Krems-Gneixendorf STALAG XVII B

Woodquarter

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#61
Erklärung zu Rodungsarbeiten im Lazarett ?

War gestern vor Ort und habe mir die Sache näher angeschaut. Aktuell ist ein Großteil des gerodeten Areals eingezäunt. Innerhalb der Umzäunung kann man frische Bepflanzungen erkennen. Ich denke, der Besitzer hat hier ein gefördertes EU-Projekt umgesetzt und diese brachliegende Fläche dazu genutzt. Ein Bekannter von mir ist Landwirt und der hat seine schlechten, landwirtschaftlichen Nutzflächen mit Haselnusssträucher ausgesetzt, da dies eine EU-Förderung einbringt. Denke mal, das wird die Lösung sein!? Anbei ein paar aktuelle Fotos. Der Hochbehälter nebenan wurde wieder ordentlich besprayt und es hat im Innenraum gebrannt; aber Hauptsache es wurde noch nichts abgetragen.
LG Woodquarter
 

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#63
Fotos und Skizzen STALAG XVII B

Leider sind mir die "Quellen" unbekannt!
Hallo, ich bin im Besitz eines umfangreichen Fotoalbums, das den Alltag des Lagers Krems-Gneixendorf STALAG widerspiegelt. Es handelt sich um eine Dokumentation eines Soldaten, der in diesem Lager dienstgeschoben hat. Er hat sehr viele Momente des Lagers im Bild festgehalten. Auch das Bild mit der MG im Hochstand ist mit dabei.
Kann mir evtl. jemand helfen und sagen, an wen ich mich wenden kann, um diese Dokumentation vorzustellen. Vielleicht gibt es eine Institution, die diese Fotodokumentation aufarbeiten möchte.
Mit freundlichen Grüßen aus Berlin
Volker
 

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josef

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#64
Hallo, ich bin im Besitz eines umfangreichen Fotoalbums, das den Alltag des Lagers Krems-Gneixendorf STALAG widerspiegelt.
Hallo Volker,
bist Du ganz sicher, dass es sich bei den Fotos um STALAG XVII B - Krems-Gneixendorf handelt?
Jedenfalls ist auf Bild 3 ein Hinweisschild auf das STALAG XIII C (Hammelburg) und das Gebäude im Hintergrund ist ebenfalls mit jenen von XIIIC ident und stammt nicht von XVIIB.
Die Baracken sagen auch nichts aus, diese Ausführung gab es in vielen Lagern, es ist viel zu wenig Umgebung zu sehen, um eine exakte Zuordnung treffen zu können...
Auch das Bild mit der MG im Hochstand ist mit dabei.
Die Fotos der Wachtürme + MG sind ebenso auf verschiedene Standorte "austauschbar" wie die Barackenfotos. Genau so verhält es sich mit dem Lagereingang...

lg
josef
 

josef

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#67
Kann mir evtl. jemand helfen und sagen, an wen ich mich wenden kann, um diese Dokumentation vorzustellen. Vielleicht gibt es eine Institution, die diese Fotodokumentation aufarbeiten möchte.
Dafür würde ich folgende 2 kompetente Personen und ein Amt vorschlagen:

Streibel Robert

Stelzl-Marx Barbara

Kulturamt der Stadt Krems

Mehr Infos inkl. Mail-Adressen usw. findest du unter den Links. Du kannst wählen, wie geschrieben ein Vorschlag, vielleicht kommt noch etwas nach...

lg
josef
 
#69
Sensationell wenn hier wirklich noch etliche Fotos zum Lager auftauchen! Das gehört auf jeden Fall professionell aufgearbeitet! Josef hat ohnehin schon drei sehr kompetente Adressen angeführt! Hoffentlich dürfen wir uns da bald über neue, interessante Fotos vom Lageralltag freuen! Volker stell bitte, wenn möglich noch Fotos ein, die das Lager, Gebäude, etc. zeigen. In Amerika gibt es auch Foren, die sich auf die Spuren der "POW's" machen, also der amerikanischen Kriegsgefangenen. Die wären sicher auch für jede neue Info dankbar.
LG Woodquarter
 
#70
Was mich etwas verwundert, ist das Foto vom MG-Stand! Es wurde ja schon im Internet veröffentlicht, also muss das Fotoalbum schon einmal in den Händen von Jemandem gewesen sein, der sich mit der Geschichte des Lagers beschäftigt hat und eben das besagte Foto ins Netz gestellt hat, oder?
 
