ORF-Berichte über außergewöhnliche, mystische und historische Orte sowie Bauwerke in Kärnten - Teil 3

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2:


"KENNST DU KÄRNTEN“
Die Zwillingsburgen von Leonstein
1764157810099.png

Die Ruinen der mittelalterlichen Burg Leonstein, nordwestlich von Pörtschach, sind ein äußerst interessantes Objekt mit viel Geschichte. Für Archäologen faszinierend ist die Burg aus Sicherheitsgründen für Besucher nicht zugänglich. Durch Funde weiß man, dass es eine Zwillingsburg war.
Online seit heute, 6.04 Uhr
Teilen
Im Jahr 1166 wurde die Burg erstmals in Zusammenhang mit Dietrich von Leonstein urkundlich erwähnt. Historikerin Renate Jernej: „Die Burg selber besteht aus einer Altburg, einem noch teilweise erhaltenen Bergfried, daneben eine zweigeschossige Kapelle und dann schließt sich darum noch ein weiterer Burghof an. Die Burg ist auch relativ groß und dann gibt es auch noch ein Wächterhäuschen daneben. Man kann das von außen zumindest erahnen, wie groß diese Burg ist.“

Was man heute nicht mehr sehen kann, ist, dass es keine 100 Meter entfernt neben Leonstein noch eine zweite Burg gab: „Das war die Seeburg. Auch davon wissen wir dank urkundlicher Nachrichten. 1142 wird ein Reimboto von Seeburg erwähnt. Es war eine Zwillingsburg-Anlage, die sich da über dem Wörthersee hoch über Pörtschach erstreckt hat.“
Johann Weichard von Valvasor – uploaded by Johann Jaritz
Burg und Schloss Leonstein um 1680

Heirat verband beide Burgen
Wie für die damalige Zeit üblich, kam es durch eine Heirat zur Verbindung dieser beiden Burgen: „Berthold von Seeburg heiratete Anna von Leonstein. Es hat dann eine weitere Besitzveränderung gegeben. Die Seeburg ist 1386 abgebrannt, wurde auch nicht mehr aufgebaut, sodass man heute von der Burg gar nichts mehr sehen kann.“
Allerdings gab es 1998 im Bereich dieser Seeburg archäologische Grabungen: „Da hat man feststellen können, dass die Mauern unter der Erde noch erhalten sind.“

Burgherren zogen im 16. Jahrhundert ins Tal
Während man die Seeburg nach dem Brand scheinbar aufgegeben hatte, wurde die Leonstein weiter bewohnt: „Bis hinein ins 16. Jahrhundert, dann ist es zu unbequem geworden, sich auf dem Berg niederzulassen und man ist ins Tal hinuntergezogen und hat direkt im heutigen Ort Pörtschach das Schloss Leonstein gebaut und die Burg ist dann langsam dem Verfall preisgegeben worden.“

Johann JaritzCC BY-SA 4.0
Verfallener Wohnturm von Leonstein

Während die Burgherren ins Tal zogen, übernahmen die Jesuiten den Burgberg, so Jernej: „Die Jesuiten haben dort oben das Areal besessen, diese Jesuitenherrschaft ist dann aufgelöst und in eine Studienfondsherrschaft übergeführt worden. Diese Studienfondsherrschaft ist dann schlussendlich am Beginn des 19. Jahrhunderts den Mönchen von St. Paul übergeben worden.“

Mönche errichteten erste Gloriette
Die Mönche waren dann auch die ersten, die damals eine heute noch bekannte Aussichtswarte errichtete: „Und zwar damals noch eine aus Holz gebaute Gloriette. Heutzutage steht ja da oben die um 1902 errichtete, steinerne Aussichtswarte hohe Gloriette. Von der hat man nicht nur einen wunderbaren Ausblick auf den Wörthersee, man sieht Pörtschach, Klangfurt, Velden, man kann rüberblicken auf den Pyramidenkogel, man sieht die Schlangeninsel. Aber man sieht auch eine weitere kleine Insel vor Maria Wörth gelegen, das ist die Kapuzinerinsel.“

