Sammelthread über Vulkane in verschiedenen Ländern

josef

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#61
Island
Vulkanausbruch am größten Gletscher Europas erwartet
Laut der isländischen Wetterbehörde häuft sich rund zehn Kilometer unterhalb des Vulkans Bárðarbunga im Nordwesten des Gletschers Vatnajökull Magma an

Auf dieser Aufnahme ist der Svínafellsjökull, ein Arm des Vatnajökull zu sehen.
IMAGO/imageBROKER/alimdi /
Reykjavík – Nach einer heftigen Erdbebenserie wird auf Island mit einem möglichen Vulkanausbruch am größten Gletscher Europas gerechnet. Rund zehn Kilometer unterhalb des Vulkans Bárðarbunga im Nordwesten des Gletschers Vatnajökull häufe sich Magma an, sagt die für Vulkane und Erdbeben zuständige Abteilungsleiterin der isländischen Wetterbehörde, Kristín Jónsdóttir.

Zeitpunkt schwer vorherzusagen
In den vergangenen Monaten habe die Aktivität zugenommen und man habe größere Erdbeben in der Region erlebt, weil sich unterirdisch Druck aufbaue, erklärt sie. "Und das kann nur zu einem führen: Letztendlich wird es eine Eruption geben." Es sei jedoch äußerst schwierig, den Zeitpunkt dafür vorauszusagen – möglicherweise könne es sogar noch Jahre dauern, bis es so weit sei. Auch könne es ganz unterschiedliche Arten von Ausbrüchen geben: Käme es zu einem unter dem Gletscher, dann würde dies zu katastrophalen Fluten führen, warnt Jónsdóttir.

Der Vatnajökull gilt als größter Gletscher Europas außerhalb der Polargebiete. Rund um das riesige Vulkansystem Bárðarbunga, das von dem Eiskoloss teils bedeckt wird und teils nicht, war es am Dienstag zum heftigsten Erdbebenschwarm seit zehn Jahren gekommen – damals hatte es im Anschluss einen monatelangen Ausbruch gegeben. Innerhalb weniger Stunden wurden nun schätzungsweise 130 Erdbeben verzeichnet, darunter 17 mit einer Stärke von 3,0 und höher und eines der Stärke 5,1.

Die isländische Zivilschutzbehörde rief daraufhin die Unsicherheitsstufe aus, was bedeutet, dass sie die Lage und ihre mögliche Bedrohung für Mensch, Umwelt und Infrastruktur genau beobachtet. Seitdem hat sich die Erde zunächst wieder beruhigt.

Von Gletscher bedeckter Vulkan
Die Vulkangefahr an einem isländischen Gletscher erinnert unweigerlich an den Ausbruch am Eyjafjallajökull, der 2010 mit einer kilometerhohen Aschewolke tagelang den internationalen Flugverkehr lahmgelegt hatte. Wie damals handle es sich auch im aktuellen Fall um einen von einem Gletscher bedeckten Vulkan, wobei jener von damals deutlich kleiner als der Bárðarbunga gewesen sei, sagt Vulkanologin Jónsdóttir.

Bei einer Eruption innerhalb des Gletschergebiets könne man mit einer ähnlichen Situation wie damals rechnen, sagt sie, einschließlich Aschewolke mit möglichen Folgen für den Flugverkehr. Alles hänge jedoch davon ab, wie kräftig der Ausbruch sei, wie lange er andauere und wohin der Wind wehe. Zugleich habe man damals aus dem Eyjafjallajökull gelernt, wodurch die Auswirkungen auf den Luftverkehr diesmal vermutlich geringer ausfallen würden.

Lage auf Reykjanes-Halbinsel
Die Lage am Bárðarbunga ist deutlich anders als auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich der Hauptstadt Reykjavik, wo es seit 2021 immer wieder zu sogenannten Spalteneruptionen kommt. Dabei bildet sich jeweils ein meist kilometerlanger Erdriss, aus dem in der Folge glühend heiße Lava sprudelt.


Aufnahme von der Reykjanes-Halbinsel von November 2024.
IMAGO/Icelandic Civil Defense/ZUMA Press Wire/Almannav

Trotz der Regelmäßigkeit dieser Naturschauspiele weist Jónsdóttir darauf hin, dass die Bedrohung durch solche Ausbrüche immer wieder real sei und der nächste bereits bevorstehe. "Wir erwarten die nächste Eruption Anfang Februar oder schon Ende Jänner, also sehr bald", sagt sie. Ihre Folgen seien jedoch weitgehend lokal begrenzt, während ein Ausbruch am Bárðarbunga eine viel größere Region betreffen könnte.
(APA, 16.1.2025)
Vulkanausbruch am größten Gletscher Europas erwartet
 

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#62
Seismologie & Vulkanologie
Unterseevulkan Kolumbos: Warum das Katastrophenrisiko für Santorin (noch) schwer abzuschätzen ist
Die seit knapp zwei Wochen andauernde Bebenserie dürfte mit dem Unterseevulkan Kolumbos in Verbindung stehen. Sollte dieser ausbrechen, könnte das unangenehme Folgen haben

Blick von Fira, dem Hauptort der Hauptinsel, auf Nea Kameni, den kleinen Vulkankegel von Santorin, der 1950 zuletzt ohne größere Folgen ausbrach. Bedrohlicher ist aktuell die Lage an einem Unterseevulkan ganz in der Nähe.
Foto: REUTERS/Alkis Konstantinid

In der Nacht auf Donnerstag erreichte die seit 26. Jänner andauernde Welle von mehr als 2000 Beben vor allem nordöstlich der griechischen Insel Santorin einen neuen Höhepunkt: Nordöstlich der Kykladeninseln wurde der bislang heftigste Erdstoß mit 5,2 registriert, wie das Geodynamische Institut von Athen bekanntgab. Das Beben war auch auf Kreta sowie in Athen, rund 230 Kilometer nordwestlich von Santorin, zu spüren.

