Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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#61
Die Gräuel des Krieges...
Bildbericht bei "Die Presse" zum russischen Kampfpanzer T-72:


In der Ukraine sind Panzer seiner Art im echten Einsatz. Hier Einheiten der prorussischen Donbass-"Republiken" nahe Mariupol. Polen und Tschechien haben dem ukrainischen Heer mindestens 250 T-72 geschenkt.
REUTERS


Da geht es dann nicht mehr ums Anschauen und das Museale, sondern um Leben und Tod. Auch für diesen ukrainischen Panzerfahrer.
REUTERS


Die Gefechte sind real, die Kanonen schießen scharf. Es wird gestorben. Es ist Krieg.
REUTERS


Und so kann das Ende aussehen: Reste eines T-72 bei Kiew, der Turm wurde durch die Explosion von Munition im Inneren abgesprengt. Es sind leider häufige Bilder in diesen Tagen.
APA/AFP/SERGEI SUPINSKY
(Der russische T-72-Kampfpanzer im Bundesheer)

Querverweise zu:
Russischer T-72 Kampfpanzer beim ÖBH in Zwölfaxing

und zu
Nischni Tagil : "Das größte Panzerwerk der Welt"
 

josef

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#62
NACH LUHANSK
Front im Süden gewinnt an Bedeutung
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Mit der Einnahme von Lyssytschansk und damit praktisch der gesamten Region Luhansk haben die russischen Truppen in der Ukraine einen Zwischenerfolg erzielt – allerdings sehr lange dafür gebraucht und auch einen hohen Preis bezahlt. Dass nun die verbleibenden ukrainischen Städte im Oblast Donezk ins Visier genommen werden, gilt als logisch. Doch die Ukraine könnte mit ihrer Gegenoffensive im Süden die russischen Pläne durchkreuzen.
Online seit gestern, 22.54 Uhr
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Nun wird erwartet, dass die russischen Truppen ihren Feldzug Richtung Westen in der Oblast Donezk fortsetzen – mit den Zielen Kramatorsk, Bachmut und Slowjansk. Der Raum Slowjansk/Kramatorsk ist der größte Ballungsraum im Donbas, der noch unter Kontrolle Kiews steht. Slowjansk ist auch das Zentrum der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbas.

Doch ist nun unklar, wie schnell es weitergehen soll. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, russische Soldaten, die an der Eroberung von Luhansk beteiligt waren, sollten sich nun erst einmal „ausruhen“, um Kräfte für weitere Kämpfe zu sammeln. Das gilt als Indiz dafür, dass sich die russischen Truppen neu organisieren müssen – und dass die wochenlange Schlacht um die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk auch bei den russischen Truppen viele Opfer gefordert hat.

Verschnaufpause für beide Seiten
Allerdings tobten auch in den vergangenen Tagen schwere Kämpfe an den Frontabschnitten in Donezk. Zudem verstärkten die russischen Truppen zuletzt den Artilleriebeschuss auf Slowjansk. Unklar ist aber, wann auf das Dauerfeuer tatsächlich auch Gebietsgewinne folgen. Denn bisher konnten die ukrainischen Truppen die russischen Vorstöße abwehren.

APA/AFP/Miguel Medina

Slowjansk meldete in den vergangenen Tagen schweren Artilleriebeschuss
Der Sieg in Lyssytschansk sei für die russische Seite vor allem wichtig gewesen, um das Narrativ zu erheben, die Dynamik im Krieg sei jetzt auf der Seite Russlands, schreibt der britische Militärhistoriker Lawrence Freedman. Je länger man jetzt aber zuwarte, desto eher schwinde diese Dynamik aber wieder.

Zudem gibt es der Ukraine Zeit, sich nach den schweren Kämpfen und hohen Verlusten ebenfalls neu aufzustellen – möglicherweise auch mit neu eingetroffenen Waffensystemen. Schon jetzt häuften sich zuletzt Berichte, wonach Munitionslager in russischen besetzten Gebieten getroffen wurden. Vermutet wird, dass dabei die Mehrfachraketenwerfer HIMARS eingesetzt wurden, von denen die Ukraine zuletzt vier Systeme von den USA erhalten hatte. Russland behauptete, zwei Raketenwerfer zerstört zu haben.

Russischer Ultranationalist mit scharfer Kritik
Militärexperte Freedman verweist, wie auch der US-Thinktank Institute for the Study of War mehrmals in den täglichen Lageanalysen, auf Ausführungen von Igor Girkin, Kampfname Strelkow, dem ehemaligen militärischen Anführer der „Volksrepublik“ Donezk. Der Ex-Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB gilt als Ultranationalist – und kritisiert den Kreml seit Beginn des Kriegs, mit zu gelinden Mitteln und falscher Strategie in der Ukraine vorzugehen.

Er meinte auf Telegram, dass die russischen Streitkräfte einen zu hohen Preis für einen begrenzten Gewinn in Lyssytschansk gezahlt hätten. Nun sei das „Offensivpotenzial“ der dort kämpfenden Einheiten erschöpft. Ohne frische Reserven und Nachschub an Waffen seien keine nennenswerten Gebietsgewinne mehr zu erwarten, prognostizierte er – und plädierte erneut für eine Generalmobilmachung in Russland.

Reuters/Gleb Garanich
Die Kämpfe im Donbas gehen nun im Oblast Donezk weiter

Gegenoffensive bei Cherson nimmt Fahrt auf
Und bereits Ende Mai hatte Girkin vor einer Schwachstelle im Süden gewarnt, die nun tatsächlich den Kriegsverlauf verändern könnte. Er befürchtet eine Gegenoffensive, die sich eben vor allem gegen Stellungen richtet, die von Reservisten gehalten werden, allen voran die Stadt Cherson. Diese Gegenoffensive der Ukraine hatte in den vergangenen Tagen tatsächlich mehr Fahrt aufgenommen. NASA-Bilder, die Brände abbilden, zeigen einen deutlichen Anstieg der Gefechte an dieser Front.

Auch andere Militärexperten verweisen darauf, dass die Ukraine hier die Gunst der Stunde nutzen könnte. Die ukrainischen Truppen seien zuletzt schon sehr nah an die von Russland besetzte Stadt Cherson herangekommen.

Russland muss Truppen ausbalancieren
Der australische Ex-General und Militärexperte Mick Ryan schreibt für den „Sidney Morning Herald“ und auf Twitter, dass Russland sich quasi in einem Dilemma befinde: Es müsse sich entscheiden, wie man die Truppen im Süden und im Osten ausbalanciere. Entweder man konzentriert sich auf den weiteren Vormarsch in den verbliebenen Donbas-Gebieten – oder man verstärkt die Verteidigung im Süden. Dass die russische Armee mit mehreren Fronten eher Probleme hat, konnte man in den ersten Wochen des Krieges beobachten.

Auch der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch sprach das in einer Videobotschaft zuletzt ganz offen aus: Die Einnahme der beiden letzten Städte in der Region Luhansk bedeute, dass 60 Prozent der russischen Streitkräfte im Osten gebunden seien und es für Russland schwierig sei, sie in den Süden zu verlegen, so Arestowytsch.

Sabotageakte in besetzten Gebieten
Ob eine Gegenoffensive im Süden des Landes möglich sei, hänge auch von den zugesagten westlichen Waffenlieferungen ab, mit denen die Schlagkraft der ukrainischen Streitkräfte erheblich erhöht werden soll. Für die Ukraine geht es bei der Front im Süden auch – wenn auch erst in weiterer Folge – wieder um den Zugang zum Meer.

Ryan wie auch das Institute for the Study of War führen zudem ins Treffen, dass in den von Russland besetzten Gebieten im Süden zuletzt immer wieder Sobotageaktionen bekanntwurden. So wie eine Eisenbahnbrücke zwischen Melitopol and Tokmak, um den russischen Nachschub zu stören. Ein Zug mit Munition sei vor wenigen Tagen nahe Melitopol zum Entgleisen gebracht worden.

Gegenangriff mit welchen Mitteln?
Völlig offen ist allerdings, mit welcher Strategie die Ukraine vorgeht, wenn sie in der Offensive Gebiete zurückerobern will. Russland zu imitieren und zunächst mit Artillerie alles in Schutt und Asche zu schießen, werde es wohl nicht sein, meint Militärexperte Freedman. Cherson sei bereits in Artillerieschussweite der ukrainischen Truppen, aber logischerweise will man Stadt und Bevölkerung verschonen. Die Angriffe müssten also sehr gezielt gegen die russischen Besatzer gerichtet sein – und das sei wohl keine ganz leichte Aufgabe für die ukrainische Armee, die bisher fast nur in der Rolle der Verteidiger war.
07.07.2022. ckör, ORF.at

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Nach Luhansk: Front im Süden gewinnt an Bedeutung
 

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#63
„NÄCHSTE PHASE“
Erste Ukrainer zur Militärausbildung in GB
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Großbritannien hat ein neues Programm zur militärischen Ausbildung tausender Ukrainer für den Krieg gegen Russland gestartet. Eine erste Gruppe von insgesamt bis zu 10.000 unerfahrenen Freiwilligen aus der Ukraine sei in Großbritannien eingetroffen und habe bereits erste Übungen absolviert, teilte das britische Verteidigungsministerium am Samstag mit.
Online seit gestern, 23.32 Uhr
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Das mehrwöchige Militärtraining basiert auf der britischen Grundausbildung für Soldaten und umfasst den Umgang mit Waffen, erste Hilfe auf dem Schlachtfeld, militärische Taktik und Kriegsrecht. Knapp über tausend britische Soldaten werden laut „Guardian“ zur Durchführung des Programms eingesetzt, das an vier nicht genannten Standorten des Verteidigungsministeriums im Nordwesten, Südwesten und Südosten des Vereinigten Königreichs stattfinden wird.

