Tulln Airbase ( heute Brumowski )

#1
Hallo in die Runde,

Interessant fand ich folgenden Link ueber die US Basis in Tulln, von 1945 bis 1955:

http://www.home.earthlink.net/~tullnab/

Der Flughafen lag komplett in der russischen Zone.
Bermerkenswert ist auch dass die US Army oftmals daran dachte, in Stadtgebiet von Wien einen Flughafen zu bauen. In diesem Zusammenhang wurde auch der Abriss von manchen Gebaeuden in Wien diskutiert ( etwa Karl Marx Hof, im 19. Bezirk), zumindest lt. den Buechern von Hugo Portisch.
 
R

Rittermann

Guest
#2
Nu, ja: ich bin beim Hubschraubergeschwader 3 in Langenlebarn eingerückt und da das nicht unbedingt die unangenehmste Zeit war, bin ich an G´schichten über den Fliegerhorst immer interessiert. Aber die Geschichte über einen Fliegerhorst im 19. Bez. finde ich rein technisch ein bisserl unglaubwürdig:

a) Der Platz ist nicht gerade durchgängig eben, sondern steigt ab der Heiligenstädter Str. ziemlich steil an; d. h. es ist nur eine Piste entlang der Donau möglich; d. h. wiederum: man kann nur bei bestimmten Windsituation starten.

b) der Bereich Heiligenstadt liegt genau im Bereich der "Winddüse Wien", die von Leopoldsberg und Bisamberg gebildet wird. Ich weiß nicht, ob man dort was gebaut hätte.

c) Lagen (und liegen) dort die Gleise der Bahn, die das Gelände weiter einschränken und auch rein strategisch ist es weniger günstig, zwei Knotenpunkte (Heiligenstadt) zusammenzulegen.
 
#3
@Rittermann

Die Sache rund um eine Landebahn in Heiligenstadt bzw. im 19. Bezirk von Wien geht aus einer anderen Sache hervor:

In Berlin herrschte die Blockade, in welcher Berlin nur via Flugzeug versorgt wurde.

Wien wurde ganze 2 Tage blockiert. Die West-Maechte bzw. die Alliierten ueberlegten ebenfalls verschiendeste Szenarien wie man Wien waehrend einer laengeren Blockade versorgen konnte. Der Gedanke einzelne Gebauede abzureissen, ( etwa entlang der Waehringer Strasse oder den Karl Marx Hof) kam daher, dass der US Flughafen ausserhalb der US Besatzungszone lag.

Diese Informationen habe ich aus einem Buch von Hugo Portisch entnommen, indem er die Besatzungszeit von Oesterreich beschreibt. Den Tiltel des Buches kenne ich nicht mehr genau, entweder "Oesterreich II" oder " der lange Wiederaufbau" oder so...
 
#4
Die Landebahn gab es wirlich sie wurde aber nur von kleinen Kurierflugzeugen angeflogen und stellte die Verbindung Tulln Air Base Wien her. Es kam auch zu einem tödlichen Unfall bei einer Landung auf Grund der relativ schlechten Verhältnisse. Das Flugzeug stürzte in den Donaukanal.
Das waren aber nicht die einzigen Landebahnen in Wien (zB. Schloß Schönbrunn).

cerberus9
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
Projektierte Flugplätze der westalliierten Besatzungsmächte in Wien

Neben den von @Cerberus9 schon angesprochenen "Landestreifen für einmotorige Maschinen" an der Donaukanallände in Heiligenstadt (US-Zone) und zwischen Wienfluß und Schloss Schönbrunn (britische Zone) gab es jede Menge Planungen der Alliierten zur Errichtung von Pisten für zwei- und viermotorige Transportmaschinen:

Heiligenstädterstraße
Dornbach - Alszeile
Unter Sievering - Bereich Krottenbachstraße/Hackenberggasse
Plateau des Nußberges
Schlosspark Schönbrunn
Simmeringer Haide

lg
josef


P.S.: Später mehr...
 
