ehemalige russische Kasernen in der CSSR

#1
Hat jemand von Euch einen Ueberblick ueber alle ehemaligen russischen Kasernen auf dem Gebiet der damaligen CSSR?

Wo waren diese Kasernen? Wieviele russische Soldaten waren in der CSSR stationiert, und wann genau erfolgte der Abzug? 1992 / 1993 ?
 

josef

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#2
...dazu ein Artikel von "Radio Praha"

Lt. dem offiziellen Artikel von "Radio Praha" war in der damaligen CSSR die Sowjet-Armee wie folgt präsent:

75.000 Mann
1.220 Panzer
2.500 Kampffahrzeuge
76 Flugzeuge
146 Hubschrauber

Die letzten Sowjet-Truppen verließen am 27. Juni 1991 die CSSR.
Stationierungsorte sind nicht angeführt, werde aber dazu weitersuchen.

Der "Radio Praha" - Artikel:
„Vorübergehend“ bedeutete 21 Jahre: die Sowjettruppen in der ČSSR

Am 18. Oktober 1968 wurde der Vertrag zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion über die sogenannte „zeitweilige Unterbringung der sowjetischen Truppen in der ČSSR“ unterzeichnet. Damit legalisierten beide Seiten im Nachhinein die militärische Niederschlagung des „Prager Frühlings“ im August desselben Jahres. Der Begriff „zeitweilig“ wurde später zu einem Symbol für die Herrschaft des kommunistischen Regimes bis zur Wende 1989.

Am 21. August 1968 marschierten die Truppen des „Warschauer Paktes“ in die Tschechoslowakei ein. Dies stoppte den Versuch der kommunistischen Führung des Landes, das System zu reformieren und menschlicher zu gestalten. Doch der Einmarsch warf auch unmittelbar die Frage auf, mit welchem Recht die Soldaten aus anderen Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei stationiert werden.

Die Politiker in Prag rechneten noch im September damit, dass alle Truppen innerhalb eines Jahres in drei Etappen abgezogen würden; Moskau lehnte dies jedoch ab. Bei den Verhandlungen bestanden die sowjetischen Vertreter darauf, dass die Tschechoslowakei die Stationierung der Truppen - je nach Lage - praktisch auch unbefristet akzeptieren müsste. Einwände dagegen wurden nicht zugelassen. Der entsprechende bilaterale Vertrag wurde am 16. Oktober 1968 in Prag unterzeichnet und zwei Tage danach im tschechoslowakischen Parlament verabschiedet.

Hauptgrund, warum die Sowjets in der Tschechoslowakei bleiben wollten, waren die geopolitischen Interessen Moskaus in Europa. Die Rote Armee stand damit ganz nah am „Eisernen Vorgang“. Im Vertrag wurde ganz offen formuliert, man müsse sich der Erstarkung von „revanchistischen“ Kräften in der Bundesrepublik Deutschland in den Weg stellen. Milan Bárta vom Institut für das Studium totalitärer Regime:

„Die sowjetischen Generäle hatten sich schon lange darum bemüht, eigene Truppen in der Tschechoslowakei zu stationieren und so die Verteidigungslinie der Sowjetunion nach Westen zu verschieben. Die Ereignisse im Jahre 1968 boten ihnen eine gute Gelegenheit, die sogenannte ‚mittlere Gruppe’ ihrer Truppen aufzustocken. Diese Gruppe war nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden und umfasste die sowjetischen Armeen in Ungarn und Österreich. Österreich hatten die Sowjets jedoch 1955 wieder verlassen müssen. 13 Jahre später gelangten sie stattdessen in die Tschechoslowakei, was ihnen eine ausgezeichnete strategische Lage bot. Hier waren die Sowjets in Schussweite der amerikanischen Truppen in Westdeutschland.“