Johann JaritzCC BY-SA 3.0
Ausblick von der Gloriette

Kapuzinerinsel mit Pfahlbauten
Von der Kapuzinerinsel weiß man zwar nicht, warum sie so heißt, aber man weiß, dass die Geschichte dieser Insel bis in die Steinzeit zurückreicht: „Wir reden jetzt von der Zeit so circa 4.000 vor Christus. Es hat kleinere Ausgrabungen gegeben, auch unter Wasser Tauchkampagnen, und da wurden unter anderem Pfahlbauten festgestellt. Aber man hat auch Keramikscherben gefunden, die in diese Zeit datieren und auch noch weitere Funde, die belegen, dass bis in keltische Zeit dort zumindest so etwas wie eine Station war für einen Fischfang, vielleicht aber auch sogar eine dauerhafte Siedlung“, so Historikerin Jernej.
26.11.2025, red, kaernten.ORF.at

Link:
G
eschichtsverein für Kärnten
Die Zwillingsburgen von Leonstein
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
"KENNST DU KÄRNTEN“
Die Geschichte hinter Villachs Kaiser-Statue
1764253208365.png

Kaiser Joseph II., Sohn von Kaiserin Maria Theresia, regierte von 1765 bis zu seinem Tod im Jahr 1790. Im zu Ehren wurden in Kärnten einige Joseph-Denkmäler errichtet, unter anderem in Villach, wo es noch heute steht. Bis es 1888 enthüllt wurde, galt es aber, einige Hürden zu überwinden.
Online seit heute, 5.57 Uhr
Teilen
Joseph II. war ein außergewöhnlicher Kaiser, der erste aus dem Hause Habsburg-Lothringen, der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Er galt als Reformer, der sein Volk voranbringen wollte und moderner in der Denkweise als seine Mutter Maria Theresia.

Reformen im Sozial- und Religionsbereich
Er setzte sich für die Schaffung allgemeiner Krankenhäuser ein, reformierte das Ehegesetz und auch für sein Religionsgesetz war er bekannt. Das alles und mehr hinterließ Spuren, die noch heute unter anderem in Form von Denkmälern sichtbar sind.
Das berühmteste in Kärnten steht wohl in Villach, sagte Historikerin Heidi Rogy: „Während man in Arriach und Klagenfurt Büsten von Joseph II. aufstellte, wollte man ihn in Villach mit einem Standbild würdigen. Mitte der 1880er Jahre bildete sich in Villach ein Denkmalkomitee, dem Carl Gohn vorstand.“

Mehrere Künstler arbeiteten an Denkmalgestaltung
Der Künstler Josef Messner wurde mit der Umsetzung des Denkmals beauftragt. Er hatte für Villach auch schon die Hans-Gasser-Statue erschaffen. „1886 erkrankte Josef Messner jedoch schwer und musste die Arbeit am Denkmal ruhen lassen. Es sollte ihm nicht mehr vergönnt sein, dieses zu beenden, denn er starb noch im selben Jahr“, so Rogy.

Danach wurde der Bildhauer Josef Cassin mit der Ausführung des Denkmals beauftragt, sagt Rogy: „Cassin legte dafür einen eigenen Entwurf vor. Nach diesem wäre Joseph II. in Dragoneruniform, die linke Hand zu einer gebieterischen Huldigungsgeste ausgestreckt, auf einem abgestuften Postament stehend, dargestellt worden.“

Raul de ChissotaCC BY 4.0
Die Statue am Kaiser-Josef-Platz in Villach

Das gefiel den Verantwortlichen in Villach aber nicht, man entschied sich gegen den Entwurf von Cassin. Der Bildhauer Karl Kundmann wurde mit der Ausführung des Denkmals beauftragt, der sich an den Entwurf von Josef Messner hielt. Kundmann schuf auch in Wien das Grillparzer-Denkmal gemeinsam mit Rudolf Weyr.

