Steiermark: Der "Stainzer Flascherlzug"

josef

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#1
Mit dem Flascherlzug durchs Schilcherland
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Der Stainzer Flascherlzug ist legendär, nostalgisch, aber dennoch immer zeitgemäß: So hat die Schmalspurbahn zwischen Stainz und Preding heuer sogar etwas Neues anzubieten.

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Zunächst einmal setzt sich der Flascherlzug heuer endlich wieder in Bewegung: „Wir fahren wieder Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag“, sagt Zug-Wirt Harald Florian-Schaar, der auch mit einer neuen Attraktion aufwarten kann: einer motorbetriebene Draisine.

ORF/Regine Schöttl

Der Stainzer Flascherzug ist untrennbar mit dem Namen des Höllerhansls verbunden: Mit bürgerlichem Namen hieß der Wunderheiler Johann Reinbacher, und er „ordinierte“ in Rachling. Er war darauf spezialisiert, aus dem Betrachten des Urins Krankheiten zu diagnostizieren – viele Kranke kamen daher mit einem Fläschchen Urin zu ihm und hofften auf Linderung und Heilung ihrer Beschwerden. Der Überlieferung nach kamen einst viele Menschen mit der Schmalspurbahn zum Höllerhansl und hatten ihr Flascherl mit Urin dabei – daher noch heute der Name „Flascherlzug“.

ORF/Regine Schöttl

Heute kommt man eher mit leeren Händen, geht aber dafür mit vollem Magen, wie Gabi Florian-Schaar erzählt: „Vom Frühstück im Zug bis zur Nachmittagsjause, beim fahrenden Zug, bei den Zwischenstationen – da ist einfach alles möglich.“
06.07.2021, red, steiermark.ORF.at

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Mit dem Flascherlzug durchs Schilcherland
 

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#3
Weitere Hintergründe zur Namensgebung des Zuges:

"FLASCHERLZUG"
Steirischer Star-Wunderheiler behandelte auf seiner Alm Hundertschaften
Er nutzte antike Methoden und musste sich mehrfach vor Gericht wegen Kurpfuscherei verantworten. Eine Schmalspurbahn erinnert heute noch an ihn

Höllerhansl, Mehrbildkarte, Rachling um 1920
Josef Moser / Public Domain

Ausgangspunkt für diese Geschichte ist eine alte Familienlegende. Meine Großtante ging einst wegen eines nicht näher bekannten Leidens zu einem Wunderheiler. Sie hatte ein Fläschchen mit ihrem Urin im Gepäck, das sie per Bahn von Graz aus ins weststeirische Stainz brachte, um es von einem Mann namens Johann Reinbacher begutachten zu lassen. Um den weststeirischen Autodidakten, der heute vor allem unter dem Namen Höllerhansl bekannt ist, ranken sich unzählige Geschichten, von den aufsehenerregenden Gerichtsverfahren wegen Kurpfuscherei bis hin zu Zeitzeugenberichten von gehorteten Geldschätzen. Die per Dampflok betriebene Schmalspurbahn wurde wegen der vielen Urinflaschen "Flascherlzug" genannt. Sie ist heute eine Touristenattraktion. Doch der Titel des "Bauerndoktors", den Reinbacher bei Einheimischen trägt, ist irreführend. Seine Methode lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen.

Reinbacher interessierte sich schon als Kind für Bücher über Arzneimittel und Kräuter, eine Leidenschaft, die ihm in die Wiege gelegt wurde. Auch sein Vater hatte ein Faible für Medizin, wobei sich sein Verständnis davon nicht mit der damaligen Lehrmeinung deckte. Josef Reinbacher war wegen "Kurpfuscherei" im Gefängnis. Das Interesse von Reinbacher junior war gepaart mit einer tiefen Frömmigkeit, die ihn zum Eintritt in den in Graz ansässigen Karmeliterorden veranlasste. Dort hielt es ihn allerdings nicht, bereits ein Jahr später kehrte er zurück.


Ein Urinbeschauer in einem Ölgemälde von Trophime Bigot aus dem 17. Jahrhundert
Gemeinfrei

Die Kunst der Urinbeschau
Sein Heimathaus befand sich in Rachling, einem kleinen Ort nahe dem weststeirischen Stainz. Dort war er erst einmal damit beschäftigt, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Er eröffnete eine Greißlerei und heiratete 1911. Die Genehmigung, ein Gasthaus zu eröffnen, wurde den beiden allerdings verwehrt. Reinbachers Vater hatte noch illegal Getränke ausgeschenkt. Nach einem kurzen Intermezzo im Militärdienst während des Ersten Weltkriegs begann Reinbachers Karriere als "Doktor".