Moskaus militärische Kraft in der Tschechoslowakei war gewaltig: Sie umfasste 1220 Panzer, 2500 Kampffahrzeuge, 76 Flugzeuge, 146 Hubschrauber und 75.000 Soldaten. In den 80er Jahren wurde dazu noch eine Brigade stationiert, die über Raketen mit Atomsprengköpfen wachen sollte. Ob solche Sprengköpfe aber wirklich jemals in die Tschechoslowakei gelangt sind, das ist bis heute umstritten. Der ehemalige tschechoslowakische Regierungschef Lubomír Štrougal schrieb in seinen Memoiren, dass die Sowjetunion nur den Anschein erwecken wollte, in Wirklichkeit seien aber niemals Atomraketen in der ČSSR stationiert worden.

Unklar ist auch, wie viel Geld der Aufenthalt der sowjetischen Truppen eigentlich gekostet hat. Die Kosten sollte laut dem Vertrag eigentlich Moskau tragen, Prag stellte jedoch seinen kommunistischen „Brüdern“ vieles zur Verfügung, wie Milan Bárta betont.

„Teilweise wurden ältere Kapazitäten der tschechoslowakischen Armee genützt, vor allem Dutzende Kasernen mussten innerhalb kürzester Zeit freigemacht werden. Dies war dringend, damit die sowjetischen Truppen die Wohnungen in Städten und Dörfern verlassen konnten. Die direkten Kosten dieser Operation schätze ich auf etwa eine Milliarde damaliger Kronen. Nur zur Illustration: Zu Ende der 60er Jahre betrug der Durchschnittslohn hierzulande 1700 Kronen und ein Brot kostete 2,60 Kronen. Die sowjetische Armee erhielt zudem Flugzeuge, Treibstofflager und Krankenhäuser. Für die Familienmitglieder der sowjetischen Offiziere wurde in Milovice bei Prag praktisch eine ganze Stadt neu errichtet. Als nach der Wende die tschechoslowakische Regierung ihre Forderungen an die Sowjetarmee bezifferte, kam sie auf eine Summe von fast 15 Milliarden Kronen.“

Die Tschechoslowakei musste zudem die Truppen auch verköstigen, das erwies sich als Verlustgeschäft. Grund war der ungünstige Wechselkurs, der im erwähnten Vertrag festgelegt wurde. Deswegen gingen der Tschechoslowakei laut Historikern mehrere Hundert Millionen Kronen verloren.

Mit dem Aufenthalt der sowjetischen Truppen waren jedoch nicht nur finanzielle Verluste verbunden. Die führenden Politiker beider Staaten wussten, dass die Soldaten bei der tschechoslowakischen Bevölkerung äußerst unbeliebt waren. Die Rote Armee wollte daher ein freundliches Gesicht zeigen: Sie gründete Partnerschaften mit den Schulen und Betrieben und ermöglichte den freien Zutritt zu einigen Kasernen. Die Kontakte waren sowohl offizieller als auch inoffizieller Art, erläutert Milan Bárta.

„Die Regeln für den Besuch waren bei den einzelnen Garnisonen unterschiedlich, und sie änderten sich auch mit der Zeit. Es wurden Gruppenreisen dorthin organisiert, üblicherweise waren diese auch mit Einkaufsmöglichkeiten verbunden. Wie frei man sich auf dem Gelände bewegen durfte, hing immer auch vom Befehlshaber der Garnison ab. Militärische Gebäude waren natürlich nicht zugänglich, aber die Geschäfte standen offen zum Besuch. Diese Läden waren ausgezeichnet versorgt, man konnte dort zum Beispiel Kosmetika aus den sogenannten ‚imperialistischen’ Staaten kaufen, diese gab es normalerweise nicht. Die Reisen waren deshalb ziemlich beliebt. Darüber hinaus blühte auch der Schwarzmarkt. Die Soldaten boten vor allem Benzin und Zigaretten an, manche von ihnen wollten besonders Mädchen aus der Gegend kennenlernen. Es bestanden also zahlreiche Kontakte zwischen Soldaten und Zivilisten, beide Seiten mussten einen Modus vivendi finden.“

