November 2020 Meteoritensichtung - Feuerkugel am Himmel... Juli 2021 - Meteoritenbruchstück in Kindberg gefunden

josef

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#1
Feuerkugel über Österreich zu sehen
Rechtzeitig zum zweiten Lockdown war Donnerstagfrüh erneut eine große Feuerkugel über Österreich zu sehen. Wie der Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums mitteilte, wurde die Leuchterscheinung auch in Deutschland und Italien beobachtet.
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Bereits während des ersten Lockdowns war Anfang April eine ähnliche Beobachtung gemacht worden. Um etwa 04.48 Uhr war die Feuerkugel am Donnerstag trotz schlechten Wetters südwestlich von Wien zu sehen. Bisher gibt es laut dem Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, Ludovic Ferriere, bereits mehr als 30 Meldungen über Beobachtungen.

Weitere Beobachter der Feuerkugel gesucht
Die Himmelserscheinung dürfte mit dem Leoniden Meteorschauer in Verbindung stehen, dessen Höhepunkt in der Nacht auf Dienstag erreicht wurde. Nach wie vor seien davon Meteoriten zu sehen, so Ferriere – aber eine Feuerkugel wie diese sei eine Rarität.

Ob der Himmelskörper in der Erdatmosphäre vollständig verglüht ist oder es zu einem Metoritenfall gekommen ist, also Reste auf die Erde gefallen sind, ist noch unklar. Ferriere bittet jedenfalls, Beobachtungen der Feuerkugel auf der entsprechenden Meldeseite des NHM im Internet einzutragen.
20.11.2020, red, wien.ORF.at/Agenturen

Links:
Erneut Feuerkugel über Österreich zu sehen
 

josef

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#2
Mehr zur Sichtung am Donnerstag, 19.11.2020:

METEOROID
Großer grüner Feuerball über Österreich beobachtet
Himmelserscheinung führte auch in Deutschland und Italien zu zahlreichen Meldungen. Ähnliches Phänomen wurde auf der Südhalbkugel gesehen
Wien – Früher hätte man wohl von einem bedeutungsschweren Himmelszeichen gesprochen: Wie schon während des ersten Lockdowns Anfang April war in der Nacht auf Donnerstag über Österreich eine große grüner Feuerkugel zu sehen. Wie der Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien, Ludovic Ferriere, mitteilte, gibt es in Deutschland, Italien und Österreich zahlreiche Beobachtungsmeldungen über die Leuchterscheinung.

Video: Feuerball über Mitteleuropa
AllSky7

Über 30 Meldungen
Um etwa 04.48 Uhr war die Feuerkugel am Donnerstag trotz schlechten Wetters südwestlich von Wien zu sehen. Bisher gibt es laut Ferriere bereits mehr als 30 Meldungen über Beobachtungen. Die Himmelserscheinung dürfte mit dem Leoniden Meteorschauer in Verbindung stehen, dessen Höhepunkt in der Nacht auf Dienstag erreicht wurde. Nach wie vor seien davon Meteoriten zu beobachten, so Ferriere – aber eine Feuerkugel wie diese sei eine Rarität.
Ob der Himmelskörper in der Erdatmosphäre vollständig verglüht ist oder es zu einem Metoritenfall gekommen ist, also Reste auf die Erde gestürzt sind, ist noch unklar. Ferriere bittet jedenfalls, Beobachtungen der Feuerkugel auf der entsprechenden Meldeseite des NHM im Internet einzutragen.

Leuchterscheinung auf der Südhalbkugel

Video: Feuerball über der Tasmanischen See.
Guardian News

Auf der anderen Seite der Erdkugel war am späten Abend des 18. November (Ortszeit) übrigens ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Die Kamera des australischen Forschungsschiffs RV Investigator, das sich zu diesem Zeitpunkt in der Tasmanischen See aufgehalten hat, nahm das Ereignis auf. Der Feuerball von ebenso grünlicher Färbung wie jener über Österreich (das grüne Leuchten ist auf das Element Magnesium zurückzuführen), raste direkt vor dem Schiff von links oben kommend quer über den Himmel und zerbrach dabei in mehrere Teile.
(red, APA, 20.11.2020)

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Großer grüner Feuerball über Österreich beobachtet - derStandard.at
 

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#3
Feuerkugel über Oberösterreich
Ein Meteorit, der in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag seine helle Bahn durch den Himmel zog, hat in Oberösterreich für Aufregung gesorgt. Die Himmelserscheinung wurde von Mitgliedern des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut fotografiert.
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Um 4.46 Uhr konnte die extrem helle Himmelserscheinung Donnerstagfrüh von Mitgliedern des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut auf Fotos festgehalten werden. Laut einer Auswertung des Astronomischen Instituts Ondrejov in Tschechien handelte es sich um einen Meteoriten, der bei seinem Eintritt in die Athmosphäre eine Masse von etwa 270 Kilogramm aufwies. Die Eintrittshöhe war rund 100 Kilometer im über dem bayrisch/tschechischen Grenzgebiet nordöstlich von Regensburg. Der Gesteinsbrocken war mit einer
Geschwindigkeit von 14 km pro Sekunde (mehr als 50.000 km/h) unterwegs.