Seine Patientinnen und Patienten brachten in Fläschchen Proben ihres Urins mit, den Reinbacher auf seine Färbung, aber auch auf seinen Geruch untersuchte. Die Praxis, der er folgte, ist zum ersten Mal in Mesopotamien und Ägypten dokumentiert. Der Harn sollte Auskunft über Krankheiten, aber auch über Charakter oder bei Schwangeren sogar über das Geschlecht des Ungeborenen geben. Farbkarten erleichterten den Vergleich, doch auch Geruch und sogar Geschmack waren wichtig. So kam etwa die "Zuckerkrankheit" Diabetes mellitus zu seinem Namen, der "honigsüße Durchfluss". Reinbacher lernte die Techniken nach eigenen Angaben aus einem 300 Jahre alten Buch.

Der Musiker Sepp Engelbogen präsentiert ein bekanntes Volkslied über den "Wunderdoktor" vor Originalschauplätzen.
SEMS2011

Prozesse wegen Kurpfuscherei
Es war letztlich eine Frage der Zeit, bis es ihm wie seinem Vater erging. 1920 wurde er zum ersten Mal wegen Kurpfuscherei angeklagt. Der erste Prozess fand in Stainz statt, der zweite ein Jahr später in Graz. Das Neue Grazer Abendblatt berichtet von der ungewöhnlichen Verhandlung, zu der sich eine Heerschaar von Anhängerinnen und Anhängern Reinbachers einfand. Nur unter Schwierigkeiten habe er sich seinen Weg durch die "Geheilten" zur Anklagebank bahnen können. Verlesene Zeugenaussagen berichteten über Fälle scheinbar unheilbarer Krankheiten, bei denen zwanzig Jahre lang alle medizinischen Behandlungen versagt hätten, bis der Höllerhansl Linderung gebracht hätte. Doch nicht immer hatte das funktioniert. Vor Gericht kam die Geschichte einer Frau zur Sprache, die dem Heiltee des Wunderdoktors erlegen sein soll. Nachweisen ließ sich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Tod und Tee allerdings nicht.

Reinbacher wurde am Ende zu einer Geldstrafe von 10.000 Kronen und einem Monat Arrest verurteilt, weil er ohne Ausbildung gewerbsmäßig als Mediziner praktiziert hätte. Zwar arbeitete Reinbacher offiziell nie für Geld, doch für die Heiltees aus Kräutern waren Spenden üblich. Allein seine letzte Steuerrechnung betrug 37.000 Kronen. Beim Auszug aus dem Gericht hob man ihn auf die Schultern und trug ihn durch die Gassen. Als die Menge mit Verspätung von der Verurteilung erfuhr, konnte sie nur mit Mühe von einer Rückkehr ins Gerichtsgebäude abgehalten werden. Der Arrest ließ sich später durch eine Berufung verhindern.

Der Popularität des Höllerhansl nutzten diese Prozesse. Seine Kunst sprach sich herum, und auch internationales Publikum fand den Weg zu ihm. Der Flascherlzug brachte sie allerdings nicht bis nach Rachling. Die letzte Etappe zum Haus des Heilers führte über einen steilen Hohlweg. Dieser Fußmarsch war Teil der Behandlung, Reinbacher erklärte, dass bei der Wanderung die "Wind" abgingen. Als Reinbacher beschloss, in Rachling eine Kirche zu errichten, ließ er die Ziegel am unteren Ende des Hohlwegs aufschlichten. Wer zu ihm wollte, musste einen Ziegelstein mitbringen.


Der Name "Flascherlzug" nach sich durchgesetzt. Zwischenzeitlich war versucht worden, ihn in "Teezug" umzubenennen.
Kleindl

Zwei Prinzessinnen
Mehrere Hundert Personen waren es zu Spitzenzeiten, die täglich den Weg auf den Berg auf sich nahmen. Als Medizin erhielten die Heilsuchenden Tees mit Salbei, Eibisch und Fenchel, die in Kesseln im Keller bereitstanden, vor dessen Tür Reinbacher seine Urinbeschau durchführte. Das Sammeln der Kräuter übernahmen eigens dafür angestellte "Kräuterweiber". Legendär ist auch der Besuch eines indischen Maharadschas aus Dharampur sowie der zweier ägyptischer Prinzessinnen. Noch als bettlägeriger alter Mann praktizierte Reinbacher, der seiner Berufung treu blieb und sich nie selbst bereicherte, aber für die Region ein entscheidender Wirtschaftsfaktor war, mit eigenen Busunternehmen, um den überfüllten Flascherlzug zu entlasten. Allerdings wird von Kisten voller Kleingeld berichtet, das er so lange hortete, bis es wertlos geworden war. 1935 starb Reinbacher. Er gilt als einer der letzten dokumentierten Urinbeschauer.