Festzug drohte ins Wasser zu fallen
Am 2. September 1888 wurde das Denkmal für Kaiser Joseph II. in Villach feierlich enthüllt. Laut Rogy hatte es am Vorabend bereits eine Festvorstellung im Villacher Stadttheater gegeben. Am nächsten Tag war ein großer Festumzug durch die Stadt geplant. Der Weckruf für diese Veranstaltung der Musikkapellen musste aber abgesagt werden, es regnete nämlich in Strömen.

„Am Festzug durch die Stadt hielt man aber trotz des schlechten Wetters fest. Neben Vertretern von diversen Vereinen und den Städten Klagenfurt und Villach waren auch zahlreiche Deputationen von Gemeinden aus dem ganzen Land nach Villach gekommen“, so Rogy. Auch der damalige Landeshauptmann Joseph Erwein nahm am Festzug teil.

Feierstimmung am Tag der Denkmalenthüllung
„Es folgten Festreden beim neuen Denkmal. Am Nachmittag zeigte der Himmel schließlich Einsehen und die Sonne strahlte wieder über Villach. In einigen Gastgärten der Stadt sorgten Musikkapellen für die Unterhaltung der zahlreich angereisten Festgäste“, sagte die Historikerin.
Noch heute steht am Kaiser-Josef-Platz in Villach das Denkmal des Regenten und noch an vielen weiteren Orten in ganz Österreich wird an ihn erinnert.
27.11.2025, red, kaernten.ORF.at
Die Geschichte hinter Villachs Kaiser-Statue
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#3
"KENNST DU KÄRNTEN“
Lange Geschichte der Jesuiten in Kärnten
1768121285010.png

Die Jesuiten, ein katholischer Männerorden, wurden 1540 gegründet und auch vom Papst persönlich anerkannt und bestätigt. 64 Jahre nach der Gründung ließen sich die Jesuiten auch in Klagenfurt nieder. Die Jesuiten waren aber immer mehr als ein Männerorden, sie waren Lehrer, Forscher und Prediger.
Online seit heute, 7.20 Uhr
Teilen
Der Zeitpunkt der Niederlassung in Klagenfurt war nicht willkürlich gewählt. Er war ein Zeichen, eine Reaktion, so Historiker Werner Drobesch: „Als Reaktion auf die starke Verbreitung des evangelischen Glaubens im Lande, als Reaktion auf die Reformation im Sinne Martin Luthers. Am 11. Dezember des Jahres 1604 wurden dem ersten Rektor die von den Protestanten erbaute sogenannte Dreifaltigkeitskirche und das Bürgerspital übergeben."

Prediger, Lehrer und Wissenschaftler
Das war der Beginn der knapp 170 Jahre, in denen die Jesuiten in Klagenfurt bzw. in Kärnten wirkten. Ihr Betätigungsfeld war groß. „Sie waren Seelsorger, sie waren Prediger, sie waren Lehrer, aber sie waren auch in der Welt der Kunst und Kultur präsent. Nicht außer Acht zu lassen, viele von ihnen betätigten sich auch als Wissenschaftler."


Buch Christoph Senfft , France Martin Dolinar (Hrsg.):
Katholische Reform und Gegenreformation in InnerösterreichDreifaltigkeitskirche

Schüler und Studenten aus ganz Europa
Besonders der Lehr- und Studienbetrieb stand im Fokus, so der Historiker. „Ein wesentliches Momentum dieses Studienbetriebs war, dass die Schüler und Studierenden aus allen Gesellschaftsschichten kamen. Das heißt, man findet sowohl Adelige als auch Kinder aus bäuerlichen Familien." Und das unentgeltlich, Bildung sollte für alle leicht zugänglich sein.

