Sammelthread zu Themen betreffend "Künstliche Intelligenz" (KI)

josef

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#41
USA
Jobabbau befeuert Widerstand gegen KI
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Der Jobabbau im Zuge des breiteren Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI) geht weiter: Die britische Großbank Standard Chartered kündigte an, über 15 Prozent ihrer Stellen zu streichen und stattdessen auf KI-Agenten zu setzen. Meta, Mutterkonzern von Facebook, will ebenfalls Tausende Stellen streichen. Mittlerweile formiert sich in den USA starker Widerstand gegen KI und auch gegen die dafür nötigen Rechenzentren.
Online seit gestern 19.05.2026, 19.02 Uhr
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Über 7.000 Jobs will Standard Chartered bis 2030 abbauen und damit laut eigenen Angaben die eigene Profitabilität steigern. Das teilte die auf Asien und Afrika fokussierte Bank am Dienstag mit. „Es geht hierbei nicht um reine Kostensenkungen“, so Bankchef Bill Winters. Es gehe darum, „einfache Arbeit“ durch Automatisierung und KI zu ersetzen.

Der deutsche Übersetzungsanbieter DeepL werde gar ein Viertel seiner Stellen streichen, wie CEO und Gründer Jaroslaw Kutylowski vor Kurzem auf LinkedIn postete. Ziel seien kleinere Teams und weniger Hierarchieebenen, um effektiv mit KI arbeiten zu können. Die Mitarbeitenden sollen sich darauf konzentrieren, „was nur Menschen leisten können – wie zum Beispiel unsere Intuition zu nutzen, neue kreative Ideen zu entwickeln und Projekte von Anfang bis Ende zu begleiten“.

Die Wirtschaft verspricht sich viel von KI, das Interesse der Investoren und Geschäftsführungen ist enorm. Ebenfalls am Dienstag erhöhte die Beratungsfirma Gartner die Prognose für weltweite Investitionen in KI für heuer auf 2,59 Billionen Dollar. Im Jänner lag die Prognose noch bei 2,5 Billionen Dollar. Bisher werde das Investitionswachstum von der Technologiebranche getragen, so Gartner, doch es werde mehr und mehr klassische Firmensoftware um KI-Funktionen erweitert.

Tausende Jobs werden bei Meta gestrichen
Das sind nur zwei Beispiele einer Reihe von angekündigten bzw. schon vollzogenen Streichungen von Arbeitsplätzen zugunsten von KI. Am Mittwoch soll die Facebook-Mutter Meta im Zuge eines weitreichenden Umbaus Tausende Kündigungen aussprechen, wie aus einem Dokument vom Montag (Ortszeit) hervorgeht.

Personalchefin Janelle Gale kündigte darin zudem organisatorische Veränderungen an. So sollen 7.000 Personen in neue KI-Projekte wechseln und Führungspositionen gestrichen werden, um kleinere, agilere Teams zu schaffen. Das werde das Unternehmen produktiver machen, so Gale.


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Rund 20 Prozent der Meta-Belegschaft sollen laut dem Dokument von dem Umbau betroffen sein, hieß es weiter. Zusätzlich zu den Kündigungen habe der Konzern 6.000 offene Stellen gestrichen. Ende März beschäftigte Meta den eigenen Unterlagen zufolge knapp 78.000 Menschen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen unter anderem in Abteilungen versetzt werden, die KI-Agenten entwickeln. Diese sollen dann jene Aufgaben übernehmen, die bis jetzt von Menschen ausgeführt werden.

Widerstand bei Meta und anderswo wächst
Die Pläne stoßen in der Meta-Belegschaft auf großen Widerstand. Mehr als 1.000 Mitarbeitende unterzeichneten eine Petition gegen den Einsatz einer Software zur Erfassung von Mausbewegungen. Diese Technologie soll dabei helfen, KI-Modelle zu trainieren, damit sie menschliche Interaktionen mit Computern nachahmen können. Zudem kritisierten Beschäftigte auf der internen Kommunikationsplattform das Management dafür, Bedenken zum Datenschutz zu ignorieren und wochenlang zu den Entlassungsplänen geschwiegen zu haben.

Die Meta-Beschäftigten sind nicht alleine, wie das „Wall Street Journal“ („WSJ“) berichtete. Der frühere Google-Chef Eric Schmidt bekam das am Freitag bei einer Rede an der Universität von Arizona am eigenen Leib zu spüren, als er davon sprach, dass die „technologische Transformation“ durch KI „größer, schneller und folgenreicher sein wird als alles Bisherige“. Schmidt erntete wie auch andere Sprecher an dem Tag Buhrufe von den Studierenden.

Umfragen zeichnen schlechtes Bild
Der Widerstand gegen KI verfestige sich zunehmend, so das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf jüngste Umfragen. Die Befragten äußerten Kritik und Bedenken bezüglich KI, die laut Industrie ihr Leben verbessern sollten. Stattdessen monierten die Befragten unter anderem höhere Kosten für Energie durch die steigende Zahl von Datenzentren und Angst vor Jobverlust. Der Widerstand äußerte sich zuletzt auch in Angriffen wie einem Molotowcocktail vor dem Haus von OpenAI-Chef Sam Altman.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Meinung gegen künstliche Intelligenz und deren Begleiterscheinungen richte, sei laut Meinungsforschern und Historikern bisher unerreicht, so das „WSJ“ weiter. Sie betreffe viele Bereiche, darunter die Politik: Dutzende Gemeinden stellen sich gegen den Bau neuer KI-Rechenzentren, einige Politiker mussten bereits ihren Hut nehmen, nachdem sie dem Bau eines solchen Rechenzentrums zugestimmt hatten.

Die Menschen haben nicht nur Angst um ihre Jobs, auch die Umweltauswirkungen der riesigen Rechenzentren, die enorm viel Strom und Wasser verbrauchen, sorgen für Bedenken. Im oberösterreichischen Kronstorf etwa wird ein Rechenzentrum, in diesem Fall für Google, gebaut. Der Stromverbrauch werde etwa jenem von 900.000 privaten Haushalten pro Jahr entsprechen, so die Einschätzung von Austrian Power Grid (APG). Zum Vergleich: In Oberösterreich gibt es knapp 676.000 Haushalte – mehr dazu in ooe.ORF.at.

Mindestens 48 Projekte für den Bau neuer Rechenzentren im Wert von zig Milliarden US-Dollar sollen 2025 alleine in den USA durch lokale Protestbewegungen gestoppt worden sein. Heuer sollen es bereits 20 sein, so das „WSJ“. Wie die Zeitung weiter schrieb, dürfte ein Gutteil der Firmen, die in KI investieren, auch die Zwischenwahlen in den USA finanziell unterstützen – also zumindest jene Politiker, die ihre Hilfe etwa beim Bau neuer Datenzentren versprechen. Bis in den Herbst – und sicher darüber hinaus – wird die Debatte über KI damit weiter Fahrt aufnehmen.
20.05.2026, red, ORF.at/Agenturen

USA: Jobabbau befeuert Widerstand gegen KI
 
#42
Ich denke, dass die Allgemeinheit und noch mehr die Politik von KI kaum eine Ahnung hat. Politik ist da immer die Gefahr, denn die Politik geht auf Simmenfang und da braucht sie Mehrheiten aus der Bevoelkerung, - egal wie man diese kriegt.

Ich bewege mich immer sehr oft in Datenbanken, und da hilft mir KI sehr viel. Auch bei Vergleichen technischer Textinhalte ist KI sehr hilfreich.

Ersetzen kann in beiden Faellen KI nicht was ich damit mache oder entscheide. Es ist nur als Entscheidungshilfe im technischen Bereich und eliminiert muehevolle Arbeit.

Im Grunde ist es so wie ueberall auch in der Technik und dem Bewusstsein "Wer misst, misst Mist".