#71
Hallo,
Fotos kann ich erst wieder übernächste Woche einstellen.
Ich glaube auch, dass sich mit dem Fotoalbum noch niemand beschäftigt hat. Bzgl. des Fotos vom MG-Stand sehe ich nach, ob es sich um das identische handelt - es existieren verschiedene mit dem Motiv.
 
#72
Nochmals zum (mir suspekten) Foto vom MG-Stand.

Das Foto im Netz ist 100%ig das Foto aus dem Album von User Naddel.
Es wurde bereits auf "www.erinnern.at" veröffentlicht, unter "Niederösterreich" - "Unterrichtsmaterial" - "STALAG XVII B" Krems-Gneixendorf!

Der Artikel dazu wurde von Barbara Stelzl-Marx geschrieben, das Foto leider ohne Quellenangabe unter "Blick von einem der Wachtürme" veröffentlicht. Die übrigens sehr interessante Seite wird vom "Verein Nationalsozialismus und Holocaust", von Herrn Dr. Werner Dreier aus Bregenz betrieben.

Frage an Volker: Hast du das Album eventuell erst kürzlich erworben?

LG Woodquarter
 
#75
Da Frau Dr. Stelzl-Marx ihre Arbeit zum Lager bereits 2000 verfasst hat, könnte der Vorbesitzer des Albums ihr das Foto zur Verfügung gestellt haben; aber egal, ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Album. Falls du es verkaufen würdest, melde dich;) LG Woodquarter
 
#76
Rodungsarbeiten im Oktober 2018 ???

An der Kreuzung der Kremser Bundesstraße mit der Gneixendorfer Hauptstraße finden seit ein paar Wochen Rodungsarbeiten statt. Vermutlich wurden die großen Bäume entfernt, da diese eine Gefahr für den Verkehr darstellen, oder bereits die Sicht einengen? Oder hier wird etwas am Straßenverlauf geändert? Die Baustelle befindet sich auf der von Straßen umgebenen "Insel", die durch die Abfahrt von Krems nach Horn bzw. Zwettl entstanden ist.

Interessanterweise habe ich heute gesehen, dass Fundamentreste freigelegt wurden und diese anscheinend behutsam weiter ausgegraben werden. Ist hier das Bundesdenkmalamt am Werk?

Habe bei der Gelegenheit ein paar Fotos von der unmittelbaren Umgebung der Baustelle gemacht.
Das Foto der Baustelle selbst ist leider von schlechter Qualität, da durch die Windschutzscheibe aufgenommen und vergrößert.

Hat jemand nähere Informationen, was hier genau gemacht wird?

Danke, LG

Woodquarter
 

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josef

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#77
Danke für den Bericht!
An der Kreuzung der Kremser Bundesstraße mit der Gneixendorfer Hauptstraße finden seit ein paar Wochen Rodungsarbeiten statt... wird etwas am Straßenverlauf geändert? Die Baustelle befindet sich auf der von Straßen umgebenen "Insel", die durch die Abfahrt von Krems nach Horn bzw. Zwettl entstanden ist...
Für den Ausbau der B37 mit einer 3. Spur Richtung Zwettl muss die Auffahrt aus Richtung Langenlois vom Flugplatz her kommend umgebaut werden -> Einmündung ohne Stopptafel in neuen Fahrstreifen. Das wird praktisch das "Gegenstück" der derzeitigen Baustelle für Spurerweiterung bei Stratzing!
Interessanterweise habe ich heute gesehen, dass Fundamentreste freigelegt wurden und diese anscheinend behutsam weiter ausgegraben werden. Ist hier das Bundesdenkmalamt am Werk?
Dürften Barackenfundamente sein -> Lt. Lubi ging der Lagerbereich dort weiter nach Westen! Das Lagergelände wurde dort beim Bau der Kreuzung der Straßen nach Zwettl bzw. ins Kamptal (Horn) angeschnitten!

