„Puffer“ und Zerstörung
Israel setzt im Südlibanon auf Gaza-Taktik
Im Zuge der Bodenoffensive im Südlibanon wendet Israel eigenen Angaben zufolge eine Taktik aus dem Gaza-Krieg an. In einer von Israel definierten „Pufferzone“ werden zivile Gebäude wie Wohnhäuser, Schulen und religiöse Stätten systematisch zerstört und Grenzdörfer quasi von der Landkarte gelöscht. Währenddessen setzt die proiranische Hisbollah-Miliz bei ihren Angriffen vermehrt auf durch Glasfaserkabel gesteuerte Kampfdrohnen, die die israelische Abwehr umgehen können.
Online seit gestern 16.05.2026, 23.41 Uhr
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„Puffer“ und Zerstörung: Israel setzt im Südlibanon auf Gaza-Taktik
Israel setzt im Südlibanon auf Gaza-Taktik
Im Zuge der Bodenoffensive im Südlibanon wendet Israel eigenen Angaben zufolge eine Taktik aus dem Gaza-Krieg an. In einer von Israel definierten „Pufferzone“ werden zivile Gebäude wie Wohnhäuser, Schulen und religiöse Stätten systematisch zerstört und Grenzdörfer quasi von der Landkarte gelöscht. Währenddessen setzt die proiranische Hisbollah-Miliz bei ihren Angriffen vermehrt auf durch Glasfaserkabel gesteuerte Kampfdrohnen, die die israelische Abwehr umgehen können.
Online seit gestern 16.05.2026, 23.41 Uhr
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Am Freitag fanden in Washington neue Gespräche zwischen Vertretern aus Israel und dem Libanon statt. Dabei wurde vom US-Außenministerium die Verlängerung der derzeit geltenden, aber brüchigen Waffenruhe um 45 Tage verkündet. Dennoch setzten sowohl Israel als auch die mit dem Iran verbündete Hisbollah, die bei den Gesprächen nicht am Tisch sitzt, ihre gegenseitigen Angriffe fort.
Erst am Donnerstag wurden israelischen Angaben zufolge bei einem Hisbollah-Drohnenangriff im Norden Israels vier Zivilisten verletzt, einer davon schwer. Libanesische Behörden berichteten am Dienstag von 13 Toten nach einem israelischen Angriff auf eine Autobahn, die die libanesische Hauptstadt Beirut mit dem Süden des Landes verbindet.
Reuters
Libanesische Rettungskräfte im Einsatz nach einem israelischen Luftangriff in Kfar Dschaus im Südlibanon
Nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar hatte die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon wieder Drohnen auf den Norden Israels abgefeuert. Israel erklärte wenig später den Beginn einer Bodenoffensive im Südlibanon und rief Tausende Menschen im Süden des Libanon dazu auf, ihre Häuser zu verlassen.
1,2 Millionen Menschen aus Südlibanon vertrieben
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete, sind seit Beginn der israelischen Bodenoffensive 1,2 Millionen Menschen aus dem Südlibanon in Richtung Norden geflohen. Viele ihrer Häuser liegen mittlerweile in Trümmern, zerstört durch Bombardierungen und kontrollierte Sprengungen. Nach dem Waffenstillstand Mitte April richtete Israel eine Sperrzone im Südlibanon ein, wer aus Gebieten südlich der „Gelben Linie“ geflohen ist, darf nicht mehr zurück.
Das Gebiet entlang der libanesisch-israelischen Grenze umfasst mehr als 50 libanesische Dörfer und Städte, die jetzt von israelischen Soldaten okkupiert sind. Die Gebiete südlich der „Gelben Linie“ umfassen etwa 608 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr sechs Prozent des libanesischen Staatsgebiets. Das Einziehen einer „Gelben Linie“, also einer Sperrzone, sei eine Militärtaktik, die Israel bereits im Gaza-Krieg angewendet habe und in der ganzen Region „konsequent verfolge“, hieß es von Amnesty International gegenüber der „New York Times“.
„Grenzdörfer nach Vorbild von Rafah zerstören“
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte bereits im März, dass alle Häuser in den libanesischen Grenzdörfern „nach dem Vorbild von Rafah und Beit Hanun im Gazastreifen“ zerstört werden sollen. Zudem kündigte Katz an, die Gebiete so lange zu besetzen, bis die Bedrohung für die israelische Bevölkerung durch die Hisbollah-Miliz „dauerhaft beseitigt“ sei.