Fachleute sind sich vor allem in zwei Dingen einig: Zum einen ist die Verwerfungslinie zwischen Santorin und Amorgos, der östlichsten Insel der Kykladen, "aktiviert" worden. Sie war im Jahr 1956 für ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,7 verantwortlich, das einen Tsunami verursachte, der für 53 Tote und mehr als 100 Verletzte sorgte. Zum anderen ist die zu beobachtende Häufung von Erdbeben sehr ungewöhnlich – auch wenn kleinere Erdbebenschwärme in der Region immer wieder vorkommen.
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Doppelte Bedrohungslage
Bei der Einschätzung der aktuellen Lage und künftiger Entwicklungen gehen die Meinungen der Expertinnen und Experten aber auseinander. Das hat auch mit der doppelten Bedrohung zu tun, die es für Santorin gibt. Einerseits liegt die Insel nahe jener tektonischen Nahtstelle, wo die Afrikanische Erdplatte unter die Ägäische Teilplatte abtaucht und immer wieder für Erdbebenserien sorgt – allerdings nur selten in der Intensität der vergangenen Tage.

Andererseits speist diese sogenannte Subduktion auch einen Bogen aktiver Vulkane in der Ägäis. Dazu gehört einerseits Santorin selbst, dessen heutige Gestalt nach dem verheerenden minoischen Ausbruch vor rund 3500 Jahren entstand, als der damalige Vulkan riesige Mengen an Asche und Bimsstein ausstieß und schließlich einstürzte, wodurch die Wände jener kesselartigen Struktur entstanden, die Caldera genannt wird und auf deren Rändern sich jährlich mehr als drei Millionen Touristinnen und Touristen tummeln.

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Nasa

Wichtiger für die Einschätzung der aktuellen Situation ist aber der sieben Kilometer nordöstlich von Santorin gelegene Unterseevulkan Kolumbos. Wie bei Santorin handelt es sich um eine Caldera, die einen Durchmesser von 1,5 Kilometern hat. Deren Ränder liegen nur rund zehn bis 20 Meter unter dem Meeresspiegel, während der Boden etwa 500 Meter tief ist.

Vermutete Zusammenhänge
Derzeit sei "nicht eindeutig geklärt, ob die aktuelle seismische Krise rein tektonischen Ursprungs ist, also durch die aktive Verwerfung verursacht wird, oder ob sie mit magmatischen Prozessen zusammenhängt", erklärt die Seismologin und Vulkanologin Eleonora Rivalta vom Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Auffällig ist, dass die Epizentren der aktuellen Bebenserie ebenfalls nordöstlich von Santorin liegen.

Dazu kommen weitere Hinweise, die einen Zusammenhang nahelegen: So berichteten Geologen Anfang 2023, dass es unter dem Kolumbo-Vulkan eine Magmakammer gibt, die sich rapide füllt. Die Menge nimmt pro Jahr um vier Millionen Kubikmeter zu. Das entspricht in etwa dem Volumen von vier olympischen Schwimmbecken pro Tag. Die Experten schätzten damals, dass sich der Füllstand der Kammer allmählich wieder dem vor dem letzten großen Ausbruch des Kolumbo 1650 nähert.

Die Wiederholung einer solchen Eruption könnte einigermaßen fatal werden. Damals wurden mehrere Kubikkilometer Lava und Asche ausgeschleudert und lösten einen Tsunami aus, durch den 70 Menschen auf Santorin starben.

Mögliches Szenario
In der Studie von 2023 skizzieren die Forschenden ein noch dramatischeres Szenario: Bei einer Eruption könnte die daraus resultierende Wasserdampfexplosion eine dutzende Kilometer hohe Eruptionswolke erzeugen. In weitem Umkreis würde es Asche und Bimssteine regnen, und ein Tsunami könnte Santorin und andere Inseln der Ägäis schwer treffen. Die relativ geringe Wassertiefe am Boden der Caldera würde die Explosivität der Eruption zudem eher fördern als verringern.

Für den Vulkan als Mitbeteiligten der Bebenserie spricht deren Entwicklung, sagt Rivalta. "Auffällig sind derzeit zwei Trends: die Anzahl der Beben und deren steigende Magnitude. Beide Entwicklungen sind häufig im Zuge vulkanischer Aktivität zu beobachten." Es gebe jedoch auch andere mögliche Erklärungen, etwa eine fortschreitende Aktivierung einer größeren tektonischen Struktur.

Tatsächlich würden seismologische Messungen auch steigende Spannungen entlang der Plattengrenze anzeigen, sagt Jens Karstens vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. "Wir stellen fest, dass das Santorin-System so aktiv ist wie lange nicht mehr." Denkbar wäre zudem, dass tektonische und vulkanische Faktoren zusammenspielen. "Eine wahrscheinliche Magmabewegung in das Vulkansystem von Santorin führt zu Spannungen in der Erdkruste. Diese Spannungen aktivieren die zahlreichen Verwerfungen im Umfeld von Santorin, an denen es dann zu Erdbeben kommt."

Schwierige Vorhersagen
Angesichts der komplexen geologischen Gegebenheiten rund um Santorin ist es selbst für die Fachleute schwierig, die weitere Entwicklung vorherzusagen. Die Aktivitäten könnten bald abklingen oder noch über einen längeren Zeitraum andauern. Es könnte aber auch zu einem schweren Beben kommen, das die Spannungen abbaut, wie andere Fachleute befürchten. Dazu kommt das Risiko einer Eruption des Kolumbo.


