Waldbauernmuseum Gutenstein - Berufe und Gewerbe rund ums Holz...

josef

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#1
Das WALDBAUERNMUSEUM GUTENSTEIN ist ein Regionalmuseum, in dem die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Schneeberggebietes gezeigt wird. Etwa 85% dieser Region ist von Wald bedeckt.

Die wirtschaftliche Grundlage der Region bildet(e) der Wald und das daraus geerntete Holz. Aus diesem Rohstoff wurden verschiedenste Waren wie Bottiche und Butten, Bauholz, Holzkohle, Körbe, Leitern, Rechen, uvm. hergestellt. Anhand von ausgestellten Werkzeugen und Themenwerkstätten bekommt man Einblick in die einstigen Abläufe der Holzschlägerung, Bringung mittels verschiedenster Transportformen und Weiterverarbeitung zu Halbfabrikaten wie Bauholz, Brettern usw. . Die Werkstätten vermitteln die Herstellung von teilweise längst vergessenen Handwerkserzeugnissen aus dem Rohstoff Holz...
Auch die regionalspezifischen Zuverdienstmöglichkeiten der ehemaligen Waldbauern, wie die Köhlerei, Pecherei und Kalkbrennerei, werden ausführlich dargestellt.

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Karte der waldreichen Umgebung von Gutenstein

1. Das historische Gebäude der "Alten Hofmühle", in dem das Museum auf 3 Ebenen untergebracht ist.

Überblick über eine Auswahl der wichtigsten im Museum dargestellten Themen, die in nachfolgenden Beiträgen noch genauer beschrieben werden - Teil 1:
(Alle Fotos aus dem Museum - Aufnahmedatum 22.08.2019)
2. Werkzeuge der Holzfäller
3. Themenkreis "Holzbringung" vom "Holzschlag" zu Sammelplätzen und Weitertransport zu den Endverbrauchern
4. Schnittholzerzeugung - alte Brettersägen: Zeitgemäßes Bild einer Venezianersäge
5. "Wagnerei" - Herstellung von hölzernen Wagenrädern - Darstellung auf historischer Bildtafel
 

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#2
Überblick über eine Auswahl der wichtigsten im Museum dargestellten Themen, die in nachfolgenden Beiträgen noch genauer beschrieben werden - Teil 2 (Rest):

6. "Bottichbinderei"
7. Herstellung von Holzrinnen und Holzrohren (-> Brunnenröhrern...)
8. Schindelmacher
9. Rechenmacher
10. Flechten von Weidenkörben
11. Köhlerei - Modell eines Langmeilers
12. Harzgewinnung durch "Pecher"
13. Kalkbrennen - Modell eines bäuerlichen Kalkofens
14. - 15. Ein Blick in die Museumsräumlichkeiten

Die weiteren Berichte u. Fotos zu den Themen folgen in den nächsten Tagen...
 

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#3
Die schwere und gefährliche Arbeit der Holzfäller...

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Bäume fällen im Gebirge mittels Axt und auch schon mit der Zugsäge sowie Aufarbeitung der Stämme
Detail aus Freskenzyklus im Pfarrsaal Josefsberg v. 1838


1. Zug- und Motorsägen: Bis vor ca. 150 Jahren wurden die Bäume noch mit Äxten gefällt, da die Zugsägeblätter auf Grund der schlechten Stahlqualität noch relativ stark waren und dadurch sehr oft klemmten. Erst durch die Einführung von Kaltwalzverfahren für Bandstahl konnten dünne und elastische Sägeblätter hergestellt und erfolgreich zum "Umschneiden" der Bäume eingesetzt werden. Neben verschieden alten Zugsägen sind auch noch Keile zum "Aufkeilen" des Sägespaltes (-> gegen Verklemmung...) beim Fällen, "Mösl" zum Spalten von Brennholz und "Sapl" (-> Sapine...) zum Wenden und Ziehen der Bloche zu sehen. Am Boden sieht man noch verschiedene Motorsägen...

2. Die Motorsägen kamen in der Gegend um Gutenstein (Schneeberg, Rax, Schneealpe, Neuwald usw. ...) ab ca. 1935 zum Einsatz. Es waren dies schwer zu handhabende "Zweimann-Motorsägen" (Vordergrund). Dahinter eine modernere Einmann-Motorsäge mit Sicherungsbügel usw. ...

3. Detail des Motors der alten Zweimannsäge.

4. Bau- oder Kantholz (Tramen und Sparren für Dachstühle und sonstige Kanthölzer) wurden früher oft gleich im Wald mittels Hacken und Beilen "ausgehackt". Nach Anzeichnung der gewünschten Kanten am Bloch wurden mit der "Stechhacke" in regelmäßigen Abständen Kerben in den aufgebockten Stamm geschlagen. Die Tiefe durfte nur der "Rundung" des Bloches angepasst sein und die später gewünschte Kantenfläche nicht übersteigen. Danach wurden die Flächen zwischen den Kerben mit dem Beil auf allen 4 Seiten "ausgehackt"...

