Hallstatt - prähistorisches Salzbergwerk

josef

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#21
Prähistorisches Bergwerk Hallstatt virtuell begehbar
Seit rund 7.000 Jahren wird in Hallstatt Salz abgebaut, und seit rund 60 Jahren erforschen Archäologen des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien die einstigen Stollen. Mittels Virtual Reality (VR) kann man sich künftig wieder durch die einst riesigen Abbauhallen bewegen.
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Am Wochenende (17.-18.8.2019) wird das neue VR-System bei der Veranstaltung „Archäologie am Berg“ in Hallstatt gezeigt.
„Einzigartige Kultur- und Industrielandschaft“
Seit der Steinzeit wird das „weiße Gold“ in der Region Hallstatt abgebaut. So hat sich eine weltweit einzigartige Kultur- und Industrielandschaft und um 700 vor Christus eine der vermutlich reichsten Gemeinschaften Mitteleuropas entwickelt, die einst halb Europa mit Salz versorgt hat, hieß es bei der Vorstellung des VR-Systems am Dienstag im NHM in Wien. Eine ganze Kulturepoche, die Hallstattzeit, wurde nach dem Ort im Salzkammergut benannt.
Schon in der Bronzezeit, um das Jahr 1.100 vor Christus, und in der Hallstattzeit um 700 vor Christus hatte der Bergbau im Hochtal über dem touristisch mittlerweile extrem frequentierten Ort riesige Dimensionen. Die hallstattzeitlichen Abbauhallen waren rund 300 Meter lang und 30 Meter breit, erklärte der Leiter der Ausgrabung und Forschung im prähistorischen Salzbergwerk, Hans Reschreiter, von der Prähistorischen Abteilung des NHM.

NHM Wien, Alice SchumacherVirtual-Reality-Station im NHM Wien

Salz hat uraltes organisches Material konserviert
Freilich haben zwei katastrophale Murenabgänge und der Bergdruck diese größten bisher nachgewiesenen prähistorischen Bergwerke wieder geschlossen. Mit zahlreichen Forschungsstollen sind die Archäologen aber weit in die einstige Welt unter Tage eingetaucht. Gerade in Hallstatt sind die Bedingungen dazu perfekt, da das Salz auch uraltes organisches Material konserviert hat, das sonst verrotten würde. Aus aufsehenerregenden Funden, wie dem ältesten Rucksack und den ältesten Handschuhen Europas, lasse sich vieles über das frühere Leben herauslesen. Trotz der im Rahmen von Sonderführungen zugänglichen Forschungsstollen könne man aber vor allem die einstige Dimension des Bergbaus nicht darstellen.

I.Slamar / J. Prenner / NHM Wien, D. Brandner + H. Reschreiter
Bronzezeitlicher Bergmann bei der Arbeit

Als Bergmann oder Archäologe unterwegs
Aus diesem Grund gingen die Archäologen zusammen mit Experten der Scenomedia GmbH in rund einjähriger Arbeit daran, ein VR-System zum bronzezeitlichen Abbau zu entwickeln, das nun in einem um rund 400.000 Euro erbauten eigenen Raum in den Salzwelten zur Verfügung stehen wird. Die beiden VR-Brillen bieten die Option, entweder in die Rolle eines prähistorischen Bergmannes oder in jene eines Archäologen zu schlüpfen, der das Areal im Berg erforscht. So habe man die Möglichkeit, die in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragenen Informationen kompakt selbst zu erleben und „sich mit der Brille in diese Zeit zu begeben“, sagte Scenomedia-Geschäftführer Andreas Scheucher.

„Bergbau fühl- und erlebbar gemacht“
Man habe „den damaligen Bergbau fühl- und erlebbar“ machen wollen und die VR-Technologie sei „das perfekte Mittel, um Wissenschaft zu transportieren“, so Reschreiter. Das bringe letztendlich auch Aufmerksamkeit und Verständnis für die damaligen Herausforderungen, die den heutigen mitunter nicht unähnlich waren: In den Resten des alten Bergbaus finde man nämlich Hinweise auf sehr aktuelle Fragen zur Verknappung von Ressourcen, zum Transport wertvoller Güter und letztendlich zu Umweltveränderungen, mit denen der Bergbau vor Tausenden Jahren konfrontiert war.