1. GE-Bild:
Linie ROT: Ca. ehemalige Lagergrenze
Linie GELB: Verlauf der alten Lagerstraße (Betonstraße) bis vor zur "alten" und auch derzeitigen Straße Gneixendorf -Langenlois. (Die B37 Richtung Zwettl gab es damals noch nicht).
Linie WEISS: Zulegung 3. Spur
2. Lubi des Lagers, Situation Lagergrenze und Betonstraße gleich wie Bild 1.

3. Reste der Betonstraße, erfordert heute auch schon fast eine "archäologische Grabung" :)
 

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#78
Danke für die Info, Josef!
Also verschwindet leider wieder ein Teil der Fundamente:confused:
Da die neue, in Fertigstellung befindliche Reihenausanlage schon bis unmittelbar an die Schloßmauer reicht, wird wahrscheinlich irgendwann auch der Rest vom Lager verschwinden. Ich würde ein Freilichtmuseum draus machen;)
LG
Woodquarter
 

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josef

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#79
Bericht in der NÖN - Ausgabe Krems:

Krems-Gneixendorf
Archäologische Funde an der B37

Archäologen sichern vor Ausbau der B 37 Elemente aus Kriegsgefangenenlager
Im kommenden Frühjahr startet der Ausbau der B 37 bei Gneixendorf und Stratzing. Zuvor sind aber noch – für Autofahrer gut sichtbar – die Archäologen am Werk. Denn der Mittelpunkt der Ausgrabungen ist jene vormals „grüne Insel“, die die Fahrbahn (aus Krems kommend) in die Abbiegespuren Richtung Horn beziehungsweise Zwettl teilt.

Untersucht wird von dem Team der ASINOE – es ist eines der letzten Projekte vor Beendigung ihrer Tätigkeit – ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager aus dem Zweiten Weltkrieg, das man schon vor Beginn der Arbeiten unter der Erde wusste.

„Die Baumaßnahmen werden Teilbereiche des Kriegsgefangenenlagers zerstören, daher werden wir die Strukturen davor ausgraben und dokumentieren“, sagt Grabungsleiterin Judith Benedix.

In dem Kriegsgefangenenlager waren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs teilweise bis zu 66.000 Personen untergebracht. Zutage gekommen sind bei den Grabungen bis jetzt Streifenfundamente einer Baracke und auch weitere Bauelemente eines Lagers. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
02. November 2018, von Franz Aschauer


Foto ASINOE
Die gerodete „Insel“ an der B 37. Was für den Laien einfach nach Erde aussieht, lässt das Archäologen-Team von ASINOE eine Schotterung nördlich einer Baracke erkennen.

Archäologische Funde an der B37
 

josef

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#80
Grabung im ehemaligen Kriegsgefangenenlager
Die Baracken des Stalag XVIIb bei Krems-Gneixendorf müssen dem Ausbau einer Straße weichen. Dabei kommen Funde ehemaliger Gefangener zutage
Als Archäologin, die in der Rettungsarchäologie arbeitet, ist es Alltag, auf Grabungen unterschiedlichster Zeitstellungen – von Jungsteinzeit bis Neuzeit – tätig zu sein. Noch nicht ganz alltäglich sind allerdings Einsätze, die die Zeit des Zweiten Weltkriegs betreffen. In der Zwischenzeit werden die materiellen Bestandteile von Orten dieser Epoche als historisch relevante Quelle seitens der Bodendenkmalpflege eingestuft, weshalb das ehemalige Kriegsgefangenenlager in Gneixendorf (Stadt Krems) für insgesamt vier Monate, Ende des Jahres 2018 und im Juli 2019, mein Arbeitsort war.

Eine Straße durch das ehemalige Kriegsgefangenenlager
Heute ist wahrscheinlich vielen Pendlern, die aus Richtung Zwettl oder Langenlois nach Krems die Schnellstraße B37 nehmen, nicht bewusst, dass sie täglich durch das ehemalige Kriegsgefangenenlager hindurchfahren. In dem kleinen Wäldchen links und rechts der Straße sind bis heute Reste der Baracken des Truppenlagers im Unterholz zu erkennen. Die vielbefahrene Schnellstraße wurde in den 1980er-Jahren durch das Gelände des ehemaligen Lagers hindurch gebaut; der nun geplante Ausbau der Straße ist Anlass der durchgeführten Grabungen, da Teile der Baracken für die Erweiterung der Straße abgerissen werden mussten.

