EU hilft Grönland
Stationierung von Soldaten „starkes Signal“
Vor dem Hintergrund der US-Drohungen zur Übernahme Grönlands hat am Donnerstag auf der Arktik-Insel eine Erkundungsmission mehrerer europäischer NATO-Länder begonnen. So will man den USA zeigen, dass man Sicherheitsbedenken ernst nehme. Frankreich etwa sprach von einem „starken politischen Signal“ und stationierte bereits eigene Soldaten. Warnende Töne kamen unterdessen aus Russland.
Online seit gestern, 21.21 Uhr (Update: heute, 11.32 Uhr)
Teilen
EU hilft Grönland: Stationierung von Soldaten „starkes Signal“
Stationierung von Soldaten „starkes Signal“
Vor dem Hintergrund der US-Drohungen zur Übernahme Grönlands hat am Donnerstag auf der Arktik-Insel eine Erkundungsmission mehrerer europäischer NATO-Länder begonnen. So will man den USA zeigen, dass man Sicherheitsbedenken ernst nehme. Frankreich etwa sprach von einem „starken politischen Signal“ und stationierte bereits eigene Soldaten. Warnende Töne kamen unterdessen aus Russland.
Online seit gestern, 21.21 Uhr (Update: heute, 11.32 Uhr)
Teilen
Die bis Samstag geplanten Erkundungen werden explizit nicht als NATO-Mission bezeichnet. „Ein erstes Team französischer Soldaten ist bereits an Ort und Stelle und wird in den nächsten Tagen durch Land-, Luft- und Seestreitkräfte verstärkt“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag. Die Europäer hätten in Grönland eine „besondere Verantwortung“.
„Frankreich und Europa müssen ihre Interessen verteidigen, wo immer sie bedroht sind, ohne die Eskalation zu suchen“, so Macron. Frankreich habe daher entschieden, sich an der von Dänemark lancierten Militärübung in Grönland zu beteiligen. Er prangerte „einen neuen Kolonialismus“ bei „manchen aufseiten der Alliierten“ an, ohne Namen zu nennen.
15 französische Soldaten in Nuuk
Etwa 15 französische Soldaten seien bereits in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eingetroffen, sagte der französische Botschafter für den Nord- und Südpol, Olivier Poivre d’Arvor. Die Gebirgsjäger sollten eine gemeinsame Militärübung mit Soldaten anderer europäischer Länder vorbereiten. „Das ist ein starkes politisches Signal.“ Ziel sei es, „den USA zu zeigen, dass die NATO in Grönland präsent ist“. Zugleich gebe es weiter Gespräche mit den USA.
Ein Krisentreffen zwischen den USA, Dänemark und Grönland in Washington war am Mittwoch ergebnislos zu Ende gegangen, US-Präsident Donald Trump hält nach dänischen Angaben an seinen Plänen zur Aneignung von Grönland fest. Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen sagte nach dem Treffen, Trump wolle Grönland weiterhin „erobern“.
Beteiligung von Schweden und Norwegen
Die deutsche Bundeswehr hatte am Mittwoch die Entsendung von 13 Soldaten nach Grönland auf Einladung Dänemarks angekündigt, diese sollen am Freitag eintreffen. Den Angaben zufolge sollen sie dort die „Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region“ erkunden. Dabei gehe es etwa um Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung. Entscheidend dabei sei die enge Abstimmung mit den US-Partnern.
Auch die NATO-Länder Schweden und Norwegen kündigten ihre Beteiligung an der Mission an. Die Kommandeure hätten den Auftrag, die nächsten Etappen des Manövers „Operation Arctic Endurance“ vorzubereiten, schrieb Regierungschef Ulf Kristersson auf der Plattform X. Insgesamt seien daran Tausende Soldaten aus „mehreren verbündeten Ländern“ beteiligt.
Polen und Spanien zurückhaltend
Es werde erwartet, „dass ab heute und in den kommenden Tagen mehr NATO-Soldaten in Grönland präsent sein werden“, sagte Grönlands Vizeregierungschef Mute Egede am Mittwoch zu Journalistinnen und Journalisten. Es werde unter anderem „mit mehr Flugzeugen und Schiffen gerechnet“. Er fügte hinzu, es würden „Übungen“ abgehalten.
Polen werde keine Soldaten nach Grönland entsenden, sagte Ministerpräsident Donald Tusk. Ein Angriff eines NATO-Landes auf das Territorium eines anderen Landes wäre „das Ende der Welt, wie wir sie kennen“, fügte er aber zugleich Richtung Washington hinzu. Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles schloss eine spanische Beteiligung nicht aus, mahnte aber zur Vorsicht.