Ein in den letzten Tagen errichtetes Zeltlager für Rettungskräfte auf dem Basketballplatz von Fira, dem wichtigsten Ort der Insel.
Foto: AFP/ARIS MESSINIS

Aus diesen Gründen sei es absolut gerechtfertigt, dass die Behörden Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. "Besonders die Warnung vor möglichen Tsunamis und Erdrutschen entlang steiler Hänge ist wichtig, da Erdbeben solche sekundären Gefahren auslösen können", sagt Karstens. Dessen Forschungseinrichtung ist aktuell daran beteiligt, etwas mehr Klarheit in die Gemengelage zu bringen. "In Rahmen des Projekts Multi-Marex sind wir derzeit vor Ort und führen aktuelle Messungen durch. In ein paar Tagen werden wir die Situation daher schon besser einordnen können."
(Klaus Taschwer, 6.2.2025)
Warum das Katastrophenrisiko für Santorin (noch) schwer abzuschätzen ist
 

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#63
Sizilien
Luftraum über Catania wegen Ätna-Ausbruchs teilweise gesperrt
Aufgrund anhaltender Lava-Eruptionen mussten 32 Flüge auf den Flughafen Palermo umgeleitet werden


Europas größter Vulkan spuckt bereits seit Tagen. Die Aufnahme stammt vom 12. Februar.
Foto: REUTERS/Etna Walk/Giuseppe

Rom/Catania – Europas größter aktiver Vulkan, der Ätna, macht wieder mit Lava-Eruptionen auf sich aufmerksam. So musste am Sonntagabend der Luftraum nordöstlich und östlich vom Vulkan gesperrt werden, teilte die Betreibergesellschaft des dem Ätna nahe gelegenen Flughafens von Catania SAC mit. 32 Flüge mussten auf den Flughafen Palermo, den größten der Insel, umgeleitet werden.

Schwache Erdstöße
Busse wurden organisiert, um Passagiere von Palermo nach Catania zu bringen. Zwar wurden keine Flüge gecancelt, die Passagiere wurden jedoch gebeten, vor der Abfahrt zum Airport zu prüfen, ob ihr Flug bestätigt wurde.

Bereits seit Tagen gibt es kleinere Eruptionen, begleitet von schwachen Erdstößen. Der Ätna, der im Osten der Insel Sizilien liegt, ist in den vergangenen Monaten wiederholt ausgebrochen. Für die Menschen, die um den mehr als 3300 Meter hohen Berg leben, besteht bei den Ausbrüchen meist keine Gefahr. Das Gebiet um den Vulkan ist ein Naturpark und beliebt bei vielen Touristen. Seit 2013 gehört es zum Weltnaturerbe der Unesco. (APA, 17.2.2025)

Luftraum über Catania wegen Ätna-Ausbruchs teilweise gesperrt
 

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#64
Riesige Aschewolke
Teil von Ätna-Krater eingestürzt
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Der Vulkan Ätna auf Sizilien ist erneut ausgebrochen: Der größte aktive Vulkan Europas stieß am Montag eine riesige Wolke aus Asche, Gas und Gestein aus. Der Ausbruch begann am späten Vormittag, wie das italienische Vulkanforschungsinstitut INGV meldete. Zuvor sei vermutlich ein Teil des südöstlichen Kraters eingestürzt.
Online seit heute, 17.38 Uhr
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Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten „einen pyroklastischen Strom“, der offenbar durch einen Zusammenbruch an der Nordflanke des südöstlichen Kraters ausgelöst wurde, erklärte das Forschungsinstitut.

Pyroklastische Ströme entstehen, wenn Gestein, Asche und heiße Gase mit hoher Geschwindigkeit die Hänge eines Vulkans herunterrasen. Sie sind extrem gefährlich. Pyroklastische Ströme töteten beispielsweise im ersten Jahrhundert nach Christus die Bewohner von Herculaneum und Pompeji.

Derzeit keine Gefahr für Bevölkerung
Nach Angaben von Fachleuten besteht keine Gefahr für die Bevölkerung, erklärte der sizilianische Regionalpräsident Renato Schifani. Der Vulkanausbruch werde von den Behörden „mit extremer Vorsicht beobachtet“.

Zivilschutzchef Salvo Cocina rief Urlauber dazu auf, die Gegend um den Ätna zunächst zu meiden. Online veröffentlichte Videos zeigten Touristen, die offenbar einen Hang des Vulkans hinunter hasteten.

Der Bürgermeister von Catania, Enrico Tarantino, betonte laut der Tageszeitung „Corriere delle Sera“ (Onlineausgabe), dass die Lage derzeit nicht gefährlich sei. Das sei ein Phänomen, das immer wieder vorkomme. Aufgrund der permanenten wissenschaftlichen Beobachtung sei die Eruption bereits erwartet worden. Aus diesem Grund sei auch der Zugang zum Gipfel des Vulkans im vorhinein gesperrt worden.
Die aktuelle eruptive Phase – die 14. in den letzten Monaten – löste Explosionen aus, die in mehreren Orten am Fuß des Ätna zu spüren gewesen seien.

Warnung an Airlines
Die Behörden veröffentlichten eine Warnung an Fluggesellschaften, die Rauchwolke reichte demzufolge bis in eine Höhe von 6,5 Kilometern. Der nahe gelegene Flughafen in Catania blieb jedoch geöffnet.

Der 3.324 Meter hohe Ätna ist der größte aktive Vulkan Europas. Seit mindestens 500.000 Jahren brach er regelmäßig aus.
02.05.2025, red, ORF.at/Agenturen

Links:
„Corriere della Sera“-Artikel
Ätna (Wikipedia)
Riesige Aschewolke: Teil von Ätna-Krater eingestürzt
 

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#65
Hunderte Jahre ruhig
Vulkan in Russland ausgebrochen
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Wenige Tage nach dem schweren Erdbeben vor der Ostküste Russlands ist in der ostrussischen Region Kamtschatka ein seit mehreren hundert Jahren ruhender Vulkan erstmals wieder ausgebrochen. Auf von Staatsmedien veröffentlichten Bildern war am Sonntag eine Rauchsäule über dem Vulkan Krascheninnikow zu sehen. Schon kurz nach dem Beben war ein erster Vulkan ausgebrochen.
Online seit heute, 13.33 Uhr
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Laut dem Vulkanismusprogramm der US-Forschungsinstitution Smithsonian war der Krascheninnikow zuletzt im Jahr 1550 aktiv. Olga Girina, die Leiterin des Instituts für Vulkanologie und Seismologie auf Kamtschatka, sprach gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur RIA sogar vom ersten historisch bestätigten Ausbruch des Vulkans seit 600 Jahren.

