Russische „Schattenflotte“

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Frachtschiff „Ruby“ mit 20.000 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat an Bord irrt seit Tagen durch verschiedene Meere

Explosive Chemikalie an Bord
Irrlichternder Frachter findet keinen Hafen
1727245094972.png
Das Frachtschiff „Ruby“ irrt seit Tagen durch verschiedene Meere auf der Suche nach einem Hafen, in dem es anlegen darf. Vier Staaten verweigerten ihm bisher die Einfahrt, denn die „Ruby“ hat rund 20.000 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat an Bord. Zudem ist das Schiff in unbekanntem Ausmaß beschädigt. Fachleute bringen den Frachter in Zusammenhang mit der russischen „Schattenflotte“, mit welcher der Kreml Sanktionen umgeht.
Online seit gestern, 20.31 Uhr
Teilen
Am Dienstag winkte Malta ab: Die „Ruby“ darf nicht anlegen. Das Schiff dürfe nur dann in einen maltesischen Hafen einlaufen, wenn es zuvor seine explosive Fracht entladen habe, teilte die Verkehrsbehörde in Valletta mit. Die Behörde wies die Crew an, das Ammoniumnitrat auf keinen Fall innerhalb maltesischer Hoheitsgewässer umzuladen. Somit geht die Odyssee des Frachters auch nach Tagen mit unbekanntem Ziel weiter.

Die „Ruby“ war ursprünglich von der nordrussischen Halbinsel Kola in See gestochen. Unter unklaren Umständen zog sie sich kurz nach dem Verlassen des russischen Hafens Schäden am Rumpf zu, fuhr jedoch weiter. Nach Wochen im norwegischen Tromsö wurde das 183 Meter lange Schiff wegen der riskanten Ladung des Hafens verwiesen.

Als Zielort für eine Reparatur galt zunächst der Hafen Klaipeda in Litauen – aber die Behörden des baltischen EU-Staates verweigerten die Einfahrt ebenso wie der schwedische Hafen Göteborg, die dänischen Behörden wollten sogar eine Durchfahrt durch ihre Gewässer nur unter Auflagen genehmigen. Am Montag nahm das Schiff schließlich Kurs auf Malta, wo es am 8. Oktober eintreffen sollte, wie aus Onlineangaben der Trackingdienste Vesselfinder und Marinetraffic hervorgeht. Dort holte es sich die nächste Absage.

Ammoniumnitrat zerstörte Hafen von Beirut
Der Weg des Frachters war wegen seiner Ladung von mehreren Anrainerstaaten der Nord- und Ostsee in den vergangenen Tagen genau verfolgt worden. Ammoniumnitrat ist ein Düngemittel, kann aber auch für die Sprengstoffproduktion verwendet werden. Die Chemikalie gilt als Auslöser der Katastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im August 2020, wo über Jahre große Mengen unsachgemäß im Hafen gelagert worden waren. Mehr als 200 Menschen kamen damals bei einer Explosion ums Leben, ein großer Teil der Stadt wurde verwüstet.

APA/AFP/Joseph Eid
Was vom Hafen übrig blieb: In Beirut explodierten im August 2020 Tonnen von Ammoniumnitrat

Nach Einschätzung von Fachleuten geht von der „Ruby“ derzeit keine unmittelbare Gefahr aus. „Das ist das Gute an Ammoniumnitrat. Es ist eigentlich ziemlich schwer zu entzünden“, sagte der Sprengstoffexperte Peter Hald von der dänischen Universität Aarhus dem dänischen Sender DR. „Es ist nicht so, dass es explodiert, wenn das Schiff irgendwo anstößt oder jemand etwas in die Ladung fallen lässt.“

Die „Schattenflotte“ des Kreml
Die „Ruby“ könnte aber, so Experten, noch eine andere Art von Risiko bergen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird vor der „Schattenflotte“ des Kreml gewarnt. Dabei handelt es sich um einen Verbund aus veralteten und schlecht gewarteten Schiffen unter der Flagge von Drittstaaten, mit deren Hilfe Kreml-Chef Wladimir Putin westliche Sanktionen umgeht. Diese Schiffe transportieren russische Güter durch Ost- und Nordsee.

Nach Schätzungen des Industrieversicherers Allianz Commercial sind rund 1.400 dieser Schiffe und Tanker auf den Weltmeeren unterwegs, um russisches Öl, Industriegüter wie Ammoniumnitrat und inzwischen auch Flüssiggas (LNG) zu exportieren. Das berichtete das deutsche „Manager Magazin“.

„Ruby“ verhält sich „verdächtig“
Die Flotte halte „nicht nur Putins Kriegswirtschaft am Laufen, sondern – wie sich immer wieder zeigt – sie stellt auch ein immenses Risiko für die Umwelt und die internationale Seefahrt dar“, hieß es in dem Magazin. Der stetige Ausbau der „Schattenflotte“ habe sich für viele Kleinstaaten, etwa in Afrika, sowie für Privatunternehmen zu einem lukrativen Geschäft entwickelt.

