Klärungsversuch Standortfrage Projekt "Triebwerksteststand" im Zillingdorfer Wald im Umfeld der vorgesehenen V2/A4 Produktion im "Rax-Werk"

#24
Ich habe für die Prüfstände zwei Möglichkeiten (rote Punkte):

1781806502708.jpg

Begründungen:
Der im schwarzen Kreis
ist das Objekt 2.
Ich habe jetzt im NÖGIS besser aufgelöste historische Flugaufnahmen entdeckt.
Auf der Karte xxxx1688 von 1986 sieht man die Autobahn in Bau - und Objekt 2 wurde bereits "behandelt". 1991 bereits wie "ausradiert" ersichtlich.
In den verfügbaren Aufnahmen von 1974 und 1977 war Objekt 2 noch unbehandelt.
Wie erwähnt, hatte ich in der Vergangenheit in einer Zeitung gelesen, dass beim Autobahnbau schwere Geräte die Nazi-Trümmer beseitigt hätten.
Was auch immer da beseitigt wurde, es wurde anscheinend so behandelt, das es nur noch als Ackerfläche taugt und Bäume nicht wurzeln können.

Der andere im roten Kreis ist deshalb, weil mir noch meine damalige Besuchsstrecke in Erinnerung ist.
Von der Straße runter, gerade etwas links halten und dann steil schräg aufwärts kommt man zu Objekt2. Und von Objekt 2 geht is in gerader Richtung zu den anderen Objekten.
Allerdings, an dieser Kreuzung (der rote Punkt) könnten die Prüfstände auch gestanden haben weil ich noch in Erinnerung habe, dass diese knapp bei den Feldern waren. Falls das so wäre, kann ich mich aber nicht mehr erinnern, was bei Objekt 2 zu sehen war.
Momentan bevorzuge ich diese Variante. Die Aufnahmen geben aber nichts konkretes her.
Ich bin gestern die Strecke nochmals abgegangen aber im Aufstieg habe ich mich komplett verfranst - bin am Hochenrücken entlang und dadurch völlig daneben gelegen. Interessant ist auch die gleich Höhenlage von Objekt 2 und dieses hier.
 

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josef

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#25
Bahnanschluss Vorwerk Süd

Voraussetzung für so ein Großbauvorhaben bzw. späteren Betrieb der Anlagen war neben einer ausreichenden Wasserversorgung ein Bahnanschluss!

Dazu war ich 2006 schon auf Suche -> siehe Beitrag #71:
Ausschnitt:
Vom rund 200 Jahre alten „Wiener Neustädter Kanal“ zweigte eine Stichstrecke, genannt „Pöttschinger Ast“ ab, welcher bis an den Rand des betreffenden Geländes beim „Zillingdorfer Wald“ führte! Dieser Stichkanal diente zum Abtransport der Kohle aus den Gruben von Zillingdorf und Pöttsching. Die Transporte wurden um 1875 eingestellt und der Kanal 1918 bis Wr.Neustadt-Lichtenwörth trockengelegt. Die Trasse querte die Senke der Leitha – Auen auf einem Damm und überquerte den Fluss mittels einer Trogbrücke.
Bei Slezak, „Kanal-Nostalgie-Aspangbahn“, ISBN 3-85416-153-0, ist auf Seite 42 zu finden:
Die 1964 abgetragene Dammstrecke des Kanals im Bereich Lichtenwörth/Pöttsching soll während des Zweiten Weltkriegs Bahngleise zu einem Wehrmachtsversuchsgelände getragen haben.
Leider geht aus dem Text nicht hervor, ob Schmal- oder Normalspur bzw. der Anschluss-/Ausgangspunkt in WN.

Auch von einer Feldbahn vom Bf. Neudörfl zum Mun-Lager im Zillingdorfer Wald wird berichtet.

