Alles zur deutschen Atomforschung

#81
Proxima hat geschrieben:
Wie du da jetzt drauf kommst ist mir unklar.
Wie du soetwas fragen kannst ist mir unklar. :D
Kleine Nachhilfe:

Die deutsche Entscheidung zum Bau einer Uranmaschine (1942)


Die entscheidende Sitzung zum deutschen Atomprogramm fand 4. Juni 1942 in Berlin statt. Außer Rüstungsminister Albert Speer und Heisenberg nahmen u. a. General Friedrich Fromm und Feldmarschall Erhard Milch sowie die Physiker Hans Jensen, Karl Wirtz, Karl Friedrich von Weizsäcker und Erich Bagge daran teil, um nur die zu nennen, die dann aktiv am deutschen Atomprogramm mitgearbeitet haben. Der innerer Kreis der Forscher war bei den Kollegen unter dem Kürzel WHW bekannt: Heisenberg zwischen Weizsäcker und Wirtz.

Speer erinnert sich an dieses Treffen: Heisenberg trug über Atomzertrümmerung, die Entwicklung der Uranmaschine und eines Teilchenbeschleunigers, des Zyklotrons, vor. Bei seinem Vortrag bemühte sich Heisenberg, den Propagandaslogan der Nazis: Die deutsche Wissenschaft steht im Dienste des Krieges umzudrehen, indem er den Krieg in den Dienst der Wissenschaft stellen wollte. So klagte er über den Mangel an Material und Geldmitteln für bereits genehmigte Forschungsvorhaben sowie über die Einberufung begabter Physiker zum Kriegsdienst. Das sei ganz und gar anders bei den Amerikanern, die bereits einen gewaltigen Vorsprung auf dem Gebiet der Kernforschung haben dürften. Auf Nachfrage betonte Heisenberg, dass dem Bau einer Atombombe rein wissenschaftlich nichts im Wege stünde, doch würden die industriellen Vorbereitungen in Deutschland mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen. Speer bot daraufhin an, große Zyklotrone zur Isotopentrennung bauen zu lassen. Heisenberg antwortete, dass man in Deutschland aus Mangel an Erfahrung zunächst mit einem kleinen Gerät beginnen müsse. Später forderte Heisenberg für weitere Forschungen an der Uranmaschine nur einige 100 000 Mark. Darüber war Speer war so befremdet, dass er eigenmächtig die Summe auf 2 Millionen Mark aufstockte. Als man dann 1943 in Deutschland ernsthaft zur experimentellen Reaktorphysik übergehen wollte, stellte sich heraus, dass die Wehrmacht in Ermangelung von Wolfram die vorhandenen Uranvorräte bereits zur Herstellung von panzerbrechenden Geschossen beschlagnahmt hatte.
Aber lassen wir auch Heisenberg selbst zu Wort kommen (Nach Interviews für seine Biographie)

Heisenberg erörterte (am 4.6.1942) auch die Funktionsweise einer Atombombe, was im Saal Aufsehen erregte. Auf die Frage, wie groß eine Bombe sein müßte, die ganz London in Schutt und Asche legt, antwortete Heisenberg: “Etwa so groß wie eine Ananas.” Aber Heisenberg sagte auch: Im Prinzip kann man schon Atombomben machen und kann auch diese Sprengstoffe gewinnen; aber alle Verfahren, die wir bisher kennen...sind so ungeheuer kostspielig, daß es vielleicht viele Jahre dauern würde, und daß es eben einen ganz enormen technischen Aufwand von Milliarden brauchen würde.”
In seinen Gesprächen mit Speer erreichte er, daß das deutsche Uranprojekt lediglich in einem bescheidenen Umfang weiter betrieben wurde. "Es war ein Auf-der-Stelle-treten... Damit konnte das einzige erreichbare Ziel nur noch sein, einen energieerzeugenden Uranbrenner zum Betrieb von Maschinen zu bauen."
Bitter wurde es ihm allerdings, als nach der deutschen Niederlage die amerikanischen Sieger sich auch ihrer wissenschaftlichen Überlegenheit rühmten und das gescheiterte deutsche Uran-Vorhaben als jämmerlichen Fehlschlag der deutschen Forschung bezeichneten.
Das die Entscheidung Speers gegen die Atombombe und für die Uranmaschine ausfiel war ein Glücksfall, denn Heisenberg besaß nicht das nötige politische Geschick ihren Bau zu verhindern. Er ließ einfach die Tatsachen sprechen und hatte Glück, daß kein Himmler oder andere Fanatiker an diesem Projekt interessiert waren.
 