Meine Großtante, die als junge Frau bei ihm war, zeigte sich letztlich nicht überzeugt von der Behandlung. Er habe den Urin begutachtet, über Allgemeines gesprochen und sie dann mit einem Tee fortgeschickt.
(Reinhard Kleindl, 25.7.2023)
Steirischer Star-Wunderheiler behandelte auf seiner Alm Hundertschaften
 

Db1

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#4
Wenn die Bahn auch unter selbernannten Eisenbahnspezialisten als "Disney-Land-Bahn" verschrien sein soll. Tiefsten Respekt vor Mandl Max und der Gemeinde Stainz diese Strecke quasi privat zu betreiben. Eisenbahnen können nur erhalten werden, wenn man sie auch benützt!
 
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#5
Stainzer Flascherlzug vor dem Aus
Der Flascherlzug in Stainz ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen im Schilcherland: 20.000 Gäste fahren pro Jahr in seinen bunten Waggons durch die Weststeiermark. Doch jetzt kann die Gemeinde die 1,3 Millionen Euro für die Instandhaltung nicht mehr aufbringen.
Online seit heute, 7.29 Uhr
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Es hat sich bald ausgedampft in Stainz: Seit Jahren pumpt die Marktgemeinde in der Weststeiermark jährlich 130.000 Euro in den Flascherlzug. Jetzt müsste mehr als eine Million Euro zusätzlich investiert werden.

„Hängt von Förderungen ab“
Der Stainzer Bürgermeister Karl Bohnstingl kann nicht sagen, ob es den Flascherlzug im nächsten Jahr noch geben wird, „das hängt auch von Förderungen ab. Wir müssen die nächsten fünf Jahre 1,3 Millionen Euro zusätzlich investieren. Und wenn wir vom Land die Förderung nicht kriegen, werden wir uns das einfach nicht mehr leisten können. Wir haben die Genehmigung bis Ende des Jahres und dann werden sie uns die Strecken sperren, wenn wir nichts unternehmen“.

Die finanzielle Hürde rührt daher, dass auch diese Museumsbahn dem Eisenbahngesetz unterliegt: „Es sind Gleiskörper zum Austauschen, Schwellen zum Austauschen, es geht einfach um die Erhaltung der Strecke. Die ist circa zwölf Kilometer lang; das Geld wird nur in die Strecke investiert, weder in den Zug oder sonst etwas.“

Weitere Kosten
Und die Gemeinde haben weitere hohe Kosten: Auch in das neue Schwimmbad und in den Flascherlzug fließen mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr. Bürgermeister Bohnstingl weiß auch von anderen Bürgermeistern, dass es immer schwieriger wird, solche Attraktionen zu erhalten: „Das kann sich die Gemeinde Stainz nicht leisten; das ist ein Ding der Unmöglichkeit – wir haben die Kindergärten, die Krabbelstuben, 260 Kilometer Straßen – so wie es den meisten geht.“

20.000 Gäste fahren jährlich mit dem Flascherlzug. Von den touristischen Einnahmen fließe wenig an die Gemeinde zurück, da der Flascherlzug verpachtet sei. Mit dem Land werde im September über eine Förderung verhandelt. Wenn keine Unterstützung kommt, bedeute das das Aus für den Stainzer Flascherlzug.
red, steiermark.ORF.at

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Stainzer Flascherlzug
Stainzer Flascherlzug vor dem Aus
 

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#6
Trotz Petitionen
Nur wenig Hoffnung für Stainzer Flascherlzug
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Das geplante Aus des Stainzer Flascherlzuges schlägt hohe Wellen in der Region. Zwar sind mehrere Unterschriftenlisten gegen die Einstellung im Umlauf, in der Hoffnung, den Flascherlzug so retten zu können. Doch die Gemeinde Stainz scheint sich nicht mehr umstimmen zu lassen.
Auch am Sonntag wird der Stainzer Flascherlzug wieder mit vielen Touristinnen und Touristen eine Ausfahrt unternehmen – aber die Tage scheinen gezählt, fürchten viele in Stainz.