Gefaehrlich wird KI immer nur dann wenn Personaler oder C-Level Executives in den Firmen damit herumbasteln, und versuchen kaufmaennische Entscheidungen ohne Hinterfragen zu bekommen, - dies ist dann auch Mist.
 

josef

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#43
Ich bewege mich immer sehr oft in Datenbanken, und da hilft mir KI sehr viel. Auch bei Vergleichen technischer Textinhalte ist KI sehr hilfreich.
Ersetzen kann in beiden Faellen KI nicht was ich damit mache oder entscheide. Es ist nur als Entscheidungshilfe im technischen Bereich und eliminiert muehevolle Arbeit.
In Beitrag #41 geht es nicht um den Einsatz von KI als "Unterstützung bzw. Hilfsmittel" für bestimmte Themenbereiche usw. sondern um die Gefährdung von tausenden von Arbeitsplätzen in speziellen Branchen! Es sind nicht unbedingt die Beschäftigten aus den Bereichen "Blue Collar" sondern hauptsächlich die aus dem "White Collar" Sektor betroffen!
Beispiel:

Alles für die KI
Meta schickte Angestellte zuerst ins Homeoffice und feuerte sie dann
Die Maßnahme sollte wohl unschöne Szenen in den Büros verhindern. 8000 Stellen werden gestrichen, damit der KI-Fokus finanziert werden kann
Meta hat mit dem Versenden von Kündigungsschreiben an 8000 betroffene Mitarbeiter begonnen. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist allerdings bemerkenswert: Um emotionale Szenen in den Büros zu vermeiden, wurde den Mitarbeitern Homeoffice angeordnet.

Alles begann mit einer simplen Anweisung: Am 20. Mai 2026 wird von zu Hause aus gearbeitet. Dann trafen bei den Angestellten jene E-Mails ein, in denen sie von ihrer Kündigung informiert wurden. Dies erfolgte nach Zeitzonen gestaffelt, zuerst waren die Mitarbeiter der Niederlassung in Singapur an der Reihe. Sie erhielten ihre Kündigungen um 4 Uhr früh Ortszeit. Danach ging es in drei Wellen weiter.
Vor dieser Umstrukturierung beschäftigte Meta rund 78.000 Mitarbeiter. Nun verlieren mehr als zehn Prozent davon ihren Arbeitsplatz, wie Bloomberg berichtet.

In einem internen Memo erklärte HR-Chefin Janelle Gale den Mitarbeitern die Umstrukturierung. Die Entlassungen zielen insbesondere auf das mittlere Management ab. Teams sollen in kleinere, agilere Einheiten ("Pods" oder "Kohorten") aufgeteilt werden, um Entscheidungswege zu verkürzen. 6.000 bisher als offen ausgeschriebene Stellen werden komplett gestrichen. Über 7.000 verbleibende Mitarbeiter werden in neue KI-Initiativen versetzt, die laut Gale entscheidend für die Zukunft des Unternehmens sind.

Unruhe sollte vermieden werden
Das Vorgehen – erst das verordnete Homeoffice, dann die Kündigung per E-Mail – verhinderte zwar sichtbare Unruhe in den Bürofluren, ließ die Moral der Belegschaft jedoch drastisch einbrechen. Berichten zufolge sammeln Mitarbeiter aus Angst vor dem nahenden Ende bereits kostenlose Snacks und Ladekabel aus den Büros, wie CNBC berichtet.

Der Ton an der Spitze hat sich deutlich verschärft. Als CEO Mark Zuckerberg Ende 2022 rund 11.000 Stellen strich, zeigte er sich noch reuig und übernahm die persönliche Verantwortung für die Überkapazitäten aus der Pandemie-Zeit. Heute, im Jahr 2026, fehlt von diesem Bedauern jede Spur.

Am stärksten betroffen sein dürften die Entwicklungs- und Produktteams. Damit ist Meta aber noch nicht fertig: Im Laufe des Jahres könnten weitere Stellenstreichungen folgen. An der Unternehmensspitze hat Mark Zuckerberg das KI-Wettrennen zur obersten Priorität erklärt. Meta hat angekündigt, in diesem Jahr 125 bis 145 Milliarden Dollar für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz auszugeben. Die Entlassungen seien notwendig, um diese massiven Investments zu finanzieren, so das Management.

Interner Aufstand
Zusätzlich zu den Kündigungen sorgt ein neues internes Software-Werkzeug für massive Empörung. Unter dem Namen Model Capability Initiative (MCI) hat Meta ein Tool ausgerollt, das Tastenanschläge und Mausbewegungen der Angestellten auf ihren Arbeitsrechnern aufzeichnet. Das erklärte Ziel: Das Training von KI-Agenten, die künftig Programmier- und Büroarbeiten übernehmen sollen.

Die Belegschaft wehrt sich gegen diese Maßnahme. Über 1.000 Mitarbeiter haben bereits eine Petition unterzeichnet, die Mark Zuckerberg auffordert, das Projekt sofort zu stoppen.
"Die Erfassung und Zweckentfremdung dieser Art von Daten wirft ernsthafte Bedenken hinsichtlich Privatsphäre, Zustimmung und Vertrauen am Arbeitsplatz auf", heißt es in der Petition. Das Tracking wird intern als "dystopisch" beschrieben.
(pez, 20.5.2026)
Meta schickte Angestellte zuerst ins Homeoffice und feuerte sie dann
 
#44
Die windigen Methoden sind bekannt, auch aus US Firmen die in UK und Irland taetig sind. Diese Praktiken sind aber nicht das Einzige, was es an windigen Methoden in US Firmen gibt.
Gefeuert wird auch gerne am Freitag, da an diesem Tag weniger Leute im Buero sind und so gibt es weniger Zeugen zu unschoenen Szenen.
Das was die in den USA treiben geht halt in UK gesetzlich nicht, denn gefeuert werden, dies muss man in Persona und dies von zwei Leuten, etwa der Vorgesetzte und der Personaler.

Und wenn in den USA in Persona gefeuert wird, kann dies auch so klingen: ( So feuert man offenbar richtig.....)
 

josef

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#45
Personal Tech
Die KI-Rakete ist voll: Wie effizient sollen wir noch werden?
Der Traum vom KI-gestützten Mitarbeiter nimmt in immer mehr Firmen Form an. Aber können und wollen wir noch effizienter werden?

Alle von uns passen nicht in die KI-Rakete, das muss uns bewusst werden.
(Erstellt mit Gemini)

Was man heute in Mitarbeitergesprächen oft hört, ist das Wort "Effizienzsteigerung". Offenbar ist ein Gros von uns zu langsam beim Emails beantworten, beim Projektabschluss oder vergleichbaren Tätigkeiten. Wohl auch deshalb glauben und hoffen viele Firmen darauf, dass die KI-Blase nie platzen wird. Meta und Co. setzen fast alles auf diese Karte – entlassen tausende Mitarbeiter, um auch den Rest der Welt davon zu überzeugen, dass wir nur noch wenige Menschen brauchen werden, die dank KI wesentlich effizienter arbeiten können.

Spannend, dass Kritik nur selten laut wird. Die meisten von uns besuchen, wohl getrieben durch einen ungebrochenen Überlebenswillen, KI-Kurse und zahlen privat einen Chatgpt- oder Gemini-Account. "Alle sind im KI-Hype. Jeder muss KI verwenden. Zweifel daran zu haben, ist ein bisschen uncool", erklärt die Journalistin Corinna Milborn kürzlich in einem Interview kritisch.

Der Arbeitnehmer will halt einfach fit für diese neue Welt sein – mitlaufen, solange es eben geht. Dass diese Arbeitswelt durch diesen hektischen Wandel eine bessere wird, ist wohl auszuschließen. Auch Emails, das schnellere Auffinden von Informationen dank Internet, Laptops oder die Etablierung von Home Office haben nicht dazu beigetragen, dass Menschen weniger arbeiten als davor. Man ist rund um die Uhr erreichbar und arbeitet im Idealfall schneller und effizienter als noch vor ein paar Jahren. Wir sind nicht Generation "Lifestyle-Teilzeit", wie manche Politiker behaupten, wir sind die Generation "Burnout".