#6
Flugplätze in Wien

Zu den geplanten Flugplätzen in Wien empfehle ich als weiterführende Literatur das Buch „Österreich im frühen kalten Krieg 1948-1953“
von Erwin A. Schmiedl (Herausgeber) in Zusammenarbeit mit dem Militärwissenschaftlichen Büro des Bundesministeriums für Landesverteidigung Böhlau-Verlag 2000

Insbesondere das Kapitel „Rosinenbomber über Wien – Alliierte Pläne zur Luftversorgung Wiens im Falle einer sowjetischen Blockade 1948-1953“

Durch einen „Zufallsfund“ des Autors in amerikanischen und britischen Archiven kann dieses Kapitel der Nachkriegsgeschichte Österreichs etwas „erhellt“ werden.

Kurz zusammengefasst: Bereits kurz vor der sowjetischen Blockade Berlins wurden durch den kommandierenden General der U.S. Forces in Austria (USFA) als Teil des „Protective Security Plan“ Überlegungen angestellt, wo man in Wien für den Fall einer Blockade Flugplätze anlegen könnte, da sich die Flugplätze der westlichen Alliierten ja allesamt im russischen Sektor außerhalb von Wien befanden, welche im Blockadefall zur Versorgung Wiens nicht zur Verfügung stehen würden. (Es gab 1948 eine Blockade, die allerdings nur 48 Stunden dauerte!) Die bestehenden Landestreifen in Wien, Nussdorf – Heiligenstädter Straße (da war ja der „Karl-Marx-Hof im Weg) und beim Schloss Schönbrunn (lt. Britischen Akten „.. the austrian Shrine“, den abzureißen, das wollte man uns Österreichern dann doch nicht antun“) erwiesen sich für den Ausbau für größere Flugzeuge als ungeeignet.

Der erste Vorschlag bezog sich auf die Alszeile im damals noch wenig bebauten Dornbach, welche aufgrund geografischen Gegebenheiten (Schafberg) nur im Sichtflugverfahren (VFR) angeflogen hätte werden können. Dadurch wäre im Winter nur eine 50%-ige Nutzbarkeit gegeben gewesen und außerdem gab es in der näheren Umgebung unzureichende Lade- bzw. Lagereinrichtungen. Während es im amerikanischen Sektor keine Möglichkeiten gab, einen größeren Flugplatz errichten zu können, wurde man im britischen Sektor, genauer gesagt im 11. Bezirk in der Simmeringer Haide bei Kaiserebersdorf, welches hauptsächlich unbebaut und nur landwirtschaftlich genutzt wurde, fündig.

Die Planungen dazu wurden „Streng geheim“ geführt. Geplant wurden Zwei mit Stahl- bzw. Aluminium-Platten befestigte Start- und Landebahnen in der Länge von jeweils 5000ft, damit auch größere Flugzeuge, wie die viermotorigen Flugzeuge vom Typ C-54/DC-4 starten bzw. landen könnten. Dazu noch eine Graspiste für kleinere Kurier- und Verbindungsflugzeuge.
Der Plan wurde am 26. Juli 1948 vom „Director of Plans and Operations“ im Pentagon bewilligt und als „Top Secret“ eingestuft.
Es wurden bei US-Command in Heidelberg im Laufe der Zeit mehr als 200.000m2 Stahl- bzw. Aluminiummatten für die Landebahnen angefordert, welche in den nächsten Wochen und Monaten nach Wien gebracht und dort deponiert wurden, des weiteren die dazu benötigte technische Ausrüstung (Radar und Funk) für den Betrieb eines Flughafen.
Aus Gründen der Geheimhaltung wurden diese nicht direkt im 11. Bezirk gelagert und auch weitere Arbeiten in Kaiserebersdorf wurden aus demselben Grund nicht durchgeführt.
Parallel dazu wurden mehr als 28 Lagerhäuser in den westlichen Sektoren Wiens errichtet und mit Versorgungsgütern für die alliierten Truppen in Wien sowie die gesamte Bevölkerung Wiens angelegt, da man mit einer Errichtungsdauer bis zur Inbetriebnahme des Flughafens von ca. 90 Tagen rechnete.

