Tragöß: Rätselraten um alten Stollen beim "Grünen See"

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
In der "Kleinen Zeitung" wird seit einigen Tagen über den früheren Verwendungszweck eines alten Stollen in der Nähe des "Grünen Sees" gerätselt:

Auf "Instagram" vor 2 Wochen:
1751533449340.png 1751533560229.png 1751533622017.png Quelle: http://instagr.am/p/DLEw5j2MXv-/
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Printausgabe "Kleine Zeitung" am 14. Juni 2025:

Lost Place
Alter Stollen beim Grünen See sorgt für Rätselraten
„Wer weiß, was da drinnen war?“ Ein verlassener Stollen ganz in der Nähe des Grünen Sees machte zuletzt in Tragöß viele Lost-Place-Fans neugierig.



Rätselraten um einen Stollen (Eingang rechts) in der Nähe des Grünen Sees.
Markus Lösel
Redakteur Mürztal

Zuerst wurde um sein Wasser gebangt, schließlich kehrte es aber zurück. Viele Tragößerinnen und Tragößer waren sich da aber ohnehin sicher. Und die Touristen? Die besuchten auch während der Trockenheit großen Mengen den Grünen See. Nun dürften aber auch Fans von Lost-Places das Naturjuwel für sich entdeckt haben. Denn unlängst machten Fotos eines verlassenen Stollens in unmittelbarer Nähe zum Grünen See die Runde.
Quelle: Lost Place beim Grünen See: Bunker oder ein großer „Kühlschrank“?
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Printausgabe "Kleine Zeitung" am 28. Juni 2025:

Lost Place
Rätsel um verlassenen Stollen beim Grünen See: Gipsabbau oder Bierdepot?

Nur wenige Gehminuten vom Grünen See entfernt befindet sich ein verlassener Stollen. Für seine Geschichte interessieren sich nun auch Montan-Wissenschaftler.


Rätselraten um diesen Stollen in der Nähe des Grünen Sees
Markus Lösel
Redakteur Mürztal
28. Juni 2025,

„Wer weiß, was da drinnen war?“ Ein verlassener Stollen ganz in der Nähe des Grünen Sees machte zuletzt in Tragöß nicht nur Lost-Place-Fans neugierig. Auf einen Bericht der Kleinen Zeitung haben sich auch einige Leser sowie Montan-Experten gemeldet, um ihre Einschätzungen und Vermutungen zu teilen.
(Weiterer Inhalt im kostenpflichtigen Abo...)
Quelle: Rätsel um verlassenen Stollen beim Grünen See: Gipsabbau oder Bierlager?
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Nach weiterer Suche fand ich bisher keine Hinweise auf Bergbautätigkeit in "unmittelbarer Nähe" zum "Grünen See"!

Auf einem Kartenausschnitt eines ca. 35 Jahre alten Wanderführers fand ich ein Bergbausymbol ca. 1,7 km NW vom Grünen See bei der "Pfarrerlacke" am Weg ins Jassingtal bzw. am späteren Aufstieg zur Sonnschienalm am Hochschwabplateau:

1752517141264.jpeg
Ausschnitt aus Übersichtskarte "Rother Wanderführer - Hochschwab" 1990, S.40

Dieses Kartenzeichen "Bergbau/Bergwerk" bei der "Pfarrerlacke" fehlt bei allen aktuellen Karten diverser Maßstäbe!

Einen Hinweis auf Bergbautätigkeit fand ich schließlich auf der Ö-Karte von 1930:
Am Bergrücken oberhalb der Pfarrerlacke beginnt bei einigen Gebäuden eine Materialseilbahn, die vermutlich zum Abtransport dort geförderter
Bergbaumineralien/Erze ? diente. Ich bezweifle aber einen Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Stollenmundloch, da ja dieses mit "unmittelbarer Nähe, wenige Gehminuten, ganz in der Nähe usw." vom Grünen See beschrieben wird und der ehemalige Bergbau bei der Pfarrerlacke doch ca. 1,7 km entfernt liegt...

