josef

Administrator
Mitarbeiter
#81
Internationale Rotkreuz-Übung in Eisenerz
Am Erzberg startet am Donnerstag die internationale Rotkreuz-Übung „Ironore 2019“. Bis Samstag üben mehr als 300 Einsatzkräfte aus ganz Europa für den Ernstfall.
Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen
Übungsannahme ist ein schweres Erdbeben im Raum Leoben mit Schwerpunkt Eisenerz mit mehr als 1.000 Toten und hunderten noch Verschütteten: Da die lokalen Hilfskräfte überfordert sind, werden zusätzliche Hilfsteams aus dem EU-Raum alarmiert. Im Rahmen von „Ironore 2019“ wird an teils spektakulären Szenarien – etwa in entgleisten Eisenbahnwaggons oder einsturzgefährdeten Häusern – geübt, und auch virtuelle Übungseinheiten werden stattfinden.

Erdrutsch, Zugunglück und vieles mehr
Eineinhalb Jahre lang war das Rote Kreuz mit der Vorbereitung beschäftigt, nachdem man den Zuschlag für die großteils von der EU finanzierte Übung bekommen hat, so Übungsleiter Peter Hansak vom steirischen Roten Kreuz.
Für die übenden Einsatzkräfte soll alles so real wie möglich dargestellt werden: „Es gibt zum Beispiel aufgrund eines Erdrutsches ein großes Zugunglück, es wird zu einem eingestürzten Tunnel mit Tunnelbrand kommen, wir haben verschiedene Abbruchhäuser, die umgebaut wurden, sodass Bergemannschaften sich da wirklich durch die Wände und die Mauern kämpfen müssen. Und überall dahinter liegen real Figuranten, die Verletzte darstellen und die eben aus dem Gefahrenbereich gerettet und versorgt werden müssen“, sagt Hansak.

Übungseinsätze mit Datenbrille
Für die Szenarien habe man etwa ursprünglich tatsächlich einsturzgefährdete Häuser beim Erzberg umgebaut und abgesichert. Erstmals werde auch eine spezielle Computersimulation eingesetzt – Eisenerz könne digital einem Erdbeben ausgesetzt werden, erklärt der Übungsleiter: „Es stürzen dann auch Gebäude ein, und der jeweilige Einsatzleiter, der das Erkundungsteam leitet, bekommt eine Datenbrille aufgesetzt, und ohne dass er sich wegbewegt, bewegt er sich in Echtzeit durch das zerstörte Eisenerz.“
Dabei müsse der Einsatzleiter alles, was er wahrnimmt, erfassen und aufgrund dieser Wahrnehmung die entsprechenden Maßnahmen einleiten. „So etwas hat es bis jetzt nicht gegeben, aber wir glauben, dass das die Zukunft ist“, fügt Hansak hinzu. Ziel der Übung ist es laut dem Übungsleiter, dass die Einheiten aus den anderen EU-Ländern die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Einsatzkräften lernen; zudem soll auch die Zusammenarbeit auf Ebene der Einsatzleitung geübt werden.

Link:
Chronik: Internationale Rotkreuz-Übung in Eisenerz
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#83
Zukunft Bergbau − Eisen für Immerdar

1595054329547.png
Der steirische Erzberg: Er ist die größte Siderit-Lagerstätte der Erde. Seit mindestens 1300 Jahren wird hier Eisenerz abgebaut. Ein „Erlebnis Östereich“ zeigt am Sonntag seine die weitreichende Geschichte und beleuchtet die Zukunft im steirischen Bergbau.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Per Mail verschicken
Unser Alltag ist voll mit der Nutzung von Rohstoffen, die in Bergwerken gewonnen werden – in fast allem, was wir für unser tägliches Leben benötigen, finden sich mineralische Rohstoffe. Vom Mobiltelefon bis zum Auto. Allein ein Computer besteht aus mehr als 30 Metallen. Ohne Rohstoffe gäbe es keine Industrie, keine Bauwirtschaft, keine Kommunikation, keine Mobilität… Jeder Österreicher verbraucht pro Jahr durchschnittlich ca. 15 Tonnen an mineralischen Rohstoffen – Tendenz steigend.

