#63
Lagerstätte der V2 im Föhrenwald?

Vor einigen Monaten bin ich dieser Frage nachgegangen:

Es gibt auch eine Warnung:
IMG_0774.jpg


Das Fischgrätmuster ist auch heute noch ersichtlich. Am Ende ist immer eine Lagerstätte ersichtlich.

IMG_0761.jpg IMG_0757.jpg

Von einem User dieses Forums gibt es diesen Plan der Fundamente, der auch in der Natur nachvollziehbar ist:
Drawing1ko.jpg
 
#65
Meine Antwort:

Die Raketenproduktion und Lagerung in Wiener Neustadt
Ich habe jetzt die Informationen aus dem Internet sowie lokale Gegebenheiten zusammengefügt.
Wesentliche Erkenntnis ist die Tatsache das die Raketenfertigung nicht ausgereift war, und die Fertigung in Wiener Neustadt auf sehr geringem Niveau stattgefunden hat. Man hat versucht eine komplette Produktions und Infrastruktur aufzubauen (Montage, Prüfstände, Sauerstoffproduktion und Lagerung), quasi als Vorbereitung einer späteren Massenproduktion (Nachbauwerk). Die Rakete war aber technisch noch nicht ausgereift und eine wirkliche Massenfertigung setzte erst ca. ein Jahr nach Beendigung der Tätigkeiten in Wiener Neustadt ein.
Deshalb ist auch jede Verfolgung von Lagermöglichkeiten aussichtlos, da diese wahrscheinlich nur sehr gering belegt waren.

Warum eine Raketenproduktion in Wiener Neustadt:
Die deutsche Firma Henschel wollte seine Lokomotive und Tenderbereichproduktion ausbauen und übernahm die LOFAG in Wien mit dem Zweigwerk Wiener Neustadt. Zusätzlich die Fertigung von Flakrohren, welche grosse Hallen benötigt. Deshalb hat Henschel eine in Kraljevo beschlagnahmte Ferigungshalle, die sogenannte Grosse Serbenhalle demontiert und in Wiener Neustadt wieder errichtet.
Die Flakrohrproduktion wurde jedoch nicht realisiert und es sollten Lokomotivetender produziert werden. Die nördliche Hälfte der Halle wurde für die Raketenfertigung reserviert.
Diese Hälfte der Halle sollte der Montage der A4 dienen. Prüfstände für Raketenbrennkammern und Anlagen für die Sauerstofferzeugung (5 Aggregate) wurden etwas ausserhalb der Stadt mit 2.700 Bauarbeitern teilweise errichtet.
Bis Ende 1943 sollten auch Lagermöglichkeiten für 1.000 Raketen eingerichtet werden.
Nach dem Ende der Raketenfertigung erfolgte die Produktion von Teilen des Marinebauprogrammes.

Zeitfolge (für die Raketenproduktion):
10/1942 – Erster erfolgreicher Start einer A4 in Peenemünde
03/1943 – Eisengerippe der grossen Serbenhalle fertig
06/1943 – ein Transport von 500 KZ Häftlingen von Mauthausen angekommen
08/1943 – erste Bombardierung von Wiener Neustadt
10/1943 – Produktionsbeginn der Raketen
11/1943 – letzter KZ Häftling nach Redl Zipf und Mittelwerk abtransportiert
Nachricht vom 1.11.1943: keine kompletten Geräte gebaut. Es wurden zwischen Juli und November 1943 nur 24 Mittelteile von Raketen gefertigt.
http://www.erinnern.at/bundeslaende...en-leid-erinnern/779_Perz Wiener Neustadt.pdf

Albert Speer (Erinnerungen):
Im Herbst 1943 stellte es sich heraus, dass unsere Erwartungen verfrüht waren. Die endgültigen Konstruktionszeichnungen konnten nicht, wie versprochen, im Juli geliefert werden, so dass unsere Zusage für eine baldige Serienfertigung nicht einzuhalten war.......bei den ersten scharfen Schüssen die gefeuert worden waren traten unerklärliche frühzeitige Explosionen beim Niedertauchen in die Atmosphäre auf...es verging noch fast ein Jahr, Anfang September 1944 wurden die ersten Raketen auf England abgeschossen.
 