Geplant war, die Versorgungsflüge zur Gänze von Linz-Hörsching durchzuführen.
Parallel dazu hätten dann die Briten von Zeltweg bzw. Klagenfurt aus die eigenen Truppen in Wien mittels Lufttransporten versorgt.

Damit man weiß, in welchen Dimensionen die Alliierten mit einer Notversorgung Wiens gerechnet haben, nur ein Beispiel:

Wien – nur westliche Sektoren: 3.235t täglich - ganz Wien alle Sektoren: 4230t täglich

(man hätte auch die Bevölkerung im sowjetischen Sektor nach Möglichkeit mitversorgt!)

Zum Glück wurde diese Blockade niemals Wirklichkeit, da aus amerikanischer Sicht eine gleichzeitige Versorgung Berlins und Wiens unmöglich gewesen wäre und später Anfang 1950 durch die Ereignisse in Korea die dazu erforderlichen Lufttransportkapazitäten nicht zur Verfügung gestanden hätten.
 
#7
@fruchtzwerg68

Welche Moeglichkeiten hatten die Alliierten West-Maechte Wien zu versorgen, abgesehen von den angesprochenen Flughaefen?

Gab es bestimmte Korridor-Strecken, bestimmte Strassen oder Eisenbahnlinien durch die sovjetische Zone?
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#9
Projektierte Flugplätze in Wien 1948 - 51

Als Ergänzung zum Beitrag von @fruchtzwerg68:

Grundsätzlich ist zu sagen, dass keines der Flugplatzprojekte zur Abwicklung von Flügen mit mehrmotorigen Maschinen im unmittelbaren Stadtgebiet von Wien verwirklicht wurde! Am weitestens wurde das Projekt in der Simmeringer Haide vorangetrieben bzw. vorbereitet – siehe auch vorgenannten Beitrag.

Nun noch einige interessanten Details zu den einzelnen in Erwägung gezogenen Standorten:

Heiligenstädterstraße:
Schaffung einer Start- und Landebahn auf der Achse der Heiligenstädterstraße, Entfernung störender Bauwerke, so wurde auch der Abriss des „Karl-Marx-Hofes“ in Erwägung gezogen, um Platz für Flugzeugabstellplätze zu schaffen. Als Lagerfläche für einzufliegende Versorgungsgüter sollte der Sportplatz auf der „Hohen Warte“ dienen. Die bestehende Landefläche für Kleinflugzeuge an der Donaukanallände sollte ebenfalls für weitere Manipulationsflächen ausgebaut werden und mit Taxiways (Unterführung der Bahnanlagen!) mit der Heiligenstädterstraße verbunden werden. Das Vorhaben wurde dann aber als unrealistisch eingestuft, man fürchtete die negative Reaktion der Bevölkerung wegen der Schleifung des großen Gemeindebaues bzw. die propagandistische Ausschlachtung durch die sowjetische Besatzungsmacht…

Dornbach – Alszeile:
Die nächste Untersuchung seitens der Alliierten erstreckte sich auf die Alszeile in Dornbach. Wegen der topografischen Gegebenheiten wären hier nur Flugbewegungen unter Sichtflugbedingungen ((VFR) möglich gewesen =>siehe Vorbericht.


Schließlich wurden geländemäßig weit günstigere Flächen in Simmering in die engere Auswahl gezogen. Diese Planungen fanden alle unter dem Aspekt der Berliner Blockade ab Juni 1948 statt. Da eine solche Vorgangsweise in Wien doch nicht stattfand, man den Sowjets aber nach wie vor nicht traute, begann man 1950 mit einer neuerlichen Suche bzw. Neubewertung von geeigneten Fluplatzflächen, wobei Heiligenstädterstraße und Alszeile aus vorgenannten Gründen bereits ausschieden.