Größter aktiver Tagbau in Mitteleuropa
Der steirische Erzberg ist die größte Siderit-Lagerstätte der Erde und der größte und modernste aktive Tagbau Mitteleuropas – im Vorjahr wurden hier etwa drei Millionen Tonnen Eisenerz produziert. Der Erzberg ist ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Industrie und essentieller Rohstofflieferant.

RANFilm
Regisseur Alfred Ninaus und Autor & Co-Regisseur Fritz Aigner zeigen in ihrer TV-Doku die weitreichende Geschichte des Erzbergs und beleuchten die Zukunft im steirischen Bergbau − und wie sich der Bedarf an mineralischen Rohstoffen verändert hat.

Rück- und Ausblick
So blickt der Film zurück auf die Anfänge und Wendepunkte im steirischen Bergbau. Eine wesentliche Rolle in der Geschichte des Erzbergs spielt etwa Erzherzog Johann, der dem Erzabbau Anfang des 19. Jahrhunderts zum Aufstieg verholfen hatte und als Wegbereiter der Modernisierung am steirischen Erzberg gilt; auch die Gründung der heute international anerkannten Montanuniversität in Leoben geht auf den Erzberg und das Wirken von Erzherzog Johann zurück.

RANFilm
Die TV-Doku widmet sich aber auch der Welt der Bergmänner mit ihren ureigenen Symboliken und Festen: Das unverwechselbare Brauchtum, beispielsweise an der steirischen Eisenstraße, gilt als immaterielles Weltkulturerbe.

Rohstoffgewinnung und Recycling
Der Erzberg und sein Rohstoff waren wesentlich für den wirtschaftlichen Aufschwung, den nicht nur die Steiermark erfahren sollte. Im Zuge der Industrialisierung erlebte der österreichische Bergbau seine Blütezeit, so auch die Kohleförderung im größten Braunkohlerevier Österreichs in der Weststeiermark. Seit damals hat sich durch den technischen Fortschritt, den Wandel des täglichen Lebens und die Entwicklung hin zur grünen Energie der Bedarf an mineralischen Rohstoffen verändert. Die Rohstoffgewinnung und das Recycling sind unerlässlich für die Zukunft.
18.07.2020
TV-Tipp:
„Zukunft Bergbau − Eisen für Immerdar“, zu sehen am Sonntag, 19. Juli, um 16.30 Uhr in ORF 2 – mehr in tv.ORF.at
Zukunft Bergbau − Eisen für Immerdar
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#86
Eisenerz ist jetzt die älteste Stadt Österreichs mit sehr günstigen Mieten und Grundstückspreisen
Wollte zu der aktuellen Abwanderungs-Problematik und wirtschaftlichen Situation der Region (es betrifft ja nicht nur Eisenerz..) noch berichten, du bist mir zuvorgekommen - besten Dank für den Link zum "Presse-Artikel"!

Möchte die im Artikel publizierten Zahlen zur Erzförderung ein wenig konkretisieren:
1943 Jahresförderung 2,8 Mio. Jato Versanderz - größte Fördermenge während der "Reichswerke-Ära" (Kriegszeit...).
1944 Jahresförderung 2,6 Mio. Jato bei ca. 9.300 Beschäftigten! Davon ein Großteil Fremd- und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge..
1963 Jahresförderung 3,3 Mio. Jato bei 4.200 Beschäftigten
1974 Jahresförderung 3,7 Mio. Jato - bisher größte Fördermenge in der Geschichte - Beschäftigtenzahl fand ich in der Eile nicht...

Diese Fördermengen von Versanderz (nach Linz und Donawitz) beziehen sich bis 1986 auf Gruben- und Tagbaubetrieb, nach 1986 bis heute nach Einstellung des Untertageabbaues nur mehr auf Tagbaubetrieb.

