Alte Heizhausanlagen (Reichsbahn-Betriebswerke...) in Linz

#1
Guten Tag!
Suche Informationen zum damaligen Süttner-Werk und dem Gabrielenhof in Linz; ebenso zu den beiden auf dem Bild oben eingezeichneten halbkreisförmigen Gebäuden die an Schienen angeschlossen waren.

Ich danke schon jetzt für jedwege Information darüber.
 

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gollhamj

Guest
#2
Alte Heizhausanlage (2 Ringlokschuppen) der ÖBB in Linz

Die halbkreisförmigen Gebäude waren Ringlokschuppen) Heizhäuser der ÖBB. Diese wurden ende der 90er Jahre abgetragen. Damals waren auch noch in der A7 Unterführung 1020 E-Loks usw. abgestellt
 

josef

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#3
Suche Informationen zum damaligen Süttner-Werk und dem Gabrielenhof in Linz...
Nehme an, du meinst das ehamalige "Bamag-Büttner Werk" im Bereich Fichtenstraße-Westbahnstraße ...

Dort befand sich lt. einschlägiger Literatur das "Heeres-Nebenzeugamt Linz - Pz-Übernahmestelle" als Einlieferungsdepot für Panzerfahrzeuge (hauptsächlich Pz IV) aus dem Ni-Werk St. Valentin.
Die Werksanlagen wurden bei einem Bombenangriff zerstört.

Im Bereich Gabrielenhof - Brauerei - Bahnanlagen befand sich ein Barackenlager (Wohnlager) der Reichsbahn.

Bereich der Heizhausanlagen hat @gollhamj schon beschrieben...

lg
josef
 
#5
Rundlokschuppen

Die halbkreisförmigen Gebäude waren Ringlokschuppen) Heizhäuser der ÖBB. Diese wurden ende der 90er Jahre abgetragen. Damals waren auch noch in der A7 Unterführung 1020 E-Loks usw. abgestellt
So sah es dort am 13. August 2002 aus:
1) E-Lok Parade vor dem "Heizhaus"
2) Ein alter Dempfer stellt sich in den Weg
3) 50 1171 auf der Drehscheibe
4) Lokfriedhof 1
5) Lokfriedhof 2

Gruß aus Linz!
koka
 

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josef

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#6
Ehemaliges „Bahnbetriebswerks Linz II“ (-> österreichisch „Heizhaus“)

Die nach dem Anschluss 1938 von Österreich ans Deutsche Reich geplanten Umgestaltungs- und Neubauvorhaben des Nazi-Regimes in Linz sahen auch die Verlegung bzw. Neuerrichtung des Hauptbahnhofes vor. Dafür war vorgesehen, neben den Altanlagen des Hauptbahnhofes auch die Hauptwerkstätte Linz (-> „Reichsbahnausbesserungswerk Linz“ – RAW Linz) und die bestehenden Heizhausanlagen (-> „Betriebswerk Linz I“ - BW Linz I) zu verlegen, um Platz für die vorgesehenen städtebaulichen Maßnahmen zu gewinnen. So wurde mit dem Planum für das neue „RAW Linz“ im Stadtteil Wegscheid neben der Pyhrnbahn begonnen, aber im Jänner 1940 wieder eingestellt.

Das Projekt des „BW Linz II“ sah großzügig geplante Anlagen zur Lokbehandlung (Bekohlungsanlagen, Drehscheiben, Abstellgleise usw. …) sowie 2 Lokomotivhallen (-> Lokschuppen…) vor.

Als Standort war das Gelände entlang der „Summerauer-Bahn“ zwischen den damaligen Reichswerken H. Göring und den Stickstoffwerken vorgesehen.

So wurden 1941 bis 1944 die erforderlichen Schüttungen (-> Niveauanpassungen bzw. Sicherung gegen Hochwasser der Donau…) und umfangreiche Gleisarbeiten durchgeführt. Es wurde von den geplanten 2 nur eine Lokhalle fertiggestellt und auch andere Einrichtungen kamen kriegsbedingt nur teilweise zur Ausführung. Bei einem US-Luftangriff am 20.10.1944 wurde ein Großteil der bis dahin fertiggestellten Objekte zerstört oder schwer beschädigt. Anfang 1945 wurden Teile des BW’s wieder provisorisch in Betrieb genommen.