Das Stalag XVIIb
Das Mannschaftsstammlager (Stalag) XVIIb Krems-Gneixendorf wurde im Oktober 1939 eingerichtet. Laut Lagerlisten waren Franzosen, Belgier, Polen, Jugoslawen, Russen und ab 1943 auch US-Amerikaner hier interniert. Wie viele Kriegsgefangene gleichzeitig untergebracht waren, ist nicht mehr vollständig nachvollziehbar. Für den Sommer 1941 sind maximale Belegungsstärken von über 60.000 Mann angegeben. Viele dieser Kriegsgefangenen wurden allerdings zur Arbeit herangezogen und dezentral an ihrem jeweiligen Einsatzort untergebracht. Administrativ liefen sie über das Stalag XVIIb, weshalb so hohe Zahlen zu finden sind. Sicher ist jedoch, dass das Stalag XVIIb das größte Kriegsgefangenenlager der "Ostmark" war.
Das Kriegsgefangenenlager war in den Häftlingsbereich, einen Verwaltungsbereich, das Militär- beziehungsweise Truppenlager der Wehrmacht und ein Lazarett untergliedert. Das Häftlingslager liegt heute im Bereich des Flugplatzes Gneixendorf. Bei den Grabungen, die entlang der Schnellstraße B37 lagen, wurden Ausschnitte des Truppenlagers erfasst.


Das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag XVIIb. Links: Hinterlegte Luftbilder vom 20. 4. 1945 mit den Bereichen der Grabungen 2018 und 2019 und den unterschiedlichen Lagerbereichen. Rechts: Detailansicht der Grabungen mit dem aktuellen Straßenverlauf im Hintergrund und den bei der Grabung dokumentierten Strukturen. Es wird farblich zwischen Baracken, Kanalisationssystem und Straßen unterschieden.
Foto: Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH / HES/ basemap.at/ ASINOE GmbH

Die Grabungen
Bei den Grabungen wurden Teile von insgesamt fünf Baracken sowie Straßen, Platzbefestigungen und Abschnitte des Kanalisationssystems freigelegt und dokumentiert. Dazu wurden alle Strukturen fotografiert, eingemessen und beschrieben. Von ausgewählten Objekten wurden auch 3D-Modelle erstellt. Die Baracken waren ursprünglich circa 65 Meter lang und recht uniform gebaut; im Detail wurde aber immer wieder eine individuelle Umsetzung des Bauschemas festgestellt.


Screenshot des 3D-Modells von Baracke 1 der Grabung 2018. Es handelt sich um die am vollständigsten freigelegte Baracke. Nachdem die Streifenfundamente, der Stiegenaufgang im Süden und die Reste des ehemaligen Sanitärbereichs im Südosteck der Baracke freigelegt waren, wurde von dem Komplex ein 3D-Modell erstellt.
Foto: CrazyEye OG

Das Kanalisationssystem umfasste sowohl die Abwasserabführung aus den Baracken als auch die Oberflächenentwässerung der Straßen und des Platzes. Es wurde nach den bei der Grabung festgestellten Befunden offensichtlich während der Nutzungszeit mehrfach umgebaut.

Überraschend war ein zickzackförmiger Graben, bei dem es sich wahrscheinlich um einen Splitterschutzgraben handelt. Diese Gräben dienten als Ersatz für Bunker oder Ähnliches, damit man sich bei einem Luftangriff in Sicherheit bringen konnte. Diese Gräben sind für den Häftlingsbereich belegt und auch gut im Luftbild erkennbar, im Bereich des Truppenlagers war dies eher überraschend. In diesem Graben wurden Reste von Sandalen gefunden, die – aufgrund der Größe – wahrscheinlich als Damensandalen bezeichnet werden können.


Splitterschutzgraben, nachdem die Verfüllung entfernt wurde (links), und eine rechte Damensandale nach der groben Reinigung des Fundes (rechts).
Foto: ASINOE GmbH

Polnische Glasfläschchen, französische Knöpfe, britische Medikamente
Aber nicht nur Schuhe gehören zu der großen Menge an Fundmaterial. Der Großteil kann als ehemaliger Bestandteil der Baracken angesehen werden wie Fenster- und Türschnallen, Ofenkacheln und Alarmglocken. Aber auch Objekte der vormaligen Inneneinrichtung waren vorhanden. Abgesehen davon waren kaum Gegenstände im Fundmaterial, die das Leben der ehemaligen Wachsoldaten widerspiegeln – zu denken wäre hier zum Beispiel an Bestandteile der Uniform oder eindeutig der Wehrmacht zuzuordnendes Geschirr und Besteck. Zahlreich waren hingegen Funde, die aufgrund ihrer Herkunft den Kriegsgefangenen zugeordnet werden können.