Jacob Kaarsbo vom dänischen Thinktank Europa sagte DR, die „Ruby“ verhalte sich „verdächtig“. Er schließe nicht aus, dass das Schiff Teil eines hybriden Krieges ist, mit dem Russland die Reaktion der nordeuropäischen Staaten testen wolle.
25.09.2024, red, ORF.at/Agenturen

Links:
DR-Artikel
„Manager Magazin“-Artikel
Vesselfinder

Marinetraffic
Explosive Chemikalie an Bord: Irrlichternder Frachter findet keinen Hafen
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Putins „Schattenflotte“
Havarierter Tanker nun vor deutschem Hafen
1736684110744.png

Der tagelang in deutschen Gewässern manövrierunfähig treibende Öltanker „Eventin“ ist von einem Havariekommando nun vor den Hafen von Sassnitz auf der Insel Rügen gebracht worden. Der mit rund 99.000 Tonnen Öl beladene Tanker soll Behördenangaben zufolge nun so lange dort bleiben, bis über das weitere Vorgehen entschieden ist. Die unter der Flagge Panamas fahrende „Eventin“ wird der russischen „Schattenflotte“ zugerechnet, mit der Moskau zur Umgehung von Sanktionen Öl transportieren soll.
Online seit heute, 12.04 Uhr
Teilen
Der 274 Meter lange Tanker hat 99.000 Tonnen Öl an Bord. Mehrere Schlepper zogen die „Eventin“ seit Samstagfrüh zunächst in Richtung eines Seegebiets nordöstlich von Rügen. Im Laufe des Tages wurde der Plan geändert und der Stadthafen von Sassnitz angesteuert. In der Nähe des ursprünglichen Zielorts gibt es zahlreiche Windkraftanlagen im Meer.

Das Schiff liegt nun seit Sonntagfrüh an seinem neuen und vorübergehenden Bestimmungsort. Wann und wo das Schiff repariert werden soll, ist deutschen Medienberichten zufolge unklar. Das Havariekommando bewertete die aktuelle Lage als „stabil“. Dank besseren Wetters mit nachlassendem Wind könne der Tanker „mit zwei Schleppern sicher gehalten werden“.

1736684176738.png

Teils vier Meter hohe Wellen
Der 274 Meter lange Tanker „Eventin“ war seit der Nacht zum Freitag wegen eines mutmaßlichen Stromausfalls manövrierunfähig in der Ostsee nördlich von Rügen getrieben. „Der Tanker hatte ein Blackout in der Ostsee und war manövrierunfähig“, wie das für das Notfallmanagement auf der Nord- und Ostsee zuständige deutsche Havariekommando mitteilte.

Das Schiff mit 24-köpfiger Besatzung wurde zunächst von einem Notschlepper gesichert. Am Samstag zogen drei Schlepper den Tanker dann zunächst in Richtung einer Position nordöstlich des Kaps Arkona an der Nordspitze Rügens. Heftiger Wind und hohe Wellen erschwerten die Fahrt. Laut Havariekommando gab es am Samstagnachmittag teils vier Meter hohe Wellen.

Auf Liste von Putins „Schattenflotte“
Der unter der Flagge Panamas fahrende Tanker steht auf einer Liste von 192 maroden Schiffen, mit denen Russland das infolge seines Angriffs auf die Ukraine verhängte Ölembargo umgehen soll. Die „Schattenflotte“ von Russlands Präsident Wladimir Putin besteht aus alten und oft unversicherten Tankern. Im Dezember hatte die Europäische Union rund 50 Schiffe der russischen „Schattenflotte“ auf eine Sanktionsliste gesetzt.

APA/AFP/Havariekommando
Die „Eventin“ hat 99.000 Tonnen Öl an Bord

Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock warf Russland vor, mit seiner „Schattenflotte“ schwere Umweltschäden in Kauf zu nehmen und zugleich den Tourismus zu gefährden. „Mit dem ruchlosen Einsatz einer Flotte von rostigen Tankern umgeht Putin nicht nur die Sanktionen, sondern nimmt auch billigend in Kauf, dass der Tourismus an der Ostsee zum Erliegen kommt.“

Das jüngste Sanktionspaket der EU sei zwar ein wichtiger Schritt, reiche aber längst nicht, um die Ostsee zu schützen, heißt es vonseiten der Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Jeden Tag fahren schrottreife Tanker von den russischen Ölhäfen Primorsk und Ust-Luga Richtung Südwesten“, so Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack.

Havarie vor Krim: Ölpest erreicht Asowsches Meer
Zwei russische Öltanker sorgen derzeit auch nach einer Havarie vor der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim für anhaltende Schlagzeilen. Die durch die Havarie verursachte Ölpest hat sich mittlerweile bis in das Asowsche Meer ausgebreitet und die Küste der südukrainischen Region Saporischschja erreicht.

Ein 14 Kilometer langer Ölteppich sei auf einer Landzunge am Asowschen Meer entdeckt worden, teilte der prorussische Verwaltungschef Jewgeni Balitski am Samstag auf Telegram mit. Ein zweiter, deutlich kleinerer Ölteppich sei auf einer anderen Landzunge gefunden worden. Die Ölpest hat zuvor auch Strände an der russischen Schwarzmeer-Küste und die Stadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Krim-Halbinsel erreicht.
Das Asowsche Meer, das der Ölteppich nun ebenfalls erreichte, liegt nördlich des Schwarzen Meeres und ist mit diesem durch die Straße von Kertsch verbunden. Die Tanker „Wolgoneft-239“ und „Wolgoneft-212“ waren Mitte Dezember in dieser Meeresstraße in einem Sturm verunglückt. Die „Wolgoneft-212“ sank, die „Wolgoneft-239“ lief auf Grund und brach auseinander. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums liefen aus beiden Tankern bisher rund 2.400 Tonnen Schweröl aus.
12.01.2025, red, ORF.at/Agenturen

