Flugplatz Wels - vom Fliegerhorst des 1. ÖBH und der Deutschen Luftwaffe bis zum Zivilflugplatz

josef

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#1
Heftige Diskussionen gibt es derzeit um die Pläne, das Flugplatzgelände zugunsten von Betriebsansiedlungsflächen bzw. Naturschutzflächen zu verkleinern.

Dazu Auszug aus Beitrag im ORF-OÖ.:
Tauziehen um Welser Flugplatz
Rund um den Welser Flugplatz ist ein Tauziehen entbrannt. Die Stadt will einen Teil des Areals in ein Betriebsbaugebiet umwidmen. Landesrat Manfred Haimbuchner möchte hingegen einen Teil unter Naturschutz stellen.
Das Areal ist der letzte Rest der Welser Heide, ähnliche Lebensräume in dieser Dimension gibt es laut Ökologen in Oberösterreich und Bayern nicht mehr. Zahlreiche gefährdete Vogel- und Pflanzenarten kommen hier vor. Auf dem Flugplatz waren sie bisher weitgehend ungestört und konnten sich halten.


Heftige Diskussionen um AC/DC-Konzert
Heftige Diskussionen gab es rund um ein Konzert der australischen Rockband AC/DC im Mai vergangenen Jahres. Auf den betroffenen zehn Hektaren brüte mittlerweile nichts mehr, hieß es aus dem Büro von Naturschutzlandesrat Manfred Haimbuchner.

Uneinigkeit über Betriebsbaugebiet
Er will das Areal unter Schutz stellen - zumindest einen großen Teil davon. Er sei aber nicht prinzipiell gegen eine Umwidmung, stellt er einen Kompromiss in Aussicht. Uneinig ist man aber offenbar über die Größe des geplanten Betriebsbaugebiets. Während die Stadt Wels 44 der 106 Hektar dafür umwidmen möchte, liegen Haimbuchners Größenvorstellungen eher bei 20 Hektar.
Quelle: http://ooe.orf.at/stories/492378/

Das einstige Fliegerhorstgelände wurde nach dem Krieg geteilt, wobei der eigentliche Flugplatz und ein großer, von der LW errichteter Hangar vom Fliegerclub "Weiße Möwe Wels" genützt wird. Der andere Teil des Flugfeldes mit einem weiteren ehemaligen LW-Großhangar und ehemaligen LW-Objekten bzw. Nachkriegsbauten sind Standort der "Hessenkaserne" des ÖBH (Panzerbataillon 14, Heereslogistikzentrum Wels).

http://www.geheimprojekte.at/t_wels.html
Fliegerhorst Wels - Decknamen "Wendepunkt" und "Wagenrad"
lg
josef
 

josef

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#3
Historische "Fliegerhorst-Gebäude" in der "Hessen-Kaserne" aus der Zeit der Nutzung durch die Luftstreitkräfte des Ersten Bundesheeres ab ca. 1936/37

Dazu vorerst ein kurzer geschichtlicher Rückblick:
Vorkriegszeit
Bereits im Jahr 1910 wurde vom „Verein für Luftschiffahrt“ die Idee geboren, einen Flugplatz am heutigen Standort zu errichten. Das Gelände, das bereits seit 1885 von den in Wels stationierten Kavallerieregimentern der k.u.k. Armee als Exerzier- und Übungsgelände genutzt wurde, war als Teil der Welser Heide eben, fast baumlos und bot sich deshalb dafür an. Anfang November 1910 veranstaltete die Welser Bürgerschaft auf dem Platz die „1. Österreichische Flugwoche Wels“, bei der eine der legendären Wright-Flugmaschinen zum Einsatz kam.

1933 wurde mit dem damaligen Notlandeplatz des Militärflugplatzes begonnen. Das Rollfeld hatte eine Länge von 800 m und eine Breite von 550 m. 1935 wurde der ehemalige Verkehrsflughafen durch das österreichische Bundesheer zum Militärflughafen umfunktioniert. 1936/37 wurden zahlreiche Gebäude und Anlagen errichtet. Im Februar 1938 bestand der Flughafen aus einem Kommandogebäude, zwei Mannschaftsgebäuden, einem alten Hangar, vier Flugzeughallen und verschiedenen weiteren Objekten.

Zeit des Nationalsozialismus
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen im März 1938 (Anschluss Österreichs) wurden die österreichischen Luftstreitkräfte aufgelöst und die deutsche Luftwaffe übernahm den Welser Flugplatz. Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe, besuchte Wels im März 1938; damit startete der offizielle Aufbau der Luftwaffenbodenorganisation auf österreichischem Gebiet.


1939 begann der großzügige Ausbau des Fliegerhorstes, so wurden etwa neue Hangars errichtet. Das Areal wurde durch Absiedelung und Grundeinlösungen wesentlich vergrößert. 37 Siedlungshäuser, Bauerngüter und Kleinhäusler, die sich im Gefahrenbereich der Einflugschneise befanden, wurden abgetragen. Die Mieter und Bewohner dieser Häuser wurden vielfach enteignet und umgesiedelt. Der am Gelände versickernde Grünbach wurde nach Norden umgeleitet. Vor Kriegsbeginn lag hier die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 76. In Wels-Neustadt wurden mehrere Barackenlager und Wohnhäuser zur Unterbringung von Luftwaffen-Personal errichtet. Mitte März 1938 wurde in Wels die "reichsdeutsche" Fliegerhorstkommandantur Wels aufgestellt, Anfang Juli 1939 das Flughafen-Bereichskommando (Koflug) Wels. Von 1939/40 bis 1945 existierte in Wels die Flugzeugführerschule A/B Wels bzw. A/B 115 oder A 115. Von dieser wurden mehr als 1.000 Soldaten ausgebildet.