I.Slamar / J. Prenner / NHM Wien, D. Brandner + H. Reschreiter
Holzarbeiterin im Bergwerk

„Salzwelten Exklusiv“
Dass diese laut NHM-Generaldirektor Christian Köberl „sehr neue Art und Weise, die Forschungsarbeit zu visualisieren“, auch umgesetzt werden konnte, sei auf die langjährige gute Kooperation mit den Salzwelten zurückzuführen. Letztere könnten heuer möglicherweise erstmals die 400.000-Besucher-Marke knacken, sagte Geschäftsführer Kurt Reiter. Angesichts des Touristenandrangs brauche es nicht nur Angebote für die Masse, sondern auch hochwertige Angebote etwa im Zuge von Spezialtouren. Das neue VR-Angebot wird unter dem Namen „Salzwelten Exklusiv“ angeboten.
red, ooe.ORF.at/Agenturen

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Geschichte: Prähistorisches Bergwerk Hallstatt virtuell begehbar
 

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#22
Und jährlich grüßt das Salzbergwerk
Was uns über sechs Meter hohe Profile verraten, wie informativ ein Holzhaufen sein kann und welche Funde sich noch im 3.000 Jahre alten Betriebsabfall verbergen
Nach wie vor forschen wir an der bronzezeitlichen Fundstelle Christian-von-Tusch-Werk im Salzbergwerk Hallstatt. Seit 1992 finden dort regelmäßig archäologische Ausgrabungen statt, wodurch einiges über diese prähistorische Abbaukammer der letzten 3.000 Jahre bekannt ist. Wir kennen die ungefähre Größe der Abbaukammer, wissen, wo sich die Schächte in die darüber- und die darunterliegende Abbaukammer befinden, und können die zahlreichen Funde aus Holz datieren.
Doch dadurch, dass wir nur enge, schmale Stollen in den ehemaligen und nun verfüllten Hohlraum treiben können, bewegen wir uns beim bereits erforschten Raum noch immer unter einem Prozent des Gesamtvolumens. Demnach sind wir bei der Befundinterpretation zu einem großen Teil auf die Profile der Stollen angewiesen. An ihnen lassen sich die Schichtverläufe von in der Bronzezeit abgelagertem Betriebsabfall, damals verbrochenem Material und schließlich dem eindringenden Tagmaterial, das die Abbaukammer verfüllte, erkennen.

Der Nordvortrieb – über sechs Meter hohe Profile
Das bisher größte und aufschlussreichste dieser Profile befindet sich im Nordvortrieb. Als erster Vortrieb, angelegt in den 90er-Jahren, stellt er einen Querschnitt durch die bronzezeitliche Abbaukammer dar. In den letzten Jahren wurde der Forschungsstollen Schritt für Schritt überhöht, um die Geschichte der Abbaukammer bis zur letzten Benutzungsphase verfolgen zu können. Diese Arbeiten werden heuer bis zur nördlichen Wand aus festem Salz, einer Grenze der Abbaukammer, fortgeführt und das entstandene Profil dokumentiert und interpretiert.


Die mittlerweile über sechs Meter hohen Profile im Nordvortrieb geben Auskunft über die Ablagerung des Betriebsabfalls der bronzezeitlichen Bergleute in Hallstatt.
Foto: Daniel Brandner - NHM Wien

Das Westend – eine sichere Grenze
Auch 2019 wurde das "Westend" weiter untersucht. Seinen Namen hat der nach Westen aufgefahrene Vortrieb daher, dass hier tatsächlich sowohl die originale Sohle als auch Ulm (Boden und Seitenwand) der prähistorischen Kammer verfolgt werden können, wodurch auch schon einige erhaltene Abbauspuren zutage kamen. Wie so oft taucht auch hier die Sohle nach wenigen Metern Vortrieb nach unten ab, die Ulm beschreibt einen Bogen, wodurch sich eine Kammer bildet. Diese Kammer wurde in den letzten Jahren Stück für Stück ergraben, wodurch mehrere Lagen von Rundhölzern sichtbar wurden, die in demselben Winkel, in dem die Sohle abfällt, abgelagert sind. Diese werden nun mitsamt des umgebenden Heidengebirges geborgen, freigelegt und untersucht. Dadurch hoffen wir erklären zu können, wie und warum die Hölzer in diese Ecke der Kammer gelangt sind, ob sie sorgsam dort deponiert, flüchtig hingeworfen oder durch das eindringende Tagmaterial mitgerissen wurden.