Links:
Deutsches Havariekommando
Deutsches Außenministerium
Greenpeace Deutschland

Putins „Schattenflotte“: Havarierter Tanker nun vor deutschem Hafen
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#3
Putins „Schattenflotte“
Alte Tanker als Milliardengeschäft für Reeder
1738851348389.png

Trotz westlicher Sanktionen hat Russland 2024 mehr Öl exportiert als im Jahr zuvor. Bei der Verschiffung des auch für die Finanzierung des gegen die Ukraine geführten Angriffskrieges weiterhin wichtigen Rohstoffs rechnen Beobachter einer auf 650 Öltanker geschätzten und unter fremder Flagge fahrenden „Schattenflotte“ eine zentrale Rolle zu. Eine umfassende Datenauswertung einer internationalen Rechercheplattform legt nun nahe, dass rund ein Drittel dieser Öltanker von westlichen Reedereien stammt. Die Rede ist von Geschäften im Umfang von umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro.
4. Februar 2025, 22.39 Uhr
Teilen
Nach der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022 hatte unter anderem die Europäische Union Sanktionen gegen russisches Öl verhängt. Laut der mit deutscher, belgischer, norwegischer, dänischer und niederländischer Beteiligung durchgeführten Untersuchung „Shadow Fleet Secrets“ wurden seitdem mindestens 230 alte Tanker an Unternehmen in Drittstaaten verkauft, die an russischen Ölexporten beteiligt sein sollen.

Von den 230 betroffenen Öltankern sollen den Angaben zufolge 127 von griechischen Reedereien stammen. 22 hatten britische Eigner, elf seien von deutschen und acht Schiffe von norwegischen Unternehmen verkauft worden. In Summe hätten Eigner aus 21 von 35 Ländern, die Sanktionen gegen den Ölhandel mit Russland verhängt haben, Tanker an die „Schattenflotte“ verkauft, berichtet der britische „Guardian“ mit Verweis auf die auch von der Rechercheplattform Follow the Money (FTM) veröffentlichten Untersuchungsergebnisse.

Großteil stand offenbar vor Verschrottung
Viele der Schiffe seien vor der Verschrottung gestanden, womit die Reeder nur einen Bruchteil der nun eingenommenen Beträge verdient hätten. „Die Nachfrage nach alten Tankern stieg nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine rasant an und ließ den Markt für alte, in die Jahre gekommene Tanker heiß laufen“, heißt es dazu bei der ARD.

Abseits davon, dass es Russland mit seiner „Schattenflotte“ offenbar gelingt, Sanktionen zu umgehen, sorgt auch der Zustand der betroffenen Tanker immer wieder für Schlagzeilen. Erst Mitte Jänner trieb nach einem Sturm etwa die mit 99.000 Tonnen Öl beladene „Eventin“ tagelang manövrierunfähig vor der deutschen Ostsee-Insel Rügen und musste in der Folge abgeschleppt werden. „Mit dem ruchlosen Einsatz einer Flotte von rostigen Tankern umgeht Putin nicht nur die Sanktionen“, hieß es dazu vonseiten der deutschen Regierung angesichts der wachsenden Sorge vor einer Umweltkatastrophe.

Reederei-Verband: „Besorgniserregend“
Die betroffenen Reedereien verteidigen indes den Verkauf. Zwei in Deutschland betroffene Reedereien erklärten laut ARD, dass die Verhandlungen zum Verkauf der Schiffe bereits vor dem Krieg begonnen hätten und die Überprüfung der Käuferseite keine Auffälligkeiten gezeigt habe. Die in Deutschland an der Recherche beteiligten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) zeichnen gleichzeitig ein undurchsichtiges Bild – unter anderem mit einem chinesischen Unternehmen, das offenbar nur kurz vor dem Kauf eines betroffenen Tankers gegründet wurde.

Der Verkauf der Schiffe sei nicht explizit verboten, betont dazu die ARD – der Sender verweist gleichzeitig aber auf die vom Branchendienst Lloyds List Intelligence geteilte Auffassung, wonach „allen Verkäufern klar gewesen sein muss, wohin ihre Schiffe letztlich gingen“. Die Rede ist von „gleich mehreren Warnsignalen“, die darauf hingedeutet hätten, „dass der Tanker nach dem Verkauf als Teil der russischen Schattenflotte fahren könnte“.
Dass ehemalige Schiffe der deutschen Handelsflotte inzwischen Teil der „Schattenflotte“ seien, wird laut NDR indes auch vom Verband deutscher Reeder (VDR) als „besorgniserregende Entwicklung“ kritisiert. Der aus dem Verkauf von Tankern erwirtschaftete Gewinn dürfe demnach „nicht auf Kosten von Sicherheit, Compliance oder ethischen Grundsätzen erzielt werden“.

