Interesant, finde ich die Eine Treppe die im rechten Bogen nach oben führt in einen kleinen Raum..wahscheinlich nicht vollendet..

In dem Raum oben ist gar nix, ich war da vor einigen Jahren mal drinnen, als da noch so ein Gitterkäfig davor stand - ist auch ziemlich klein und es sind bloß zahlreiche Zeichen und Ziffern in die Wand geritzt (ich erinnere mich an die Zahl/das Jahr 1943, das jemand dort eingeritzt hat).
 

josef

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Die Vermessung des Nazi-Bunkers: Der Rudolfstollen bei Linz
Warum es wichtig ist, die Überbleibsel der NS-Zeit zu dokumentieren
Vor wenigen Wochen wurde hier im Blog über archäologische Ausgrabungen im NS-Kriegsgefangenenlager Stalag XVIIb nahe Krems berichtet. Und wie so oft, wenn das Thema Archäologie der Überreste der NS-Zeit aufkommt, gibt es viele kritische Stimmen: "Wozu soll das gut sein?", "Es gibt ja eh genug historische Quellen", "Das wissen wir doch eh alles". Auch Novetus hatte vor kurzem mit der Dokumentation eines NS-Bauwerks zu tun, des Rudolfstollens in Linz-Urfahr. Dieses Projekt möchte ich in diesem Beitrag vorstellen und zum Anlass nehmen, um auch auf die Frage nach dem Warum und Wozu einzugehen.

Nicht in Vergessenheit geraten
Der Rudolfstollen in Linz-Urfahr ist eine von mehreren Luftschutzstollenanlagen, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs für den Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombenangriffen angelegt wurden. Die unrühmliche Geschichte des zivilen Luftschutzes in Linz war von Beginn an von zahlreichen Versäumnissen geprägt, nicht zuletzt da die politische Führung bis zuletzt beteuerte, den oberösterreichischen Luftraum zu schützen.

Als im August 1943 alliierte Streitkräfte erstmals Luftangriffe auf Ziele in Österreich flogen, bot die Stadt Linz gerade einmal 5.000 bombensichere Unterstände für eine Gesamtbevölkerung von circa 185.000 Personen. Verschärfend kam hinzu, dass eine größere Anlage im Linzer Stadtzentrum vom NS-Regime für die Rüstungsproduktion und Aktensicherung beschlagnahmt wurde. Daher wurde Mitte 1943 mit dem Bau neuer Anlagen begonnen, darunter auch der Rudolfstollen, dessen Bau bereits im Juni 1943 begann. Zum Bau des Stollens wurden KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter eingesetzt, deren Zeugnisse sich in Form von Graffiti bis heute an den Stollenwänden erhalten haben.


Übersichtsplan des Rudolfstollens.
Foto: Crazy Eye OG / Novetus


Inschrift eines italienischen Militärinternierten vom 5. Mai 1945, dem Tag des Einmarschs der Amerikaner in Linz.
Foto: Crazy Eye OG / Novetus

Nach Kriegsende wurden sämtliche noch verwertbaren Installationen abgebaut und die Eingänge zum Stollen zugemauert. Dass der Stollen aber nicht in Vergessenheit geriet und sich insbesondere bei der Linzer Jugend großer Beliebtheit erfreute, davon zeugen zahlreiche Hinterlassenschaften durchfeierter Nächte. Diese wurden bereits 1969, als der Stollen von einer Gruppe von Höhlenforschern erstmals systematisch vermessen wurde, dokumentiert. Dem Engagement dieser Gruppe von Wissenschaftern ist es auch zu verdanken, dass der Rudolfstollen heute Gegenstand der Höhlenforschung ist. Die einzigartige Geologie des Pöstlingbergs führte dazu, dass bereits in den 60er-Jahren ausgedehnte Wandversinterungen festgestellt werden konnten – ein für österreichische Höhlen einzigartiges Phänomen.

Archäologisches digital festhalten
Seit 2015 wird im Südwesten der Stadt Linz eines der größten Infrastrukturprojekte der letzten Jahrzehnte durchgeführt – der Bau der Umfahrung A26 durch die Asfinag, der ab 2031 (geplante Gesamtfertigstellung) das innerstädtische Straßennetz nachhaltig entlasten soll. Von der Gesamtlänge von 4,7 Kilometern führen insgesamt vier durch neugebaute Tunnel. Darunter befinden sich auch die nördlichen Zu- und Abfahrten zur neuen Linzer Donaubrücke, die sich in direkter Nähe zum Rudolfstollen befinden. Da befürchtet wurde, dass es bei den Sprengarbeiten für die neuen Tunnelröhren zu Schäden am Rudolfstollen kommen könnte, wurde Novetus, die baubegleitend für eine Reihe archäologischer Maßnahmen im Zuge der Bauarbeiten zur A26 zuständig ist, beauftragt, eine systematische Dokumentation der Stollenanlage durchzuführen.
Die dreidimensionale Aufnahme von Befunden, Gebäuderesten oder Funden zu Dokumentations- und Rekonstruktionszwecken zählt aufgrund rascher technischer und methodischer Fortschritte in den letzten Jahren zunehmend zum Standardrepertoire archäologischer Ausgrabungen. Wir arbeiten mit unseren Kollegen von Crazy Eye, allesamt gelernte Archäologen, die sich im Bereich der Digitalen Archäologie spezialisiert haben, zusammen. Ziel des Projekts im Rudolfstollen war eine archäologische und bauhistorische Dokumentation, um eine digitale Kopie des Stollens anzufertigen, durch die eine virtuelle Realitätsdarstellung ermöglicht wird.