Reuters/Janis Laizans
Dänemark kündigte an, seine Militärpräsenz auf Grönland zu verstärken
EU: Dänemark könnte im Ernstfall Beistand verlangen
Unterdessen stellte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas fest, Deutschland und die anderen EU-Staaten könnten auf Antrag Dänemarks Beistand leisten müssen. Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs Dänemark und falle daher grundsätzlich unter die Klausel der gegenseitigen Solidarität nach Artikel 42, Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin gegenüber der dpa.
Zugleich betonte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. Grundsätzlich gilt eine militärische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mächtigsten Militärmacht der Welt anlegen würde. Brisant ist die öffentliche Festlegung dennoch.
Von der Leyen sichert Grönländern Unterstützung zu
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sicherte Grönland jedenfalls weitere Unterstützung der EU zu: „Grönland kann politisch, wirtschaftlich und finanziell auf uns zählen.“ Deshalb verstärke die EU ihre Investitionen und die Unterstützung Grönlands. Sie verwies dabei auf Budgetpläne, laut denen der Umfang der finanziellen Unterstützung für Grönland verdoppelt werden soll.
Dänische Regierungschefin: Situation ernst
Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte am Donnerstag, es bestehe weiter eine „grundlegende Meinungsverschiedenheit, da die Ambitionen der USA, Grönland zu übernehmen, nach wie vor bestehen“. Die Situation sei ernst, und Dänemark werde sich weiter darum bemühen, „zu verhindern, dass dieses Szenario Realität wird“. Kurz vor dem Krisentreffen im Weißen Haus hatte auch die dänische Regierung angekündigt, ihre Militärpräsenz auf Grönland zu verstärken. Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark, das wie die USA Teil der NATO ist. Eigene Streitkräfte hat die Arktis-Insel nicht.
Trump mit Warnung vor Russland und China
Trump hatte seinen Anspruch in den vergangenen Tagen nicht zuletzt geopolitisch begründet: „Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen“, sagte er. Der US-Präsident schloss auch militärische Mittel nicht aus.
Laut Rasmussen sind derzeit etwa 200 US-Soldaten in Grönland stationiert. Während des Kalten Krieges waren zu Spitzenzeiten rund 10.000 US-Soldaten auf Grönland. Sowohl die dänische als auch die grönländische Regierung hatten Washington angeboten, dass die USA ihre Militärpräsenz auch ohne Annexion erhöhen könnten. Die Europäer wollen die USA davon überzeugen, dass Grönland am besten im Rahmen der NATO geschützt werden kann.
IMAGO/Ritzau Scanpix/Thomas Traasdahl (Archivbild)
Bereits jetzt sind die USA auf Grönland militärisch präsent
Russland „besorgt“
Russland äußerte sich am Donnerstag angesichts der NATO-Präsenz in Grönland „besorgt“. „Die Entwicklung in den hohen Breitengraden bereitet uns große Sorge“, sagte die russische Botschaft in Belgien. Die westliche Militärallianz verstärke ihre Präsenz dort „unter dem falschen Vorwand einer zunehmenden Bedrohung durch Moskau und Peking“. Zugleich warnte die Sprecherin des russischen Außenministeriums vor einem Übergehen russischer Interessen in der Arktis.
Russland betrachtet Grönland als dänisches Territorium. Die Sicherheitslage um die Insel sei aus Sicht des Völkerrechts „außergewöhnlich“, erklärte das Präsidialamt in Moskau am Freitag zudem.
16.01.2026 red, ORF.at/Agenturen
„Frankreich und Europa müssen ihre Interessen verteidigen, wo immer sie bedroht sind, ohne die Eskalation zu suchen“, so Macron. Frankreich habe daher entschieden, sich an der von Dänemark lancierten Militärübung in Grönland zu beteiligen. Er prangerte „einen neuen Kolonialismus“ bei „manchen aufseiten der Alliierten“ an, ohne Namen zu nennen.
15 französische Soldaten in Nuuk
Etwa 15 französische Soldaten seien bereits in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eingetroffen, sagte der französische Botschafter für den Nord- und Südpol, Olivier Poivre d’Arvor. Die Gebirgsjäger sollten eine gemeinsame Militärübung mit Soldaten anderer europäischer Länder vorbereiten. „Das ist ein starkes politisches Signal.“ Ziel sei es, „den USA zu zeigen, dass die NATO in Grönland präsent ist“. Zugleich gebe es weiter Gespräche mit den USA.
Ein Krisentreffen zwischen den USA, Dänemark und Grönland in Washington war am Mittwoch ergebnislos zu Ende gegangen, US-Präsident Donald Trump hält nach dänischen Angaben an seinen Plänen zur Aneignung von Grönland fest. Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen sagte nach dem Treffen, Trump wolle Grönland weiterhin „erobern“.
Beteiligung von Schweden und Norwegen
Die deutsche Bundeswehr hatte am Mittwoch die Entsendung von 13 Soldaten nach Grönland auf Einladung Dänemarks angekündigt, diese sollen am Freitag eintreffen. Den Angaben zufolge sollen sie dort die „Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region“ erkunden. Dabei gehe es etwa um Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung. Entscheidend dabei sei die enge Abstimmung mit den US-Partnern.