„Hinzu kommt das Fehlen staatlicher Grenzen. Das heißt, die Studierenden, die Schüler, kamen aus unterschiedlichen Gegenden Europas. Das bedeutete Internationalität sowohl im Zusammenhang mit dem Lehrkörper, als auch im Zusammenhang mit dem Herkommen der Schüler und Studierenden.“

Franz Xaver Wulfen lehrte in Klagenfurt
Man könnte sagen, ganz Europa war in Klagenfurt zu Gast, es lehrten auch besonders viele international anerkannte Professoren in Kärnten. „Aus der Vielzahl sei Franz Xaver Wulfen herausgegriffen, der sich botanischen Studien widmete, nach dem auch die Wulfenia benannt ist“, so Drobesch.


Wikipedia gemeinfrei
Postkarte des Kollegs, das in den 60er Jahren abgerissen wurde

Nicht zuletzt dadurch wurde die Jesuiten-Niederlassung in Klagenfurt zum Ort der Begegnung und des internationalen Wissenschaftsdiskurses, der allerdings zeitlich begrenzt war. „Als dann im Jahre 1773 durch ein päpstliches Breve der Jesuitenorden aufgelöst wurde, endete auch der Bestand der Klagenfurter Jesuiten-Niederlassung.“ Damit war in Kärnten aber auch eine Periode der kulturellen und geistigen Hochzeit zu Ende.

Wenig erinnert an den Orden
Was blieb von dieser Jesuitenzeit in Klagenfurt? „Wenig. Heute erinnern noch der Jesuitenpark, eine kleine Grünfläche vor dem Klagenfurter Dom, die Domkirche, die im Sinne der jesuitischen architektonischen Vorstellungen von einer evangelischen Kirche zu einer katholischen umgestaltet wurde und das ehemalige Seminargebäude gegenüber dem Eingang zum Dom an die Präsenz der Jesuiten in der Stadt.“

NaturpuurCC BY-SA 4.0
Jesuitenpark in Klagenfurt

Zudem wurde das einstige Jesuitenkolleg Klagenfurt in den 1960er Jahren abgerissen. „Und so sind die Jesuiten und alles, was an die Jesuiten noch erinnert, mehr oder weniger aus dem Klagenfurter Stadtbild verschwunden“, so Drobesch. 1814 erfolgte die Wiedergründung der Gesellschaft Jesu durch Papst Pius VII. 2012 verließen die letzten drei Jesuiten Kärnten, sie lebten zuletzt noch im Lavanttal.
11.01.2026, red, kaernten.ORF.at

Links:
Jesuiten in Europa
Jesuiten in Klagenfurt

Lange Geschichte der Jesuiten in Kärnten
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
"KENNST DU KÄRNTEN“
Auf den Spuren der Köhler
1768902909224.png
Die Suche nach neuen Energiequellen ist nicht nur ein Thema unserer Zeit. Seit jeher waren Menschen auf der Suche nach nutzbarer Energie. Besonders in der Neuzeit, dem 16. bis 19. Jahrhundert, wuchs der Bedarf durch die aufkommende Eisenindustrie stetig. Auf der Saualpe wurde von Köhlern Holzkohle erzeugt.
Online seit heute, 6.07 Uhr
Teilen
1768903156857.png
Während man heute auf erneuerbare Energie setzt, war in früheren Zeiten Holzkohle der Energielieferant für die Metallgewinnung und Verarbeitung. Gerade in der Hochzeit der Eisenindustrie sei der Bedarf enorm angestiegen, so Mathias Kuchernig vom Geschichtsverein für Kärnten: „Die Betriebe mussten die Kohle daher aus großer Entfernung herbeischaffen oder ihre Standorte in waldreiche Gegenden verlegen. Das Holz wurde in diesen Wäldern entweder direkt verkohlt oder in der Nähe und dann als fertige Kohle in die Betriebe transportiert.“