„Das ehrgeizige neue Ausbildungsprogramm markiert die nächste Phase britischer Unterstützung für die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Kampf gegen die russische Aggression“, erklärte Verteidigungsminister Ben Wallace. Im Zuge der „Operation Orbital“ hatte Großbritannien bereits nach der russischen Annexion der Krim zwischen 2015 und 2022 rund 22.000 ukrainische Soldaten ausgebildet.

AP/Louis Wood
Das Schulungsprogramm basiert auf der britischen Grundausbildung für Soldaten

„Führend bei der Bereitstellung von Hilfe“
Die britische Regierung hat britischen Medienberichten zufolge für die nun angelaufene Ausbildung auch AK-Sturmgewehre beschafft, „damit die ukrainischen Soldaten mit den Waffen trainieren können, die sie an der Front einsetzen werden“. Die britische Miltiärhilfe umfasst unter anderem auch die Lieferung von mehr als 5.000 Panzerabwehrwaffen sowie Mehrfahrraketen-Systemen an die Ukraine.

Großbritannien investierte bisland rund 2,3 Milliarden Pfund (2,7 Mrd. Euro) in die Miltitärhilfe für die Ukraine. In der offiziellen Summe sind Waffenkäufe enthalten, nicht aber die logistische Unterstützung, die Großbritannien parallel dazu angeboten hat, wie das britische Verteidigungsministerium erklärt.

Übertroffen wird die Summe der für die Unterstützung von Kiew eingesetzten Gelder nur von den USA. Diese haben seit Kriegsbeginn nach eigenen Angaben Waffen und Ausrüstung im Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar zugesagt oder bereits geliefert. „Großbritannien hat sich unter den Verbündeten und Partnern als führend bei der Bereitstellung von Hilfe für die Ukraine erwiesen“, wie der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Anton Semelroth, zuletzt dazu erwähnte.

Ausbildungsprogramm auch in den USA
Ausbildungsprogramme für ukrainische Miltitärangehörige gibt es indes auch von den USA, etwa für hochrangige ukrainische Offiziere in Fort Leaventworth im US-Bundesstaat Kansas. Der Militärstützpunkt, dessen umliegende Landschaft mit seinen weitläufigen Weizenfeldern mit dem Donbas im umkämpften Osten des Landes vergleichbar sei, sei laut BBC allerdings bereits seit Jahrzehnten Ausbildungsort für internationale und damit auch ukrainische Soldaten.

Die USA wollen die Ukraine indes auch mit neuen Waffenlieferungen im Wert von rund 400 Millionen US-Dollar (393,58 Mio. Euro) unterstützen. Zu dem neuen Paket gehören vier Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars, 1.000 hochpräzise 155-Millimeter-Artilleriegeschoße, Radargeräte zur Artillerieaufklärung und Ersatzteile, wie eine hochrangige Vertreterin des US-Verteidigungsministeriums am Freitag sagte.

Mit den neuen US-Raketenwerfern verfügen die ukrainischen Streitkräfte dann über zwölf HIMARS-Systeme. Angaben des russischen Militärs, zwei Exemplare zerstört zu haben, wies die Pentagon-Vertreterin zurück. Alle an die Ukraine gelieferten HIMARS seien weiterhin im Einsatz. Bisher haben die USA der Ukraine seit Kriegsbeginn damit nach eigenen Angaben Waffen und Ausrüstung im Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar zugesagt oder bereits geliefert.
10.07.2022, red, ORF.at/Agenturen

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„Nächste Phase“: Erste Ukrainer zur Militärausbildung in GB
 

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#66
Verstärkte Kämpfe in Ostukraine erwartet
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Im Osten der Ukraine zeichnet sich eine Verstärkung der russischen Angriffe ab. Sie wurden nicht nur von Russland angekündigt, Beobachter und die Ukraine selbst sehen bereits erste Anzeichen dafür. Am Samstag bestätigte Moskau einen Raketenangriff auf die ukrainische Millionenstadt Dnipro, es gab zahlreiche Tote auch bei weiteren Angriffen. Aus London hieß es unterdessen, Moskau übertreibe bei den eigenen Erfolgen.
Online seit gestern, 19.36 Uhr
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Am Samstag ordnete Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einer Truppeninspektion eine Verstärkung der Angriffe in der Ukraine an. Damit solle verhindert werden, dass die Regierung in Kiew mögliche massive Raketen- und Artillerieeinsätze auf zivile Ziele im Donbas und in anderen Regionen starten könne, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Allerdings nimmt Russland selbst zivile Infrastruktur und die ukrainische Bevölkerung ins Visier, Tausende Menschen sind im Zuge des russischen Angriffskrieges getötet worden.

Hinweise für eine Verstärkung der Kämpfe sahen auch die Militärexperten des in den USA angesiedelten Institute for the Study of the War (ISW). Es gebe Anzeichen, dass die russischen Truppen die Verschnaufpause beendeten, die sie nach der Einnahme des Ballungsraums Sjewjerodonezk/Lyssytschansk eingelegt haben, hieß es in der Analyse des ISW am Samstag. Für den Fall erwarte man verstärkte Angriffe binnen der kommenden 72 Stunden. Derzeit handle es sich noch um kleinere Gefechte.

Der Generalstab in Kiew teilte unterdessen mit, die Ukraine habe in den vergangenen 24 Stunden russische Sturmversuche in Richtung Bachmut und vor Donezk abgewehrt. Bereits zuvor hat der Generalstab mitgeteilt, dass die russischen Streitkräfte nach einer Umgruppierung ihrer Kräfte die Angriffe im Osten des Landes wieder verstärkt hätten. Ziele waren am Samstag unter anderem Tschuhujiw im Nordosten und Nikopol im Südosten des Landes.

Zahlreiche Tote bei russischen Angriffen
Bei dem Luftangriff auf Tschuhujiw in der Region Charkiw seien drei Menschen getötet worden, teilte der Gouverneur der Region auf Telegram mit, drei weitere wurden verletzt. Mindestens drei Tote gab es auch in Dnipro, dazu über ein Dutzend Verletzte. In Nikopol wurden nach Angaben des dortigen Rettungsdienstes und des Regionalgouverneurs zwei Menschen getötet.

Freitagabend war in der ganzen Ukraine Luftalarm ausgelöst worden. In sozialen Netzwerken kursierten Videos und Fotos, die fliegende Raketen und Rauchwolken etwa in Dnipro zeigen sollen. Der Gouverneur des zentralukrainischen Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin, bestätigte Explosionen in Krementschuk. Eine weitere Rakete wurde laut dem Odessaer Militärgouverneur Maxym Martschenko über dem südukrainischen Gebiet abgeschossen.
Reuters/Ukrainischer Katastrophenschutz
Über Odessa war deutlich eine Rauchwolke zu sehen

Nach anfänglichen Misserfolgen im Norden des Landes konnten die russischen Truppen zuletzt durch gewaltigen Artillerieeinsatz im Donbas Geländegewinne erzielen und die für Moskau symbolisch wichtige Eroberung des Gebiets Luhansk vermelden. Durch den Einsatz der HIMARS-Raketenwerfer auf ukrainischer Seite musste das russische Militär in den vergangenen zwei Wochen allerdings empfindliche Rückschläge einstecken, weil hochrangige Kommandopunkte sowie Munitions- und Waffendepots im besetzten Hinterland zerstört wurden.

London: Moskau übertreibt eigene Erfolge
Angaben über russische Erfolge sind nach Ansicht britischer Geheimdienstexperten mit Vorsicht zu genießen. Russland habe zum wiederholten Mal falsche Angaben zu angeblichen Erfolgen bei seiner Invasion in die Ukraine gemacht, hieß es am Samstag in dem täglichen Geheimdienst-Update zum Ukraine-Krieg des Verteidigungsministeriums in London. Umfang und Ausmaß russischer Vorstöße seien weiterhin begrenzt. Die Behauptung der Russen vor einigen Tagen, sie seien etwa in die Stadt Siwersk vorgestoßen, sei nicht wahr.