Verweis auf anstehende Verkäufe
Die deutlichen Worte sind laut NDR wohl auch eine Art „Mahnung für künftige Verkäufe“. Demnach seien derzeit 89 Tanker der deutschen Handelsflotte 15 Jahre und älter, und in diesem „Alter werden Tanker häufig abverkauft“. Um zu verhindern, dass weitere Schiffe in Putins „Schattenflotte“ landen, stehe aber auch eine Anpassung des Sanktionsregimes im Raum. Bereits in Vorbereitung sei demnach bereits die „direkte Sanktionierung weiterer Tankschiffe“.
06.02.2025, pepr (Text), lenz (Lektorat), beide ORF.at
Putins „Schattenflotte“: Alte Tanker als Milliardengeschäft für Reeder
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
Auf hoher See
Wie Europa Russlands Schattenflotte bekämpfen will
Moskau umgeht mit dubiosen Schiffen westliche Sanktionen und macht damit ein Milliardengeschäft. Europa verschärft nun den Kurs, die USA machen dabei aber nicht mit

Der Tanker Eagle S, der unter der Flagge der Cookinseln unterwegs ist, gilt als Teil der russischen Schattenflotte.
AFP/Lehtikuva/ANTTI AIMO-K

Schattenflotte, Geisterflotte, dunkle Flotte: Was einem Film der Mission Impossible-Reihe entsprungen sein könnte, ist seit längerer Zeit Realität. Staaten wie Nordkorea, Iran oder Venezuela nutzen bereits Schiffe, die man nicht direkt mit den genannten Staaten in Verbindung bringen kann, um trotz der Sanktionen gewisse Exporte und auch Importe durchführen zu können. Als Flaggenstaaten dienen Länder wie Liberia oder Panama, die es mit den Vorschriften nicht so genau nehmen. Außerdem werden Flaggenstaat und Schiffsname oft geändert – und die Ortungsgeräte mitunter ausgeschaltet.

Nun ist Russlands Schattenflotte in aller Munde, auch wenn der Kreml bestreitet, damit etwas zu tun zu haben. Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass einige Hundert bis deutlich über tausend alte und schlecht gewartete Schiffe in Moskaus Auftrag durch die Weltmeere schippern. Ihr Auftrag ist es, für Milliardeneinnahmen zu sorgen und damit auch die Moskauer Kriegskasse für den Angriff auf die Ukraine zu füllen.

Westliche Preisobergrenze
Ende 2022 führte der Westen als Reaktion auf Russlands Vollinvasion der Ukraine eine Preisobergrenze ein. Russisches Öl darf seitdem nicht mehr als 60 US-Dollar pro Barrel kosten. Schiffe, die sich nicht daran halten, dürfen keine westlichen Dienstleistungen etwa in Sachen Versicherung oder Finanzierung mehr in Anspruch nehmen. Im Schatten des Welthandels wird dies von russischer Seite umgangen und so ein großes Geschäft gemacht. Lettlands Regierung zufolge laufen fast 85 Prozent der russischen Rohölexporte über die Schattenflotte durch die Ostsee.

Doch das ist nur ein Teil des Problems für den Westen. Seit Sommer 2024 häufen sich potenzielle Sabotageakte, bei denen russische Schiffe der Schattenflotte in der Nähe gesichtet worden sind. Konkret geht es um die Beschädigung wichtiger Unterseekabel in der Ostsee. Einige westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Schäden unabsichtlich durch unerfahrene Crews auf den schlecht gewarteten Schiffen verursacht wurden.

Sicherheitsbeamte und -experten in Europa sehen das anders. Katja Bego vom britischen Thinktank Chatham House sagte der Washington Post: Es sei schwierig, angesichts dieser "wiederholten Muster" und der Art der Vorfälle nicht von einem "Verbrechen" zu sprechen.

Neue Nato-Operation
Als Reaktion auf diese Zwischenfälle hat die Nato Mitte Jänner die Operation Baltic Sentry angekündigt, um die Unterseekabel künftig besser zu schützen. Auch haben Anrainerstaaten wie Finnland oder Estland vereinzelt Tanker der Schattenflotte festgesetzt, um sie zu untersuchen.

Um eine erneute Festsetzung zu verhindern, griff Moskau letzte Woche zu drastischen Mitteln. Am 13. Mai kontaktierte das estnische Militär den flaggenlosen Tanker Jaguar, um Kontrollen auf dem Schiff durchzuführen. Plötzlich drang ein russischer Su-35-Kampfjet in den estnischen Luftraum ein und flog nahe am Schiff vorbei. Das estnische Militär verzichtete daraufhin auf die Kontrollen und eskortierte die Jaguar lediglich aus den estnischen Gewässern.

Das sei vollkommen neu, erklärte Estlands Außenminister Margus Tsahkna. Damit habe Moskau erstmals eine direkte Verbindung zur Schattenflotte offenbart, sagte er. Am Sonntag setzte Russland dann einen griechischen Tanker in der Ostsee fest. Für Tsahkna ist es ein klarer Vergeltungsakt vonseiten Moskaus.

Neue Sanktionen
Am Montag schließlich verkündeten die EU und Großbritannien neue Sanktionen gegen die Schattenflotte, wie sie schon länger unter anderem von der Ukraine und den Ostseeanrainerstaaten gefordert wurden. Strafmaßnahmen wie Zugangsverbote für Häfen oder Dienstleistungsverbote wurden auf weitere Schiffe, Unternehmen und Personen, die mit der Flotte in Verbindung stehen, ausgeweitet.