Johann JaritzCC BY-SA 4.0
Blick auf die Saualpe

Funde auf der südlichen Saualpe
Einer dieser Standorte lag auf der südlichen Saualpe, wie man bei archäologischen Untersuchungen vor etwa zehn Jahren feststellen konnte. Es habe dort zwei Meilerplätze gegeben, so Kuchernig: „Der höhere Meilerstandort liegt auf einer Seehöhe von ca. 1.400 Metern und befindet sich im sogenannten Schweigwald in der Katastralgemeinde Wölfnitz. Dieser Wald wurde einst vom Stift Griffen selbst bewirtschaftet. Die aus der Köhlerei resultierenden Einnahmen waren allerdings sehr unbedeutend. Dennoch konnten hier mehrere Meiler entdeckt werden. Ein Rundmeiler mit einem Durchmesser von ca. zwölf Metern, der bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen dürfte.“

Innovation aus Schweden importiert
Nach 1770, so die Erkenntnisse, wurde dieser Platz von drei Langmeilern abgelöst: „Von denen jeder eine Länge von ca. 20 Metern und eine Breite von sechs Metern aufwies.“ In der damaligen Zeit eine Innovation: „Diese neue Verkohlungsmethode wurde direkt aus Schweden importiert. Dabei wurden ganze Holzstämme neben und übereinander gelagert und anschließend mit Laub, Reisig und dem Schuttmaterial von früheren Verkohlungen abgedeckt und anschließend angezündet.“

ORF
Fertige Holzkohle

Die Kohle, die in diesen Langmeilern produziert wurde, sei dann über den sogenannten Kohlfahrweg abtransportiert worden, so Kuchernig: „Eine alte Transportroute, auf der über Jahrhunderte Kohle vom Lavanttal über die Saualpe ins Görtschitztal nach Eberstein gebracht wurde.“

Köhler im Nebenerwerb
In der Katastralgemeinde Obergreutschach befand sich ein weiterer kleinerer Kohlenmeiler, von dem aus ein Keuschler beliefert wurde, der sich in unmittelbarer Nähe zum Meiler befand. „Im Nebenerwerb betrieb dieser Keuschler eine Schmiede inklusive eines Hammers, die sich bis ins Jahr 1575 zurückverfolgen lässt und die bis in die 1930er Jahre in Betrieb stand“, so Kuchernig. Aber auch Bauern betätigten sich im Nebenerwerb als Köhler und produzierten gemeinsam Holzkohle und verkauften diese nach Eberstein.

Wenige Zeugnisse der Kohleproduktion
„Auch Maximilian Thaddäus Graf von Egger kaufte zu dieser Zeit Holzkohle von der Saualpe für seine Eisenwerke bei Lippitzbach an der Drau bei Ruden. Heute sind die früheren Meilerplätze vom Wald überwuchert. An die frühere Kohleproduktion erinnern noch die planierten Arbeitsflächen, die runden oder länglichen Überreste der Meiler als Hügel und die schwarze mit Humus und größeren Stücken durchsetzte Kohleschicht“, so Kuchernig.
20.01.2026, red, kaernten.ORF.at

Link:
Archäologische Funde von Kohlenmeilern

Auf den Spuren der Köhler
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
"KENNST DU KÄRNTEN“
Fasching war harte Zeit für Bauern
1770714037992.png

Derzeit finden im ganzen Land Faschingssitzungen statt. So lustig ging es aber nicht immer zu. Besonders auf dem Land war der Fasching vor allem für die bäuerlich geprägte Gesellschaft oft mühsam und anstrengend. Denn die Herrschaft wollte vor der Fastenzeit mit Essen üppig versorgt werden.
Online seit heute, 6.00 Uhr
Teilen
Die Grundherrschaft wurde in Österreich erst im Jahr 1848 mit der Bauernbefreiung endgültig aufgehoben. Bis dahin war die Faschingszeit durchaus auch eine Belastung für die Bauern, so Historiker Wilhelm Wadl: „Denn sie mussten zu Fasching verschiedene Kleinrechte, also Naturalien, abliefern, wie zum Beispiel Eier. Und mitten im Winter Eier abzuliefern war eine schwere Herausforderung. Daher mussten die Hühner im Warmen unter der Ofenbank in einer Steige gehalten werden, damit sie überhaupt im Winter Eier legen.“