Grund für voreilige und falsche Behauptungen über Erfolge sei wohl zumindest teilweise der Wunsch, der Bevölkerung zu Hause Erfolge vorzuweisen und die Kampfmoral der eigenen Truppen zu stärken, so das Update weiter. Die Ukrainer hätten hingegen seit dem Rückzug aus der Stadt Lyssytschansk erfolgreich russische Angriffe zurückgeschlagen, sagen die britischen Experten. Die Verteidigungslinie sei seitdem verkürzt und gestärkt worden, was sich als wesentlich erwiesen habe, um der russischen Offensive den Schwung zu nehmen.

Russland bestätigte am Samstag den zuvor von der Ukraine gemeldeten Raketenangriff auf die Industriestadt Dnipro im Osten der Ukraine. Moskau sprach von einem militärischen Ziel des nächtlichen Beschusses. Auf dem Gelände des Rüstungsindustriekonzerns Juschmasch seien Fabrikhallen für die Ersatzteilproduktion und Reparatur ballistischer Raketen vom Typ Totschka-U vernichtet worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Laut der Militärverwaltung von Dnipro soll außer dem Industriegebiet aber auch eine belebte Straße in der Umgebung getroffen worden sein. Die Angaben lassen sich jeweils nicht unabhängig überprüfen.

Drohnen aus dem Iran für Russland?
Die US-Regierung geht unterdessen weiterhin davon aus, dass Russland iranische Kampfdrohnen erwerben will. Die USA hätten Informationen, wonach eine russische Regierungsdelegation einen iranischen Flughafen für eine Vorführung angriffsfähiger Drohnen besucht habe, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter am Samstag am Rande des Besuches von US-Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien. Russland wolle die Drohnen „offensichtlich für den Einsatz im Krieg in der Ukraine“. Er fügte hinzu, Russland setze im Nahen Osten auf den Iran. Die USA setzten dagegen auf eine stärker integrierte, stabilere, friedlichere und wohlhabendere Region.

Laut der Kiewer Atombehörde nutzt Russland Europas größtes Atomkraftwerk nahe der Stadt Saporischschja unterdessen als Basis für die Lagerung von Waffen, einschließlich „Raketensystemen“, und für den Beschuss umliegender Gebiete in der Ukraine. „Die Besatzer bringen ihre Geräte dorthin, darunter auch Raketensysteme, mit denen sie die andere Seite des Flusses Dnipro und das Gebiet von Nikopol beschießen“, so der Präsident der staatlichen ukrainischen Atombehörde Energoatom, Pedro Kotin, in einem Fernsehinterview. Das Kernkraftwerk im Südosten ist von russischen Truppen besetzt worden, wird aber weiterhin von ukrainischem Personal betrieben.

Reuters/Ukrainischer Katastrophenschutz
In Nikopol wurde ein Wohnhaus bei den russischen Angriffen getroffen

Selenskyj ruft zur Wachsamkeit auf
Die Ukraine erhielt nach eigenen Angaben unterdessen ein neues Raketenwerfersystem aus dem Westen. „Keine Gnade für den Feind“, so Verteidigungsminister Olexij Resnikow auf Twitter. Die M270-Systeme würden den US-amerikanischen HIMARS „auf dem Schlachtfeld gute Gesellschaft“ leisten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Bürger und Bürgerinnen der Ukraine zur Wachsamkeit auf. Zugleich warnte er Moskau, dass der bereits seit fast fünf Monaten andauernde Krieg auch in Russland nicht folgenlos bleiben werde.
Die Ukraine werde sich „Menschlichkeit und Zivilisation“ bewahren, sagte er in der Nacht auf Samstag in seiner Videoansprache. Zerstörte Bildungseinrichtungen würden wieder aufgebaut, versprach er. „Aber die russische Gesellschaft mit so vielen Mördern und Henkern wird für Generationen verkrüppelt bleiben – und zwar aus eigener Schuld.“ Angesichts neuer Angriffe auf mehrere Regionen am Abend appellierte Selenskyj einmal mehr an seine Landsleute, den Luftalarm nicht zu ignorieren.
16.07.2022, red, ORF.at/Agenturen

Angriffskrieg: Verstärkte Kämpfe in Ostukraine erwartet
 

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#67
WAFFENLIEFERUNGEN
Ukraine droht mit Angriff auf Krim
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Die ukrainische Armee ist in den letzten Wochen durch die Offensive der russischen Einheiten im Land vor allem in der östlichen Region Donbas stark unter Druck geraten. Das hindert Kiew allerdings nicht daran, Russland zu drohen: zuletzt mit einem Angriff auf die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim mitsamt der dort stationierten russischen Flotte.
Online seit heute, 19.46 Uhr
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Selbstvertrauen geben der ukrainischen Armee vor allem Lieferungen von schweren Waffen, allen voran Raketenartillerie mit großer Reichweite, aus dem Westen, etwa den USA, aber auch anderen Waffensystemen. „Wir bekommen Schiffsabwehrwaffen und werden früher oder später die Flotte angreifen“, sagte nun der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister Wolodymyr Hawrylow der britischen „Times“ am Dienstag bei einem Besuch in London. „Russland muss die Krim verlassen, wenn es weiter als Staat bestehen will.“

Moskau hatte seinen am 24. Februar begonnenen Krieg gegen die Ukraine auch mit angeblichen Plänen Kiews begründet, sich die 2014 von Russland annektierte Krim zurückholen zu wollen – und sieht sich entsprechend bestätigt. Der Sprecher des Kreml, Dmitri Peskow, erklärte, Hawrylows Äußerungen zeigten deutlich einmal mehr die Notwendigkeit der „militärischen Spezialoperation“. So bezeichnet Moskau den Krieg gegen die Ukraine offiziell.

Kreml sieht sich durch Drohungen bestätigt
„Nur mit solchen Mitteln lässt sich die Ukraine von solchen Vertretern der Führung befreien“, sagte Peskow der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge. Moskau hatte Kiew immer wieder vor einer scharfen Reaktion gewarnt, sollte die Krim angegriffen werden. Dagegen meinte Hawrylow, dass unlängst bereits die Schlangeninsel zurückerobert worden und damit der erste Schritt getan sei – mit Unterstützung durch die Lieferung schwerer Waffen aus dem Westen.

„Jedes Ziel dort für uns legitim"
„Wir sind bereit, sie im gesamten Schwarzen Meer ins Visier zu nehmen, wenn wir diese Möglichkeit haben“, sagte der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister. „Die Krim ist ukrainisches Territorium, daher ist jedes Ziel dort für uns legitim.“ Eine Rückkehr in die Ukraine sei auch auf diplomatischem Wege möglich. Allerdings hatte Russland stets erklärt, dass die Krim-Frage durch die Eingliederung in das Land endgültig geklärt sei. Einschließlich der Krim kontrolliert Russland inzwischen mehr als 20 Prozent des ukrainischen Territoriums, vor allem im Osten und Südosten des Nachbarlandes.

Selbstbewusstsein durch Waffenlieferungen
Die Ukraine hatte bereits mehrfach gedroht, russische Ziele im Schwarzen Meer anzugreifen und diese Drohungen teils auch wahr gemacht. Zuletzt griff die ukrainische Armee laut russischen Angaben etwa Erdgasbohrinseln mit Raketen an. Diese liegen etwa 100 Kilometer vor der Küste der südukrainischen Hafenstadt Odessa und etwa 150 Kilometer von der Krim entfernt im Meer. Sie wurden im Zuge der russischen Invasion der Krim im Jahr 2014 vom russischen Militär besetzt.


picturedesk.com/Action Press/Sipa
USA liefern Raketensysteme mit großer Reichweite und Wirkung

„Befreit“ oder aufgegeben
Die Schlangeninsel im Schwarzen Meer reklamiert die Ukraine als von ihrer Armee „befreit“, Russland hat sie nach eigenen Worten aufgegeben – als „Geste“, wie es vor etwa zwei Wochen hieß. Ukrainische Einheiten hissten damals ihre Nationalflagge. Die Militärverwaltung des Gebiets Odessa veröffentlichte im Nachrichtendienst Telegram mehrere Fotos. Unterzeichnet wurde die Flagge auch von Militärgouverneur Maxym Martschenko. Sie trug außerdem die Aufschrift: „Merke dir, ‚russisches Kriegsschiff‘, die Insel gehört zur Ukraine!!!“


Reuters/Ukrainian Armed Forces
Ukrainische Einheiten hissten ihre Flagge auf der Insel

Die Insel liegt etwa 35 Kilometer vor dem ukrainischen Teil des Donau-Deltas. Kurz nach dem Angriff auf die Ukraine im Februar besetzten russische Einheiten die nur rund 17 Hektar große Insel. Vor rund zwei Wochen zogen sie nach anhaltenden ukrainischen Luft- und Artillerieangriffen wieder ab. Die Ukraine warf der russischen Armee später vor, bei Angriffen auf die Insel Phosphor-, also Brandbomben eingesetzt zu haben.
19.07.2022, red, ORF.at/Agenturen

Waffenlieferungen: Ukraine droht mit Angriff auf Krim
 

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#69
AMNESTY-KRITIK
Ukrainisches Militär gefährdet Zivilisten
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In bereits mehreren Fällen hat Amnesty Interational nach langen Recherchen Russland Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg vorgeworfen. In einem neuen Bericht kritisiert die Menschenrechtsorganisation auch die Ukraine scharf: Mit Militärstützpunkten in Wohngebieten und Operationen in oder nahe zivilen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern würden die ukrainische Streitkräfte gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen.
Online seit gestern, 23.03 Uhr
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Indem zivile Objekte zu militärischen Zielen gemacht werden, würde die Zivilbevölkerung gefährdet, so Amnesty. Die daraus resultierenden russischen Angriffe auf bewohnte Gebiete hätte, so die Organisation, Zivilpersonen getötet und die zivile Infrastruktur zerstört. „Dass sich die Ukraine in einer Verteidigungsposition befindet, entbindet das ukrainische Militär nicht von der Einhaltung des humanitären Völkerrechtes“, so Agnes Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International.

