Ich war heute vor Ort, weil ich auf einem älteren Luftbild (Anfang der 2000er-Jahre) ein stark verfallenes Gebäude in der Nähe des Herrenhauses, welches aber nur ca. ¼ so groß war, erkennen konnte. Auf aktuellen Luftbildern ist dieses nicht mehr zu sehen; gefunden hab ich, wie vermutet, außer einem Haufen Ziegeln - gut versteckt im Dickicht - auch nichts mehr.
Da es in unmittelbarer Nähe ist, und die Ziegel den selben Stempel aufweisen, gehe ich stark davon aus dass dieses Gebäude ebenfalls zur Pulverfabrik gehörte. Hat jemand genauere Infos, welchen Zweck dieses Gebäude hatte, und wann bzw. warum es abgerissen wurde?

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Geist

Worte im Dunkel
Mitarbeiter
War es südlich vom Hauptgebäude? Dann könnte es das sogenannte Cantinhaus gewesen sein, in dem sich auch später noch ein Gasthaus befand. Dort gibt es auch noch den Abgang in den kleinen Keller.

Es gab dort insgesamt an Objekten:

Schießstätte
Beamtenwohnhaus
Cantingebäude
Werkführer-Wohnhaus
Arbeiter-Wohnhaus
Kanzleigebäude / Laboratorium
Großes Maschinenhaus
Pulvermagazine mit gewölbten Zugängen
Stallgebäude
Arbeitersaal
Portierhaus
Materialmagazin
Nitrocellulose- und Pulverwollmagazin
Alkohol- und Acetonmagazin
Handmagazin / Spritzenhaus
Menghaus
 
Grüß euch. Interessante Bilder war vor kurzem mal im föhrenwald sondeln da ich jetzt weis das da mal eine Munitionsfabrik stand meine frage an euch soll ich das sondeln dort lieber lassen ? Lg
 
Die Pulverfabrik wurde um ca. 2 Millionen Friedenskronen (ca. 1890) errichtet.
Das sind heute ungefähr 20 Millionen Euro.

14. Juli 1911- 2 Personen verstorben durch Brandwunden:

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1915 raffte eine Explosion 5 Arbeiter hinweg.
Am 14. Mai 1917 explodierte erneut eine Pulverladung. Neun Menschen starben.
Und am 27. Juli 1917: 6 Personen bei einer Explosion.

Quelle: Buch Hohe Wand Steinfeld von Wilhelm J. Wagner 1999, Eigenverlag

Die Entwicklung der Fabriken der Aktiengesellschaft Dynamit Nobel Wien (Auszug 1914, Neue Freie Presse)
Quelle

Neue Fabrik im Föhrenwald (Saubersdorf) wegen rauchlosem Pulvers (Monopolartikel)

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Rauchloses Pulver zu dieser Zeit - Auszug
Quelle (derzeit nicht online)
Die Erzeugung von rauchlosem Pulver.
Von Oscar Guttmann.
(Nach einem Vortrage, gehalten am 21. Mai 1894 in der Society of Chemical Industry in London.)


Es ist bekannt, dass zuerst im Jahre 1888 die Welt in Erstaunen versetzt wurde durch Zeitungsberichte über ein neues und rauchloses Pulver, welches von einem Chemiker der französischen Regierung erfunden wurde, und dass sehr bald danach die deutsche Armee ein ähnliches besass.

Im Jahre 1889 nahm Alfred Nobel ein Patent auf die Erzeugung von Ballistit, welches ein Abkömmling seiner Sprenggelatine ist. Dieses und das vorerwähnte französische Pulver sind die zwei Typen, aufweichen die meisten der modernen rauchlosen Pulver beruhen.

Moderne rauchlose Pulver können in drei Klassen eingetheilt werden:

1) solche, bei welchen nur Schiessbaumwolle zur Verwendung kommt, sei sie nun die sogen. unlösliche oder die sogen. lösliche Gattung;

2) solche, bei welchen Nitroglycerin in Verbindung mit löslicher oder unlöslicher Nitrocellulose verwendet wird;

3) solche, in welchen Nitrocellulose zusammen mit einem Nitroderivate eines aromatischen Kohlenwasserstoffes enthalten ist.

