Bergkristall - St. Georgen a.d. Gusen, KZ Gusen I und II

Kann mir jemand diese Bild bitte erklären, was ich/man darauf erkennen können sollte oder eben nicht?

Bildquelle:Vom Bericht oben - National Archives and Records Administration, USA

Das mit den Stollenlängen ist für mich auch nicht verständlich. Hat man die Länge der Stollen einfach dupliziert wenn so eine Zwischendecke eingezogen war? Oder waren die Amis zu blöd die Längen richtig zu messen, und warum geben österr. Archive dann solche Stollenlängen ursprünglich an, wenn es offiziell dann eigentlich nur 8 km sind???

Bin gespannt was da herauskommt.
Auf jeden Fall muß man sich wieder damit beschäftigen,auch wenn nichts neues herauskommen sollte, und nicht wie immer die österr. Lösung - zuschütten, vergraben, in ein paar Jahren fragt keiner mehr danach - suchen!!!
 

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Die Zick-Zack-Formationen sind in meinen Augen (Splitterschutz-) Gräben.

Lt. Sulzer sieht man auf dem Bild eine Reihe von Lüftungsschächten einer Anlage im Untergrund. Diese sei fakebombardiert worden und später habe man die Trichter beseitigt.

Zwischendecken bei hohen Stollen gab es auch in Nordhausen. Ob man dann zwangsläufig die Streckenlänge verdoppeln kann sei dahingestellt.

Von den Luftbildern aus zu 3-5 Etagen zu kommen ist eher schwierig.

Den 15 jährigen Zeitzeugen, der quasi über Kernforschungsaktivitäten informiert war, finde ich eher problematisch.
 

Varga

Mann aus den Bergen
Mitarbeiter
Die Aussagen zu den Bildern habe ich im Bericht so verstanden:

Bild vom 15. März 1945:
13 rechteckige, offene Luftschächte von Stollen.

Bild vom 2. April 1945:
Fakebombardierung. Gemäss der Sprecher im Film, wurden die Zwangsarbeiter trainiert, bei einem Angriff, zu ihrem Schutz, die Stollen eufzusuchen.

Bild vom 25. April 1945:
Die Luftschächte sind zugeschüttet, und die Bombentrichter planiert.

Die Sprecher im Film habe ich so verstanden, dass die Zwangsarbeiter beim fiktiven Bombardement die Stollen aufgesucht haben, die Luftschächte verfüllt wurden, und so die Arbeiter erstickten.

Gruss
Varga
 
Die LSD-Gräben hätte ich auch erkannt!
Aber (gleich) 13 Luftschächte in einem Stollen? Dann kann der darunterliegende Stollen echt zur Unterbringung der Gefangenen - unterirdisches KZ - gedient haben? Eine Produktion wäre da ja nicht mehr so geschützt.
Aber das man dann so einen Aufwand betrieben haben will mit einer Fake-Bombardierung nur um die Leute in den Stollen zu bekommen??? Da hatte die SS sicher noch "andere" Möglichkeiten kann ich mir vorstellen!
 

josef

Administrator
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UNKLARE QUELLENLAGE
Spekulationen über geheime Stollen im KZ Gusen irritieren Forscher
Ein neuer Film behauptet, unter dem Stollensystem des Lagers habe es ein geheimes "zweites KZ " gegeben. Experten bezweifeln das


Der KZ-Komplex Gusen in Oberösterreich wurde als Mauthausen-Außenlager geführt. Hier wurden Tausende Menschen zu tödlicher Schwerstarbeit gezwungen.
Foto: APA/HARALD SCHNEIDER


Im Stollensystem in St. Georgen an der Gusen mussten Zwangsarbeiter für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten.
Foto: APA/BIG/HELGA LOIDOLD,


Ab 1944 wurden hier Düsenjagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Me 262 endgefertigt.
Foto: Gedenkdienstkomitee Gusen

Es klingt nach einer Sensation für die zeithistorische Forschung: Ein am Sonntag im "ZDF" ausgestrahlter Dokumentationsfilm konstatiert, die Geschichte des Konzentrationslagers Gusen in Oberösterreich müsse völlig neu geschrieben werden – denn Quellenfunde würden belegen, dass unter der bekannten Stollenanlage in St. Georgen an der Gusen (Bezirk Perg) ein weiteres Tunnelsystem riesigen Ausmaßes existierte, in dem tausende Häftlinge Zwangsarbeit verrichten mussten. Neue Dokumente und Untersuchungen würden nahelegen, dass es eine bislang unbekannte unterirdische Ebene in Gusen gegeben habe, die bis zu 40 Kilometer Stollen beherbergt habe und gar einem zweiten, streng geheimen KZ gleichgekommen sei.