Noch mehr von allem
Manche Träumer haben sich in den vergangenen Jahren der KI-Revolution noch eingeredet, dass diese neuen Werkzeuge nur die repetitiven Aufgaben übernehmen und uns damit für die Kreativarbeit freispielen werden. Aktuelle Entwicklungen sprechen dagegen. Die Messlatte für das Erledigen von Aufgaben wird einfach ein Stück höher gehängt sowie die Verwendung von "KI-Tools" vorausgesetzt. Kein Wunder also, dass eine aktuelle Umfrage des Pew Research Center zeigt, dass die Hälfte aller erwachsenen US-Amerikaner angesichts des zunehmenden Einsatzes von KI im Alltag "eher besorgt als begeistert" ist.

Firmen, vor allem die großen Tech-Konzerne, erwirtschaften seit Jahren Megagewinne und steigende Umsätze. Verfehlen sie aber um 0,2 Prozent die Analysteneinschätzung, rasselt der Kurs um fünf Prozent nach unten. Die erste Reaktion der Unternehmen in solchen Situationen ist es, Mitarbeiter zu entlassen. Das hilft dem Kurs und mit dem verbleibenden Menschenmaterial wird weiter an der Effizienz gearbeitet, weil sonst droht der nächste Absturz.

Dass diese Aufwärts- bzw. Abwärtsspirale, je nach Blickpunkt, nicht ewig weitergehen kann, muss und sollte uns bald einmal einleuchten. Durch den KI-Hype hat diese Dynamik nämlich sehr an Fahrt aufgenommen und das Wort "Effizienzsteigerung" in den Sprachgebrauch aller Vorgesetzten gespült. Dass wir aber irgendwann nicht mehr effizienter, schneller und gleichzeitig kreativer werden können, ohne uns dabei selbst völlig aufzugeben, daran denken Zuckerberg und Co. natürlich nicht. Aber wir sollten es.

Widerstand
Und so regt sich tatsächlich langsam aber sicher Widerstand. Wie die BBC berichtet, wurden einige Gastredner an US-Universitäten, darunter der Ex-Google-CEO Erich Schmidt, von Studenten mit Buh-Rufen kommentiert. Die Tech-Vertreter lobten vor den jungen Menschen den "Rise of AI" und das in einer Zeit, in der genau diese Menschen einem Arbeitsmarkt gegenübersehen, der dank KI wohl bald keine Job-Einsteiger mehr benötigt.

"Wenn dir jemand einen Platz in einer Rakete anbietet, dann fragst du nicht, auf welchen du dich setzen sollst. Du steigst einfach ein", erklärte Schmidt provokant am Rednerpult. Dabei vergisst er, dass viele Menschen schon lange gezwungen sind, in dieser Rakete zu sitzen – ohne die Gewissheit, dass überhaupt noch ein Platz frei ist.
(Alexander Amon, 24.5.2026)

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#46
Steigender Bedarf
KI-Rechenzentren dürften 2030 einen Wasserverbrauch wie 1,3 Milliarden Menschen haben
Ein neuer Bericht schätzt die Umweltfolgen von Datenzentren und KI-Anfragen ab – und rät unter anderem zum Verzicht auf Höflichkeit. Fachleute sehen dies kritisch

Der Energiebedarf für Rechenzentren steigt, speziell durch KI-Anwendungen. Hier ein Amazon-Datenzentrum in New Carlisle, Indiana (USA).REUTERS/Noah Berger

Sie wachsen wie Schwammerl aus dem Boden: Rechenzentren werden gebaut, derzeit vor allem, um den Bedarf von KI-Anwendungen zu decken. In Kronstorf an der Enns baut Google seit April sein erstes eigenes Rechenzentrum in Österreich, das Grundstück kaufte der US-amerikanische Tech-Gigant bereits 2008. Die Schweiz gehört weltweit gar zu den Ländern mit der höchsten Rechenzentrumsdichte. In den USA stehen die meisten, 2025 waren es bereits mehr als 4100.

Damit gehen nicht nur wirtschaftliche Vorteile einher. Längst regt sich Widerstand, unter anderem aufgrund des hohen Wasser- und Energieverbrauchs. Deshalb veröffentlichte die Universität der Vereinten Nationen (UNU) nun einen Bericht über die Umweltkosten von Künstlicher Intelligenz und deren Energienutzung. Die Prognose für das Jahr 2030 lautet: Der Wasserfußabdruck aller KI-Datenzentren dürfte dann den jährlichen Wasserbedürfnissen der Bevölkerung von Subsahara-Afrika entsprechen, also von rund 1,3 Milliarden Menschen. Geht die aktuelle Entwicklung so weiter, wird der Stromverbrauch aller Rechenzentren 2030 auf mehr als 945 Terawattstunden (TWh) kommen, fast drei Prozent der globalen Stromnutzung. Diese Menge könnte die 1,3 Milliarden Menschen für fünfeinhalb Jahre mit Elektrizität versorgen, heißt es im Bericht.


Im oberösterreichischen Kronstorf wird am Google-Rechenzentrum gebaut.
APA/HELMUT FOHRINGER

Zum Vergleich: Das dürfte dem 14-Fachen des aktuellen österreichischen Jahresstromverbrauchs entsprechen. Allein der Anteil KI-bezogener Rechenlasten macht derzeit ungefähr 20 Prozent der Elektrizitätsnutzung von Rechenzentren aus, wie das Team um Kaveh Madani, Direktor des UNU-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit, festhält. Für 2030 rechnen die Forschenden mit einem Anteil von 40 Prozent. Die Schätzung der KI-Stromnutzung dieser Serverfarmen kommt damit auf 378 TWh, das Fünf- bis Sechsfache des derzeitigen Stromverbrauchs von Österreich pro Jahr oder der Bedarf von 108 Millionen zentraleuropäischen Haushalten.

Stromfresser
Dabei will Madani den Bericht nicht als Plädoyer gegen Künstliche Intelligenz verstanden wissen, "die das Leben von Milliarden Menschen weltweit verbessert". Er sei vielmehr ein Aufruf, sie verantwortungsbewusst einzusetzen. "Wir haben nur ein kleines Zeitfenster, um sicherzustellen, dass sich das Rückgrat der technologischen Revolution unserer Zeit innerhalb der Grenzen unseres Planeten entwickelt", sagt der Studienleiter.

Auch Berechnungen zum CO₂-Fußabdruck werden vorgelegt, der freilich davon abhängt, wie die Energie produziert wird. Die Emissionen, die für die Energieversorgung verursacht werden, könnten sich auf 400 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente belaufen, was dem Ausstoß des Vereinigten Königreichs entspreche, heißt es im Bericht. Der Fokus liegt auf den USA sowie auf generativen KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Claude. Allein ChatGPT verarbeite täglich geschätzt 2,5 Millionen Anfragen oder Prompts. Die vorsichtige Schätzung von 0,42 Wattstunden pro Textanfrage sorge demnach für einen jährlichen Stromverbrauch von etwa 383 GWh. Das ist vergleichbar mit dem Verbrauch von 109.000 österreichischen Haushalten.

Hinzu komme das Training der KI, das bei GPT-5 mit geschätzten 100 GWh beziffert wird. "Die Zahlen steigen drastisch an, sobald jene KI mitgezählt wird, die in Massenplattformen (wie der Google-Suche) integriert ist", heißt es im Report. Eine KI-Google-Suche könne im Gegensatz zu einer regulären Suche das bis zu Zehnfache an Energie benötigen. Bei einigen Suchmaschinen wie DuckDuckGo muss die KI-Suche übrigens manuell ausgewählt werden, bei anderen hilft der Vermerk "-ai" im Suchfenster, um das KI-Generieren einer Antwort zu verhindern.