Ich will ganz kurz die Zusammensetzung jener rauchlosen Pulver angeben, welche bisher auftauchten.

In erster Linie kommen die reinen Nitrocellulosepulver in Betracht, bei welchen die Nitrocellulose einfach in irgend einem Lösungsmittel aufgelöst ist und dann in die Form von Blättchen oder Körner gebracht wird. Solche Pulver sind die französischen B-Pulver, das deutsche rauchschwache Pulver, die Pulver von Wetteren, Walsrode, v. Förster und verschiedene andere. Die französische Regierung, |95|
v. Förster und einige andere verwenden eine Mischung von Aether und Alkohol als Lösungsmittel, die übrigen deutschen Fabrikanten Aceton. Die verwendete Nitrocellulose ist gewöhnlich Schiessbaumwolle, obzwar einigemale Holznitrocellulose versucht wurde.

Zur zweiten Klasse gehören Pulver aus Nitroglycerin und Nitrocellulose. Da ist vor allem das Ballistit von Alfred Nobel, welches aus gleichen Theilen Nitroglycerin und Collodiumwolle besteht, mit einem Zusätze von 1 bis 2 Proc. Anilin oder Diphenylamin. Dieses Ballistit wurde mit einigen Abänderungen in Italien, Oesterreich und für gewisse Geschütze in Deutschland angenommen. In Italien nennt man es, wenn zu Schnüren verarbeitet, Filit. Zur selben Klasse gehört das von der britischen Regierung angenommene Cordit. Es besteht aus 58 Th. Nitroglycerin, 37 Th. höchst nitrirter Schiessbaum wolle und 5 Th. Vaselin, welche in 19,2 Th. Aceton aufgelöst werden.

Zur dritten Klasse, nämlich zu der, welche nitrirte aromatische Kohlenwasserstoffe enthält, gehören die folgenden Pulver: das Indurit von Professor Charles Munroe, welches aus unlöslicher Nitrocellulose und Nitrobenzol hergestellt wird; das Du Pont-Pulver der Du Pont Powder Company in Wilmington, Vereinigte Staaten, welches auch aus Nitrocellulose und Nitrobenzol besteht und durch einen eigenthümlichen Process gekörnt wird. Es gibt auch eine grosse Anzahl von Pulvern, welche von der Smokeless Powder Company in Warwick erzeugt werden, unter den Namen Riflit, S. S.-Pulver, S. R.-, S. K.-, S. V.-, S. B.-Pulver. Dieselben sind nicht patentirt und ihre Zusammensetzung wird geheim gehalten, doch aus Nachrichten, welche ich von verschiedenen Seiten erhielt, schliesse ich, dass das Riflit aus löslicher Holznitrocellulose besteht, die in Aceton gelöst und mit Nitrobenzol gemischt ist und schliesslich in ähnlicher Weise wie E. C.-Pulver gekörnt wird. Ein sehr bemerkenswerthes Pulver dieser Klasse ist das von Hermann Güttler in Reichenstein in Deutschland unter dem Namen Plastomenit hergestellte, welches durch Auflösen von nitrirter Holzcellulose in geschmolzenem Dinitrotoluol erzeugt wird.

Ueber das für die Erzeugung von rauchlosem Pulver benützte Nitroglycerin ist nicht viel zu sagen, nachdem es heutzutage keiner Schwierigkeit unterliegt, ein vollkommen stabiles und in jeder Hinsicht geeignetes Product zu erzeugen. Es ist dies natürlich nicht so leicht, als es nach den Angaben in chemischen Werken scheint. Es kann nur in Fabriken geschehen, welche auf Grundlage von gesunden wissenschaftlichen Principien geleitet werden und welchen lange Erfahrung zur Seite steht.
 
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Hier noch die vorhandenen "Pulvermagazine" in der Nähe der ehemaligen Pulverfabrik:

Quelle: Laserscan NÖGIS
Genau genommen sind es nur die ziemlich hohen Erdwälle, die um die Arbeitsstellen errichtet wurden, um im Falle einer Explosion den Druck gen Himmel abzuleiten, damit er ebenerdig keinen Schaden anrichten kann. Bauliche Reste findet man dort nicht.
 
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