Auch die NATO-Länder Schweden und Norwegen kündigten ihre Beteiligung an der Mission an. Die Kommandeure hätten den Auftrag, die nächsten Etappen des Manövers „Operation Arctic Endurance“ vorzubereiten, schrieb Regierungschef Ulf Kristersson auf der Plattform X. Insgesamt seien daran Tausende Soldaten aus „mehreren verbündeten Ländern“ beteiligt.
Polen und Spanien zurückhaltend
Es werde erwartet, „dass ab heute und in den kommenden Tagen mehr NATO-Soldaten in Grönland präsent sein werden“, sagte Grönlands Vizeregierungschef Mute Egede am Mittwoch zu Journalistinnen und Journalisten. Es werde unter anderem „mit mehr Flugzeugen und Schiffen gerechnet“. Er fügte hinzu, es würden „Übungen“ abgehalten.
Polen werde keine Soldaten nach Grönland entsenden, sagte Ministerpräsident Donald Tusk. Ein Angriff eines NATO-Landes auf das Territorium eines anderen Landes wäre „das Ende der Welt, wie wir sie kennen“, fügte er aber zugleich Richtung Washington hinzu. Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles schloss eine spanische Beteiligung nicht aus, mahnte aber zur Vorsicht.
Dänemark kündigte an, seine Militärpräsenz auf Grönland zu verstärken
EU: Dänemark könnte im Ernstfall Beistand verlangen
Unterdessen stellte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas fest, Deutschland und die anderen EU-Staaten könnten auf Antrag Dänemarks Beistand leisten müssen. Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs Dänemark und falle daher grundsätzlich unter die Klausel der gegenseitigen Solidarität nach Artikel 42, Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin gegenüber der dpa.
Zugleich betonte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. Grundsätzlich gilt eine militärische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mächtigsten Militärmacht der Welt anlegen würde. Brisant ist die öffentliche Festlegung dennoch.
Von der Leyen sichert Grönländern Unterstützung zu
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sicherte Grönland jedenfalls weitere Unterstützung der EU zu: „Grönland kann politisch, wirtschaftlich und finanziell auf uns zählen.“ Deshalb verstärke die EU ihre Investitionen und die Unterstützung Grönlands. Sie verwies dabei auf Budgetpläne, laut denen der Umfang der finanziellen Unterstützung für Grönland verdoppelt werden soll.
Dänische Regierungschefin: Situation ernst
Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte am Donnerstag, es bestehe weiter eine „grundlegende Meinungsverschiedenheit, da die Ambitionen der USA, Grönland zu übernehmen, nach wie vor bestehen“. Die Situation sei ernst, und Dänemark werde sich weiter darum bemühen, „zu verhindern, dass dieses Szenario Realität wird“. Kurz vor dem Krisentreffen im Weißen Haus hatte auch die dänische Regierung angekündigt, ihre Militärpräsenz auf Grönland zu verstärken. Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark, das wie die USA Teil der NATO ist. Eigene Streitkräfte hat die Arktis-Insel nicht.
Trump mit Warnung vor Russland und China
Trump hatte seinen Anspruch in den vergangenen Tagen nicht zuletzt geopolitisch begründet: „Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen“, sagte er. Der US-Präsident schloss auch militärische Mittel nicht aus.
Laut Rasmussen sind derzeit etwa 200 US-Soldaten in Grönland stationiert. Während des Kalten Krieges waren zu Spitzenzeiten rund 10.000 US-Soldaten auf Grönland. Sowohl die dänische als auch die grönländische Regierung hatten Washington angeboten, dass die USA ihre Militärpräsenz auch ohne Annexion erhöhen könnten. Die Europäer wollen die USA davon überzeugen, dass Grönland am besten im Rahmen der NATO geschützt werden kann.
Bereits jetzt sind die USA auf Grönland militärisch präsent
Russland „besorgt“
Russland äußerte sich am Donnerstag angesichts der NATO-Präsenz in Grönland „besorgt“. „Die Entwicklung in den hohen Breitengraden bereitet uns große Sorge“, sagte die russische Botschaft in Belgien. Die westliche Militärallianz verstärke ihre Präsenz dort „unter dem falschen Vorwand einer zunehmenden Bedrohung durch Moskau und Peking“. Zugleich warnte die Sprecherin des russischen Außenministeriums vor einem Übergehen russischer Interessen in der Arktis.
Russland betrachtet Grönland als dänisches Territorium. Die Sicherheitslage um die Insel sei aus Sicht des Völkerrechts „außergewöhnlich“, erklärte das Präsidialamt in Moskau am Freitag zudem.
16.01.2026 red, ORF.at/Agenturen
EU hilft Grönland: Stationierung von Soldaten „starkes Signal“