Bericht mit Schwächen
Die Zahlen im Report sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Das betonen Fachleute, die nicht am Bericht beteiligt waren, wie Wolfgang Maaß von der Universität des Saarlandes. Zwar sei die Größenordnung plausibel, aber "KI-Anbieter publizieren keine standardisierten Energiedaten pro Anfrage", sagt der Wirtschaftsinformatik-Professor. "Die Zahlen basieren daher auf indirekten Schätzungen, Messungen in kontrollierten Laborumgebungen oder Hochrechnungen aus Strombezugsdaten."

Darüber hinaus beziehen sich Angaben zum Energiemix von Datenzentren auf mehr als zehn Jahre alte Quellen. Unklar sei, woher die Annahmen der Wasserbedarfe stammen, kritisiert Martina Flörke, Professorin für Ingenieurhydrologie an der Ruhr-Universität Bochum. Und: "Der Bericht übt Vergleiche mit Trinkwasserbedarfen in Subsahara-Afrika, wobei ein globaler Wasserverbrauch verwendet wird", sagt die Expertin. Dies sei nicht zielführend, etwa weil dies den Ausbau von Rechenzentren in Afrika nicht stoppen werde, wo ein starkes Wachstum zu erwarten sei. Trotz offensichtlicher Standortprobleme in vielen Regionen. "Insbesondere Trockenheit und Dürreperioden können zu möglichen Wassernutzungskonflikten führen", sagt Flörke.

Ohne "bitte" und "danke"
Für Maaß ist der UNU-Report durchaus nützlich, da er "Verbrauchsgrößenordnungen erstmals systematisch zusammenstellt und für ein breiteres Publikum greifbar macht". Der Energieverbrauch nach Aufgabentypen sei für künftige Richtlinien relevant und werde "selten so klar kommuniziert". Allerdings werde China nicht ausreichend berücksichtigt, das gerade durch Modelle wie DeepSeek oder Qwen und den massiven staatlichen Rechenzentrumsausbau eine große Rolle spiele. Auch europäische Initiativen wie die Green-Deal-Regulierung kämen kaum vor.


In Deutschland entstehen ebenfalls neue Rechenzentren, etwa von Microsoft. Dort müssen sie rechtlich ab 2027 mit 100 Prozent erneuerbarem Strom betrieben werden.
IMAGO/Christoph Hardt

Manche Tipps zum Energiesparen, die zur Problemlösung genannt werden, sind ebenfalls fragwürdig – etwa das Vermeiden von Höflichkeitsfloskeln wie "bitte" und "danke". Maaß sieht das Einsparpotenzial durch das individuelle Nutzungsverhalten als gering an: "Dies lenkt nur die Aufmerksamkeit von strukturell relevanten Hebeln ab." Sinnvoller sei etwa die Internalisierung externer Kosten, insbesondere die vollständige CO₂-Bepreisung von Rechenzentrumsstrom.

Vorteile bringe auch die richtige Modellwahl durch Anbieter: "Routing-Systeme, die einfache Anfragen automatisch auf kleine Modelle umleiten, sind technisch ausgereift und werden von einzelnen Anbietern bereits eingesetzt." Ob etwa bei Claudes Varianten Haiku, Sonnet und Opus und anderen Modellen automatisch intern geroutet werde, je nachdem, wie sinnvoll eine rechenaufwändige Antwort ist, sei aber öffentlich nicht vollständig dokumentiert. In Unternehmensumgebungen seien teilweise kommerzielle Anbieter wie Martian im Einsatz.

Klimaproblem?
Für den Wirtschaftsinformatiker zeigen die Zahlen zudem: "Der Energieverbrauch von KI-Rechenzentren ist real und wachsend, aber gegenwärtig nicht das dominante Klimaproblem." Während Rechenzentren derzeit etwa 1 bis 1,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verursachen, kommen die Stahl- und Zementindustrien zusammen auf über 15 Prozent, Landwirtschaft und Schwertransport je auf über zehn Prozent. Die "verschobene" politische Aufmerksamkeit könne "Ressourcen von dringenderen Dekarbonisierungsaufgaben ablenken."

Tatsache ist jedoch, dass in allen Bereichen Einsparungen wichtig sind, um die Emissionen zu senken. Das wird Datenzentren treffen, die großen Betreiber haben außerdem Nachholbedarf in Sachen Transparenz. Gleichzeitig erinnert die Diskussion um die Lokalisierung neuer Bauten an die Reaktion auf Atomkraftwerke und Windräder: Sie werden mitunter als nötig angesehen, aber bitte nicht dort, wo man selbst wohnt. Einer aktuellen Umfrage zufolge sind in den USA mehr als 70 Prozent der Befragten gegen ein Rechenzentrum in ihrer Gegend.
(Julia Sica, 3.6.2026)
KI-Rechenzentren dürften 2030 einen Wasserverbrauch wie 1,3 Milliarden Menschen haben
 

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#47
Spiderweb 2.0
Mit KI-Unterstützung: Nato und Ukraine rufen Ideenwettbewerb zur Zerstörung russischer Flugfelder aus
Pisten sollen langfristig unbrauchbar gemacht werden. Militär-Start-ups sollen Ideen entwickeln. Schon jetzt ist klar, dass Künstliche Intelligenz eine große Rolle spielen wird

Die Erfahrungen aus Operation Spiderweb sollen genutzt werden, um noch effektivere Angriffe auf Flugfelder zu starten.
IMAGO/MINISTRY OF DEFENSE OF UKR

Das moderne Schlachtfeld wird zunehmend zu einem Testlabor für agile Technologieentwicklung, die nicht nur auf Drohnen beschränkt ist. Das zeigt sich nun an einem neuen Innovationswettbewerb: Das Nato-Kommando für Transformation und das gemeinsam mit der Ukraine betriebene Analyse-, Ausbildungs- und Schulungszentrum haben die "Persistent Airfield Denial Innovation Challenge" ins Leben gerufen.

Ziel des Wettbewerbs ist es, Technologien und Systeme zu entwickeln, die die Flugplatzinfrastruktur und Luftfahrtressourcen eines Gegners nicht nur punktuell treffen, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg unbrauchbar machen. Die noch unbekannte Technologie soll vor allem Flugplätze ins Visier nehmen und diese so lange wie möglich für den Gegner blockieren.

Präzision statt Flächenbombardement
Dass sich der Wettbewerb gezielt auf Flugplätze konzentriert, hat einen taktischen Hintergrund. Wie das ukrainische Verteidigungsministerium zu der Initiative erklärt: "Jeder russische Lufteinsatz, um die Ukraine anzugreifen, beginnt auf einem Flugplatz."

Anstatt sich auf kurzfristige, einmalige Schläge zu verlassen, suchen die Initiatoren nach Konzepten, die einen anhaltenden operativen Druck auf feindliche Infrastruktur ausüben können. Dies baut auf den Erfahrungen der letztjährigen "Operation Spiderweb" auf, bei der koordinierte Drohnenangriffe auf mehrere russische Flugplätze signifikante Schäden in Milliardenhöhe anrichteten. Die Ukraine sucht nun nach Wegen, diese Art von asymmetrischer Kriegführung durch neue Technologien auszuweiten.

Lokal laufende KI in Waffensystemen
Für Militärtechnik-Startups, Ingenieurteams und etablierte Rüstungsschmieden sind die technischen Anforderungen des Wettbewerbs eine echte Herausforderung, da sie den aktuellen Stand der Technik voranbringen sollen. Laut dem Fachportal Defense Express müssen die vorgeschlagenen Lösungen zwingend in der Lage sein, unter massiver elektronischer Kampfführung zu operieren.

Das heißt, die Systeme müssen immun gegen Jamming oder Spoofing sein und sollen idealerweise auch autonom agieren können, wenn der Kontakt zu den Bedienmannschaften abreißt oder Satellitennavigation (wie GPS) vollständig blockiert wird. Das wird laut dem Medium den massiven Einsatz von lokal laufender Künstlicher Intelligenz, sogenannter Edge-KI, für die optische Navigation, Zielerkennung und Schwarmkoordination in Echtzeit – und das bei jeder Wetterlage.