Funde aus dem ehemaligen Stalag XVIIb. Lysolfläschchen (links), Fragment eines Fläschchens der Firma "Lassek i Syn Kraków" (Mitte) und Aluminiumknopf einer französischen Uniform (rechts).
Foto: ASINOE GmbH

Interessant ist ein Ensemble von Gegenständen, die im Humus gefunden wurden. Es handelt sich um zehn Glasfläschchen, zwei Glasdöschen, ein kleines Reagenzglas und einen Erlenmeyerkolben. Zwei braune Fläschchen weisen den Schriftzug "Lysol / Rec° Trade Mark" auf. Auf dem Boden von zwei weiteren Fläschchen ist "Wellcome Chem.Works" zu lesen. Der Hersteller Lysol Limited ist klar in England verortet, die Wellcome Chem.Works waren international tätig und hatten sowohl in den USA als auch in England Standorte. Insgesamt sind die vorgefundenen Objekte wahrscheinlich als Ausstattung einer "Apotheke" zu sehen: Bei Lysol handelte es sich um ein Desinfektionsmittel, die Firma Wellcome war ebenfalls im pharmazeutischen Bereich tätig. Hinzu kommen der Erlenmeyerkolben und das kleine Reagenzglas. Hier stellt sich die Frage, wie und wann dieser Komplex zusammengekommen ist: während der Nutzungszeit des Lagers über Rot-Kreuz-Pakete oder kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges?

Ebenfalls aufgrund der Provenienz interessant ist ein hellblaues Fläschchen. Als erhabene Schrift ist "Lassek i Syn Kraków" (Lassek und Sohn) zu lesen. Es handelte sich um eine kleinere Firma aus Krakau, die Lebens- und Genussmittel, aber auch Parfüm und Ähnliches herstellte. Eine spannende Frage ist, ob das Fläschchen über die polnischen Kriegsgefangen oder über Mitglieder der Wachmannschaften nach Gneixendorf gekommen ist.

Eindeutig zu einer französischen Uniform gehört ein Aluminiumknopf. Auf der Vorderseite ist "Equipments Militaires" und auf der Rückseite "A M & CIE" sowie "Paris" zu lesen. Spannend ist, dass all diese Gegenständen im Lagerbereich der Wehrmacht gefunden wurden.

Und am Ende kommt der Bagger
Nachdem die Bestandteile des ehemaligen Stalag XVIIb im geplanten Baubereich freigelegt und dokumentiert waren, wurden die Reste der Barackenfundamente, der Kanalisation und der Straßen abgerissen.


Die Barackenfundamente werden am Ende der Grabung abgerissen, um das Baufeld frei zu machen.
Foto: ASINOE GmbH

Übrig bleibt unsere Dokumentation des Lagerbereichs. Das, was nun nicht mehr physisch vorhanden ist, wird so für zukünftige Forschungsfragen virtuell bewahrt. Ebenso wie die geborgenen Funde, die einen Einblick in die Alltagswelt der Menschen im Lager geben.
(Judith Benedix, 8.8.2019)

Judith Benedix ist Archäologin bei der Firma ASINOE GmbH, dort ist sie für die Leitung von Grabungsprojekten verantwortlich. Bereits während des Studiums hat sie bei verschiedenen Projekten zeitgeschichtlicher Archäologie mitgearbeitet.

Literaturhinweise
  • Barbara Stelzl-Marx, Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft.Amerikanische und sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XVII B Krems-Gneixendorf, Buchreihe zu den Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik 16, Tübingen 2000.
  • Robert Streibel, Stalag 17B – mehr als nur ein Hollywoodschinken. Anmerkungen zur Situation der Kriegsgefangenen im Lager Stalag 17B in Gneixendorf/Krems, Das Waldviertel 38/3, 1989, 197-
 
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