Herrschaft verlangte Masthühner
Die Bauern mussten zu Faschern, wie die Zeit damals genannt wurde, auch Masthühner liefern: „Damit die Herrschaft noch einmal schlemmen konnte, bevor es ans Fasten ging. Auch das war eine schwere Belastung in einer Zeit, in der das Getreide Mangelware war.“ Abgesehen von diesen Herausforderungen gab es natürlich auch zahlreiche Faschingsbräuche, wie in St. Oswald-Bad Kleinkirchheim zum Beispiel, die der Volkskundler Oswin Moro aufgezeichnet hatte.

„Da liefen die Faschingsnarren mit einer Larve am Montag und Dienstag von Haus zu Haus und erbaten bei den Bäuerinnen Specknudeln.“ Dafür gab es verschiedene Sprüche, die aufgesagt wurden. Einer lautete: „Gar schön bitten um ane Specknudel“. Es habe aber auch aufwendigere Sprüche gegeben, so Wadl. Oswin Moro habe einen anderen Spruch erfahren: „Vergelts Gott, Schmolzkoch, Bäurin. I wünsch ihr Glück zu ihre Küh, I wünsch ihr Glück zu ihre Kind. Vergelts Gott, Schmolzkoch Bäurin, g’schwind“, so Wadl.

Speck war immer beim Essen dabei
Das Essen spielte zu Fasching eine große Rolle, auch wenn es nicht sehr abwechslungsreich war, so Wadl: „Am Faschingssonntag Kraut mit Selchfleisch, am Montag Nudeln mit aufgehacktem Speck gefüllt und am Faschingsdienstag Speckknödel. Ab Aschermittwoch war es dann schlecht bestellt, in der Früh und am Abend Milch und Brot und zu Mittag nur eine Brennsuppe.“

Anders war das unten in den Tälern, da war der Faschingssonntag für die ländlichen Dienstboten fast ein hoher Feiertag. Da musste die Obrigkeit ihren Untertanen den Tisch reichlich decken, mit allerlei Köstlichkeiten: „In der Spittaler Gegend zum Beispiel eingemachte saure Suppe, Rindfleisch und Kren, Krautspeck und Bratwürste und am Schluss noch einen Kalbsbraten mit Salat. Und natürlich bekamen die Dienstboten am Faschingsdienstag fast überall auch Faschingskrapfen“, so Wadl.

Kärntner Landesarchiv/Hudelist Christian/Bildquellensammlung
Eine Faschingsgruppe vor dem Ostbahnhof am Klagenfurter Rudolfsbahngürtel 1904

Nach der Fleischsünde wurde gebetet
Mit dem Aschermittwoch begann die 40-tägige Fastenzeit, an die sich aber nicht jeder hielt, besonders die Bauern nicht. „Wie sollten die 40 Tage fleischlos leben? Aber an jedem Abend, wo man gesündigt hat in der Fastenzeit, hat man Fleisch abgebetet. Man betete gemeinsam einen halben Rosenkranz und damit war die Sache wieder erledigt.“

Noch etwas ist aus der damaligen Zeit überliefert: „Die Faschingsnacht galt als unheilbringend und deswegen sollte man nicht draußen sein.“ Denn im Gurktal zum Beispiel hätte man einer sehr schaurigen Gestalt begegnen können, die einen angsteinflößenden Spruch getätigt haben soll: „Noch a Haut geaht mar ab, noch a Haut geaht mar ab.“ Daher rieten die alten Leute dazu, zu den Faschingstagen fleißig zu beten.

Landesarchiv/Hudelist Christian/Bildquellensammlung
Ein Faschingszug durch die 10. Oktober-Straße in Klagenfurt 1904

Zu Fasching fanden Paare zusammen
Die Faschingszeit war aber auch so etwas wie eine Paarungszeit. Aber nicht für alle klappte es mit dem Glück. Wenn ein heiratswilliges Mädchen übrig blieb, sagte sie angeblich einen Spruch auf: „O dös liabn Fåschingtåg, / kömbts nar båld wiedar, / fertn bin i übrig bliebn / hojer schoan wieder!“ (Oh, du lieber Faschingstag, komm doch bald wieder. Letztes Jahr bin ich über blieben, heuer schon wieder). Mit der Hoffnung, beim nächsten Fasching der großen Liebe zu begegnen.