Darunter auch Tatjana Schuster – sie betreibt ein Lokal direkt am Bahnhof des Flascherlzuges, nicht nur für sie wäre das Aus ein herber Rückschlag: „Stainz wäre nicht dasselbe, ohne den Flascherlzug. Der fährt seit 133 Jahren und das muss weitergehen – gastronomisch wie auch kulturell.“

Keine Buchungen trotz Nachfrage
Auch touristisch fürchtet man Einbußen, wenn der Flascherlzug nicht mehr fährt, sagt Gabriele Florian-Schaar. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann Harald für das Marketing zuständig. Für das kommende Jahr dürfe sie laut Gemeinde keine Buchungen mehr annehmen, obwohl die Nachfrage, von Reiseveranstaltern, auch aus dem Ausland, groß sei: „Die Unternehmen erstellen ja die Kataloge, die für 2026 und 2027 sind, aber leider darf ich nichts annehmen.“

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Für viele ist der Flascherlzug auch eine touristische Attraktion.

„Ich denke, dass fast 30.000 Besucher, die nach Stainz kommen, sehr wohl einen großen Nutzen bringen. Wir wissen, dass die Leute durch den Ort flanieren, in die Geschäfte gehen, außerdem fahren viele in unsere Gegend und nächtigen hier“, unterstreicht Harald Florian-Schaar die wirtschaftliche Bedeutung des Flascherlzugs. Vor einem „irreparablen, touristischen Schaden“ warnt auch Herbert Germuth von der zuständigen Erlebnisregion Südsteiermark.

Lokführer rief Petition ins Leben
Den 73 Jahre alten Lokführer Helmut Poglitsch trifft das geplante Aus „seines“ Flascherlzuges auch emotional, immerhin ist er bereits seit 38 Jahren auf der Strecke unterwegs: „Es geht über Generationen und das darf nicht verloren gehen. Historisch wertvolles Gut darf man nicht einfach wegwischen.“

ORF
Poglitsch hat daher zwei Unterschriftenaktionen gestartet: „Da sind es zur Zeit 2.000 Unterschriften und bei einer Open-Petition im Internet, da sind es aktuell 1.200 Unterschriften.“ Sie sollen Ende Oktober Landeshauptmann Mario Kunasek übergeben werden.

Bürgermeister hat abgeschlossen
Für den Stainzer Bürgermeister Karl Bohnstingl (ÖVP) ist das Aus allerdings alternativlos, er hat mit dem Flascherlzug in seiner Gemeinde mehr oder weniger abgeschlossen, aus finanziellen Gründen, wie er sagt: „Was habe ich als Gemeinde Stainz davon? Und nebenbei muss ich sagen, fahre ich die Gemeinde nieder. Wenn ich so weiter mache, sind wir in drei Jahren pleite wie viele anderen Gemeinden.“

All jenen, die sich dennoch gegen das Aus des Flascherzuges stemmen, richtet er aus: „Wenn dann immer Menschen sind, die sagen, das müssen wir uns leisten können, dann sollen sie es mir erklären, wie das gehen soll – ich bin kein Zauberer, ich muss mich nach den Finanzen richten.“ Eine wirtschaftliche Bereicherung sei der Flascherlzug jedenfalls nicht: „Welche? Die Leute fahren mit dem Flascherzug und verschwinden.“

Das endgültige Aus soll bei der Gemeinderatssitzung am 16. Oktober beschlossen werden und das dürfte – nach Ansicht des Bürgermeisters – wohl nur noch ein Formalakt sein, „weil ein großer Teil (im Gemeinderat, Anm.) wirtschaftlich denkt und weil wir es uns einfach nicht leisten können.“
05.10.2025, red, steiermark.ORF.at
Nur wenig Hoffnung für Stainzer Flascherlzug
 

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#7
Stainz
Vorläufige Endstation für Flascherlzug
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20.000 Gäste sind pro Jahr in den bunten Waggons des Stainzer Flascherlzugs durch die Weststeiermark gefahren. Am Donnerstagabend entschied der Stainzer Gemeinderat für eine vorerst vorübergehende Einstellung der historischen Bahn.
Online seit gestern, 21.58 Uhr (Update: gestern, 23.05 Uhr)
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Die Fahrten des Flascherlzugs sollen mit Jahresende in der derzeitigen Form eingestellt werden. Ausschlaggebend waren letztendlich die Stimmen der ÖVP und der FPÖ, die sich für eine Einstellung aussprachen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Alternative für Stainz (AfS), der SPÖ und der Grünen waren gegen die Einstellung.

