Lamprechtsofen (A) - Codename "Behm"

F

Fremdling

Guest
#1
Hallo,

ich bin immer noch auf der Suche nach Informationen zur Auslagerung von Kunst- und Kulturgut, insbesondere von archäologischen Funden. Kürzlich bin ich eher zufällig auf die Höhle Lamprechtsofen bei Salzburg in Österreich gestossen: http://www.lochstein.de/lampo.htm; http://panda.bg.univ.gda.pl/~dbart/rekord_e.html; http://www.showcaves.com/english/at/showcaves/Lamprechtsofen.html ...

Diese trug nach nach den diversen Zusammenstellungen den ungewöhnlichen Decknamen "Behm".
Auf der Geilenberg-Liste [http://www.eksplorator.os.pl/90b.htm; http://www.jed.simonides.org/codewords/german-industrial.html] ist sie fälschlicherweise mit "Lamprechtshofen" bezeichnet.

Die Höhlenliste des Reichsamtes für Bodenforschung:
http://projekte.f5.fhtw-berlin.de/~vimudeap/pdf/244-kataster.pdf
Friedhart Knolle schrieb auf seiner Webseite: "Bombensichere Höhlen - weitere Planungen und Maßnahmen. Für einzelne Höhlen sind weitergehende Detailplanungen bekannt geworden. Im Falle folgender Höhlen bzw. Höhlenkomplexe, deren Zuordnung zu Karsthöhlen aber noch nicht in allen genannten Fällen gesichert ist, sind industrielle Verlagerungspläne oder Codenamen bekannt" und nennt dann auch Lamprechtsofen mit dem Codename "Behm“.

Da ich mir vorstellen kann, daß es sich hierbei um einen Personennamen handelt, und in dem Fall auch ein Zusammenhang zu einer konkreten Person möglich wäre, würden mich weitere Angaben zu dieser Höhle sehr interessieren. Ist es überhaupt denkbar, daß hier ein Name einer mit der Einlagerung vermutlich in Zusammenhang stehenden Person verwandt wurde? Sind ähnliche Beispiele bekannt? Ist bekannt, was, wann und von wem dort eingelagert wurde bzw. werden sollte? Wer könnte mir mit diesen Informationen weiterhelfen?

Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße
Der Fremdling

PS: An (Neu)-Sollstedt (Codename "Ichneumon" ) habe ich aus dem gleichen Grund immer noch großes Interesse, bin aber selbst mit meinen Recherchen noch nicht weitergekommen.
http://team-delta.de/intern/Forum/showthread.php?threadid=2299
 

josef

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Mitarbeiter
#2
Lamprechtsofenhöhle bei St.Martin/Lofer

Hallo,

meiner Meinung nach kam es bei der Lamprechtsofenhöhle nur zur Untersuchung ob sie als Verlagerungsstätte geeignet sei und es blieb beim Projektstadium mit Zuteilung eines Codenamens.

Im Bericht von F. Knolle in Abschnitt „Bombensichere Höhlen – weitere Planungen und Maßnahmen“ findet man:

Höhlensysteme mit Code- (Deck-)namen + Angabe der Nutzung, z.B. Jettenhöhle:Codename „Ör“, feinmech. Prüfungsgeräte Fa. Rinkel usw., und weitere, bei denen nur der Höhlenname + Codename ohne weitere Hinweise auf Verwendung angeführt sind, z.B. Katharinenhöhle: Codename „Peso“ und auch Lamprechtsofen: Codename „Behm“ usw. .

Dieses letztgenannten Höhlensysteme dürften nur registriert, aber ohne konkrete Nutzung gewesen sein ( => Projekte ?).

Interessant ist auch, dass alle Höhlen außer Lamprechtsofen die dafür vorgesehenen numismatischen Bezeichnungen (Münznamen) als Code- (Deck-)namen hatten. Der Deckname zu besagter Höhle dürfte tatsächlich ein „Personenname“ sein und könnte in Zusammenhang mit einem Höhlenforscher stehen. Oder kennt jemand ein Zahlungsmittel/Münze mit der Bezeichnung „Behm“?

Lg
josef
 
Zuletzt bearbeitet:
F

Fremdling

Guest
#3
Lamprechtsofenhöhle bei St.Martin/Lofer

Hallo Josef,

und vielen Dank für Deine Antwort. Ein Zahlungsmittel "Behm" ist mir tatsächlich nicht bekannt ;-)) , nur ein gleichnamiger Archäologe, der im mitteldeutschen Raum zu Kriegsende mit "Kulturgutschutz" betraut war. Mich wunderte die Ausnahme bei dem System der Codenamen-Vergabe ebenfalls und ich meinte, daß hier möglicherweise ein Zusammenhang bestehen könnte.