Nun wurde ich bei Horn, Wegenstein, Eisenbahnhandbuch - Sonderausgabe 2015 "Die Bautätigkeit der DRB in Österreich 1938 - 1945", auf S. 138 fündig:
Anschlussbahn km 6,214 im Bahnhof Neudörfl
Beim Bahnhof Neudörfl wurde das Vorwerk der Raxwerke geplant. Ab 18.8.1943 wurde an der AB für dieses Werk gebaut. Da das Vorhaben Vorwerk gestoppt wurde, übernahm die DRB einen Teil als Bahnhofsgleis.
Anmerkung: Die Kilometrierung der Strecke Wiener Neustadt - Staatsgrenze Loipersbach-Schattendorf beginnt am Hbf. WN.
 
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#26
Bahnanschluss
In der Amap Karte von 1930 gib es zwar noch so etwas wie eine Dammkrone eingezeichnet zwischen der Lokomotivfabrik und Zillingdorfer Wald.
Die Frage ist, wie das 1943 aussah.
Screenshot 2026-06-23 203947.png
Ich habe auch wohl irgendwo gelesen - diese Verbindung wurde angedacht - aber nicht ernstlich in Erwägung gezogen.
Vielmehr würde ich der Variante von Horn mehr Gewicht geben.

Begründung:
Das Rax-Werk war ein Montierwerk, wo zuerst die gesamte Rakete montiert und getestet werden sollte.
Nach den ersten Erfahrungen war es dann nur als Montierwerk geplant, da die Triebwerk-Test ausserhalb des Stadtgebiets im Zillingdorfer Wald durchgeführt werden sollten. Ich gehe auch davon aus, das die Raketentriebwerke nicht bei Rax zusammengeschraubt wurden, sondern als fertige Komponente angeliefert wurden.
d.h. es machte keinen Sinn, die Triebwerke nach Rax und dann nach Zillingdorfer Wald zu senden. Die Gewichte und statischen Gegebenheiten waren für eine "Dammversendung" sicher nicht so gut. Wahrscheinlich sollten sie direkt an Neudörfl gesendet werden und von dort über eine Bahn in die Nähe eines Prüfstandes.
Sollte dieses Szenario zutreffen, dann wäre der Standort des Prüfstandes nicht bei Objekt 2, sondern am zweiten roten Punkt - bei der Weggabelung am Waldrand.
Es würde auch keinen Sinn ergeben, die Triebwerke in Neudörfl anzuliefern und diese dann rund um den Hügel zu Objekt 2 zu zerren und dann wieder zurück. Auch wäre Objekt 2 - sollte es ein Prüfstand gewesen sein - auch extrem nahe zu den anderen Objekten.
Weiters wäre eine Reparatur eines defekten Triebwerkes wahrscheinlich nicht vor Ort im Zillingdorfer Wald durchgeführt worden - meine, die Triebwerke werden angeliefert, getestet (die Prüfung eines Triebwerkes dauerte ca. 60 Sekunden) und gehen dann wieder zurück mit dem Vermerk OK oder NichtOK. daher keine großartige manuelle Manipulation.

Sieht man sich die Flugaufnahmen aus dieser Zeit an, sieht man eindeutig zwei visuelle Verbindungen von Neudörfl zum Zillingdorfer Wald.
Eine zum Lager und eine zur Weggabelung.
So sieht es jetzt von der Weggabelung aus: ein Prüfstand wäre hier noch schalltechnisch gut gestanden.

Wo war den der Anschlußpunkt km6,214?
 

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#27
Wasserversorgung
Diese wurde für die Kühlung der Abgasschnurre bei den Prüfständen gebraucht.
Der Wasserbedarf war nicht permanent, sondern je Prüfung und wurde von Wasserspeichern - Anlieferung zu den benötigten Orten über Stahlrohr-Druckleitungen sichergestellt.
Auszug aus dem Buch: Das Wasser des Sees wurde von Pumpwerk Manell zum Druckreservoir der Versuchsstation gepumpt und floss von
dort in die Tanks der Pumpstation während des Verbrennungungsversuchs wurde das Wasser aus diesem Tank entnommen und durch drei Punktblöcke in Umlauf gebracht. Wurde das Wasser zu heiß, wurde es durch Kühler geleitet.
Der Wasserbedarf wird zu 200 Kubikmeter pro Minuten auf die Dauer von 2 Minuten etwa alle 1 bis 1,5 Stunden angegeben.
Quelle: Bauchronik der Heeresabnahmestelle Raderach

So ähnlich könnte aus hier geplant gewesen sein. Wahrscheinlich kam das Wasser aus einem Fluß/Kanal - weil Grundwasser damals (noch) nicht genügend zur Verfügung stand - und wurde zwischengespeichert.

