"Burgruine Starhemberg" auf einen Hügel unweit von Dreistetten

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Das Piestingtal enthüllt immer wieder die eine oder andere Sehenswürdigkeit! Recht unscheinbar, aus der Ferne können einige hohe Grundmauern, die aus dem Wald ragen erblickt werden. Doch man staune, was sich hier alles verbirgt!

Ein Auszug zur Geschichte:
Die Ruine Starhemberg hat nichts mit dem oberösterreichischen Geschlecht zu tun. Der ursprüngliche Name „starker Berg“ oder „Starkenberg“ wurde vielmehr in der Umgangssprache zu Starhemberg verballhornt. Die Anlage geht auf eine kleine Grenzburg der steirischen Markgrafen zurück, die diese zwischen 1140 und 1145 als Teil eines Befestigungsgürtels an der Nordgrenze ihrer karantanischen Mark errichten ließen. Die Piesting war damals die Grenze zwischen der Steiermark und der Ostmark. Als Erbauer gilt Markgraf Otakar III von Steiermark. Nach Übergabe der Steiermark an die Babenberger 1192 wurde sie landesfürstlicher Besitz. Der letzter Babenberger, Herzog Friedrich II der Streitbare, ließ die Burg massiv ausbauen und neu befestigen. Unter anderem wurde der Palas erneuert. Im 13. Jh. zählte Starhemberg zu den bedeutendsten Profanbauten Niederösterreichs. Besonders nach 1236, als er vom Kaiser geächtet war und mit dem Adel im Streit lag, weilte Friedrich des öfteren auf der Burg, worüber zahlreiche Urkunden berichten. In Kriegszeiten – und aus solchen bestand im Grunde seine gesamte Regierungszeit - waren die Archive und der Familienschatz hier geborgen und vom Deutschen Ritterorden bewacht. Dieser behütete auch nach Friedrichs Tod eine Zeit lang die Burg. Während der Wirren um seine Nachfolge fand seine Nichte Gertrude hier Zuflucht. Sie versuchte für ihren Sohn Friedrich das babenbergische Erbe zu retten, doch zog dieser mit dem Staufer Konradin nach Italien, um das alte Reich wieder aufzubauen. Er fiel aber in die Hände Karls von Anjou und wurde in Neapel hingerichtet. 1254 kam die Herrschaft durch den Pressburger Frieden an Ottokar von Böhmen. Als nach der Schlacht von Dürnkrut 1278 Starhemberg an die Habsburger kam, ließen diese es von Pflegern verwalten, doch diente es auch häufig als Pfandobjekt. 1476 drohte der Burgpfleger Hans von Spaur dem Kaiser Starhemberg den Ungarn zu übergeben und verlangte ein hohes Lösungsgeld. Der Kaiser ließ ihn jedoch kurzerhand gefangen nehmen und in Wiener Neustadt in den Kerker werfen. 1482 wurde die Burg von Matthias Corvinus eingenommen.

Von 1561 bis 1817 war Starhemberg mit einer kurzen Unterbrechung im Eigentum der Grafen Heussenstein. Im 16. und 17. Jh. kam es zu umfangreichen Bauarbeiten bei denen die Renaissancetrakte entstanden. 1683 bot die Burg der umliegenden Bevölkerung Schutz vor den Türken. Noch 1765 wurde sie nach einem Brand wieder hergerichtet. Mit der Verlegung des Landgerichtes nach Bad Fischau wurde sie aber funktionslos. Ihre militärische Bedeutung hatte sie ohnehin längst verloren. Um der neuen Gebäudesteuer zu entgehen, ließen die Grafen Heussenstein um 1800 Türen und Fensterstöcke herausbrechen und die Dächer abdecken. Damit war ihr Schicksal besiegelt. 1817 kam die Ruine an den Freiherrn Stephan von Badenthal. 1830 erwarb Erzherzog Rainer, Vizekönig von Lombardo-Venetien, die Herrschaft. Um 1870 stürzte der Großteil des Palas ein. Bis in die 30er-Jahre des 20. Jh. benutzte die umliegende Bevölkerung die Ruine zur Gewinnung von Baumaterial für eigene Hausbauten. 1913 erbte sie die Familie Salvator-Habsburg-Lothringen, die sie auch heute noch besitzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. bemühte sich ein örtlicher Burgenverein um die Sanierung der Ruine. Leider kümmert sich heute niemand um die einst so stattliche Burg, so dass sie aus „Sicherheitsgründen“ für Besucher gesperrt wurde. Es sollte dem Besitzer bzw. der benachbarten Gemeinde Dreistetten doch möglich sein, zumindest die wildwuchernde Vegetation in den Griff zu bekommen. Die Bausubstanz scheint noch weitgehend in Ordnung zu sein.
Die ausgedehnte Ruine erstreckt sich auf der Bergkuppe von Südwest nach Nordost. Die Verteilung der Wohn- und Wehrbauten war durch die topographische Lage bedingt. Die Wohngebäude lagen im Westen, die Verteidigungswerke im Osten. Das hohe spitzbogige Tor, durch das man den langgestreckten Zwinger betritt, ist eine historistische Zutat von 1834. Interessantester Bauteil der Ruine ist die romanische Burgkapelle. Sie liegt etwas abseits vom Hauptbau in der erst später angelegten Vorburg. Erdgeschoß und erstes Stockwerk stammen wahrscheinlich aus dem 12. Jh. Im Spätmittelalter wurde sie turmartig erhöht. Der bienenkorbartig gewölbte Innenraum dieser aus Quadern gewölbten Rundkirche ist in Österreich einmalig. Die einzigen Lichtquellen sind ein Rundbogenfenster sowie die romanische Eingangspforte. Letztere weist eine schöne Quaderfassung auf. Von dem einst über eine Stiege in der Mauerstärke begehbaren Turm blieb nach den Zerstörungen von 1945 nur mehr ein Mauerzahn stehen. Die südliche Zwingermauer besitzt eine kleine und eine große Bastion, die aber erst im 17. Jh. angelegt wurden. Der innere Burghof wird an drei Seiten von Wohngebäuden umschlossen. Sie stammen aus dem 13. und 14. sowie aus dem 16. und 17. Jh. An der Südseite erheben sich die Reste der freistehenden Annenkapelle, die eine Doppelkapelle aus der Mitte des 14. Jh. war. Die repräsentativsten Räume waren im Nordtrakt zu finden: Schatzgewölbe, Säulenraum, Festsaal und Stiegenhaus. Die anschließende Küche dürfte in ihrem Unterbau dem 13. Jh. angehören und war bis in das Zeitalter der Renaissance freistehend. Dann wurde sie in den neu errichteten Gebäudeteil einbezogen. Erhalten ist noch der achteckige Rauchabzug mit dem Schornstein. Die große Vorburg, die heute fälschlicherweise als Turnier- bzw. Waffenplatz bezeichnet wird, wurde erst im 16. und 17. Jh. angelegt, um die neu aufgekommenen Pulvergeschütze auf Distanz zu halten.
Quelle, Bildquelle: Ruine Starhemberg (Burgen Austria) , Die Ruine wurde hier schon erwähnt: Ausflug durch das südliche Niederösterreich von @Harald 41

