Nervenheilstätten-Psychatrien Wien-Steinhof (Spiegelgrund), Gugging bei Klosterneuburg und Mauer-Öhling bei Amstetten

H

Harald 41

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#1
Habe gerade durch Zufall etwas gefunden, und zwar auf der Seite des Otto-Wagner Spitals in Wien.
Auf der folgenden Seite wird beschrieben wie grausame Verbrechen in den Psychiatrien der Wiener Spitälern Steinhof,Spiegelgrund...usw. in den Jahren 1938-1945 ausgeführt wurden.

http://www.gedenkstaettesteinhof.at/de/index.shtml

PS:Über den Lagerarzt Heinrich Gross ( Der lange Schatten der NS Psychiatrie) soll sich jeder selber seine Meinung machen.


LG Harry
 

josef

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#2
Habe gerade durch Zufall etwas gefunden, und zwar auf der Seite des Otto-Wagner Spitals in Wien.
Auf der folgenden Seite wird beschrieben wie grausame Verbrechen in den Psychiatrien der Wiener Spitälern Steinhof, Spiegelgrund...usw. in den Jahren 1938-1945 ausgeführt wurden.
Es gab noch mehrere Kliniken und Anstalten in Österreich, wo solche Verbrechen stattfanden:

Auch in anderen österreichischen Anstalten wurde dezentral gemordet. In den Anstalten Mauer-Öhling und Gugging brachte der 1943 provisorisch eingesetzte Direktor Dr. Emil Gelny praktisch in Eigenregie mittels Medikamenten, Injektionen und eines speziell konstruierten Elektroschockgeräts an die 600 PatientInnen zu Tode. Patiententötungen mit Medikamenten und durch Mangelernährung sind in größerem Umfang ebenso für die Siechenanstalt Klagenfurt (Dr. Franz Niedermoser) wie für die Anstalten Niedernhart/Linz (Dr. Rudolf Lonauer) und Graz-Feldhof belegt.
Auszug aus "Die dezentralen Anstaltsmorde >Wilde Euthanesie<" http://de.doew.braintrust.at/m22sm110.html


Hauptort der Verbrechen an geistig Behinderten und Kranken war aber die Euthanesieanstalt Hartheim:

http://de.wikipedia.org/wiki/NS-Tötungsanstalt_Hartheim und

http://www.schloss-hartheim.at/


lg
josef
 

josef

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#3
Gugging: Mehr NS-Opfer als gedacht

Mit dem „Anschluss“ ist auch die Heilanstalt in Maria Gugging (Bezirk Wien-Umgebung) in die Hände der Nationalsozialisten gefallen. Patienten wurden ermordet oder für Experimente missbraucht. Neue Forschungen zeigen: Die Zahl der Opfer war viel höher als bisher angenommen.

Die erste gegen Menschen mit psychischen Krankheiten oder geistigen Behinderungen gerichtete Etappe bildete auch in Gugging die „Aktion T4“: Zwischen November 1940 und Mai 1941 wurden 675 Menschen aus der Anstalt Gugging in das in der Nähe von Linz gelegene Schloss Hartheim transportiert und dort vergast. Darunter waren 116 Kinder und Jugendliche unter 17 Jahre - ein im Vergleich zu anderen Einrichtungen ungewöhnlich hoher Prozentsatz, wie der Historiker Herwig Czech im APA-Gespräch sagte. Czech ist Forscher am Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW). 2007 wurde Czech vom Exekutivausschuss beauftragt, eine Studie zu den von den Nazis in der Nervenheilanstalt Gugging begangenen Medizinverbrechen zu erstellen.

Präsentation der Ergebnisse am IST
„Schloss Hartheim und die anderen Vernichtungszentren der ‚Aktion T4‘ waren die ersten Institutionen, die der massenhaften, serienmäßigen Vernichtung von Menschen dienten. Die für die Schoah typische Verbindung von bürokratischer Arbeitsteilung, industrieller Tötungsmethode und wissenschaftlicher Legitimation ist hier bereits idealtypisch vorgezeichnet“, so der Historiker. Er wurde von dem heute auf dem Gelände ansässigen IST Austria mit der Aufarbeitung der Geschichte der Anstalt beauftragt und präsentiert seine Ergebnisse in der ersten IST-Commemoration-Lecture am Dienstagabend.
Demnach ist die Opferzahl deutlich höher als gedacht. Ab 1941 verlagerten sich die als „Euthanasie“ verharmlosten Morde an Patienten in die Anstalt selbst. Aber nicht nur diese Morde, auch Tode durch Hunger und Vernachlässigung wurden bisher unterschätzt. Schon ab Herbst 1939 sind im Vergleich zum normalen Jahresdurchschnitt deutlich höhere Sterberaten in der Anstalt nachzuweisen: Von einer Sterberate von 4,7 Prozent im Jahr 1937 kletterte die Rate schon im Dezember 1939 auf 23 Prozent, im Dezember 1941 waren es 44 Prozent. Nach den Berechnungen des Historikers kam es damit bis 1946 zu zusätzlich rund 1.420 Todesfällen - nicht eingerechnet dabei jene Patienten, die in andere Anstalten überführt wurden und dort ums Leben kamen.