In den letzten Jahren bzw. aktuell beläuft sich die Jahresförderung im Durchschnitt auf ca. 3,2 Mio. Jato bei einer Beschäftigungszahl von 230 Mitarbeitern, wobei in dieser Zahl auch das Personal für die Besichtigungstouren und das Forstwesen enthalten ist!

Diese Vergleichszahlen zeigen den drastischen Abbau von Arbeitskräften bei etwa gleichbleibender Erzproduktion zu den früheren Jahren. Auch die Schließung des einzigen noch vorhandenen Industriebetriebes in Eisenerz 2008/09, des "Pilkington-Autoglaswerkes", trug zur Lage als "überalterte Abwanderungsstadt" bei...

Die Folge:
1596918377180.png 1596918444310.png
Leere Gassen, leere Plätze...

1596918757345.png
1596918830420.png
...leere Geschäftslokale

1596919093497.png
...und abgewohnte, leerstehende Wohnungen!

Trotz der derzeitigen Situation zählt die Region um den Erzberg inklusive Gesäuse zu einer meiner Lieblingsregionen in der Steiermark!
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#88
Josef, du bist ja Spezialist in dieser Branche:
Wie geht das, mit ca. 10% des Personals die gleiche Menge abzubauen - 1963 gab's ja schon Bagger etc.
Hallo Struwwi!

Versuche dies mit meinem bescheidenen Wissen einigermaßen zu erklären:


Meines Erachtens geht die Personaleinsparung in den letzten Jahrzehnten bei annähernd gleichbleibender Förderleistung auf folgende Hauptfaktoren zurück:

  • Einstellung des Grubenbaues und Forcierung des Tagebaues
  • Umstellung des Erzversandes
  • Laufende Umstrukturierungen und Verbesserung der Betriebsabläufe
1. Auflassung des Grubenbetriebes
Neben der laufenden Modernisierung der Gerätschaften in den Abbauhorizonten (-> Etagen, Stollen…) setzte eine sukzessíve Umstellung auf gleislosen Betrieb mittels beweglicheren Räderfahrzeugen und Förderbändern in den Stollen ein. Es verblieb zuletzt nur mehr eine elektrisch betriebene Förderbahn auf „Etage I – Horizont I“ zum obertag befindlichen Brecher. Dadurch konnte schon laufend die erforderliche Mannschaft unter Tage reduziert werden.

Siehe dazu hier Beitrag #43 - Bild 30: Schematische Darstellung der „Wendel“ für die Einfahrt von Räderfahrzeugen in das Grubengebäude der „Etage I“.

Der große „Schnitt“ betreffen Personal erfolgte dann in den Jahren vor 1986 mit der schrittweisen Rücknahme der Untertageförderung und dann mit der gänzlichen Einstellung des Grubenbetriebes 1986! Die direkt „vor Ort“ mit dem Abbau beschäftigte Belegschaft fiel genauso weg wie die für den Materialtransport aus der Grube sowie die Erhaltung des Grubengebäudes notwendigen Mannschaften, die ja für die jeweiligen Tätigkeiten durch den Schichtbetrieb mehrfach besetzt waren…

Gleichzeitig mit der laufenden Rücknahme der Untertageförderung wurde der Obertagebetrieb hochgefahren, bis er ab 1986 als einzige Abbauform übrig blieb. Das dafür notwendige Personal (Bohrmannschaft, Sprengdienst, Lader-, Bagger- und Schwerlastkraftwagenfahrer…) ist im Gegensatz zum früher parallel betriebenen Grubenbau gering! Auch durch ständige Steigerung der Förderleistungen/Nutzlasten der Großgeräte konnte deren Anzahl weiter reduziert werden…


2. Umstellung des Erzversandes zu den Hüttenwerken Linz und Donawitz
Mit der Zentralisierung und Automatisierung der Verladeeinrichtung in Krumpental wurde ein weiterer gewaltiger Rationalisierungseffekt erzielt, der ebenfalls seine Auswirkungen am Personalsektor fand!
Vom Fertigerzversand entfallen ca. 60 % auf Linz und die restlichen 40 % auf Donawitz und wurde bzw. wird mittels „Ganzzügen“ abgewickelt.

