Bauten der Wiener Wasserversorgung

HF130C

Well-Known Member
#22
Als Nebenschauplatz zu den Wasserleitungsexponaten sei auf die gezeigten Telefonapparate in den Abbildungen 25, 26 und 27 hingewiesen:

Diese sind durchaus authentisch und befinden sich in originalem Zustand. Auf Bild 25 ist ein Tischtelefon "Ö10" zu sehen, das ab 1906 für öffentliche Zwecke in Verwendung stand.

Die Bilder 26 und 27 zeigen einen Staatstyp III der zweiten Bauserie, die ab 1910 in Verwendung kam.

Beiden Typen sind Ortsbatteriegeräte ("OB"), die mittels Kurbelinduktor den Rufstrom zur Vermittlung erzeugten, der Strom für die Sprechfunktion wurde aus einer Batterie gewonnen, die sich in dem Kasten unterhalb des Pultes des Wandtelefons befand, der Tischapparat hatte einen separaten Wandkasten dafür.

Beiden Typen war bei der österreichischen Post ein langes Leben beschieden: Erst 1972 verschwand in Österreich die letzte Handvermittlung und damit die Ortsbatterie-Telefonapparate. Die hölzerne Wandstation ist noch 1963 in Verwendung nachgewiesen, die zeitlosere Tischtelefontype Ö10 hat bei einigen Anschlüssen bis 1972 überlebt.

Technisch interessant ist, dass beide Typen mit den militärischen OB-Feldtelefonen jederzeit kompatibel waren.

Leider ist die Staatstype III in dem Wasserleitungsmuseum der Stadt Wien sehr lieblos und offenbar ohne Fachkenntnis ausgestellt worden: Der schwenkbare Mikrofonarm sollte natürlich waagrecht abstehen, damit man in das am Ende befindliche Mikrofon hineinreden kann. Mit komplett hinuntergeklapptem Arm ist das Telefon - auch für den Laien erkennbar - nicht benutzbar!
 

MHSTG44

Well-Known Member
#23
Als Nebenschauplatz zu den Wasserleitungsexponaten sei auf die gezeigten Telefonapparate in den Abbildungen 25, 26 und 27 hingewiesen:

Diese sind durchaus authentisch und befinden sich in originalem Zustand. Auf Bild 25 ist ein Tischtelefon "Ö10" zu sehen, das ab 1906 für öffentliche Zwecke in Verwendung stand.

Die Bilder 26 und 27 zeigen einen Staatstyp III der zweiten Bauserie, die ab 1910 in Verwendung kam.

Beiden Typen sind Ortsbatteriegeräte ("OB"), die mittels Kurbelinduktor den Rufstrom zur Vermittlung erzeugten, der Strom für die Sprechfunktion wurde aus einer Batterie gewonnen, die sich in dem Kasten unterhalb des Pultes des Wandtelefons befand, der Tischapparat hatte einen separaten Wandkasten dafür.

Beiden Typen war bei der österreichischen Post ein langes Leben beschieden: Erst 1972 verschwand in Österreich die letzte Handvermittlung und damit die Ortsbatterie-Telefonapparate. Die hölzerne Wandstation ist noch 1963 in Verwendung nachgewiesen, die zeitlosere Tischtelefontype Ö10 hat bei einigen Anschlüssen bis 1972 überlebt.

Technisch interessant ist, dass beide Typen mit den militärischen OB-Feldtelefonen jederzeit kompatibel waren.

Leider ist die Staatstype III in dem Wasserleitungsmuseum der Stadt Wien sehr lieblos und offenbar ohne Fachkenntnis ausgestellt worden: Der schwenkbare Mikrofonarm sollte natürlich waagrecht abstehen, damit man in das am Ende befindliche Mikrofon hineinreden kann. Mit komplett hinuntergeklapptem Arm ist das Telefon - auch für den Laien erkennbar - nicht benutzbar!
Ein echter Kenner von solchen Apperaten, hier kann ich nicht viel hinzufügen! Sehr intressant sind deine technischen Erläuterungen zu den Telefonen und zu erfahren, daß es sich um originale Ausstellungsstücke handelt.
 