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P

Proxima

Guest
#82
Ach wenn ich doch nur wüßte, wie die Doku hieß. :fragend

Das die Entscheidung Speers gegen die Atombombe und für die Uranmaschine ausfiel war ein Glücksfall, denn Heisenberg besaß nicht das nötige politische Geschick ihren Bau zu verhindern.
Ich sehe nicht, wo sich da die Aussagen schneiden.
Auch Speer suchte sicher, wie andere auch, nach einem Hintertürchen. Warum hat Deutschland über die Jahre hinweg die Produktion von schwerem Wasser forciert, und das bis zum Schluß, warum hatten sonst die Allierten so viel Angst vor der deutschen Atomforschung und haben nachdrücklich alles zur Störung unternommen?
Ganz einfach, weil man nicht sicher einschätzen konnte, wie weit man wirklich war und an was geforscht wurde. Ein funktionierender Reaktor zur Energiegewinnung, bedeutet auch die Fähigkeit zur Bombe, oder liege ich da falsch?
 
#83
Proxima hat geschrieben:
Auch Speer suchte sicher, wie andere auch, nach einem Hintertürchen. Warum hat Deutschland über die Jahre hinweg die Produktion von schwerem Wasser forciert, und das bis zum Schluß,
Da muss ich dir recht geben. In Speers Erinnerungen, klingt das ganze so, als habe er den Bau der Bombe verhindert. Das Speer an einigen Stellen seine Erinnerungen "geschönt" hat, ist ja mittlerweile bekannt und nachgewiesen.

Allerdings forschte die dt. Physiker an einem Schwerwasser- und Graphit-moderierten Reaktor, den der kann auch mit Natururan zum Einsatz kommen. Und das war, das einzige Material, was sie in relativ genügender Menge zur Verfügung hatten. Bis 1943, da hatte die Wehrmacht große Teile des Uranerzvorrates für panzerbrechende Munition verbaut.
 
R

Räppold

Guest
#84
:cool:
@ Michael: Kann mich Deiner Argumentation nur anschließen!

Habe - ich weiß leider nicht mehr wo - eine Aussage von Churchill gelesen, wonach er die ersten Einschläge der A 4 (V2) mit dem Geigerzähler untersuchen ließ; man hatte Angst vor einer radiaktiven Strahlung (sei es nun von einer "schmutzige Bombe" oder wirklich einer A-Bombe), er hatte vor, bei einer rad. Strahlung Giftgas einzusetzen.
Wonach man m. E. stärker als nach einer Bombe forschte, waren atomare Antriebe aufgrund der Treibstoffknappheit. Meines Wissens arbeitete man sogar an atomaren Flugzeugmotoren; erinnern wir uns aber mal an den atomaren Antrieb des Frachters "Otto Hahn" - ohne längere vorherige Forschungen wäre dies zu diesem Zeitpunkt unmöglich gewesen.
In diesem Sinne und noch einen schönen Sonntag (wir haben Sonnenschein!!)
Jürgen
 
M

MarcoPolo

Guest
#85
Sorry, jetzt komme ich dazu dieses Forum wieder zu besuchen.

Zu den weiter oben gestellten Fragen:
Die ALSOS-Mission ist davon ausgegangen, die Deutschen seien mit der Erforschung und Anwendung der Atombombe weiter vorangekommen als die Allierten.