Nußberg – Wien 19. Bezirk:
3.600 m Landepiste am Plateau des Nußberges
Vorteile: Dünne bis gar keine Besiedlung (Weinbaugebiet), nur max. 3 störende Baulichkeiten im Umfeld, durch erhöhte Lage weniger Nebel und Dunst als in Tallage, günstige Transportmöglichkeiten ohne Transversierung sowjetischer Besatzungsgebiete, ideale Windverhältnisse der geplanten Piste in NW-SO Richtung…
Nachteile: Anlage einer zweiten Piste nicht möglich, wegen Hang- bzw. Höhenlage ungünstige Thermik, es hätten umfangreiche Erdbau- und Nivellierungsarbeiten durchgeführt werden müssen, Material vor Ort nicht für Pistenunterbau geeignet und hätte zugeführt werden müssen, schlechte Straßenanbindung, Neigungsverhältnis/Höhenunterschied der Piste auf die Gesamtlänge bezogen von 5 %...

Krottenbachstraße:
Hier wurde ein Gebiet mit Gärten zwischen Krottenbachstraße und Und Hackenberggasse untersucht.
Vorteile: Lage im US-Sektor, keine großen Nivellierungsarbeiten nötig, Straßennetz ausreichend…
Nachteile: Schleifung von bis zu 35 Gebäuden, Aussiedlung von ca. 100 Familien, Keine Erweiterungsmöglichkeiten, Anflugbedingungen aus W sehr ungünstig, Witterungsbedingungen/Sicht durch die Tallage unbeständig, Neigungsverhältnis/Höhenunterschied der Piste auf die Gesamtlänge bezogen von 3 %...


Schlosspark Schönbrunn:
Möglichkeit zur Anlage von 2 3.600 Fuß (1.097 m) langen Pisten mit nötigem Taxiway!
Vorteile: Keine Nivellierungsarbeiten notwendig, wenig störende Objekte im Anflugbereich, Ausbaumöglichkeit (2. Piste), geringere Baukosten gegenüber den Vorprojekten, Heranziehung der Baulichkeiten des Schlosses Schönbrunn für Personal usw. …
Nachteile: Der Tiergarten hätte umgesiedelt werden müssen, Zerstörung des Gesamtbildes des Schlossbezirkes von Schönbrunn…


Als Favorit ging schließlich ein Gelände im britischen Sektor in Wien 11. Bezirk, Simmeringer Haide, Bereich „Obere Neurissen“, hervor:
Vorteile: Landwirtschaftlich genutztes Gebiet, ebene Flächen, Kies und Schottermaterial für Unterbau ausreichend vorhanden, genügend Erweiterungsmöglichkeiten (2 Pisten bis 6.000 Fuß möglich, Abstellplatz von 79 x 610 m möglich, gute Infrastruktur durch Straße und Schiene usw. …
Nachteile: Verbindung zu den übrigen Westsektoren nur über den interalliierten Sektor (1. Bezirk) möglich, sonst grenzte das Areal rundum an den Sowjet-Sektor, Absiedelung von bis zu 50 Gärtnerei-Betrieben, Umlegung von Hochspannungsleitungen…

In Abänderung zu den 1948iger Planungen sollten die ab 1950 projektierten Pisten nicht mehr mit Stahl- bzw. Aluminium-Platten (Pierced Steel Planking – PSP) ausgelegt werden, sondern in Asphaltausführung.

Anfang 1951 wurde die Baufirma „Pittel und Brausewetter“ mit Vermessungsarbeiten des Geländes betraut, am 30.11.1951 wurde dann dem damaligen Bundeskanzleramt von US- und britischer Seite mitgeteilt, dass das Projekt nicht ausgeführt wird!

Soweit eine unvollständige Kurzfassung der damaligen Gegebenheiten…

Noch ein Literaturhinweis zum Thema: Richard Hufschmied „Wien im Kalkül der Alliierten (1948-1955) – Maßnahmen gegen eine sowjetische Blockade“, neuer wissenschaftlicher Verlag Wien-Graz 2002, ISBN 3-7083-0077-7

Lg
josef
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#10
Britischer Landeplatz Küniglberg

Weiterer Landeplatz für alliierte Kleinflugzeuge im Stadtgebiet von Wien:
Am Gelände der ehemaligen Flak-Kaserne am Küniglberg im 13. Bezirk, heute ORF-Zentrum, richteten die britischen Besatzungstruppen ebenfalls einen knapp 300 m langen Landestreifen für einmotorige Flugzeuge ein. Diese Piste wurde im Gegensatz zu den Anlagen am Donaukanal in Heiligenstadt und beim Schloss Schönbrunn nur selten für Kurierflüge benutzt.