#24
Als Nebenschauplatz zu den Wasserleitungsexponaten sei auf die gezeigten Telefonapparate in den Abbildungen 25, 26 und 27 hingewiesen:
Hallo HF130C,
auf dich ist verlass! Danke für die Einzelheiten und technischen Details zu den Apperaten! Bei der Führung, hatte ich die Telefone kurz angesprochen, die Information war ernüchternd und eher wie es schien Nebensache. Finde ich eigentlich schade, die Telefone sollen die Übermittlung der Messdaten "historisch" darstellen.
Diese sind durchaus authentisch und befinden sich in originalem Zustand.
So wie es jedoch zu lesen ist, dürften es doch die Originalen Geräte sein die hier verwendet wurden?

Auf dem Bild als Ergänzung kann man die einzelnen Stationen, wo Messdaten ermittelt wurden ablesen. Hoffe, ich liege mit meiner Vermutung richtig? Auch hierzu konnte ich keine Informationen erlangen.
23.jpg


Lg
Michi
 

HF130C

Well-Known Member
#25
Danke für das detaillierte Bild der interessanten handgeschriebenen Anleitungstafel.

Zuerst zu deiner Frage:
So wie es jedoch zu lesen ist, dürften es doch die Originalen Geräte sein die hier verwendet wurden?
Das ist sicher ein vollkommen originales Gerät und somit ein authentisches Museumsstück passend zu dem Wasserleitungsmuseum.

Die Tafel ist wirklich interessant und erzählt folgendes:

Die Angaben beziehen sich offenbar auf 2 (Wasser-)Leitungen und 2 Telefonleitungen (Nah- und Fern-). Entsprechend den Ortsangaben müsste daher der Apparat in Wien beheimatet gewesen sein, um die Wasserstände entgegen zu nehmen. Nur dann würde gemäß den Ortsbezeichnungen "Nah" und "Fern" Sinn machen.

Wenn wir nun annehmen, dass die Telefonleitungen wegen der häufigen Meldungen, etwa alle Stunden, als Standleitungen ausgeführt waren, dann bekommt der bei den einzelnen Orten angeführte Morsecode durchaus einen Sinn: Jede Messstelle morste zeitlich versetzt ihren Code mit dem Kurbelinduktor über die eine Leitung nach Wien, die Zentrale wusste anhand des Klingelcodes wer anrief und konnte ohne viele Rückfragen die Messdaten aufnehmen. Nachteil wäre, dass ein Rückrufen an die Außenstellen nicht möglich wäre, da die Zentrale nicht 13 Telefone gleichzeitig zum klingeln bringen kann.

Auch eine kombinierte Verwendung der Leitung mit einem Telegrafensystem wäre Stand der damaligen Technik. Der Telegraf kann dann zur Übermittlung des Morsecodes dienen, die angesprochene Außenstelle meldet sich dann per Telefon. Vorteil wäre, dass auch die Zentrale alle Außenstellen "anmorsen" kann und sich dieses dann melden können.

In jedem Falle ist die gezeigte Sprechstelle ohne Läutwecker ausgeführt. Dieser müsste anstelle der Tafel montiert sein. Dass kein Wecker installiert ist, erscheint logisch, da es 2 Telefonleitungen gibt (nah, fern) , und beide Leitungen entweder einen eigenen Wecker brauchen oder eine Telegrafenlösung zusätzlich vorhanden war. Ebenfalls benötigt man noch einen Umschalter, um das Telefon von der einen auf die andere Leitung aufschalten zu können. Diese Komponenten waren üblicherweise auf einem zusätzlichen Wandbrett montiert.

Die Anschlüsse L1 und L2 am Telefon selbst haben mit der "nah" und "fern" Leitung nichts zu tun. Jede Fernverkehrs-Telefonleitung jener Zeit besteht aus 2 Adern, und die werden mit L1 und L2, später dann mit a und b bezeichnet.