Die diesjährige Ausgangssituation im Westend: schräg abfallende Sohle, darauf Heidengebirge und abgelagerte Hölzer.
Foto: Daniel Brandner - NHM Wien

Edlersberg Rutschenfuß – neuer Blickfang für Touristen
Kurze archäologische Betreuung verlangte auch die Fundstelle Edlersberg Rutschenfuß. Wie der Name schon sagt, liegt diese genau am Ende einer der Bergmannsrutschen, die täglich mehrere hundert Touristen auf ihrer Führung durch die Salzwelten Hallstatt passieren. Die eisenzeitliche Fundstelle wurde innerhalb eines Projekts unter Zusammenarbeit des NHM Wien mit dem Bundeskanzleramt, dem Land Oberösterreich, dem Bundesdenkmalamt und der Salinen Austria AG saniert. Nun sind sowohl die eisenzeitlichen Abbauspuren in Form herzförmiger Negative im Salz als auch die darunter liegenden Schichten von Leuchtspänen, die prähistorische Fundstellen für uns erkennbar machen, wieder sichtbar.


Nachreißen des Profils an der eisenzeitlichen Fundstelle Edlersberg. Dadurch wird das Heidengebirge und die Schichtverläufe wieder klar erkennbar.
Foto: Daniel Brandner - NHM Wien

Wie gewöhnlich: außergewöhnliche Funde
Wenn man im Bergwerk von Hallstatt arbeitet, stehen außergewöhnliche Funde beinahe auf der Tagesordnung. Trotz allem ist immer wieder erstaunlich, welch perfekt erhaltene Gegenstände das Heidengebirge, der bronzezeitliche Betriebsabfall, bereithält. Beide Stellen der Abbaukammer im Christian-von-Tusch-Werk, an denen derzeit Vortrieb gemacht wird, sind außerordentlich fundreich. Von den abertausenden Leuchtspänen, aus denen das Heidengebirge besteht und von denen einige wieder genug Jahresringe für eine dendrochronologische Datierung besitzen, sowie den unzähligen gebrochenen Werkzeugen einmal abgesehen, kamen dieses Jahr auch wieder einige spezielle Stücke zum Vorschein.

Die absoluten Highlights darunter sind wohl zwei gut erhaltene Holzkübel. Speziell daran ist vor allem, dass von diesen bisher großteils nur Bruchstücke bekannt waren und nun eine Handvoll kompletter Exemplare vorliegt. Die Böden dieser Kübel weisen im Normalfall eine starke punktuelle Beanspruchung auf, was die Vermutung nahelegt, dass darin die Bronzespitzen für die zum Abbau des Salzes notwendigen Pickel zum Nachschärfen ein- und austransportiert wurden. Dieses Jahr hatten wir auch die Gelegenheit, die noch erhaltenen Trageriemen aus Rohhaut zu beproben, um an der hoffentlich erhaltenen DNA feststellen zu können, wer diesen Kübel in der Bronzezeit zuletzt getragen haben mag. Selbiges gilt für eine vollständig geborgene Kratze, mit der das kleinstückelige Salz zusammenkratzt wurde. Auch ein ganzer, nur an den Spitzen der Zinken, in denen die Pickelspitze geschäftet wurde, gebrochener Pickelstiel kam zutage. Des Weiteren finden sich auch wieder viele Schnüre und geknotete Streifen aus Bast und Gras, Rohhaut, an der die dafür verwendete Tierart bestimmt werden soll, und einige Textilien aus grober oder feiner Wolle.


Bergung einer vollständigen Kratze, eines bronzezeitliches Werkzeugs, mit dem das kleinstückelige Salz zusammengekratzt wurde.
Foto: Daniel Brandner - NHM Wien


Vorsichtige Freilegung eines vollständigen Holzkübels im Nordvortrieb. Direkt darüber ist bereits der nächste zu erkennen.
Foto: Thomas Gatt - NHM Wien

Noch ist die Grabung in vollem Gange, es warten demnach noch viele Funde, Befunde und neue Erkenntnisse auf uns.
(Fiona Poppenwimmer, 26.9.2019)

Fiona Poppenwimmer ist Studentin der Urgeschichte und Historischen Archäologie und seit mehreren Jahren Mitarbeiterin der Hallstatt-Forschung. Besonders beteiligt war sie an Bearbeitung, Dokumentation und Wiederaufbau der bronzezeitlichen Holzstiege aus dem Salzbergwerk Hallstatt. Sie ist für die Redaktion des Stiegenblogs zuständig, mitverantwortlich für Dokumentation und Durchführung der Grabung im Hallstätter Bergwerk und im Virtual-Arch-Projekt angestellt.