Zum Einsatz kam ein neuartiges Verfahren, das verschiedene Sensoren kombiniert, um den Stollen in Echtzeit möglichst detailgetreu und fotorealistisch wiederzugeben. Die 3D-Kamera, bestehend aus insgesamt neun Objektiven, rotiert um die eigene Achse und erstellt von jedem Standpunkt aus einen Streifenlichtscan, eine Tiefenkartierung mittels Time-of-Flight-Kamera und ein 360-Grad-Panorama. Insgesamt wurden auf einer Länge von 1.400 Metern an fünf Tagen über 500 Einzelscans angefertigt. Die gescannte Fläche beträgt circa 4.500 Quadratmeter. Das Ergebnis der Dokumentation ist eine virtuelle 3D-Tour, in der der Stollen im Detail betrachtet werden kann. Diese 3D-Tour basiert auf einer riesigen Punktwolke, die die Geometrie des Stollens repräsentiert.


Sinterablagerungen mit beginnender Stalaktiten-Bildung im Inneren des Rudolfstollens.
Foto: R. Skomorowski/ Crazy Eye OG


Die 3D-Kamera in Aktion.
Foto: R. Skomorowski/ Crazy Eye OG

Erinnerung an die Gräuel der NS-Zeit
Bleibt die Frage: wozu der Aufwand? Nun, zuerst einmal, weil es getan werden muss. Wir sind eine Grabungsfirma, wir graben nicht, weil uns eine Fundstelle besonders interessiert oder wir gerne ein paar Wochen im sonnigen Süden verbringen. Wir graben nur dann, wenn aufgrund eines Bauvorhabens ein unter das Denkmalschutzgesetz fallendes Objekt gefährdet ist. Laut Paragraf 1 Absatz 1 des Denkmalschutzgesetzes umfasst dies "von Menschen geschaffene unbewegliche und bewegliche Gegenstände [...] von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung ('Denkmale'), wenn ihre Erhaltung dieser Bedeutung wegen im öffentlichen Interesse gelegen ist".

Diese Bedeutung lässt sich auch für Bauten der NS-Zeit nicht abstreiten. Viel wichtiger ist meines Erachtens aber, immer wieder dafür zu sorgen, dass diese Zeugnisse nicht in Vergessenheit geraten, an die Geschichten von Menschen wie dem an der Wand im Rudolfstollen verewigten Kriegsgefangenen zu erinnern und Verbrechen aufzudecken, die vertuscht wurden oder über die keine schriftlichen Aufzeichnungen (mehr) existieren. Und so gewinnt die archäologische Dokumentation von Relikten der NS-Zeit in den letzten Jahren europaweit zunehmend an Bedeutung.

Ausgrabungen im Massenvernichtungslager Treblinka erbrachten die Existenz bisher unbekannter Gaskammern; in Berlin werden die menschlichen Überreste eines ehemaligen NS-Medizininstituts untersucht, die bei Bauarbeiten gefunden wurden; und in Österreich wurden beispielsweise mehrere Außenlager des KZs Mauthausen, über die historisch kaum Details bekannt waren, archäologisch dokumentiert. Zeitzeugen werden bald nicht mehr befragt werden können, und so liegt es vor allem in den Händen der Archäologie, die letzten materiellen Reste zu dokumentieren und sichtbar zu machen.

Im Falle des Rudolfstollens, eines Orts, an dem nicht nur bis zu 9.000 Linzer Zuflucht fanden, sondern auch zahllose Häftlinge und Zwangsarbeiter unter widrigsten Bedingungen hausen und arbeiten mussten, verbleibt oft auch nur die Möglichkeit, den Ort virtuell vor dem Verschwinden und Vergessen zu bewahren. Gerade in Anbetracht zunehmend nationalistischer und rechter politischer Strömungen weltweit ist es wichtiger denn je, die noch vorhandenen Zeugnisse der NS-Zeit zu sichern und nicht aufzuhören, an die Gräuel und Verbrechen dieser Zeit zu erinnern.
(Michaela Binder, 29.8.2019)

Michaela Binder ist als Archäologin und Anthropologin für die Grabungsfirma Novetus in Wien tätig. Sie ist zuständig für Grabungsprojekte, Forschung und Vermittlung.

Link
Wir danken der Asfinag für die Zusammenarbeit bei diesem Projekt. Dank geht auch an Grabungsleiter J. Obojes (Novetus) sowie R. Weßling & R. Skomorowski (Crazy Eye) für Input und Zurverfügungstellung der Daten.
Die Vermessung des Nazi-Bunkers: Der Rudolfstollen bei Linz - derStandard.at
 
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