Burgruine Starhemberg im 2. Weltkrieg, Seite 35 des Auszuges
Im Frühjahr 1945 (April/Mai) war die Ruine von der Waffen-SS in die Verteidigungslinie Piestingtal-Hohe Wand einbezogen worden. Die hier stattgefundenen Kämpfe sind an der Ruine nicht spurlos vorbeigegangen, da der Burgberg und sein Bau unter heftigem Artilleriebeschuss der Russen stand und im Laufe der Auseinandersetzung wiederholt den Besitzer wechselte. Den größten Schaden hatte bedauerlicher Weise die Turmkapelle erlitten. Durch Artillerietreffer – auf dem Turm befand sich ein Beobachtungsposten der SS – wurde die Mauerschale fast zur Hälfte zerstört, sodaß leider nur mehr eine einzige Pechnase erhalten geblieben ist, das kreisrunde Fenster ist sehr stark beschädigt worden und unterhalb dieser Öffnung sind Granateinschläge sichtbar. Über dem romanischen Fenster der Apsis wurde durch einen solchen Treffer das Gewölbe durchschlagen, die Quaderverkleidung des Turmes stark beschädigt. In der nördlichen Ecke beim Haupttor, wo Zwinger-und Umfassungsmauer sich treffen, ist ein Teil durch die Erschütterungen ausgebrochen und gefährdet die darüber sich befindliche Zinne. Beim zweiten Zwingertor ist die einst aufgelagerte Kapitellplatte herabgestürzt. Ein Teil der Mauer gegenüber der zweiten Bastion ist eingestürzt, von den vier Fenstern sind leider nur ein großes und die Sohlbank eines kleinen Fensters erhalten geblieben. In der Annakapelle ist die südliche Außenmauer an der Stelle, an der sich das Fenster befand, und der nach Westen gerichtete Mauerteil bis zum ersten Stock eingestürzt. An der Innenseite des Westtraktes ist die schneckenartige Verzierung der Galeriestützen schwer zerstört. Der Mauerzug in der Südostecke des Hofes ist fast zur Gänze vernichtet und bildet heute einen Trümmerhaufen. Die nordwestliche Eckbastion des „Waffenplatzes“ wurde durchbrochen. Hier, wie auch beim Westtrakt des Hofes, befinden sich große Erdaushebungen, die vermutlich von einer Artilleriestellung, bzw. von einem Bunker herrühren dürften. Dieser Arbeit – abgeschlossen 1949 – liegt der Bauzustand bis April 1945 zu Grunde.
Quelle: Verein für Landeskunde NÖ von Felix Halmer

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Sieht neueren Datums aus 30er Jahre, meist wurden auf Fußwegen zu der Burg solche Aussichtsplattformen errichtet dort stand meistens eine Bank manchmal sogar Bank und Tisch.
Wenn man die Bäume rodet dann hat mann sicher einen wunderschönen Ausblick.
 
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Sieht neueren Datums aus 30er Jahre, meist wurden auf Fußwegen zu der Burg solche Aussichtsplattformen errichtet dort stand meistens eine Bank manchmal sogar Bank und Tisch.
Wenn man die Bäume rodet dann hat mann sicher einen wunderschönen Ausblick.
Hallo t3atnö,
danke für die Antwort, für eine Aussichtsplattform ist dieses Gebäude zu weit unten , weil es sich ziemlich auf gleicher Höhe der Bundesstrasse befindet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zitherwirt.
Lg
Michi
 

Geist

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Sieht neueren Datums aus 30er Jahre, meist wurden auf Fußwegen zu der Burg solche Aussichtsplattformen errichtet dort stand meistens eine Bank manchmal sogar Bank und Tisch.
Wenn man die Bäume rodet dann hat mann sicher einen wunderschönen Ausblick.
Das wäre auch mein Tipp gewesen. Dass der Rastplatz nicht an der höchsten Stelle im Gelände liegt, heißt ja nicht unbedingt was. Der Platz wird vermutlich irgendwann zwischen den 1950ern und 1990ern angelegt worden sein.
 
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