Bleibelastung in Schrems bei Frohnleiten

Geist

Worte im Dunkel
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#1
Blei im Boden: Wasser und Gärten verseucht

Eine Routinekontrolle hat in Schrems bei Frohnleiten eine hohe Schwermetallkonzentration im Boden zu Tage gebracht. Die Bewohner dürfen bis auf Weiteres kein Brunnenwasser nutzen und auch kein Gemüse aus ihren Gärten essen.


Rund 2.000 alte Deponien gibt es laut der Umweltabteilung des Landes in der Steiermark - diese werden routinemäßig überprüft. Im Sommer wurden im Zuge einer solchen Kontrolle Bodenproben auf dem Gelände eines Bergbaubetriebes in Schrems genommen, der Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassen worden war - heute stehen dort mehrere Wohnhäuser.

Keine akute Vergiftungsgefahr
Das Ergebnis der Proben war beunruhigend: Es wurde ein deutlich erhöhter Bleigehalt in Boden und Pflanzen festgestellt; betroffen sind rund 15.000 Quadratmeter Fläche. Es bestehe keine akute Vergiftungsgefahr, beruhigte Thomas Amegah von der Gesundheitsabteilung des Landes am Freitag die Bewohner des Ortes, es könne durch die Schwermetalle im Boden jedoch chronische Belastungen für die Gesundheit geben.

Deshalb müssen die rund 70 Bewohner von Schrems nun Vorsichtsmaßnahmen einhalten: Sie dürfen das Wasser aus ihren Hausbrunnen nicht mehr verwenden, und auch das Gemüse oder die Kräuter aus ihren Hausgärten dürfen nicht gegessen werden. Kinder sollten keinesfalls beim Spielen in den Gärten Erde in den Mund stecken.

Weitere Untersuchungen sollen Klarheit bringen
Ab kommendem Montag werden Amtsärzte mit den Bewohnern von Schrems Gespräche führen, um mögliche Gesundheitsfolgen der Bleibelastung abzuklären, zudem werden in den nächsten Wochen und Monaten weitere Bodenbohrungen durchgeführt, auch das Grundwasser und der durch den Ort fließende Bach werden untersucht, erklärt Martin Schröttner von der Umweltabteilung des Landes - erst dann wird feststehen, ob und wie man das Problem mit der alten Bergbaudeponie in Schrems wird lösen können.
Quelle: Blei im Boden: Wasser und Gärten verseucht
 

josef

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#2
Kurzinfo zum ehemaligen Bergbau in Schrems bei Frohnleiten

Blei
In Schrems bei Frohnleiten, wo bereits seit dem 13. Jahrhundert Bergbauaktivitäten belegbar sind, verlief vor allem die Betriebsperiode in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgreich. Die durchschnittliche Jahresproduktion zwischen 1756 und 1799 betrug etwas über 59 t Blei und Bleiglätte, d.h. in Summe wurden in diesem Zeitraum über 2.000 t Blei erzeugt. In Anbetracht der insgesamt über 600jährigen Betriebsdauer, die erst im Jahr 1893 endete und der ausgedehnten Haldenareale ist eine Gesamterzeugung von wenigstens 7.000 t anzunehmen, von denen etwa die Hälfte schon vor dem 18. Jahrhundert produziert wurde.
(Textauszug aus http://www.abfallwirtschaft.steiermark.at/cms/dokumente/10235637_46590/3572dea5/Bergbau_gesamt.pdf - Seite 29)

Zinkblende
1870 wurde der Bergbau Schrems bei Frohnleiten wieder in Betrieb genommen und dem Werkskomplex der Ludwigshütte eingegliedert. Aus dieser Betriebsperiode sind nur die Produktionszahlen des Gesamtbetriebs verfügbar. In jedem Fall überwog die Förderung an Zinkblende. Die Abbautätigkeit wurde 1893 wieder eingestellt (BAUMGARTNER 1992). Auf Grundlage der Produktionsdaten der Ludwigshütte kann auf eine Gesamterzeugung von etwa 1.500 t Zink aus Schremser Erzen geschlossen werden.
(Textauszug aus http://www.abfallwirtschaft.steiermark.at/cms/dokumente/10235637_46590/3572dea5/Bergbau_gesamt.pdf - Seite 32)