5. Hier sieht man ein aus einem Bloch bereits teilweise zugerichtetes Kantholz. Eine Seite ist bereits glatt ausgehackt. Oben sieht man die Kerben in der noch vorhandenen Rundung, die nach Drehung des Stammes ebenfalls noch ausgehackt werden...
 

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#4
Historische Holzbringung - Teil 1. (Allgemein...)

Zum Transport der gefällten Baumstämme von den meist schwer zugänglichen Holzschlägen auf hohen steilen Berghängen bediente man sich verschiedenster Methoden:

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Winterliche Bringung von Scheiterholz mittels Schlitten
Detail aus Freskenzyklus im Pfarrsaal Josefsberg v. 1838

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Scheiterholzbringung im Winter auf "Eis-Riesen"
Detail aus Freskenzyklus im Pfarrsaal Josefsberg v. 1838

1. Schlittenfuhre im Winter

2. Holzriese - Beförderung des Holzes durch die Schwerkraft über eine "Rutsche" aus Baumstämmen ins Tal zu einem Sammelplatz. Von dort erfolgte der Weitertransport durch "Triften" oder "Flößen" bzw. mittels Fuhrwerken.

3. - 4. Langholzfuhre mit zusätzlich lenkbaren "Nachläufer-Halbwagen" zur Bewältigung von engen Kurven.

5. "Einfache Holzfuhre" für Pferd- oder Ochsenbespannung.
 

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#5
Historische Holzbringung - Teil 2. (Georg Hubmer...)

Eine Besonderheit für die Region um Schneeberg, Rax, Schneealpe und Neuwald zwischen Schwarza- und Mürztal im Grenzbereich zwischen Niederösterreich und der Steiermark stellte die ab Anfang des 19. Jahrhunderts eingerichtete Holzbringung mittels eines ausgeklügelten Systems von Holzaufzügen, Riesen, Schwemmkanälen mit Klausen und Schwemmtunnels dar!

Mit dieser, von Georg Hubmer (bekannt als "Raxkönig"...) entwickelten Transportkette, wurde vorerst Holz zur Versorgung der damaligen Eisenwerke in Hirschwang und Edlach und später Brennholz für die Reichshauptstadt Wien, befördert.

Eine Glanzleistung der von Hubmer errichteten Anlagen stellte der Schwemmtunnel am "Gscheidl" dar:
Nachdem das Waldgebiet um Naßwald weitgehend abgeholzt war, musste Hubmer in immer weiter entfernt liegende Wälder im Wassereinzugsgebiet der Mürz wechseln, die keine Verbindung zur Schwarza aufweisen. Hubmer ließ daraufhin ab 1811 und nach einer Unterbrechung ab 1822 durch den trennenden, 1134 Meter hohen Sattel des "Gscheidl" einen 430 Meter langen Schwemmtunnel sprengen. 1827 trafen die nach Hubmers Angaben von beiden Seiten gleichzeitig grabenden Tunnelarbeiter exakt aufeinander. Hubmer, der nur sehr schlecht lesen und schreiben konnte, hatte durch seine auf jahrzehntelange Erfahrung gestützten Kenntnisse eine ingenieurmäßige Pioniertat vollbracht. Durch Umleiten mehrerer Bäche durch den Tunnel konnte das Holz jetzt auf die andere Seite der Wasserscheide vom Mürz- ins Schwarzatel hinüber getriftet werden.
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Holzrechen an der Schwarza zur ursprünglichen Versorgung des Eisenwerkes von Hirschwang am Ausgang des Höllentales mit Schwemmholz.

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Stollenmundloch des "Hubmer-Durchschlages" am Gscheidl mit Schwemmkanal und rechts davon Holzaufzug
Detail aus Freskenzyklus im Pfarrsaal Josefsberg v. 1838

Weitere Fotos aus dem Museum in Gutenstein:
1. Zeitgenössische Schnittdarstellung des "Durchschlags am Gscheidl"
Georg Hubmers Tunnel ist heute verschüttet, allerdings ist ein Teil des zweiten, 760 Meter langen Schwemmtunnels, den sein Enkel Georg Hubmer sprengen ließ, noch heute zu sehen, ebenso Reste der ehemaligen Schwemmkanäle am Gscheidl.
2. - 3. Reste des 760 m langen 2. Tunnels. Ein weiterer Forumsbericht zum 2. Schwemmtunnel...