Patienten vor Publikum getötet
477 Tote ließen sich allerdings direkt mit zwei Ärzten verknüpfen, so Czech: Der medizinische Leiter der Tötungsanstalt Hartheim, Rudolf Lonauer, besuchte Gugging von 27. März bis 8. April 1943: In diesen Wochen kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Sterbefälle, es scheinen 112 Todesfälle auf, bei denen Lonauer als behandelnder Arzt vermerkt ist. Lonauer ermordete seine Patienten - in der Mehrzahl Frauen - mit einer Überdosis an Medikamenten, so das Ergebnis der Studie.

Ähnlich der Fall des Leiters von Gugging, Emil Gelny: Er ist bei 365 Todesfällen als behandelnder Arzt eingetragen. Gelny nutzte die Patienten der Anstalt aber auch für seine Experimente, die er etwa bei einem Treffen von Dutzenden Psychiatern vorführte. „Vor versammeltem Publikum tötete er mit Hilfe seines umgebauten Elektroschockapparates einen Patienten, um die Effizienz seiner Erfindung zu demonstrieren“, schilderte Czech.

Ebenfalls einen großen Teil der Datenbank machen jene Patienten aus, die in andere Anstalten überstellt wurden: Ohne die „T4“-Transporte ereilte 491 Gugginger Insassen dieses Schicksal - sie kamen vor allem in die Pflegeanstalt Am Steinhof sowie nach Meseritz-Obrawalde und Mauer-Öhling. Wie tödlich das sein konnte, zeigt die Analyse der Kinderanstalt: Von 428 überstellten Kindern und Jugendlichen verstarben 160 in den Zielanstalten (u. a. „Am Spiegelgrund“), 49 wurden später entlassen, 71 der Spiegelgrund-Kinder überlebten.

Das Schicksal der weiteren Kinder ist bis heute nicht geklärt. Verknüpft man diese Zahlen mit den Morden im Zuge der „Aktion T4“, kamen von 720 Patienten unter 17 Jahre mindestens 316 - und damit beinahe 44 Prozent - ums Leben. „In Anbetracht des jugendlichen Alters der Patienten ist das außerordentlich hoch“, so Czech.

Über 6.000 Eintragungen in Datenbank
Mit der systematischen Vernichtung befasste sich Czech schon 2008, inzwischen umfasst seine Datenbank knapp 6.000 Eintragungen zu Patienten der Anstalt sowie zu 757 Insassen der Kinderanstalt. Ziel war eine vollständige Erfassung aller Patienten zwischen 1937 und 1946. „Das wurde bisher noch bei keiner größeren psychiatrischen Anstalt gemacht“, meinte der Historiker. Den Untersuchungszeitraum über 1945 hinaus begründete er damit, dass in derlei Einrichtungen die Auswirkungen der NS-Zeit noch lange nach Kriegsende spürbar gewesen seien.
http://noe.orf.at/news/stories/2681100/
 

josef

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#4


NS-Verbrechen in Mauer größer als angenommen
Mindestens 1.800 Patienten der Psychiatrieklinik Mauer-Öhling (Bezirk Amstetten) sind im Nazi-Regime ermordet worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung tausender Patientenakten. Ein Mahnmal erinnert nun an sie.
Gertraud Raffetseder war 19 Jahre alt, als sie im Sommer 1944 in der „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer-Öhling (Bezirk Amstetten) starb. In ihrer Krankenakte wird als offizielle Todesursache „akute Herzschwäche“ und „Knochentuberkulose“ vermerkt. In Wahrheit starb die junge Frau aus Amstetten durch Aushungern. Sie wog nur noch 29 Kilogramm.


Privatarchiv Josef Hofer
Gertraud Raffetseder etwa zwei Jahre vor ihrem Tod

Es sind Schicksale wie jenes von Gertraud Raffetseder, die der Historiker Philipp Mettauer vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs aufgearbeitet hat. Vier Jahre lang wertete er etwa 36.000 Krankenakten aus und kam zu erschreckenden Ergebnissen: „Zwischen 1938 und 1945 sind durch ‚Mauer-Öhling‘ zwischen 6.000 und 8.000 Patienten ‚gegangen‘. Rund 1.300 kamen gesichert zur Ermordung nach Hartheim in Oberösterreich, weitere rund 300 nach Gugging (Bezirk Tulln), wo sie getötet wurden“, sagt der Historiker.

