#1
Werte Forumsteilnehmer!

Ich habe begonnen des Fotonachlass meines verstorbenen Vaters zu digitalisieren und da ist mir angehängtes Bild untergekommen. Mein Vater erzählte, dass er nach dem Krieg beim Bau eines Ennskraftwerkes beschäftigt war. Welches ist mir leider nicht bekannt.

Da dieses Bild sehr schön die Baustelle mit ihrer Einrichtung samt Unterküften zeigt habe ich mich entschlossen es in dieses Forum zu stellen.

Da auf dem Bild rechtsufrig (in Fließrichtung gesehen) eine Bahnlinie erkennbar ist und das Turbinenhaus auch auf der rechten Seite ist, könnte es sich um das Kraftwerk Staning handeln (halt in Google Maps und Bing Maps nachgeschaut). Ich bin leider mit der Topographie dieser Gegend nicht vertraut, daher auch nur eine Vermutung.

Dagegen spricht, dass die auf dem linken Bildrand erkennbaren Rohbauten von Siedlungshäusern sowie dem Bahnhofsgebäude gar nicht mit den Satelitenbildern übereinstimmen.

Ich glaube, die Forumsgemeinde wir sehr schnell das Rätsel dieses Bildes lösen können.

Auch jetzt noch beste Neujahrswünsche an alle Forumsteilnehmer.

Karl
 

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josef

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#2
Ennskraftwerk Rosenau bei Garsten OÖ.

...dass er nach dem Krieg beim Bau eines Ennskraftwerkes beschäftigt war. Welches ist mir leider nicht bekannt.
Ich glaube, die Forumsgemeinde wir sehr schnell das Rätsel dieses Bildes lösen können.
Karl - wir werden uns bemühen :)
Da auf dem Bild rechtsufrig (in Fließrichtung gesehen) eine Bahnlinie erkennbar ist...
Genau umgekehrt! Die Bahnlinie (Ennstalbahn St.Valentin - Hieflau - Selzthal) verläuft in diesem Bereich am linken Ufer, das Bild ist in Fließrichtung der Enns aufgenommen.

Es ist das Ennskraftwerk Rosenau südlich Garsten/Steyr, errichtet 1950-53.

http://maps.google.at/maps?q=Garste...near=Garsten,+Steyr-Land,+Oberösterreich&z=16
 
#3
Lieber Josef,

vielen, herzlichen Dank für die rasche Aufklärung des "Rätsels".

LG
Karl

PS: wenn der Beitrag besser in in die Gruppe Gebäude, Ruinen und Fabrikanlagen passt, dann bitte dorthin verschieben.
 
#4
Möglicherweise ist nachstehender Auszug aus einer Korrespondenz mit dem Steyrer Heimatforscher OSR Heinz Kern (den ich um Auskunft bezüglich Kriegsbrücken und deren Bekämpfung durch deutsche motZ-Flak ersucht hatte) zweckdienlich. Wenn dies nicht der Fall ist, mag mein Posting @Josef interessieren, der ja über eine Vielzahl von Themen Bescheid weiß und dessen Interessensprofile unendlich erscheinen. Ich selbst kann zum Thema "Ennskraftwerke sonst nix beitragen, ich habe mit meiner Flakforschung ohnehin genug zu tun.

„Bei Kriegsende existierte zwischen Enns und Stadtzentrum Steyr (Zwischenbrücken) keine einzige Straßenverbindung bzw. keine Brücke über die Enns. Heute führt über Mühlrading die Straßenverbindung von Ernsthofen nach Kronstorf, während beim EKW Staning nur ein eiserner Fußgängersteg über das Kraftwerk vorhanden ist. Die Nordspangenbrücke wurde erst 1998-2000 errichtet. Das EKW Staning wurde erst 1946 und das Ennskraftwerk Mühlrading (Ernsthofen) 1948 fertig. Baubeginn war für beide Kraftwerke das Jahr 1941.
Zu Kriegsende waren jedoch schon maßgebliche Baukörper vorhanden, die 1945 von den Alliierten eventuell bei der Errichtung von Kriegsbrücken miteinbezogen worden wären. Bei Beurteilung einer derartigen Absicht muß berücksichtigt werden, daß der Staninger Enns-Stausee im Brückenbereich eine deutliche Ausbuchtung bekam (seinerzeit tief liegende Landflächen), während hingegen bei Kriegsende beide Flussufer der Enns annähernd parallel in normaler Flussbreite verliefen. Es ist auch ziemlich klar zu erkennen, dass für einen Angreifer aus Osten die Abhänge zur Enns im Bereich gegenüber von Winkling vermutlich am leichtesten zu überwinden gewesen wären, zumal in diesem Bereich mehrere Schotterbänke das Überschreiten des Flusses sehr erleichtert hätten. Ennsabwärts nach Haidershofen hätten hingegen die Steilhänge der sog. "Loderleite" (rechtes Ennsufer) ziemliche Schwierigkeiten bereitet und flussaufwärts lag die militärisch stark befestigte Stadt Steyr.“