Welche genauen Strukturen und Absichten die deutsche Atomforschung bereits im Laufe des Jahres 1940 erreicht hat, sieht man in der Kopie der Patentschrift von Weizsäcker, Anfangs 1941 eingereicht, und darin schreibt er klar von der Plutonium-Bombe wie auch U235-Bombe (siehe im beigefügten Bild unten den ersten Absatz). Man erkennt sofort Zwei Grossziele: Atombombenforschung und Atomenergieforschung.
http://www.welt.de/print-wams/article125607/Weizsaeckers_Atombomben-Patent.html

Kettenreaktion: Die verschiedenen Atommeiler-Experimente haben Kettenreaktionen ausgelöst, und zwar mit Hilfe von Neutronenquellen, die Kettenreaktion war aber noch nicht selbsterhaltend, sondern klingt langsam ab, wie die Messprotokolle gezeigt haben. Worauf es hier ankommt, ist eine sich erhaltende Kettenreaktion, die eine konstante Wärmeenergie (für eine Dampfturbine) abgibt und die mit Steuerstäben reguliert wird. Es stimmt also nicht man habe keine Kettenreaktion auslösen können.

Was ich vorhin gemeint habe, man kann nicht aufgrund der Atommeiler-Experimente nicht behaupten man habe keine Atombombenforschung betrieben. Das ist die Begründung die Weizsächer/Heisenberg nach dem Krieg verbreitet haben. In Tat und Wahrheit existieren mehrere Gruppen die sich der Atombombenforschung verschrieben haben, das sagen mehrere Hinweise, und vor allem diese Patentschrift. Es ist also völlig undenkbar, dass in einem Hitler-Deutschland keine Absicht nach einer Atombombenforschung gab. Historiker müssen die richtigen Fragen stellen und nicht einfach die Schutzbehauptungen von Weizsäcker & Co für bare Münze zu nehmen. Ich meine nicht, dass die Forschung erfolgreich war, aber man hat ganz bestimmt Zeit und Energie in Experimente zu Teilaspekten der Atomforschung gesteckt.
 

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#86
Dann dürfte die Behauptung mit der Ananas großen Bombe von Heisenberg stammen aber der hat bestimmt daran gedacht ... wenn alles optimal funktioniert dann könnte man.... aber Mehner hat diese Behauptung als bestehenden Fakt ausgelegt.

Ich denke schon länger daran, daß die Deutschen an atomaren Antrieben gearbeitet haben. irgendwo habe ich gelesen daß man sogar an einer Art "Reaktor" für Flugzeuge arbeitete und auch der Antrieb für U-Boote war sehr aktuell - den hattemn die Amis sehr schnell nach Kriegsende.....
uwe
 
M

MarcoPolo

Guest
#87
Bin jetzt dazu gekommen die weiteren später erscheinenden Beiträge zu lesen, und möchte dazu wie folgt äussern:

- Uranerzvorkommen: Zu dieser Zeit gab es zwei grosse Uranerzvorkommen: Thüringen und Belgisch-Kongo. Mit der Besetzung von Belgien hat Deutschland einen riesigen Lager von Uranerz (beim Hafen) in Beschlag genommen und bis Kriegsende längst nicht alles verbraucht. Es war noch genug vorhanden.

- Was Speer, Heisenberg usw. nach dem Krieg sagen - darf man nicht für bare Münze nehmen. Was man von der Geschichte weiss, kann man zwei Epochen unterscheiden: 1. Epoche bis 1943 - wo die Wissenschaftler an den deutschen Sieg glauben und sich entsprechend verhalten. 2. Epoche nach 1943, wo die Wissenschaftler die deutsche Niederlage erkennen und sich auf eine Karriere nach dem Krieg einstellen. Z.B. Wernher von Braun.

- Farm Hall Protokolle: Die Überraschung für die Wissenschaftler besteht eher darin. Dass sie sich eigentlich ausgerechnet haben, dass die Allierten in der Atomforschung hinter den Deutschen zurückliegen und ihre Hilfe brauchen für die zwei Bereiche Atomenergie und Atombombe. Nachdem die Wissenschaftler von der erfolgreichen Explosion der Atombombe hörten, war ihnen klar, dass ihre Hilfe nicht in grossem Massstab gebraucht wird. Statt dessen macht sich Beschämung breit.

