ORF-Berichte über historische Bauwerke in Kärnten

josef

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#1
Aus der ORF-Serie "Kennst du Kärnten":

"Lacknerhof" in Möllbrücke
Möllbrücke während der Franzosenkriege

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Möllbrücke bildet den Eingang zum Mölltal und wurde erstmals im Jahr 1253 als „Mölnprukke“ erwähnt. Ab 1307 war Möllbrücke Sitz eines Landgerichts der Grafen von Görz. In der Stadt befindet sich auch der bekannte „Lacknerhof“, der ein beeindruckender Zeitzeuge aus der Zeit der Franzosenkriege ist.
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Möllbrücke war immer schon ein bedeutender Standort am Beginn des Mölltales. Gemeinsam mit der Gemeinde Sachsensburg war man in der Zeit der Franzosenkriege auch ein strategisch wichtiger Punkt, sagt die staatlich geprüfte Fremdenführerin und Geschichtsexpertin, Astrid Lengner. „Möllbrücke war noch einmal so eine Engstelle, wo man vehement versucht hat, die Franzosen davon abzuhalten, durch unser Land weiter in Richtung Osten zu ziehen. Es sind bedeutende Schlachten geschlagen worden, am Schluss dann nicht mehr erfolgreich.“ Das Kaisertum Österreich verlor damals den fünften Koalitionskrieg gegen Frankreich. 1809 kam es dann zu einem bedeutenden Frieden zwischen den Franzosen und den Habsburgern, zum Friede von Schönbrunn.

Kärntner Oberkommandant befürchtete Fake-Nachricht
An diesen Frieden vom 14. Oktober 1809 wollte allerdings der damals regierende Oberkommandeur Johann Baptist Türk anfangs nicht so recht glauben, erzählt Kärnten Guide Astrid Lengner. „Der dachte, die Friedensnachricht sei eine Fake-Nachricht und hat weiter gekämpft, bis er dann endlich überzeugt werden konnte.“ Erst 1815 endeten die Napoleonischen Kriege in Europa mit der endgültigen Niederlage Napoleons und Frankreichs.
Relikte aus dieser Zeit befinden sich am Lacknerhof, der direkt an der Hauptstraße in Richtung Mölltal und Großglockner steht. Und an diesem Lacknerhof, der damals auch eine Poststation gewesen sein soll, sind noch heute die Einschusslöcher aus den Kämpfen mit den Franzosen zu sehen.


Raul de Chissota
Eine Sonnenuhr auf der Fassade des Lacknerhofes, deutlich zu sehen sind die Einschusslöcher aus der Zeit der Franzosenkriege

Bedeutende Fresken von Lobisser
Am Haus sind aber auch bedeutende Fresken zu sehen, die von Switbert Lobisser stammen, einem Benediktinermönch, Maler und Holzschneider der am 23. März 1878 zur Welt kam. Er war auch Kunsterzieher am Stiftsgymnasium in St. Paul im Lavanttal. Lobisser starb 1943 in Klagenfurt. Weil seine Werke antiquiert und bodenständig waren, lösten sie speziell bei den Nazis Wohlgefallen aus. Lobisser selbst sympathisierte mit der Nazi-Ideologie. Das war auch in seinen Motiven deutlich zu sehen, die Blut und Boden, markige Männer und gebärfreudige Frauen zeigten.

Das besondere an Lobissers Fresken ist, dass sie nicht Momentaufnahmen sind, sondern szenische Darstellungen aus dem menschlichen Leben zeigen. Lobissers Fresken in Möllbrücke scheinen auf den ersten Blick eher ungewöhnlich, sagt die Geschichtsexpertin, „denn Lobisser hatte ja Zeit seines Lebens eher im Unterkärntner Raum zwischen Klagenfurt und St. Paul gearbeitet“.


Raul de Chissota
Der heilige Michael im Kampf mit dem Drachen

Schriftband für „übermütigen“ Franzosen
Doch nach Möllbrücke kam der Künstler durch die Familie Thaler, mit der er befreundet war. „Durch diese Familie kam er nach Möllbrücke, wo er auch schon ihr Haus mit Fresken verziert hatte.“ 1932 renovierte Lobisser die Fassade auf dem Lacknerhof. „Er wurde beauftragt, eine Erinnerung an die Franzosenzeit auf diesem Haus fest zu machen. Und da gibt es neben dem heiligen Michael, der dort unter einer Sonnenuhr dargestellt ist, eine Darstellung von einem Franzosen, der ganz keck aus einem Fenster heraus schaut“, sagte Lengner.

