Die autonome Tankdrohne Boeing MQ-25 "Stingray" absolvierte die ersten Rollversuche

josef

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Nach vielen Rückschlägen
"Stingray": US-Tankdrohne rollt erstmals autonom über das Flugfeld
Die MQ-25 hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Dabei soll der fliegende Kanister Wegbereiter für die Drohnenzukunft sein

So stellt man sich bei Boeing und der Navy die Zukunft vor: Autonome Drohnen betanken eine F/A-18 in der Luft. Im Bild: Eine ferngesteuerte Testversion, die MQ-25 T1, betankt ein Flugzeug in der Luft. Die Serienvariante soll vollautonom agieren können.
Boeing

Es ist ein ungewöhnlicher Anblick auf dem Flughafen in Missouri, als sich ein graues, flach gedrücktes Flugobjekt langsam aus eigener Kraft über den Asphalt schiebt. Es gibt kein Cockpit, keine Fenster und keinen Piloten an Bord.

Die MQ-25A "Stingray" von Boeing, die erste unbemannte Tankdrohne der Welt, hat ihre ersten autonomen Rollversuche bestanden. Damit rückt der für dieses Jahr geplante Erstflug in greifbare Nähe – ein Meilenstein, den das US-Militär nach vielen Rückschlägen auch dringend braucht.

"Auf Knopfdruck rollte die Stingray autonom von der neuen MQ-25-Produktionsstätte in Mascoutah, Illinois, zur Rollbahn des Flughafens MidAmerica St. Louis und führte eine Reihe von Manövern durch, um ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen", heißt es dazu von Boeing.

MQ-25A Stingray first taxi test
Boeing

Luftbetankung ist bislang ineffizient
Warum investiert die US-Navy Milliarden in eine Drohne, die "nur" tanken kann? In Szenarien wie dem Indopazifik müssen Flugzeugträger aus Sicherheitsgründen weit vor der Küste operieren, um nicht in die Reichweite von landgestützten Raketen zu geraten. Das Problem: Die Reichweite aktueller Kampfjets wie der F/A-18 "Super Hornet" oder der F-35C ist begrenzt.

Bisher müssen die Jets diese Distanz überbrücken, indem sie sich gegenseitig in der Luft betanken. Rund jede dritte Mission einer Super Hornet dient derzeit ausschließlich dazu, Treibstoff für andere Jets zu transportieren. Das ist nicht nur höchst ineffizient, sondern auch eine enorme Verschwendung von wertvoller Flugzeugzellen-Lebensdauer und Pilotenkapazität, wie The War Zone berichtet. Die MQ-25 soll diese Aufgabe übernehmen und so die Kampfflugzeuge für ihre eigentlichen Einsätze freispielen.

Dass die MQ-25 grundsätzlich in der Lage ist, ein Flugzeug zu betanken haben bereits Tests im Jahr 2021 mit einem Prototypen bewiesen (siehe Bild oben). Dabei ging es aber nur darum, die Stabilität der Drohne in der Luft zu testen, der Prototyp selbst wurde von einem Operator am Boden ferngesteuert.

Mehr als ein fliegender Kanister
Obwohl die "Stingray" offiziell nicht als Tarnkappen-Drohne beworben wird, verrät ihr Design, dass Stealth-Eigenschaften eine Rolle spielen. Die neuesten Bilder des Prototyps zeigen einen bündig in die Oberseite eingelassenen Lufteinlass und ein Triebwerk, das tief im Rumpf versteckt ist. Diese Merkmale reduzieren die Radarsignatur erheblich.

Zusätzlich zur Tankfunktion ist die Drohne mit einem versenkbaren Sensorturm unter der Nase ausgestattet. Dieser verfügt über Elektro-Optik- und Infrarotkameras sowie Laser-Markierer. Damit kann die "Stingray" auch für Aufklärungs-Missionen (ISR, Intelligence, Surveillance, Reconnaissance) – also zur Aufklärung und Überwachung – eingesetzt werden.

Wegbereiter für Drohnenschwärme
Jedenfalls ist das die Idee der US-Navy. Für die Marine ist die MQ-25 weit mehr als nur ein riesiger, fliegender Kerosinkanister mit 23 Metern Flügelspannweite. Das langfristige Ziel ist es, die gesamte Logistik und Steuerung auf den Flugzeugträgern zu digitalisieren. Das Bodenpersonal testet bereits tragbare Kontrollgeräte und sogar spezielle Handschuhe, mit denen die Drohnen per Gestensteuerung über das hektische Flugdeck gelotst werden können.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will die Navy erreichen, dass mehr als 60 Prozent der auf einem Träger stationierten Flugzeuge unbemannt sind. Die "Stingray" soll dabei den Weg für ein ambitioniertes Waffensystem ebnen, das es aktuell nur in der Theorie gibt: "Collaborative Combat Aircraft" (CCA) – autonome Begleitdrohnen, die als loyale Flügelmänner mit bemannten Jets Einsätze fliegen.

Diese Wingman-Drohnen sollen Aufgaben übernehmen, die für menschliche Piloten zu gefährlich sind. Der Pilot in der seinem Kampfjet hat dabei die Rolle des Drohnen-Operators. Da Piloten von Kampfjets üblicherweise nicht unter Beschäftigungsmangel leiden, müssen diese Drohnen weitgehend autonom agieren und Ziele selbstständig bekämpfen können. Der Mensch gibt nur noch den Abschussbefehl.

Große Drohnenpläne stocken
Doch der Weg dahin ist steinig, wie auch die US-Streitkräfte erfahren müssen. Drohnenhersteller Boeing kämpft (wie alle anderen auch) mit massiven Verzögerungen. Eigentlich hätte die erste Serienmaschine bereits 2022 geliefert werden sollen. Der Termin für die volle Einsatzbereitschaft wurde mittlerweile auf 2027 verschoben, aber auch das dürfte eine optimistische Annahme sein.

"70 Prozent der Kapazitäten, die uns die Industrie liefert, kommen zu spät", beschwert sich der kürzlich pensionierte Vizeadmiral Carl Chebi. Die Kosten für die Entwicklung sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das bedeutet mehr Druck für Boeing, zügig eine flugfähige Drohne zu liefern.

Erstflug bei gutem Wetter
Nach den nun erfolgreichen Rollversuchen stehen weitere Systemchecks und die finale Zertifizierung der Software an. Sobald das Wetter in Missouri mitspielt, wird die MQ-25 zum ersten Mal autonom abheben.

Geplant ist die Anschaffung von insgesamt 76 Stück. Für die globale Rüstungsindustrie ist die "Stingray" das wichtigste Testfeld für die Frage, ob unbemannte Systeme tatsächlich die Dominanz in der Luft übernehmen können.
(Peter Zellinger, 4.2.2026)
"Stingray": US-Tankdrohne rollt erstmals autonom über das Flugfeld
 
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