Erwin Filimon
Die All-Sky-Kamera der Sternwarte Gahberg hielt den Feuerball fest

Nur wenige Kilometer südöstlich von Linz erreichte die Feuerkugel mit rund -14m (das entspricht der Helligkeit des Vollmonds) ihr Helligkeitsmaximum in einer Höhe von 42 Kilometer. Dann brach der Meteorit in zahlreiche Stücke auseinander. Der Endpunkt der Bahn lag wenige Kilometer südwestlich von Mariazell in einer Höhe von 25 Kilometer.

Hermann Koberger jun.
Hermann Koberger jun. konnte den Absturz des Meteoriten in Fornach fotografieren

Die gesamte Flugbahn der leuchtenden Himmelserscheinung war rund 290 Kilometer lang und 24 Sekunden lang zu sehen. Das errechnete Fallgebiet der Meteoriten (man erwartet zwei größere zwischen einem und vier Kilogramm und zahlreiche kleinere Stücke) ist aufgrund der flachen Flugbahn rund 50 Kilometer lang und bis zu drei Kilometer breit und liegt in hügeligem und bewaldetem Gebiet. Was die Suche nach den Bruchstücken deutlich erschweren wird.
21.11.2020, red, ooe.ORF.at

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Feuerkugel über Oberösterreich
 

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#4
Laut NÖN gab es auch Beobachtungen im Raum südlich von St.Pölten um Wilhelmsburg, St.Aegyd, Kernhof und Frankenfels:

REGION ST. PÖLTEN
Dumpfer Knall war Meteor
Ein Knall riss gestern um 4.46 Uhr einige Bewohner der Umgebung in St. Aegyd am Neuwalde aus dem Schlaf. Ein Meteorit drang in die Atmosphäre der Erde ein. Das Eindringen und damit verbundene Abbremsen erzeugte das Geräusch. Einige haben das Naturschauspiel sogar beobachtet.
NÖN St.Pölten von Nadja Straubinger und Gabi Zeller. Erstellt am 20. November 2020

Hermann Koberger

In den Sozialen Medien war der Knall vom 19. November wenig später viel diskutiert. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich um einen Meteor handelte. "Die Leoniden gehören zu den aktivsten Meteorschauern. Sie erreichen am 18. und 19. November ihr Maximum", berichtet Gerhard Kermer vom Verein Antares. Der Ursprungskomet dürfte einen größeren Teil verloren haben, sonst seien es nur Staubteilchen, erklärt der Hobbyastronom.

Unter den Augenzeugen war auch Mario Winkler aus Kernhof, er erzählt: „Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als exakt um 4.46 Uhr ein großer Meteor in Richtung Südsüdost über den Himmel raste und genau über St. Aegyd verglühte.“. Winkler betriebt selbst seit Jahren in Kernhof eine Wetterstation und ist sehr am „Himmelsgeschehen“ interessiert.

„Mehrere Personen berichteten mir anschließend via Facebook von einem Donner oder Knall, welcher auch in weiter entfernten Orten wie Wilhelmsburg, St. Georgen und Frankenfels zu hören war“, so Winkler. Beeindruckt von diesem Naturphänomen zeigte sich auch eine weitere Augenzeugin, Hermine Meissinger aus St. Aegyd, welche den Meteor als „großes hellgelbes Licht, welches genau vor meinem Fenster zerbarst“ wahrnahm.
Dumpfer Knall war Meteor
 

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#5
Die Suche nach dem Stein aus dem All
Nach dem Erscheinen eines Feuerballs über Mitteleuropa machten sich ein paar Unverdrossene auf die Suche nach den Meteoritenbruchstücken
REPORTAGE

Die Abstände zwischen Meteoritensuchern sind zwar Corona-regelkonform, aber nicht Corona-bedingt: Sie dienen der Abdeckung einer möglichst großen Fläche.
Foto: NHM / Ludovic Ferrière

"I have climbed the highest mountains, I have run through the fields … but I still haven’t found what I’m looking for", singt Bono von U2. Für das Programm einer Handvoll Menschen am vergangenen Wochenende ist dies der passende Soundtrack: Ludovic Ferrière, der Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums in Wien, blies zur Meteoritenjagd.