- Atomare Antriebstechnik: Zuerst haben USA, Russland funktionsfähige Atommeiler entwickelt, dann erst hat man das nötige Wissen, kleinere bzw. grössere Meiler zu bauen. Bezogen auf deutsche Atomenergieforschung: Zuerst hätten Weizsäcker und Heisenberg ihren ersten erfolgreichen Atommeiler bauen sollen bevor sie mit Erfahrungswerten kleinere Atommeiler für U-Boot bauen können.
 
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#88
Da stimme ich Dir zu - oft kommt es so vor als würde der zweite vor dem ersten Schritt getan - man wußte um die freigesetzte Energie bei einer Kettenreaktion und schon kommt der Gedanke nach deren Nutzung für z. B. Antriebe ohne aber zu wissen wie man die Reaktion im Kleinen steuern kann, da man dies noch nicht mal im Großen beherrschte.....
uwe
 
#89
MarcoPolo hat geschrieben:
- Uranerzvorkommen: Zu dieser Zeit gab es zwei grosse Uranerzvorkommen: Thüringen und Belgisch-Kongo. Mit der Besetzung von Belgien hat Deutschland einen riesigen Lager von Uranerz (beim Hafen) in Beschlag genommen und bis Kriegsende längst nicht alles verbraucht. Es war noch genug vorhanden.
Der größte Teil wurde wie gesagt, 1943 bei der Munitionsherstellung verbraucht. Du meinst bestimmt die 1.100t Uranerz, die in Stassfurt im Kalibergwerk eingelagert waren und von den Amerikanern Anfang April 1945 abtransportiert wurden.

MarcoPolo hat geschrieben:
- Farm Hall Protokolle: Die Überraschung für die Wissenschaftler besteht eher darin. Dass sie sich eigentlich ausgerechnet haben, dass die Allierten in der Atomforschung hinter den Deutschen zurückliegen und ihre Hilfe brauchen für die zwei Bereiche Atomenergie und Atombombe. Nachdem die Wissenschaftler von der erfolgreichen Explosion der Atombombe hörten, war ihnen klar, dass ihre Hilfe nicht in grossem Massstab gebraucht wird. Statt dessen macht sich Beschämung breit.
Nichts anderes sagte ich schon, man fühlte sich im Elfenbeinturm weit voraus und war eigentlich hintenan und entbehrlich... .
 
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MarcoPolo

Guest
#90
@Michael
Ja genau diese 1100 t Uranerz das immer noch vorhanden war. Für die Atomforschung wurden Uranoxid oder Uran als Metallbarren gebraucht sowie kleinerer Mengen anderer Uran-chemische Verbindungen für spezielle Zwecke.

Ich verstehe nicht ganz wieso z.B. Uran-Munition im 1943 ausgegangen sein soll? Ich habe mich nicht näher mit diesem interessanten Aspekt befasst. So weit ich gerade kurz gegoogelt habe, waren die sogenannten "DU-Geschosse" eine deutsche Erfindung von 1943 und zu ihrer Herstellung hat man Uran 238 in Form von Uranoxid gebraucht.

Hab gerade das gefunden:
1943-10-30 Nach Berichten des US-War-Department vom 30.10.1943 hat Deutschland im Oktober 1943 den Einsatz von Radioaktivität als Kriegswaffe vorbereitet. Im Sommer 1943 hat Deutschland die Wolfram-Importe aus Portugal gestoppt. Statt dessen wurde befohlen, Uran für die Produktion von Hartmantelgeschossen zu verwenden.
 
#91
MarcoPolo hat geschrieben:
Ich verstehe nicht ganz wieso z.B. Uran-Munition im 1943 ausgegangen sein soll? Ich habe mich nicht näher mit diesem interessanten Aspekt befasst. So weit ich gerade kurz gegoogelt habe, waren die sogenannten "DU-Geschosse" eine deutsche Erfindung von 1943 und zu ihrer Herstellung hat man Uran 238 in Form von Uranoxid gebraucht.