Nachkriegszeit - Beginn der Nutzung als Zivilflugplatz
Ende des Jahres 1949 wurde von den Militärbehörden der westlichen Besatzungszonen das Fliegen mit Segelfliegern in Österreich wieder erlaubt. Schon im Februar 1950 wurde um 3,50 Schilling pro Quadratmeter ein 1800 m² großes, direkt an den Flugplatz angrenzendes Areal angekauft und im Sommer eine Baracke aufgebaut.
Am 19. Juli 1959 eröffnete die Motorflugschule und im Namen des Landesverbandes des Österreichischen Aero Clubs geführt. In den 1960er Jahren wurde eine zweite Landebahn mit einer Länge von 1240 m und einer Breite von 50 m angelegt.
Im März 1971 begannen die Asphaltierungsarbeiten am Ostrollweg, im September wurde die Sportpiste gebaut. Am 6. Mai 1972 erfolgte die offizielle Eröffnung des Welser Flugplatzes. Mit Bescheid vom 27. Juni erklärte die Landesregierung den Flugplatz Wels zum „Öffentlichen Zivilflugplatz“.

Auszug aus Flugplatz Wels – Wikipedia


Bei einer "Luftaufklärung" mit Hilfe von GE entdeckte ich einige Objekte aus der Eröffnungszeit als Fliegerhorst des 1. ÖBH 1936/37 am Gelände der heutigen "Hessen-Kaserne":

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GELB: Noch vorhandene Objekte, deren Grundsubstanz auf die Gründungsjahre des ÖBH-Fliegerhorstes um 1936/37 zurückgeht.
ROT: Durch die Deutsche Luftwaffe errichtete 2 Großhangars. Ein 3. LW-Hangar wurde angeblich durch Bombardierung zerstört.
Fragezeichen rechts vorne: Unbekanntes älteres überdecktes Objekt - Bunker?

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Links: 2 ehemalige Hangars nach damaliger ÖBH-Standardbauweise.
Mitte: Ehemaliger Tower, damalige Bezeichnung "Kommandogebäude mit Startturm".
Rechts: Vorne nochmals 2 ehemalige Hangars und dahinter 2 Mannschaftsgebäude.

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Die beiden linken (östlichen) ehemaligen Hangars. Die Gebäude wurden sichtlich, wie auch die restlichen, im Laufe der Jahre umgestaltet, die Ursprungsausführung ist jedoch noch zu erkennen.

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Zwischen der östlichen und westlichen "Althangargruppe" befindet sich das ehemalige "Kommandogebäude mit Startturm" des einstigen Fliegerhorstes.

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...und noch die beiden westlichen ehemaligen Horstgebäude. Die 4 Bauwerke dürften heute als Werkstätten und Depots dienen...


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Südlich der rechten (westlichen) Hangargruppe befinden sich 2 Mannschaftsgebäude. Solche wurden damals im gleichen Stil in Graz-Thalerhof, Zeltweg usw. errichtet.

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Im Osten des Kasernengeländes sind noch 2 Großhangars aus der LW-Ära 1938-45 vorhanden. Wobei der östliche Hangar sich heute im Bereich des Zivilflugplatzes befindet, während das westliche Objekt Teil der Kaserne ist. Hinter den beiden Hallen befand sich ein 3. Hangar (Bereich der hellen Doppelhalle), der gegen Kriegsende durch Bomben zerstört wurde.

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Eine GE-Aufnahme aus dem Jahre 2000 zeigt die 4 Althangars noch vor größeren Umbauten bzw. Dachsanierungen.

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Ebenfalls aus dem Jahre 2000 das Bild der ehemaligen LW-Hangars. Interessant die Aufstellung von Pz-Fahrzeugen der 4. Pz-Grenadierbrigade bzw. KPz Leopard 2A4 des 14. Pz-Bataillons am Hallenvorfeld des im Kasernenbereich liegenden Hangars.
 
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josef

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#4
Unbekanntes Objekt in der SW-Ecke der "Hesser-Kaserne" - Bunkeranlage?

In der SW-Ecke der Kaserne, an der Grenze zum Flugfeld, entdeckte ich ein schräg über das Geländeniveau ragendes Objekt mit begrünter Überdeckung. Die an 3 Seiten umlaufende Stützmauer dürfte aus einer Natursteinummantelung bestehen. Die Verwitterungsspuren dieser Mauern weist auf ein älteres Errichtungsdatum hin.

Lage:
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Ansichten aus verschiedenen Blickrichtungen:

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Erkennbarer bzw. vermutete Eingänge in das Objekt:
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Richte die Bitte an Insider um Aufklärung zu diesem Bauwerk...

lg
josef
 

TORad

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#9
Guten Morgen,

nur eine Korrektur.
Zwischen den beiden noch vorhandenen Großhangars aus der Zeit der Wehrmacht war nicht ein dritter Großhangar sondern ein Werkstatthangar.
So wie auf allen Flugplätzen der Luftwaffe.

Grüße
Ralf
 
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