Am frühen Donnerstagmorgen hatte ein Bolide ein Spektakel an den mitteleuropäischen Nachthimmel gezaubert. Der Meteoroid drang um 4.46 Uhr und 47 Sekunden in die Erdatmosphäre ein und wurde trotz der nachtschlafenden Zeit von vielen Menschen gesehen. Auch zahlreiche Spezialkameras zeichneten die Flugbahn des außerirdischen Objekts auf.


Der Bolide zog eine kilometerlange Leuchtspur über den mitteleuropäischen Nachthimmel.
Foto: Hermann K. / fireballs.imo.net

Während die einzige österreichische Kamera des Fripon-Netzwerks (Fireball Recovery and Interplanetary Observation Network) auf dem Dach des NHM in dieser Nacht wegen der Wolkendecke über Wien nichts aufzeichnen kann, empfängt die Radioantenne ein fast eineinhalb Minuten andauerndes Echosignal des Boliden.


Die Radioantenne der NHM verzeichnete ein fast eineinhalb Minuten andauerndes Signal.
Foto: FRIPON / NHMW

Im Wesentlichen handelt es sich bei einem Boliden um eine übergroße Sternschnuppe – ein rares Event, doch die gesammelten Daten lassen Rückschlüsse auf ein Jahrhundertereignis zu: einen multiplen Meteoritenfall. Nur sieben verschiedene Meteorite sind bisher auf österreichischem Boden gefunden worden, bei vier handelt es sich um einen beobachteten Fall.

Dicker Brocken
Der Eindringling hatte beim Eintritt in die Atmosphäre eine Masse von satten 270 Kilogramm, die rasch fragmentiert wurden und für ein kilometerlanges, fast eine halbe Minute dauerndes Leuchtereignis sorgten. Der überwiegende Teil der ursprünglichen Masse ist verdampft, doch einzelne Stücke von wenigen Gramm bis möglicherweise vier Kilogramm müssen es Berechnungen zufolge bis zur Erdoberfläche geschafft haben. Das Astronomische Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik veröffentlichte Daten über die wahrscheinliche Verteilung der gefallenen Meteorite. Zusätzlich wissenschaftlich relevant macht den Fall die Tatsache, dass die Daten eine Berechnung der ursprünglichen Umlaufbahn des Objekts ermöglichen. Auch ein möglicher Zusammenhang mit den Leoniden lässt sich zunächst noch nicht ausschließen. Diese hatten ihren Höhepunkt in der Nacht auf den 17. November und werden mit dem Kometen Tempel-Tuttle in Verbindung gebracht.

Für den Impaktforscher Ferrière bedeutet dies akuten Handlungsbedarf. Frisch gefallene Meteorite sind ein wertvolles und aufschlussreiches Material für die Forschung, da es noch kaum Veränderungen durch irdische Einflüsse erfahren hat. Darüber hinaus ist bei Funden mit dem Auftauchen professioneller internationaler Meteoritenjäger zu rechnen – die Meteorite würden damit in privaten Sammlungen landen und wären für die Forschung verloren. Und Meteorite, die nicht rasch geborgen werden, halten der heimischen Witterung nicht lange stand oder verschwinden für immer im Boden. Ferrière organisierte daher spontan Suchteams, um im möglichen Fundgebiet auf Basis der verfügbaren Daten eine systematische Suche zu starten. Am Samstag machten sich also der Impaktforscher, die Politikwissenschafterin Anna Wrobel, der Künstler Florian Raditsch, der Bilder von Meteoriten in seinem Portfolio führt, und ein Außenpolitikjournalist mit Faible für Wissenschaft auf den Weg in die Obersteiermark.


Ludovic Ferrière auf der Suche nach dem Stein aus dem All.
Foto: Michael Vosatka

Riesiges Gebiet
Die sensationelle Nachricht vom wahrscheinlichen Meteoritenfall ist jedoch zugleich auch die schlechte: Das Gebiet erstreckt sich von Lunz am See in einem fünfzig Kilometer langen und zwischen eineinhalb bis fünf Kilometer breiten Korridor bis nach Kindberg im Mürztal – wobei auch leichte Abweichungen nach Ost und West durchaus möglich sind. Das fundträchtige Gebiet ist darüber hinaus nur wenig besiedelt, bewaldet und gebirgig.