Hab gerade das gefunden:
1943-10-30 Nach Berichten des US-War-Department vom 30.10.1943 hat Deutschland im Oktober 1943 den Einsatz von Radioaktivität als Kriegswaffe vorbereitet. Im Sommer 1943 hat Deutschland die Wolfram-Importe aus Portugal gestoppt. Statt dessen wurde befohlen, Uran für die Produktion von Hartmantelgeschossen zu verwenden.
:D Nein, nicht ausgegangen, sondern anstelle des fehlenden Wolframs sprunghaft angestiegen. !943 gingen die Goldvoräte zum Handel mit den Achsenpartnern und Neutralen dem Ende entgegen. Zum anderen stieg der Munitionsverbrauch gerade an der Ostfront durch die Operation Zidadelle und die russischen Gegenoffensive sprunghaft an. Wolframmangel herrschte für die Munitionsfertigung schon seit 1940. Dieser Mangel versuchte das Heereswaffenamt zu kompensieren, in dem sie die bis dato unbenutzten Uranerzvorräte beschlagnahmten und der Munitionsfertigung zuführten.
Die 1100t in Stassfurt waren wohl noch für die Munitionsfertigung im Magdeburger Raum bestimmt.
 
#92
geo-tec hat geschrieben:
Dann dürfte die Behauptung mit der Ananas großen Bombe von Heisenberg stammen aber der hat bestimmt daran gedacht ... wenn alles optimal funktioniert dann könnte man.... aber Mehner hat diese Behauptung als bestehenden Fakt ausgelegt.
Ja, Heisenbergs Aussage. Das wird so wie bei Messerschmitt gewesen sein, der Auf die Frage, ob die Me 262 Bomben tragen könne, antwortete:"Im Prinzip ja." und dann noch einen draufsetzte, um Hitler zu beeindrucken und sein Projekt durchzuboxen:"Das ist von vorherein so vorgesehen." Was glatt gelogen war und selbst ein Schulkind sieht daß das ein Jäger und kein Bomber ist. :D
Er war sich der Tragweite seiner Worte an dem Tag nicht bewußt und selbst Hitlers Entourage nahm dies nicht sonderlich ernst, bis dann Hitler 6 Monate später... . Aber das ist eine andere Geschichte.

Heisenberg erörterte (am 4.6.1942) auch die Funktionsweise einer Atombombe, was im Saal Aufsehen erregte. Auf die Frage, wie groß eine Bombe sein müßte, die ganz London in Schutt und Asche legt, antwortete Heisenberg: “Etwa so groß wie eine Ananas.”
Übrigens war hier noch das Ziel London und nicht New York. :D
 
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hebbel

Guest
#93
Michael aus G hat geschrieben:
Das wird so wie bei Messerschmitt gewesen sein, der Auf die Frage, ob die Me 262 Bomben tragen könne, antwortete:"Im Prinzip ja." und dann noch einen draufsetzte, um Hitler zu beeindrucken und sein Projekt durchzuboxen:"Das ist von vorherein so vorgesehen." Was glatt gelogen war und selbst ein Schulkind sieht daß das ein Jäger und kein Bomber ist. :D

...das ist eine andere Geschichte.
Die "andere Geschichte" macht aber auch deutlich, daß man um Ressourcen "buhlen" mußte und sie nicht bekam, wenn man es bei Hitler versch... hatte oder ihn nicht beeindrucken konnte. Da nützte es auch nicht, daß man ein Jagdflugzeug zur Verfügung hatte, in dem sich Jagdflieger fühlten, als wären sie von Engeln geschoben und dieses vielleicht 5 ME109 ersetzen könnte.
...für einen Bomber einen Jäger... war Hitlers Reaktion.
Quelle: A. Galland

Mein vorläufiges Fazit:
Entwicklungen wurden durch Protagonisten bewußt in ihnen genehme Richtungen gelenkt und es war längst nicht mehr "alles möglich", wie einige Leute immer noch glauben machen wollen. Der Zug der Zeit war ebenfalls schon abgefahren.
Wobei die "Lüge" Messerschmitts selbst zu diesem Zeitpunkt sogar sinnvoll gewesen wäre, wenn sie sofort zu einer verstärkten Produktion der ME262 geführt hätte, wohingegen Heisenberg die Probleme bei der Zusammenführung unterkritischer Reaktionsmassen vielleicht nicht gesehen hatte oder sie bewußt verschwieg (siehe "Ananas").