Der Stainzer Bürgermeister Karl Bohnstingl (ÖVP) betonte im Gemeinderat, dass es sich nur um eine „vorerst temporäre Einstellung“ handle und um kein endgültiges Aus.

„Es ist kein Flascherlzug eingestellt. Der Beschluss soll eigentlich aussagen, dass wir einmal als Gemeinde die Fahrten einstellen. Es ist aber nicht ausgenommen, dass das nicht weiterläuft, aber über eine andere Form. Da müssen wir es jetzt einmal einstellen, wie es jetzt ist, und dann können wir über eine andere Form sprechen“, so Bohnstingl kurz vor der Abstimmung.

Man wolle sich bemühen, eine Lösung für eine Nachnutzung zu finden, etwa ob ein Verein den Betrieb der Bahn übernehmen könne, sagte der Bürgermeister.

Kritik von SPÖ, Grünen und AfS
SPÖ-Gemeinderat Markus Peyer entgegnete: „Das klingt alles nicht nach temporären Lösungen oder Schließungen, sondern schon nach Vollendung.“ Kritik an der Vorgehensweise des Bürgermeisters übte am Donnerstagabend auch Gemeinderätin Ina Ledinski (Grüne). Sie sei erstaunt darüber gewesen, wie es zu der Situation gekommen sei.

Der Gemeinderat habe die Kosten des Flascherlzugs gekannt. Bürgermeister Bohnstingl habe gemeinsam mit anderen die Einstellung vorbereitet, „ohne vorher das Gespräch mit dem Gemeinderat zu suchen oder den Wirtschafts- und Tourismusausschuss damit zu befassen“, so Ledinski. In eine ähnliche Kerbe schlug AfS-Gemeinderat Günter Farmer, der kritisierte, dass innerhalb der letzten vier Monate Zeit gewesen wäre, sich „hinzusetzen und miteinander zu reden.“ Nichts von dem sei passiert.

Fotostrecke
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Der Spur des Stainzer Flascherlzugs ist deutlich schmäler als die anderer Züge
ORF/ORF III/Symes Schutzmann SH Productions

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Der Überlieferung nach brachten Passagiere Urinfläschchen zum Wunderheiler „Höllerhansl“

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Am Führerstand wird es sehr heiß

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Der Flascherlzug habe zwar Strahlkraft als Tourismusattraktion in der Region, aber „jetzt heruntergebrochen auf die Ebene Stainz sind wir jetzt leider an einem Punkt, wo wir uns entscheiden müssen, und für das sind wir gewählt worden, auch wenn es wehtut, und das tut verdammt weh“, sagte FPÖ-Gemeinderat Friedrich Scheer, der letztendlich die Entscheidung für das vorläufige Aus mittrug.

Gemeinderatssitzung war „Formalakt“
Für den Stainzer Bürgermeister Bohnstingl war das Aus schon vor der Gemeinderatssitzung alternativlos. Schon Anfang Oktober prophezeite er im ORF-Interview: „Weil wir es uns einfach nicht leisten können.“ Es ginge um Geld, das die Gemeinde Stainz aus Sicht des Bürgermeisters anderorts einsetzen müsse. Schließlich würden alleine die elf Kindergärten die Gemeinde jährlich 1,1 Mio. Euro kosten.

Namensgebung geht auf „Wunderheiler“ zurück
Der Stainzer Flascherlzug ist untrennbar mit dem Namen des „Höllerhansls“ verbunden: Mit bürgerlichem Namen hieß der Wunderheiler Johann Reinbacher, und er „ordinierte“ in Rachling. Er war darauf spezialisiert, aus dem Betrachten des Urins Krankheiten zu diagnostizieren.

Fotostrecke
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Historische Aufnahmen des Flascherlzugs
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Viele Kranke kamen daher mit einem Fläschchen Urin zu ihm und hofften auf Linderung und Heilung ihrer Beschwerden. Der Überlieferung nach kamen einst viele Menschen mit der Schmalspurbahn zum Höllerhansl und hatten ihr Flascherl mit Urin dabei – daher stammt der Name „Flascherlzug“.