Wie schon mehrfach berichtet, gab es früher 2 Verladeanlagen:

Für die Züge Richtung Linz mittels der Verladeanlage am Bf. Eisenerz und jene für Donawitz am Bf. Erzberg auf 1070 m Seehöhe. Die Beschickung der jeweiligen Verladeanlagen erforderte einen aufwendigen, teils kilometerlangen (-> „Huntslauf“…), Zwischentransport von der Erzaufbereitung zu den Lagerbunkern mittels Förderbahnen.

Durch die Errichtung der zentralen Verladestation in Krumpental ist seitens der voestalpine-Erzberg GmbH. nur mehr ein Verlademeister erforderlich, der die automatische Befüllung der Wagengruppen in Zusammenarbeit mit der ÖBB-Zugmannschaft abwickelt!


3. Laufende Umstrukturierungen und Verbesserung der Betriebsabläufe
Neben den vorhin genannten Vorhaben gab es immer Maßnahmen zur Optimierung der betrieblichen Abläufe. Als Beispiel sei die gänzliche Auflassung der ursprünglich schienengebundenen Transportlogistik angeführt! So müssen für die Gewinnung der jährlichen ca. 3 Mio. Jahrestonnen (Jato) Versanderz insgesamt ca. 12 Mio. Jato Gestein (-> Verhau…) aus dem Berg gebrochen werden. Der dabei entstehende „Abbraum“ (alles Gestein unter 22 % Erzgehalt) von ca. 9 Mio. Jato wurde früher mit großem Aufwand hauptsächlich mittels Lorenzügen zu den Haldenstürzen befördert. Das für die temporären Gleisverlegungen wegen der sich stetig ändernden Haldenkonfigurationen sowie das zur Zugbegleitung erforderliche Personal konnte eingespart werden. Heute erledigt dies ein LKW-Fahrer! Eingespart wurde auch die Instandhaltungswerkstätte für Schienenfahrzeuge samt Personal…

Als weiteres Beispiel führe ich den Neubau der Zentralwerkstätte an: Früher gab es auf den einzelnen Etagen überall dezentrale Kleinwerkstätten für kleine Reparaturen von Gerät und Gezähe und einige Kilometer vom Erzberg entfernt, am ehemaligen Hochofengelände in Münichtal, eine „Hauptwerkstätte“. Durch die Errichtung einer neuen „Zentralwerkstätte“, -> siehe hier Beitrag #40 – Bild 37, direkt am Berg konnten alle Reparatur- und Instandhaltungsaktivitäten gebündelt werden, was wieder zu Personaleinsparungen führte…

Soweit (nur) einige Hintergründe zur von @Struwwi gestellten Frage lt. meinem Kenntnisstand.

Die durch Investitionen und Umorganisationen usw. erzielten Kosteneinsparungen bedingten längerfristig immer wieder Personalreduktionen. Diese konnten zwar in den meisten Fällen durch Pensionierungsaktionen, Arbeitsstiftungen, Umschulungsmaßnahmen usw. abgefedert werden, trugen aber letztendlich zur verstärkten Abwanderung bzw. Überalterung der Region Eisenerz bei!
 
#89
Besten Dank Josef für die fundierte Antwort!! :):)

Wie kann man sich das als Laie vorstellen:
Der Grubenbetrieb wurde erst 1986 eingestellt.
warum nicht schon in WKII oder anschließend - da waren ja über 9.000 Arbeiter im Einsatz?
War der Tagbau damals keine Option (diese typischen Serpentinen gibt es ja schon lange)?

Und jetzt hat man Tagbau, gräbt man da die (leeren) Gruben nicht wieder aus?