Dieter
 
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#94
Erinnert mich irgendwie an heute-ausufernde Bürokratie, jeder pflegt seine Lobby und redet von Dingen die er nur oberflächlich kennt. Aber das schlimmste ist - keine einheitliche Linie sowohl in Forschung, Industrie und Verwaltung, dadurch begünstigt eine weitreichende "Verzettelung" und kein gemeinsames Ziel.
uwe
 
#96
geo-tec hat geschrieben:
Erinnert mich irgendwie an heute-ausufernde Bürokratie, jeder pflegt seine Lobby und redet von Dingen die er nur oberflächlich kennt. Aber das schlimmste ist - keine einheitliche Linie sowohl in Forschung, Industrie und Verwaltung, dadurch begünstigt eine weitreichende "Verzettelung" und kein gemeinsames Ziel.
uwe
Das ist eine der besten Umschreibungen für unsere Gesellschaft, die ich bisher gelesen habe!
 
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hebbel

Guest
#97
Hier (Otto Hahn und die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Zerrspiegel neuerer Kritik) ist das Tohubahowu im deutschen Uranprojekt zusammenfassend beschrieben. Ab Kapitel 7 geht es mit dem scheinbaren Widerspruchspaar Reaktor - Bombe los. Tja, ungelöste wissenschaftliche und technische Probleme. Aber lest selbst.

Ein Zitat daraus:
Die Mittelknappheit betraf den Uranreaktor, das einzige Entwicklungsziel des Uranprojekts in Phase II, in voller Härte. 1943 fiel die Produktion von schwerem Wasser durch einen gezielten alliierten Luftangriff auf das norwegische Werk völlig aus, und man versuchte, in Deutschland eine eigene Anlage aufzubauen. Dazu sagte Harteck in Farm Hall, „daß die Sache machbar war, wenn wir genügend Material bekommen konnten. Nehmen Sie das schwere Wasser. Es gab drei Verfahren, von denen das teuerste 2 Mark pro Gramm und das billigste vielleicht 50 Pfennig kostete. Und dann haben sie dauernd darum gestritten, was zu tun sei, weil niemand bereit war, 10 Millionen auszugeben, wenn man es für drei Millionen machen konnte“

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#98
Da es hier im Forum scheinbar noch nicht "gebracht" wurde. -> Gedanken zur A-Bombe jenseits des Kanals. Das Frisch-Peierls-Memorandum.
Die räumen offenbar auch dem Clusius-Dickel-Trennrohr eine ausreichende Effektivität für 1 bis 2 Pfund ein. -> "Alloy tubes"

[Quellen und Volltexte (English) unter "Weblinks" im Link.]

Das sind SCHÄTZUNGEN zur Machbarkeit, KEINE Tatsachen im zeitgenössischen Kontext! :D

Gruß
Dieter
 
#99
Yukawa

gerade eben gelesen in Hochenergiephysik von Erich Lohrmann S.19: "Bei der Suche nach dem Kraftgesetz und den Feldern der starken Wechselwirkung muß man von vornherein von einer quantisierten Feldtheorie und Feldquanten ausgehn. Den ersten großen Fortschritt in dieser Richtung erzielte Yukawa 1935. "

Schon irgendwer von diesem Yukawa gehört? Laut Wiki
In 1935 he published his theory of mesons, which explained the interaction between protons and neutrons, and was a major influence on research into elementary particles. In 1940 he became a professor in Kyoto University. In 1940 he won the Imperial Prize of the Japan Academy, in 1943 the Decoration of Cultural Merit from the Japanese government.
http://en.wikipedia.org/wiki/Hideki_Yukawa
 
O

Odo74

Guest
Achtung, viel zu lesen ...