Nahezu gesichert erscheint, dass der Holzapparat aus Wien stammt. Stark vermute ich eine ursprüngliche reine Telegrafenlösung zur Übermittlung der Wasserstände, die dann durch die Telefone über dieselben Leitungen ergänzt wurde.

Eine kleine Ungereimtheit fällt auf: Hinternasswald und Wöllersdorf haben denselben Morsecode, nur unterschiedliche Leitungen. Die Zentrale musste also genau unterscheiden können, von welcher Leitung dieser Code kam.

Irgendwie ist es immer spannend, so simple technische Geräte zu durchleuchten und sie anhand der gefundenen Indizien ihre Geschichte erzählen zu lassen. Etliche Fragen bleiben natürlich offen, aber immerhin ... Ich hoffe der kleine Exkurs ist nicht zu langweilig ....
 
#26
Irgendwie ist es immer spannend, so simple technische Geräte zu durchleuchten und sie anhand der gefundenen Indizien ihre Geschichte erzählen zu lassen. Etliche Fragen bleiben natürlich offen, aber immerhin ... Ich hoffe der kleine Exkurs ist nicht zu langweilig ....
Hallo HF130C,
vielen lieben Dank für die aufschlußreichen technischen Hintergrund-informationen über den Telefonapparat! Der kleine Exkurs ist sehr intressant und keineswegs langweilig, im Gegenteil kann man sich doch ein Bild über die Funktion der Geräte machen.

Lg
Michi
 
#27
In Pottschach wurde 1878 in der Nähe der Wasserleitung und des Flusses Schwarza ein Grundwasserpumpwerk errichtet.
Dieses pumpt Grundwasser bei Bedarf in die Wasserleitung hinein.
Damals (1878) hatten sich einige Unternehmer über die Verschwendung von Steuergeldern mokiert (Bau der Hochquellwasserleitung), da ja alleine durch das Hochpumpen des Grundwassers mit der gleichen Qualität es viel günstiger gemacht werden könnte.
 
#28
dazu passend: Denkmal für die Ursprungsquellen der Wiener Hochquellen-Wasserleitung beim Taleingang des Großen Höllentals.
direkt an der B27 (Höllentalstrasse) zwischen Kaiserbrunn und Schwarzau im Gebirge.
Die Einbeziehung in die Kaiser Franz Josef Hochquellenleitung ist unter dem Bürgermeister Dr. Johann Nep. Prix erfolgt. 1893
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Bunker Ratte

Well-Known Member
#30
Stixensteinquelle bei Sieding (Gemeinde Ternitz):
Auszug der I. Wiener Hochquellenleitung von Wiki
Die Stixensteinquelle in der Nähe von Burg Stixenstein bei Sieding (Gemeinde Ternitz) befand sich so wie das Schloss im Besitz des Grafen Ernst Karl von Hoyos-Sprinzenstein (1830–1903).
Dieser beantwortete die Bitte der Stadt Wien, die Quelle zu verkaufen, am 27. Juli 1864 mit der schriftlichen Mitteilung, dass er diese der Stadt schenke. Zwar stellte er dabei einige Bedingungen, die jedoch für Wien leicht zu erfüllen waren. Der entsprechende Vertrag wurde am 17. Juli 1868 abgeschlossen und am 11. August 1868 vom k.k. Landesgericht fideicommissbehördlich genehmigt. Als Dank für die Schenkung wurde er 1873 zum Ehrenbürger von Wien ernannt. Die Quellfassung steht unter Denkmalschutz.

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Bunker Ratte

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#31

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S

Senator74

Guest
#32
Hallo HF130C,
vielen lieben Dank für die aufschlußreichen technischen Hintergrund-informationen über den Telefonapparat! Der kleine Exkurs ist sehr intressant und keineswegs langweilig, im Gegenteil kann man sich doch ein Bild über die Funktion der Geräte machen.

Lg
Michi
Ich darf nach rund drei Jahren hier festhalten, dass fast nur interessante Berichte (und Bilder) in diesem unserem Forum zu finden sind!
D A N K E an alle!
 
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