Morde auch innerhalb der Pflegeanstalt
In „Mauer-Öhling“ stieg die Sterberate bei den aufgenommenen psychisch Kranken von fünf Prozent unmittelbar vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich auf etwa 18 Prozent im Jahr 1941 an. „Mauer-Öhling“ war die drittgrößte Klinik der „Ostmark“, in der im nationalsozialistischen System Psychiatrie-Patientinnen und Patienten ermordet wurden. „Da gab es auch die ‚E-Kost‘, die ‚Entzugs-Kost‘. Die Patienten nahmen zum Teil durch Nahrungsentzug binnen weniger Monate 20 Kilogramm ab. Sie starben an Infektionen, die Lungenentzündung war ein ‚Klassiker‘“, sagt Mettauer.


Privatarchiv Philipp Mettauer
Eine Fliegeraufnahme der Psychiatrieklinik 1942

Dass viele der Patientinnen und Patienten mit Bussen nach Hartheim und Gugging transportiert und dort getötet wurden, sei schon länger bekannt. Neu ist, dass zwischen November 1944 und April 1945 innerhalb der „Heil- und Pflegeanstalt“ Mauer weiter gemordet wurde: „Es gab rund 200 Opfer. Dazu gibt es Namenslisten. Der ‚Übersterblichkeit‘ im Vergleich zu der Zeit vor 1938 dürften rund 600 Patienten zum Opfer gefallen sein“, sagt Mettauer.

„Nur Befehle ausgeführt“
Einer der Hauptakteure dieser Verbrechen war der NS-Arzt Emil Gelny. Er ermordete bis kurz vor Kriegsende gemeinsam mit Ärzten und Pflegern hunderte Patientinnen und Patienten mittels übersodierten Medikamenten, Injektionen und eines von ihm entwickelten Elektroschockgeräts. Gelny musste sich für seine Verbrechen nie verantworten, er floh nach Bagdad und starb dort 1961.


Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands
NS-Arzt Emil Gelny auf einem Foto in einem Fahndungsbuch der damaligen Staatspolizei Wien

Viele der Pflegerinnen und Pfleger plädierten in einem Gerichtsprozess zu den Euthanasie-Verbrechen, der 1946 bis 1948 geführt wurde, auf nicht schuldig und ließen sich über Gutachten für unzurechnungsfähig erklären. Ein Oberpfleger gab an „die Patienten nicht selbst getötet, sondern nur Befehle ausgeführt zu haben“. Er sei „auch nur ein einziges Mal bei einer solchen ‚Liquidierung‘ dabei gewesen“. Er wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, dann aber vorzeitig entlassen.

Die Zahl der Ermordeten war so hoch, dass der Wald neben dem Friedhof gerodet wurde, um Platz für die Leichen zu schaffen. Eine Untersuchung der sterblichen Überreste samt Identifizierungsversuchen via Forensik steht in „Mauer-Öhling“ noch aus. Das könnte der nächste Schritt in der Aufarbeitung der NS-Zeit in der Psychiatrieklinik sein. Nach dem Krieg wurde im Ort über die Verbrechen geschwiegen.


Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH
Die weiße Fläche in der linken Bildhälfte zwischen Friedhof und Wald wurde für Massengräber gerodet

Mahnmal für die Opfer im Landesklinikum
Für seine Forschung führte Philipp Mettauer Interviews mit Angehörigen der Opfer und Pfleger. So gab eine Einheimische an: „Man hat gewusst, dass Menschen ums Leben gekommen sind und dass da auch Ärzte gekommen sind, die die Leute ausgesucht haben.“ Eine andere erzählt von einer Pflegerin, die damals zu den Kindern dort sagte: „Lauft weg, versteckt euch im Wald! Jetzt kommt wieder das Auto, das holt euch alle ab.“

60 Schülerinnen und Schüler der Fachschule Amstetten arbeiteten bei Philipp Mettauers Projekt mit. Sie sammelten die Erinnerungen der Menschen in ihrer Heimat und möchten so die Mauer des Schweigens brechen. Ein erster großer Schritt wurde dafür getan: Im Gedenken an die Opfer wurde am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, ein Mahnmal am Gelände des Klinikums enthüllt. Es wurde vom niederösterreichischen Künstler Florian Nährer gestaltet.