#68
@struwwelpeter: Danke für die Bilder und für Deine Informationen. Ich überlege mir schon manchmal, was da alles neben einer relativ großen Stadt unerkannt abgelaufen ist. Und vor allem wie das funktionieren konnte.
 

josef

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#69
Noch eine kurze Ergänzung zu Beitrag #65 von @Struwwel:

Die Frage der Errichtung der "Heimatlager" in

St. Egyden -> "Maria"
Trasdorf -> "Isabella" und
Groß Mittel -> "Lina"

ist nach heutigen letztgültigen Erkenntnissen eindeutig mit der geplanten Serienfertigung des A4 im Raxwerk WN und der damit geforderten Lagerkapazität von ca. 1.000 Stk. A4 zu sehen!

Wurde bereits hier im Thread "Isabella" Trasdorf -> Beiträge #139 - #141 und teilweise noch weiter, behandelt.

Die an den genannten Orten bereits vorhandene "Infrastruktur" von dort bestehenden Mun-Lagereinrichtungen bzw. Demontierbetrieben usw. ermöglichte eine rasche Umsetzung und Fertigstellung der Lager-Bauvorhaben. Die Einrichtung der Serienfertigung in der "Serbenhalle" des Rax-Werkes und der Neubau des "Vorwerks Rax" im Zillingdorfer Wald konnten aus verschiedensten Gründen nicht zu den vorgesehenen Terminen fertiggestellt werden! Geplant war ein kontinuierliches Hochfahren der Produktion bereits ab Juni 1943 mit 5 Stk. usw. ...! Durch den alliierten Kriegserfolg in Afrika (später Süditalien) war es der US-Luftwaffe nun möglich, auch alle wichtigen Rüstungsziele in Österreich und Süddeutschland zu erreichen! So erfolgte am 13. August 1943 der erste Angriff auf WN von Lybien aus. In Folge kam es zur Umplanung der Produktionsstandorte mit Schwerpunkt "Mittelwerk" bei Nordhausen und mit Anfang November 1943 war das Thema A4 (V2) für das Rax-Werk "Geschichte"...

Mit großer Sicherheit ist anzunehmen, dass es in den fertiggestellten österreichischen Lagerstandorten zu keiner Zwischenlagerung von fertigen A4 kam! Gewisse Indizien deuten jedoch auf eine "Befüllung" der Gefechtsköpfe (Raketenspitzen) mit Sprengstoff und deren Lagerung sowie Versand hin! (zumindest für St.Egyden und Trasdorf). Die Gefechtsköpfe wurden von den Raketenrümpfen getrennt gelagert und transportiert...

lg
josef
 
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#70
Habe es noch genauer:
10/1942 - erster erfolgreicher Abschuss einer V2 in Peenemünde
Bis 9.Juli 1943 - 31 Versuchsabschüsse, danach Aufnahme der Serienproduktion

Transport der Halle mit 400 Güterwaggons von Serbien (Kraljevo) nach WN
3/1943 Eisengerippe der Halle fertig (Länge 300m Breite 70m, 21.000m2) wird anschließend mit Ziegeln aufgefüllt
6/1943 Erster Transport von 500 KZ Häftlingen (vorwiegend Franzosen, nach fachlicher Qualifikation ausgesucht) von Mauthausen
7/1943 Anlauf der Produktion, Rakete soll vollständig zusammengebaut werden, monatliches Ziel 300 Stück
8/1943 Bombardierung von Wiener Neustadt und Peneemünde
Ende August 1943 Verlegung der Triebswerksteststände und Brennstoffproduktion von Neudörfl (WN) nach Redl Zipf
11/1943 Letzter KZ Häftling der V2 Produktion abtransportiert
05/1944 Produktion von Marine Artillerie Leichtern, neue Transporte von KZ Häftlingen (vorwiegend Polen und Russen)
09/1944 erster kriegsmäßiger Einsatz der V2
30.3.1945 “Evakuierung“ WN vor den anrückenden Russen
Nachricht vom 1.11.1943: keine kompletten Geräte gebaut. Es wurden zwischen Juli und November 1943 nur 24 Mittelteile von Raketen gefertigt.