Im Heft 7/2018 des „Schienenverkehr aktuell“ ist ein historisch interessantes Foto aus 1948 zu sehen:

Das vom Gasometer der VÖEST aufgenommene Bild zeigt einen Überblick über die damalige Situation:

- Rechte Ecke unten verläuft die „Summerauer Bahn“ in Richtung zur „Steyregger Donaubrücke“.

- Nach links in Richtung Bildmitte erkennt man die Bekohlungsanlage (-> Hochbunker…) und auf den schräg zum rechten Rand verlaufenden Gleise stehen jede Menge Dampfloks.

- Am rechten Rand in Bildmitte sieht man die Lokhalle, schräg links diagonal durchs Bild verlaufend ist Brachland (-> nicht fertiggestellte BW-Fläche oder Bombenbrache?).

- Links dann die Teilfläche des „Stickstoffwerke-Areals“ und vor den Bergen im Hintergrund quert die Donau die gesamte Bildbreite.

Bei genauem Hinsehen erkennt man noch entlang einiger Gleise die Masten für eine Oberleitung bis zur Lokhalle. Dies ist lt. Bildtext in SVA dadurch zu erklären, dass Teile des Lokhallengebäudes ab 1946 bis 1948 den „Siemens-Schuckertwerken“ (SSW) für die Reparatur von kriegsbeschädigten Elektroloks zur Verfügung gestellt wurden. In den von Bomben zerstörten Hallen der „Hauptwerkstätte Linz“ konnten damals noch keine der dringend benötigten E-Loks repariert werden…

Da sich die wahnwitzigen Pläne des Regimes zur Umgestaltung von Linz durch das Kriegsende „in Luft“ auflösten, verblieben die „Heizhausanlagen“ der nachkriegs- ÖBB am alten Standort im Bereich neben der Westbahnstrecke. Die Halle vom „BW Linz II“ wurde noch bis 1960 als provisorische Wagenwerkstätte verwendet. Danach wurde das Areal an die „Österreichische Stickstoffwerke AG“ verkauft und ist heute ein Teil des „Chemieparks Linz“.

1531508794459.png
Gelände ehem. BW-Linz II 1948 (Foto aus SVA, Heft 7/2018)


1531509138156.png ehem. Lokhalle 1948 - Ausschnitt-Vergrößerung aus obigem Bild
 
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josef

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#7
Projektierte Umgestaltung der Linzer Bahnanlagen durch die Reichsbahn

Nachfolgend eine Skizze zu den ab 1938 projektierten Vorhaben der Reichsbahn zur Lageveränderung der Bahnanlagen in Linz um Platz für die geplante Um- und Neugestaltung der Stadt zu schaffen:

Umrandung ROT -> projektierte Flächen (Grenzen...) für die Neugestaltung des Bahnbetriebes:

Davon wurden nur die Vorhaben in den beiden schwarzen Kreisen tatsächlich begonnen bzw, teilweise Umgesetzt:
- Zf (Zugförderunsstelle) - "Heizhaus" / Betriebswerk Linz II (BW Linz II) -> siehe Beitrag #1
- HW (Hauptwerkstätte) - Reichsbahn-Ausbesserungswerk Linz (RAW Linz) Wegscheid (nur Herstellung Planum)

Nach dem Krieg verblieben die genannten Einrichtungen nach Reparatur der Bombenschäden am alten Standort:
Umrandung Grün:
- Hauptbahnhof
- Hauptwerkstätte (HW)
- Frachtenbahnhof
- Zf (Zugförderungsstelle) - Heizhaus
und auch die Verschiebebahnhofs-Anlagen verblieben nach einigen Anpassungen in etwa dem alten Areal.

In den letzten Jahren wurden der Frachtenbahnhof und das alte Zf-Gelände (Heizhaus) aufgelassen. An Stelle der 2 Rundlokschuppen am "alten" Zf (Heizhaus-) Gelände wurden neue Lokhallen und Abstellgleise gegenüber dem Hauptbahnhof im Anschluss an das Werkstättengelände, geschaffen.