Der Bolide drang in einem flachen Winkel und verhältnismäßig langsam in die Erdatmosphäre ein. Das Resultat ist ein extrem langgezogenespotentielles Streufeld.
Illustr.: Astronomisches Institut der ASCR, Hintergrundkarte: Google Earth

Die daher ohnedies mäßigen Aussichten auf einen Fund werden durch einen weiteren Faktor noch reduziert: In der Nacht auf Samstag hat es geschneit, der gefrorene Boden ist mit einer Schneedecke verhüllt. Zwar handelt es sich nur um ein bis zwei Zentimeter, doch das reicht aus, um die Spuren frischer Einschläge im Boden zu bedecken. Ferrière schafft es dennoch, die Motivation des Teams aufrechtzuhalten.


Ein Stein schaut unter der frischen Schneedecke hervor. Ein größeres Meteoritenbruchstück könnte vielleicht entdeckt werden, kleinere sind bei diesen Bedingungen unauffindbar.
Foto: Michael Vosatka

Die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen ist trotzdem aussichtsreicher: Die Meteorite können in dem zig Quadratkilometer umfassenden Fundgebiet überall sein. Im Wald, im Gestrüpp, in Bächen und auch in den im landwirtschaftlichen Gebiet reichlich vorhandenen Heu- und Misthaufen braucht man eine Nachschau aufgrund der Sinnlosigkeit erst gar nicht zu halten. Der Forscher wählt als Suchgebiet einen Flecken mit zahlreichen mehr oder weniger steilen Wiesen östlich von Turnau.


Die Wiesen bieten in Anbetracht der Umstände die besten Suchbedingungen.
Foto: Michael Vosatka

Hier, im Räuschinggraben, probieren wir unser Glück. Auf einer Fläche entlang eines Baches gehen wir in fixen Abständen zueinander mit dem Blick über den Boden schweifend das Gebiet ab. Wir suchen nach Stellen mit frisch aufgewühlter Erde und nach Brocken mit schwarzer, samtschimmernder Oberfläche. Davon finden wir reichlich: Das Feld wurde offensichtlich erst kürzlich gedüngt.


Suchbild: wo ist der Meteorit?
Foto: Michael Vosatka

Auch auf einer Forststraße, im Wald und auf steilen Wiesen werden wir nicht fündig. Immerhin, auf den Wiesen gibt es reichlich frische Löcher im Boden zu untersuchen: Sie stammen jedoch ausnahmslos von den Hufen der Kühe.


Auf einer Forststraße kann ein Meteorit nicht so tief in den Boden eindringen wie auf einer Wiese. Fündig werden wir dennoch nicht.
Foto: Michael Vosatka

Auch am Sonntag muss Ferrière mit anderen Begleitern unverrichteter Dinge wieder abziehen: Andernorts waren die Schneedecken noch dicker. Der Kurator hofft nun auf die Mithilfe der Bevölkerung: Schon am Wochenende zeigte er Einheimischen einen vergleichbaren Meteoriten, damit sie wissen, wonach sie Ausschau halten sollen. Falls jemand einen ungewöhnlichen Stein mit schwarzer Kruste und hellem Inneren gefunden hat, bittet Ferrière um Information über die Webseite des NHM.
(Michael Vosatka, 24.11.2020)


Eine bestimmte Art von Steinschlag ist manchmal wünschenswert.
Foto: Jean-Guillaume Feignon

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Die Suche nach dem Stein aus dem All - derStandard.at
 

josef

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#6
Schweden: Großer Eisenmeteorit nach Feuerball im November geborgen
Geologen entdeckten den 14 Kilogramm schweren Brocken nahe Enköping nordwestlich von Stockholm

Der entdeckte Eisenmeteorit wiegt annähernd 14 Kilogramm ist rund 30 Zentimeter lang.
Foto: Andreas Forsberg/Anders Zetterqvist

Während nach den erwarteten Überresten einer Feuerkugel über Österreich im vergangenen November ohne Erfolg gesucht worden war, hatten Geologen in Schweden mehr Glück: Dort entdeckten zwei Männer einen fast 14 Kilogramm schweren Eisenmeteoriten. Es handelt sich dabei um den vermuteten Hauptteil eines Meteoriten vom 7. November, wie das in Stockholm ansässige Naturhistorische Reichsmuseum mitteilte. Zwei Privatpersonen – Geologen aus der Hauptstadt mit einem Interesse an Meteoriten – haben den seltenen Fund in der Nähe von Enköping nordwestlich von Stockholm gemacht und ihn dem Museum übergeben.

