W.A.F. -LKW 3,5 t der k.u.k. Armee im HGM wieder fahrtauglich gemacht

josef

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#1
Fast aller Laster Anfang
Der Stolz des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien ist ein fabriksneuer Lastwagen aus 1917 – fahrbereit, ein rollendes Dokument für über 100 Jahre heimische Geschichte.
Es war eine automobile Weltsensation, als bei der jährlichen Sonderschau des Heeresgeschichtlichen Museums Auf Rädern und Ketten ein grün lackierter Lastwagen aus dem Jahr 1917 mit originaler Kennzeichentafel die ersten Straßenmeter seiner Laufbahn zurücklegte. Optisch nicht so attraktiv wie die Kettenfahrzeuge des Bundesheeres, aber wann erlebt man schon die Jungfernfahrt eines neuen Fahrzeuges, welches 101 Jahren nach seiner Herstellung erstmals bewegt wird.

Wiener Automobil-Fabrik
Rückblende ins Jahr 1917. Zehn Lastwagen mit 3,5 Tonnen Nutzlast für die k. u. k. Armee werden in die Kaserne Korneuburg ausgeliefert. Hersteller: die Wiener Automobil-Fabrik (WAF), gegründet 1911, geschlossen 1925, bekannt durch elegante Limousinen, die erfolgreich an den Alpenfahrten 1912 und 1914 teilnehmen. Mit Kriegsausbruch spezialisiert sich die Fabrik auf die Lasterproduktion, Hauptabnehmer ist die Armee. Leichtere Varianten mit 1,5, zwei und drei Tonnen Nutzlast verfügen über Kardanantrieb, bei schwereren Tonnagen erfolgt der Antrieb der Hinterachse über Ketten, dazu gehört auch unser "Überlebender".

Startschwierigkeiten
Im Krieg hungert die Armee permanent nach Fahrzeugen, 1917 helfen kurzfristig 3000 italienische Beutemobile aus. Korneuburg, drittes Kriegsjahr, neun der angelieferten Nutzfahrzeuge rücken als sogenannte Artillerierüstwagen zum Transport von Munition und Soldaten ab an die italienische Front, nur die Nr. 10 bleibt stehen, der Motor will nicht anspringen. Materialfehler, Schlamperei, Sabotage? Niemand weiß es. Und so wird dieser Lkw zum Zeitzeugen einer untergegangenen Welt.

Der Motor
Der 2,0-Liter-4-Zylinder-Benziner, Leistung wahrscheinlich 45 PS, wurde über ein Viergang-Getriebe plus Retourgang geschaltet. Kettenantrieb, Bremsen nur an den Hinterachsen, aber mit Differenzialsperre. Der Wagen stand und steht auf Holzspeichenrädern mit Stahlband, Gummireifen waren kaum mehr verfügbar.

Kriegsende November 1918, die kaiserliche Armee in Auflösung, in allen Kasernen herrschte Flohmarktstimmung, gekauft, geplündert, gestohlen wurde alles Verwertbare. Ein Sägewerksbesitzer aus dem Raum Mariazell lachte sich den einsamen Lastwagen an, der Motor sollte seine Säge betreiben. Auch die Nähe des Wallfahrtsortes half nichts, der Motor gab keinen Laut von sich, darauf verschwanden Wagen und Motor auf Jahrzehnte in einem Schuppen. Selbst die Sowjets als Anhänger der Niet- und-nagelfest-Philosophie sahen 1945 keinen Bedarf.

Statistenrolle
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg landete das Objekt in historischen Spielfilmen als "Standschönheit" bei Hintergrundszenen, der Motor weiterhin im Schweigemodus, nachdem es einem Sammler der Nachkriegszeit um beachtliche 100.000 Schilling abgekauft wurde. Originell der Weg ins HGM: Das Museum gab die Bodenplatte eines Panther-Panzers an einen deutschen Spezialisten ab – und erwarb dafür im Gegenzug den Lastwagen aus dem Nachlass des Vorbesitzers. Der Ehrgeiz der Restauratoren lag nun darin, den noch nie fahrbereiten Laster endlich zum Laufen zu bringen. In jahrelanger Arbeit wurde der Motor zerlegt, die Fragmente des Vergasers ergänzt, Zylinder, Ölwanne, eine komplette Zündung neu installiert, die Kurbel für den Anlasser erneuert und das Problem gelöst, den Benzintank unter dem Fahrersitz mit dem Motor in Verbindung zu bringen.

Die "Werksfahrer" des HGM lieben jetzt den "jungen" alten Brummer. Die Lenkung verlangt zwar Bärenkräfte, das Zwischengas der Schaltvorgänge Zehenspitzengefühl, die schmalen Vorderräder lieben, Haken zu schlagen, das Ziel aber lautet, die mögliche Spitze von 35 km/h zu erreichen. (Peter Urbanek, 7.7.2018)

foto: andreas stockinger
Militär-Lkw der WAF (Wiener Automobil-Fabrik) mit abenteuerlicher Geschichte.



foto: heeresgeschichtliches museum wien / thomas ilming
Thomas Ilming, der Herr mit Brille, brachte ihn aus desaströsem Zustand in fahrfähigen, Hannes Sommersacher ist der Mann, der ihn fahren kann.


foto: heeresgeschichtliches museum wien / thomas ilming
Leistungsschau der WAF


oto: heeresgeschichtliches museum wien / thomas ilming
In über 100 Jahren brauchen auch diese Zähne etwas Aufmerksamkeit.

Fast aller Laster Anfang - derStandard.at
 

josef

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#2
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josef

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#3
Unklarheit Standort:
In meinem Archiv fand ich ebenfalls ein Foto eines Werbeplakates (oder war es ein Firmenbriefkopf?) welches ich im Juni 2012 im Bezirksmuseum Favoriten aufnahm. Es zeigt das gleiche Firmenobjekt, aber mit der Anschrift
Wien X., Hardtmuthgasse 95, Ecke Troststraße


1531061130266.png

Hardtmuthgasse 95 -> Kreis BLAU
1531061444791.png
(Karte Vienna GIS)
Kann jemand dazu eine Erklärung abgeben?
 
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