Zu den geforderten Zielobjekten gehören Flugzeuge, Start- und Landebahnen, Hangars sowie Treibstoff- und Munitionsdepots. Die technologische Herangehensweise ist dabei völlig offen. Damit man sich etwas vorstellen kann, nennt das ukrainische Verteidigungsministerium einige Beispiele. So könnte das neue System autonome Loitering-Munition sein, auch KI-gesteuerte Drohnenschwärme werden genannt. Es wird aber betont, dass die Angriffe auf Flugfelder nicht zwingend aus der Luft erfolgen müssen, jede Idee ist willkommen.

Vom Konzept zum Prototyp in sechs Wochen
Was diesen Nato-Wettbewerb von klassischen, oft jahrzehntelangen Rüstungsbeschaffungsprogrammen unterscheidet, ist der extreme Fokus auf sogenanntes Rapid Prototyping. Das bedeutet, es werden keine Theoriekonzepte gesucht, sondern funktionierendes Gerät. Der geforderte Technology Readiness Level muss laut den Spezifikationen zwischen 5 und 7 liegen, was funktionsfähigen Prototypen entspricht. Die Zeitpläne sind dabei stark an die Start-up-Kultur angelehnt. Entwickler müssen innerhalb von nur sechs Wochen eine erste, minimal funktionsfähige Version liefern.

Die finale Lösung soll bereits innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss der Tests voll einsatzbereit für das Schlachtfeld sein. Die Ausschreibung läuft noch bis zum 20. Juli. Am 11. August sollen dann bis zu zehn Finalisten bekanntgegeben werden, die ihre Systeme in der Praxis demonstrieren müssen, um sich das Preisgeld von bis zu 250.000 Euro zu sichern.
(Peter Zellinger, 24.6.2026)

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#48
Menschliche Unintelligenz
Von KI besessene Bosse treiben Mitarbeiter in den Wahnsinn
Im Hype rund um KI verlieren viele den Bezug zur Realität. Handelt es sich dabei um Vorgesetzte kann das für die Untergebenen ein massives Problem werden
Es ist ein Phänomen, das den KI-Hype von Anfang an begleitet: Die Begeisterung darüber ist oftmals größer als das Wissen über reale Möglichkeiten oder gar Defizite dieser Technologie. Das Ergebnis ist, dass viele Firmen in den vergangenen Jahren mehr als zweifelhafte Entscheidungen in dieser Hinsicht getroffen haben. Sei es der wahllose Kauf von KI-Produkten mit enden wollender Sinnhaftigkeit oder das Vernichten von institutionellem Wissen, indem einfach mal so erfahrene Mitarbeiter entlassen werden. Nur um dann prompt festzustellen, dass KI-Systeme ohne menschliche Supervision derzeit mehr Problem als Lösung sind.


Wenn der Chef wieder mal Ideen mit ChatGPT ausgeheckt hat, kann das ziemlich an die Substanz gehen.Saddha
Visual - stock.adobe.com

Entwicklungen, die sich in den vergangenen Jahren in vielen Firmen abgespielt haben. Besonders schlimm wird es aber, wenn die Gläubigsten unter den KI-Verfechtern ausgerechnet an der Spitze des Unternehmens stehen und dabei zunehmend den Bezug zur Realität verlieren. Bei Futurism hat man einige Beispiele zusammengetragen, die wohl der eine oder die andere auch aus ihrem persönlichen Umfeld wiedererkennen dürften.

Eine Obsession
Da wäre etwa der eine Boss eines Legal-Tech-Startups, der bei einem unternehmensweiten Treffen die Regel vorgab, dass seine Angestellten künftig sämtlich Ideen mit einem Chatbot durchdiskutieren muss, bevor man sie bei internen Meetings vortragen oder gar ihm gegenüber erwähnen dürfte. Wer das nicht tue, zeige damit, dass er sich nicht um seinen Job schere – eine kaum kaschierte Drohung.

Im nächsten Schritt begann besagter Firmenchef damit, strukturelle Entscheidungen mithilfe von ChatGPT zu treffen. Dabei durfte der Chatbot auch zunehmend entscheiden, wer eingestellt oder entlassen werden sollte. Besonders pikant: Die Angestellten konnten all das haarklein nachlesen, da ihr Chef für die gesamte Firma lediglich drei ChatGPT-Pro-Zugänge gekauft hatte, die von allen geteilt wurden – womit die Mitarbeiter auch das Chatbot-Verhalten ihres Bosses einsehen konnten.

Abwärtsspirale
Die fast durchgängigen Konversationen des Chefs führten schließlich dazu, dass seine Entscheidungen immer erratischer wurden. So schien er allerlei wilde Ideen mit ChatGPT zu debattieren, nur um von dem Chatbot für jede gelobt zu werden – ein bekanntes Phänomen solcher Systeme. Das führte wiederum zu regelmäßigen Änderungen an der strategischen Ausrichtung, einmal wollte er das Startup etwa auf Klagen gegen ärztliche Behandlungsfehler fokussieren, dann wieder auf Firmenpleiten – alles, weil ChatGPT versichert, dass das einträgliche Ideen wären.

Wie anstrengend es ist, sich mit solch einem KI-gläubigen Boss herumschlagen zu müssen, erzählt eine betroffene Mitarbeiterin. Je nachdem, wie die ChatGPT-Konversationen ihres Chefs gerade verlaufen sind, änderte sich auch ihr Aufgabenbereich. Die eine Woche musste sie sich um die Automatisierung von Prozessen kümmern, in der kommenden war sie dann für den Entwurf der rechtlichen Strategie zuständig. Dazwischen sollte sie den Verkauf übernehmen – und alles wieder zurück im Kreis.

Der Negativ-Höhepunkt war dann erreicht, als ihr Chef ein mehr als 100-seitiges-Dokument veröffentlichte, das er selbst "Die Bibel" nannte. Das verbunden mit der Aufforderung, dass sich alle Angestellten mithilfe von ChatGPT daran orientieren sollten, um ihren Aufgabenbereich zu erfassen. Natürlich änderte sich dieser Text laufend, wuchs rasch auf mehrere Hundert Seiten an. An dieser Stelle entschloss sich die Anwältin dann, zu kündigen.

Produktivitätsfresser
An alldem zeigt sich aber auch eine bittere Ironie der unkritischen KI-Nutzung. Nämlich, dass diese oftmals die Produktivität senkt, anstatt sie zu steigern. So entstehen in Firmen regelrechte Chatbot-Feedback-Loops, wie eine Mitarbeiterin eines Non-Profits ebenfalls gegenüber Futurism erzählt. Da ihr Chef dafür bekannt sei, regelmäßig nicht umsetzbare Ideen mithilfe von ChatGPT auszuhecken, antworten die Angestellten mit ebenfalls vom Chatbot gelieferten Gegenvorschlägen. Das gehe dann im Kreis so weiter und führe dazu, dass irgendwann gar nichts mehr entschieden werde.

Andere Angestellte dieses Startups berichten ebenfalls von einer Lähmung durch die Chatbot-Obsession ihres Chefs. So würden ihre ausgearbeiteten Vorschläge innerhalb weniger Minuten mit ChatGPT-Anmerkungen versehen. Anmerkungen, die aber für all jene, die ein bisschen Ahnung von der Materie haben, wenig hilfreich seien. Dem Chef sei das aber nicht klarzumachen, da er ChatGPT als oberste Instanz ansieht.

Hintergrund
Wie gefährlich es ist, Chatbots unkritisch zu nutzen, ihnen einfach alles zu glauben, wurde an dieser Stelle bereits vor einiger Zeit ausführlich behandelt. Anstatt Gemini, Claude und Co einfach als ein weiteres Tool, dessen Antwort mal richtig sind, mal aber auch nicht, projizieren manche Nutzerinnen und Nutzer eine Art Allwissenheit in diese Systeme. Dass generative KI von Grund auf fehleranfällig ist, schon mal dazu neigt, Dinge komplett zu erfinden, wissen zwar viele, blenden es aber aus.