Gerhard Karner (ÖVP), zweiter Präsident des niederösterreichischen Landtags, enthüllte das Mahnmal: „Es ist kein einfaches Gedenken aber ein notwendiges Gedenken, danke für ein lebendiges und damit gleichzeitig mahnendes Gedenken, das auch in Zukunft immer wach und hell bleiben muss.“


ORF
Das Mahnmal besteht aus alten Grabsteinen aus der Umgebung

NS-Euthanasie: Tötung beeinträchtigter Menschen
Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen galten in der Zeit des Nationalsozialismus als unwertes Leben. Die Maschinerie, welcher gewissenlose Ärzte und Pflegepersonal die Patienten auslieferten, umfasste Zwangssterilisationen genauso wie den Abtransport zur geplanten Ermordung im Schloss Hartheim im Rahmen der sogenannten T4-Tötungsaktion. „Im August 1941 wurde das T4-Programm eingestellt. Das Morden erfolgte zunehmend ‚dezentral‘ in den einzelnen Anstalten“, erklärt Philipp Mettauer. Die psychisch Kranken wurden vernachlässigt, misshandelt und getötet.

Nina Pöchhacker, noe.ORF.at

Links:
Publiziert am 08.05.2019
NS-Verbrechen in Mauer größer als angenommen
 

Boogie

Well-Known Member
#7
Hi Michi!...trotz dieser Dunkelheit (die ich auch schön finde) wünsch ich dir einen Tag voll mit Sonnenstrahlen!;):cool:
 

Geist

Worte im Dunkel
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#11
Da hast du natürlich vollkommen recht ,nur was das nicht ausführen der Befehle in Kriegszeiten bedeutet hätte ,kannst du dir ja vorstellen.
Das stimmt so nur teilweise. Das Nicht-Ausführen von Befehlen war vor allem für Militärangehörige natürlich mit schweren Strafen belegt. Bei allen anderen Berufen stellte man es den Ausführenden aber großteils frei sich an Tötungsmaßnahmen zu beteiligen. Zur Polizei in den besetzten Ostgebieten gibt es da schon ein gutes Buch von Christopher R. Browning - "Ganz normale Männer".
Sogar diesen Polizisten stellte man es frei sich an Erschießungen der Zivilbevölkerung zu beteiligen oder nicht. Die Nichtteilnahme war nicht mit Bestrafung verbunden. Einige wenige, die auf ihr Gewissen hörten, meldeten sich bei ihrem Vorgesetzten. Die einzige Folge davon war, dass sie versetzt wurden.
Der noch viel traurigere, wirkliche Grund für die Teilnahme an den Tötungen war, dass die Männer um ihr Ansehen unter den Kollegen fürchteten und als Waschlappen, Weichling oder Memme abgestempelt zu werden, falls sie sich nicht beteiligten. Die Folge war übermäßiger Alkoholkonsum, der letztendlich die Hemmschwelle im Laufe der Tätigkeiten herabsetzte. Psychische Verrohung kam im Anschluss.

Da es sich bei Ärzten und Pflegern um Personal handelte, das noch viel weiter von der militärischen Befehlskette entfernt war, als die Polizisten in den besetzten Ostgebieten, wird die Freiwilligkeit an den Tötungen noch viel höher gewesen sein.
 

josef

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#12
In Nebengebäuden des Sacre Coeur in Pressbaum gab es eine Außenstelle der Anstalt "Spiegelgrund":

Sacre Coeur erinnert an dunkles Kapitel
Der Spiegelgrund in Wien steht für ein besonders dunkles Kapitel der österreichischen Geschichte in der NS-Zeit. Mit einer Verbindung zur eigenen Schule hat sich eine Schülergruppe aus Pressbaum (Bezirk St. Pölten) beschäftigt.
In der „Wiener städtischen Fürsorgeanstalt Am Spiegelgrund“ wurden während der Zeit des Nationalsozialismus Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen medizinischen Versuchen ausgesetzt, gequält und systematisch ermordet. Das Schulgebäude des Sacre Coeurs in Pressbaum (Bezirk St. Pölten) diente damals als Außenstelle der „Nervenheilanstalt“ Spiegelgrund.


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Dieses Nebengebäude am Schulcampus diente als Unterbringungsort für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

Vor einem Jahr starteten Schülerinnen und Schüler der Kindergartenpädagogik im Sacre Coeur ein Kreativprojekt, um an die Schicksale der Kinder vor 80 Jahren zu erinnern. Dazu drehten die Schülerinnen und Schüler einen Film und arbeiteten eine Performance aus. Damit wollen sie erreichen, dass die Geschichte des sogenannten „Spezialkinderheims“ nicht in Vergessenheit gerät.