Die USA, die im Jänner noch unter Präsident Joe Biden 183 Schiffe der russischen Schattenflotte sanktionierten, verzichteten hingegen auf weitere Strafmaßnahmen. Donald Trump meinte am Montag nach einem Telefonat mit Wladimir Putin, er wolle damit mögliche Friedensgespräche nicht torpedieren. Und auch der Wunsch der EU, die Preisobergrenze für russisches Öl weiter zu senken, ist ohne Trumps Zustimmung nicht erfüllbar.
(Kim Son Hoang, 21.5.2025)
Wie Europa Russlands Schattenflotte bekämpfen will
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
Schattenflotte
Wie ein russisches Schiff die digitale Kommunikation Europas gefährdet
Die Jantar ist ein Spionageschiff und seit Monaten beinahe ungestört in der Nordsee unterwegs. Das Ziel: Tiefseekabel kartografieren, anzapfen und sabotieren


Die Jantar wurde von der HMS Proteus gestellt. Konsequenzen gab es keine. Eine neue Recherche zeigt die mehrmonatige Spionagemission des russischen Schiffes auf.
AFP/MOD /-

Wirklich gefährlich sieht die Jantar nicht aus. Das Schiff mit dem markanten blauen Rumpf verfügt weder über Kanonen noch über Raketenwerfer. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um ein harmloses ziviles Schiff. Nur die zahlreichen Sensoren und Radarkuppeln verraten: Es handelt sich um ein Spionageschiff. Die Jantar ist Russlands wichtigster Aufklärer in der Nordsee. Im Visier steht die elektronische Kommunikation des Kontinents.

Die primäre Mission scheint das Ausspionieren von Unterwasserkabeln zu sein. Wie die Financial Times in einer umfassenden Recherche enthüllte, konnte das Schiff mittels Radardaten von Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation über wichtigen Kommunikationsleitungen mitten in der Irischen See lokalisiert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Jantar in der Nordsee auftaucht. Im Jänner dieses Jahres wurde sie von einem U-Boot der britischen Marine gestellt und mit einer Fregatte der britischen Marine aus dem Ärmelkanal eskortiert. Mit auf den Weg gab es eine strenge Warnung, sich von den Unterseekabeln fernzuhalten. Genützt hat all das offenbar wenig.

Eine Fülle an technischen Möglichkeiten
Die Mission der Jantar begann im November 2024. Damals verließ das Schiff einen abgelegenen Fjord auf der russischen Kola-Halbinsel zu einer dreimonatigen Mission. Ausgestattet mit modernster Überwachungstechnik, war sie unterwegs, um die Unterseekabel zu kartieren. Diese sind für europäische Staaten von enormer Bedeutung: Ein Großteil der digitalen Kommunikation ist auf diese Leitungen angewiesen: Internet, Energie, Militärkommunikation und Finanztransaktionen.

Die Jantar verfügt laut dem Bericht über ausgefeilte technische Möglichkeiten: Das Schiff kann dem Bericht zufolge Tauchboote mit Manipulatorarmen aussetzen, um Leitungen anzuzapfen und Informationen abzufangen. Gleichzeitig sollen die Tauchboote in der Lage sein, Sprengsätze zu platzieren. Laut dem Bericht würde es aber schon reichen, die Zeitsignale der Unterseekommunikation zu manipulieren, um für massive Störungen zu sorgen.

Westliche Marineoffiziere bestätigten gegenüber der FT, dass die Jantar wahrscheinlich Knotenpunkte zwischen mehreren Kabeln identifiziert, wo Störungen maximale Auswirkungen hätten. Das Schiff gehört zur russischen Einheit GUGI (Hauptdirektorat für Tiefseeforschung), die direkt dem russischen Verteidigungsministerium untersteht.

Die Schattenflotte aus der Arktis
Die GUGI-Flotte umfasst 50 Fahrzeuge, darunter U-Boote und kleinere Tauchfahrzeuge, von denen einige Tiefen von 6.000 Metern erreichen können – mehr als das Zehnfache eines konventionellen Militär-U-Boots. Die Jantar als Überwasserschiff ist kostengünstiger über lange Distanzen zu betreiben und dient als Plattform für Tauchboote und Taucher.

Der Stützpunkt der Einheit liegt in der Bucht Olenya Guba an der Barentssee, nahe der norwegischen Grenze. Die CIA verfolgt diese Basis seit den 1960er Jahren. Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem: Schwimmende Trockendocks sollen U-Boote vor Satellitenerfassung schützen, und eine neue Verteidigungsbarriere wurde über die Buchteinfahrt gespannt. GPS-Jamming in der Region ist so intensiv, dass selbst die Verfolgung ziviler Schiffe schwierig bis unmöglich ist.

Spionage rund um Irland
Die FT-Analyse zeigt: Nach einer Zurückhaltung im ersten Jahr des Ukrainekrieges hat GUGI die Aktivitäten wieder intensiviert. Von Oktober 2023 bis November 2024 waren elf russische Schiffe in britische und irische Gewässer eingedrungen.

Die Jantar wurde im November stundenlang stationär über drei großen Kabeln in der Irischen See geortet – CeltixConnect-2, Geo-Eirgrid und Rockabill –, die Irland mit Großbritannien verbinden.

Gerade in Großbritannien ist die Sorge vor Sabotageakten am Kommunikationsnetz groß: 99 Prozent der digitalen Kommunikation Großbritanniens laufen über Unterseekabel, drei Viertel der Gasversorgung durch Unterwasserpipelines. Besonders sensibel sind Kabel des Integrated Undersea Surveillance System – ein amerikanisch-britisches Militärnetzwerk zur Überwachung feindlicher U-Boote.