1752519056238.png
Ausschnitt historische Karte 1930 - Austrian Map

Interessant ist der Streckenverlauf der Materialseilbahn vom Bereich der Pfarrerlacke an den Hängen des Lammingtals abwärts mit Überquerung des Höhenrückens ins Sunktal, dort wieder entlang der Hangflanke talauswärts und dann mit 90° Winkel nach Vordernberg (Ende ca. Bereich Südkopf Bahnhof Vordernberg-Markt):
1752520325609.jpeg
1752520383927.jpeg
Ebenfalls Ausschnitte aus historischer Karte von 1930 - Austrian Map

Es tun sich nun die Fragen auf:
- Hängt der Bergbaubetrieb bei der Pfarrerlacke mit dem oben in den Printmedien gezeigten Stollenmundloch zusammen?
- Wenn nicht, was steckt tatsächlich hinter dem Stollen beim Grünen See?
- Was wurde im heimgefahrenen Bergbau bei der Pfarrerlacke abgebaut bzw. per Seilbahn nach Vordernberg befördert?


Bin gespannt, ob wir mit dem "Schwarmwissen" der Forumsmitglieder zu einer Lösung kommen?

lg
josef
 
Zuletzt bearbeitet:

wolfsgeist

Well-Known Member
#3
Zur Seilbahn hab ich was in den alten Zeitungen gefunden:
ANNO, Tagespost <Graz>, 1922-01-08, Seite 14

Tagespost <Graz>, 8. Januar 1922

Über Berg und Tal.
Eine neue steirische Seilbahn.

Ein herrlicher Frühlingstag im Dezember: von
ferne grüßt in der Nachmittagssonne die schneebedeckte
Meßnerin, an deren Fuße landschaftlich-reizvoll Tragöß-
Oberort liegt. Der hundertjährige Wald bei Tragöß
wird nun abgeholzt und weit hinten in der Jassing
geht von der Schlägerungsstelle eine interessant angelegte
Seilbahn nach Tragöß, deren stockhohe Masten und
Pyramiden die moderne Zeit kennzeichnen. Nur 2000 Fest
meter können mit dem Fuhrwerk täglich erbracht werden,
5000 Festmcter wird die Seilbahn täglich befördern
können. Die von der Jassing im Talbett des Lamming-
grabens und zwischen der Pfarreralm und Pfarrer
lacke befindliche Seilbahnstation ist der Ausgangspunkt
für die nach Oberort (Tragöß) führende Strecke. Sie
ist nur zur Holzförderung bestimmt,
doch können auch
andere Lasten mit eigens konstruierten Hüngewagen be
fördert werden. Tiefe Strecke ist als Pcnoelbahn ge
baut und führt von der Jassing über die große Schütt
am Pribitz beim grünen See vorbei über den Kreuz-
teich und endigt in die unterhalb des Kreuzteiches be-
findlichc Entladestation. Daselbst ist ein Dampfsäge-
wcrk gebaut. Die nötige Betriebscnergie liefert eine
liegende 100 PS Lanz-Sattdampslokomobile, oie auch
die Vollgatter betreibt. Ms Brennstoff werden die ab
fallenden Sägcspäne verwendet, die durch eine geeignete
Treppenrostvorseuerung und ein Gebläse zum Beheizen
der Lokomobile dienen. Die Bahn führt durch eines
der landschaftlich reizvollsten Gebiete der Hochschwab-
gruppe und ist mit sehr großen Schwierigkeiten—
besonders die große Schütt— gebaut worden. Die
Endstation der ganzen Seilbahnlinie liegt in Vordern-
berg-Markt am Staatsbahnhof mit einem eigenen
Rangiergleise und geht von Vordcrnbcrg in die Rötz.
Sie. ist bereits fertiggestellt, während die Verbindungs
bahn Rötz—Hieslcgg—Tragöß im Bau ist. Diese Linie
wirb durch ein fahrbares Lanz-Lokomobil, welches in
einem Maschinenbaus in der Rötz steht, betrieben. Im
Herbst 1922 dürfte bei einigermaßen günstigen Witle-
rungsverhältuissen die gesamte Seilbahustrccke, welche
zirka 18 Kilometer beträgt und durchwegs im Gebirge
liegt, vollendet sein und in Betrieb gesetzt werden.
Die
Linie Lassing—Tragöß und Rötz—Vordernberg sind
bereits im Betriebe.
Die Bahn, die von der österreichischen Seilbahn
gesellschaft in Wien gebaut wird, ist nicht die erste,
sondern es sind von dieser Gesellschaft bereits in Pon-
gratz, am Hochlantsch. in Mixnitz und St. Erhard
solche Seilbahnen in Betrieb. Welche Schwierigkeiten
sich der Montage entgegenstellen, wird.vom Laien oft
gar nicht bemerkt. Wenn man einmal die fertige Bahn
vor Augen hat und sieht, wie die schweren Stahlseile,
welche wie die Sehnen einer Armbrust gespannt sinv,
die Berge hinauf und hinab laufen, Täler, Schluchten,
Seen und Dolmen überbrücken und die Lasten ruhig
und sicher an ihren Bestimmungsort befördern, er
scheint einem das selbstverständlich. Hinsichtlich- ver
Rentabilitätsfrage kann man mit voller Gewißheit be
haupten, daß eine Seilbahn, welche gut fundiert und
mit erstklassigem Material ausgerüstet ist, sich in aller
kürzester Zeit amortisiert, wobei zu beobachten ist, daß
z. B. für die 17 Kilometer lange Strecke nur zwei
Streckengcher (Bedienstete) notwendig sind, während
bei einer Schmalspur- oder Vollbahn wenigstens fünf
Wächter mit Wächterhäusern unbedingt erforderlich sind.
Auch die Ersparnis an Lokomotiven, Waggons, Heiz
häusern und an Kosten einer Trasse für eine Eisen
bahn, welche bei den heutigen Verhältnissen Hunderte
von Millionen kosten würde, muß berücksichtigt werden.
Die Entladung der Nollzangen, welche die Baumstämme
fördern, geschieht durch eine automatische Transporteur
vorrichtung, welche direkt von der Zange weg den
Stamm in den Waggon befördert.
Ruhig liegt der grüne See da, der Seekofel, die
Pribitz Und der Trenchtling haben sich in Hermelin
gekleidet, um zu Leiveisen, daß es nicht nur in der
Schweiz, solcher» auch in unserer Steiermark pracht
voll schöne Berge gibt. Das tzieseleck, ein liebes Hospiz,
nimmt uns gastlich auf, ein guter Milchkaffee stärkt
uns und über die Rötz geht's nach Vordernberg. Von
der Höhe sehen wir im Tale gegen Trofaiach wieder
die Seilbahn, welche über drei Berge nach Vordernberg
geht und Tausende von Bloche zeigen uns den Holz
reichtum unseres Landes. Im Hotel Post wird gute
Rast gehalten und nächsten Tag geht's mit Steigeisen
auf den Präbichl. Der Reichenstcin, die Griesmauer,
der Polster grüßen im herrlichen Sonnenschein. Ver
träumt liegt das traute Eisenerz im Tal) Pfasfenstein,
Kaiferschild und Seemauer halten treue Wacht. Ein
dankbarer Blick nach dem cinzigschönen Leopoldsterner-
see, ein heißer Gruß an die lieben Berge und dann
geht's wieder heimwärts. Fritz Weiß.
 