Allerdings galten nicht alle von Amnesty International dokumentierten russischen Angriffe auf zivile Objekte ukrainischen Truppen: An mehreren anderen Orten, an denen die Amnesty-Ermittler zu dem Schluss kamen, dass Russland Kriegsverbrechen begangen hatte, fand die Organisation keine Hinweise auf ukrainische Streitkräfte, die sich in den vom russischen Militär widerrechtlich angegriffenen zivilen Gebieten befanden. Als Beispiel werden einige Gebieten der Stadt Charkiw genannt.

In zivilen Einrichtungen verschanzt
Konkret fand Amnesty in Untersuchungen zwischen April und Juli in den Regionen Charkiw, Donbas und Mykolajiw in 19 Städten und Dörfern Beweise dafür, dass die ukrainischen Streitkräfte Angriffe von bewohnten Wohngebieten aus starteten und sich in zivilen Gebäuden verschanzten.
Amnesty wirft der Ukraine vor, dass diese Strategie auch nicht notwendig wäre: Die meisten Wohngebiete seien kilometerweit von den Frontlinien entfernt gewesen und es habe praktikable Alternativen wie Militärbasen oder dicht bewaldete Gebiete gegeben. Das Militär habe zudem die Zivilbevölkerung nicht aufgefordert, die betroffenen Gebiete zu verlassen.

Amnesty verweist darauf, dass das humanitäre Völkerrecht alle Konfliktparteien verpflichte, militärische Ziele in oder in der Nähe von dicht besiedelten Gebieten so weit wie möglich zu vermeiden. Zudem sei man verpflichtet, die Zivilbevölkerung aus der Nähe von militärischen Zielen zu entfernen oder sie zu warnen.

AP/Nariman El-Mofty
Ukrainischer Panzer in der Stadt Pokrowsk

Spitäler und Schulen „genutzt“
Noch schärfere Vorwürfe erhebt Amnesty aufgrund der „Nutzung“ von Spitälern und Schulen. So konnte man nach eigenen Angaben an fünf Orten beobachten, wie ukrainische Streitkräfte Krankenhäuser de facto als Militärstützpunkte nutzten. In zwei Städten hätten sich Dutzende von Soldaten in den Krankenhäusern ausgeruht und dort gegessen.

In 22 der 29 besuchten Schulen seien Räumlichkeiten von Soldaten genutzt worden bzw. seien Spuren einer früheren Nutzung gefunden worden. Zwar seien die Schulen seit Beginn des Krieges geschlossen, sie befanden sich allerdings in den meisten Fällen in der Nähe von bewohnten zivilen Vierteln. Die russischen Streitkräfte hätten viele der von den ukrainischen Streitkräften genutzten Schulen angegriffen, so Amnesty. In mindestens drei Städten wären die ukrainischen Soldaten nach der russischen Bombardierung in andere Schulen in der Nähe umgezogen.

Die Nutzung von Krankenhäusern für militärische Zwecke stelle einen klaren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar, so Amnesty. Schulen dürften dann nicht verwendet werden, wenn sie in der Nähe von Wohngebäuden sind, es sei denn, es besteht eine zwingende militärische Notwendigkeit.

Kritik auch schon von der UNO
Bereits Anfang Juli hatte die UNO die Ukraine wegen eines ähnlichen Beispieles für den „besorgniserregenden Einsatz von menschlichen Schutzschilden“ kritisiert. Nach Ansicht der Vereinten Nationen tragen die ukrainischen Streitkräfte einen großen Teil der Schuld an einem Angriff Anfang März auf ein Pflegeheim in Luhansk, in dem Dutzende von älteren und behinderten Patientinnen und Patienten ohne Wasser und Strom eingeschlossen waren.

Die ukrainischen Behörden hatten damals die russischen Streitkräfte beschuldigt, bei einem unprovozierten Angriff mehr als 50 Zivilistinnen und Zivilisten getötet zu haben. Die genaue Anzahl der Toten lässt sich belegen. Die UNO kam jedoch zum Schluss, dass die ukrainische Armee einen großen Teil der Schuld an den Ereignissen im Dorf Stara Krasnjanka trage, weil ukrainische Soldaten wenige Tage zuvor Stellung in dem Gebäude nahe Sjewjerodonezk bezogen hätten.

Russische Rechtfertigungsversuche für Angriffe
Die russische Armee wiederum versucht die Bombardements von zivilen Einrichtungen immer wieder damit zu rechtfertigen, dass sich darin ukrainische Truppen oder Waffensysteme verborgen hätten. So vermeldete das russische Militär etwa Ende Juni nach einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der ukrainischen Stadt Krementschuk, man habe eigentlich Hallen angegriffen, in denen aus den USA und Europa gelieferte Waffen und Munition gelagert worden seien.

Die Detonation der Munition habe dann einen Brand „in einem nicht mehr betriebenen Einkaufszentrum“ in der Nähe ausgelöst. Allerdings gab es Videoaufnahmen aus dem Inneren des Einkaufszentrums nach dem Angriff, mindestens 20 Menschen starben, 40 wurden vermisst. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch widersprach nach Recherchen den russischen Angaben.

Auch ein Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum im März wurde von Russland damit gerechtfertigt, dass sich in der Nähe des Einkaufszentrums offenbar ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem befunden habe und in dem Gebäude zudem Raketen versteckt gewesen sein sollen.

Amnesty rügt auch Russland
Auch Amnesty kritisiert – ungeachtet der Vorwürfe an die Ukraine – die russische Kriegsführung: „Die Praxis des ukrainischen Militärs, zivile Objekte für militärische Zwecke zu nutzen, rechtfertigt in keiner Weise wahllose russische Angriffe“, heißt es. Zudem würden russische Angriffe auch mit international geächteter Streumunition oder mit anderen explosiven Waffen mit großflächiger Wirkung durchgeführt. Wahllose Angriffe, bei denen Zivilpersonen getötet oder verletzt oder zivile Objekte beschädigt werden, seien Kriegsverbrechen.

Ukraine nach Vorwürfen „empört“
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Amnesty vor, die Menschenrechtsorganisation verlagere die Verantwortlichkeit vom Aggressor auf das Opfer. Wer einen solchen Zusammenhang herstelle, „muss sich eingestehen, dass er damit Terroristen hilft“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache am Donnerstagabend. „Jeder Versuch, das Recht der Ukrainer in Frage zu stellen, sich dem Völkermord zu widersetzen, ihre Familien und Häuser zu schützen“, sei eine „Perversion“, schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Olekxij Resnikow auf Facebook.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba äußerte sich „empört“ über die „unfairen“ Anschuldigungen. Kuleba warf Amnesty auf seiner Facebook-Seite vor, „ein falsches Gleichgewicht zwischen Unterdrückern und Opfern zu schaffen, zwischen dem Land, das Hunderte und Tausende von Zivilisten, Städten und Gebieten zerstört, und dem Land, das sich verzweifelt selbst verteidigt“.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak betonte, die ukrainische Armee ergreife sämtliche Maßnahmen, um Menschenleben zu retten und Zivilistinnen und Zivilisten in sichere Gebiete zu bringen. „Das Einzige, was Ukrainer bedroht, ist die (russische) Armee von Henkern und Vergewaltigern, die kommt, um Völkermord zu verüben“, schrieb er auf Twitter.
04.08.2022, red, ORF.at

Links:
Amnesty-Kritik: Ukrainisches Militär gefährdet Zivilisten
 

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#70
WERBEN UM REKRUTEN
Wagner-Gruppe tritt aus dem Schatten
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Offiziell existiert die private russische Militär- und Sicherheitsorganisation Wagner nicht. Inoffiziell gilt die Truppe – trotz russischen Dementis – als Wladimir Putins Schattenarmee. Im Ukraine-Krieg würden Wagner-Söldner im Dienste Russlands zunehmend Lücken füllen, berichten Geheimdienstler. Dass die Gruppe in Russland zugleich öffentlichkeitswirksam um Rekruten wirbt, lässt Zweifel am Zustand der russischen Armee laut werden.
Online seit heute, 19.24 Uhr
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„Das Wagner-Orchester wartet auf dich“, heißt es auf einem Plakat im russischen Jekaterinburg etwa. „Mutterland, Ehre, Blut, Mut. WAGNER“, steht auf einem weiteren geschrieben. Die Werbetafeln, die in mehreren russischen Städten aufgetaucht waren, seien Teil einer Rekrutierungsoffensive der Wagner-Gruppe, heißt es im britischen „Guardian“. Konkret soll Wagner nach Kämpfern für den Ukraine-Krieg suchen. Rund 20 regionale Rekrutierungszentren dürfte es geben. Geworben wird dort unter anderem mit einem Lohn von rund 3.900 Euro – das Gehalt liegt über dem eines regulären russischen Soldaten.