Nato sucht nach Antworten
Die Royal Navy sucht deshalb nun Finanzierung für einen neuen Verteidigungsring aus Sensoren und Unterwasserdrohnen, genannt "Atlantic Bastion", um Kabel und britische Trident-U-Boote vor Sabotage zu schützen. Das System würde das bestehende Patrouillensystem zwischen Grönland, Island und Großbritannien mit zusätzlicher Aufklärung durch unbemannte Fahrzeuge über und unter Wasser sowie Sonarstationen am Meeresboden verstärken. Aktuell setzt die Royal Navy Kriegsschiffe und Überwachungsflugzeuge ein, die bei verdächtigen Aktionen Sonarbojen abwerfen können.

Nato-Experten räumen ein, dass Europas Streitkräfte in den 2000er Jahren, während sie sich auf Antiterror-Operationen im Nahen Osten konzentrierten, maritime Tiefwasser-Fähigkeiten vernachlässigten. Kapitän Niels Markussen, Leiter des Nato-Zentrums für die Sicherheit kritischer Unterwasser-Infrastruktur, sagte: „Wir haben nicht realisiert, wie wichtig dies geworden ist; wir haben es einfach vergessen."
(pez, 1.10.2025)
Wie ein russisches Schiff die digitale Kommunikation Europas gefährdet
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#6
„Schattenflotte“
EU bringt neues Sanktionspaket auf Schiene
1760973506855.png

Am Montag haben Europas Außenministerinnen und -minister das inzwischen 19. Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet. Strafmaßnahmen gegen das Öl- und Gasgeschäft sollen die Kriegskasse des Kreml schrumpfen lassen. Dabei rückt auch Russlands „Schattenflotte“, die inzwischen auf bis zu 1.400 Schiffe anwuchs, zunehmend ins Visier.
Online seit heute, 14.34 Uhr (Update: 15.45 Uhr)
Teilen
Das 19. Sanktionspaket dürfte diese Woche auf dem EU-Gipfel beschlossen werden. Im Vorfeld trafen einander am Montag die EU-Außenministerinnen und -minister in Luxemburg. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas sagte, dass Russland „nur Stärke versteht“. Auch Österreich werde das Paket unterstützen, sagte Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) am Wochenende.

Österreich soll eine Ausnahme für die Raiffeisen Bank International (RBI) von den Sanktionen gefordert haben, aber damit gescheitert sein, wie der „Standard“ berichtete. Österreich zog seine Forderung anschließend zurück. Schellhorn begründete die Entscheidung mit dem Ziel, die EU müssen mit „einheitlicher Stimme“ sprechen.

Rechtsstreit der RBI
„Es geht uns darum, dass wir österreichische Unternehmen schützen und einen Rechtsrahmen haben, damit diese Unternehmen auch eine Klarheit haben“, so Schellhorn. Doch es „kann nicht sein, dass wir die Ukraine weiter mitfinanzieren und russische Oligarchen auf der Jacht weiterfahren“.

Hintergrund ist die Forderung der RBI, dass sanktionsrechtlich eingefrorene Aktien des österreichischen Baukonzerns STRABAG im Wert von rund zwei Milliarden Euro, die derzeit im Besitz der russischen Firma Rasperia sind, freigegeben werden, damit sie an Raiffeisen übertragen werden können.
Thema in Luxemburg war auch der Umgang mit eingefrorenem russischem Vermögen. Die EU-Kommission schlug vor, dieses Geld zur Finanzierung eines neuen Kredits in Höhe von 140 Milliarden Euro für die Ukraine zu verwenden.

Vorgangsweise der „Schattenflotte“
Vor allem sollen durch das neue Paket aber die Einnahmen Russlands aus Öl- und Gasexporten weiter gedrosselt werden. Am Montag sprach sich bereits eine Mehrheit der EU-Länder für ein schrittweises Ende russischer Gaslieferungen bis Ende 2027 aus.
Nun will Kallas auch die russische „Schattenflotte“ stärker sanktionieren. Sie „finanziert Russlands Krieg und dient zugleich als Ausgangspunkt für hybride Angriffe“, so Kallas bei dem Treffen. Mit der Flotte umgeht Moskau seit Jahren die Strafmaßnahmen und liefert weiterhin Öl und Gas ohne Preisdeckel.

Dafür werden meist veraltete Schiffe mit schwer nachvollziehbaren Eigentumsverhältnissen gechartert und verschiedene Methoden genutzt, um die Herkunft von Ölladungen zu verschleiern. Mitunter wird der Transponder des satellitengestützten automatischen Schiffsidentifizierungssystems (AIS) ausgeschaltet oder manipuliert, manchmal Öl auf hoher See zwischen Tankern umgeladen.

Vielerlei Risiken
Dem Außenministertreffen am Montag lag ein neues Arbeitspapier des Europäischen Auswärtigen Diensts (EAD) vor. Er schätzt die Größe dieser Flotte mittlerweile auf 600 bis 1.400 Tanker. „Diese Schiffe tragen nicht nur zur russischen Kriegswirtschaft bei, sondern stellen auch eine erhebliche Gefahr für Umwelt und Schifffahrtssicherheit dar“, hieß es in dem Dokument, das der dpa vorlag.