Und zuletzt: wie kommt man auf so einen Plan, diese erfolgreichen Änderungen ins Auge zu fassen und umzusetzen?
DIe wirtschaftliche Notwendigkeit war klar, aber...
ein genialer Geologe, Erfahrung, Erfindungen, bezahlte Spezialisten, Zufall................?
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#90
Der Grubenbetrieb wurde erst 1986 eingestellt.
warum nicht schon in WKII oder anschließend - da waren ja über 9.000 Arbeiter im Einsatz?
War der Tagbau damals keine Option (diese typischen Serpentinen gibt es ja schon lange)?
Der Erzberg bis 1928:
1597340367934.png
Erzberg-Modell mit 12 m Etagenhöhe bis 1928 (Technisches Museum Wien [TMW] - Abt. Bergbau - Aufn. vom 08.09.2009)

1597340423664.png
Bildtafel TMW mit 12 m hohen Abbauetagen bis 1928
(Technisches Museum Wien [TMW] - Abt. Bergbau - Aufn. vom 08.09.2009)

Die erste große Rationalisierungsumstellung im Bereich Tagebau erfolgte bereits 1928 mit der Verringerung der Abbauetagen um die Hälfte durch Vergrößerung der Etagenhöhe (Abstände zwischen den einzelnen Abbauebenen) von 12 Meter auf die heute noch aktuelle Höhe von 24 Meter!
Aber auch im Grubenbau wurden bis zur Einstellung laufend Erneuerungen und Verbesserungen durchgeführt. Warum die Auflassung der Untertageförderung und Forcierung des Tagebaues nicht schon früher stattfand, entzieht sich meiner Kenntnis! Jedenfalls konnte in der Grube auch in den strengen und besonders im Raum Eisenerz schneereichen Wintermonaten kontinuierlich gefördert werden, während Obertage der Abbau eingeschränkt war bzw. teilweise gänzlich zum Erliegen kam!

Die publizierten hohen Beschäftigungszahlen während der Kriegszeit sind auf den gesteigerten Erzbedarf der Rüstungsindustrie, insbesonders durch die Neuerrichtung der Hütte Linz, zurückzuführen. Es dürften auch die umfangreichen Tätigkeiten abseits der unmittelbaren Erzförderung hineingerechnet worden sein, wie etwa der Aufbau der Barackenlager, Forstarbeiten, der Betrieb des Hochofenwerkes in Münichtal usw. ...

Auch die geringere Arbeitsleistung der aus unterschiedlichsten Nationalitäten bunt zusammengewürfelten, großteils unterernährten und ausgeschundenen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen usw. gegenüber den ausgebildeten Bergarbeitern des Stammpersonals konnte sicher nur durch erhöhten Personaleinsatz ausgeglichen werden...

1597349640456.png
1597349257407.png
Eisenerzabbaumengen am Steirischen Erzberg 1891 - 2003
(Quelle: Bergdirektion Eisenerz, Österreichische Montanhandbücher)


Zwei Beispiele für den erhöhten Mehraufwand gegenüber den heutigen Abbaumethoden im Tagebau:

1597352098517.png
Ansichtskarte aus 1907 - Sprengung (die "Sprengwolken" erwecken den Eindruck einer "künstlichen Hinzu- bzw. Einfügung"...):
Jedenfalls sind die temporär verlegten Gleisanlagen auf den 12 m Etagen bzw. den "Füllorten" echt und lassen erahnen, welche Einsparungen alleine die spätere Umstellung auf "gleislosen Transport" auf den 24 m - Etagen brachte!

Quelle: ÖNB/AKON Ansichtskarten Online

1597352148347.png
Ansichtskarte aus 1923 mit Dampfbagger und 12 m Etagen:
Wieder erkennbar die jede Etage erfassenden Gleisanlagen und von der Größe her ableitbar die geringe Nutzlast des Baggers. Dazu kam der hohe Arbeitsaufwand für die Heranschaffung des Brennmaterials für die Dampferzeugung und neben dem Baggerführer war auch noch ein Heizer erforderlich...