Geschichte des Faschings
„Das Wort ‚Fasching‘ taucht im 13. Jahrhundert als ‚vaschanc‘ auf und steht für das Ausschenken eines Fastentrankes“, so Historikerin Manuela Maier. Die Endung „-ing“ kam im 17. Jahrhundert dazu. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Regionen spricht man in Bayern und Österreich nicht von Fastnacht, sondern eben vom Fasching. Maskiert habe man sich zum Fasching auch schon in früheren Jahrhunderten. Die Kärntner Faschingsgilden wurden aber alle erst im 20. Jahrhundert gegründet. So zum Beispiel 1963 in Spittal an der Drau, 1954 in Oberdrauburg, 1955 in Villach, 1964 in St. Veit an der Glan und Klagenfurt.
10.02.2026, red, kaernten.ORF.at
Fasching war harte Zeit für Bauern
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#6
"KENNST DU KÄRNTEN“
Schloss Waldenstein - Ursprung des Kärntner Heimatlieds
1772473215136.png

Das Kärntner Heimatlied ist an einem gemütlichen und geselligen Abend auf Schloss Waldenstein im Lavanttal entstanden. Damals als Zeitvertreib, wurde das Lied, das einen lyrischen Text vertonte, später zur allseits bekannten Landeshymne.
Online seit heute, 5.51 Uhr
Teilen
Die offizielle Landeshymne Kärntens entstand im Lavanttal auf Schloss Waldenstein, so Historiker Wilhelm Deuer vom Geschichtsverein für Kärnten: „Wir befinden uns am Eingang des Waldensteiner Grabens, der auf die Pack führt. Ein im Mittelalter und in der frühen Neuzeit durchaus nicht unbedeutender Übergang vom Lavanttal in die Weststeiermark.“

Erbaut wurde die Burg im Auftrag des Fürstbischofs von Bamberg: „Er hat dann diese Burg getreuen Dienstleuten zu Lehen gegeben.“ Im 13. Jahrhundert zog dann eine Familie in das Schloss ein, die später nicht nur die Burg, sondern auch das politische Geschehen im Land nachhaltig prägen sollte: „Es waren die Ungnad von Weißenwolf, spätere Freiherren von Sonneck im Jauntal.“ Im 16. Jahrhundert war Waldenstein ein Zentrum der Reformation.

SchreckgespenstCC BY-SA 4.0
Schloss Waldenstein an der Straße auf die Pack

Bischof von Bamberg kaufte Schloss zurück
Die Ungnads herrschten dann bis ins 16. bzw. 17. Jahrhundert. In dieser Zeit wurde die Burg auch zu einem wohnlichen Schloss umgebaut, bevor die Herrschaft der Ungnad in Kärnten endete. „Dieses Schloss ist von den Nachkommen der Ungnad, die dann schon ausgewandert waren, dem Bischof von Bamberg quasi nach 400 Jahren zurückverkauft worden. Damals hat das Schloss selbst überhaupt keine Rolle mehr gespielt, aber am Fuße der Burg gab es seit dem 14. Jahrhundert Hammerwerke“, so Historiker Deuer.