Mehr Informationen liegen mir jedoch nicht vor und auch die Lage der Lamprechtsofenhöhle in Österreich paßt zunächst damit noch nicht richtig zusammen. Es erscheint mir nur andererseits nicht besonders glücklich, einen Personennamen als Codenamen zu verwenden, weil der Bezug dann ja relativ offensichtlich wäre.

Auch bei dem Kali-Schacht (Neu)-Sollstedt mit dem Codenamen "Ichneumon" sind es bisher mehr (wilde)Spekulationen zur Namensvergabe:
http://team-delta.de/intern/Forum/showthread.php?threadid=2299

Ich werde in den nächsten Tagen einmal Herrn Knolle anfragen, ob er noch Informationen zu der geplanten Höhlennutzung besitzt.

Über weitere Hinweise aus dieser Runde würde ich mich natürlich sehr freuen.

Viele Grüße
Fremdling
 
R

rolf_m

Guest
#4
Zum Codenamen Behm

Hallo Josef, Hallo Fremdling,
Behm ist sehr wohl eine numismatischer Name. Behm, auch Böhm oder Böhmisch bezeichnet die schlesischen Dreikreuzer. Dieser Name bezieht sich auf die (böhmischen) Prager Groschen, die ein weites Verbreitungsgebiet hatten. In weiten Teilen des Heiligen Römischen Reiches Deutescher Nation, stand diese Bezeichnung für den Groschen. Im Bistum Fulda als Münze (Böhmisch) noch im 18. Jahrhundert mit diesem Namen geprägt.
Diese Info sollte eure Spekulation über einen nicht numismatischen Hintergrund beenden. Die Schöpfer der Codenamen waren Profis und hätten sich mit Sicherheit keinen solchen Patzer geleistet.
Der Codenamen hat bestimmt keinen Bezug auf eine Person, besonders nicht mit einer Person die auch nur im entferntesten etwas mit der Materie (Kunsthistoriker) zu tun hat.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
"Behm"

Hallo Rolf,

besten Dank für die Info! Bisher kannte ich "Behm" nur als Mundartausdruck für "Böhme" (=> Bewohner des tschechischen Landesteiles Böhmen).

lg
josef
 
S

Stoffl

Guest
#6
HI!

War am Samstag auf einer Höhlentour in der Lamprechtshöhle! Mir wäre nichts aufgefallen die Türen die eingebaut sind, sind schon etwas älter aber an eine Kulturgutauslagerung erinnert nichts! Es wäre auch zu feucht dafür!

Mfg Stoffl
 
F

Fremdling

Guest
#7
Hallo an alle,

und herzlichen Dank an rolf_m für den Hinweis, daß es sich bei "Behm" - anders als zunächst von mir vermutet - um eine Münze handelt. Erst mit dem Wissen sind mir nun beim weitergoogeln auch entsprechende Literaturhinweise und Quellen unter die Augen gekommen:
http://list.genealogy.net/mailman/archiv/schlesien-l/2001-10/msg00102.html
http://www.google.de/search?q=cache...dig/SchdS049.htm+behm+groschen&hl=de&ie=UTF-8
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/a/P122.htm ..., die zuvor unter den unzähligen Nameseinträgen völlig untergegangen waren.

Insofern war ich tatsächlich auf der falschen Fährte, was ich mir eigentlich ja auch schon gedacht hatte, denn ganz so leicht wird es einem ja im Leben dann doch nicht gemacht ;-)).

Viele Grüße
Fremdling
 
F

Fremdling

Guest
#8
So, nun habe ich es heute mal wieder in eine Bibliothek geschafft und da googeln ja bekanntlich nicht immer das Alleinseeligmachende ist, auch noch mal nach dem "Behm" geschaut.

In: Tyll Kroha, Großes Lexikon der Numismatik, Gütersloh 1997,
stand unter "Behm" nix und leider auch kein Verweis zum Stichwort "Böhm" (S. 75) mit der kurzen Erläuterung
"... in Schlesien Bezeichnung der Groschenmünzen, zuletzt für die preußischen Silbergroschen des 19. Jh.s und sogar auf die 10-Pfennig-Stücke des deutschen Reichs angewandt [sic!]. B. in Erinnerung an die auch böhmische genannten --> Prager Groschen."