Dazu trägt auch bei, dass Chatbots menschliche Schwächen bedienen, darauf ausgelegt sind, immer freundlich zu sein, und selbst dann noch eine Idee als interessant oder spannend bezeichnen, wenn sie wirklich dumm ist. Trifft das auf ohnehin schon überforderte oder unsichere Personen, kann das für alle davon betroffenen äußert unerfreuliche Folgen haben.
(Andreas Proschofsky, 5.7.2026)
Von KI besessene Bosse treiben Mitarbeiter in den Wahnsinn
 

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#49
Schwerwiegende Folgen
"Größer als die Industrielle Revolution": 2000 Ökonomen unterschreiben Warnung vor KI
Ein offener Brief aus Stanford warnt vor den Folgen von KI und findet Anklang unter zahlreichen Nobelpreistragenden. Auch Österreicher haben unterschrieben

Auch Wissenschafter, die erst keine große Bedrohung durch KI sahen, sehen nun ein sehr rasantes Wachstum.
EPA/HANNIBAL HANSCHKE

Jahrelang galten zahlreiche namhafte Wissenschafterinnen und Wissenschafter als Skeptiker gegenüber der Künstlichen Intelligenz (KI). Längst werde KI die Arbeitswelt nicht ganz so schnell umkrempeln, wie es in der Tech-Bubble gerne vorausgesagt wird, so der Tenor.

Dieser Ansicht waren etwa lange die zwei prominenten Forschenden Daron Acemoglu und Simon Johnson, zwei Ökonomen am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie teilten sich 2024 gemeinsam mit James Robinson von der University of Chiacgo den Wirtschaftsnobelpreis. Ihre Forschung umfasste, wie Institutionen entstehen und den Wohlstand von Nationen beeinflussen.

Umso bemerkenswerter ist, was gerade in der Welt der Akademikerinnen und Akademiker die Runde macht: Ausgerechnet die beiden Herren haben ein gemeinsames Statement mitunterzeichnet, das vor einem rasanten, KI-getriebenen Umbruch der Wirtschaft warnt.

Das Papier trägt den Namen "We Must Act Now" (zu Deutsch: "Wir müssen jetzt handeln") und wurde vom Stanford Digital Economy Lab organisiert, rund um den Ökonomen Erik Brynjolfsson, gemeinsam mit Ajay Agrawal (Universität Toronto), Anton Korinek (University of Virginia, derzeit beim US-KI-Konzern Anthropic) und dem Forscher Tom Cunningham. Gestartet hatte der Aufruf mit 200 Unterschriften, darunter 16 Nobelpreisträgerinnen und -träger. Inzwischen sind es mehr als 2300 Namen.

Nur vier Sätze lang
Die "Warnung" ist kein typischer offener Brief, sondern eher kurz gehalten, gerade einmal vier Sätze und 88 Wörter sind zu lesen.

KI könne, so die Erklärung, "in den kommenden zehn Jahren radikal mächtiger" werden. Das könne "eine beispiellose Transformation unserer Wirtschaft" auslösen, "größer als die Industrielle Revolution", die sich jedoch "über einen weitaus kürzeren Zeitraum vollzieht". Dieser Wandel bringe "Risiken mit sich, einschließlich der Verdrängung von Arbeitsplätzen in großem Maßstab", zugleich aber "Chancen wie erhebliche Zugewinne beim Lebensstandard".


Die zentrale Forderung: "Ökonomen, politische Entscheidungstragende und Technologieführung müssen jetzt handeln, um die Ökonomie der transformativen KI zu verstehen und die Anreize, Leitplanken und Institutionen aufzubauen, die nötig sind, um KI in eine Richtung zu lenken, die den Menschen ergänzt und der Gesellschaft nutzt".

Ökonom Acemoglu erklärte laut New York Times, warum er es doch für notwendig hielt, ein solches Statement zu unterschreiben: "Wenn KI in einem kürzeren Zeitraum etwas Ähnliches anrichtet, wie es einst die Roboter in der Industrieproduktion taten, wäre das enorm disruptiv und für die Lebensgrundlage vieler Menschen sehr teuer."

Ganz abgelegt hat er seine Zweifel nicht, denn ob KI wirklich so schnell komme, bezweifle er weiterhin. Doch die jüngsten Durchbrüche der Technologie hätten seine Sorge vergrößert, vor allem was Arbeitskräfte anbelangt.

Prominente Namen
Neben Acemoglu und Johnson finden sich prominente Namen aus der Arbeitsmarktforschung, etwa der KI-Experte Yoshua Bengio, Nobelpreisträger Michael Spence und Christopher Pissarides sowie die Ökonomen David Autor und Lawrence Katz. Auffällig ist, dass auch Namen aus der KI-Industrie selbst zu finden sind. Mit dabei sind OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar, Google-Deepmind-Chefwissenschafter Jeff Dean und Jack Clark, Mitgründer von Anthropic.

Zuvor hatte Brynjolfsson in den sozialen Medien für den Aufruf getrommelt: Man müsse KI so steuern, dass sie "Wohlstand für die vielen schafft, nicht nur für die wenigen", schreibt er auf Linkedin. Selbst Microsoft-Gründer Bill Gates teilte das Statement auf derselben Plattform. Bengio ergänzte in einer eigenen Stellungnahme auf X, es sei "höchst plausibel, dass KI unsere Volkswirtschaften drastisch verändern wird", man müsse "kollektive, demokratische Entscheidungen treffen, statt die Marktkräfte einfach laufen zu lassen".

Kritik gibt es nebenher aber allemal. Der Ökonom Noah Smith kritisierte etwa, solange niemand sage, welche konkreten Schritte folgen sollten, bleibe die Forderung eine leere Hülse. Smith warnt in seinem eigenen Blog "Noahpinion" vor einem Fehler, der sich oft in der Politik beobachten lasse: Aus dem Gefühl, unbedingt handeln zu müssen, werde einfach irgendeine Maßnahme beschlossen. Auch der Ökonom Andrew McAfee blieb dem Aufruf fern. Er teile zwar die Dringlichkeit, befürwortet aber trotzdem den freien Markt und ein Gegensteuern, wenn es notwendig ist, statt die Technologie schon vorab staatlich zu lenken.

Sorgen auch in Österreich
Die Sorgen um die ökonomischen Folgen von KI sind jedenfalls auch hierzulande in der Bevölkerung angekommen. Laut einer Ipsos-Studie erwartet in Österreich rund jede zweite Person Jobverluste durch KI, während bereits 68 Prozent zumindest gelegentlich KI-Anwendungen nutzen.

Wie schwierig gerade der Berufseinstieg geworden ist, zeigt eine Analyse von Nejo und data:unplugged (zunächst berichtete Brutkasten), für die knapp 25.000 im Mai 2026 ausgeschriebene Jobs untersucht wurden. Nur knapp acht Prozent der ausgeschriebenen Stellen richten sich an Berufseinsteigende.

In "We Must Act Now" haben sich bereits auch österreichische Namen verewigt. Klaus Prettner von der Wirtschaftsuniversität Wien, Philipp Schmidt-Dengler von der Universität Wien und Frank Neffke vom Complexity Science Hub Wien sind auf der Liste zu finden.
(Melanie Raidl, 17.7.2026)
"Größer als die Industrielle Revolution": 2000 Ökonomen unterschreiben Warnung vor KI
 

josef

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#50
„Ausbruch“ und China-Konkurrenz
Debatte über KI-Bremse nimmt Fahrt auf
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Anthropic-Chef Dario Amodei und mehr als 1.000 teils führende Mitarbeitende in großen KI-Unternehmen haben die US-Regierung am Dienstag in einer Petition zur Mithilfe dabei aufgefordert, die Veröffentlichung der fortschrittlichsten Modelle künstlicher Intelligenz (KI) zu verlangsamen. Hintergrund ist nicht nur der Cyberangriff eines „ausgebrochene“ OpenAI-KI-Agenten auf eine andere KI-Plattform, sondern auch die chinesische Konkurrenz.
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Die Unterzeichner der Petition fordern, „dass die US-Regierung internationale Bemühungen unterstützt, die notwendigen technischen und regulatorischen Werkzeuge zu entwickeln, um die Grenzen der Entwicklung automatisierter KI bewusst zu steuern“.