Dort, so wird spekuliert, könnten bis heute die Überreste tausender getöteter Häftlinge liegen, nachdem die SS die voll besetzten Stollen angesichts der herannahenden Alliierten gesprengt hätten. "Die geheimste Unterwelt der SS" lautet der Titel des Films, über den sich österreichische Experten für das Lager, das als Außenstelle des KZ Mauthausen geführt wurde, in ersten Stellungnahmen verwundert bis irritiert zeigen, denn es würden keinerlei Belege oder Fakten für diese weitreichenden Behauptungen auf dem Tisch liegen.

Wiederholte Sensationsmeldungen
Hinter der als Enthüllung inszenierten "ZDF"-Dokumentation steht unter anderem der Linzer Filmemacher Andreas Sulzer. Es ist nicht das erste Mal, dass Sulzer mit Sensationsmeldungen rund um Gusen aufhorchen lässt: Schon 2015 veröffentlichte er einen Film über die von der SS betriebene Stollenanlage, in dem er die These vertrat, der Untertagebau sei weitaus größer als gedacht. Wie im neuen Film legte Sulzer auch damals die Vermutung nahe, das weitere Stollensystem habe einen anderen Zweck gehabt als den, für den Gusen längst bekannt ist. Hier seien womöglich nicht nur Düsenjagdflugzeuge in großem Stil gefertigt, sondern auch Raketen- und Atomwaffenforschungen betrieben worden.

Unter Wissenschaftern stieß der Filmemacher 2015 auf Kritik: Eine vom damaligen Bezirkshauptmann einberufene Expertenkommission aus Historikern, Archäologen, Stollenbau-Sachverständigen und Experten des Bundesdenkmalamtes untersuchte alle vorgebrachten Hinweise – und entkräftete sie. Auch die Historikerin Barbara Glück, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, war damals Mitglied in der Kommission. Über den Ablauf der neuen Veröffentlichung äußerte sie im Gespräch mit dem STANDARD Bedauern.

Unklare Quellenlage
Das KZ-System Gusen sei bereits gut erforscht, unter allen vorliegenden wissenschaftlichen Quellen gebe es keine Beweise für weitere Stollen. "Es handelt sich hier um reine Spekulationen, die auf Indizien beruhen, und wir finden es unverantwortlich, damit an die Öffentlichkeit zu gehen", sagt Glück, die wie andere Experten der Gedenkstätte vorab nichts von der Veröffentlichung wusste. Man sei noch dabei, alle im Film aufgeworfenen Spekulationen und Hinweise zu überprüfen.

Einige der Indizien, auf die sich diese stützen, habe man bereits entkräften können. Was den Forschern der KZ-Gedenkstätte Mauthausen aufstößt: Die angeblichen neuen Quellen waren für sie bislang nicht einsehbar, das sei schon 2015 so gewesen. "Wenn es wirklich neue Dokumente gibt, sind wir die Ersten, die sich dafür anstellen, damit wir sie in unsere laufende Forschungsarbeit einfließen lassen können", sagt Glück.

Tatsächlich befand sich in St. Georgen an der Gusen unter dem Tarnnamen "Bergkristall" eine der größten und mörderischsten unterirdischen Produktionsanlagen des Deutschen Reichs. Angesichts der alliierten Luftangriffe gab es seit 1943 Pläne, wichtige Rüstungsbetriebe unter Tage zu verlegen. Ab März 1944 mussten im Lager Gusen KZ-Häftlinge unter SS-Aufsicht am Stollenbau und ab Herbst in der Produktion von Düsenjagdflugzeugen des Typs Messerschmitt Me 262 arbeiten. Die entsetzlichen Bedingungen kosteten tausende Menschen das Leben, die Lebenserwartung der Häftlinge in Gusen betrug im Durchschnitt gerade einmal drei Wochen.

Widersprüchliche Aufzeichnungen
Doch für die neuen Behauptungen fehle es an wissenschaftlicher Basis, sagt Glück. So wird in dem Film das Bild erweckt, dass Lageraufzeichnungen zufolge vom 8. auf den 9. April 1945 plötzlich 18.500 Häftlinge aus Gusen verschwunden seien. Wurden sie in unbekannten Stollen von der SS begraben? Glück: "Wir haben die Dokumente natürlich bei uns im Archiv liegen, und an beiden Tagen werden um die 23.000 Häftlinge für das gesamte System Gusen als Tagesmeldung genannt. Wir haben auch eine sehr umfassende Datenbankforschung und sind heute in der Lage, fast jeden Häftling auch beim Namen zu nennen. Wir können ausschließen, dass hier von einem Tag auf den anderen 18.500 Häftlinge verschwunden sind."