wolfsgeist

Well-Known Member
#4
ich habe noch ein interessantes Dokument zur Seilbahn gefunden, u.a. mit Fotos von den Überresten der Träger
(c) Glesinger und Schwarz bzw. Stürm

Die Seilbahnen werden in mehreren Berichten erwähnt
• Eintrag des Servituts zur Führung einer Drahtseilbahn aufgrund des Vertrages vom 15.07.1922 zu
Gunsten der EZ 29 KG Rötz
• Von der Pfarreralm in der Jassing über die Schütt /südöstlicher Abhang der Piebitz/ Grünen See bis zum
Kreuzteich, von dort über das Hieselegg in den Rötzgraben, Gem. (einde) Hafning und von dort über den
Silberberg nach Vordernberg, Bez. Leoben, steht eine Drahtseilbahn in Bau und dürfte der Bau im Früh-
jahr 1922 beendet werden. Der Bau ist vom Gutsbesitzer Rudolf Leuzendorf unternommen, befindet sich
größtenteils auf dem Besitze des Leuzendorf und ist voraussichtlich für die Holzbeförderung aus dem
Leuzendorf´schen Besitz bestimmt. Im Frühjahr 1921 hat Leuzendorf auch mit dem Bau eines Sägewer-
kes am Kreuzteich begonnen und (dieses) dürfte ebenfalls im Frühjahr 1922 in Betrieb gesetzt werden.40
• 1921-1924 Bau der Seilbahn Pfarreralm-Tragöss-Rötz-Vordernberg41
• Das Leuzendorf’sche Sägewerk wurde wegen schlechten Geschäftsgangs mit Ausnahme der Drahtseil-
bahn eingestellt.
• Tödlicher Unfall bei der Seilbahn vom 09.01.1925
• 1930 Einstellung des Teilstücks Rötz-Vordernberg der Seilbahn44.
• 1930-1933 „Der Holztransport mit der Seilbahn hat nie klaglos funktioniert“ und „Ich konnte nachweisen,
dass ich mit Pferdefuhrwerk nach Trofaiach bedeutend billiger liefern konnte als mit der Seilbahn (nach
Vordernberg)
 