Unter den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern sind die Forschungsleiter von ChatGPT-Entwickler OpenAI und Meta AI sowie der Strategieleiter der Google-Tochter DeepMind. „Die weltweit führenden KI-Unternehmen glauben, dass sie kurz davor stehen könnten, die KI-Forschung zu automatisieren“, heißt es in dem Petitionstext.

Auch OpenAI-Chef will bremsen
„Es ist schwer, genau vorauszusagen, wie sehr das den KI-Fortschritt beschleunigen wird, doch besteht die reale Gefahr, dass sich die Entwicklung dieser Fähigkeiten so rasant beschleunigt, dass wir sie nicht mehr verstehen oder kontrollieren können.“

OpenAI-Chef Sam Altman ist nicht unter den Unterzeichnern. In einem am Dienstag veröffentlichten Interview in dem Podcast „Invest Like the Best“ sagte er jedoch, dass Entwickler bei den rapiden Fortschritten ihrer KI-Modelle möglicherweise freiwillig auf die Bremse treten müssten, damit die Gesellschaft eine Chance bekomme, Schritt zu halten.

Bedrohliche Konkurrenz aus China
Freilich könnten die US-Firmen auch von sich aus die Entwicklung verlangsamen – müssten dabei aber in Kauf nehmen, von der Konkurrenz – vor allem aus China – ausgebootet zu werden, wie TechCrunch schreibt. So hat der chinesische Anbieter Moonshot AI vor Kurzem sein Modell Kimi K3 veröffentlicht und damit die US-Szene in Aufruhr gebracht.

Wie die „New York Times“ berichtete, lobbyieren derzeit Anthropic und OpenAI massiv bei der US-Regierung. Angelpunkt ist die Frage, ob der Quellcode öffentlich zugänglich, also Open Source, sein soll. Anthropic und OpenAI sind hier zur Absicherung ihrer Geschäftsmodelle für strikte Regeln, die sich vor allem gegen die chinesischen Anbieter wendet. Andere Tech-Großkonzerne wie Microsoft und Nvidia profitieren wiederum von Open-Source-Modellen und kämpfen gegen ein Verbot.

„Ausbruch“ fachte Debatte aus
Die Frage einer Bremsung der KI-Modelle wird schon lange diskutiert. Neuer Auslöser ist nun, dass OpenAI in der vergangenen Woche offengelegt hatte, dass seine KI-Modelle selbstständig einen Cyberangriff unternommen und dabei die Sicherheitsprotokolle umgangen hatten, die so etwas verhindern sollten. Bei einem Test „brachen“ die Modelle „aus“ ihrem isolierten Testumfeld aus, wie OpenAI mitteilte. Sie verbanden sich mit dem Internet und infiltrierten die Plattform Hugging Face – eine Website, die Softwareentwickler nutzen, um Code zu speichern und auszutauschen.

Weitere Dienste betroffen
Mittlerweile gab OpenAI auch bekannt, dass nicht nur Hugging Face betroffen ist. Die KI-Modelle hätte sich an insgesamt vier weiteren „öffentlich zugänglichen Diensten“ zu Schaffen gemacht. Details blieb man schuldig. Allerdings meldete sich der Technologiechef des KI-Infrastrukturanbieters Modal, Akshat Bubna, demzufolge die KI einen ungesicherten Zugang zu seiner isolierten Testumgebung nutzte. Die Systeme von Modal selbst seien jedoch nicht kompromittiert worden, betonte er.

Hugging Face will jetzt doch Schadenersatz
Hugging Face hatte den Angriff ursprünglich erstaunt gelassen hingenommen, auch deshalb wurde spekuliert, dass der „Ausbruch“ für OpenAI auch eine gewollte oder zumindest in Kauf genommene Machtdemonstration für die Stärke seiner KI-Modelle sein könnte. Mittlerweile fordert das Unternehmen allerdings Schadenersatz in Form von Rechenkapazitäten im Wert von 100 Millionen Dollar, um sich künftig besser verteidigen zu können.

Hugging Face ist derzeit zudem in einer anderen Causa in den Medien: Wie The Verge unter Berufung auf die Non-Profit-Organisation (NPO) AI Forensics berichtete, wird die Plattform zunehmend für sexualisierte Deepfakes verwendet. Das Unternehmen träfe keine Vorkehrung, dass KI dafür verwendet wird, Nacktbilder aus Fotos von bekleideten Personen herzustellen. Bisher stand in diesem Zusammenhang vor allem Elon Musks KI Grok in der Kritik. Musk klagt nun den US-Bundesstaat Minnesota, der ein strenges Gesetz gegen KI-Nacktbilder am 1. August in Kraft setzt, und beruft sich dabei auf Meinungsfreiheit.
29.07.2026, red, ORF.at/Agenturen

„Ausbruch“ und China-Konkurrenz: Debatte über KI-Bremse nimmt Fahrt auf
 

didi42

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#51
Ach wie lustig.
Zuerst arbeiten alle daran und wenn es dann in der Welt ist, wollen sie es verhindern.
Zu spät.
Der Knopf ist gedrückt.
Die Rakete ist unterwegs.
Oder wie Oppenheimer sagte: "Wir müssen lernen mit der Bombe zu leben"
 

josef

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#53
Das Szenario der KI-Apokalypse ist real – wir sollten es ernst nehmen
Nicht kontrollierbare Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, schweren Schaden anzurichten. Noch könnten wir das Schlimmste verhindern. Doch dazu braucht es politischen Willen

OpenAI testete, wie gut sich seine intelligentesten Modelle in fremde Systeme hacken können. Doch über 1000 KI-Agenten sprachen sich wochenlang unbemerkt ab.
REUTERS/Dado Ruvic

Bei der Atombombe war der Schrecken von Anfang an klar: Der Pilz über Hiroshima und Nagasaki und zehntausende Tote machten den Schrecken und Niedertracht dieser Waffe sichtbar. Bis daraus die Einsicht wurde, dass ein Atomkrieg um jeden Preis verhindert werden muss, vergingen Jahrzehnte.

Künstliche Intelligenz explodiert nicht in einem apokalyptischen Feuerball. Kein Massensterben geht bislang auf ihre Rechnung. Trotzdem melden sich immer mehr Fachleute, die sie als Gefahr für den Fortbestand der Menschheit sehen. Viele halten das für Rhetorik. Das Gegenteil ist nach Ansicht der Kritiker der Fall: Wenn wir jetzt nicht handeln, heißt es, spielen wir russisch Roulette mit der Zukunft der Menschheit.

Auslöschung "bis zum Ende des Jahrzehnts"
Zuletzt sorgte Jacob Coxon für Aufsehen, ein ehemaliger Angestellter von Anthropic und OpenAI. "Die Menschen, die KI entwickeln, sind ernsthaft überzeugt, dass sie uns alle bis zum Ende des Jahrzehnts töten könnte. Das ist kein Marketing-Gag", schrieb er auf der Plattform X.

Warum glaubt der 27-Jährige das? Zum einen wegen der Möglichkeiten der Modelle: Sie gelten mittlerweile in Teilen als bessere Computer-Hacker als Menschen. Und nach Ansicht vieler Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie uns in allen Bereichen überlegen sind. Das könnte dazu führen, dass sich die KI selbst immer weiter und schneller verbessert, bis sie den Menschen weit hinter sich lässt.