Und jährlich grüßt das Salzbergwerk - derStandard.at
 

josef

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#23
Ganz tief in den Stollen hineinbohren: Erkundungsbohrungen im Salzbergwerk Hallstatt
Wie wichtig das richtige Material und die Bohrtechnik auf der Suche nach Salzabbaukammern sind
Wir von der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien erforschen im Salzbergwerk Hallstatt riesige bronze- und eisenzeitliche Abbaukammern, die durch Hangrutschungen bereits in der Urgeschichte mit Material von der Oberfläche verfüllt wurden. Dadurch sind keine Hohlräume mehr erhalten, und die Erforschung dieser urgeschichtlichen Bergwerke erfolgt zum überwiegenden Teil mittels Forschungsstollen. Diese werden von Hand mit dem Presslufthammer vorgetrieben und sind die primäre Informationsquelle über das Leben und Arbeiten der prähistorischen Bergleute – insbesondere im Bereich des auf dem Boden der Abbaukammern liegenden prähistorischen Betriebsabfalls. Aufgrund der zahlreichen perfekt konservierten Objekte, die vor über 3.000 Jahren im Bergwerk zurückgelassen wurden, ergeben sich erstaunlich detaillierte Einblicke in Lebens- und Arbeitsweise im Bergwerk sowie auf die Abfolge verschiedener Abbau- beziehungsweise Betriebsphasen.

Die richtige Bohrtechnik
Geht es allerdings darum, gezielt die einstigen Ausmaße der Abbaukammer zu erfassen, wird seit vielen Jahren mit dem Kernbohrgerät gearbeitet. Dabei wird ausgehend von unseren Forschungsstollen eine Bohrung im Füllmaterial der Abbaukammer, oberhalb des prähistorischen Betriebsabfalls, angesetzt. Sie wird so lange fortgesetzt, bis wieder festes Salz, also die Wand oder Decke der Abbaukammer, erreicht wird. Diese Arbeitsweise spart im Gegensatz zum Anlegen eines eigenen Forschungsstollens viel Zeit und liefert auf die Forschungsfrage nach der Ausdehnung der Abbauhallen dasselbe Ergebnis.

Während in der Vergangenheit überwiegend mit großem Bohrgerät auf einer fix verankerten Lafette und 100-Millimeter-Hohlbohrer gearbeitet wurde, entschieden wir uns dieses Jahr, einen kleineren, flexiblen Schlagbohrer mit einem 65-Millimeter-Bohrer einzusetzen. Ziel war es, den Bohrprozess zu beschleunigen und in kurzer Zeit so viele Versuchsbohrungen wie möglich anlegen zu können, um die ursprünglichen Ausmaße der Kammer zu erforschen. Zunächst allerdings musste die Technik erprobt werden. Da mit dieser Methode keine Bohrkerne gezogen, sondern nur das bröselige Sediment ausgewertet wird, das beim Bohren anfällt, mussten wir sichergehen, dass wir unterschiedliches Material beziehungsweise Gesteinsarten auf diese Weise auch unterscheiden und gezielt beproben können. So ging unser erfahrener Bohrist Thomas Ragger bei unseren aktuellen Untersuchungen in der bronzezeitlichen Abbaukammer im Bereich des Christian-von-Tusch-Werks insgesamt zwei Wochen durch alle Höhen und Tiefen dieser Prospektionsmethode.


Thomas Ragger beim Ansetzen einer Prospektionsbohrung.
Foto: D. Brandner – NHM Wien

Trotz Materialversagens, steckenbleibender Bohrer – er hat sie alle wieder herausbekommen – und immer länger und schwerer werdender Bohrgestänger konnte er die Verwendbarkeit der Technik unter Beweis stellen. Nicht selten stand er den ganzen Abend mit Schweißgerät und Flex in der Werkstatt des Grabungsquartiers, um durch das Anfertigen von Spezialwerkzeugen den Herausforderungen gerecht zu werden. Die Evaluierung der Bohrtechnik als Mittel zur Feststellung der prähistorischen Abbaugrenzen verlief also zufriedenstellend. Verschiedene Materialien der Füllmasse der Abbaukammern wie Lehm, Kalk, Gips und Salz konnten während des Bohrens aufgrund des Verhaltens der Bohrmaschine erfühlt und auch gezielt über das Auffangen des Bohrkleins beprobt werden. Darüber hinaus war die Geschwindigkeit im Vergleich zu den bisher durchgeführten Kernbohrungen ebenfalls überzeugend.


