Stealth Jet
F/A-XX: Erste Details zum Marineflugzeug der sechsten Generation sind da
Northrop Grumman steht in Konkurrenz mit Boeing, wer das neue Flugzeug der US Navy bauen darf
Die F/A-XX von Northrop Grumman kommt ohne Seitenleitwerk aus.
Screenshot Northrop Grumman / X
Der Wettbewerb um die Vorherrschaft in der nächsten Generation der Marine-Luftfahrt nimmt an Fahrt auf. Zeitgleich mit der Ankündigung des Chief of Naval Operations, dass die endgültige Entscheidung zwischen den Entwürfen von Boeing und Northrop Grumman für das F/A-XX-Programm bereits im August fallen soll, hat Northrop Grumman ein neues Teaser-Video veröffentlicht.
Während bisher lediglich ein einziges Rendering des Konzepts für diesen trägergestützten Kampfjet der sechsten Generation existierte, liefert das neue Material detailliertere Einblicke in das Design des neuen Superjets der US Navy.
Ein Stealth-Design ohne Leitwerk
Das veröffentlichte Videomaterial zeigt ein Flugzeug mit einem markanten Design – es wurde nämlich auf ein Seitenleitwerk vollständig verzichtet. Stealth-Eigenschaften und aerodynamische Effizienz sollen im Vordergrund stehen, wie aus einem Bericht von The War Zone hervorgeht. Besonders auffällig sind die auf der Oberseite des Rumpfes liegenden Lufteinlässe sowie die extrem breite Nase, wohl für eine leistungsstarke Radaranlage. Auch das Cockpit ist sehr groß dimensioniert und erinnert an die "Cockpit-Blasen", das sogenannte Bubble Canopy, der F-16 oder F-22. Die F/A-XX weist aber nicht deren rahmenloses Design auf. Im Cockpitglas ist mindestens eine Stützstruktur zu erkennen.
In den gezeigten Sequenzen sind zudem die Tragflächen gut zu erkennen, die leicht gewölbt und nach innen gebogen aussehen. Für den Einsatz auf Flugzeugträgern essenziell ist die im Video demonstrierte Faltmechanik der Flügel, die eine platzsparende Unterbringung an Bord ermöglicht.
Rätselraten um Größe und Besatzung
Trotz der neuen Details bleiben viele Fragen zur tatsächlichen Größe und Ausstattung offen. Die Proportionen im Video, insbesondere das Verhältnis des Fahrwerks und der Cockpithaube zum restlichen Rumpf, lassen das Flugzeug kleiner erscheinen, als es die Anforderungen der US Navy vermuten lassen. Ein schwerer Jäger der sechsten Generation muss enorme Mengen an Treibstoff und intern mitgeführte Waffen transportieren, um den geforderten Einsatzradius von rund 1.000 Meilen (ca. 1.609 km) zu erreichen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die visuelle Darstellung teilweise stilisiert ist. Darüber hinaus ist es gut möglich, dass manche sensible Designelemente wie Lufteinlässe oder Waffenschächte aus Geheimhaltungsgründen verfremdet wurden.
Die F/A-18E/F Super Hornet der US-Marine soll ersetzt werden.
via REUTERS/US CENTCOM via X
Apropos Waffenschächte: Diese liegen, wie bei Stealth-Flugzeugen üblich, intern. Auf äußeren Pylonen angebrachte Waffen würden den Radarquerschnitt zu stark erhöhen. In einigen Kameraeinstellungen sind geöffnete Klappen an der Unterseite sichtbar, wobei die Anordnung auf zwei separate Schächte entlang der Mittellinie hindeutet. Unklar bleibt weiterhin die Besatzungsfrage. Die enorme Größe der Cockpithaube lässt den Schluss zu, dass es sich bei dem Northrop-Vorschlag um einen Zweisitzer handelt. Sogar eine Side-by-Side-Anordnung wäre theoretisch denkbar, meint man im Fachmagazin. Ein solches Design wäre aber für einen Jet höchst ungewöhnlich.
Das Rennen gegen den Konkurrenten Boeing geht in eine entscheidende Phase, wenn im August ein Auftragnehmer von der Marine ausgewählt wird. Die US Navy muss die aktuell eingesetzten F/A-18E/F Super Hornets und EA-18G Growlers dringend ersetzen.
Trump verzögerte Pläne
Eigentlich hätte die Entscheidung für einen Auftragnehmer schon 2025 fallen sollen, aber Donald Trump hat den Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil er die Priorität auf die F-47 der Air Force legte. Dieser wird von Boeing gebaut und trägt auf Trumps Wunsch hin die Bezeichnung "47". Donald Trump ist der 45. und 47. Präsident der USA. Erste Renderings von Boeing zeigen, dass die F-47 und deren Vorschlag für die F/A-XX sehr ähnlich designt sind. Das Marinemodell dürfte über eine kleinere und schmalere Radarkuppel verfügen, zudem dürften die Modelle über unterschiedliche Triebwerke verfügen.
Milliardeninvestitionen in die Zukunft
Lockheed Martin ist im März 2025 aus dem Rennen ausgeschieden. Boeing hat bereits etwa zwei Milliarden US-Dollar in neue Fertigungsanlagen in St. Louis investiert. Dort sollen beide Jets produziert werden.
Wer das Rennen letztlich macht, ist unklar. Laut der US-Navy wartet man aber "sehnsüchtig" auf neue Kampfjets. Wobei die Ablöse der altgedienten F/A-18 nicht von heute auf morgen passieren wird. Die neuen Jets werden wohl erst in den 2030er-Jahren in den Dienst gestellt.