Unglücke könnten Ölkatastrophen und andere Meeresverschmutzungen mit verheerenden Folgen für Küstengebiete, Ökosysteme und die Fischerei verursachen. Da viele der Schiffe unklare Eigentumsverhältnisse haben und laut den Fachleuten nicht oder nur unzureichend versichert sind, müssten im Falle einer Havarie wohl die Steuerzahler der Küstenstaaten für die Beseitigung der Schäden aufkommen.

Drohnen und Spionage
Zudem wurde davor gewarnt, dass Schiffe der „Schattenflotte“ als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- und Spionageangriffe genutzt werden können. Diesen Verdacht gab es auch nach den mysteriösen Drohnensichtungen in Dänemark, die vor allem in der Hauptstadt Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs geführt hatten.

Man müsse kontinuierlich nach neuen Wegen im Kampf gegen die „Schattenflotte“ suchen, da Russland erfinderisch beim Umgehen von Sanktionen sei, so Kallas. Thema seien auch neue Befugnisse, um an Bord von Schiffen gehen zu können. Um bewährte Verfahren aus der gesamten Union zusammenzuführen, habe sie jetzt einen Sonderkoordinator ernannt.

Derzeit hat die EU 444 Schiffe sowie Einrichtungen, die den Betrieb der Flotte ermöglichen, mit Sanktionen belegt. Geplant ist dem Dokument zufolge, dass die Zahl der von Hafenverboten und Strafmaßnahmen betroffenen Schiffe im Zuge des neuen Sanktionspakets mit EU-Russland-Sanktionen auf 562 erhöht wird.

Kooperation mit Flaggenländern
Zudem will Kallas mit Küstenländern und solchen Staaten kooperieren, unter deren Flagge die Schiffe registriert sind. Diese Staaten sollen im Idealfall ihr Einverständnis geben, dass Schiffe von Marinekräften aus EU-Ländern kontrolliert werden dürfen.

Reuters/Stephane Mahe
Die „Boracay“ soll der „Schattenflotte“ angehört haben. Frankreich ging gegen sie vor.

In dem Papier des EAD hieß es weiter, die EU-Mitgliedsstaaten agierten bereits zunehmend robust gegen die „Schattenflotte“. Als Beispiele genannt werden das Vorgehen Deutschlands gegen das Schiff „Eventin“, Frankreichs gegen das Schiff „Boracay“, Estlands gegen das Schiff „Kiwala“ und Finnlands gegen das Schiff „Eagle S“. Zudem seien drei EU-Marinemissionen bereits seit Juni 2025 damit beauftragt, die Flotte zu überwachen und Informationen über sie zu beschaffen.
20.10.2025, red, ORF.at/Agenturen

„Schattenflotte“: EU bringt neues Sanktionspaket auf Schiene
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#7
Unter russischer Flagge
USA beschlagnahmen Öltanker im Atlantik
1767807701051.png

Die USA haben Armeeangaben zufolge am Mittwoch einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik „beschlagnahmt“. Der Tanker „Bella-1“ war zuvor über längere Zeit von der US-Armee verfolgt worden. Nun sei er „wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionen“ unter US-Kontrolle gebracht worden, teilte das US-Militärkommando für Europa auf der Plattform X mit. Eine zweite Beschlagnahmung eines offiziell staatenlosen Tankers gab es in der Karibik.
Online seit heute, 16.48 Uhr (Update: 18.26 Uhr)
Teilen
Der im Atlantik festgesetzte Tanker sei zuvor einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten die US-Sender Fox News und CNN. Wenige Stunden zuvor hatten Medien berichtet, dass Russland ein U-Boot in Richtung Atlantik geschickt habe, um den leeren Tanker zu begleiten, den die US-Armee seit Wochen beschlagnahmen will.

Zuvor hatten Reuters und CNN von einer laufenden Operation gegen den von den USA als Teil einer „Schattenflotte“ gelisteten Tanker berichtet. Nach Angaben des russischen staatlichen Senders RT hatten US-Kräfte versucht, von einem Hubschrauber aus an Bord des Tankers „Marinera“ zu gelangen – letztlich offenbar mit Erfolg.

Briten unterstützten Beschlagnahmung
Schiffe der „Schattenflotte“ transportieren unter dem Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran. Am Mittwoch befand sich der Tanker laut der Website MarineTraffic in der Nähe der ausschließlichen Wirtschaftszone vor Island. Auch wurde bekannt, dass Großbritannien die USA bei der Beschlagnahmung unterstützte.

Dem Schiff werden Aktivitäten in einer „Schattenflotte“ und Verstöße gegen die Iran-Sanktionen vorgeworfen, wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte. Die britischen Streitkräfte hätten nach einer Anfrage aus Washington geplante operative Unterstützung geleistet. Diese habe die Bereitstellung von Stützpunkten für US-Militärgüter sowie Luftüberwachung umfasst.

Grafik: APA/ORF; Quelle: BBC

Anderer Name, russische Flagge
Das Schiff steht seit 2024 wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Iran und zur libanesischen Hisbollah unter US-Sanktionen. Der Tanker wurde seit dem 21. Dezember von der US-Küstenwache verfolgt – er habe davor eine US-Seeblockade für sanktionierte ⁠Tanker durchbrochen. Seitdem fuhr er unter russischer Flagge und hat seinen Namen in „Marinera“ geändert. Die Crew habe Berichten zufolge die russische Flagge auf das Schiff gemalt.

