5.000 Soldaten
US-Regierung plant Teilabzug aus Deutschland
Nach den wachsenden Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz ordnet die US-Regierung den Teilabzug von rund 5.000 Soldaten aus Deutschland an. Der offizielle Grund: eine Prüfung der Truppenpräsenz in Europa, der Bedingungen an Ort und Stelle und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt. Beobachter verweisen dazu auf die zuletzt deutlich gewordene Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Online seit heute, 8.36 Uhr (Update: 11.23 Uhr)
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5.000 Soldaten: US-Regierung plant Teilabzug aus Deutschland
US-Regierung plant Teilabzug aus Deutschland
Nach den wachsenden Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz ordnet die US-Regierung den Teilabzug von rund 5.000 Soldaten aus Deutschland an. Der offizielle Grund: eine Prüfung der Truppenpräsenz in Europa, der Bedingungen an Ort und Stelle und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt. Beobachter verweisen dazu auf die zuletzt deutlich gewordene Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
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Man gehe davon aus, „dass der Abzug in den kommenden sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein wird“, zitierte Pentagon-Sprecher Sean Parnell am Freitag (Ortszeit) aus einer Stellungnahme von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth.
US-Präsident Trump hatte zuletzt verschärft mit einer Verlegung von US-Truppen aus Deutschland gedroht – offenbar aus Verärgerung über die Kritik von Merz am Iran-Krieg. „Die USA prüfen und evaluieren derzeit eine mögliche Verringerung der Truppenpräsenz in Deutschland“, so Trump am Mittwoch. Eine entsprechende Entscheidung werde „in Kürze getroffen“.
Drohung auch Richtung Spanien und Italien
Merz hatte Trumps Unmut vor wenigen Tagen offenbar mit Äußerungen bei einer Schulveranstaltung mit Blick auf die Vereinigten Staaten erregt. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, sagte Merz am Montag mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit dem Iran. Zudem äußerte er die Ansicht, die USA hätten „offensichtlich keine Strategie“ im Irak-Krieg.
Ob und im welchen Umfang es zum US-Truppenabzug kommt, hängt laut Beobachtern indes auch an gesetzlichen Hürden. Laut einem vom US-Kongress im Vorjahr beschlossenen Sicherheitsmechanismus dürfe die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europakommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Nach aktuellem Stand würden die USA diese Mindestanzahl nicht unterschreiten. Allerdings hatte Trump zuletzt auch einen Teilabzug in Italien und Spanien ins Spiel gebracht.
Starke Truppenpräsenz in Deutschland
Bis zum 31. Dezember waren insgesamt 36.436 US-Soldaten im aktiven Dienst in Deutschland stationiert, in Italien waren es 12.662 US-Soldaten und in Spanien 3.814. Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der USA. Die Zahl der von den USA im Ausland stationierten Soldaten und Soldatinnen verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Insgesamt unterhält die US-Armee rund 20 Einrichtungen in Deutschland, vor allem im Süden und Südwesten. Die wichtigsten Standorte sind der Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein und das US-Regionalkommando für Europa und Afrika in Stuttgart. Der US-Truppenübungsplatz im bayerischen Grafenwöhr gilt als einer der größten in Europa.
Am Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel lagern US-Atomwaffen. In Landstuhl ist das größte Militärkrankenhaus der USA außerhalb der Vereinigten Staaten. Trump hatte bereits 2020 in seiner ersten Amtszeit mit einem Teilabzug aus Deutschland gedroht, er wollte die Zahl der US-Soldaten auf 25.000 senken.
US-Stützpunkte als Wirtschaftsfaktor
Neben sicherheitspolitischen Aspekten sind die Standorte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die jeweiligen Regionen. „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagte dazu Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein zum dort gelegenen US-Stützpunkt. Inbegriffen sind etwa Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen.
Hechler sagte vor der Ankündigung zum Truppenabzug, Trump könne als Oberbefehlshaber Verlagerungen temporär rasch umsetzen. „Ob er dies dauerhaft ohne den US-Kongress machen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber die Auswirkungen wären direkt spürbar für uns.“ Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und oft Freunde.
Teilabzug wirft Fragen auf
Neben dem vom Pentagon nun bekannt gegebenen Teilabzug von 5.000 Soldaten sorgte Trump am Freitag auch mit einer überraschenden Zollankündigung für Schlagzeilen. Geplant sei die Anhebung der US-Zölle auf europäische Autos und Lkws auf 25 Prozent. Deutschland ist der mit Abstand größte Autobauer Europas und wäre von den neuen US-Zöllen somit besonders betroffen.
Pistorius: Arbeiten eng mit den USA zusammen
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte nach dem angekündigten Teilabzug von US-Soldaten indes gemeinsame Interessen. „Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA“, sagte Pistorius laut dpa.
Zugleich machte er deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet komme. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, „war absehbar“.
„Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung“, so Pistorius. Die USA bündelten an ihren Standorten in Deutschland aber auch andere militärische Funktionen, etwa für ihre sicherheitspolitischen Interessen in Afrika und im Mittleren Osten.
NATO: „Wandel hin zu einem stärkeren Europa“
Auch die NATO arbeitet eigenen Angaben zufolge mit den Vereinigten Staaten zusammen, um die Einzelheiten der US-Entscheidung über einen Abzug von Truppen aus Deutschland zu ergründen. „Diese Anpassung unterstreicht die Notwendigkeit, dass Europa weiterhin mehr in die Verteidigung investiert und einen größeren Teil der Verantwortung für unsere gemeinsame Sicherheit übernimmt“, erklärte NATO-Sprecherin Allison Hart.