Gruß Flakuntergruppe

Kopie dieses Berichtes zwecks Eröffnung eines neuen Threads "Kriegsende an der Enns und Einsatz von Flak-Kräften im Erdeinsatz" verschoben!

josef
 
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josef

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#5
Kraftwerkskette an der Enns

@Flakuntergruppe: Besten Dank für die interessanten Zusatzinformationen zum Thema "Ennskraftwerke"!

Hier gibt es eine weitere grobe Übersicht über Kraftwerksprojekte während der Kriegszeit..., auch über die Bauvorhaben an der Enns!

lg
josef
 

josef

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#7
Hatten bei dem Bau die Russen nichts mitzureden? Auf dem Anderen Ufer, dennoch Oberoesterreich, war ja sovjetische Zone.
Soweit die Fakten "sprechen", müssen die Sowjets bei solchen Großprojekten schon zur Kooperation bereit gewesen sein, sonst wäre im Grenzraum gar nichts geschehen! Dadurch, dass sie sich an der Finanzierung nicht beteiligen mussten, dürfte ihnen das egal gewesen sein...?

lg
josef
 

josef

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#8
Literatur über Ennskraftwerke

Zum Bau der Kraftwerkskette an der Enns während der Kriegszeit gibt es auch ein interessantes Buch, leider vergriffen:

Adolf Brunnthaler
Strom für den Führer

ISBN 3-85252-344-3

Auszug aus der "Verlagsvorstellung": http://www.bibliothekderprovinz.at/buecher.php?id=197
1. Der Bau der Ennskraftwerke und ihre wirtschaftliche Bedeutung für die NS-Wirtschaft
1.1. Planwirtschaft und VierjahrespläneIn den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war die deutsche Wirtschaft von den Reparationszahlungen an die Siegermächte und der damit verbundenen Inflation geprägt. Ende der Zwanziger Jahre erholte sich die Wirtschaft, bis der Börsenkrach in New York eine weltweite Depression auslöste. Durch die Wirtschaftskrise erreichte die Arbeitslosigkeit einen enormen Umfang. Sie steigerte sich von 3 % im Jahr 1925 auf etwa 30 % im Jahr 1932, was etwa 5,3 Millionen Menschen in Deutschland entsprach. Bereits die Regierungen vor Adolf Hitler hatten Wirtschaftspläne in Angriff genommen, die eine Staatsverschuldung zugunsten gesenkter Arbeitslosenzahlen vorsahen. Hitler erbte ab 1933 diese Pläne. Die Aufrüstungs- und Schuldenpolitik führte zu einer künstlichen Hochkonjunktur, die deutsche Wirtschaft wurde stark gefördert, die Ausgaben für die Wehrmacht stiegen enorm. Bald stellte sich heraus, dass für den nationalsozialistischen Staat die Marktwirtschaft nicht durchführbar war. Es wurde die Planwirtschaft mit Vierjahresplänen eingeführt. Im Vierjahresplan von 1936 stellte Hitler fest:»Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig, die deutsche Wirtschaft in vier Jahren kriegsfähig sein.« Hauptziele waren die Steigerung der Eisen- und Stahlproduktion, die Entwicklung von Treibstoff mit künstlichem Kautschuk sowie die Unabhängigkeit von Lieferungen aus dem Ausland bei bestimmten Rohmaterialien. Als die Stahlindustrie ihre Produktion nicht steigern wollte, wurden die Reichswerke Hermann Göring gegründet. Dies führte praktisch zu einer verstaatlichten Produktion.Der Anschluss Österreichs am 12. März 1938 war eine der Stufen im Expansionsprogramm Hitler-Deutschlands, das auf die Errichtung eines großeuropäischen Wirtschaftsraumes zielte. Es war kein Zufall und von langer Hand vorbereitet, dass das rohstoffreiche Österreich das erste Ziel Hitlers wurde. Die Wirtschaft in der »Ostmark« bzw. dem »Gau Oberdonau« wies vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs keine normale Phase wirtschaftlichen Aufbaues mehr auf. Alle plan- und zwangswirtschaftlichen Maßnahmen wurden sofort auf die österreichischen Gebiete angewandt. Die Gültigkeit des Vierjahresplanes auch für das angeschlossene Österreich wurde bereits am 15. März 1938 verkündet.Am 26. März 1938 veröffentlichte Hermann Göring, der zuständige Mann für den Vierjahresplan, sein »Aufbauprogramm« für Österreich, das einen 17-Punkte-Katalog enthielt. In Punkt 6 wurden Maßnahmen zur Ausnützung der Wasserkraft erwähnt. Hier blieben aber die Planungen im Anfangsstadium stecken.* Von 1938 bis 1945 wurde eine große Zahl von Kraftwerksbauten begonnen, wobei man durchwegs auf österreichische Projektierungen aus den zwanziger und dreißiger Jahren zurückgreifen konnte. Am 16. Mai 1938 führte Hermann Göring den Spatenstich für das bereits von der Österreichischen Kraftwerke Aktiengesellschaft (ÖKA) projektierte Tauernkraftwerk Kaprun durch. Der Bau der Vorarlberger Illkraftwerke wurde beschleunigt und an Inn, Enns, Donau, Mur und Drau wurde zu bauen begonnen. Der oberösterreichische Zentralraum Linz-Wels-Steyr wurde zu einem großen Rüstungszentrum ausgebaut. Für die großen neuen Industriebauten, vor allem das Hütten- und Stahlwerk der Reichswerke Hermann Göring in Linz, die Linzer Stickstoffwerke sowie die neuen Betriebstätten der Steyr-Daimler-Puch AG, mussten die Energieversorgungskapazitäten entsprechend ausgebaut werden. Neben dem Bau kalorischer Kraftwerke wurde vor allem die Nutzung der Wasserkraft verstärkt. Die energiewirtschaftliche Erschließung der Enns wurde 1941/42 mit den Bauvorhaben der Staustufen Staning, Mühlrading, Ternberg und Großraming begonnen. Die Kette der Ennskraftwerke hängt eng mit der konzipierten Energielinie vom Erzberg nach Linz zusammen. Von Eisenerz gingen die Erzzüge in die Hermann-Göring-Werke nach Linz. Für die überlangen Transporte mussten die Bahnhöfe ausgebaut werden. Die Hochöfen benötigten ihrerseits den Strom aus den geplanten Ennskraftwerken, konsequenterweise führte auch eine 110 kV-Leitung von Eisenerz nach Linz. So ergab sich ein dichtes Netz an Bau- und Arbeitslagern, das das gesamte Gebiet des oberösterreichischen Ennstals überzog. Für die Stromversorgung der kleinen Orte waren die Kraftwerke kaum von Bedeutung. Einerseits war der Strombearf noch sehr gering, andererseitswurde die benötigte Energie durch Kleinkraftwerke bereitgestellt. Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge ersetzten ab 1941/42 die zur Wehrmacht eingezogenen Arbeitskräfte.Der große Schwung des Kraftwerkbaus erlahmte mit der kriegsbedingten Verknappung der Arbeitskräfte und Baustoffe sehr rasch. Den rascher zu bauenden Wärme-Kraftwerken wurde ab etwa 1944 der Vorrang gegenüber der Wasserkraft eingeräumt.*
 
#9
Kraftwerk Hieflau - Speicher Wag

Mahlzeit,

obwohl ich quasi in der Gegend zu Hause bin, war ich am Woe das erste Mal am "Wagspeicher Hieflau",.... gibt es dazu "historische" Informationen, z.B. wie es dort vor dem Bau des Speichers ausgesehen hat bzw. Fotos von der Baustelle (also vom Bau in den 50ern?,... Im Netz finde ich nicht viel:

http://www.verbund.com/pp/de/speicherkraftwerk/hieflau

vielen Dank

schöne Grüße

Martin
 
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josef

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#11
Kraftwerk Hieflau - Speicher Wag

Wollte mir die Situation einmal auf Google Earth genauer ansehen - leider ganz schlechte Bildauflösung im Raum Hieflau - Eisenerz :schlecht:

Hängt das mit dem in der Nachbarschaft des Speichersees situierten Mun-Lager Hieflau zusammen? Der Bereich des Fliegerhorstes Zeltweg war auch lange "sichtgestörtes Areal" :D
 

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#14
Wenns nur um den Speicher geht, also "aktuelle" Bilder, dann einfach im Google "Tamischbachturm" oder Hieflau suchen u. auf Bilder gehen, da kommt was,....

historisches leider wenig wie, schon oben gesagt,....

leider finde ich meine Bilder vom Turm grad nicht,....

mfg

Martin
 
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