Dieses Verhältnis war jedoch von Widersprüchen geprägt. Die sowjetischen Soldaten sahen es als Glück an, wenn sie in der Tschechoslowakei dienen konnten. Sie hatten genug Geld, durften ihre Garnisonen auch verlassen und sich relativ im Land frei bewegen. Der Lebensstandard in der Tschechoslowakei war mit dem in Westeuropa zwar nicht zu vergleichen, im Ostblock gehörte er jedoch zu den höchsten. Zeitzeugen haben beispielsweise berichtet, wie eine „Wolga“-Karosse vor einem Geschäft anhielt und ein sowjetischer Offizier dort so viele Waren einkaufte, wie ins Auto hineinpassten. Die Ware fehlte dann aber der örtlichen Bevölkerung. Auch solches Verhalten führte zu Gehässigkeiten.

Wie bereits gesagt, war die Dauer des Aufenthaltes der sowjetischen Truppen nicht befristet. Der Abzug der Soldaten wurde auch dann nicht zum Thema, als in der Sowjetunion der Reformer Michail Gorbatschow an die Macht gekommen war.

„Nach dem Aufstieg von Michail Gorbatschow kam es zu einer Art ‚Tauwetter’ in der internationalen Politik. Die Zahl an Atomwaffen und auch Soldaten in Osteuropa wurde verringert. Das Kontingent in der Tschechoslowakei sollte um etwa ein Fünftel reduziert werden, was wirklich schrittweise geschah. Der komplette Abzug kam aber nicht in Frage, denn die Sowjetunion wollte nicht auf ihre Rolle als Weltmacht verzichten. Ihre Armee in der Tschechoslowakei diente als Gegengewicht zu den amerikanischen Truppen in Westdeutschland“, sagt Milan Bárta.

Die sowjetische Weigerung, ihre Truppen aus den ostmitteleuropäischen „Satellitenstaaten“ abzuziehen, hatte auch praktische Gründe: Für die Soldaten gab es in ihrer Heimat keinen Platz, vor allem fehlten Häuser und Arbeit. Es war auch nicht einfach, die ganze Militärtechnik wieder zurückzubringen. Dies waren im Übrigen auch die Argumente Moskaus nach der Wende 1989, als die tschechoslowakische Führung mit dem Kreml verhandelte. Während Prag den Abzug so schnell wie möglich wollte, beharrten die Sowjets auf einem weichen Zeitplan. Doch letztlich verließen die Truppen dann doch die Tschechoslowakei so schnell wie kein anderes ehemaliges Land des Warschauer Paktes: Der letzte sowjetische Soldat verabschiedet sich am 27. Juni 1991.

Jakub Šiška
http://www.radio.cz/de/rubrik/gesch...eutete-21-jahre-die-sowjettruppen-in-der-cssr
 

josef

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#3
Milovice: Hauptquartier der sowjetischen `Zentralgruppe` der Truppen in der CSSR

Ab 1968 wurde Milovice zum Hauptquartier der sowjetischen `Zentralgruppe` der Truppen in der CSSR. Dazu gehörte ein Truppenübungsplatz, eine Panzerkaserne der 15.Garde-Panzerdivision (zuletzt ausgerüstet mit T-72) sowie der Militärflugplatz Bozi Dar. Westlich von Milovice enstanden die Plattenbausiedlungen Mlada 1 und Mlada II...

