China: In Fertigstellung befindliche und weitere geplante Megaprojekte

josef

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Chinas Megaprojekte: 216 neue Flughäfen in 15 Jahren



Binnen vier Jahren errichtete China das größte Hochgeschwindigkeitszugnetz der Welt und den zweitgrößten Flughafenterminal. Weitere Megaprojekte sind in Planung
Die Diskussion über den Bau einer dritten Piste für den Flughafen Wien ist vielen noch in Erinnerung – sie wurde auch deshalb breit und emotional geführt, weil die Piste das Leben der Anrainer beeinflusst und massive Folgen für Luftqualität und Umwelt hat. Wenn sich einer der sechs österreichischen Flughäfen derart vergrößert, ist das für hiesige Dimensionen immerhin ein signifikantes Infrastrukturprojekt. Bis 2030 wird nun mit der Inbetriebnahme der dritten Piste gerechnet.

216 neue Flughäfen
In China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, wären solche Pläne kaum eine Randnotiz in den Zeitungen wert. In einem vergleichbaren Zeitrahmen, nämlich bis 2035, sollen in China sage und schreibe 216 neue Flughäfen erbaut werden. Das teilte die Zivilluftfahrtbehörde der Volksrepublik im vergangenen November mit. Damit würden sich die bisherigen Airports auf chinesischem Boden auf 450 fast verdoppeln.

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Der Daxing Airport soll Pekings bereits bestehende internationale Flughäfen entlasten. Nur am weltgrößten Flughafen in Atlanta ist das Passagieraufkommen noch größer.

Einer der neuen Flughäfen ist Peking-Daxing, rund 50 Kilometer südlich des Hauptstadtzentrums. Er soll schon im September 2019 fertiggestellt werden und verfügt dann mit acht Start- und Landebahnen über genauso viele wie alle österreichischen Flughäfen zusammen – nach Fertigstellung der dritten Piste am Flughafen Wien. Bei voller Auslastung wird Peking-Daxing Schätzungen zufolge jährlich mehr als 130 Millionen Menschen transportieren und damit zum größten Transporthub der Welt werden.

Derzeit bauen 8.000 Arbeiter am 700.000 Quadratmeter großen Hauptterminal, der nach dem Terminal des Flughafens Istanbul der zweitgrößte der Welt sein wird. Extrem ist auch die Geschwindigkeit der Errichtung: Mehr als eine Million Kubikmeter Beton und 200.000 Tonnen Stahl wurden bei den nur vier Jahre dauernden Bauarbeiten verbaut.

Unterwassertunnel
Doch nicht nur in der Luft, auch unter der Erde und im Wasser plant China Großes: Es hat offenbar Gefallen daran gefunden, seine Landesteile immer stärker zu vernetzen. Vergangenen Oktober wurde die mit rund 30 Kilometern längste Überwasserbrücke der Welt im Perlflussdelta eröffnet – sie verbindet die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau.

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Die West-Ost-Ausdehnung Wiens ist mit 29,4 Kilometern 200 Meter kürzer als die von China erbaute Brücke zwischen Macau und Hongkong.

Wurden für diese Brücke bereits 6,7 Kilometer untertunnelt, um den regen Schiffsverkehr nicht zu stören, sollen beim geplanten Bohai-Eisenbahntunnel östlich von Peking gar 90 der 123 Kilometer unterhalb der Meeresoberfläche verlaufen. Der Tunnel wäre etwa zweieinhalbmal so lang wie der Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien. Die chinesische Zentralregierung hat verkündet, den mehrmals verschobenen Plan für diesen Bau nun "so bald wie möglich" beginnen zu wollen. Sie soll vorhaben, irgendwann gar eine Unterwasserverbindung ins mehrere hundert Kilometer entfernte Südkorea zu bauen. Derzeit ist Südkorea von China aus nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichen.

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Dürfte bis Mitte des Jahrhunderts Realität werden: der Mega-Unterwassertunnel zwischen Dalian und Yantai.

Im Speed-Rausch
Die hektische und getriebene Stimmung in chinesischen Großstädten spiegelt sich gewissermaßen auch in den Ambitionen für neue rasend schnelle Zugverbindungen wider: Knapp 30.000 Kilometer an Hochgeschwindigkeitsverbindungen befinden sich bereits heute auf dem Boden der Volksrepublik – das sind rund zwei Drittel der global vorhandenen Gesamtlänge.

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Chinas Zugnetzwerk entstand innerhalb weniger Jahre. Dessen Züge rasen heute mit Höchstgeschwindigkeit.

Dabei begann China erst 2007 mit dem Bau von Hochgeschwindigkeitszügen – binnen weniger Jahre entstand das weltweit größten Hochgeschwindigkeitsnetz. China möchte es bis 2025 auf 38.000 Kilometer und bis 2030 gar auf 45.000 Kilometer Länge ausbauen. Das wäre deutlich mehr als der Erdumfang.

Faktor erneuerbare Energien
Doch es gibt noch mehr Megaprojekte in China: das größte Wasserumleitungsprojekt aller Zeiten etwa, das Wasserkraftwerk mit der größten Generatorenleistung (Drei-Schluchten-Talsperre) oder den größte Windpark weltweit (Gansu). Auch zwei der drei größten Kohlebergwerke der Welt befinden sich in China. Gleichzeitig führt das Land auch bei der Produktion von Wind- und Solarenergie.