Trinkwasser aus der Ortschronik Neudörfl:
„Täglich kam ein Trupp der Fremdarbeiter mit Zisternen zum öffentlichen Gemeindebrunnen, der sich in der heutigen Matthias Kollwentz-Straße vor dem Hause Nr. 47 befand, um frisches Wasser für das Barackendorf zu holen.“

Wassermenge:
Geplant waren 300 Stück Raketen pro Monat in Rax zu produzieren.
Das sind ca. 10 Triebswerkprüfungen pro Tag. 200m3 x 10Raketen x 2Minuten = 4.000m3 Wasserbedarf pro Tag (ca. 100 Schwimmbecken-Füllungen).
Raderach hatte 2 Tanks.
Die Trink-Wasserversorgung von Wiener Neustadt erfolgte zu dieser Zeit über ein Brunnenfeld und die Speicherung im Wasserturm (780m3).
Der Wiener Neustädter Kanal hat eine Kapazität von ca. 4-5.000 m3 pro Stunde! und ist sehr selten von Trockenheit oder Wenigwasser betroffen.
 
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#29
Danke Josef!
Spricht für die Anlieferung der Antriebsagreggate über diese Seite.
Wahrscheinlich ähnliches System von der Bahnausstattung, wie die Abzweigung von der Südbahn zu Maria, Nähe St. Egyden.
Der Maria Anschluß wurde ja physikalisch hergestellt - war das im ähnlichen Zeitraum?
 

josef

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#31
Bei geheimprojekte.at fertigte @Markus vor Jahren eine Darstellung über den geplanten Produktionsablauf der A4(V2)- Fertigung im Rax-Werk unter Einbeziehung der Tests im Vorwerk Süd bzw. Rax nach damaligen Kenntnisstand an:

https://www.geheimprojekte.at/info_a4.html
https://www.geheimprojekte.at/firma_raxwerk_lichtenwoerth.html


©Schmitzberger


Demnach wäre das Prozedere im Vorwerk im Zillingdorfer Wald wie folgt abgelaufen:
Direkte Anlieferung der Triebwerksbrennkammern ->"Öfen" oder "Tuben" vom Hersteller (lt. A. Grabner, Der Rüstungsbetrieb "Schlier" in Zipf) Lokomotivfabrik Hoffmann-Linke, Breslau.
Die Rahmen für Antriebsblöcke (Gestelle) mit vormontierten Treibstoffpumpen usw. vom Rax-Werk. Am "Triebwerksteststand" sollten dann die "heißen Brenntests" der Raketenantriebe ("Öfen bzw. Tuben") erfolgen und in den "Spritzständen" die "kalte" Überprüfung der Treibstoffpumpensysteme durchgeführt werden.

Nach erfolgten Funktionstests wären dann die geprüften Komponenten ins Rax-Werk zurückgeführt worden um in der "Serbenhalle" mit den restlichen Raketenelementen (Steuerteil, Ethanol- und Sauerstofftanks, Ruderanlage usw.) in die Raketenhülle eingebaut zu werden. Die bis auf die Spitze fertigen Raketenkörper sollten dann den dem Rax-Werk zugeordneten "Heimatlagern" (Isabella, Lina und Maria) zur weiteren Disposition zugeführt werden. Wie wir zwischenzeitlich wissen, wurden die mit Sprengstoff gefüllten Raketenspitzen separat gelagert und erst vorm Einsatz vor Ort mit dem Raketenkörper zusammengeführt (montiert).