„Es sieht so aus, als ob sie sich dazu entschlossen haben, dass sie ihre Existenz nicht länger verbergen wollen. Inzwischen weiß jeder, wer sie sind“, wird Denis Korotkow, ehemaliger „Nowaja Gazeta“-Journalist und langjährige Beobachter der Gruppe, im „Guardian“ zitiert. Vor allem im Osten der Ukraine traten Wagner-Söldner zuletzt verstärkt in Erscheinung.

Anfänge im Donbas
Mit dem Ziel, prorussische Separatisten im Donbas zu unterstützen, wurde Wagner auch vor acht Jahren gegründet. Der Name der Gruppe geht auf den Kampfnamen ihres kolportierten Gründers Dmitri Utkin zurück. Der Neonazi Utkin soll diesen in Anspielung auf Richard Wagner, der als Adolf Hitlers Lieblingskomponist galt, gewählt haben – ein pikantes Detail, angesichts der Tatsache, dass Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine mit der „Entnazifizierung“ des Landes begründet hatte.

Seit 2014 waren Wagner-Söldner in mehreren Ländern, die für Russland von strategischem und wirtschaftlichem Interesse sind, aktiv – etwa in Syrien, in Mali, im Sudan und in der Zentralafrikanischen Republik. Ihnen wurden wiederholt schwere Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

AFP/Alexey Druzhinin
Wladimir Putin und Jewgeni Prigoschin

„Putins Koch“ als Drahtzieher?
Zweiter Drahtzieher hinter der Organisation soll der russische Oligarch Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, der als „Putins Koch“ bekannt ist und dem gute Kontakte zum russischen Präsidenten nachgesagt werden, sein. Prigoschin wies das in der Vergangenheit wiederholt zurück und bezeichnete die Existenz der Gruppe als „Legende“.

Auch der Kreml bestritt immer, wieder mit der Gruppe, von der es weder Firmenregistrierung, Steuererklärungen noch Organigramme gibt, zusammenzuarbeiten. In der russischen Öffentlichkeit war die Nennung der Wagner-Söldner damit ein Tabu. Über die Struktur der Gruppe ist generell wenig bekannt.

Krieg holt Wagner vor den Vorhang
„Russlands Krieg in der Ukraine hat die Gruppe jedoch vor den Vorhang geholt“, schreibt der „Guardian“. Ende März waren laut Angaben des britischen Militärgeheimdienstes rund 1.000 Wagner-Söldner in die Ukraine verlegt worden. Die Gruppe scheint seither an Bedeutung gewonnen zu haben. Russland hatte sich infolge der gescheiterten Offensive auf Kiew immerhin auf den Osten der Ukraine fokussiert.

Laut Einschätzungen des britischen Geheimdienstes dürfte Wagner bei der Einnahme der ostukrainischen Städte Popasna im Mai und Lyssytschansk im Juni eine zentrale Rolle gespielt haben. Ende Juli sollen Wagner-Söldner zudem das größte Kohlekraftwerk der Ukraine in Wuhlehirsk eingenommen haben.

London: Wagner-Söldner kämpfen als reguläre Einheit
Überhaupt dürften die Söldner in der Ukraine nach Einschätzung Großbritanniens in enger Abstimmung mit regulären russischen Einheiten kämpfen. Den Kämpfern sei vermutlich die Verantwortung für eigene Frontabschnitte übergeben worden, wie sie sonst normale Armee-Einheiten übernehmen, teilte das Verteidigungsministerium in London Ende Juli unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit.

„Das stellt eine bedeutende Änderung im Vergleich zu vorherigen Einsätzen der Gruppe seit 2015 dar, bei denen sie typischerweise Missionen durchführte, die sich von offenen, großangelegten regulären russischen Militäraktivitäten unterschieden“, hieß es. Diese Integration untergrabe die jahrelangen Behauptungen der russischen Regierung, es gebe keine Verbindungen zwischen dem Staat und privaten Söldner-Gruppen.
Die Rolle habe sich vermutlich deshalb verändert, weil die russischen Streitkräfte einen eklatanten Mangel an Infanterie-Einheiten auszugleichen versuchten, hieß es vom Verteidigungsministerium in London. Allerdings sei es „höchst unwahrscheinlich“, dass die Wagner-Kräfte ausreichten, um den Verlauf des Krieges wesentlich zu verändern.

Bericht: Enge Verflechtungen mit Verteidigungsministerium
Die Beziehung zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und der privaten Gruppe soll sich laut einem Bericht des unabhängigen Internetportals meduza.io zuletzt nochmals vertieft haben. Das Verteidigungsministerium habe demnach die Kontrolle über die meisten Netzwerke, mit welchen Wagner Soldaten rekrutiert, übernommen, heißt es.

Der Journalist Korotkow merkt zudem an, wie schwierig es sei, zwischen Wagner-Söldnern und regulären russischen Soldaten zu unterscheiden. „Das Verteidigungsministerium hat Wagner größtenteils vereinnahmt, und es sieht jetzt eher nach einer koordinierten Gruppe aus“, so Korotkow. Es sei daher schwer, die Anzahl an Wagner-Söldnern zu beziffern.

Imagepolitur in Russland
Mit den militärischen Erfolgen in der Ukraine besserte sich allmählich auch das Image der Gruppe in Russland. Im Mai erhielt Wagner laut „Guardian“ offenbar erstmals im Staatsfernsehen Anerkennung, als ein Reporter in Anspielung an den Decknamen der Gruppe meinte, die russische Armee habe ihr „eigenes Orchester“ in der Ukraine.

Dazu kommt, dass der vermeintliche Wagner-Financier Prigoschin im April für den Wagner-Einsatz in der ostukrainischen Region Luhansk die Auszeichnung als „Held der Russischen Föderation“ erhalten habe. Ende Juli widmete das reichweitenstärkste Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ der Einnahme des Wuhlehirsk-Kraftwerks durch Wagner sogar die Titelseite.

Niedrige Rekrutierungsstandards
Tatsächlich dürften die Gefechte im ostukrainischen Donbas die Gruppe stark geschwächt haben. Spekuliert wurde etwa, dass Wagner ob der schweren Verluste nun so offensiv nach neuen Kämpfern suche. Das führe zu niedrigeren Standards bei der Rekrutierung neuer Soldaten, unter denen verurteilte Kriminelle und zuvor abgelehnte Bewerber seien. Diese neuen Rekruten würden nur sehr eingeschränkt ausgebildet, was die Schlagkraft der Truppe und damit ihren Wert als Unterstützung für das russische Militär vermutlich verringern werde, so britische Militäranalysten.
„Schon vor dem Konflikt waren weniger als 30 Prozent der Wagner-Soldaten echte Profis“, wird der ehemalige Wagner-Kommandeur Marat Gabidullin, der in seinem jüngst erschienenen Buch Einblicke in die Strukturen der Truppe gibt, im „Guardian“ zitiert. „Nun besteht die Gruppe großteils aus Amateuren. Der Zirkus Russland geht weiter.“

Mozart-Gruppe als Gegenbewegung?
Trainieren statt rekrutieren lautet unterdessen das Ziel der ebenso in der Ukraine aktiven Mozart-Gruppe. Die Gruppe wurde kürzlich von dem US-Kriegsveteranen Andy Milburn gegründet. Eine Antwort auf Wagner will Mozart mit seinen bis zu 30 freiwilligen Helfern nicht sein. Bei der Namensfindung ließ man sich dennoch inspirieren und wählte ebenso den Namen eines berühmten Komponisten. „Ich wollte nicht mit der Wagner-Gruppe in Verbindung gebracht oder verglichen werden. Wir sind kein Gegenstück zur Wagner-Gruppe“, so Milburn.