Den Hinweis fand ich ebenfalls im Buch von R. Hufschmied „Wien im Kalkül der Alliierten (1948-1955) – Maßnahmen gegen eine sowjetische Blockade“, ISBN 3-7083-0077-7
Lg
josef
 
#11
@josef

Das Thema "Blockade von Wien" durch die Sovjets duerfte die West-Maechte, nicht nur hinischtlich der Versorgung durch Flugverkehr, in Wien immens beschaeftigt haben, da man durchaus daran dachte, dass das was in Berlin geschehen sei, auch in Wien moeglich waere.

Dem Sachverhalt steht die Vermutung entgegen, dass die Sovjets vermutlich nie wirklich an einer langfristigen Teilung ( wie BRD und DDR ) interessiert waren, da man theorisierte, dass Ost-Oesterreich ( sovjetische Zone ) alleine als Staat kaum ueberlebensfaehig gewesen waeren und West- Oesterreich ( US-UK-F Zone ) vermutlich die Naehe zur BRD gesucht haette, ebenfalls auf Grund der Groesse des verbliebenen Staatsgebietes, und dies wollte man meines Wissens grundsaetzlich nicht. Es war fuer die Besatzungsmaechte ganz klar, dass Oesterreich keine politischen Verbinungen zu Deutschland suchen sollte oder auch durfte.

Meines Wissens wurden Personen-Kontrollen zwischen Soviet-Zone und den besetzten Gebieten der West-Alliierten bereits vor dem Staatsvertrag 1955 aufgehoben, - oder liege ich hier falsch? ; waehrend man innerhalb BRD und DDR den Uebertritt verschaerfte.

Oesterreich hatte meines Erachtens eine deftige Portion "Glueck im Unglueck" die Neutralitaet 1955 zugesprochen zu bekommen, und frei zu werden.

1956 - nur ein Jahr spaeter - war der Aufstand in Ungarn, haette dieser bereits 1954 stattgefunden, waehre der Staatsvertrag fuer Oesterreich weitaus schwieriger gewesen.

Aengste kammen auch 1968 auf, insbeondere hinsichtlich der sovietischen Antwort auf den Prager Fruehling.

Was waere passiert, wenn die Soviet Truppen ueber Oesterreich hinweg-gezogen waeren? - welche Staerke hatte damals das oesterreichische Bundesheer?
 
W

WA1971

Guest
#12
Peter hat geschrieben:
Meines Wissens wurden Personen-Kontrollen zwischen Soviet-Zone und den besetzten Gebieten der West-Alliierten bereits vor dem Staatsvertrag 1955 aufgehoben, - oder liege ich hier falsch? ; waehrend man innerhalb BRD und DDR den Uebertritt verschaerfte.
Meines Wissens wurden die Ausweiskontrollen an den Grenzen zwischen den Westzonen und der Sowjetzone mit Ende Mai 1953 eingestellt. An den Wiener Sektorengrenzen endeten sie schon früher (so sie überhaupt je konsequent eingeführt wurden).
Man darf dabei nicht übersehen, dass den Anlass für die Blockade und die anschließende Teilung Berlins - noch vor Installierung der DDR durch die Sowjets - die Währungsreform im Machtbereich der Westalliierten lieferte, die gegen den erklärten Willen der UdSSR auch in West-Berlin vollzogen wurde. Ein solches Problem stellte sich in Österreich beispielsweise nie.
 
#13
Meine Grosseltern verbrachten nach dem Krieg regelmaessig am Dachstein Sommer-Urlaub (Ramsau). Genaues Datum weis ich nicht, vermute mal ab 1952 regelmaessig.