Die Anlieferung der Brennkammern ("Tuben" oder auch "Öfen" genannt) wäre sicher über die am Bf. Neudörfl errichtete Anschlussbahn (AB) erfolgt. Wie weit diese AB in das Vorwerk-Gelände führte bzw. geplant war, konnte bisher noch nicht eruiert werden. Genau so wenig ist über den vorgesehenen "internen" Transport zwischen Rax-Werk und Vorwerk bekannt. Sollten diese Transporte auch über die AB beim Bf. Neudörfl abgewickelt werden oder über die in der Literatur erwähnte Strecke am Damm des Wiener-Neustädter Stichkanals Richtung Pöttsching?

Die Zuführung der Kesselwagen mit für die "heißen" Tests erforderlichen Mengen an Ethanol wäre auch noch zu berücksichtigen gewesen...
 
#32
Wie dir bekannt, befand sich dort schon im WKI eine Pulverfabrik. Diese hatte sicher auch schon einen Gleisanschluss an die Südbahn...? Wurde sicher dann im WKII erweitert und ausgebaut!
Ja, 2012 wurden die letzten Teile der Anschlußbahn zu einem Lager Maria (St. Egyden/Südbahn) entfernt. Anbei die Fotos mit Produktionsdatum der Schienen. Daher ist eine Erweiterung in WKII dort zu den Fischgrät-Lagerstätten gesichert.
Zu einer noch genaueren Zeiteingrenzung kommen wir wahrscheinlich nicht mehr.
 

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#33
Anschlussbahn Neudörfl:
"Auch in der B.Rawefabrik wird für die V2 Raketeproduktion gearbeitet. Es gibt auch eine Feldbahn vom Bahnhof über die Fabrik zum Zillingdorfer Wald." Quelle: Neudörfl, Dorf an der Grenze von Herbert Radel.

Quelle:
"Von einem Vorkriegsbekannten erfuhr er vom Ort Neudörfl im Burgenland, in dem „die Russen eine alte und leere Weberei, wo sie eine Großreparatur-Werkstätte für Panzer eingerichtet hatten, geräumt haben.“ Das betreffende Gebäude in der Sauerbrunnerstraße, das alte Werk der ehemaligen Weberei B. Rawe & Co. (heute = 2011: Wohnanlage „Dr. Fischer Hof“), wurde von Markon als durchaus geeignet erachtet. Insgesamt standen 1.500 Quadratmeter zur Verfügung, und man startete sofort mit der Reinigung der leer stehenden Räumlichkeiten."

Annahme daher:
Die Triebwerksbrennkammern ->"Öfen" oder "Tuben" gingen per Bahn vom Hersteller Hoffmann-Linke, Breslau nach Neudörfl.
Anzunehmen, dass der Bahn-Anschluss eine Normalspur war, welche direkt in die B. Rawe Fabrik ging. Diese war eine Textilfabrik und hatte wahrscheinlich noch keinen Bahnanschluss (kenne eine große Textilfabrik der damaligen Zeit, welche auch keinen Bahnanschluss hatte - also keineswegs unüblich).
Dort wurden die "Öfen" gelagert. Das macht bei einer Testrate von ca. 10 Stück pro Tag Sinn.
Nachdem dort auch "gearbeitet" wurde, vielleicht wurden Vorbereitungen durchgeführt und nach erfolgreichem Test eine "Endmontage" der Antriebskomponente - bevor die Öfen an das Rax-Werk per Bahn zurückgingen.
Der Transport zwischen Rawe-Fabrik und Zillingdorfer Wald erfolgte per Feldbahn.
Natürlich wissen wir, dass nie eine Triebswerkprüfung erfolgte. Der Bahnanschluss wurde am 18.8.1943 gestartet und Ende August wurde bereits alles wieder verlegt. Vielleicht erfolgten schon Öfen-Anlieferungen bevor der Bahnanschluß fertig war - und diese wurden irgendwie in die Hallen der B. Rawe gebracht und erste Vorbereitungsarbeiten starteten.
Anmerkung: der erste Bomberangriff auf Wiener Neustadt war am 13.8.1943.
 