Diese Hammerwerke sorgten dafür, dass Jahre später die Wolfsberger Gewerkenfamilie Offner das Schloss Weidenstein kaufte: „Natürlich auch wegen der Industrieanlagen am Fuße der Burg. Und mit den Offners ist sicher die bekannteste Geschichte des Schlosses Waldenstein verbunden, nämlich die Entstehung der Melodie des Kärntner Heimatliedes.“


SchreckgespenstCC BY-SA 4.0
Säulengang im Schloss Waldenstein

Musikabend mit Auftrag zur Vertonung
Es war, so ist es überliefert, ein Winterabend des Jahres 1835. Schlossbesitzer Johann Michael Offner veranstaltete einen Musikabend am Schloss, sagte Deuer: „Da sitzt man gesellig zusammen, es wird gesungen, es wird vorgelesen und der Offner gibt quasi als Aufgabe des Abends an einen Bekannten, einem aus Wien zugewanderten Mann, den Josef Ritter Rainer von Harbach, einen Auftrag. Er soll sich aus der Bibliothek irgendein lyrisches Stück nehmen und es vertonen.“ Dieses vierstrophige Gedicht wurde 1822 in der Zeitschrift Carinthia veröffentlicht.

Josef Ritter Rainer von Harbach macht sich sofort an die Arbeit: „Die Wahl fiel auf ein Gedicht eines aus Judenburg zugewanderten und dann im Lavanttal lebenden Mannes, der zum Schluss in Klagenfurt sogar zu einer politischen Laufbahn gekommen war, Johann Nepomuk Thaurer Ritter von Gallenstein. Der hat ein Gedicht geschrieben ‚Des Kärntners Vaterland‘“.

Seit 1911 Landeshymne
Diese Zeilen vertonte Rainer von Harbach an diesem Abend. Aber bis es diese Melodie und der Text zur Landeshymne schafften, verging noch einige Zeit: „Erst im 20. Jahrhundert ist aus dem Text mit der Melodie, die damals auf Schloss Waldenstein komponiert wurde, das heutige Kärntner Heimatlied entstanden.“ Im Jahr 1911 wurde es unter Weglassung der vierten Strophe von der Kärntner Landsmannschaft zur „Kärntner Nationalhymne“ erklärt. Die ersten drei Strophen beschreiben von West nach Ost die Landschaft Ober-, Mittel- und Unterkärntens und rühmen poetisch deren Schönheit.

1930 schrieb die Kärntner Landsmannschaft einen Wettbewerb für eine vierte Strophe aus, die einen Bezug zur Kärntner Volksabstimmung haben sollte, die sich 1930 zum zehnten Mal jährte. Von 256 Einsendungen wurde die Strophe der Lehrerin Agnes Millonig ausgewählt.

Schloss fast verfallen
Das Schloss Waldenstein ist ein historisch bedeutender Ort, der heute kaum noch an die Entstehungsgeschichte des Kärntner Heimatliedes erinnert. „Es ist traurig, dass dieses Kulturdenkmal mit diesen doch bemerkenswerten historischen Facetten in einem derart traurigen Zustand ist. Und ich befürchte, dass da auch die Denkmalpflege nicht mehr viel machen kann“, so Deuer.

Text des Kärntner Heimatlieds
Dort, wo Tirol an Salzburg grenzt,
des Glockners Eisgefilde glänzt,
wo aus dem Kranz, der es umschließt,
der Leiter reine Quelle fließt,
laut tosend, längs der Berge Rand,
beginnt mein teures Heimatland.
Wo durch der Matten herrlich Grün,
des Draustroms rasche Fluten ziehen,
vom Eisenhut, wo schneebedeckt
sich Nordgaus Alpenkette streckt,
bis zur Karawanken Felsenwand
dehnt sich mein freundlich Heimatland.
Wo von der Alpenluft umweht,
Pomonens schönster Tempel steht,
wo sich durch Ufer reich umblüht
der Lavant Welle rauschend zieht,
im grünen Kleid ein Silberband,
schließt sich mein lieblich Heimatland
Wo Mannesmut und Frauentreu
die Heimat sich erstritt aufs neu,
wo man mit Blut die Grenze schrieb
und frei in Not und Tod verblieb,
hell jubelnd klingt’s zur Bergeswand:
das ist mein herrlich Heimatland!


02.03.2026, red, kaernten.ORF.at
Ursprung des Kärntner Heimatlieds
 
Oben