http://www.erinnern.at/bundeslaende...en-leid-erinnern/779_Perz Wiener Neustadt.pdf
 
H

Harald 41

Guest
#71
Hallo @ struwwelpeter;

:danke:bravo: für die detaillierter Information über das Lager und die super Bilder.:gut:

LG Harry
 
#73
Laserscan

Hallo,

der Nögis-Laserscan zeigt auch schön die Spuren des linken Gleisastes, der rechte ist offenbar viel schlachter erhalten. Gleisbogen rechts unten, Kontrast ein bisschen raufgedreht. Quelle: Nögis

 

Anhänge

#74
Quelle: http://www.raketenflugplatz-berlin.de/oberth_bio.htm

Nach dem Gespräch wird im Dezember eine Vereinbarung zwischen Oberth und der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt e.V. in Braunschweig über eine 2-jährige Forschungstätigkeit geschlossen. Es gibt "keine verbindlichen Forderungen" an Oberth. Bevor die zwei Jahre um sind, geht Oberth Ende Juni 1938 auf Veranlassung der DVL nach Wien an die Technische Hochschule. In Felixdorf nahe Wien errichtet Oberth eine kleine Versuchsstation. Dort feuern er und sein Mechaniker kleine Raketenmotoren für Alkohol und Flüssigsauerstoff und führen Versuche zu Feststoff- treibstoffen durch. Nach dem Besuch führender Peenemünder in Felixdorf übersiedelt Oberth etwa im Juli 1940 mit seinem Mechaniker an die TH Dresden.

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Aus anderen Quellen (Dr. Space: The life of Wernher von Braun):
Many years later, Oberth wrote to von Braun "I will forever remember in the spring of 1940 when you came to see me in Felixdorf. You took me aside... and we discussed what should happen from there on.

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Kann jemand diesen Versuchsstand lokalisieren?
 
#75
Ich habe ein Video entdeckt, welches das sogenannte Herrenhaus der Munitionsfabrik im Föhrenwald St. Egyden von oben zeigt.

Interessant ist auch die Weite der Wälder, sowie die in diesem Jahr durch langanhaltende Trockenheit und eines Pilzes die Braunfärbung vieler Schwarzföhren. Wahrscheinlich sind diese stark Borkenkäfer gefährdet.

Das Herrenhaus ist nur ein Gebäude von vielen, die früher im Umkreis standen. Jetzt gibt es nur noch diess Gebäude und das Gebäude mit dem Wassertank drauf (in ca. 300m Entfernung würde ich schätzen).

 
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josef

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#78
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#79
Hallo :)
Da ich nicht weit vom Bahnhof St. Egyden entfernt wohne, würde ich gerne mal auf "Erkundungstour" bei uns gehen. Was gibt es denn noch beständiges in den Wäldern? Den ehemaligen Löschteich im Wald bei der Unteren Waldgasse kenne ich. Gibt es noch irgendetwas spannendes, Ruinen oder so? Stimmt es, dass ein Teil des Munitionslagers in der Nähe der Fußballwiese beim Wald sein soll? Wenn ja, auf welcher Seite? Direkt gegenüber über den Weg im Wald? Dahinter?
Wo ist das Herrenhaus?
Würde mich über eine Antwort freuen!
Lg
Sarah
 
#80
Hallo Leute,
Danke an ALLE für dieses interessante Thema, könnte viel über meine unmittelbare Umgebung lernen. Auch wenn es verständlicherweise verboten ist Koordinaten von „heiklen“ Orten zu posten würde mich doch interessieren wo dieser Wasserspeicher ist ... war schon sehr oft bei der Pulverfabrik spazieren und kenne das Gebiet (dachte ich zumindest) gut ... aber wo bitte soll da im Umkreis von ca.300 m dieser Wasserspeicher sein? Ev. kann mir jemand die Koordinaten schicken.
Nochmals Danke für diesen tollen Beitrag und das Forum :)
Schöne Grüße
Bernhard
 
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