Silber
In Schrems bei Frohnleiten sind bereits seit dem 13. Jahrhundert Bergbauaktivitäten belegbar. Herzog Ernst von Österreich erließ anlässlich der Auffindung eines neuen Silbererzvorkommens auf dem Rechberg im Jahre 1424 eine Bergwerksordnung, die sog. Rechberger Bergordnung (KUNNERT 1969). Um 1500 gewältigte man die Bergbaue um Übelbach, Frohnleiten und Schrems, um die Grazer Münze mit Silber versorgen zu können. Während aus dieser frühen Betriebsphase keine Produktionsdaten verfügbar sind, liegen für das 18. und 19. Jahrhundert zumindest lückenhafte Angaben vor. Recht erfolgreich verlief dabei vor allem die Betriebsperiode in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die durchschnittliche Jahresproduktion zwischen 1756 und 1799 betrug etwas über 28,7 kg Silber, d.h. in Summe wurden in diesem Zeitraum über 1.250 kg Silber erzeugt. Im 19. Jahrhundert, als in Schrems die Förderung an Zinkblende überwog, erzeugte die Schmelze von Deutschfeistritz, wo die Erze von Deutschfeistritz, Rabenstein und Schrems verarbeitet wurden, zwischen 1870 und 1889 im Durchschnitt jährlich 104,5 kg Silber (BURGSTALLER 1968). In Anbetracht der insgesamt über 600jährigen Betriebsdauer und der ausgedehnten Haldenareale ist eine Gesamterzeugung von wenigstens 10.000 kg anzunehmen, von denen ein Großteil schon vor dem 18. Jahrhundert produziert wurde.
(Textauszug aus http://www.abfallwirtschaft.steiermark.at/cms/dokumente/10235637_46590/3572dea5/Bergbau_gesamt.pdf - Seite 37f)
 
S

Senator74

Guest
#3
Sollte die Landesregierung da etwas übersehen oder verschlampt haben?
Ich kenne nur die Berichtslage aus der Zeit von HR Nims, der alle Messdaten sorgsam überwacht hat.
Allerdings: Ohne Meldung über solche Belastungen kann keine Behörde aktiv werden.
 

josef

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#5
Blei im Boden: Verdachtsflächen ausgeweitet
Nachdem in Schrems bei Frohnleiten erhöhte Bleiwerte im Boden festgestellt worden waren, laufen die Untersuchungen nach wie vor auf Hochtouren. Die Verdachtsfläche wurde mittlerweile um rund ein Drittel ausgeweitet.
Eine Routinekontrolle brachte in Schrems bei Frohnleiten eine hohe Schwermetallkonzentration im Boden zu Tage: Im Sommer wurden Bodenproben auf dem Gelände eines Bergbaubetriebes in Schrems genommen, der Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassen worden war - heute stehen dort mehrere Wohnhäuser. Das Ergebnis der Proben war beunruhigend: Es wurde ein deutlich erhöhter Bleigehalt in Boden und Pflanzen festgestellt - mehr dazu in Blei im Boden: Wasser und Gärten verseucht (20.10.2018) Blei im Boden: Weitere Untersuchungen (22.10.2018).

Untersuchungen ausgeweitet
Die Bevölkerung von Schrems wurde nun von den Experten des Landes und der Gemeinde über den aktuellen Stand der Untersuchungen informiert. Laut Martin Schröttner von der Umweltabteilung des Landes wurde die Verdachtsfläche, also jene Fläche, wo der begründete Verdacht der Umweltgefährdung durch Blei im Boden besteht, um ein Drittel auf rund 30.000 Quadratmeter ausgeweitet; zudem untersuche man auch die angrenzenden Grundstücke. Man nehme zusätzliche Pflanzenproben, und ein eigens beauftragtes Ziviltechnikerbüro ziehe weitere 200 bis 300 Bodenproben.