4. Ein Teil der Originalzimmerung des "Hubmer-Tunnels" vom Gscheidl lässt den Stollenquerschnitt erkennen. (Meine Frage, ob der Hinweis "Originalzimmerung" tatsächlich stimmt bzw. ob diese vom 1. oder später durchgeschlagenen 2. Stollen stammt, konnte mir die sonst sehr engagierte Museumsführerin nicht überzeugend beantworten... ;))

5. Gedenktafeln an Hubmer...
 

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#6
Historische Holzbringung - Teil 3. (Georg Hubmer...)

6. Funktionsmodell eines wasserbetriebenen Holzaufzuges nach System "Hubmer" (derzeit ausgestellt in der NÖ.Landesausstellung 2019 in Wiener Neustadt).

7. - 8. Darstellungen von "Klausen" aus der Zeit von "Hubmer".

9. Schwemmarbeit der "Triftleute" bei Naßwald um 1916...

10. Die "Hubmer-Klause" bei Naßwald, leider ohne Datumsangabe. Kann vielleicht jemand berichten, ob das Bauwerk heute noch existiert?

11. Historische Aufnahme eines Stammholzlagers nach der Bringung mittels Riese von der Rax am Ufer der Schwarza...

12. ... die Weiterbeförderung der Bloche (-> Langholz...) vom Lagerplatz zu den Abnehmern erfolgte mittels Pferde- oder Ochsengespannen.
Das hauptsächlich für Wien bestimmte Scheiterholz (-> Brennholz...) wurde auf der Schwarza über den Kehrbach zum Lager am Kanalhafen in Wiener Neustadt weitergetriftet.

13. - 14. Von Wiener Neustadt nach Wien ging es mit den von Pferden gezogen Schiffen am Wiener Neustädter Kanal

15. Skizze einer "Holzplätte" für den WN-Kanal
 

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#7
Schnittholzerzeugung - Brettersägen

Für die einfachste und älteste Methode, Bretter zu erzeugen, verwendete man eine "Spaltsäge" (auch Trenn- oder Kliebsägen genannt). Der Holzstamm wurde auf hohe Zimmererböcke gelegt und mit der Säge der Länge nach durchgeschnitten. Dabei zogen 2 unten stehende Arbeiter die Säge nach unten und leisteten durch die Stellung der Sägezähne die eigentliche Schneidarbeit. Ein oben am aufgebockten Stamm stehender Mann zog die Säge wieder nach oben.

Seit dem Ende des 15. Jahrhundert wurde nachweislich in unserer Gegend auch schon die Wasserkraft zur Schnittholzerzeugung eingesetzt. Bei diesen alten Sägen wurde das Sägeblatt vom Wasserrad über eine Welle mit Hilfe einer einfachen Kurbelkonstruktion (-> Exzenter...) auf- und niederbewegt. Im Gegensatz zur händisch bewegten Spaltsäge, die das Bloch entlang geführt wird, muss nun das Blochholz an das Sägeblatt rangeführt/geschoben werden. Diese als "Vorschub" bezeichnete -Vorrichtung wurde erstmals in Venetien und Südkärnten bei der Verarbeitung von Holz aus der Stadt Venedig gehörenden Wälder eingesetzt und wird seither als "Venezianer-Säge" bezeichnet.
Hier und unter den nachfolgenden Beiträgen # 15 und 16 gibt es weitere Details über die Ausführung einer "Venezianer-Säge" im Mendlingtal.

Fotos zur historischen Schnittholzerzeugung:

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Zeichnung mit der Darstellung "Sägende Männer"


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Modell (Außenansicht) einer wasserbetriebenen "Venezianer-Säge"

Sägen mittels Körperkraft:
1. Das Sägeblatt einer händisch zu bedienenden "Spaltsäge"
2. Altes Foto eines "nach oben ziehenden" Sägers am aufgebockten Bloch, die nach unten ziehenden Männer fehlen am Bild...

Sägen mit Hilfe der Wasserkraft:
3. Modell "Venezianer-Säge" - Blochaufzug zum Vorschubwagen mit Säge in der oberen Etage
4. Modell "Venezianer-Säge" - Rückseite mit Fluder und dem oberschlächtigen Wasserrad
5. Darstellung der Funktionsweise des Sägeantriebes einer "Venezianer-Säge"
6. Der "Vorschubwagen" auf dem das zu bearbeitende Bloch an die Säge rangeführt/geschoben wird
7. Detail des Vorschubwagen-Antriebes
 

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#8
Wagnerei - Herstellung von Holzspeichenrädern

Die Waldbauern fertigten auch Holzspeichenräder und später auch ganze Karren und Wägen an. Letzteres führte dann zur "Handwerkszunft" der "Wagner"...

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Werkszeichnung eines Wagenrades aus 1912

Einige Fotos von der Herstellung eines hölzernen Speichenrades:

(Das "Aufziehen" des heiß gemachten eisernen Radreifens erfolgte in der Werkstatt des Schmiedes...)
 