Der Link mit einigen Fotos: http://www.freundeskreis-luftwaffe.de/index.php/nachrichten/96-milovice

Die "Lage" auf GE:
 

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josef

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#4
Weitere Hinweise:

In einem weiteren Artikel von "Radio Praha" zur "Beendigung der Bruderhilfe" :D bzw. zum Abzug der Sowjets gibt es auch Hinweise:
Vor 20 Jahren begann der Abzug der Sowjetarmee aus der Tschechoslowakei

Im August 1968 hatten die Sowjets mit ihren Panzern die Reformbewegung des Prager Frühlings niedergewalzt. Die Sowjettruppen blieben danach in der Tschechoslowakei - übergangsweise, wie es hieß, als so genannte „Bruderhilfe“. Fast 23 Jahre lang „half“ dann der große Bruder Sowjetunion, ganz zum Unwillen all der kleinen Brüder in der Tschechoslowakei. Erst mit dem politischen Umbruch durch die Samtene Revolution wurde auch der Abzug der Sowjetarmee möglich. Dieser Truppenabzug begann vor 20 Jahren.

Sie kamen mit Waffen in der Hand und waren bei den meisten Tschechen nicht erwünscht: die sowjetischen Truppen. Weder als sie 1968 einmarschierten und das zarte Pflänzchen der Reformen erdrückten, noch später, als in Russland der Reformer Gorbatschow an die Macht gekommen war. Sie galten als Symbol für die politische Unterdrückung der 70er und 80er Jahre. Viele Leute setzten sie sogar gleich mit den gesamten 40 Jahren kommunistischer Herrschaft in der Tschechoslowakei.

Ihre militärische Zentrale eröffneten die Sowjets im mittelböhmischen Städtchen Milovice. Die heute 85-jährige Vlasta Šulcová erinnert sich:

„Ihre Panzer verluden sie in Lysá nad Labem, der Bahnhof war deswegen allein ihnen vorbehalten. Danach sind sie in Dreierformationen immer vorbeigefahren. Man gewöhnte sich daran. Mal hatten wir Angst, mal nicht.“

Insgesamt 73.500 Militärs und 40.000 Angehörige aus der Sowjetunion wurden in der Tschechoslowakei stationiert. In Milovice entstand eine komplette sowjetische Kleinstadt mit Tausenden Wohnungen. Auch wenn gegenseitige Zuneigung in weiter Ferne lag, gab es ab und zu menschliche Momente. Vlasta Šulcová:

„An unserem Haus hatten sie eine Mauer eingerissen. Dann kamen wohl so drei Soldaten und besserten die Mauer wieder aus. Ich schmierte ihnen Brötchen, kochte Tee und lud sie ein. Als sie in die Wohnung kamen, haben sie nur so geschaut, alles hat sie überrascht. Ich hatte Angst, als ich sie einlud. Wäre ein Offizier gekommen, dann hätten sie bestraft werden können.“

Dann kam 1989 und die Samtene Revolution. Und damit auch der Wunsch, dass die Sowjettruppen so schnell wie möglich den tschechoslowakischen Boden verlassen. Eine der treibenden Kräfte wurde der Rockmusiker Michael Kocáb, der sich nun politisch engagierte und ein enger Vertrauter des angehenden Staatspräsidenten Václav Havel war.

„Unser erster Schritt war, dass wir eine Woche nach der Samtenen Revolution vom 17. November 1989 einen Brief des Bürgerforums an die sowjetische Botschaft übergaben. Den hatten wir zu fünft unterschrieben, an der Spitze natürlich Václav Havel. In dem Brief baten wir Gorbatschow darum, Verhandlungen über einen Abzug zu beginnen und den Vertrag über den zeitweiligen Aufenthalt offiziell zu annullieren. Das war der Durchbruch. Innerhalb von einer Woche oder zehn Tagen kam die Antwort, dass Gorbatschow die Verhandlungen unterstützt. Damals haben wir uns gesagt: Das scheint wirklich zu funktionieren, vielleicht werden wir nach 50 Jahren endlich wieder frei, wenn man die deutsche Besatzung unter Hitler hinzurechnet.“

Die erste nachkommunistische Regierung in Prag nahm gleich nach ihrer Vereidigung die Gespräche über den Abzug auf. Außenminister Dienstbier besuchte dazu seinen sowjetischen Amtskollegen:

„In Moskau sagte ich Schewardnadse ohne Umschweife, dass wir zuerst den Abzug der Sowjettruppen aushandeln müssen. Schewardnadse verstand dies, aber all die Bürokraten, die dort saßen, machten große Augen, was sich dieser Mensch aus dem Satellitenstaat da erlaubt. Nach und nach stellte sich als größtes Problem heraus, dass sie nicht wussten, wo sie die Soldaten unterbringen können.“

Über die Hälfte der Soldatenfamilien hatte kein Zuhause in der Sowjetunion. Während Deutschland aus diesem Grund Häuser in Russland baute, fiel dieses Thema beim Truppenabzug aus der Tschechoslowakei unter den Tisch. Zwar war die Lieferung von Fertighäusern erwogen worden, aber dies ging unter angesichts des engen Zeitfensters, das die Regierung in Prag für den Abzug setzte:

„Es kam dann zu dem Kompromiss, dass die Kampfeinheiten bis zum 30. Juni 1990 die Tschechoslowakei verlassen und der Rest spätestens ein Jahr später. Damit war der Vertrag fertig.“

Dienstbier und Schewardnadse unterzeichneten den Vertrag am 26. Februar 1990. Doch immer wieder kam es zu Störfeuern von der Moskauer Nomenklatura. Michael Kocáb war nach seiner Wahl in das tschechoslowakische Abgeordnetenhaus im Dezember 1989 zum Vorsitzenden der parlamentarischen Kommission für den Abzug der Sowjettruppen bestimmt worden. Er erzählt:

„Mit den Falken aus dem Kreml haben wir uns zweimal getroffen. Einmal kamen sie hier ins Land und bestellten uns zu Gesprächen in die sowjetische Botschaft. Da haben sie uns ziemlich arrogant zusammengestaucht. Sie haben sich gegen den Abzug als solchen gestemmt und gegen die Schritte von Michail Gorbatschow. Sie sagten: Entweder stoppen wir das oder für den Abzug müssten fünf Jahre Zeit gewährt werden.“

Kocáb, dessen Kommission über den Abzug wachte, bekam Hilfe von unerwarteter Seite: ausgerechnet vom Generaloberst der russischen Streitkräfte in der Tschechoslowakei, Eduard Worobjow. Dieser hatte 1968 am Einmarsch teilgenommen, und begann genau aus diesem Wissen heraus die Invasion zu verurteilen. Worobjow sicherte den rechtzeitigen Abzug zu. Während immer mehr sowjetische Armeeangehörige tschechischen und slowakischen Boden verließen, kam ein weiteres Problem zutage: die enormen Umweltschäden, vor allem auf und an den großen Militärbasen in Milovice, im nordböhmischen Ralsko und im mittelmährischen Libavá. Michael Kocáb sagt dazu aus der heutigen Perspektive:

„Was sie in der kurzen Zeit beseitigen konnten, das haben sie weggeschafft. Doch viele Flächen blieben verseucht mit ölhaltigen Stoffen und Chemikalien. Die Beseitigung der Altlasten hat noch bis vor kurzem angedauert.“

Der tschechische Staat bezifferte die Schäden auf seinem Boden auf sechs Milliarden Kronen, das entspricht heute 230 Millionen Euro. Insgesamt 60 der 110 von der Sowjetarmee genutzten Orte mussten ökologisch saniert werden.