Quelle: ÖNB/AKON Ansichtskarten Online

Und jetzt hat man Tagbau, gräbt man da die (leeren) Gruben nicht wieder aus?
Teilweise verlief das unterirdische "Grubengebäude" in eine andere Richtung zum derzeitigen Tagebaurevier, es werden aber auch alte Stollen angeschnitten. Es blieben aber zwischen den alten Förderstollen wegen der erforderlichen Stabilität "Erzpfeiler" stehen, die bei der "Ausformung" der jeweiligen Etage "hereingesprengt" werden:
1597354151573.png

Im oberen Bildteil erkennt man solche angeschnittene "Altstollen" mit den "Pfeilern" dazwischen...
Siehe auch hier, Beitrag #40 - Bild 35.
(Aufnahme vom 02.08.2017)

Und zuletzt: wie kommt man auf so einen Plan, diese erfolgreichen Änderungen ins Auge zu fassen und umzusetzen?
DIe wirtschaftliche Notwendigkeit war klar, aber...
ein genialer Geologe, Erfahrung, Erfindungen, bezahlte Spezialisten, Zufall................?
Der Hauptgrund war sicher die von dir bereits angeführte "wirtschaftliche Notwendigkeit" - wenn diese enormen Einsparungen an Personal und dessen Kompensation durch den Einsatz der Großgeräte nicht erfolgt wäre, gebe es in Eisenerz keinen Erzabbau mehr und die verbliebenen 230 Arbeitsplätze wären für die strukturschwache Region auch verloren!

So besteht aber doch noch die Hoffnung, den Bergbau für ca. 40 Jahre bis zur Auserzung aufrecht zu erhalten...
 
Zuletzt bearbeitet:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#92
Erster Lehrgang für Tunnelbau gestartet
1599720784118.png

Im „Zentrum am Berg“ in Eisenerz findet seit August der erste österreichische Lehrgang für Tunnelbautechnik statt. Unter realen Tunnelbedingungen werden dort derzeit 16 Personen ausgebildet. Auch eine Lehre sei in Zukunft angedacht, heißt es seitens der Leitung.
Online seit heute, 7.35 Uhr
Teilen
Ein zweiröhriger Straßentunnel, ein Eisenbahntunnel sowie ein Versuchsstollen sind in den vergangenen Jahren im Inneren des Erzbergs entstanden. Diese Projekte zielen darauf ab, Forschung, Training und Ausbildung im Bereich der Tunnelbautechnik voranzutreiben.

Ausbildung unter realen Bedingungen
Durch das neue Zentrum werde ermöglicht, dass erstmals Tunnelbautechniker in einer echten Tunnelumgebung ausgebildet werden können, sagt der Leiter des Zentrums am Berg, Robert Galler von der Montanuniversität Leoben: „Natürlich, wenn man Mitarbeiter hat, die jeden Handgriff hier 1:1 in einem Realszenario trainieren, hat man einen Vorsprung gegenüber jenen, die das nur am Papier kennenlernen. Bis dato hatten wir ja keine Möglichkeit, keine Lehrlingsausbildung. Das ist ein erster Durchgang, um in Richtung Lehrlingsausbildung zu kommen.“

Vielseitige Ausbildung mit modernster Technik
Ins Leben gerufen wurde die Ausbildung von der Gemeinschaft der österreichischen Tunnelbauer, sagt deren Vorstand, Manfred Bauer von der Porr AG, denn die Bauindustrie brauche gut ausgebildete Spezialisten. Die mehrmonatige Ausbildung sei sehr vielseitig, so Bauer: „Es wird unter anderem ein Sprengschein vermittelt, es werden Düsenführer für die Verarbeitung von Spritzbeton herangezogen. Die Teilnehmer werden auf den neuesten Schlüsselgeräten unterwiesen.“

Um mit der neuesten Technik arbeiten zu können, gebe es mit allen namhaften Gerätelieferanten Kooperationsverträge, erklärt Bauer, der auch betont, dass auch die Arbeitssicherheit bei der Ausbildung eine große Rolle spiele. Die ersten 16 Tunnelbautechniker werden übrigens Mitte November ihren Abschluss machen. Man hoffe darauf, dass man in den kommenden Jahren, eine entsprechende Lehre in Eisenerz anbieten kann.
10.09.2020, red, steiermark.ORF.at

Link:
Erster Lehrgang für Tunnelbau gestartet
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#93
Erzberg setzt Schwerlaster unter Strom

1601451940695.png
Der Erzberg geht in eine grüne Zukunft: Schwerlaster, die rund um die Uhr Gestein für die Erzproduktion transportieren, werden künftig elektrisch via Oberleitung betrieben. Dadurch will man große Mengen an Diesel – und damit CO2 – einsparen.