Neben mehrtägiger Crashkurse für ukrainische Soldaten, die mit wenig militärischer Erfahrung an die Front geschickt worden waren, leistet die Gruppe humanitäre Hilfe. Das ukrainische und das russische Heer würden vor ähnlichen Problemen stehen, hält ein Helfer im „Guardian“ schließlich fest – auf beiden Seiten sei das eine zu großen Teilen schlecht ausgebildete Armee.
08.08.2022, kale, ORF.at/Agenturen

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Werben um Rekruten: Wagner-Gruppe tritt aus dem Schatten
 

josef

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#71
Die Brandspur der Verwüstung
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Vor einem halben Jahr hat der jüngste Überfall der russischen Armee auf die Ukraine begonnen. Eine Datenbank des EU-Satellitenprogramms Copernicus zeichnet täglich die Spuren des Krieges nach und lässt das Ausmaß der Zerstörung erahnen. ORF.at hat die Daten analysiert.
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Das European Forest Fire Information System (EFFIS) erfasst seit dem Jahr 2000 Daten zu Bränden in Europa und angrenzenden Regionen. Es veröffentlicht täglich eine Datei, in der anhand aktueller Satellitenaufnahmen verbrannte Gebiete dokumentiert werden. Sie enthält Angaben zur geografischen Verortung, Fläche in Hektar sowie dem Typ des Geländes, auf dem das Feuer gewütet hat, beispielsweise bebaute Gebiete, Wald oder landwirtschaftlich genutzte Fläche. Die Ursache des Feuers wird dabei nicht erfasst.

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Brandflächen um Kiew von 24.2.2022 bis 5.7.2022.

Für die folgende Auswertung hat ORF.at die Datei vom 16. August verwendet. Sie umfasst 60.900 Datensätze zu einzelnen Bränden seit dem 1. Jänner 2000. Ab dem 13. März 2020 sind auch Brände erfasst, die auf das Staatsgebiet der Ukraine entfallen, inklusive der im Krieg 2014 verlorenen Gebiete im Donbas und auf der Halbinsel Krim. Insgesamt sind es 6.388 Brände. Die kleinsten erfassten Brände umfassen etwa einen Hektar, der größte 45.438 Hektar. Ein Hektar sind 0,01 Quadratkilometer.

Erst Waldbrände, dann der Krieg
Zunächst der Kontext für die Daten aus dem Krieg. Im Frühjahr 2020 tobten weitläufige Waldbrände im Norden der Ukraine, auch in der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk Tschernobyl. Danach passierte wenig – bis zum Tag des russischen Überfalls am 24. Februar. Von den 6.388 registrierten Bränden ereigneten sich 4.595 nach diesem Datum.

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Bezieht sich auf das gesamte Gebiet der Ukraine, inklusive der 2014 von Russland eroberten Landesteile.
Quelle: EFFIS/ORF.at

Inklusive Donbas und Krim umfasst die Ukraine rund 600.000 Quadratkilometer (Österreich: rund 84.000 Quadratkilometer). Seit dem 13. März 2020 waren 4.429 Quadratkilometer, also rund 0,7 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets, von Bränden betroffen. Davon waren 3.369 Quadratkilometer als landwirtschaftlich genutzte Flächen klassifiziert. Zum Vergleich: Das Burgenland hat eine Fläche von rund 3.965 Quadratkilometer.

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Quelle: EFFIS/ORF.at

Gefilterte Gebiete
Für die Analyse der schwer umkämpften Gebiete der Ukraine wurden die Datensätze, die in folgende Oblaste fielen, entfernt: Winnyzja, Chmelnyzkyj, Riwne, Wolyn, Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Tscherniwzi und Sakarpattja (Transkarpatien).

Eingrenzung der Analyse
Die Gesamtzahl der Brände in der EFFIS-Datei umfasst auch zahlreiche kontrollierte landwirtschaftliche Brände im Westteil der Ukraine, die nicht auf die Kampfhandlungen zurückzuführen sind. Um ein etwas genaueres Bild der Lage zu erhalten, wurden für die weitere Analyse jene Datensätze, die in die Westukraine fielen, entfernt (siehe das türkis umrandete Gebiet in der nächsten Karte und die Infobox).

Nun hat es auch in Regionen wie Lwiw Einschläge russischer Lenkwaffen gegeben, allerdings haben diese nicht zu weitläufigen Bränden wie in den Feldern der Südukraine geführt. Zudem wurden alle Datensätze, die vor dem 24. Februar 2022 angelegt wurden, entfernt.

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Brände im Zentral- und Ostteil der Ukraine von 24.2.2022 bis 16.8.2022.
EFFIS/ORF.at/OpenStreetMap

Die gefilterte Datei umfasst 4.595 registrierte Brände. Der kleinste davon ist ungefähr einen Hektar groß, der größte 6.968 Hektar. Verbrannt sind im untersuchten Gebiet seit Beginn des russischen Angriffs rund 3787,81 Quadratkilometer, davon 2.828,81 Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzte Fläche. Zum Vergleich: Das Bundesland Vorarlberg hat eine Fläche von rund 2.600 Quadratkilometern.


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Laut Weltbank sind 413.290 Quadratkilometer der Ukraine – rund 71,3 Prozent ihres Staatsgebiets vor 2014 – als landwirtschaftlich genutzte Fläche klassifiziert. Die von Bränden betroffenen 2.828,81 Quadratkilometer landwirtschaftlicher Fläche in den Kriegsgebieten stellen also rund 0,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche der Ukraine dar.

„Das ist eine extrem realistische Zahl“, so Roman Neyter, auf Landwirtschaft spezialisierter Ökonom am Center for Food and Land Use Research der Wirtschaftsuniversität Kyiv School of Economics (KSE), gegenüber ORF.at: „Die Modelle, mit denen auf Grundlage von Satellitendaten landwirtschaftliche Flächen erfasst werden, liefern ziemlich genaue Ergebnisse.“

0,7 Prozent der Landwirtschaftsfläche, das sieht auf den ersten Blick nicht nach viel aus, die verbrannten Flächen sind aber nur einer von vielen Indikatoren für den Zustand des Landes.

Milliardenschäden für die Landwirtschaft
Neyter und seine Kollegen erstellten Mitte Juni im Auftrag des ukrainischen Landwirtschaftsministeriums eine Studie, die den finanziellen Schaden des russischen Angriffs für den ukrainischen Agrarsektor bis zu diesem Zeitpunkt auf rund 4,29 Milliarden US-Dollar beziffert.

Neyter: „Sehr vorsichtig geschätzt befinden sich derzeit rund sechs Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche unter russischer Besatzung oder in der unmittelbaren Kampfzone.“ Die KSE-Studie wurde noch vor dem Istanbuler Abkommen über Getreidelieferungen erstellt, das die Ukraine und Russland im Juli auf Vermittlung der Türkei abgeschlossen haben.

Überangebot auf Heimatmarkt
„Der Getreidemarkt wird von zwei großen Faktoren bestimmt: durch die Exportmöglichkeiten über die Seehäfen und durch die neue Ernte. Theoretisch könnten wir durch die Öffnung der Seehäfen viel mehr exportieren, aber bisher sind die Exporte seit der Öffnung eher zurückgegangen, und wir wissen noch nicht, ob wir so viel ausführen werden können, wie wir gehofft haben“, so Neyter. „Die Situation wird sich in den kommenden Wochen klären. Die neue Ernte wird das Überangebot im heimischen Markt weiter steigern. Außerdem kehren die Weltmarktpreise langsam wieder auf das Niveau von vor der Invasion zurück. Die Zahlen können derzeit in jede Richtung gehen.“ Neyters Institut wird voraussichtlich Ende September eine neue Schätzung veröffentlichen.

Verbrannte Wälder und Felder können sich regenerieren. Aber die Brände sind nur eine der vielen Kriegsfolgen für die ukrainische Landwirtschaft. Im Juni 2022 hat der Deutsch-Ukrainische Agrarpolitische Dialog eine ausführliche Studie über die „Gefahren durch Kampfmittel bei der landwirtschaftlichen Flächennutzung“ veröffentlicht.

Der Bericht veranschaulicht die Gefahren, mit denen sich ukrainische Bauern in der alltäglichen Arbeit in den betroffenen Gebieten konfrontiert sehen. Blindgänger, Sprengfallen und Minen machen die Feldarbeit lebensgefährlich.

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Brandflächen im Osten der Ukraine von 10.3.2022 bis 8.8.2022.

Auch die Zerstörungen ganzer Städte wie Mariupol und Sjewjerodonezk durch die russische Artillerie und der Beschuss von Häusern durch Raketenangriffe spiegeln sich in den EFFIS-Daten entweder gar nicht oder nur indirekt, weil das auf die Analyse von Wald- und Flächenbrände optimierte System in bebauten Gebieten die betroffenen Flächen nicht immer erkennen kann. Die EFFIS-Datei bleibt aber ein wertvolles Dokument, mit dem sich die Kampfhandlungen im Zeitverlauf nachvollziehen lassen.
19.08.2022, Günter Hack, ORF.at

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Ukraine-Krieg: Die Brandspur der Verwüstung
 

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#72
Ein halbes Jahr Krieg – und kein Ende in Sicht
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Vor einem halben Jahr hat Russland die Ukraine überfallen und damit einen der größten militärischen Konflikte in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entfesselt. Die Folgen: Tod und Zerstörung, eine seit Jahrzehnten beispiellose Fluchtbewegung, aber auch eine neu geordnete geopolitische Architektur und weltweite Konsequenzen für die Versorgung mit Energie, Rohstoffen und Nahrung. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht – Verhandlungen scheinen noch lange unwahrscheinlich.
Online seit heute, 6.08 Uhr
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Seit dem 24. Februar tobt Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Schockwellen auf der ganzen Welt ausgelöst hat. Nach wochenlangen Drohgebärden, etwa Truppenaufmärschen an der ukrainischen Grenze, hatte der russische Präsident Wladimir Putin einen „militärischen Spezialeinsatz“ zur „Entnazifizierung“ und „Demilitarisierung“ der Ukraine angekündigt. In den frühen Morgenstunden begann mit Luft- und Raketenangriffen die Invasion. Kiew reagierte mit einer Generalmobilmachung und verhängte das Kriegsrecht.