Seltener Fund
Nach Museumsangaben ist es das erste Mal seit über 60 Jahren, das ein beim Absturz beobachteter Meteorit in Schweden gefunden worden ist. Unzählige Menschen in der schwedischen Region hatten an besagtem 7. November einen Feuerball gesehen, der den Himmel für etwa drei Sekunden erleuchtet hatte.

Der Astronom Eric Stempels von der Universität in Uppsala berechnete daraufhin den ungefähren Einschlagsort, an dem später bereits kleine Fragmente eines Eisenmeteoriten gefunden wurden. Das jetzt entdeckte Hauptstück ist rund 30 Zentimeter lang und stellt den wahrscheinlich größten Rest des Himmelskörpers dar, der laut Stempels beim Eintritt in die Atmosphäre ursprünglich schätzungsweise neun Tonnen schwer gewesen ist. Weitere kleinere Teile werden noch in der Gegend vermutet.
(red, APA, 23.2.2021)

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Schweden: Großer Eisenmeteorit nach Feuerball im November geborgen - derStandard.at
 

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#7
SENSATIONSFUND
Alien nach Landung in Kindberg aufgespürt
Fast acht Monate nach seinem Fall wurde in der Steiermark ein Meteorit gefunden – dank einer genauen Berechnung der Flugbahn, Citizen-Scientists und eines Meteoritenforschers mit hoher Frustrationstoleranz
Bei dem Fremdling, der im vergangenen November Kindberg in der Steiermark eine Visite abgestattet hat, handelt es sich um einen hohen Besuch. Um allerhöchsten, um genau zu sein: Der Eindringling stammt aus dem Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Hier entstand er vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren, gleichzeitig mit dem Sonnensystem. Irgendwann, wohl nach einem Kollisionsereignis vor vielen Millionen Jahren, machte sich der Reisende auf den Weg ins innere Sonnensystem. Seine spektakuläre Ankunft als grün leuchtender Feuerball beobachteten trotz nachtschlafender Zeit hunderte Menschen in Deutschland, Italien, Tschechien und Österreich. Doch obwohl Berechnungen zeigten, dass Fragmente des Meteoroiden es bis auf die Erdoberfläche geschafft haben mussten, blieben sie verschollen. Bis Anfang Juli, als ein Bruchstück des Meteoriten wieder auftauchte – in Kindberg, genau dort, wo die größten Fragmente vermutet wurden.


Der gesuchte Meteorit tauchte in Kindberg im Mürztal auf – genau dort, wo er den Berechnungen zufolge vermutet wurde.
Foto: NHM/Ludovic Ferrière

Die Entdeckung des Kindberg-Meteoriten ist aufgrund der Umstände eine wissenschaftliche Sensation: Erstmals konnte in Österreich mithilfe einer detaillierten Bahnberechnung ein Stein aus dem All lokalisiert werden – auch dank der Beharrlichkeit des Impaktforschers und Kurators der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums in Wien, Ludovic Ferrière, und der Aufmerksamkeit der von ihm sensibilisierten lokalen Bevölkerung.

Exakte Bahnberechnung
Am 19. November 2020 erleuchtete um 4.46 Uhr ein Feuerball den Nachthimmel. 24 Sekunden lang war der Meteor zu sehen. Hochspezialisierte Kameras verschiedener Feuerball-Netzwerke zeichneten das Ereignis auf. Diese Daten ermöglichten eine genaue Bahnberechnung und Rückschlüsse auf die Größe des Meteoroiden vor dem Eintritt in die Atmosphäre. Experten der tschechischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichten direkt nach dem Fall ein Dossier. Sie berechneten die Masse des Meteoroiden, der mit 14 km/s in südöstlicher Richtung die Atmosphäre eindrang, auf rund 270 Kilogramm. Von der ursprünglichen Masse ging der Großteil verloren: Die Materie verglühte und sorgte so für ein Spektakel am Himmel, von etwa hundert Kilometern über dem Erdboden bis zu einer Höhe von 25 Kilometern. Danach begann die Phase des Dunkelflugs. Die Berechnungen sagten voraus, dass in einem fünfzig Kilometer langen und bis zu drei Kilometer breiten Korridor zwischen Lunz am See und Kindberg zahlreiche Fragmente die Erdoberfläche erreicht haben, wobei die leichtesten Stücke zuerst zu Boden fielen, die größten aber am weitesten flogen.