Schule war Außenstelle der NS-Anstalt
Im Frühjahr 1939 war das Haupthaus des Sacre Coeurs in Pressbaum bereits von der Wehrmacht besetzt, kurz darauf wurde es zu einem Lazarett umgewandelt. Im Juni desselben Jahres wurde das Spezialkinderheim in zwei Nebengebäuden des Schulareals eingerichtet. Mehr als 100 Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen waren ab 1939 im von den Nazis okkupierten Sacre Coeur in Pressbaum untergebracht. Alle wurden schließlich 1941 Am Spiegelgrund ermordet.


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Die Schülerinnen und Schüler bei der gemeinsamen Gedenkfeier

„Wir dürfen das nicht vergessen“
Das Erinnerungsprojekt der Schülerinnen und Schüler nahm seinen Anfang, als die 4b-Klasse 2018 im Unterricht die Euthanasie der nationalsozialistischen Rassenhygiene besprochen hatte, erzählt Schülerin Lena Reischer. „Im Rahmen des Heil- und Sonderpädagogikunterrichts, in dem wir über Kinder mit Behinderungen in der Nazizeit gesprochen haben, habe ich die Frage in den Raum gestellt, inwieweit der Ort hier, an dem wir lernen, auch daran beteiligt war. So ist das Ganze dann eigentlich ins Rollen gekommen.“

Noch in derselben Stunde beschlossen die Jugendlichen ein Projekt zu starten. Die Aufarbeitung der Geschichte, die sich direkt vor der eigenen Türe abgespielt hatte, sei nicht immer leicht gewesen, ergänzt Schülerin Monika Wandl. „Die Stimmung während der Arbeiten daran war ein bisschen traurig, ein bisschen wütend, aber auch erschrocken, weil es dadurch so nah geworden ist für uns.“

Akten in Wien belegen die Kindermorde
Die Schüler und Schülerinnen bedankten sich am Dienstag im Rahmen eines selbst organisierten Festaktes bei Barbara Petrasch, die mit ihrer Diplomarbeit vor zehn Jahren die Recherchearbeit zu diesem dunklen Kapitel lieferte. Nach ihren Angaben waren zwischen 1939 und 1941 in Pressbaum 140 Kinder und Jugendliche untergebracht, bevor sie nach Wien Spiegelgrund abtransportiert wurden. „Für jedes Kind gab es eine Akte, die heute alle im Stadt- und Landesarchiv in Wien aufliegen. Aus ihnen geht hervor, dass alle Kinder systematisch getötet worden sind“, so die Sozialarbeiterin Petrasch.


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Die Schülerinnen und Schüler setzten um die Schule viele Zeichen

Ein Kirschbaum erinnert an die ermordeten Kinder
Im Garten vor jenem Pavillion, in dem das Spezialkinderheim untergebracht war, pflanzten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen der gemeinsam organisierten Gedenkveranstaltung einen Kirschbaum. Auch diese Idee kam von den Schülerinnen und Schülern selbst, erzählt Christa Haberleitner, eine der Lehrerinnen, die die Schülerinnen und Schüler bei dem Projekt begleitete. „Sie haben sich gewünscht, dass es ein Baum sein soll, der Früchte trägt, sodass die Kindergartenkinder, die heute hier spielen und fröhlich sind, Freude daran haben.“ Er soll als Baum der Erinnerung dienen, aber auch als positives Zeichen für die Zukunft gesehen werden.


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Die Pflanzung eines Kirschbaums war Teil eines gemeinsamen Festaktes

Für die Jugendlichen war das umfangreiche Projekt erst der Gedenkauftakt, sie wollen dieses Kapitel der eigenen Schulgeschichte weiter thematisieren. Eine Schülerin etwa fand durch das Projekt eine Anregung für ihre vorwissenschaftliche Arbeit, die sie im Zuge der Vorbereitung auf die Matura schreiben muss. Ab Herbst wird sie sich dann noch intensiver mit dem Spiegelgrund beschäftigen.

Christian Blinzer, der Geschichtslehrer der 4b, unterstützt die Gruppe in ihren Bestrebungen des Erinnerns. „Ich gebe den Schülerinnen und Schülern völlig recht, dass die Beschäftigung mit diesem dunklen Kapitel nach diesem Projekt nicht zu Ende sein kann. Erinnern und auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist etwas, das durch die Beschäftigung und das ständige Hinterfragen von Vergangenem immer wieder passieren muss.“

Links:
Publiziert am 05.06.2019
Sacre Coeur erinnert an dunkles Kapitel
 
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