Angesichts der Annexion der Krim im Jahr 2014 und den seither andauernden Kämpfen in der Ostukraine war es ein Krieg mit langem Anlauf. Und doch reagierte die Weltgemeinschaft schockiert, als Putin die Lage tatsächlich eskalieren ließ. In einer ersten Reaktion gab es breite Militärhilfen für die Ukraine. Zudem zündeten die EU und die USA über die kommenden Wochen ein Sanktionsfeuerwerk, das heute in Russland, aber auch im Westen spürbar ist.
Reuters/Sputnik
Putin bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrates, kurz nach Kriegsbeginn

Der Kreml ließ und lässt sich allein von diesem aber nicht abschrecken, suchte neue Allianzen und trieb seine Invasion voran. Doch russische Hoffnungen auf ein rasches Überrollen der Ukraine, eine Kapitulation der Regierung oder ein Überlaufen größerer Teile der Bevölkerung wurden rasch zerschlagen. Der Plan, die Hauptstadt Kiew in einer Blitzoffensive einzunehmen, scheiterte.

Russische Truppen gelangten zwar bis in die Vororte, nicht aber ins Stadtzentrum mit dem Sitz der ukrainischen Regierung. Die von Präsident Wolodomyr Selenskyj angeführte Staatsspitze befindet sich bis heute im Land – und liefert mit ihrer rastlosen Diplomatie- und Kommunikationsstrategie auch ein Lehrstück darüber ab, wie sich ein traditioneller Luft- und Bodenkrieg in einer modernen Medien- und Informationsgesellschaft manifestiert.

Reuters/Ukrainian Presidential Press Service
Selfie aus dem Kriegsgebiet: Der Ukraine-Krieg wird auch medial gefochten

Butscha als Schlüsselmoment
Nach dem gescheiterten Angriff auf Kiew zogen sich die russischen Truppen Anfang April aus dem Norden der Ukraine zurück. In diesen Tagen sorgte der Fund von Dutzenden gefesselten Leichen in Butscha international für Entsetzen. Die mutmaßlichen russischen Massaker an der Zivilbevölkerung wurden zur Chiffre für die Brutalität und Regellosigkeit des Krieges in der Ukraine. Dabei sollte Butscha nicht das letzte Beispiel bleiben – Tausende Zivilpersonen starben durch den Beschuss von Wohnhäusern, Einkaufszentren, Theatern oder Bahnhöfen.
Wie viele Opfer der Krieg bisher gefordert hat, ist weitgehend unklar. Die Zahlen schwanken stark, von hohen Dunkelziffern ist auszugehen.
Seit dem Vorstoß im Frühjahr konnte sich die russische Armee vor allem im Süden und Osten des Landes festsetzen – allen voran in den abtrünnigen Regionen Luhansk und Donezk, wo prorussische Separatisten seit Jahren Strukturen besitzen, zudem in Teilen der Gebiete Cherson, Charkiw und Saporischschja. Immer wieder droht Russland in diesen Gebieten damit, die Besetzung durch Referenden über einen „Beitritt“ zu Russland besiegeln zu wollen.

Von symbolischer und strategischer Bedeutung sind auch die Besatzung der 300.000-Einwohner-Stadt Cherson und die Einnahme der Hafenstadt Mariupol, wo sich wochenlang Kämpfer des Asow-Regimes in dem Stahlwerk Asowstal verschanzt hatten.

Reuters/Azov Regiment
Das zerbombte Asow-Stahlwerk war einst das größte Europas

Derzeit liegt große internationale Aufmerksamkeit auf dem von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja. Letzteres wurde in den vergangenen Wochen wiederholt beschossen, was international Ängste vor einem Atomunfall weckt. Kiew und Moskau weisen sich dabei gegenseitig die Schuld zu, eine rasche internationale Inspektion scheint sich trotz drängender Forderungen derzeit nicht durchsetzen zu lassen.

20 Prozent unter russischer Kontrolle
Inklusive der Krim befinden sich laut Selenskyj rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets unter russischer Kontrolle. Allerdings hat sich der Frontverlauf seit Wochen nur minimal verändert. Die russischen Truppen scheinen mit Ressourcen-, Personal- und Ausrüstungsproblemen zu kämpfen und zu größeren Offensiven nicht in der Lage zu sein.
Reuters/Alexander Ermochenko
Russland werden zunehmend Ausrüstungsprobleme attestiert

Russland beteuert zwar, dass seine „Spezialoperation“ nach Plan laufe und man mit der Kriegsführung noch nicht einmal begonnen habe, doch internationale Beobachterinnen und Beobachter sind davon nicht überzeugt. Befürchtet wird, dass Putin die Invasion mit einer Generalmobilmachung in letzter Konsequenz zu einem „vollständigen“ Krieg machen könnte. Ohnehin gilt Russland als zunehmend unberechenbar.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: ISW/liveuamap

Die Ukraine konterte zuletzt mit Gegenangriffen in der Südostukraine, doch auch hier zeichnet sich keine große Bewegung, eher ein gegenseitiges Aufreiben ab. Nicht nur militärisch wird das Land noch lange auf Hilfe angewiesen sein. Zahlreiche Orte liegen nach russischem Beschuss nur noch in Trümmern. Die ukrainische Wirtschaft wird nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank 2022 um 45 Prozent einbrechen, der Wiederaufbau Hunderte Milliarden kosten.

Keine Bereitschaft für Verhandlungen
Für Friedensverhandlungen ist derzeit keine Seite bereit. Die Ukrainer kämpfen um ihre Unabhängigkeit als Nation, Putin will den „historischen Irrtum“ einer souveränen Ukraine beenden. Nur wenige Fachleute glauben, dass Selenskyj Verhandlungen zustimmen würde, bei denen die Ukraine nicht alle verlorenen Gebiete zurückerhält – inklusive der Krim. Dass Putin darauf eingeht, scheint kaum realistisch.
APA/AFP/Louisa Gouliamaki
Leidtragend ist die ukrainische Bevölkerung. Mit dem 24. Februar hat sich die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg entsponnen. Ein Drittel der 41 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Ukraine haben Häuser und Wohnungen verlassen, um sich vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen, mittlerweile sind viele wieder zurückgekehrt. Mehr als 6,6 Millionen Geflüchtete sind gegenwärtig nach UNO-Erkenntnissen über Europa verteilt, 3,8 Millionen haben sich für Schutz registriert. Allein Polen beherbergt rund 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine.

Internationale Folgen
Die internationalen Auswirkungen des Krieges sind enorm. Die geopolitische Architektur hat sich einerseits verändert, andererseits alte Kontinuitäten und Antagonismen wieder an die Oberfläche gebracht. Die traditionelle Bündnisarchitektur feierte eine Renaissance, jahrzehntealte Prinzipien wie die NATO-Nichtmitgliedschaft von Schweden und Finnland wurden begraben und der Ukraine ein EU-Beitritt in Aussicht gestellt. Befürchtete russische Aggressionen gegen etwa das Baltikum sind bisher nicht eingetreten, doch das Misstrauen ist groß.
Reuters/Nacho Doce
Viele Menschen in der Ukraine stehen vor dem Nichts, Hilfsorganisationen warnen vor dem Winter

Weit entfernt vom direkten Kriegsgeschehen wird der Krieg ebenfalls spürbar. Die jahrelang missachtete Abhängigkeit von russischem Öl und Gas ist mit voller Wucht zutage getreten – nicht zuletzt, weil Russland die Gasversorgung immer wieder direkt als Druckmittel nutzt. Mit einem Schlag stehen Rüstung, Energie- und Ernährungssicherheit oben auf der Agenda.