Schlechte Voraussetzungen
Ferrière mobilisierte kurz nach dem Fall ein kleines Team mit einem meteoritophilen Außenpolitikjournalisten im Schlepptau für eine spontane Suche in der Region um Kindberg, wo größere Funde mit bis zu vier Kilogramm denkbar wären. Doch das fundträchtige Gebiet ist nicht nur riesig, sondern auch stark bewaldet und gebirgig und daher denkbar schlecht für die Meteoritensuche geeignet. Dass es in der Nacht nach dem Fall schneite, minderte die Chancen weiter. Der Forscher setzte daher von Beginn an auf die Mithilfe der ansässigen Bevölkerung und den Ansatz der "Citizen-Science". Anhand mitgebrachter Infoblätter erklärte Ferrières Team jedem, dem es begegnete, woran ein Meteorit zu erkennen ist und worauf bei einem Fund zu achten ist. Dies sollte schließlich Früchte tragen.

Anfang Juli läutet das Telefon des Redakteurs: "Wir haben einen Meteoriten!", sagt Ferrière, der als Kurator die größte ausgestellte Meteoritenschau der Welt betreut. "Ja, ich weiß. Ihr habt viele", lautet die lakonische Antwort – wohlwissend, dass es sich nur um den Meteoriten handeln kann.

Volltreffer
Dutzende Menschen meldeten sich seit November bei Ferrière, weil sie glaubten, einen Meteoriten entdeckt zu haben, ebenso oft stellte sich der Fund als Fehlalarm heraus. Doch der Anrufer aus Kindberg, der sich Anfang Juli an das Museum wendet, legt Ferrière Fotos vor, die keinen Zweifel lassen: Eine dünne samtglänzende schwarze Schmelzkruste, ein von Schockvenen durchzogenes helles, braungraues Inneres mit leichten Oxidationsspuren – dies ist eindeutig ein Meteorit. Es stellt sich heraus, dass der Anrufer tatsächlich zu jenen Personen gehört, die der Impaktforscher im Rahmen seiner Exkursionen im November über den Meteoritenfall informierte. Ein Familienmitglied findet schließlich den ungewöhnlichen schwarzen Stein mit hellen Bruchflächen am Rand einer Waldstraße.


Das 233-Gramm-Fragment des Kindberg-Meteoriten an exakt der Stelle, an der er am 4. Juli 2021 gefunden wurde.
Foto: Michael Vosatka

Ferrière fährt am nächsten Tag gemeinsam mit der Co-Kuratorin Julia Walter-Roszjár und dem Redakteur nach Kindberg, um bei brütender Hitze den Fundort zu inspizieren und eine Suche nach weiteren Fragmenten durchzuführen. Doch diese bleibt ergebnislos: Rund um die Fundstelle ist der Waldboden von dichten Heidelbeersträuchern überwuchert.


Meteoritensuche ist eine meditative Tätigkeit: gesenkten Hauptes schreitet man in gleichmäßigen Abständen voneinander getrennt über die abzusuchenden Flächen.
Foto: Michael Vosatka

Wissenschaftliche Untersuchungen
Dankenswerterweise stellen die Finder dem NHM den Meteoriten für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Hierfür wurde eine kleine Probe von dem 233 Gramm schweren Stein abgetrennt. Bei den Untersuchungen zur Klassifizierung kamen eine Elektronenstrahlmikrosonde, ein Mikro-CT-Gerät und 3D-Scanner zum Einsatz.

Kindberg Meteorite by Natural History Museum Vienna on Sketchfab

Eine Messung kosmogener Radionuklide bestätigte, dass sich der Meteorit erst seit kurzer Zeit auf der Erde befindet. Die Ergebnisse wurden der Meteoritical Society zur Genehmigung vorgelegt. Sobald dies geschehen ist, wird der Stein künftig den Namen Kindberg tragen und der achte Österreicher und erste Steirer im internationalen Verzeichnis sein. Wie seine sieben Kollegen ist auch Kindberg ein gewöhnlicher Chondrit.

Kindberg ist der erste bestätigte Meteoritenfund in Österreich seit 44 Jahren. 1977 wurde in Ybbsitz in Niederösterreich das letzte Mal bestätigterweise ein Meteorit gefunden. Das letzte Mal, dass ein Meteorit nach der Beobachtung seines Falls geborgen werden konnte, ist mit Prambachkirchen fast 90 Jahre her.