Die Reise dorthin ging von der sovjetischen Zone in die amerikanisch und schliesslich in die Britische. Auto hatte man damals keines, Anreise per Eisenbahn und die letzte Strecke mit dem Bus.

Lt. Kindheits-Erinnerungen meines Vaters wurde insbs. an der Enns genauer kontrolliert, jedes Jahr wurden aber die Kontrollen lockerer, und dies vor dem Staatsvertrag.

Welche Waehrung hatte eigentlich Oesterreich in der Zeit von 1945 bis 1955?
 
W

WA1971

Guest
#14
Peter hat geschrieben:
Welche Waehrung hatte eigentlich Oesterreich in der Zeit von 1945 bis 1955?
Den Schilling.

Die Nationalbank beschreibt die Umstellung in einer währungsgeschichtlichen Darstellung auf ihrer Website so:

"Die Regelung des Währungswesens war eine der vorrangigen wirtschaftspolitischen Aufgaben nach dem Ende des Krieges und der Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Herrschaft 1945. Ein erster Schritt zur Wiederherstellung des Schillings wurde mit der Trennung des Währungsbereichs von der Reichsmark getan. Gleichzeitig musste ein gewaltiger Geldüberhang neutralisiert werden. Neben den umlaufenden Reichsmark hatte die Ausgabe einer Art Übergangsgeld, des „Alliierten Militärschillings“, zu einer weiteren Aufblähung des Geldvolumens geführt. Der im Vergleich zu 1938 geringeren Gütermenge stand eine um etwa das Sechsfache gesteigerte Geldmenge gegenüber.

Am 3. Juli 1945, zugleich mit der Inkraftsetzung des Statuts der Oesterreichischen Nationalbank, wurde durch das Schaltergesetz die Verfügung über Einlagen stark eingeschränkt. Knapp fünf Monate später, am 30. November 1945, legte das Schillinggesetz einen Umtausch der Reichsmark und der „Alliierten Militärschillinge“ in Schilling im Verhältnis von 1:1 fest (wobei pro Kopf nur 150 Schillinge bar ausbezahlt wurden und der Rest einem beschränkt verfügbaren Konto gutgeschrieben wurde). Nach der Einziehung der Reichsmark und der „Alliierten Militärschillinge“ war der Schilling alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel."

Quelle: http://www.oenb.at/de/ueber_die_oen...schichte/schilling/vom_schilling_zum_euro.jsp
 
#15
Was war mit der Donau?

Diese ist doch internationales Handelsgewässer. Haben die Russen damals die Donau ebenfalls blockiert?
Ansonsten hätten die Amerikaner doch Wien via Schifffahrt versorgen können.
Die DDSG war in russischer Verwahrung, doch alliierte Schiffe hätten passieren dürfen, oder?
Ausnahme natürlich die in Linz verankerten DDSG Schiffe, welche man nicht flussab in die russische Zone fahren lassen hat, da diese ansonsten von den Soviets beschlagnahmt worden wären.
 
S

Steyrfan

Guest
#16
Die Donau war blockiert

Durch die Kriegsereignisse war die Donau in Österreich auf fast der gesammten Länge durch zerstörte Brücken und versenkte Schiffe Unpassierbar. Die Aufräumarbeiten dauerten bis in die frühen 50er Jahre.
Auch wäre es für die Russen ein leichtes gewesen die Fahrrinne der Donau durch versenken von Hindernissen zu Blockieren, da die Donau durch russisch besetztes Gebiet führte.
 
