinius der Ältere, berichtet über die römische Städte in Noricum: Virunum (nördlich von Klagenfurt), Celeia (Cilli/Celje in Slowenien), Teurnia (bei Spital an der Drau), Aguntum (bei Lienz in Osttirol), Iuvavum sind claudische Städte, Solva (bei Leibnitz in der Steiermark) ist eine flavische. Damit bezeugt Plinius, daß in Noricum fünf Gemeinden, darunter auch Iuvavum, unter Kaiser Claudius das Stadtrecht erhielten, während Solva erst unter Kaiser Vespasian (69 - 79 n. Chr.) zur Stadt erhoben wurde. Von den ältesten römischen Städten in Noricum war Iuvavum die einzige nördlich der Alpen, alle anderen lagen im Süden, wo sich auch der alte wirtschaftliche und politische Schwerpunkt der Provinz befand.
Spätestens seit dem Jahre 54 n. Chr. besaß Iuvavum also die Rechtsstellung eines municipium, einer römischen Landstadt mit weitgehender Selbstverwaltung."

Fußnote: Plinius, naturalis historia 3, 146; Provinzhauptstadt wurde Virunum, wo auch der Statthalter seinen Sitz nahm; vgl. Hermann Vetters, Virunum, in: Paulys Realencyclopedie der Klassischen Altertumswissenschaft IX A, I (1961), 244 - 309; Gezea Alföldy , Noricum, München 1974; Rudolf Hanesch, Capita provinciarum. Statthaltersitz und Provinzverwaltung in der römischen Kaiserzeit (Kölner Forschungen 7); Köln 1997, 353 ff.; Gassener/Jilek/Ladstätter, Am Rande des Reiches, 82f..

Somit ist hier Zitiert was der Professor Dr. Dopsch (er Stammt aus Wien) immer sagte: "Als in Wien noch die Horden herum zogen war Salzburg schon lange eine Stadt."

Wenn man davon ausgeht das Salzburg immer noch ein Erzstift ist und nicht zu Österreich gehört und die andern oben angeführten Städte untergegangen sind oder zu Slowenien(Cilli) gehören könnte man Ludwig zustimmen.
Jedoch ist für Ludwig, Häupl und Co das Österreichische Staatsgebiet auf Wien beschränkt.

Einen Schönen Abend und einen schönen Sonntag
mit Genugtuung
Ralf
 
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