Eine zentrale Stelle des Films zeigt Walter Chmielewski, den Sohn des ehemaligen Lagerkommandanten Karl Chmielewski. Er erinnere sich, dass damals "vom unterirdischen KZ" die Rede gewesen sei und davon, dass Häftlinge unter Tage leben mussten. Glück von der KZ-Gedenkstätte Mauthausen betont im Hinblick darauf, wie wichtig es sei, mit Zeitzeugenaussagen sensibel umzugehen und sie nicht als Tatsachenfeststellungen zu betrachten. "Es ist ganz wichtig, sie in den historischen Kontext zu stellen und erst dann zu bewerten. Wir haben auch eine sehr umfassende Datenbank an Interviews mit Zeitzeugen, und hier spricht keiner von den hier angesprochenen Spekulationen."

"Starke Indizienkette"
Ähnlich wie Glück hatten am Sonntag auch Historiker des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien reagiert: Die Vorstellung eines geheimen unterirdischen Konzentrationslagers sei abenteuerlich und widerspreche allen Erkenntnissen einer seriösen KZ-Forschung, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der "ZiB 2". Anders sah das Stefan Karner, der selbst an der "ZDF"-Dokumentation mitgewirkt hat. Der emeritierte Professor für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz sprach davon, dass neue Dokumente eine "eindeutige, starke Indizienkette geben, dass es in Gusen weit mehr gegeben hat, als bisher vermutet wurde."

Das sieht naturgemäß auch Filmemacher Andreas Sulzer so: Zeitzeugenberichte, Geheimdienstprotokolle und Luftbilder der US-Luftwaffe würden ein neues Bild zeichnen, sagt er zum STANDARD. Er betont, dass es sich bei dem Projekt um eine Kooperation mit vielen Beteiligten handle und seit seinem Film 2015 neue Archivfunde hinzugekommen seien. Sind diese Quellen nun auch für Fachhistoriker einsehbar? "Nachdem das Aktenfunde eines internationalen Konsortiums sind, muss man das klären. Aber wir laden gerne die Kollegen, die das anders sehen, ein, das im Rahmen einer international unabhängigen Kommission aufzuarbeiten", sagt Sulzer.
(David Rennert, 9.9.2019)

Links
Spekulationen über geheime Stollen im KZ Gusen irritieren Forscher - derStandard.at
 

Geist

Worte im Dunkel
Mitarbeiter
Neu scheint mir nur diese Stelle zu sein, an der die 13 quadratischen Wetterschächte zu erkennen sind. Und da die Diplomgeologin in diesem Bereich menschgemachte Strukturen mit einer Mächtigkeit von etwa 10 Metern in geringer Tiefe detektiert hat, wird man diesen Bereich noch genauer untersuchen, vermute ich. Eine mehrstöckige Stollenanlage halte ich dort für nicht durchführbar. Meines Wissens wurde das seitens der beauftragten Geologen ausgeschlossen.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
KZ Gusen: Komitee fordert Erforschung

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In der durch eine ZDF-Doku neu entfachten Diskussion über möglicherweise größere Stollen im NS-Konzentrationslager Gusen (Bezirk Perg) hat sich das Gedenkdienstkomitee Gusen mit der Forderung nach neuerlicher Erforschung zu Wort gemeldet.
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Laut dem Sonntagabend ausgestrahlten Film könnte es in Gusen ein bisher unbekanntes unterirdisches Konzentrationslager gegeben haben. In bisher unbekannten, gesprengten Stollen in Ebenen unterhalb der bekannten könnten mehrere Zehntausend „fehlende“ tote Häftlinge liegen. Aus der Sicht der zuständigen KZ-Gedenkstätte Mauthausen liegen dafür aber keine bekannten Belege oder Fakten vor.