Der Kindberg-Meteorit in der Hand der Finderin.
Foto: Michael Vosatka

Besonders spektakulär ist die Tatsache, dass Kindbergs Orbit aufgrund der Kameradokumentation berechnet werden und damit auf seine Ursprünge rückgeschlossen werden kann. Dies ist erst bei gut drei Dutzend von zehntausenden Meteoriten gelungen. Wünschenswert wäre deshalb, dass Kindberg als wissenschaftlich wichtiger Meteorit nicht in einer privaten Kollektion verschwindet, sondern als Teil des kulturellen Erbes seinen Weg in die Sammlung des NHM findet.
(Michael Vosatka, 14.9.2021)


Die wichtigsten Minerale des Kindberg-Meteoriten in einem Mikrosonden-Übersichtsbild (Rückstreuelektronen-Modus) (ol = Olivin; opx = Orthopyroxen; pl = Plagioklas; tae = Taenit; chr = Chromit; tro = Troilit; mer = Merrillit).
Foto: NHM/Walter-Roszjár

Mikrosonden-Rückstreuelektronenbild der Schmelzkruste des Kindberg-Meteoriten. Bei den hellen Flecken handelt es sich um Magnetit, der beim Eintritt des Steines in die Atmosphäre am 19. November 2020 skelettartig kristallisiert ist.
Foto: NHM/Ludovic Ferrière

Mikrosonden-Rückstreuelektronenbild eine der seltenen Chondren im Inneren des Kindberg-Meteoriten.
Foto: NHM/Walter-Roszjár

Das Innenleben des Meteoriten, mit der Mikro-Computertomographie sichtbar gemacht. Blau eingefärbt sind Metall- und Sulfidkörner; der Rest, in Grautönen gehalten, wird von Silikatmineralen dominiert.
Foto: NHM/Winkler

Die Schnittfläche zeigt eine braunschwarze Schmelzkruste und das grau-orangefarbene Innere des Meteoriten, erkennbar sind Schockmerkmale und die leichte Rostbildung durch Verwitterung auf der Erdoberfläche.
Foto: NHM/Ludovic Ferrière
Alien nach Landung in Kindberg aufgespürt
 

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#8
...und ORF-Steiermark dazu:

Erster „Austro“-Meteorit seit 1977 geborgen
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In Kindberg im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag ist ein 233 Gramm schweres Fragment eines Meteoriten gefunden worden. Beim nunmehr „Kindberg-Meteorit“ genannten außerirdischen Ankömmling handelt es sich um den ersten derartigen Fund in Österreich seit 1977.
Online seit heute, 17.50 Uhr
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In den vergangenen 250 Jahren wurden in Österreich nur insgesamt acht Meteoriten geborgen – der am 4. Juli gefundene „Kindberg-Meteorit“ ist daher eine „Sensation für Österreich“, so der Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums (NHM), Ludovic Ferrière.

Schon am 19. November niedergegangen
Am 19. November des Vorjahres um 4.46 Uhr war eine Feuerkugel über Österreich zu sehen. Rasch gingen damals bei Ferrière zahlreiche Meldungen über Beobachtungen der raren Erscheinung ein; es gab Berichte über laute Explosions- und Rumpelgeräusche und Sichtungen eines Staubschweifs. Registriert wurden die nächtlichen Vorkommnisse auch von einer Reihe von spezialisierten Meteorkameras des „AllSky7“-Feuerballnetzes, des FRIPON-Meteorbeobachtungsnetzwerks (Fireball Recovery and InterPlanetary Observation Network) und des Europäischen Feuerkugelnetzes.

In Auswertungen des Netzwerks unter der Leitung von Pavel Spurný von der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik konnte schnell ermittelt werden, was beim Durchgang durch die Erdatmosphäre geschehen sein musste. Die Wissenschaftler schätzten das ursprüngliche Gewicht des Himmelskörpers auf etwa 270 Kilogramm. 24 Sekunden war der Brocken als Leuchterscheinung sichtbar, als er von einer Höhe von 100 Kilometer Höhe auf 25 Kilometer fiel – bei der geschätzten Geschwindigkeit von 14 Kilometern pro Sekunde verglühte allerdings der Großteil der Masse; der Rest müsste demzufolge in meist kleinen Bruchstücken in einem rund 50 Kilometer langen und bis zu drei Kilometer breiten Berggebiet zwischen den Gemeindegebieten von Lunz am See in Niederösterreich und dem steirischen Kindberg niedergegangen sein.