Allabendliche Vorbereitungen für die nächste Bohretappe in der hauseigenen Werkstatt im Hochtal von Hallstatt.
Foto: D. Brandner – NHM Wien

Salz!
Während bei besten Bedingungen in zwei Wochen acht Meter gebohrt werden konnten, waren es mit der neuen Methode dieses Jahr fast 25 Meter in derselben Zeit, wenn man alle Bohrungen zusammenrechnet. Die Methode funktionierte also, abgesehen von einigen zu erwartenden Startschwierigkeiten, planmäßig, doch nun kam das nächste Problem: An drei äußerst vielversprechenden Bohrstellen sollte laut unserem – auf dem aktuellen Kenntnisstand basierenden – Modell des prähistorischen Hohlraums nach maximal zwei Metern Bohrlänge bereits die Decke der Abbaukammer, "First" genannt, erreicht sein. Doch die Bohrungen standen nach 3,2 Metern immer noch in der Füllmasse aus Lehm und Kalksteinen an, und mit der bestehenden Ausrüstung konnten wir nicht weiter bohren. Das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen!


Proben des Bohrkleins aus unterschiedlichen Tiefen des Bohrlochs: Lehm, Haselgebirge, Steinsalz (v. li.).
Foto: D. Brandner – NHM Wien

Nachdem unser Grabungsleiter Hans Reschreiter es geschafft hatte, die Finanzierung zu organisieren, waren die benötigten Verlängerungsmodule für das Bohrgestänge schnell bestellt, und die Arbeiten konnten fortgesetzt werden. Die Investition sollte sich lohnen. Zwei Stunden nachdem wir die Arbeiten am Bohrloch wiederaufgenommen hatten – aufgrund des langen Bohrgestänges mussten mittlerweile zwei Personen an der Maschine stehen –, war es endlich so weit.

Dass wir die Decke der prähistorischen Abbaukammer gefunden hatten, spürten wir allerdings nicht am Verhalten des Bohrgeräts, sondern schmeckten es zuallererst in der Luft. Nachdem wir, schon fast die Hoffnung verlierend, durch weitere eineinhalb Meter Lehm und Kalkstein gebohrt hatten, rieselte schließlich Salz aus dem Bohrloch an der Decke unseres Forschungsstollens. Wir alle lieben Salz, aber selten hat es so gut geschmeckt wie in jenem Moment. Um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um die Decke der Abbaukammer und nicht um eine Salzplatte im Versturzmaterial handelt, verlängerten wir das Bohrloch nochmals um einen Meter, aber es blieb dabei – Salz!


Kurze Pause während der Bohrungen – dort oben muss die Decke der Abbaukammer sein!
Foto: D. Brandner - NHM Wien


Das erste Stück Kernsalz aus der Bohrkrone – die Decke der prähistorischen Abbaukammer ist gefunden!
Foto: H. Reschreiter - NHM Wien

Neue Erkenntnisse
Nach der abschließenden Einmessung des Bohrloches und Einbindung in das 3D-Modell unserer Grabungsstollen kann nun ein weiterer kostbarer Fixpunkt für die Rekonstruktion der Abbaukammer hinzugefügt werden. Und wieder einmal übersteigt die festgestellte Größe der von uns untersuchten Hohlräume unsere Erwartungen. Die Decke der Abbaukammer liegt drei Meter höher als gedacht, was bedeutet, dass die Kammer in diesem Bereich also mindestens zwölf Meter hoch ist.


3D-Modell der Forschungsstollen in der bronzezeitlichen Abbaukammer (Christian-von-Tusch-Werk): Der rekonstruierte Hohlraum ist in Grün dargestellt. Die Bohrung, mit der wir die Decke der Abbaukammer feststellen konnten, ist rot eingezeichnet.
Foto: D. Brandner - NHM Wien

Nach dem erfolgreichen Probelauf werden wir nächstes Jahr die Technik noch verfeinern und weiter nach neuen Erkenntnissen bohren!
(Daniel Brander, 14.11.2019)

Daniel Brander ist Masterstudent der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Innsbruck, seit Jahren Mitglied der Bergwerksgrabung Hallstatt und mitverantwortlich für Dokumentation, Durchführung und Visualisierung der Grabung
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Ganz tief in den Stollen hineinbohren: Erkundungsbohrungen im Salzbergwerk Hallstatt - derStandard.at
 
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