Das Katastrophenschutzministerium teilte mit, nach dem Ausbruch des Vulkans sei eine bis zu 6.000 Meter hohe Aschewolke registriert worden. Der Vulkan selbst ist 1.856 Meter hoch. „Die Aschewolke ist nach Osten in Richtung Pazifik getrieben. Auf ihrem Weg gibt es keine besiedelten Gebiete“, teilte das Ministerium mit. Für den Flugverkehr sei allerdings die Warnstufe erhöht worden, der Flugverkehr oberhalb der Region könnte daher beeinträchtigt werden.

Zweiter Vulkanausbruch seit Mittwoch
Am Mittwoch war in Kamtschatka bereits der Vulkan Kljutschewskoi ausgebrochen. Eruptionen dieses Vulkans sind allerdings vergleichsweise häufig, es handelte sich bereits um den 18. Ausbruch seit der Jahrtausendwende. Am Kegel des 4.750 Meter hohen Kljutschewskoi sei ein starkes Glühen zu beobachten, teilten Geophysiker von der Russischen Akademie der Wissenschaften mit. An einer Flanke laufe Lava herab, Explosionen seien zu hören.

IMAGO/TASS/Yelena Vereshchaka (Archivbild)
Der Kljutschewskoi brach zuletzt auch 2023 aus

Der Berg, auch bekannt als Kljutschewskaja Sopka, liegt etwa 400 Kilometer nördlich der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski. Er gilt als der höchste aktive Vulkan Eurasiens und gehört zum Pazifischen Feuerring.

Schweres Erdbeben bei Inselgruppe
Am Sonntag erschütterte ein schweres Erdbeben auch die russische Inselgruppe Kurilen im Pazifik. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke mit 7,0 an. Das russische Katastrophenschutzministerium warnte am Sonntag, in drei Gebieten der nahe gelegenen russischen Halbinsel Kamtschatka in der Region Ferner Osten seien Tsunami-Wellen möglich. „Die erwarteten Wellenhöhen sind niedrig, aber Sie müssen sich trotzdem vom Ufer entfernen“, erklärte das Ministerium auf Telegram.

Die Kurilen sind eine etwa 1.200 Kilometer lange Inselkette und erstrecken sich von der Südspitze Kamtschatkas hin zur japanischen Insel Hokkaido. Russische Wissenschaftler hatten am Mittwoch gewarnt, dass in der Region in den nächsten Wochen starke Nachbeben möglich seien.

Beben verlief glimpflich
Das schwere Erdbeben am Mittwoch hatte nach russischen Angaben eine Stärke von 8,7 – nach Messungen in den USA und Deutschland 8,8. In etlichen Ländern in der Pazifikregion wurden Tsunami-Warnungen ausgegeben. In Japan wurden bis zu 1,3 Meter hohe Wellen registriert, dennoch verlief das Beben für seine Starke überraschend glimpflich – auch in der betroffenen Region. Im Wesentlichen hätten die Gebäude dem Beben standgehalten, hieß es aus dem russischen Zivilschutzministerium. Einige Verletzte seien in Krankenhäusern behandelt worden.

Sechststärkstes Beben der Messgeschichte
Auf der Insel Paramuschir habe es vier Tsunami-Wellen gegeben, sagte Alexander Owsjannikow, Verwaltungschef im Kreis Sewero-Kurilsk. Das Wasser drang 200 Meter ins Landesinnere ein. Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete unter Berufung auf Einsatzkräfte, dass die größte Welle bis zu fünf Meter hoch gewesen sei. Bedeutende Schäden habe es aber nicht gegeben.

Reuters/Geophysical Survey Of The Russian Academy Of Sciences
Wellen an der Küste von Sewero-Kurilsk

Mit 8,8 war das Hauptbeben laut der US-Erdbebenwarte USGS das weltweit stärkste seit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 – und wurde seit Beginn der Messungen überhaupt nur von fünf Beben übertroffen. Laut der Russischen Akademie der Wissenschaften war es das heftigste Erdbeben auf Kamtschatka seit 1952.
03.08.2025 red, ORF.at/Agenturen

Hunderte Jahre ruhig: Zweiter Vulkan in Russland ausgebrochen
 

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#66
Ungewöhnliche Eruption
Vulkan in Äthiopien nach 12.000 Jahren erstmals wieder ausgebrochen
Der Schildvulkan Hayli Gubbi in der nordöstlichen Region Afar sorgte für eine 14 Kilometer hohe Rauchwolke

Der Ausbruch des Hayli Gubbi im Nordosten Äthiopiens vom Weltraum aus gesehen. Die Aschewolken trieben bis über den Jemen, Oman, Indien und den Norden Pakistans.
NASA Worldview EOSDIS

Lange hat er geschlafen, nun hat sich ein uralter Vulkan in der äthiopischen Afar-Region mit Furore zurückgemeldet: Der rund 500 Meter hohe Hayli Gubbi hat am Sonntag eine gewaltige Aschewolke rund 14 Kilometer hoch in den Himmel geschleudert. Laut Fachleuten ist es die erste bekannte größere Eruption dieses Vulkans seit mehr als 12.000 Jahren.

Seltenes Ereignis
Der wenig erforschte Feuerberg liegt im trockenen, ländlichen Nordosten des Landes, sein Ausbruch gilt als höchst ungewöhnlich. Hayli Gubbi ist ein Schildvulkan, ähnlich wie der Mauna Loa auf Hawaii. Solche Vulkane sind für langsam fließende Lavaströme bekannt, nicht für das Ausstoßen gewaltiger Aschewolken. Dass nun dennoch eine große Eruptionssäule zu sehen ist, sei nach Ansicht von Fachleuten ein seltenes Ereignis.

Wie der örtliche Beamte Mohammed Seid laut dem Guardian berichtete, sind keine Menschenleben zu beklagen. Er warnte jedoch vor den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen für die lokalen Viehhirten. "Obwohl wir bisher weder menschliche Opfer noch Verluste beim Viehbestand zu verzeichnen haben, wurden viele Dörfer unter der Asche begraben. Die Tiere finden deshalb kaum noch Futter", sagte er.