Die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon führte zwar nicht zu einem Ende der Kampfhandlungen, die Intensität der Angriffe auf beiden Seiten verringerte sich laut „Guardian“-Bericht jedoch. Die Zahl der kontrollierten Gebäudesprengungen im Südlibanon durch die israelische Armee ist seitdem stark gestiegen, wie Daten der Konflikt- und Kriegsbeobachtungsorganisation ACLED zeigen.
Human Rights Watch: „Mögliches Kriegsverbrechen“
Zudem beauftragte das israelische Militär laut Berichten von „Guardian“ und „New York Times“ private Firmen damit, Gebäude entlang der Grenze etwa mit Hilfe von Baggern abzureißen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, Israels Zerstörung von Grenzdörfern könne einer mutwilligen Zerstörung gleichkommen, das sei ein Kriegsverbrechen.
AP/Ariel Schalit
Mehr und mehr Grenzdörfer im Süden des Libanon werden von Israel dem Erdboden gleichgemacht
Die israelische Armee begründete ihr Vorgehen mit dem Ziel, die militärische Infrastruktur der Hisbollah-Miliz zu beseitigen – Kämpfer und Ausrüstung würden sich unter anderem in zivilen Gebäuden befinden. Dass die Hisbollah einige zivile Gebäude militärisch nutze, würde die großflächige Zerstörung der Dörfer allerdings nicht rechtfertigen, so Human Rights Watch.
Laut einer Satellitenbilderanalyse der „New York Times“, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, hat Israels Armee seit dem Wiederaufflammen des Krieges mehr als zwei Dutzend libanesische Grenzstädte und Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Schiitische Dörfer wurden demzufolge am schwersten getroffen. Die Schiiten, zu denen auch die Hisbollah gehört, stellen die Bevölkerungsmehrheit im Südlibanon.
Hisbollah setzt vermehrt auf Drohen mit Glasfaserkabeln
Mittlerweile nahmen die Kampfhandlungen auf beiden Seiten wieder zu, die Hisbollah verstärkte ihre Angriffe auf israelische Soldaten im Südlibanon und setzt dabei vor allem auf den Einsatz von FPV-Kampfdrohnen („First Person View“, dt. etwa: „Ich-Perspektive“). Anders als herkömmliche Drohnen, die auf Funkfrequenzen bzw. Satellitensignale angewiesen sind, werden diese Fluggeräte über ein Glasfaserkabel durch den Bediener gesteuert.
AP/Efrem Lukatsky (Archivbild)
Eine FPV-Drohne im Einsatz in der Ukraine, auffällig ist das dünne Glasfaserkabel, über das sie gesteuert wird
Das Kabel kann zwischen zehn und 50 Kilometer lang sein, dadurch kann die Drohne auch weit entfernte Ziele erreichen. Immer wieder können Israels hoch entwickelte Abwehrsysteme die Drohnen nicht abfangen, da die Fluggeräte kein Funksignal aussenden. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Hisbollah etwa ein Video, das einen FPV-Drohnenangriff der Hisbollah auf einen israelischen Panzer zeigt, dabei sollen ein Soldat getötet und sechs weitere verletzt worden sein.
Auch im russischen Angriffskrieg in der Ukraine setzen beide Seiten vermehrt Glasfaserdrohnen ein. Laut einem israelischen Militärsprecher habe Israel die Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge erkannt und arbeite an der Entwicklung von Fähigkeiten zur Erkennung und Abwehr dieser Waffen.
17.05.2026, ascm, ORF.at/Agenturen
Erst am Donnerstag wurden israelischen Angaben zufolge bei einem Hisbollah-Drohnenangriff im Norden Israels vier Zivilisten verletzt, einer davon schwer. Libanesische Behörden berichteten am Dienstag von 13 Toten nach einem israelischen Angriff auf eine Autobahn, die die libanesische Hauptstadt Beirut mit dem Süden des Landes verbindet.
Libanesische Rettungskräfte im Einsatz nach einem israelischen Luftangriff in Kfar Dschaus im Südlibanon
Nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar hatte die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon wieder Drohnen auf den Norden Israels abgefeuert. Israel erklärte wenig später den Beginn einer Bodenoffensive im Südlibanon und rief Tausende Menschen im Süden des Libanon dazu auf, ihre Häuser zu verlassen.
1,2 Millionen Menschen aus Südlibanon vertrieben
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete, sind seit Beginn der israelischen Bodenoffensive 1,2 Millionen Menschen aus dem Südlibanon in Richtung Norden geflohen. Viele ihrer Häuser liegen mittlerweile in Trümmern, zerstört durch Bombardierungen und kontrollierte Sprengungen. Nach dem Waffenstillstand Mitte April richtete Israel eine Sperrzone im Südlibanon ein, wer aus Gebieten südlich der „Gelben Linie“ geflohen ist, darf nicht mehr zurück.