(Peter Zellinger, 22.4.2026)
F/A-XX: Erste Details zum Marineflugzeug der sechsten Generation sind da
F/A-XX: Erste Details zum Marineflugzeug der sechsten Generation sind da
Northrop Grumman steht in Konkurrenz mit Boeing, wer das neue Flugzeug der US Navy bauen darf
Die F/A-XX von Northrop Grumman kommt ohne Seitenleitwerk aus.
Screenshot Northrop Grumman / X
Der Wettbewerb um die Vorherrschaft in der nächsten Generation der Marine-Luftfahrt nimmt an Fahrt auf. Zeitgleich mit der Ankündigung des Chief of Naval Operations, dass die endgültige Entscheidung zwischen den Entwürfen von Boeing und Northrop Grumman für das F/A-XX-Programm bereits im August fallen soll, hat Northrop Grumman ein neues Teaser-Video veröffentlicht.
Während bisher lediglich ein einziges Rendering des Konzepts für diesen trägergestützten Kampfjet der sechsten Generation existierte, liefert das neue Material detailliertere Einblicke in das Design des neuen Superjets der US Navy.
Ein Stealth-Design ohne Leitwerk
Das veröffentlichte Videomaterial zeigt ein Flugzeug mit einem markanten Design – es wurde nämlich auf ein Seitenleitwerk vollständig verzichtet. Stealth-Eigenschaften und aerodynamische Effizienz sollen im Vordergrund stehen, wie aus einem Bericht von The War Zone hervorgeht. Besonders auffällig sind die auf der Oberseite des Rumpfes liegenden Lufteinlässe sowie die extrem breite Nase, wohl für eine leistungsstarke Radaranlage. Auch das Cockpit ist sehr groß dimensioniert und erinnert an die "Cockpit-Blasen", das sogenannte Bubble Canopy, der F-16 oder F-22. Die F/A-XX weist aber nicht deren rahmenloses Design auf. Im Cockpitglas ist mindestens eine Stützstruktur zu erkennen.
In den gezeigten Sequenzen sind zudem die Tragflächen gut zu erkennen, die leicht gewölbt und nach innen gebogen aussehen. Für den Einsatz auf Flugzeugträgern essenziell ist die im Video demonstrierte Faltmechanik der Flügel, die eine platzsparende Unterbringung an Bord ermöglicht.
Rätselraten um Größe und Besatzung
Trotz der neuen Details bleiben viele Fragen zur tatsächlichen Größe und Ausstattung offen. Die Proportionen im Video, insbesondere das Verhältnis des Fahrwerks und der Cockpithaube zum restlichen Rumpf, lassen das Flugzeug kleiner erscheinen, als es die Anforderungen der US Navy vermuten lassen. Ein schwerer Jäger der sechsten Generation muss enorme Mengen an Treibstoff und intern mitgeführte Waffen transportieren, um den geforderten Einsatzradius von rund 1.000 Meilen (ca. 1.609 km) zu erreichen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die visuelle Darstellung teilweise stilisiert ist. Darüber hinaus ist es gut möglich, dass manche sensible Designelemente wie Lufteinlässe oder Waffenschächte aus Geheimhaltungsgründen verfremdet wurden.
Die F/A-18E/F Super Hornet der US-Marine soll ersetzt werden.
via REUTERS/US CENTCOM via X
Apropos Waffenschächte: Diese liegen, wie bei Stealth-Flugzeugen üblich, intern. Auf äußeren Pylonen angebrachte Waffen würden den Radarquerschnitt zu stark erhöhen. In einigen Kameraeinstellungen sind geöffnete Klappen an der Unterseite sichtbar, wobei die Anordnung auf zwei separate Schächte entlang der Mittellinie hindeutet. Unklar bleibt weiterhin die Besatzungsfrage. Die enorme Größe der Cockpithaube lässt den Schluss zu, dass es sich bei dem Northrop-Vorschlag um einen Zweisitzer handelt. Sogar eine Side-by-Side-Anordnung wäre theoretisch denkbar, meint man im Fachmagazin. Ein solches Design wäre aber für einen Jet höchst ungewöhnlich.
Das Rennen gegen den Konkurrenten Boeing geht in eine entscheidende Phase, wenn im August ein Auftragnehmer von der Marine ausgewählt wird. Die US Navy muss die aktuell eingesetzten F/A-18E/F Super Hornets und EA-18G Growlers dringend ersetzen.
Trump verzögerte Pläne
Eigentlich hätte die Entscheidung für einen Auftragnehmer schon 2025 fallen sollen, aber Donald Trump hat den Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil er die Priorität auf die F-47 der Air Force legte. Dieser wird von Boeing gebaut und trägt auf Trumps Wunsch hin die Bezeichnung "47". Donald Trump ist der 45. und 47. Präsident der USA. Erste Renderings von Boeing zeigen, dass die F-47 und deren Vorschlag für die F/A-XX sehr ähnlich designt sind. Das Marinemodell dürfte über eine kleinere und schmalere Radarkuppel verfügen, zudem dürften die Modelle über unterschiedliche Triebwerke verfügen.
Milliardeninvestitionen in die Zukunft
Lockheed Martin ist im März 2025 aus dem Rennen ausgeschieden. Boeing hat bereits etwa zwei Milliarden US-Dollar in neue Fertigungsanlagen in St. Louis investiert. Dort sollen beide Jets produziert werden.
Wer das Rennen letztlich macht, ist unklar. Laut der US-Navy wartet man aber "sehnsüchtig" auf neue Kampfjets. Wobei die Ablöse der altgedienten F/A-18 nicht von heute auf morgen passieren wird. Die neuen Jets werden wohl erst in den 2030er-Jahren in den Dienst gestellt.
(Peter Zellinger, 22.4.2026)