Viele Dörfer im Umkreis des Ausbruchs seien unter Asche begraben worden, berichtet ein lokaler Beamter.
Afar Gov. Communication Bureau

Flugausfälle in Indien
Der Ausbruch hat auch in ferneren Regionen für Probleme ganz anderer Art gesorgt: Die Aschewolken trieben bis über den Jemen, Oman, Indien und den Norden Pakistans. Im rund 4.000 Kilometer entfernten Indien kam es zu Flugausfällen und Verspätungen im Luftverkehr. Nach Angaben des Wetteramts befindet sich die Aschewolke in einer Höhe von etwa zehn Kilometern. Sie werde den indischen Luftraum gegen Abend verlassen und Richtung China weiterziehen, hieß es nach Angaben des Vulkan-Beobachtungszentrums im französischen Toulouse.

Der Hayli Gubbi liegt in der Ostafrikanischen Grabenbruchzone, einer Region, in der sich die Afrikanische und die Arabische Platte jährlich um etwa ein bis anderthalb Zentimeter voneinander entfernen. Setzt sich diese Bewegung fort, könnten sich das Arabische Meer und das Rift Valley eines Tages zu einem neuen Ozean ausweiten.


Magmaflüsse im Untergrund
Während sich die Erdkruste dehnt und ausdünnt, steigt heißes Gestein aus dem Erdmantel auf und schmilzt beim Aufstieg zu Magma, das schließlich bei einem Ausbruch in Form von Lava der Oberfläche entgegenstrebt. Völlig unvorbereitet kam der Ausbruch aber offenbar auch nicht. Bereits im Juli war der nahe gelegene aktive Vulkan Erta Ale mit einer Aschefontäne ausgebrochen.

Zeitgleich zeigten Satellitendaten Bodenbewegungen, die darauf hindeuteten, dass eine Magmaintrusion von Erta Ale aus mehr als 30 Kilometer weit unter der Oberfläche bis unter Hayli Gubbi und darüber hinaus vorgedrungen war. Der Ausbruch hat großes Interesse unter Geologen geweckt. Ascheproben von der Ausbruchsstelle sollen nun klären helfen, ob Hayli Gubbi tatsächlich 12.000 Jahre lang geschlafen hat.
(tberg, red, 25.11.2025)
Vulkan in Äthiopien nach 12.000 Jahren erstmals wieder ausgebrochen
 

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#67
Ätna sorgt für Ascheregen in Taormina
Der Vulkan auf Sizilien rumort wieder. Der Flughafen Catania bleibt aber in Betrieb


Der Ätna während seiner letzten stärkeren Aktivität im August 2025.
IMAGO/Salvatore Allegra

Rom – Der Vulkan Ätna zeigt erneut erhöhte Aktivität. Am Nordostkrater wurde am Freitag glühendes Material ausgeworfen, das teilweise an den Flanken des Kegels niederging. Zudem wurden geringe Mengen vulkanischer Asche freigesetzt. Die Eruptionswolke wurde vom Wind in nordöstliche Richtung getragen. Ascheniederschläge wurden im bekannten Badeort Taormina gemeldet.

Zudem kam es zu vereinzelten Explosionen. Dabei wurde glühendes Material bis zu mehreren Dutzend Metern über den Kraterrand geschleudert, teilte das Beobachtungszentrum des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mit, das den höchsten aktiven Vulkan Europas überwacht.

Der Betrieb des internationalen Flughafens in Catania wurde durch die vulkanische Aktivität nicht beeinträchtigt. Der über 3.300 Meter hohe Ätna bricht regelmäßig aus und wird ständig überwacht. Die Ausbrüche bieten meist einen spektakulären Anblick und ziehen viele Schaulustige an.
(APA, 26.12.2025
Ätna sorgt für Ascheregen in Taormina
 

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#68
Sizilien
Vulkan Ätna - Warnstufe erhöht
Es gibt Berichte von Lavafontänen und Asche. Der Zivilschutz hob die Warnstufe von Grün auf Gelb an, womit eine Vorwarnung gilt

Der rund 3.350 Meter hohe Ätna ist Europas größter aktiver Vulkan.
IMAGO/Salvatore Allegra

Catania – Der Vulkan Ätna auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien ist wieder ausgebrochen. Es gebe Dutzende Meter hohe Lavafontänen an den Gipfelkratern, teilte das nationale italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mit. Der Vulkan stoße anhaltend Asche aus. Am Nordostkrater habe es eine Serie starker Explosionen gegeben. Ein 1,8 Kilometer langer Lavastrom bewege sich in östlicher Richtung.

Vorwarnung
Der Zivilschutz hob die Warnstufe von Grün auf Gelb an. Damit gilt eine Vorwarnung, teilte die Behörde mit. Die lokalen Zivilschutzbehörden seien aufgefordert, Maßnahmen zur Risikominderung zu ergreifen, vor allem mit Blick auf die mögliche Anwesenheit von Wanderern in den Höhenlagen. Die Bevölkerung Siziliens werde gebeten, sich auf dem Laufenden zu halten und die Anweisungen der lokalen Zivilschutzbehörden zu befolgen, teilte der Zivilschutz weiter mit.


Der Vulkan aufSizilien bricht teils mehrmals im Jahr aus und wird von Fachleuten ständig überwacht.
IMAGO/Salvatore Allegra

Die Warnstufe für die Luftfahrt wurde laut INGV auf Rot angehoben, das ist laut Nachrichtenagentur Ansa die höchste Stufe auf einer vierstufigen Skala. Derzeit habe die aktuelle Eruptionsphase aber keine Auswirkungen auf den Betrieb des Flughafens in Catania, berichtete die Ansa.

Nächtliche Lavafontänen
Videoaufnahmen, die der Sender Rai News veröffentlichte, zeigten Rauchwolken über dem Vulkan und nächtliche Lavafontänen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte das Beobachtungszentrum INGV über die gestiegene Aktivität berichtet. Es sei leichter Ascheregen in dem Küstenort Taormina und am Piano Provenzana gemeldet worden, wo es auch Skipisten gibt. Einige Explosionen gab es demnach auch am Krater Bocca Nuova, wo das glühende Material bis zu mehreren Dutzend Metern über den Kraterrand geworfen wurde. Schaulustige konnten zumindest am zweiten Weihnachtsfeiertag begleitet von Führern das Schauspiel noch aus gebührlicher Entfernung beobachten.