Das Gebiet entlang der libanesisch-israelischen Grenze umfasst mehr als 50 libanesische Dörfer und Städte, die jetzt von israelischen Soldaten okkupiert sind. Die Gebiete südlich der „Gelben Linie“ umfassen etwa 608 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr sechs Prozent des libanesischen Staatsgebiets. Das Einziehen einer „Gelben Linie“, also einer Sperrzone, sei eine Militärtaktik, die Israel bereits im Gaza-Krieg angewendet habe und in der ganzen Region „konsequent verfolge“, hieß es von Amnesty International gegenüber der „New York Times“.
„Grenzdörfer nach Vorbild von Rafah zerstören“
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte bereits im März, dass alle Häuser in den libanesischen Grenzdörfern „nach dem Vorbild von Rafah und Beit Hanun im Gazastreifen“ zerstört werden sollen. Zudem kündigte Katz an, die Gebiete so lange zu besetzen, bis die Bedrohung für die israelische Bevölkerung durch die Hisbollah-Miliz „dauerhaft beseitigt“ sei.
Die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon führte zwar nicht zu einem Ende der Kampfhandlungen, die Intensität der Angriffe auf beiden Seiten verringerte sich laut „Guardian“-Bericht jedoch. Die Zahl der kontrollierten Gebäudesprengungen im Südlibanon durch die israelische Armee ist seitdem stark gestiegen, wie Daten der Konflikt- und Kriegsbeobachtungsorganisation ACLED zeigen.
Human Rights Watch: „Mögliches Kriegsverbrechen“
Zudem beauftragte das israelische Militär laut Berichten von „Guardian“ und „New York Times“ private Firmen damit, Gebäude entlang der Grenze etwa mit Hilfe von Baggern abzureißen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, Israels Zerstörung von Grenzdörfern könne einer mutwilligen Zerstörung gleichkommen, das sei ein Kriegsverbrechen.
Mehr und mehr Grenzdörfer im Süden des Libanon werden von Israel dem Erdboden gleichgemacht
Die israelische Armee begründete ihr Vorgehen mit dem Ziel, die militärische Infrastruktur der Hisbollah-Miliz zu beseitigen – Kämpfer und Ausrüstung würden sich unter anderem in zivilen Gebäuden befinden. Dass die Hisbollah einige zivile Gebäude militärisch nutze, würde die großflächige Zerstörung der Dörfer allerdings nicht rechtfertigen, so Human Rights Watch.
Laut einer Satellitenbilderanalyse der „New York Times“, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, hat Israels Armee seit dem Wiederaufflammen des Krieges mehr als zwei Dutzend libanesische Grenzstädte und Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Schiitische Dörfer wurden demzufolge am schwersten getroffen. Die Schiiten, zu denen auch die Hisbollah gehört, stellen die Bevölkerungsmehrheit im Südlibanon.
Hisbollah setzt vermehrt auf Drohen mit Glasfaserkabeln
Mittlerweile nahmen die Kampfhandlungen auf beiden Seiten wieder zu, die Hisbollah verstärkte ihre Angriffe auf israelische Soldaten im Südlibanon und setzt dabei vor allem auf den Einsatz von FPV-Kampfdrohnen („First Person View“, dt. etwa: „Ich-Perspektive“). Anders als herkömmliche Drohnen, die auf Funkfrequenzen bzw. Satellitensignale angewiesen sind, werden diese Fluggeräte über ein Glasfaserkabel durch den Bediener gesteuert.
Eine FPV-Drohne im Einsatz in der Ukraine, auffällig ist das dünne Glasfaserkabel, über das sie gesteuert wird
Das Kabel kann zwischen zehn und 50 Kilometer lang sein, dadurch kann die Drohne auch weit entfernte Ziele erreichen. Immer wieder können Israels hoch entwickelte Abwehrsysteme die Drohnen nicht abfangen, da die Fluggeräte kein Funksignal aussenden. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Hisbollah etwa ein Video, das einen FPV-Drohnenangriff der Hisbollah auf einen israelischen Panzer zeigt, dabei sollen ein Soldat getötet und sechs weitere verletzt worden sein.
Auch im russischen Angriffskrieg in der Ukraine setzen beide Seiten vermehrt Glasfaserdrohnen ein. Laut einem israelischen Militärsprecher habe Israel die Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge erkannt und arbeite an der Entwicklung von Fähigkeiten zur Erkennung und Abwehr dieser Waffen.
17.05.2026, ascm, ORF.at/Agenturen
„Puffer“ und Zerstörung: Israel setzt im Südlibanon auf Gaza-Taktik