1531600601673.png
Basis für Darstellung: Skizze über Projekte in Linz 1938-45 aus "Eisenbahnhandbuch- Sonderausgabe 2015 - Die Bautätigkeit der DRB in Österreich 1938-1945", S.22
 
#8
Ich recherchiere eben Daten aus einem Kriegstagebuch meines Opas (Schaffner/Zugführer DRB in Linz). Er schreibt von einer Abfahrt aus Linz am 14.Juli 1944 um 5:50Uhr nach Wien West, und die Handschrift liest sich wie "Linz II".

Fuhren in Linz II tatsächlich schon reguläre Züge ab? Wenn nein, kann es nur "Linz I" lauten (aber warum betonte er die "I" überhaupt? )

Kann jemand helfen?
 

josef

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#9
Servus! Willkommen im Forum...

Zuerst einmal ist zu sagen, dass die "Betriebswerke" (österr. -> "Heizhäuser") nur für die der jeweiligen Dienststelle zugeordneten Lokomotiven zuständig waren:
Hinterstellung, Versorgung mit Betriebsmittel (Kohle, Wasser usw.), betriebsbereite Vorhaltung vor der Übernahme von Zügen (Vorheizen, Vorbereitung des notwendigen Dampfdruckes usw.). Abrüsten nach Beendigung von Zugleistungen (Entschlacken, Abschmieren usw.) sowie Wiederaufrüstung für Folgedienste. Auch laufende Wartungsarbeiten und kleinere Reparaturen wurden in den BW durchgeführt...

Das für eine Zugbildung notwendige Wagenmaterial war (ist) am "Zugbildebahnhof" (Abgangsbahnhof) auf eigenen Abstellgleisen hinterstellt und wurde (wird) von Verschubloks (D. - > Rangierloks) auf den jeweiligen Gleisen der Abfahrtsbahnsteige bereitgestellt und dort erst mit der aus dem BW als "Lokfahrt" (konnte im Fall Linz einige Kilometer betragen) zurollenden Lok vereint. Ab nun übernahm der "Zugführer" das "Kommando" für den betreffenden Zug (Wagen + Lok).

Das heißt für den gegenständlichen Fall "Abfahrt aus Linz am 14.Juli 1944 um 5:50Uhr nach Wien West". Da dein Opa "Zugführer" war, begann seine "Zugfahrt" an einem Bahnsteig irgendwo in einem "Betriebsbereich II" des Linzer Hauptbahnhofes und nicht im BW (Heizhaus)! Natürlich begann die Aufsicht bzw. Verantwortung des Zugführers schon vor der Abfahrt mit der Ankoppelung der Lok an die Wagengarnitur (Papierkram, Überwachung Bremsprobe, Berechnung der Bremslasten usw. ...).

Soweit die mit meinem bescheidenen "Bahnwissen" dargestellte Situation, vielleicht kann ein "echter" Eisenbahner dies korrigieren bzw. ergänzen...
die Handschrift liest sich wie "Linz II".
Könnte es vielleicht auch "Linz H" heißen -> für "Hauptbahnhof"?
Fuhren in Linz II tatsächlich schon reguläre Züge ab?
Wenn du mit "Linz II" das BW II meinst, dann sicher keine "regulären Züge" sondern nur einzelne Lokomotiven, die dann am Hauptbahnhof die "regulären Züge" übernahmen. Lt. Artikel im SVA war beim BW II nur eine Lokhalle fertig, könnte demnach ein Teilbetrieb oder Provisorium gewesen sein...?

lg
josef
 
#10
Hallo Josef, besten Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen. Deine erste Annahme könnte zutreffen.

Nun beschäftige ich mich mit der Fahrt von Wien Ost nach Königsberg - werde mir wohl das Kursbuch 1944/45 zulegen. Die nächsten 3 Monate sind sehr viele verschiedene Transporte in Ostpreußen vermerkt
 
#11
Eine bescheidene Frage, kann es sein das der ehemalige Lokschuppen in der Chemie noch steht? Hab mir Luftbilder angesehen und denke er könnte noch existieren .
 
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