Bei allen strittigen Fragen bezüglich des Standes der Entwicklung verschiedener Techniken und Systeme im Deutschland des 3. Reiches hab ich's bisher so gehalten, dass ich mich erst mit den unabdingbar nötigen Voraussetzungen beschäftigt habe und dann auf die Suche in Quellen gegangen bin, ob diese Voraussetzungen zumindest theoretisch erfüllt gewesen sein könnten.

Das liefert noch immer weder Beweiß noch Gegenbeweiß, allerdings liefert es eine Grundlage zur Recherche und Diskussion. In vielen Bereichen gerade der fortschrittlichen Waffenforschung hilft einem trotzdem wenig anderes. Das kann man natürlich auch für die Konditionen tun, die erfüllt gewesen sein müssten, um eine Detonationsfähige Kernwaffe - sei es ein "Labormodell" oder ein "Einsatzmodell" - zu fabrizieren.

Eine Explosion ist prinzipiell nichts anderes als eine schnell ablaufende Reaktion unter massiver Freisetzung von Energie (wer hätte das gedacht, hm? ;-) ) in einem sehr kurzen Zeitraum. Viele Sprengstoffe setzen ihre Energie nur unter den richtigen Bedingungen "explisionsartig" frei. Kordit zum Beispiel brennt eigentlich ganz gemütlich, wenn auch recht heiß, so lange man es nicht auch noch "einsperrt", also unter Druck setzt. Mein Vater hat nach dem Krieg die heimischen Öfen mit Brocken aus den Kordit-Ladungen von Panzerfäusten angefeuert, ganz ohne Explosion.

Auch Kernmaterial setzt, wenn auch auf ganz andere Weise, seine Energie nur unter den richtigen Bedingungen explosionsartig frei. Eine unkontrollierte Kettenreaktion - in einem Reaktor zum Beispiel - endet noch nicht zwangsweise auch in einer Explision, das hängt von der Spaltungsrate ab. Beim Unfall in Tchernobyl war ein vielfaches der kritischen Masse zum Bau einer Atombombe vorhanden, wäre aber eine Kern-Explosion erfolgt, wäre vom Reaktorgebäude und der Umgebung wenig geblieben. Statt dessen ist der Reaktorkern "nur" geschmolzen, weil die Reaktionsrate - und damit die Freigesetzte Energie - zwar höher war als im normalen, moderierten Betrieb, jedoch deutlich unter dem kritischen Wert von > 1 lag.

Die Reaktionsrate gibt an, wieviele Spaltungen durch die bei einer "initialen" Spaltung eines Atoms freigesetzten Neutronen ausgelöst werden. Ist diese Rate kleiner oder gleich 1, läuft eine Reaktion träge ab und endet schließlich. Ist sie größer 1, nimmt die Reaktionsgeschwindigkeit im Lauf der Reaktion zu, eine explosionsartige Freisetzung der Energie ist die Folge.

Reaktionsraten größer 1 treten nur in kritischen Massen auf. Wie groß eine kritische Masse ist, hängt - neben dem verwendeten Material selbst - primär von der Form des Spaltmaterials und der Gestaltung seiner Umgebung ab. Ideal im Sinn der Verteilung der freigesetzten Neutronen ist eine Kugel, die von einem Neutronenreflektor - zum Beispiel aus Stahl oder Wolframcarbit - umgeben ist. Zusätzlich wird die Kritikalität einer Masse von ihrer Dichte bestimmt, da bei zunehmender Dichte die Wahrscheinlichkeit steigt, das ein Neutron der Initial-Spaltung (oder einer Neutronenquelle) den Kern eines anderen Atoms trifft und spaltet. Eine Verdichtung des Materials kann durch Anordnung von Sprengstoff rund um das Spaltmaterial erreicht werden. Bei der Zündung dieses - konventionellen - Sprengstoffs wird eine auf das Zentrum des Spaltmaterials gerichtete Schockwelle erzeugt, die die Verdichtung besorgt. Form und Anordnung dieser sogenannten Sprenglinsen kann man berechnen, die Berechnungen sind allerdings sehr aufwendig. Somit ist die Konstruktion einer funktionsfähigen Kernwaffe auch ein Problem der verfügbaren "Rechenkapazität". Dieses Konstruktionsprinzip kam bei der 2. eingesetzten Kernwaffe in Nagasaki zur Anwendung. Natürlich geht das alles auch einfacher, allerdings steigt dabei die benötigte Menge Waffenfähigen Materials stark an.