Abgesehen von den Problemen beim Abzug der Truppen gab es auch durchaus komische Momente. Kocáb erinnert sich noch heute mit einem Schmunzeln an einen solchen:

„Von irgendwoher kam die Forderung auf, dass wir uns von den sowjetischen Soldaten verabschieden und ihnen Geschenktüten mit Orangen überreichen sollten. Wir haben dann in der parlamentarischen Kommission beraten, ob wir ihnen für die 20 Jahre Okkupation auch noch Orangen schenken sollen. Ich war damals dagegen.“

Der letzte Transportzug mit sowjetischen Soldaten verließ die Tschechoslowakei sogar einige Tage früher als geplant: am 21. Juni 1991.
Till Janzer
http://www.radio.cz/de/rubrik/gesch...bzug-der-sowjetarmee-aus-der-tschechoslowakei
 
#7
@Josef,

Danke fuer die interssanten Links und Beitraege. Das scheint alles, nach der sogenannten "Normalisierung" 1968 geschehen zu sein. D.h. seit Kriegsende und bis 1968 hab es keine Russischen Militaers mehr in der CSSR? ( Die Kommunisten kamen ja bereits mittels Putsch 1948 an die Macht ) Auch. der schnelle Abzug, bereits 1991, hatte mich ueberrascht.
 
#8
Interessant ist folgender Link: Hier geht es um einen kompletten Abriss, und dies bereits 2014, sowie einem neuen regionalen Flughafen . Die Gebaeude duerften heute nichtmehr stehen. Vermutl. wird sie keiner vermissen. Anders als in Deutschland scheint man auch die mit Gras ueberwachsenen Hangars abgerissen zu haben. Die Bauart dieser Hangars duerfte in allen Ostblock-Laendern die gleichen gewesen sein.

http://milovice.vejnar.com/demolice/
 
#9
Weitere Recherche ergab, dass in der CSSR zumindest lt. dem Militaerhistoriker Martin Vanourek mindestens 5 Jahre lang offenbar auch Atomwaffen lagerten:

Vojenský historik Martin Vaňourek na základě průzkumu zdejších staveb i typu vyslaných jednotek tvrdí, že v sovětské zóně vojenského prostoru Libavá byly po dobu 5 let rozmístěny jaderné střely namířené na západní Evropu, v reakci na rozmístění téměř 600 jaderných střel na území států NATO v Evropě. 122. raketová brigáda by podle něj nebyla počátkem roku 1983 vyslána do střední Evropy bez jaderných hlavic a tomu napovídá i technické zabezpečení základen. Sovětská armáda tu měla tři palebná postavení: Stará Voda, Přáslavice a Zelený kříž. Raketová brigáda byla odsunuta od 25. února do 16. března 1988 na základě odzbrojovacích jednání mezi Ronaldem Reaganem a Michailem Gorbačovem a rakety byly následně v SSSR zničeny.
 

josef

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#10
...natürlich auch in der Slowakei

Hat jemand von Euch einen Ueberblick ueber alle ehemaligen russischen Kasernen auf dem Gebiet der damaligen CSSR?

Wo waren diese Kasernen?
Die bisher eher dürftigen Ergebnisse zur Frage von @Peter betreffen nur das heutige Staatsgebiet von Tschechien! Es gab natürlich auch in der Slowakei Kasernen und Stützpunkte der Sowjet-Armee! Da war besonders der Raum um Kosice wegen der Stichstrecke zum sowjetischen "Breitspur-Bahnnetz" für die Logistik von Bedeutung.
 
#11
Die bisher eher dürftigen Ergebnisse zur Frage von @Peter betreffen nur das heutige Staatsgebiet von Tschechien! Es gab natürlich auch in der Slowakei Kasernen und Stützpunkte der Sowjet-Armee! Da war besonders der Raum um Kosice wegen der Stichstrecke zum sowjetischen "Breitspur-Bahnnetz" für die Logistik von Bedeutung.
Ja, meine Frage bezieht sich auf das Gesamtgebiet der ehemaligen CSSR.
Auch von Interesse waeren moegliche ehemalige Raketenstellungen, Langstreke? Mittelstrecke? Atom, oder auch nicht?
 