Opposition im Landtag fordert Erhalt
Der steirische NEOS-Klubobmann Niko Swatek forderte, dass sich Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) für den Erhalt des Flascherlzugs einsetzt: „Der Beschluss in Stainz ist kein Schlusspunkt, sondern ein Weckruf. 133 Jahre Tradition dürfen unter FPÖ und ÖVP nicht zugrunde gehen! Landeshauptmann Kunasek muss jetzt beweisen, ob ihm die steirische Tradition am Herzen liegt“, so Swatek in einer Aussendung.
Grünen-Tourismussprecher Lambert Schönleitner erklärte: „Gerade jetzt braucht es einen klaren Fahrplan – und die Meinung der Bevölkerung muss dabei zentral sein“, so Schönleitner. Er schlug vor, eine Volksbefragung in der Region durchzuführen.
17.10.2025, red, steiermark.ORF.at
Vorläufige Endstation für Flascherlzug
 
#8
Ich finde es sehr bedauerlich . Hier in Deutschland gilt ja Osterreich als Vorbild für
die Eisenbahn. Aber so einiges gibt doch zu denken.

Dazu gehören auch wieder Befürchtungen, Nebenstrecken in OÖ einzustellen
.
 

Geist

Zeitgeschichte im Untergrund
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#9
Na bitte, es gibt auch mal gute Nachrichten:

Stainzer Flascherlzug vorerst gerettet

Der Stainzer Flascherlzug, der vor dem Aus stand, dürfte vorerst gerettet sein: Der Verein hat am Dienstag rund 11.000 Unterschriften an Landeshauptmann Mario Kunasek übergeben. Organisiert hatte die Unterschriftenaktion der 73-jährige Lokführer Helmut Poglitsch.

„Es war ein sehr konstruktives Gespräch. Der Herr Landeshauptmann hat ein offenes Ohr für uns gehabt und sagt, nächstes Jahr können wir um entsprechende Förderanträge bei der Landesregierung ansuchen“, freute sich Poglitsch.



Sponsoren gesucht

Eine Generalsanierung ist jetzt vom Tisch, ein Businessplan wurde erstellt: „Den operativen Bereich werden wir gemäß Plan durch die Fahrkartenerlöse erwirtschaften. Die Streckenerhaltung werden wir nächstes Jahr nur insofern machen, dass Sicherheit gegeben ist. Wir haben berechnet, dass wir ungefähr 80.000 Euro nächstes Jahr benötigen für Reparaturen. Und diese hoffen wir über Förderungen hereinzubekommen“ – darüber hinaus hoffe man auf Sponsoren und Spenden.

red, steiermark.ORF.at
Quelle: Stainzer Flascherlzug vorerst gerettet
 

Geist

Zeitgeschichte im Untergrund
Mitarbeiter
#10
Stainzer Flascherlzug fährt ab Samstag wieder

Lange war unsicher, ob der beliebte Stainzer Flascherlzug weiterfährt. Nach der Übernahme durch einen privaten Verein von der Marktgemeinde Stainz und allen technischen Überprüfungen startet die 11,5 Kilometer lange historische Ausflugsbahn nun am Samstag feierlich neu.

Im Oktober des Vorjahres hatte der Stainzer Gemeinderat die Einstellung des Fahrbetriebs des Flascherlzugs beschlossen – aufgrund hoher Sanierungskosten und jährlicher Defizite. Nach vielen Rettungsversuchen und auch Protesten hat der „Verein Freunde der Stainzerbahn“ mit einem Pachtvertrag die Verantwortung für den Flascherlzug von der Gemeinde nun übernommen.



Auch Sonderfahrten möglich

Der Fahrplan wurde von den neuen Betreibern auf ein „vernünftiges Maß“ eingeschränkt. Von Samstag bis zum 7. Juni verkehrt der Zug planmäßig samstags und sonntags, danach bis 12. Juli und wieder im Herbst fährt zusätzlich donnerstags ein Zug. Bis Ende Oktober soll dann wieder samstags und sonntags gefahren werden.

Die Fahrt auf der 760 Millimeter-Schmalspurbahn dauert etwa 50 Minuten. Für die Hin- und Rückfahrt einschließlich Pausen sollte man zwei bis drei Stunden einplanen. Auch Sonderfahrten sind auf Nachfrage wieder möglich, so die neuen Betreiber.

red; steiermark.ORF.at
Quelle: Stainzer Flascherlzug fährt ab Samstag wieder
 
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