„Oberösterreich heute“: Mögliches unterirdisches KZ in Gusen
Dokumente legen nahe, dass es in Gusen bei Mauthausen ein zweites unterirdisches Konzentrationslager gegeben hat, in dem Waffen produziert worden sind. Mehr als 18.000 Menschen könnten hier zur Arbeit gezwungen worden sein.
Das Gedenkdienstkomitee Gusen verweist auf den Historiker Stefan Karner, der neuerlich intensive Nachforschungen fordert. 2015 war in einer Doku desselben Filmemachers die Vermutung angestellt worden, in Gusen könnten die Nationalsozialisten nicht nur eine unterirdische Flugzeugproduktion, sondern auch eine Atom- und Raketenforschung betrieben haben. Eine Kommission aus Experten etlicher Fachrichtungen stellte jedoch nach einer Prüfung der Fakten fest, alle in dem Film angeführten Beweise für die Vermutungen hätten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standgehalten.


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Spekulationen über unterirdische Stollenanlage des KZ Gusen



Neue Indizien und Quellen
Die neuerliche Forderung einer intensiven Nachforschung wird damit begründet, dass der aktuelle Film Indizien und Quellen enthalte, die zum Zeitpunkt der Diskussion der Expertenrunde 2015 noch gar nicht zur Verfügung gestanden seien. „Die dargestellte Indizienkette ist sehr schlüssig und ergibt eine Reihe von Anhaltspunkten, die nahe legen, die Geschichte des Lagerkomplexes Gusen neu zu schreiben“, so Karner.

In drei Konzentrationslagern in Gusen – als Nebenlager des KZ Mauthausen – hielten die Nazis mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen gefangen, mehr als die Hälfte kamen zu Tode. Der Bau der acht Kilometer langen Anlage des NS-Rüstungsprojektes „Bergkristall“ zur unterirdischen Flugzeugproduktion kostete mehr als 8.600 KZ-Häftlingen das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde später zerstört oder aus Sicherheitsgründen verfüllt. Das Gedenkdienstkomitee Gusen sieht sich als Vertreter der Interessen ehemaliger Häftlinge und deren Familien.

10.09.2019, red, ooe.ORF.at/Agenturen

Links:
Wissenschaft: KZ Gusen: Komitee fordert Erforschung
 
Hallo zusammen,
ich bin Neu hier in diesem Forum :)

Nach dem neusten ZDF Bericht beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass man gar nicht möchte das mehr gefunden wird.
Warum wird nicht einfach mal eine Öffentliche Grabung angestrebt ? Eventuell unter Begleitung eines TV Teams. So könnten man endlich mal Klarheit schaffen.
Aber es ist ja leider nicht das erste Projekt, wo Ausgrabungen gestoppt werden bzw. wo man den Eindruck bekommt es soll etwas vertuscht werden. Siehe Projekt Riese oder die Ausgrabungen in Polen beim Panzer/Goldzug.
 

Geist

Worte im Dunkel
Mitarbeiter
Hallo zusammen,
ich bin Neu hier in diesem Forum :)

Nach dem neusten ZDF Bericht beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass man gar nicht möchte das mehr gefunden wird.
Warum wird nicht einfach mal eine Öffentliche Grabung angestrebt ? Eventuell unter Begleitung eines TV Teams. So könnten man endlich mal Klarheit schaffen.
Aber es ist ja leider nicht das erste Projekt, wo Ausgrabungen gestoppt werden bzw. wo man den Eindruck bekommt es soll etwas vertuscht werden. Siehe Projekt Riese oder die Ausgrabungen in Polen beim Panzer/Goldzug.
Ach, du meine Güte! Der Nächste, der vermeintlichen Vertuschungen hinterherhechelt. Was verstehst du unter einer öffentlichen Grabung? Hoffentlich nicht, dass jeder, der einen Spaten unfallfrei bedienen kann, die Äcker St. Georgens auf Links drehen soll. Ansonsten ist so gut wie jede Grabung einsehbar. Und weißt du auch warum? Na? Oder soll ich helfen? Na gut, ich löse auf: Weil's wurscht is! Es gibt nichts zu vertuschen, es gibt nichts zu verschweigen. Wenn gegraben wird, dann werden wir es aus den Medien erfahren. Und dass nicht jeder überall einfach so graben darf, habe ich weiter oben schon mit einem Link zu den Bestimmungen, der eine Grabung unterliegt, gezeigt.