#12
Nachdem das hier noch immer steht fühle ich mich mal bemüssigt das zu beantworten:

Grundsätzlich verfügten die Landstreitkräfte der sowjetischen Armeen über zwei Arten von Boden-Boden-Raketensystemen: Nach sowjetischer Diktion waren dies taktische und operativ-taktische Systeme.

Taktische Systeme unterstanden den Divisionen direkt und wurden dort in Form eines "ordi", einer unabhängigen Raketenabteilung, organisiert. Operativ-Taktische Systeme unterstanden den höheren Einheiten (Corps, Armee, Front) und wurden ort in "rbr", Raketenbrigaden, organisiert. Jede dieser Brigade bestand ihrerseits aus drei Abteilungen; jede Abteilung hatte im Regelfall 18 Starter, sodass eine Brigade über 54 Starter verfügte. (Ja, man hätte diese Brigaden auch als Regimenter titulieren können. Dazu war deren Bedeutung und Feuerkraft aber etwas zu gross.)

Raketensysteme wurden in grossem Stil Anfang der 60er eingeführt (mehr oder weniger nach der Restrukturierung der sowjetischen Landstreitkräfte 1957).
Taktische Systeme:
  1. 2K6 Luna (DIA: FROG-3/FROG-5), eine ungelenkte Artillerierakete.
  2. 9K52 Luna-M (DIA: FROG-7), löst ab ab Ende der 60er
  3. 9K79 Tochka (DIA: SS-21, ASIC: Scarab), eine taktische ballistische Rakete (TBM); löst ab ab den frühen 80ern
Mit der Ablöse durch die Tochka wurden die ordis aus den Divisionen herausgelöst und als zweite rbr den jeweiligen höheren Einheiten unterstellt (TBMs wollt man dann doch nicht auf Divisionsebene haben).

Operativ-taktische Systeme:
  1. 9K72 Elbrus (DIA: SS-1, ASIC: Scud), die gute alte Scud, und zwar in der Version auf Rad-TEL; eine ballistische Kurzstreckenrakete (SRBM).
  2. 9K714 Oka (DIA: SS-23, ASIC: Spider; auch das eine TBM), geplante Ablöse ab den 80ern. Wurde nur mehr stückweise durchgeführt; da kam der Zusammenbruch der Sowjetunion dazwischen, sodass viele Einheiten mit den selben Elbrus beerdigt wurden mit denen man sie '61 ausgerüstet hatte.
Alle fünf Systeme waren sowohl konventionell, als auch chemisch und nuklear bestückbar.