Zum anderen ist da die Frage der Kontrolle. Natürlich birgt eine superintelligente KI riesiges Potenzial: die Heilung aller Krankheiten, die Lösung der Klimakrise. Doch Anthropic, OpenAI und Google haben das entscheidende Problem nicht gelöst: Das Verhalten Künstlicher Intelligenz stimmt nicht mit den Werten und Verhaltensweisen von Menschen überein.

Als die Maschinen ausbrachen
Das zeigte zuletzt ein Vorfall bei OpenAI. Das Unternehmen testete, wie gut sich seine intelligentesten Modelle in fremde Systeme hacken können. Rund 1200 KI-Agenten sollten dort unabhängig voneinander Aufgaben lösen. Doch sie fanden einen geheimen Weg, miteinander zu kommunizieren, und verschickten zehntausende Nachrichten. 700 von ihnen beschlossen, für ihre Aufgaben ins freie Internet auszubrechen und die KI-Firma Hugging Face anzugreifen. Die Ingenieure merkten das zu spät.

KI ist also längst klug genug, um sich der Kontrolle ihrer Schöpfer zu entziehen. Das Bestürzende ist aber: Fast keiner der Agenten beim Hugging-Face-Hack reflektierte über den Schaden ihrer Handlungen für Menschen. Der wurde in Kauf genommen, solange die KI ihr Ziel erfüllte.

Sicherheitsexperten im Silicon Valley betonen deshalb: Es braucht weder böse Absichten noch eine KI, die sich gegen den Menschen verschwört, um die Welt zu gefährden. Der Mensch sei das beste Beispiel: Er hat unzählige Tierarten ausgerottet, indem er ihnen die Lebensgrundlage nahm. Renommierte Forscher und die Ingenieure selbst halten es für gut möglich, dass die Maschinen die Menschen töten könnten. Einige reden von fünf Prozent Wahrscheinlichkeit, andere von zehn oder sogar 50.

Maßnahmen sind möglich – noch
Trotzdem lässt die Politik vor allem in den USA das Rennen um die Superintelligenz laufen. Präsident Donald Trump – selbst nicht bekannt für seine Weitsicht – will die Börsenkurse nicht gefährden. Und erst recht nicht das KI-Rennen gegen China verlieren.

Das sind keine Gründe, Künstliche Intelligenz nicht zu regulieren, um den Forschern mehr Zeit für die Sicherung der Technologie zu geben. Doch dafür braucht es eine internationale Koalition. Die EU und Länder wie Großbritannien, Kanada und Japan hätten Hebel, um den Druck auf die USA und China weiter zu erhöhen. Die globale Steuerung und Überwachung von Künstlicher Intelligenz muss unterdessen konsequenter auf die UN-Ebene verlagert werden.

Die Warnschüsse sind deutlich. Politiker müssen die Gefahr des Kontrollverlusts ernst nehmen und handeln. Heute, nicht morgen.
(Benno Schwinghammer, 11.9.2026)
Das Szenario der KI-Apokalypse ist real – wir sollten es ernst nehmen
 

josef

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#54
Anthropic, OpenAI
Weißes Haus kritisiert KI-Warnungen
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Die eigenständigen Hacks durch künstliche Intelligenz (KI) haben bei den großen Entwicklern für Vorsicht gesorgt. Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, sprach sich für eine Verlangsamung der Entwicklung aus und sprach von möglichem „katastrophalen Schaden“. Andere KI-Unternehmer schlossen sich an, die Politik müsse handeln. Doch US-Präsident Donald Trump schlug die Bedenken am Sonntag in den Wind: Nur „negative Kräfte“ könnten eine KI-Drosselung wünschen.
Online seit gestern 13.09.2026, 19.59 Uhr
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Drastisch und eindringlich warnten am Wochenende die Chefs der KI-Platzhirsche davor, dass es mit ihren Produkten zu schnell gehe. Nach den Hacking-Angriffen sei er besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, schrieb Amodei am Samstag.

Als besonderes Risiko sah er die Fähigkeit von KI-Software, sich selbst weiterzuentwickeln. Seit diesem Sommer sei künstliche Intelligenz besser darin, und das erhöhe das Tempo weiter. Unkontrolliert könne es dazu führen, dass Menschen diese Systeme nicht mehr verstehen und die Kontrolle über sie verlieren, warnte er.

Amodei plädierte für eine koordinierte branchenweite Pause in der westlichen Welt. Doch dazu braucht man Verbündete in der Politik. In Washington findet man diese derzeit nicht. Trump wies die Rufe nach einer Drosselung der KI-Entwicklung zurück. Hinter derartigen Forderungen stünden „negative Kräfte“, sagte Trump am Sonntag während seines Besuchs in Irland.

13.09.26 KI Warnungen Trump Haupt
Dario Amodei löste am Wochenende mit seinem Beitrag eine Debatte aus

Die USA seien China bei KI voraus. „Wir sind das fortschrittlichste Land der Welt, und ehrlich gesagt will ich, dass das auch so bleibt“, sagte Trump. „Wer bei KI gewinnt, gewinnt.“ Zwar seien Leitplanken möglich. Es gebe aber viele „sehr negative Kräfte, die das zur Sprache bringen, obwohl sie es nicht sollten“, sagte Trump. „Sie bringen Dinge zur Sprache, die nicht passieren werden“, fügte der US-Präsident hinzu, der als großer Anhänger künstlicher Intelligenz gilt.

Forscher: „Spielen mit unseren Leben“
Die Debatte war in den vergangenen Tagen noch von einem Anthropic-Forscher angeheizt worden, der mit einer drastischen Warnung zurücktrat. Die großen Entwickler von KI handelten unverantwortlich „und spielen mit unseren Leben“, erklärte Jacob Coxon.

Anthropic-Forscher Evan Hubinger, der mit dafür zuständig ist, dass KI mit den Interessen der Menschen im Einklang bleibt, bestätigte wenig später Coxons Sorgen. Er persönlich denke, die Gefahr, dass KI die Menschheit töte, liege im kommenden Jahrzehnt bei mehr als zehn Prozent, schrieb er auf X.

Rückenwind von Altman und Musk
Anthropic-Chef Amodei hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder vor Risiken bei der Entwicklung von KI gewarnt und war dafür aus Teilen der KI-Branche zum Teil heftig kritisiert worden. Dieses Mal aber ist es anders: Von den Branchenkollegen erntete er nun Zuspruch. Tech-Milliardär Elon Musk, lange ein Kritiker Amodeis, schrieb auf X: „Dario hat recht.“

Reuters/Jonathan Drake
Auch der OpenAI-Chef Altman schloss sich Amodeis Forderungen an

Und auch der Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, Sam Altman, schrieb auf der Plattform X, auch er sei der Ansicht, dass das Tempo bei der Entwicklung leistungsstärkster KI-Modelle verlangsamt werden müsse. Altman sagte zudem dem Magazin „Fortune“, der mit Spannung erwartete Börsengang von OpenAI werde in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden. Er verwies vor allem auf die aktuelle Debatte rund um Sicherheitsbedenken: „Man wäre schlecht beraten, genau jetzt an die Börse zu gehen.“

Ausbruch der KI als Weckruf
Bei der jüngst bekanntgewordenen aufsehenerregenden Hacking-Attacke war Software von OpenAI in einem Testlauf eigenständig aus einer abgesicherten Umgebung ausgebrochen und drang auf eigene Faust in Systeme der KI-Firma HuggingFace ein. Der Grund war lediglich, dass sie dort Antworten auf die ihr gestellte Testaufgabe vermutete. Für die Attacke nutzten die KI-Agenten unter anderem Softwareschwachstellen aus und sprachen sich zudem untereinander ab.
14.09.2026, red, ORF.at/Agenturen

Links:
Anthropic
OpenAI

Anthropic, OpenAI: Weißes Haus kritisiert KI-Warnungen
 
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