Teilen
Vor einem Jahr wurde die Teststrecke in Betrieb genommen, am Dienstag folgte der Spatenstich für den Vollausbau. Bis jetzt fahren die Schwerlastkraftwagen vollbeladen mit Gestein mit Diesel als Treibstoff, schon bald wird die fünf Kilometer lange Hauptförderstrecke am steirischen Erzberg einem OBus-Netz gleichen.

Antrieb über Elektrooberleitung
Die dieselbetriebenen Schwerlastkraftwagen hängen sich mit den am Fahrzeug befestigten Stangen in eine Oberleitung ein und werden dann elektrisch betrieben, erklärt der Projektleiter der VA Erzberg, Peter Schimek: „Wir verwenden eine neue Kombination, wie wir uns in die Oberleitung einbinden. Beim Bergauffahren verwenden wir einen elektrischen Antrieb, wodurch wir schneller fahren können, aber der größte Vorteil ist natürlich, dass wir sehr viel Diesel einsparen und dadurch große Umweltschutzeffekte erzielen.“

Einsparung von drei Mio. Liter Diesel
Bisher wurden am Erzberg pro Jahr für den Transport des Gesteins rund 4,5 Millionen Liter Diesel verbraucht, durch die neue Technologie werden drei Millionen Liter eingespart. Die CO2-Reduktion beträgt laut Berechnungen der VA Erzberg rund 4.200 Tonnen jährlich.
„Vielfach wird ja immer wieder gesagt, dass die Industrie kein Umweltschützer ist, im Gegenteil. Hier sehen wir den Gegenbeweis, dass auch mit intelligenter Technologie im Bergbau Klimaschutz betrieben werden kann und viele Einsparungsmöglichkeiten gegeben sind“, sagt Landesrat Johann Seitinger.

ORF
Sechs dieser Schwerkraftlastwagen sollen ab 2021 am Erzberg unterwegs sein

Erzberg „zukunftsfit“ machen
„Wir haben natürlich 13 Millionen Tonnen im Jahr zu transportieren und das großteils bergauf und da war es notwendig eine Technik zu finden mit der wir energieeffizient sind, das ist mit Elektroantrieb eine ganz andere Klasse als mit Dieselantrieb und wir wollen den Erzberg mit diesem Projekt zukunftsfit machen“, erklärt Josef Pappenreiter, der technischer Geschäftsführer der VA Erzberg.

Ab März 2021 sollen insgesamt sechs neue Schwerlastkraftwagen umweltschonend Gestein transportieren, das zu Feinerz für die Roheisenerzeugung verarbeitet wird. 20 Millionen Euro werden insgesamt in das Projekt investiert, das von der Umweltförderungskommission des Bundes unterstützt wird.
30.09.2020, red, steiermark.ORF.at
Erzberg setzt Schwerlaster unter Strom
 
#94
Erzberg setzt Schwerlaster unter Strom

Anhang anzeigen 84520
Der Erzberg geht in eine grüne Zukunft: Schwerlaster, die rund um die Uhr Gestein für die Erzproduktion transportieren, werden künftig elektrisch via Oberleitung betrieben. Dadurch will man große Mengen an Diesel – und damit CO2 – einsparen.

Teilen

Erzberg setzt Schwerlaster unter Strom
Nachdem die Grubenloks seinerzeit auch alle mit Strom gefahren sind, könnte man fast sagen "Back to the roots" ;)
 
Oben