#34
Wasserversorgung
Nachdem ich gerade jetzt ein Flugbild untersucht habe, kann die Wasserversorgung meiner Meinung auch abgeschlossen werden.
Diese war sicherlich aus Kapazitätsgründen vom Wiener Neustädter Kanal geplant - so wie Markus auch seine Wasserdepots auf dem Plan platziert hat, oder von Josef schon die Kanalstruktur skizziert wurde.
Der Verbindungskanal führt direkt zum Zillingdorfer Wald.
 
#35
Treibstoff Zuführung zu Lager
Die Zuführung der Kesselwagen mit für die "heißen" Tests erforderlichen Mengen an Ethanol wäre auch noch zu berücksichtigen gewesen...
Lt. Raderach Report:
"Der Transport des O2 von der Kältemaschinenhalle zu den Prüfständen soll mittels selbst gebauter Plattenwagen mit Tank und mit direktem Antrieb erfolgen. Sauerstoff- und Alkoholtanks befanden sich in Räumen an beiden Seiten des Turms. Der Flüssigsauerstofftank hatte ein Fassungsvermögen von 5000 kg, der Alkoholtank ungefähr dasselbe."

Man kann von der gleichen Struktur auch im Zillingdorfer Wald ausgegangen werden. Die Tanklager befanden sich im Wald und bei den Prüfständen nur die zur Prüfung notwendigen Mengen. Raderach machte lt. Bericht ca. alle 20 Minuten einen Test. Hier im Zillingdorfer Wald sollte aufgrund der geplanten Mengen ca. 10 pro Tag getestet werden.
Allerdings steht im Bericht auch: "Die Prüfstände waren seit 1943 nicht mehr in Betrieb, da die Schweizer (10 Meilen entfernt) sich über Lärm und Beleuchtung der Umgebung beschwert hatten."
Die Tests liefen lt. Bericht 2 Minuten pro Gerät. Die Verbrauchswerte des Antriebs waren im Echtbetrieb gigantisch hoch (1 Minute ca. 5 Tonnen Treibstoff), da sie ja Schub erzeugen musste um abzuheben. Im Testbetrieb wurde wahrscheinlich sehr reduziert getestet - da deuten auch die Tanklager bei den Prüfständen in Raderach hin.
Wahrscheinlich wurden die Treibstoffe in Kesselwaggons nach Wiener Neustadt geliefert - und dann umgeladen auf LKW's.
Was meinst du?
 

josef

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#36
Wahrscheinlich wurden die Treibstoffe in Kesselwaggons nach Wiener Neustadt geliefert - und dann umgeladen auf LKW's.
Was meinst du?
Der "flüssige Sauerstoff" sollte ja im Sauerstoffwerk direkt am Gelände erzeugt werden! Der Transport vom Tanklager zum Teststand wäre sicher wie in Zipf mittels Rohrleitungen erfolgt! Bereits angelieferte Maschinenteile für die riesigen Kompressoren und Trennanlagen wurden zum Einbau nach Redl-Zipf (Schlier) weitergeleitet.

Das ebenfalls für den Treibstoffmix benötigte Ethanol (Spiritus) kam für die "Brenntests" in Zipf mit Kesselwagen aus Ostpreußen. Gleiche, aber nicht mehr benötigte Lieferquelle für Vorwerk Süd ist anzunehmen! (Angaben stammen von A. Grabner (ARGE-Schlier), mit dem ich 2023 intensiveren Kontakt hatte.

Noch eine Ergänzung: Eine Anlieferung per Bahn nach WN und dort Umladung auf LKW's halte ich für falsch! Als Bezugsbahnhof für An- und Ablieferung war Neudörfl vorgesehen...
 

josef

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#37
Allerdings steht im Bericht auch: "Die Prüfstände waren seit 1943 nicht mehr in Betrieb, da die Schweizer (10 Meilen entfernt) sich über Lärm und Beleuchtung der Umgebung beschwert hatten."
Kann ich mir gut vorstellen, dass die Eidgenossen am anderen Bodenseeufer über den Lärm der Tests nicht erfreut waren! Lt. A. Grabner war das "Pfauchen" der Brenntests in Zipf im Umkreis von mehr als 20 km (je nach Windrichtung) zu hören! Wenn die Anlage realisiert worden wäre, hätten in WN das Geschirr und die Gläser in den Schränken ordentlich gescheppert :D. In den Nachtstunden durften wegen des Feuerscheins aus den Schurren keine Tests durchgeführt werden (Verdunklungsvorschriften...).
 