ORF

Seit Bekanntwerden der erhöhten Bleiwerte befragten Amtsärzte 70 Bewohner ausführlich über ihre Lebens-, Arbeits- und Ernährungsgewohnheiten, sagt Thomas Amegah von der Gesundheitsabteilung des Landes, und „es werden ab sofort bis Ende November Blut- und Haarproben genommen, und zwar bei den Personen, die das wünschen und bereits durch die Erhebung durch die Amtsärzte teilgenommen haben. In weiterer Folge werden die Untersuchungmaterialien im Labor untersucht und ausgewertet, und aufgrund der Ergebnisse werden dann weitere Maßnahmen und Schritte vorgeschlagen.“

Bevölkerung „gefasst, aber verunsichert“
Der Frohnleitner Bürgermeister Johannes Wagner sagt, die betroffene Bevölkerung sei zwar gefasst, doch auch verunsichert und besorgt, was mögliche gesundheitliche Belastungen angeht; die Untersuchungen müssten so schnell wie möglich abgeschlossen werden, damit man Maßnahmen setzen könne - etwa den Boden ausheben oder ähnliches. Nach wie vor gilt für die Bewohner, dass sie das Gemüse aus dem eigenen Garten nicht essen sollen.

Publiziert am 27.11.2018
Blei im Boden: Verdachtsflächen ausgeweitet
 

josef

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#6

Schrems: Bleiwerte bei Bewohnern nicht erhöht
Die Böden in Schrems im Bezirk Graz-Umgebung sind durch eine ehemalige Bergbau- und Schlackehalde vergiftet. Eine Messung der Bleiwerte bei Bewohnern gibt aber Entwarnung: Blut- und Haarproben zeigen keine Auffälligkeiten.
In der von erhöhten Bleikonzentrationen betroffenen Ortschaft Schrems in der Gemeinde Frohnleiten wurde am Donnerstag Entwarnung gegeben: Wie Bürgermeister Johannes Wagner (ÖVP) den Bewohnern am Abend bei einer Versammlung mitteilte, wurden bei den genommenen Blut- und Haarproben keine auffällig hohen Schwermetallwerte festgestellt.

Laborergebnisse zeigen keine Auffälligkeiten
Vergangenen Herbst wurde bekannt, dass durch eine ehemalige Bergbau- und Schlackehalde der Boden in Schrems vergiftet ist – mehr dazu in Blei im Boden (27.11.2018). Die Verdachtsflächen umfassen etwa 30.000 Quadratmeter, rund 70 Menschen leben heute auf dem Areal, auf dem sich Ende des 19. Jahrhunderts der Betrieb befand.

Nach der Feststellung der erhöhten Werte im Boden wurden bis Jahresende von den Bewohnern Proben genommen, um zu überprüfen, ob das Schwermetall in erhöhter Konzentration auch in den Körpern nachweisbar ist. „Die Laborergebnisse haben ergeben, dass weder Vollblut- noch Haarproben auffällige Schwermetallkonzentrationen aufweisen, da sich die Konzentrationen von relevanten Metallen im Normalbereich bewegen“, hieß es in der Bürgerinformation.

Erdmassen sollen ausgetauscht werden
Die seit Herbst ausgegebenen Empfehlungen bleiben allerdings aufrecht: Gemüse und Obst, das auf den Verdachtsflächen gezogen wird, soll nicht gegessen werden, Grundwasser aus den betroffenen Böden dürfe nicht als Gießwasser verwendet werden, um eine weitere Kontamination zu vermeiden; außerdem sollen Kinder keine Erde in den Mund nehmen oder gar essen.

Der Bürgermeister kündigte eine rasche Sanierung der Böden an: Konkret sollen die vergifteten Erdmassen ausgetauscht werden - wie genau, werde noch geklärt. Den Bewohnern sollen jedenfalls keine Kosten entstehen, und die Arbeiten werden auch nur durchgeführt, wenn das von den Betroffenen gewünscht ist. Zuerst ist die Sanierung jener Flächen geplant, auf denen Kinder leben, bis zur Gartensaison 2020 soll aber möglichst auf allen Verdachtsflächen wieder ohne Einschränkungen gepflanzt und geerntet werden können. In den kommenden Wochen will man mit den Haushalten direkt in Kontakt treten. Die Sanierung wird mit Mitteln des Bundes gefördert.

Publiziert am 21.03.2019
Schrems: Bleiwerte bei Bewohnern nicht erhöht
 
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