Darunter ist auf einem Schriftband zu lesen: „Franzosen hier, Tiroler dort, so kämpft man anno neun und wie man sieht, in diesem Haus, schlug manche Kugel ein. Ein Offizier aus Frankreichs Heer, voll kühnem Übermut, er stellt sich keck zum Fenster hin, doch bald lag er im Blut.“


Raul de Chissota
Der Franzose, mit Inschrift im Schriftband: „Franzosen hier, Tiroler dort…“

Dieser Spruch soll an die Tapferkeit der Kärntner erinnern, die sich gemeinsam mit den Tirolern den Franzosen mutig in den Weg stellten. „Wenn man nicht weiß, dass das hier zu finden ist, kann es sein, dass man achtlos vorbei fährt.“
27.03.2020, red, kaernten.ORF.at
Möllbrücke während der Franzosenkriege
 

josef

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#2
Schloss Stein: Juwel des Drautals

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Für manche unentdeckt liegt Schloss Stein in der Nähe von Dellach im Drautal, am Nordhang der Jauken. Das Schloss thront 200 Meter über dem Boden des Drautals und stammt aus verschiedenen Bauperioden.
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Die ältesten Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert, zwei Geschosse wurden überhaupt in den Fels eingehauen. 1669 kaufte Wolf Andre Graf von Rosenberg das Schloss, bis heute ist es in Besitz der Familie. „Zeitweise lebt meine Familie hier drinnen, zu bestimmten Zeiten, also speziell zu Weihnachten, zu Ostern oder auch unterm Jahr im Sommer. Das Drautal bestand aus vielen Zick-Zack-Burgen, die Wehrburgen waren. Das hat bei Lienz angefangen und hat sich das ganze Drautal durchgezogen, immer so im Zick-Zack, eine rechts eine links, aber das hier ist die letzte bewohnte“, so Besitzer Johannes Orsini-Rosenberg.

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Hoch über dem Drautal thront Schloss Stein

Wie kleines Neuschwanstein
Laut Orsini-Rosenberg ist das Schloss irgendwie eine Miniaturausgabe von Schloss Neuschwanstein auch wenn Schloss Stein viel älter ist. „Schloss Stein ist ursprünglich eine Zwillingsburg, es gab eine Holzbrücke, die man abbrennen konnte, wenn der Feind in der Nähe war“. Das Dach des Schlosses wurde vor ungefähr vier Jahren komplett erneuert. „Die Schieferschindeln, die draufwaren, sind immer wieder gebrochen und die Dachdecker haben sich irgendwann nicht mehr raufgetraut, deswegen mussten wir ein komplett neues Dach machen.“

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Ursprünglich war Schloss Stein eine Zwillingsburg

Burg oder Schloss?
„Wir nennen es eigentlich Burg, es steht auch überall Burg drauf, aber in diversen Büchern und auf Broschüren steht Schloss Stein“, so Orsini-Rosenberg. Herzstück des Schlosses ist eine Doppelkapelle. Eine im ersten Stock für die „Herrschaften“ und eine im Untergeschoss für das „Gesinde“. „Aber es hat auch diese Kapelle ein unglaubliches Flair, weil sie noch aus dem Mittelalter stammt. Es ist eine ganz besondere Stimmung hier drinnen, eine düstere und dumpfe, aber auch schön“.

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Schloss Stein im Drautal
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Schloss Stein im Drautal

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Im Inneren des Schlosses

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Die Kapelle der „Herrschaft“

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Ein Fresko in der Kapelle

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Ein Fresko in der Kapelle

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Die Decke der Kapelle ist mit vielen Fresken versehen, die noch ihre Originalfarbe haben und nie restauriert wurden

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Der Altar

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Die Kapelle des „Gesindes“

Die Kapelle für die „Herrschaften“ entstand später. „Sie wurde erst später im Jahr 1505 auf die untere aufgesetzt und das unglaubliche an dieser Kapelle ist, dass die ganzen Malereien und Fresken nie restauriert worden sind und es noch immer die Originalfarbe ist. Sie schauen aus, als wären sie vorgestern renoviert worden. Hier saß die Herrschaft, die Schloss- bzw. Burgbesitzer. Das Gesinde sah von unter herauf auf den Priester, der hier die Messe gelesen hat“, so Orsini-Rosenberg.
05.06.2020, red, kaernten.ORF.at

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Schloss Stein: Juwel des Drautals
 
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