struwwelpeter

Well-Known Member
#38
Noch eine Ergänzung: Eine Anlieferung per Bahn nach WN und dort Umladung auf LKW's halte ich für falsch! Als Bezugsbahnhof für An- und Ablieferung war Neudörfl vorgesehen...
OK, dann werde ich es so ergänzen.
Anlieferung des Ethanols (Spiritus) mit Kesselwagen per Eisenbahn von Ostpreußen nach Neudörfl zur B. Rawefabrik.
Weiters würde ich sagen, dann in kleinen Testmengen per Feldbahn zum Prüfstand (in dort situierten Tanks - siehe #35)
Allerdings stellt sich mir die Frage, wozu braucht man die Sprit-Mischanlage - und was wird dort gemischt? #23
Kommt diese Mischung in die Tanks beim Prüfstand?
Falls das so ist, müsste man den Spiritus ja auch zur Spritmischanlage bringen.
 
#39
Objekt 5:
Nach Durchsicht von Henrys Bauchronik wird dort das gleiche markante Baumuster als "Sprit-Mischanlage" bezeichnet.
Hier Fotos von heute im Zillingdorfer Wald:
Anhang anzeigen 135969 Anhang anzeigen 135970 Anhang anzeigen 135971 Anhang anzeigen 135972 Anhang anzeigen 135973 Anhang anzeigen 135974

Anhang anzeigen 135975
Frage:
Was wurde dort gemischt - die anderen Tanks müssten sich dann in der Nähe befunden haben.
Methyl, Ethyl und Wasser ;)
 

josef

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#40
Ein Resümee zu unseren bisherigen Recherchen:

Fundamentreste im Zillingdorfer Wald werden aufgrund gleicher oder ähnlicher Bauformen lt. Fotos und Beschreibungen der Anlage Raderach bestimmten Zwecken/Nutzungen (Sauerstoffwerk, Tanklager...) zugeordnet.

Ein in Erinnerung gebliebenes und beim Schnellstraßenbau vor Jahren verschwundenes großes Objekt nahe Neudörfl ähnelte den ebenfalls fotografisch festgehaltenen massiven Betonunterbau des Raketenantriebsteststandes Raderach.

Dazu mehr oder wenig fundierte Hinweise in diverser Literatur:
- Einrichtung einer A4/V2 Fertigmontage im Rax-Werk WN (Serbenhalle) mit Einsatz von KZ-Häftlingen.
- Erprobung der Antriebssysteme und Erzeugung des dafür notwendigen flüssigen Sauerstoffs in einem "Vorwerk Süd bzw. Rax" im Zillingdorfer Wald/Raum Neudörfl - ohne Details.
- Bau von 3 "Heimatlagern" zur Aufnahme/Zwischenlagerung der im Rax-Werk fertigmontierten Raketen.
- Hinweis auf eine Anschlussbahn beim Bf. Neudörfl in einschlägiger Eisenbahnliteratur.
- Einstellung der Arbeiten nach einigen Monaten noch in der Aufbauphase und Verlagerung der Fertigung ins "Mittelwerk" bei Nordhausenin Thüringen und des Sauerstoffwerkes samt Antriebsprüfungen zu "Schlier" in Redl-Zipf OÖ. ...
- ...und noch mehr oder weniger brauchbare Artikel/Hinweise in lokalen Heimatbüchern...

Bin nach wie vor der Meinung, dass die bisherigen Beschreibungen mit Sätzen unter Verwendung von könnte, dürfte, sollte, müsste, wäre usw. noch keine hinreichende Aufarbeitung des Themas ist! Um eine seriöse historische Darstellung der Abläufe inklusive der Bauwerke zu erstellen, wird man um eine gezielte Suche nach Dokumenten, Beschreibungen und Plänen in einschlägigen Archiven nicht umhinkommen!
 
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