Wettlauf gegen die Zeit
Ferrière trommelte umgehend ein kleines Team zusammen, das sich in besagtem Gebiet auf die Suche nach Überbleibseln machte. Hier habe es sich um Bürgerwissenschaften oder auf Neudeutsch „Citizen Science“ par excellence gehandelt – ein Ansatz, der in seinem Forschungsfeld viel Tradition habe, sagte der Forscher. Fündig wurde man allerdings damals nicht. Die lokale Bevölkerung sollte aber in der Folge nach charakteristisch schwarz gefärbten Gesteinsbrocken Ausschau halten. Es entspann sich auch ein Wettlauf gegen die Zeit, denn je länger ein Einschlag zurückliegt, desto eher wird er von der Vegetation überwuchert, oder es ändert sich das Erscheinungsbild der in der Regel ungewöhnlich aussehenden Steinbrocken mit schwarzer Außenhülle.

„Mehrere Dutzend Personen haben uns im Museum kontaktiert, seit die Feuerkugel gesehen wurde, aber keiner der gefundenen Steine war ein Meteorit“, so der Wissenschaftler. Schlussendlich meldete sich acht Monate nach dem Fall eine Person, die mit Ferrière bereits bei den ersten Suchen in Kontakt war, mit dem entscheidenden Fund. Sogleich fuhren Ferrière und seine Kollegin Julia Walter-Roszjár nach Kindberg, um das Gestein zu untersuchen und weiter zu suchen. Das zerbrochene Gestein zeigt tatsächlich die typisch schwarze Schmelzkruste und ein graues Inneres mit glänzenden Metallkörnern sowie einige dünne Schmelzadern, so die Wissenschaftler.
APA/NHM/LUDOVIC FERRIéRE
Der „Kindberg-Meteorit“ wiegt 233 Gramm

Weitere Stücke fanden sich jedoch bisher nicht. „Es müsste dort aber noch mehr sein, denn auf dem Video vom Absturz sieht man, dass es Fragmentierungen gab“, so Ferrière. Das nunmehrige Stück habe sich zwar exakt in dem Gebiet befunden, das die Analysen nahelegten; dass sich weitere Fragmente in der bergigen Region zeitnah finden lassen, sei aber fraglich – auch weil sich bereits viele Leute aus zahlreichen Ländern an Suchen beteiligt haben.

„Eine echte Ausnahme“
Für Österreich ist der Fund „erst die Nummer acht und damit eine echte Ausnahme“, betonte Ferrière. Obwohl man weltweit mehrere zehntausend Meteoriten gefunden hat, ist der Fall hier im internationalen Vergleich doch außergewöhnlich: So konnte auf Basis der zahlreichen Beobachtungen der Orbit des ursprünglichen Objekts um die Erde berechnet werden – das war bisher nur bei rund 40 derartigen Begebenheiten von ungefähr 60.000 der Fall. Nach dem Fund der ersten Überreste könne man dazu auch weitere Daten liefern, freute sich der Wissenschaftler.
In vielen Fällen habe man nur das Material zur Analyse, ohne zu wissen, wo es genau gefunden wurde, so der Geologe. Beim „Kindberg-Meteoriten“ handle es sich um einen Vertreter der Apollo-Asteroiden – damit stammt er aus der gleichen Gruppe wie jener, aus der der im Februar 2013 spektakulär gefallene Tscheljabinsk-Meteorit stammt; dieser hatte immerhin einen Durchmesser von rund 20 Metern, als er über Russland abstürzte. Diese Gruppe lasse sich laut Ferrière quasi anhand von Proben „zurückverfolgen. Es ist ein klein wenig so, als ob man eine gratis Rückkehrraumfahrtmission von einem Asteroiden bekommt“. Solche Missionen verheißen das Mitbringen weniger Gramm an Proben, jedoch bei einem finanziellen Aufwand in der Höhe vieler Millionen Euro.

Hoffen auf mehr Aufmerksamkeit
Da das Ereignis von so vielen Menschen in Österreich registriert wurde und nun auch einen neuen „Austro“-Meteoriten zutage gefördert hat, erhofft sich der Kurator künftig mehr Aufmerksamkeit für das Gebiet auch bei jungen Menschen. Damit bald mehr dieser spektakulären Himmelserscheinungen registriert werden, setzen sich Wissenschaftler weiter für den Ausbau eines Netzes an Himmelsbeobachtungskameras ein. „Morgen bekomme ich fünf weitere solche Kameras“, sagte Ferrière.

Der Meteorit wurde unterdessen bei der Meteoritical Society zur Genehmigung eingereicht – nach dem positiven Bescheid wird er dann offiziell als „Kindberg-Meteorit“ geführt. Sollte in dem Fundgebiet noch verdächtiges Material auftauchen, bitten die Forscher um Meldungen.
14.09.2021, red, steiermark.ORF.at/Agenturen

Links:
Erster „Austro“-Meteorit seit 1977 geborgen
 
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