Unter dem Stichwort "Behm --> Böhm" wurde ich jedoch fündig bei:
Helmut Kahnt, Bernd Knorr: Alte Maße, Münzen und Gewichte, Leipzig 1986, S. 35 bzw. 39.
Die Angaben sind zwar weitestgehend identisch mit denen, die uns Rolf schon gemacht hat, aber da ich es nun einmal vor mir liegen hab, will ich auch zeigen, daß ich lernfähig bin ;-)):
"Böhm, Behm, Böhmisch: schlesischer Name des --> Dreikreuzers, in dem noch die große Bedeutung einer der wichtigsten spätmittelalterlichen Groschenmünzen, nämlich der (böhmischen) Prager Groschen, nachklingt.
In vielen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war B. die Bezeichnung für einen Groschen. So wurde z.B. noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Bistum Fulda ein Münznominal ausgegeben, daß als Wertbezeichnung das Wort Böhmisch aufweist."

Damit können wir den Thread zur Lamprechtsofenhöhle wohl endgültig schliessen. Zumindest meine vage Vermutung hat sich als falsch herausgestellt. Noch einmal vielen Dank für alle Hinweise.
 
M

metzga

Guest
#9
Hey

es gib aber in der nähe (andere strassen seite Weissbach oder St. Martin)einen weg nach Ramsau den angeblich die wehrmacht baute dort sollt ganz oben auch noch ein bunker sein.

am ende des krieges sollten links und recht der weg zugesprengt werden.
ich haben erfahren das in den 70´er jahren einiges gefunden wurde.
:gruebel
 
#10
Hallo Leute!

Die Straße von Weissbach bei Lofer nach Ramsau über den Hirschbichel-Pass - Hintersee - ins Berchtesgadener Land ist ein uralter Handelsweg und wurde nicht von der Wehrmacht gebaut!
Im Wege der letzten Kriegstage war er nur ein Fluchtweg der deutschen Wehrmachtsteile - u.a. auch OKL - OKH und OKW, die sich aus Berchtesgaden nach Zell am See zurückzogen und den die Franzosen in ihrer Nacheile benutzten! Es kam auch zu kleinerem Geplänkel - aber keine größeren Kampfhandlungen!

Sprengungen usw sind nur "Gerede" (siehe Ortschronik von Lofer + Weissbach + Ramsau + Tagebuch Martin Bormann Junior (Sohn wurde später Geistlicher und hat mir dies auch in persöhnlichen Gesprächen bestätigt) Tagebuch der US.Army und der der Franzosen).

St.Martin bei Lofer ist ein Wallfahrtsort - liegt auf einer Anhöhe in einem Seitental der Loferer Steinberge und ist militärisch unbedeutend.

Die einzige mir bekannte militärische Anlage auf der Hirschbichlstraße befand sich auf der deutschen Seite - es war eine Straßensperreinrichtung (Sprengschächte) die im Rahmen des "Kalten Krieges" erbaut wurde, die aber bereits zurückgebaut worden ist! Ich selbst wurde dort 1974 in die Anlage eingewiesen!

Nicht jeder betonierter Keller o.ä. ist auch ein Bunker - wir sollten mal genau den Begriff "Luftschutzraum - Luftschutzkeller - Luftschutzanlage - Bunker - befestigter Kampfstand" usw. festlegen und unterscheiden! Oder soll Bunker ein Sammelbegriff für alles sein?

In Weissbach bei Lofer fand man noch vor der Jahrhundertwende in einer Brücke die vorbereiteten Sprengladungen von 1945! Danach wurden sämtliche Brücken von Saalfelden bis Lofer - Melleck/Landesgrenze überprüft nach resten des 2. WK!

Wer von Lofer über Weissbach weiterfährt nach Saalfelden sieht nach Weissbach auf der linken Seite einen Klettergarten des öster.BH - mit markierte Kletterrouten. Dort befindet sich auch ein Stollen, dieser hat aber mit dem 2.WK nicht`s zu tun!

mfg Fred
 

Geist

Administrator
Mitarbeiter
#11
Da diesem Thread eindeutig noch die Bilder fehlen, seien sie hiermit eingefügt. Ich empfehle jedem, der in die Nähe von Lofer kommt, einen Abstecher in die Höhle zu machen. Der Eintritt von 7 Euro ist gut angelegt, weil die Höhle schon in den 700 geöffneten Metern des Touristenbereichs sehr spannend ist.
Bild 4 zeigt den Zugang zum Forscherteil des Höhlensystems (ca. 50 km).
 

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#14
Au weia da bin ich dran vorbeigefahren, weil ich davon nichts wusste. Aber wenn ich die vielen Treppen sehe, da tun mir die Knochen vom zusehen weh. Aber bei dem Regenwetter, wäre es das richtige gewesen, na vielleicht beim nächsten mal. mfg.kallepirna
 
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