Noch setzen die Chinesen vor allem auf fossile Brennstoffe, um die gewaltigen Megaprojekte zu stemmen und den wirtschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. Berechnungen gehen davon aus, dass lediglich 20 Prozent des Energiebedarfes bis 2030 aus erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Doch China hat angekündigt, in Zukunft öfter und vehementer auf umweltfreundlichere Energie zurückgreifen zu wollen. Wenn man einem Staat das Megaprojekt der Umstellung auf alternative Energien zutrauen kann, dann wohl China.
(Fabian Sommavilla, 15.5.2019)
Chinas Megaprojekte: 216 neue Flughäfen in 15 Jahren - derStandard.at
 

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#2
Größte Wasserumleitung der Welt hat grobe Mängel

Das Projekt soll Chinas Norden mit Wasser versorgen. Die Ausmaße sind gigantisch, die Bedenken groß. Ein Ende ist nicht in Sicht
Wenn China ein Großprojekt angeht, sind die Dimensionen meist gewaltig. Das ist bei der geplanten "One Belt, One Road"-Initiative (Neue Seidenstraße) gleich wie bei der mit Abstand größten Wasserumleitung der Welt. "Der Süden hat viel Wasser, der Norden viel zu wenig. Wenn möglich, sollte sich der Norden ein wenig davon ausleihen", sagte Mao Zedong schon 1954.


foto: afp
Infrastrukturprojekte in China nehmen gern einmal extreme Dimensionen an.

Ein halbes Jahrhundert nach Maos Aussagen widmete man sich auf chinesischer Seite tatsächlich seiner Idee. Etwa zwei Drittel des Süd-Nord-Wassertransferprojektes, wie die kolossale Idee offiziell heißt, sind mittlerweile umgesetzt. Bis auch der dritte Teil einsatzfähig ist, wird wohl noch viel Wasser gen Norden gepumpt werden. Mit 48 Jahren wurde die Gesamtdauer des Projektes anfangs beziffert. Ein Ende ist derzeit nicht in Sicht.

300 Milliarden Badewannen
Nur rund 20 Prozent von Chinas Wasserressourcen befinden sich im Norden des Landes, aber mehr als die Hälfte seiner Einwohner. In elf Provinzen des Nordens verfügen die Menschen über weniger als 1.000 Kubikmeter Wasser pro Person und Jahr – was laut UN-Definition als Wasserstress gilt. Weitere acht haben nicht einmal die Hälfte davon zur Verfügung. Und dennoch wird in diesen Provinzen fast die Hälfte des chinesischen Bruttoinlandsproduktes produziert. Das Wasser wird dafür dringendst gebraucht.


foto: wiki commons / cc by-sa 2.0
Sofern das Megaprojekt eines Tages abgeschlossen ist, sollen mittels der drei großen Kanäle jährlich knapp 49 Milliarden Kubikmeter Wasser auf einer Gesamtlänge von 1.432 Kilometern umgeleitet werden. 300 Milliarden Kubikmeter Wasser soll der Norden im Jahr 2050 brauchen.

Brechen wir die Zahlen einmal herunter: 1.432 Kilometer entsprechen ziemlich genau der Luftlinie zwischen Wien und Manchester. Rund 15 Tage lang ist das Wasser dafür unterwegs. 49 Milliarden Kubikmeter Wasser entsprechen der Menge von zwölf Millionen voll befüllten olympischen Schwimmbecken – oder für all jene, die Wassermengen nur in Badewannen messen: Rund 300 Milliarden Mal könnten Sie Ihre damit befüllen.

Umsiedlungen und Umweltkritik
Kaum ein Projekt dieser Größenordnung kommt ohne Kritik aus. Die Versprechen waren freilich groß: Das Wasser würde nicht nur die Hauptstadt Peking, sondern die gesamte Region Tianjin mit Wasser aus dem Jangtsekiang versorgen.

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Die Bauphase eines Kanals.

Von Umweltschützern kam die Kritik, dass die ohnehin bereits gravierende Verschmutzung der Gewässer durch die abermalige Umleitung erneut schlimmer werden würde. Auch würde viel zu viel Wasser auf dem Weg verdampfen. Besonders in Flüssen, von denen Wasser für den Norden abgezweigt wurde, kommt es vermehrt zu Schlammablagerungen und verschmutzteren Gewässern.

Mindestens 380.000 Personen wurden für das Projekt umgesiedelt. Sie mussten neue Grundstücke oft für mehr Geld kaufen, als sie für ihre alten erhielten.

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Das Djangkou Becken – Quelle der mittleren Route.

Auch zeigen erste Daten, dass Peking der einzig wirkliche Profiteur ist – und nicht der ganze Norden, wie es bei der Vorstellung des Projektes immer hieß. Nur knapp ein Drittel der tatsächlichen Menge kommt derzeit außerhalb Pekings an. Auch ist das Reservoirwasser deutlich teurer.

Dies wiederum könnte die Chinesen endlich dazu bringen, sorgsamer mit den vorhandenen Süßwasserquellen umzugehen. Mit 40 Prozent an recyceltem industriellen Wasser ist Chinas Wert beispielsweise nur halb so gut wie jener in Europa.


foto: reuters/stringer
In China findet derzeit so etwas wie ein politisches Umdenken statt, was Wasser- und Umweltthemen betrifft.

In China hat mittlerweile jedoch so etwas wie ein großer Umdenkprozess, vor allem auf politischer Seite, begonnen. Man will die Umwelt nicht mehr für ein permanentes Wirtschaftswachstum opfern, sagt auch Präsident Xi. Auch der erste Projektleiter des Megaprojektes hatte bereits 2013 mahnende Worte für China: Es gehe nicht darum, umzuleiten, der Schlüssel zum Erfolg liege in der Konservierung vorhandener Wasservorräte.
(faso 2019)
Größte Wasserumleitung der Welt hat grobe Mängel - derStandard.at
 
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