Der rund 3.350 Meter hohe Ätna ist Europas größter aktiver Vulkan. Er bricht teils mehrmals im Jahr aus und wird von Fachleuten ständig überwacht. Die Ausbrüche ziehen viele Touristen an. Die genaue Höhe des Vulkans ändert sich durch Ausbrüche und Schlackenkegel immer wieder.
(APA, 28.12.2025)
Vulkan Ätna erneut ausgebrochen, Warnstufe erhöht
 

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#69
Langsames Erwachen
Magmakammer füllt sich: Unter japanischem Supervulkan braut sich etwas zusammen
Das unterirdische Reservoir der Kikai-Caldera, von der vor 7300 Jahren eine der gewaltigsten Eruptionen der Menschheitsgeschichte ausging, sammelt wieder Magma

Die Kikai-Caldera, rund 50 Kilometer südlich von Kyushu, liegt größtenteils unter dem Meer und hat einen Durchmesser von rund 19 mal 17 Kilometer. Sie zählt zu den weltweit größten Calderen des Holozäns.
Nobukazu Seama

Spricht man von Supervulkanen, ist es meistens jener von Yellowstone, der einem als Erstes in den Sinn kommt. Der Magmariese unter dem gleichnamigen Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming gilt als das Maß aller vulkanischen Dinge. Er wird akribisch überwacht, ausgiebig beforscht – und medienwirksam gefürchtet. Doch nun rückt ein anderes Ungeheuer ins Blickfeld, das in der westlichen Wahrnehmung bisher wenig Aufmerksamkeit genossen hat. Die Kikai-Caldera ist ein unterseeischer Vulkan südlich der japanischen Insel Kyushu, unter dem sich einer japanischen Forschungsgruppe zufolge nun etwas zusammenbraut.

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Das Ausmaß dessen, was Kikai einst anrichtete, ist kaum zu fassen. Vor rund 7300 Jahren schleuderte der Vulkan in einer einzigen katastrophalen Explosion geschätzte 160 Kubikkilometer Material aus und ließ dabei einen Krater kollabieren, der groß genug war, um eine mittelgroße Stadt zu verschlucken, bevor er auf den Meeresboden absank.

Zum Vergleich: Als der Mount St. Helens 1980 ausbrach, wurden weniger als ein Kubikkilometer Material ausgeworfen. Der Pinatubo-Ausbruch von 1991, dessen Aschewolke die globalen Temperaturen messbar abkühlte, schleuderte rund zehn Kubikkilometer aus. Die sogenannte Kikai-Akahoya-Eruption war damit wahrscheinlich die größte Eruption der Erde im Holozän, also in jener Epoche, die grob die gesamte Zeitspanne menschlicher Zivilisation umfasst.

Kartiertes Innenleben
Seither war der Vulkan alles andere als untätig. In den vergangenen 3900 Jahren drückte frisches Magma durch den Boden der Caldera nach oben und türmte sich zu einem Lavadom auf, der mittlerweile als der größte seiner Art weltweit gilt und ein Volumen von mehr als 32 Kubikkilometern erreicht. Welches Reservoir diesen Dom speist und wie es sich entwickelt, war eines der zentralen Ziele der neuen Untersuchung.

Das Innere eines überfluteten Vulkans zu kartieren ist eine komplexe Aufgabe. Das Team um Seama Nobukazu und Nagaya Akihiro von der Universität Kobe verteilte 39 Unterwassersensoren entlang einer 175 Kilometer langen Linie quer über die Caldera und setzte ein auf einem Schiff montiertes Array von Luftkanonen ein, um Schallimpulse in den Meeresboden zu schicken. Geschmolzenes Gestein bremst seismische Wellen im Vergleich zu festem Gestein. Wo sich die Wellen verlangsamten, verbarg sich etwas Heißes und partiell Flüssiges. Nach der Auswertung von mehr als 12.000 einzelnen Wellenaufzeichnungen hatten die Forschenden ein relativ detailliertes Bild dessen, was unter der Caldera vor sich geht.


Die neue Studie basiert auf seismischen Messungen entlang einer 175 Kilometer langen Linie quer über die Caldera. Dabei entdeckten die Forschenden eine Zone mit niedriger seismischer Geschwindigkeit in 2,5 bis 6 Kilometern Tiefe direkt unter der Caldera – eine Anomalie, die als großes, sich füllendes Magmareservoir interpretiert wird
.A. Nagaya et al.

220 Kubikkilometer
Die Daten zeigen eine ausgedehnte Zone verlangsamter seismischer Wellen, die rund 2,5 Kilometer unter dem Meeresboden beginnt und bis in sechs Kilometer Tiefe reicht. Im Querschnitt ist das Reservoir annähernd trapezförmig – oben schmal, an der Basis breiter –, sein Gesamtvolumen wird auf rund 220 Kubikkilometer geschätzt. Zwischen drei und sechs Prozent davon dürften aus flüssigem Magma bestehen, wobei zehn Prozent als vernünftige obere Grenze gelten.

Dieser Tiefenbereich deckt sich mit geochemischen Analysen der Gesteine aus der ursprünglichen Kikai-Akahoya-Eruption sowie aus der jüngeren Aktivität des Lavadoms. "Aufgrund seiner Ausdehnung und Lage ist klar, dass es sich tatsächlich um dasselbe Magmareservoir handelt wie bei der vorherigen Eruption", sagte Seama.

Vergleich mit Yellowstone
Einigermaßen beunruhigend ist die geschätzte Wiederauffüllungsrate von mehr als 8,2 Kubikkilometer pro Tausend Jahre. Laut der im Fachjournal Communications Earth & Environment erschienenen Studie könnten diese Prozesse der erneuten Einspeisung von Schmelze unmittelbar unter der Caldera ein Schritt hin zur nächsten gewaltigen Caldera-Eruption sein.