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Viruz

Active Member
#6
Nach ein bisschen googlen, (Stichworte: Stollen Grüner See) kommt man auf einen Facebook Post (in der Gruppe "Grüner See"), in dem dieses Thema ebenfalls diskutiert wird. Dort wird auch die ungefähre Lage des Stollens gezeigt (siehe Screenshot)

Auch in der Gruppe reichen die Spekulationen von Bergbau bis hin zu Bunkern.
Ein mir bekannter Montanhistoriker und Bergbauforscher, meint, dass es sich dabei nicht um einen Bergbau handelt, sondern um einen alten Kalkstollen, der später als Eiskeller für den Seehof benutzt wurde.
Screenshot_20250715_090714_Facebook.jpg
 

Viruz

Active Member
#7
Nach weiterer Suche fand ich bisher keine Hinweise auf Bergbautätigkeit in "unmittelbarer Nähe" zum "Grünen See"!

Auf einem Kartenausschnitt eines ca. 35 Jahre alten Wanderführers fand ich ein Bergbausymbol ca. 1,7 km NW vom Grünen See bei der "Pfarrerlacke" am Weg ins Jassingtal bzw. am späteren Aufstieg zur Sonnschienalm am Hochschwabplateau:

Anhang anzeigen 129844
Ausschnitt aus Übersichtskarte "Rother Wanderführer - Hochschwab" 1990, S.40

Dieses Kartenzeichen "Bergbau/Bergwerk" bei der "Pfarrerlacke" fehlt bei allen aktuellen Karten diverser Maßstäbe!

Einen Hinweis auf Bergbautätigkeit fand ich schließlich auf der Ö-Karte von 1930:
Am Bergrücken oberhalb der Pfarrerlacke beginnt bei einigen Gebäuden eine Materialseilbahn, die vermutlich zum Abtransport dort geförderter
Bergbaumineralien/Erze ? diente. Ich bezweifle aber einen Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Stollenmundloch, da ja dieses mit "unmittelbarer Nähe, wenige Gehminuten, ganz in der Nähe usw." vom Grünen See beschrieben wird und der ehemalige Bergbau bei der Pfarrerlacke doch ca. 1,7 km entfernt liegt...

Anhang anzeigen 129846
Ausschnitt historische Karte 1930 - Austrian Map

Interessant ist der Streckenverlauf der Materialseilbahn vom Bereich der Pfarrerlacke an den Hängen des Lammingtals abwärts mit Überquerung des Höhenrückens ins Sunktal, dort wieder entlang der Hangflanke talauswärts und dann mit 90° Winkel nach Vordernberg (Ende ca. Bereich Südkopf Bahnhof Vordernberg-Markt):
Anhang anzeigen 129849
Anhang anzeigen 129850
Ebenfalls Ausschnitte aus historischer Karte von 1930 - Austrian Map

Es tun sich nun die Fragen auf:
- Hängt der Bergbaubetrieb bei der Pfarrerlacke mit dem oben in den Printmedien gezeigten Stollenmundloch zusammen?
- Wenn nicht, was steckt tatsächlich hinter dem Stollen beim Grünen See?
- Was wurde im heimgefahrenen Bergbau bei der Pfarrerlacke abgebaut bzw. per Seilbahn nach Vordernberg befördert?


Bin gespannt, ob wir mit dem "Schwarmwissen" der Forumsmitglieder zu einer Lösung kommen?

lg
josef

Zu deinen Fragen meine Antworten:

- Hängt der Bergbaubetrieb bei der Pfarrerlacke mit dem oben in den Printmedien gezeigten Stollenmundloch zusammen?

NEIN

- Wenn nicht, was steckt tatsächlich hinter dem Stollen beim Grünen See?

Siehe meinen vorigen Post

- Was wurde im heimgefahrenen Bergbau bei der Pfarrerlacke abgebaut bzw. per Seilbahn nach Vordernberg befördert?

Laut Lagerstättenbübersicht wurde hier Gips abgebaut. Leider gibts dazu keine Details

Screenshot 2025-07-15 092717.jpg
 
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