Unabhängigkeitsfeiern untersagt
In der Ukraine markiert der Mittwoch nicht nur sechs Monate Kriegsbeginn, das Land feiert auch seinen Unabhängigkeitstag von der Sowjetunion. Selenskyj hatte am Wochenende gewarnt, dass Russland in dieser Woche „etwas besonders Widerwärtiges und Gewalttätiges unternehmen könnte“. In der Stadt Kiew wurden alle öffentlichen Zusammenkünfte untersagt, in der zweitgrößten Stadt Charkiw im Nordosten wurde eine Ausgangssperre verhängt. Auch Kiew ist laut Selenskyj weiter in Gefahr. An der Ausgangslage habe sich seit dem 24. Februar „nichts geändert“.
24.06.2022, red, ORF.at/Agenturen

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Ukraine: Ein halbes Jahr Krieg – und kein Ende in Sicht
 

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#73
ORF - Liveticker zu den Kämpfen in der Ukraine - Teil 7:
Fortsetzung von Beitrag #68:


25.08.: Entsetzen nach tödlichem Angriff auf Bahnhof

26.08.: Armeeaufstockung: Experten sehen Hürden für Putins Plan

28.08.: Saporischschja: Bisher keine erhöhte Strahlung bei AKW

29.08.: Ukraine: Kiew startet Offensive Richtung Cherson

31.08.: Cherson: Gegenangriffe mit Kalkül

01.09.: Vor IAEA-Visite: AKW-Reaktor abgeschaltet

02.09.: AKW Saporischschja: „IAEA ist hier, um zu bleiben“

03.09.: Ukraine: Erfolg mit improvisierten Waffensystemen

04.09.: Saporischschja: AKW wieder von Netz getrennt

06.09.: Bericht: Russland kauft Munition in Nordkorea

07.09.: AKW Saporischschja: IAEA warnt vor nuklearem Unfall

08.09.: US-Außenminister Blinken besucht Kiew

09.09.: Charkiw: Russland meldet Entsendung neuer Truppen

10.09.: Berichte: Ukrainische Offensive erreicht Kupjansk

11.09.: Ostukraine: Russische Truppen weichen Gegenoffensive

12.09.: Russische Armee auch im Süden unter Druck

13.09.: Kreml: Keine Pläne für Generalmobilmachung

14.09.: Zurückgelassen: Ukraine rüstet mit russischen Waffen auf

15.09.: Militärblogger: Hardliner bringen Putin in Dilemma

16.09.: Selenskyj: Massengrab in rückerobertem Isjum gefunden

17.09.: Leichenfunde in Isjum: Selenskyj fordert Westen zu Reaktion auf

18.09.: „Weit verbreitete Praxis“: Kiew wirft Moskau grausame Folter vor

21.09.: Moskaus Mobilmachung: Riskantes Manöver einer Atommacht

22.09.: Tote nach Explosionen in besetzten Gebieten

23.09.: Scheinreferenden in russisch besetzten Gebieten

24.09.: London: Russen beschießen Staudämme

Fortsetzung siehe Teil 8 -
Beitrag #75
 
Zuletzt bearbeitet:

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#74
UNO ZU UKRAINE-KRIEG
Exekutionen und sexuelle Gewalt
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Die im März eingesetzte Untersuchungskommission der UNO hat eine erste Bilanz über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gezogen. Bei ihren Untersuchungen stellte sie Kriegsverbrechen gegen die ukrainische Bevölkerung fest, darunter auch Exekutionen und sexuelle Gewalt gegen Kinder. Die Ukraine drängt auf Konsequenzen vor internationalen Gerichten.
Online seit heute, 15.11 Uhr
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Die Kommission unter Federführung von Erik Mose, dem ehemaligen Präsidenten des Tribunals für Ruanda, hat den Auftrag, Menschenrechtsverletzungen im Ukraine-Krieg aufzuarbeiten. Sie besuchte 27 Städte und Siedlungen sowie Gräber, Haft- und Folterzentren, befragte mehr als 150 Opfer und Zeugen und traf sich mit Interessengruppen und Regierungsbeamten.

Die Arbeit der Kommission konzentrierte sich auf Gebiete in der Ukraine, die zuvor von russischen Streitkräften besetzt waren: Kiew, Tschernihiw, Charkiw und Sumy. „Die Kommission hat festgestellt, dass Kriegsverbrechen in der Ukraine begangen worden sind“, so Mose. Am Freitag zogen er und sein Team vorläufige Bilanz, der Abschlussbericht soll erst nächstes Jahr vorliegen, denn noch immer laufen Untersuchungen in 16 Orten, die Untersuchungen sollen zudem ausgedehnt werden.

APA/AFP/Fabrice Coffrini
Mose (r.) und sein Team sehen Kriegsverbrechen in der Ukraine. Russland boykottiert die Zusammenarbeit.

Opfer zwischen vier und 82 Jahre alt
Mose nannte am Freitag Beispiele für die Ergebnisse. Er sprach von Luftangriffen auf bewohnte Gebiete, einer großen Anzahl an Erschießungen und Massengräbern. Man habe Fälle festgestellt, in denen Kindern „vergewaltigt, gefoltert und illegal festgehalten“ wurden. Die Opfer von sexueller Gewalt seien zwischen vier und 82 Jahre alt gewesen. Während einige russische Soldaten sexuelle Gewalt als Strategie eingesetzt hätten, habe die Kommission „kein allgemeines Muster in dieser Richtung festgestellt“, fügte Mose hinzu.

Folteropfer hätten von Schlägen, Elektroschocks und Demütigungen erzählt. Es gebe „glaubhafte Anschuldigungen“ über viele Erschießungen. Man habe selbst Opfer gesehen, die gefesselte Hände, aufgeschlitzte Kehlen und Kopfschusswunden gehabt hätten, so Mose.

Zwangsadoptionen und Deportationen unter der Lupe
Auch Butscha, jener Vorort von Kiew, der nach dem Fund Hunderter getöteter Zivilisten zum Symbol für schwerste Kriegsverbrechen im russischen Angriffskrieg wurde, wurde untersucht. Hier habe man Exekutionen und Misshandlungen festgestellt. Isjum, wo kürzlich Hunderte Gräber entdeckt wurden, sei bisher nicht untersucht worden, doch das werde folgen, sagte der Skandinavier. Verbrechen gegen die Menschlichkeit habe man bisher nicht festgestellt. Als Nächstes wolle man Anschuldigungen nachgehen, Menschen seien deportiert und Kinder zwangsadoptiert worden.
Wer für die festgestellten Kriegsverbrechen verantwortlich ist, sagte Mose nicht. Der Prozess der Untersuchungen laufe noch. Er betonte, dass die Kommission in ihrer Arbeit unabhängig und unparteiisch sei. Konkret führte er auch zwei Fälle von misshandelten russischen Soldaten an. „Obwohl es nur wenige dieser Fälle gibt, werden wir diesen weiterhin nachgehen“, hieß es.

Es gebe aber keine Gleichwertigkeit, sagte das Kommissionsmitglied Jasminka Dzumhur. Die Verletzungen durch die russische Seite seien solcherart gewesen, „dass wir festgestellt haben, dass es sich um Kriegsverbrechen gehandelt hat“. Auch das dritte Kommissionsmitglied, der kolumbianische UNO-Experte Pablo de Greiff, sprach von „bedeutend größeren Zahlen und Vorfällen auf der Seite der Russischen Föderation, die den Charakter von Kriegsverbrechen haben“.

Russland nahm nicht an der Sitzung teil, der Kreml hatte es von vornherein abgelehnt, mit der Kommission zusammenzuarbeiten. Man habe versucht, in Kontakt mit der russischen Seite zu treten, jedoch erfolglos, sagte Mose. Russland bestreitet regelmäßig, in der Ukraine vorsätzlich Zivilisten anzugreifen; Anschuldigungen wegen Menschenrechtsverletzungen seien eine Verleumdungskampagne des Westens.

Entsetzte Reaktionen
Nach der Präsentation fand im Menschenrechtsrat eine Debatte statt, in der sich mehrere Dutzend Staaten zu Wort meldeten. Fast alle begrüßten den Bericht und verurteilten Russland, das dem Treffen trotz einer expliziten Einladung fernblieb. Für den Aggressorstaat ergriffen lediglich die Vertreter von Venezuela, Syrien und Belarus Partei. Die österreichische UNO-Botschafterin Desiree Schweitzer zeigte sich „entsetzt über die zahlreichen Berichte von Kriegsverbrechen“ und rief dazu auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

In Österreich reagierten Europaabgeordneter Othmar Karas und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger auf den Bericht. Karas wertete die Feststellung von Kriegsverbrechen als „Beweis, wie wichtig entschlossene EU-Sanktionen sind. Wer jetzt deren Ende fordert, unterstützt Putins Propaganda“, twitterte er. Ähnlich äußerte sich Meinl-Reisinger: „Putin ist ein Kriegsverbrecher und gehört zur Verantwortung gezogen.“

Folgen in Den Haag möglich
Die Berichte der Kommission könnten Folgen haben. Sie könnten etwa vor nationalen und internationalen Gerichten verwendet werden wie im Fall eines ehemaligen syrischen Geheimdienstoffiziers, der im Jänner in Deutschland nach Foltervorwürfen inhaftiert wurde. Mose sagte, seine Kommission stehe mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag in engem Austausch.

Die Ukraine bestand in einer ersten Reaktion darauf, dass alle Kriegsverbrechen geahndet werden müssten. „Wenn diese unbeantwortet bleiben, werden sie uns in eine dunkle Welt der Straflosigkeit und Freizügigkeit ziehen“, sagte der ukrainische Gesandte Anton Korynewytsch dem Menschenrechtsrat.
23.09.2022, red, ORF.at/Agenturen

Link:
UNO zu Ukraine-Krieg: Exekutionen und sexuelle Gewalt
 
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