Yellowstone bietet dabei eine aufschlussreiche Vergleichsmöglichkeit. Unter dessen Caldera liegt heute in Tiefen von drei bis acht Kilometern ein Magmareservoir. Das entspricht jenem Tiefenbereich, in dem das Magma vor Yellowstones letzter gewaltiger Eruption vor mehr als 600.000 Jahren gespeichert war. Kikai, so deuten die neuen Daten an, könnte in ein ähnliches Schema passen: ein großes, flaches Reservoir direkt unter der Caldera, in Tiefen, die jenen früherer Eruptionen gleichen. Auch Toba in Indonesien und Santorin in Griechenland weisen eine vergleichbare Konfiguration auf.

Möglicherweise zeichnet sich hier ein Muster ab, das die Art und Weise verändern könnte, wie Fachleute solche Systeme überwachen. "Wir wollen die Methoden, die sich in dieser Studie als so nützlich erwiesen haben, weiter verfeinern, um die Prozesse der erneuten Einspeisung besser zu verstehen", so Seama. "Unser letztliches Ziel ist es, die entscheidenden Anzeichen künftiger gewaltiger Eruptionen besser überwachen zu können."

Wann ist der Kipppunkt erreicht?
Wenn die Wiederauffüllung eines flachen Reservoirs nach einer katastrophalen Eruption tatsächlich das ist, was riesige Calderas typischerweise tun, dann sollte die Beobachtung von Veränderungen der Geschwindigkeiten seismischer Wellen unter diesen Systemen zu einem Standardwerkzeug der Vulkanologie werden.

Langfristige seismische Überwachung könnte früh anzeigen, ob sich Größe oder Schmelzanteil eines Reservoirs verändern – lange bevor irgendeine Aktivität an der Oberfläche Schlagzeilen macht. Genau diese Dauerbeobachtung fehlt bei Kikai bislang in dem Ausmaß, wie sie bei Yellowstone existiert. Die neuen Basisdaten sind deshalb für künftige Vergleiche von besonderem Wert. Wie viel Magma sich bei Kikai ansammeln muss, bevor ein Kipppunkt erreicht wird, vermag derzeit niemand zu sagen.
(Thomas Bergmayr, 31.3.2026)
Magmakammer füllt sich: Unter japanischem Supervulkan braut sich etwas zusammen
 

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Ansatz gegen den Klimawandel?
Größter Vulkanausbruch des 21. Jahrhunderts verblüfft erneut die Fachwelt
Die Hunga-Tonga-Eruption im Jänner 2022 setzte in der Stratosphäre eine chemische Reaktion in Gang, die Methan abbaute, eines der stärksten Treibhausgase, die es gibt

Der Rekord-Ausbruch des Unterseevulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai war nicht nur eine geophysikalische Sensation, sondern hinterließ auch klimatische Spuren weit über den Pazifik hinaus.
JMA/NICT

Am 15. Jänner 2022 explodierte im südlichen Pazifik ein Vulkan, der die meiste Zeit seines Lebens unter der Wasseroberfläche zubringt. Die Eruption von Hunga Tonga-Hunga Ha'apai war in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Sie blies eine Materialsäule rund 55 Kilometer in die Höhe und damit bis in die Mesosphäre – ein Rekord. Sie pumpte etwa 146 Teragramm Wasserdampf in die Stratosphäre, knapp ein Zehntel des dortigen Bestands. Und sie hinterließ in der Atmosphäre Formaldehyd, kurz HCHO, was niemand erwartet hatte.

Eine Forschungsgruppe um Maarten van Herpen vom niederländischen Unternehmen Acacia Impact Innovation und Jos de Laat vom Königlich Niederländischen Meteorologischen Institut hat das Formaldehyd in den Daten des europäischen Satelliten Sentinel-5P gefunden. Das an Bord installierte Messinstrument TROPOMI registriert eigentlich die Luftverschmutzung über bewohnten Regionen. Über der tongaischen Eruptionswolke maß es Formaldehydkonzentrationen, wie sie in der Stratosphäre noch nie zuvor beobachtet wurden: bis zu zwölf Teile pro Milliarde in 30 Kilometern Höhe. Frühere Spitzenwerte, ausgelöst durch Waldbrände, lagen rund 120-mal niedriger.

Hartnäckiges Signal
Formaldehyd ist ein flüchtiges Zwischenprodukt. Unter dem Sonnenlicht der Stratosphäre zerfällt es binnen weniger Stunden, nach van Herpens Berechnungen mit einer Halbwertszeit von rund 2,5 Stunden zum Zeitpunkt des Satellitenüberflugs. Hätte der Vulkan das Formaldehyd selbst ausgestoßen, wäre davon zwanzig Stunden nach dem Ausbruch fast nichts mehr nachweisbar gewesen. Doch das Signal blieb erhalten. Es ließ sich am 17. Jänner feststellen und konnte auch am 25. Jänner noch ausgemacht werden, während die Wolke längst in Richtung Südamerika gezogen war. Es schien, als würde etwas in dieser Wolke unablässig neues Formaldehyd nachproduzieren.

In der Atmosphärenchemie hat dieses Molekül eine eindeutige Herkunft. Es entsteht praktisch immer, wenn Methan oxidiert wird – ein Molekül Methan ergibt rund ein Molekül Formaldehyd. Wo also Formaldehyd nachgeliefert wird und keine Waldbrände als Alternativquelle infrage kommen, dort wird Methan zerlegt.

Daraus ergibt sich eine zunächst überraschende Schlussfolgerung: Der Vulkan hat einen Teil seiner eigenen Methanemissionen wieder abgebaut. Die Forschungsgruppe beziffert die Oxidationsrate im Fachjournal Nature Communications auf 900 (plus/minus 220) Tonnen Methan pro Tag, mit Spitzenwerten von 75 Tonnen pro Stunde rund um die Mittagszeit des 16. Jänner. Damit dieser Abbau überhaupt funktionieren konnte, musste die Eruption nach den Berechnungen mindestens 330 Gigatonnen Methan in die Stratosphäre geschleudert haben.