Die TsGV bestand insgesamt aus fünf Divisionen sodass dementsprechend auch fünf unabhängige Raketenabteilungen aufzufinden sind:
  • 15-ya gv.td
    • 535-j ordi (1968-1987), Zduchovice, etwa 20 km östlich von Pribram; ich kann hier aber (trotz Koordinatenangabe!) beim besten Willen nichts mehr finden was auch nur entfernt kasernig aussieht, und der Betrieb am Ostende des Ortes schaut nicht neu genug aus.
  • 18-ya gv.msd
    • 185-j ordi (1968-Abzug 90), Hvezdov, etwa 5 km südöstlich von Mimon; die alte Kaserne ist fast vollständig geschliffen und durch neue Garagen ersetzt worden, aktive Militäreinrichtung; die Einheit wurde nie auf Tochka umgerüstet.
  • 30-ya gv.msd
    • 404-j ordi (1968-1987), Komarno, das Schatten-Komarom am anderen Ufer; das war eine komplette Kaserne für ein msp (MSR, für die Deutschsprachigen) rund um die Festung und ist daher entsprechend gross; Anlage ist vollständig demilitarisiert.
  • 31-ya td
    • 653-j ordi (1968-1987), Frenstat pod Radhostem, etwa 25 km südlich von Ostrava, das war eine komplette Kaserne für ein tp (PzR, für die Deutschsprachigen) und ist daher entsprechend gross; Anlage ist vollständig demilitarisiert.
  • 48-ya msd
    • 440-j ordi (1968-1987), Ceska Trebova, etwa 50 km südöstlich von Pardubice; das war eine komplette Kaserne für ein msp und ist daher entsprechend gross; Anlage ist vollständig demilitarisiert.
Die TsGV selbst entsprach einer effektiven Feldarmee (de facto wurde die TsGV aus der 38-ya OA gebildet) sowie einem unterstellten Armeekorps (28-j AK). Demnach erwartet man ein bis zwei Raketenbrigaden, ergänzt durch Einführung der Tochka:
  • TsGV
    • 185-ya gv.rbr (1968-Abzug 90, enthielt 467-j ordi, 889-j ordi, 903-j ordi), Turnov, etwa 20 km nordöstlich von Mlada Boleslav; die TEL-Garagen scheinen alle noch zu stehen, ist aber vollständig demilitarisiert. Das war die Elbrus-Einheit.
    • 442-ya rbr (1987-Abzug 90, enthielt 404-j ordi, 440-j ordi, 535-j ordi), Hvezdov; das ist nördlich des anderen Standortes; die TEL-Garagen scheinen grossteils noch zu stehen, ist aber vollständig demilitarisiert. Das war die Tochka-Einheit.
  • 28-j AK
    • Hatte keine rbr; in all den Jahren bin ich noch nicht dahintergekommen was eigentlich die Aufgabe von dem Korps war.
Das waren die in der Tschechoslowakei permanent dislozierten Raketenverbände. Mehr gab es nicht, nicht zuletzt weil grössere Einheiten der RVSN vorbehalten waren, und die waren alle "zuhause". Wo die im Zweifelsfall verwendeten chemischen und nuklearen Sprengköpfe gelagert waren ist eine andere Frage die sehr elegant in das Thema "ehemalige russische Kasernen in der CSSR" übergeht. Es gibt gute Listen für die Dislokation der Kampf- und Kampfunterstützungsverbände (siehe etwa Feskov et. al., wo ich auch das Zeugs herhabe), aber alles was in Richtung Lagerung und Versorgung geht ist weitgehend unbekannt. Ich kenne eine mühsam rekonstruierte Gesamtgliederung der GSVG für Ende der 80er in der jede Lagereinheit drinsteht, das ist dann aber nur möglich weil Zeugs der NVA durchgegraben wird. Die sowjetischen Daten sind alle nicht offiziell, weil nicht einsehbar. Wahrscheinlich standen die Kernwaffen in der Verwantwortung der 6451-ya rvB (Instandsetzungsbasis; üblicherweise die Tarnbezeichnung für Kernwaffenlager) in Pardubice. Das würde auf Lagerung nordwestlich der Stadt hindeuten, wo ohnehin die Sprengstoff- und Munitionslager der Synthesia sind/waren (das ist der Vorort Semtin, nachdem das allseits bekannte Semtex benannt wurde). Bunkeranlagen gibts dort jedenfalls wie Heu.
 
#14
...dazu ein Artikel von "Radio Praha"

Lt. dem offiziellen Artikel von "Radio Praha" war in der damaligen CSSR die Sowjet-Armee wie folgt präsent:

75.000 Mann
1.220 Panzer
2.500 Kampffahrzeuge
76 Flugzeuge
146 Hubschrauber

Die letzten Sowjet-Truppen verließen am 27. Juni 1991 die CSSR.
Stationierungsorte sind nicht angeführt, werde aber dazu weitersuchen.

Der "Radio Praha" - Artikel:
„Vorübergehend“ bedeutete 21 Jahre: die Sowjettruppen in der ČSSR | Radio Prag
Meine Mutmassung: Ähnliche Zahlen dürfte es für die vormalige DDR geben. Wobei nach Abzug der Russen das wahre Chaos sichtbar worde. Dreck, Gerümpel und schier unvorstellbare hygienische Zustände.
 
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