Es gebe bereits Fortschritte, seit die Bündnispartner auf dem Gipfel in Den Haag im vergangenen Jahr vereinbart hätten, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu investieren. „Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass wir unsere Abschreckung und Verteidigung gewährleisten können, während sich dieser Wandel hin zu einem stärkeren Europa in einer stärkeren NATO fortsetzt.“.
02.05.2026, red, ORF.at/Agenturen
US-Präsident Trump hatte zuletzt verschärft mit einer Verlegung von US-Truppen aus Deutschland gedroht – offenbar aus Verärgerung über die Kritik von Merz am Iran-Krieg. „Die USA prüfen und evaluieren derzeit eine mögliche Verringerung der Truppenpräsenz in Deutschland“, so Trump am Mittwoch. Eine entsprechende Entscheidung werde „in Kürze getroffen“.
Drohung auch Richtung Spanien und Italien
Merz hatte Trumps Unmut vor wenigen Tagen offenbar mit Äußerungen bei einer Schulveranstaltung mit Blick auf die Vereinigten Staaten erregt. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, sagte Merz am Montag mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit dem Iran. Zudem äußerte er die Ansicht, die USA hätten „offensichtlich keine Strategie“ im Irak-Krieg.
Ob und im welchen Umfang es zum US-Truppenabzug kommt, hängt laut Beobachtern indes auch an gesetzlichen Hürden. Laut einem vom US-Kongress im Vorjahr beschlossenen Sicherheitsmechanismus dürfe die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europakommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen. Nach aktuellem Stand würden die USA diese Mindestanzahl nicht unterschreiten. Allerdings hatte Trump zuletzt auch einen Teilabzug in Italien und Spanien ins Spiel gebracht.
Starke Truppenpräsenz in Deutschland
Bis zum 31. Dezember waren insgesamt 36.436 US-Soldaten im aktiven Dienst in Deutschland stationiert, in Italien waren es 12.662 US-Soldaten und in Spanien 3.814. Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der USA. Die Zahl der von den USA im Ausland stationierten Soldaten und Soldatinnen verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Insgesamt unterhält die US-Armee rund 20 Einrichtungen in Deutschland, vor allem im Süden und Südwesten. Die wichtigsten Standorte sind der Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein und das US-Regionalkommando für Europa und Afrika in Stuttgart. Der US-Truppenübungsplatz im bayerischen Grafenwöhr gilt als einer der größten in Europa.
Am Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel lagern US-Atomwaffen. In Landstuhl ist das größte Militärkrankenhaus der USA außerhalb der Vereinigten Staaten. Trump hatte bereits 2020 in seiner ersten Amtszeit mit einem Teilabzug aus Deutschland gedroht, er wollte die Zahl der US-Soldaten auf 25.000 senken.
US-Stützpunkte als Wirtschaftsfaktor
Neben sicherheitspolitischen Aspekten sind die Standorte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die jeweiligen Regionen. „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagte dazu Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein zum dort gelegenen US-Stützpunkt. Inbegriffen sind etwa Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen.
Hechler sagte vor der Ankündigung zum Truppenabzug, Trump könne als Oberbefehlshaber Verlagerungen temporär rasch umsetzen. „Ob er dies dauerhaft ohne den US-Kongress machen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber die Auswirkungen wären direkt spürbar für uns.“ Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und oft Freunde.
Teilabzug wirft Fragen auf
Neben dem vom Pentagon nun bekannt gegebenen Teilabzug von 5.000 Soldaten sorgte Trump am Freitag auch mit einer überraschenden Zollankündigung für Schlagzeilen. Geplant sei die Anhebung der US-Zölle auf europäische Autos und Lkws auf 25 Prozent. Deutschland ist der mit Abstand größte Autobauer Europas und wäre von den neuen US-Zöllen somit besonders betroffen.
Pistorius: Arbeiten eng mit den USA zusammen
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte nach dem angekündigten Teilabzug von US-Soldaten indes gemeinsame Interessen. „Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA“, sagte Pistorius laut dpa.
Zugleich machte er deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet komme. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, „war absehbar“.
„Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung“, so Pistorius. Die USA bündelten an ihren Standorten in Deutschland aber auch andere militärische Funktionen, etwa für ihre sicherheitspolitischen Interessen in Afrika und im Mittleren Osten.
NATO: „Wandel hin zu einem stärkeren Europa“
Auch die NATO arbeitet eigenen Angaben zufolge mit den Vereinigten Staaten zusammen, um die Einzelheiten der US-Entscheidung über einen Abzug von Truppen aus Deutschland zu ergründen. „Diese Anpassung unterstreicht die Notwendigkeit, dass Europa weiterhin mehr in die Verteidigung investiert und einen größeren Teil der Verantwortung für unsere gemeinsame Sicherheit übernimmt“, erklärte NATO-Sprecherin Allison Hart.
Es gebe bereits Fortschritte, seit die Bündnispartner auf dem Gipfel in Den Haag im vergangenen Jahr vereinbart hätten, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu investieren. „Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass wir unsere Abschreckung und Verteidigung gewährleisten können, während sich dieser Wandel hin zu einem stärkeren Europa in einer stärkeren NATO fortsetzt.“.
02.05.2026, red, ORF.at/Agenturen
5.000 Soldaten: US-Regierung plant Teilabzug aus Deutschland