Also tu mir bitte den Gefallen und lass deine relativ unbedarften Verschwörungstheorien betreffend den vertuschenden Staat, der uns alle unterjocht und für immerdar kleinhält, einfach stecken und verschon das Forum mit dem Stammtischpalaver. Dank im Voraus!
 

josef

Administrator
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Erneut Kommission zu KZ Gusen gefordert
Die neuen Unterlagen zum ehemaligen KZ Gusen ergeben ein Bild, als ob es unter dem Areal des Lagers und unter St. Georgen aussehen würde wie ein Schweizer Käse. Das sagt der Historiker und frühere Institutsvorstand der Uni Graz, Stefan Karner. Im Interview mit dem ORF OÖ fordert er erneut eine internationale Gusen-Kommission.
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Diese neuen Erkenntnisse wurden in einer Dokumentation des ZDF rund um das ehemalige KZ Gusen und die Ereignisse rund um St. Georgen während des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht. Karner ist der einzige in Österreich, der bisher einen Einblick in diese neuen Unterlagen aus amerikanischen und russischen Archiven, in Zeitzeugenberichte und in neu entdeckte Luftaufnahmen der Amerikaner erhalten hat.

Zeitzeugen, Fotos und 1.000 Seiten Befragungen
Welche Unterlagen das sind, dazu sagte Karner: „Das sind Zeitzeugenberichte, dann gibt es eine Fülle von Fotos, mehrere Gutachten verschiedener Provenienz, die Luftbildaufnahmen der Amerikaner, dann gibt es rund 1.000 Seiten Befragungen durch die Russen, Berichte und Befragungen der Amerikaner, und eine Fülle von Berichten und Indizien, die noch aus der NS-Zeit selber stammen. Es ist nicht eine Mappe, das sind viele Mappen zu diesem Thema.“ Bei den von den Archiven freigegebenen Unterlagen müsse man sich auch immer ansehen, wovon und wie viel freigegeben wurde, so Karner.

FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR

„Indiz für Tote, von denen wir bislang nichts wissen“
In der Dokumentation war auch die Rede davon, dass 18.000 Häftlinge plötzlich aus den Lagerlisten verschwunden sind. Es gibt Mutmaßungen, sie könnten in die Tunnelanlage getrieben und mit den Stollen in die Luft gesprengt worden sein. Karner dazu: „Diese 18.000, die an einem Tag aufscheinen und am nächsten Tag nicht mehr, muss man sehr genau prüfen. Ich war entsetzt, wie ich das gesehen habe. Aber mit aller Vorsicht: Es kann natürlich stimmen, aber es kann genauso falsch sein, ein Fehler der Registratur oder was immer sein. Aber Faktum ist, es steht schwarz auf weiß da und muss überprüft worden. Erst gestern habe ich wieder ein Indiz bekommen, dass es dort auch Tote gibt, von denen wir bislang nichts wissen.“


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„Neuen Hinweise sind sehr stark“
Der Historiker fordert jetzt die Einsetzung einer internationalen Expertenkommission durch das Innenministerium. Die Hinweise und die neuen Unterlagen seien so stark, dass man an einer genauen Nachforschung nicht vorbeikomme, sagt Karner. Fakt sei aber auch: Es gibt Gruppen von Wissenschaftlern in Österreich, die eine neuerliche Untersuchung für nicht notwendig halten und der Meinung sind, es gebe nichts Neues in den jetzt ins Treffen geführten Unterlagen.
13.09.2019
Geschichte: Erneut Kommission zu KZ Gusen gefordert -> inkl. Interview mit Karner
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
Ich warte einmal ab, was da rauskommt...
Irgendwie komisch finde ich schon, wieso haben nur Karner und die Mitglieder des Filmteams
Univ.-Prof. Dr.phil. Dr. h.c., Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz bis 28. Februar 2018, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung bis 28. Februar 2018 sowie ehemaliger wissenschaftlicher Leiter des Universitäts-Medienlehrgangs (2004-2017).
(Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner )
die angeblich neuen und spektakulären Unterlagen?

Warum wurden sie nicht auch den übrigen offiziellen Stellen wie den restlichen Mitgliedern der damaligen "Expertenrunde von 2015" zur Verfügung gestellt?
Sind da vielleicht irgendwelche Eifersüchteleien zwischen Wien/Linz und Graz im Spiel?
 

Varga

Mann aus den Bergen
Mitarbeiter
@ Geist
Für mich ist das Verhalten der Behörden auch keine Vertuschung.
Ich sehe das so: Die zuständigen Behörden haben Angst oder Bedenken. Lassen sie graben, und nichts wird gefunden, reklamieren die Normalbürger über herausgeworfenes Geld, die Befürworter reklamieren, dass am falschen Ort gegraben wurde.
Werden Stollen gefunden, müssen sich die Behörden den Vorwurf gefallen lassen, nie intensiv gesucht zu haben. Werden dazu noch Leichen gefunden, wie oder ähnlich in der Verlustliste angegeben, wird das Problem noch viel grösser.

Gruss
Varga
 
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