Reuters/UGC/Hakon Rimmereid (Archivbild)
Der von den USA festgesetzte Tanker „Marinera“ (ehemals „Bella-1“)

Russland: Beschlagnahmung ist Rechtsbruch
Die Regierung in Moskau bezeichnete die Beschlagnahmung als Verletzung des Seerechts. Das sei ein Verstoß gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982, erklärte das russische Verkehrsministerium. „Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind“, wurde mitgeteilt. Der Kontakt zur „Marinera“ sei abgebrochen.

USA: Öltanker auch in Karibik beschlagnahmt
Zugleich mit dem Vorfall im Nordatlantik wurde ein weiterer Fall bekannt: In der Karibik sei mit der „M/T Sophia“ ein weiterer Tanker mit Venezuela-Bezug beschlagnahmt worden. Sie unterliege ebenfalls US-Sanktionen, gehöre zur „Schattenflotte“ und habe „illegale Aktivitäten“ in der Region vorgenommen, erklärte das für die Region zuständige US-Militärkommando Southern Command auf X.

Sowohl beim Einsatz in der Karibik als auch bei jenem im Nordatlantik berief sich das US-Militär auf den Schutz der westlichen Hemisphäre. Mit der westlichen Hemisphäre ist meist der Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln gemeint. Die USA brachten zuletzt bereits mehrere Tanker in der Karibik auf.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, eine „vollständige und komplette Blockade aller sanktionierten Öltanker auf dem Weg von und nach Venezuela“ zu verhängen. Er begründete das damit, das Land habe Öl, Land und andere Vermögenswerte von den USA gestohlen – diese müssten zurückgegeben werden.

Die Aktionen sind Teil des jüngsten Vorgehens der USA gegen Venezuela und erfolgen nur wenige Tage, nachdem US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro in Caracas gewaltsam außer Landes brachten, um ihn zusammen mit seiner ebenfalls gefangen genommenen Frau vor ein Bundesgericht zu stellen.

Rubio: Blockade ist „enormer Hebel“
In der Anlage werden die beiden beschuldigt, mit Mitverschwörern „Tausende Tonnen Kokain“ in die USA geschmuggelt zu haben. Führende venezolanische Vertreter bezeichneten die Gefangennahme ⁠Maduros als Entführung und warfen den USA vor, die riesigen Ölreserven des Landes stehlen zu wollen.

Nach den Vorstellungen der USA soll die Blockade von Tankern von oder nach Venezuela auch nach Maduros Gefangennahme vorerst beibehalten werden. US-Außenminister Marco Rubio sprach in diesem Zusammenhang von einem „enormen Hebel“, um politische Veränderungen in Venezuela herbeizuführen.

USA lockern Sanktionen gegen Venezuela
Später kündigte Rubio einen Phasenplan für Venezuela an. Der erste Schritt sei die Stabilisierung des Landes, darauf folgten eine Phase der Erholung und schließlich des Übergangs. Es sei Sache des venezolanischen Volkes, sein Land umzugestalten. Bereits jetzt seien Fortschritte erkennbar. Der Plan werde die USA nichts kosten, so Rubio weiter.

Gegenwärtig sei man dabei, eine Vereinbarung über die Lieferung von 30 bis 50 Millionen Barrel Öl abzuschließen, so Rubio. Eine Stellungnahme von Venezuela lag zunächst nicht vor. Zugleich wollen die USA einige ihrer Sanktionen aufheben. Das soll den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt ermöglichen, wie das US-Energieministerium mitteilte. Welche Sanktionen genau gelockert werden sollen und wann, ging daraus nicht hervor.

USA wollen Verkauf langfristig steuern
Nach den Worten von US-Energieminister Chris Wright wollen die USA den Verkauf venezolanischen Öls „auf unbestimmte Zeit“ in ihre Hand nehmen. Zuerst soll es dabei um Lagerbestände gehen, wie er sagte. „Wir werden zunächst das aus Venezuela stammende Rohöl vermarkten, das in den Lagern liegt, und dann auf unbestimmte Zeit die Produktion aus Venezuela auf dem Markt verkaufen.“

Die USA agierten dabei in enger Zusammenarbeit mit Venezuela, so Wright. Geplant seien außerdem Lieferungen von Verdünnungsmitteln und Ersatzteilen sowie Dienstleistungen zur Stabilisierung der Industrie. Langfristig sei das Ziel, dass sich große US-Energieunternehmen wieder in Venezuela engagieren können. „Die Ressourcen sind immens – das sollte ein reiches, florierendes und friedliches Energiezentrum werden.“
Erst einen Tag zuvor hatte Trump einen direkten Eingriff seines Landes in die Ölindustrie Venezuelas angekündigt und sich die Kontrolle über Einnahmen aus dem Verkauf von Öl gesichert. Das Land werde zwischen 30 und 50 Mio. Barrel (je 159 Liter) an sanktioniertem Öl an die USA liefern, kündigte der Republikaner auf der Plattform Truth Social an. Er selbst werde die Einnahmen aus dem Verkauf des Öls kontrollieren, schrieb Trump weiter.
07.01.2026, red, ORF.at/Agenturen

Unter russischer Flagge: USA beschlagnahmen Öltanker im Atlantik
 
Oben