W

WA1971

Guest
#17
werner hat geschrieben:
Diese ist doch internationales Handelsgewässer. Haben die Russen damals die Donau ebenfalls blockiert?
Ansonsten hätten die Amerikaner doch Wien via Schifffahrt versorgen können.
Die DDSG war in russischer Verwahrung, doch alliierte Schiffe hätten passieren dürfen, oder?
[Rest geschnippt]
Die Donau ist seit dem Friedensvertrag von St.Germain ein internationalisiertes Gewässer, was aber praktisch nur heißt, dass Österreich kein ausschließliches Recht hat, zu entscheiden, welches Schiff unter welcher Flagge den Strom in Österreich befahren darf. Die Schifffahrtspolizei, also die Regelung und Sicherung des Schifffsverkehrs, ist aber eine nationale hoheitliche Aufgabe (konnte also von 1945 bis 1955 nur unter allierter Aufsicht ausgeübt werden).
Der Witz war, dass die UdSSR während der Berliner Blockade keine Skrupel zeigte, zirka ein Dutzend und mehr interalliierter Abmachungen und internationaler Verträge zu brechen. Die einzige Schwelle, vor der Stalin und seine Helfer zurückschreckten, war das Begehen aktiver Kriegshandlungen, also das Eröffnen des Feuers auf die Flugzeuge der Westalliierten. Das hatten letztere psychologisch ganz richtig abgeschätzt - und gleichzeitig ist klar, dass die Amerikaner, Briten und Franzosen umgekehrt ebensowenig bereit waren, die Passage auf dem Landweg nach (West-)Berlin mit Gewalt zu erzwingen.
Man kann sich daher leicht ausrechnen, wie die Chancen gestanden wären, "West-Wien" ohne eigenen Flugplatz auf dem Wasserweg zu versorgen.
 
S

Steyrfan

Guest
#18
Die Donaukommission die über den internationalen Status der Donau wachte, löste sich wärend des Krieges auf und die Donau war wieder ein Fluss wie jeder andere, da das internationale Donauregime bei jedem Krieg unwirksam wurde.

Ein neue Donaukonvetion wurde erst wieder 1948 in Belgrad geschlossen. Dieser Vertrag war für die Westallierten nicht zufriedenstellend, da nur Anreinerstaaten beitreten durften und Nichtuferstaaten im gesatz zum Vertrag von 1921 nicht mehr zugelassen waren. Österreich konnte erst nach dem Staatsvertrag beitreten.

Ab Juli 1952 durften österreichische Schiffe unter österreichischer Flagge auf sovietischem Gebiet fahren. Dies regelte ein Vertrag zwischen Österreich und der Sovietunion worin ausdrücklich ein Verbot war, den Transport von Kriegsmaterial, wie auch Güter und Militär der anderen Besatzungsmächte durchzuführen. Ebenso wurde fesgehalten das alle Schiffe an den Demarkationslinien von den Soviets kontroliert werden.
 
#19
Steyrfan hat geschrieben:
Ab Juli 1952 durften österreichische Schiffe unter österreichischer Flagge auf sovietischem Gebiet fahren. Dies regelte ein Vertrag zwischen Österreich und der Sovietunion worin ausdrücklich ein Verbot war, den Transport von Kriegsmaterial, wie auch Güter und Militär der anderen Besatzungsmächte durchzuführen. Ebenso wurde fesgehalten das alle Schiffe an den Demarkationslinien von den Soviets kontroliert werden.

Da bin ich mir nicht wirklich sicher.

Meines Wissens durfte beispielsweise die DDSG lange (Anfgang der 80iger Jahre ) nicht nach Ost-Europa auf der Donau fahren. Also nicht Budapest, Belgrad (Save) bis hinunter ans Schwarze Meer.
 
S

Steyrfan

Guest
#20
Peter hat geschrieben:
Da bin ich mir nicht wirklich sicher.

Meines Wissens durfte beispielsweise die DDSG lange (Anfgang der 80iger Jahre ) nicht nach Ost-Europa auf der Donau fahren. Also nicht Budapest, Belgrad (Save) bis hinunter ans Schwarze Meer.
Kannst es selbst nachlesen. Akt dazu im Österreichischen Staatsarchiv, betreffend "Stand der Verhandlungen betreffend die Aktivierung der Donauschiffahrt". Darin ist die Übersetzung eines Schreibens des stellvertretenden Hochkommissär der UdSSR für Österreich W. Kraskewitsch an Bundeskanzler Leopold Figl vom 04.07.1952.

Zitat für den Akt: Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik/Bundeskanzleramt Präsidium Zl. 3488/PrM/1952
 
Oben