Die Eruption bei Tonga im Südpazifik hatte global messbare Auswirkungen, bis tief in den europäischen Winter 2022/23 hinein. Und sie scheint auch einen unerwarteten Schub beim Abbau von Methan ausgelöst zu haben.
Tonga Geological Services

Salz, Asche, Sonne
Bleibt die Frage, was die Chemie eigentlich antrieb. Methan wird in der Atmosphäre üblicherweise durch Hydroxylradikale (OH) abgebaut, in geringem Umfang auch durch Chlor-Atome. Das Hydroxyl-Szenario scheiterte in der Auswertung: Es hätte eine derart hohe Methanlast erfordert, dass ein anderes Satelliteninstrument, das kanadische ACE-FTS, davon Wochen später noch Spuren gesehen hätte, was nicht der Fall war. Damit blieb Chlor als treibende Kraft.

Die plausibelste Erklärung kommt aus einem ganz anderen Forschungsfeld. Van Herpen und Kollegen hatten in einer früheren Arbeit gezeigt, dass über dem Nordatlantik Saharastaub und Meersalz zu Eisensalz-Aerosolen verschmelzen, aus denen unter Sonneneinstrahlung Chlor-Atome herausgeschlagen werden. Diese Atome greifen Methan an. "Neu und völlig überraschend ist, dass derselbe Mechanismus offenbar in einer Eruptionswolke hoch oben in der Stratosphäre abläuft, wo die physikalischen Bedingungen vollkommen andere sind", sagt Matthew Johnson von der Universität Kopenhagen, einer der Studienautoren.

Anspruchsvolle Datenauswertung
Hunga Tonga lieferte für diese Reaktion eine ungewöhnliche Mischung. Beim Ausbruch riss der Vulkan riesige Mengen Meerwasser mit in die Höhe, mitsamt dem darin gelösten Salz. Die feine Vulkanasche brachte Eisen mit, dessen Menge die Studie in der stratosphärischen Wolke auf bis zu 30.000 Tonnen schätzt. Hinzu kam intensive Sonneneinstrahlung in 30 Kilometern Höhe. Die Asche dürfte rasch von Sulfat überzogen worden sein, was sie für Satelliten kaum noch von reinem Sulfataerosol unterscheidbar machte.

Ein Detail in den Daten stützt diese Interpretation. Das Formaldehyd korrelierte enger mit dem Aerosol als mit dem ebenfalls reichlich vorhandenen Schwefeldioxid. Die Reaktion lief offenbar an Partikeloberflächen ab, nicht in der Gasphase der Schwefelschwaden.

Die Auswertung selbst war anspruchsvoll. Das Messinstrument TROPOMI ist für die Troposphäre konzipiert, nicht für stratosphärische Vulkanwolken. "Die Bestimmung von Formaldehyd mittels TROPOMI in einer stratosphärischen Eruptionswolke liegt weit außerhalb der normalen Betriebsbedingungen des Instruments", sagt Isabelle De Smedt vom Königlich Belgischen Institut für Weltraum-Aeronomie. Die Empfindlichkeit des Satelliten musste auf die ungewöhnliche Höhe des Signals eingestellt werden, zudem mussten die spektralen Störungen durch das hohe Schwefeldioxid-Aufkommen berücksichtigt werden. Dass das Verfahren funktionierte, ist methodisch womöglich der bemerkenswerteste Punkt der Arbeit.


Diese Satellitenaufnahme vom 16. Jänner 2022 um 13.30 Uhr UTC zeigt die vom TROPOMI-Instrument gemessene Formaldehydwolke in blauer Farbe. Links im Bild ist die australische Küste vor Queensland zu sehen.
van Herpen et al.

Hunga-Tonga-Effekt nachbilden
Methan ist nach Kohlendioxid das wichtigste vom Menschen verstärkte Treibhausgas und derzeit für rund 0,5 Grad der globalen Erwärmung verantwortlich. Auf 20 Jahre gerechnet wirkt es etwa 80-mal stärker klimaerwärmend als CO2, baut sich dafür aber binnen rund eines Jahrzehnts wieder ab. Wer die Methanbelastung senkt, sieht den Effekt also vergleichsweise rasch. Aus diesem Grund gibt es seit einigen Jahren Überlegungen, den natürlichen Abbau künstlich zu beschleunigen – etwa durch das gezielte Einbringen eisenhaltiger Partikel in die Atmosphäre. Das ist im Grunde jene Chemie, die in Tonga offenbar von selbst angesprungen ist.

Solche Verfahren stoßen bislang an eine Grenze. "Wie beweist man, dass Methan aus der Atmosphäre entfernt wurde? Woher weiß man, dass die Methode funktioniert?", meint de Laat. "Hier nehmen wir dieses Problem in Angriff, indem wir zeigen, dass sich der Methanabbau tatsächlich mit Satelliten beobachten lässt." Über den Ozeanen, wo solche Eingriffe in erster Linie diskutiert werden, scheitert die direkte Methanmessung am dunklen Wasserspiegel. Der Umweg über das kurzlebige Formaldehyd umgeht dieses Problem.

Weitere Laborstudien notwendig
Die Untersuchung klärt freilich nicht jede Frage. Die vorgeschlagene Eisen-Chlorid-Photochemie auf sulfatbeschichteter Asche bedarf der Bestätigung im Labor und in numerischen Modellen. Tonga lieferte zudem eine Ausnahmesituation, eine seltene Kombination aus riesiger Meerwasserinjektion und vergleichsweise bescheidener Schwefelfracht. Bei anderen Eruptionen dürfte die gleiche Chemie kaum eine vergleichbare Rolle spielen.

Dennoch hat hier die Natur einen Prozess vorgeführt, an dessen technischer Nachahmung Ingenieurinnen und Forscher derzeit arbeiten und der sich aus dem All überwachen lässt. "Für die Industrie liegt es nahe, dieses Naturphänomen nachzubilden", sagt Johnson. "Aber nur, wenn sich nachweisen lässt, dass es sicher und wirksam ist."
(Thomas Bergmayr, 25.5.2026)
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