Daraus ergeben sich die ersten Fragen bezüglich der Möglichkeit der Konstruktion einer deutschen Kernwaffe während des 2. Weltkrieges.

1. Stand dieses theoretische Wissen zur Verfügung?
2. Stand ausreichend "Rechenleistung" zur Verfügung, die mathematischen Probleme zu lösen?
3. Stand hinreichend Rohmaterial zur Verfügung zur Gewinnung Waffenfähigen Kernmaterials?
4. Standen Gewinnungstechniken-, -verfahren, -anlagen zur Verfügung?

Selbst, wenn die Antwort auf all diese Fragen "ja" lauten sollte, ergibt sich daraus aber lediglich die Möglichkeit zu Konstruktion und Bau eines "Labormodells" einer Kernwaffe. Der Nachteil eines Labormodells - wie zum Beispiel im Bereich der tertiären Kernwaffen später der Tsar-Bombe der Sowjetunion - ist, neben ihrer latenten Unzuverlässigkeit, ihre Größe und vor allem ihr Gewicht. Im Manhatten-Projekt hat man auf den Bau eines Labormodells verzichtet und - auf rein theoretischer Basis - direkt zwei Einsatzmodelle entwickelt und gebaut. Dieses Vorgehen hat mit zum immensen Aufwand beigetragen, der nötig war, das Projekt abzuschließen. Nur der insgesamt eher simplen Funktionsweise einer Spaltungswaffe ist es zu verdanken, dass dieses Vorgehen von Erfolg gekrönt war. Der Bau eines Labormodells ist deutlich einfacher, da viele Probleme der eigentlichen Konstruktionsphase noch nicht gelöst sein müssen. Die Frage der zuverlässigen Neutronenquelle, der Konstruktions des Mantels unter Gewichtsaspekten mit Rücksicht auf das Trägersystem, die Auslösemechanismen zur Nutzung des die Wirksamkeit steigerneden Mach-Stamm-Effekts bei der Detonation über dem Erdboden, und so weiter. Daraus ergeben sich weitere Fragen zur Recherche.

5. Wäre die Konstruktion und der Bau eines Labormodells unter dessen vereinfachten Bedingungen in Deutschland vor 1945 möglich gewesen?
6. Hätte - im Erfolgfalls - die Möglichkeit bestanden, auch die restlichen Probleme bis zum Bau eines Einsatzmodells zu lösen?

Zieht man zum einen die vorhandenen - und sicher durch Geheimdienstinformationen mit begründeten - Befürchtungen der Gegner Deutschlands in Betracht, ferner den Stand der theoretischen Forschung im Deutschland dieser Zeit, und nimmt schließlich noch den Zinsser-Bericht für bare Münze, so erscheint mir wahrscheinlich, dass die Schritte bis zum Bau eines Labormodells gegangen waren, dessen Test auch tatsächlich erfolgte, es aber noch keine im Einsatz verwendbaren Modelle, wahrscheinlich nicht mal deren Entwürfe gab. In einer militärischen Lage wie der Deutschen ab 1943, spätestens 1944 hätte der Einsatz so einer Waffe, mit allen damit verbundenen Unsicherheiten, zwingen erfolgen müssen - und wäre sicher auch erfolgt.

Ich werde auf die Suche nach Quellen gehen, die mir bei der Beantwortung der ersten 6 Fragen helfen können. Wenn jemand dazu etwas beizutragen hat, ist alles herzlich willkommen, so vage es auch sein mag. Lediglich Mythen und Legenden helfen einem eher nicht, Klarheit - und sei es nur logisch-akademische - in dieses Thema zu bringen.

Puh.. wer bis hier hin gelesen hat: Glückwunsch. Ich verspreche, ich werde auch nicht immer solche Vorträge halten ;-)
 
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