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#9
Bottichbinderei

In den meisten Bauernhöfen von Gutenstein, Rohr am Gebirge und Schwarzau waren einst "Binderstuben" eingerichtet. Die im "Zuerwerb" hergestellten Haupterzeugnisse waren Bottiche für die Weinbauern, Bierbrauer und Gerber,
aber auch kleinere Gebinde, wie z.B.:
Butten für Weinhauer, Mostschaffeln (Stanter), Zwetschkenbütteln (für den Transport von Obst und Gemüse auf den Markt), Pechbüttel (für die Harzgewinnung), Lagln (Wasserbehälter), Schmalzdesn (zur Aufbewahrung von Fett), Sechterln (Schöpfer), Maßgeschirr (Metzen, Streichmaße) usw. ...
Es wurden aber in den bäuerlichen Binderstuben keine Fässer hergestellt, für die waren die "Fassbinder" zuständig.

Die Holzteile, die zu den Behältnissen zusammengesetzt wurden, nannte man "Dauben" (oder Daufeln...). Zur Bearbeitung mit verschiedenen Spezialwerkzeugen wurden die Daubeln auf der "Heinzelbank" eingeklemmt...

1. Verschiedene Binderwerkzeuge
2. Die "Heinzelbank" war ein wichtiges Hilfsmittel zum Einspannen der zu bearbeitenden Holzteile
3. Diverse Erzeugnisse aus der Werkstätte der Bottichbinder (Bottich, Weinhauerbutte, Butterfass, Krautbottich usw. ...)
4. Neben den Erzeugnissen nochmals eine "Heinzelbank"
5. Eine hölzerne "Honigschleuder"
 

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#10
Holzrinnen- und Holzrohrerzeugung

Schön gerade gewachsene Stämme von Lärchen und Schwarzföhren wurden zur Erzeugung von Holzrinnen, Wasserleitungsrohren und Brunnenröhren verwendet.

Für Rinnen wurden die Stämme halbiert und dann der Stamm mit der "Stechhacke" ausgehöhlt. Mit einem bogenförmigen "Reifmesser" wurden dann die Innenflächen "Nachgeputzt".

Für die Anfertigung von Wasserleitungs- und Brunnenrohren wurden die Stämme auf Holzböcken befestigt und dann wurde mit immer größer werdenden Bohrern das mittige "Loch" aufgebohrt...

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1. Holzrinne mit den für die Herstellung benötigten Werkzeugen
2. Holzbohrer mit unterschiedlicher Länge und Stärke zum Aufbohren von Wasserleitungs- und Brunnenrohren
3. Verbindungsstücke zur Herstellung von längeren Rohrsträngen
4. - 5. Aufbohren von Holzrohren
 

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#11
Schindelerzeugung

Ein weiterer Zuverdienst der Waldbauern um Gutenstein (besonders in Miesenbach und Dürnbach) war die Erzeugung von Dachschindeln. Hergestellt wurden in der Region hauptsächlich "Nutschindeln", die an den Längsseiten mit "Nut- und Feder" versehen waren und zusammengesteckt wurden, daher auch der Begriff "Steckschindeln". Gebräuchlicher waren bzw. sind die "Legschindeln" mit glatten Seitenflächen, die mehrmals "überdeckt" verlegt wurden (-> Beispiel siehe die "Schindeldecker" auf Burg Rappottenstein).

Die Steckschindeln bestanden aus Tannen- oder Fichtenholz. Aus den Stämmen wurden astfreie Stücke in Schindellänge von ca. 46 - 48 cm herausgeschnitten und daraus die einzelnen Schindeln radial herausgespalten. Auf der "Heinzlbank" wurden die einzelnen Stücke geglättet und auf einer Längsseite für die "Feder" dünner gehobelt. Danach wurde das Holzstück mit der Feder nach unten auf der Heinzelbank ähnlichen "Niabank" eingespannt und auf der der Federseite gegenüberliegenden Längsseite mit einem "Nutmesser" (-> Schindelnia...) die Nut gezogen.

Das Schindelmachen war eine Winterbeschäftigung und manche Höfe hatten eine eigene "Schindelstube" eingerichtet. Lt. Museumsführerin betrug die Tagesleistung bei 14 stündiger Arbeitszeit rund 200 - 250 Stück Schindeln pro Mann. Zum Verkauf wurden die fertigen Schindeln auf den Holzmarkt nach Wiener Neustadt gebracht...

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Musterdeckung eines Daches mit seitlich zusammengesteckten "Nut- bzw. Steckschindeln"

1. Spalten der Schindelstücke aus astfreien Stammstücken
2. Auf der "Niabank" eingespannte Schindel vor Anfertigung der Nut
3. "Ziehen" der Nut mit einem "Nutmesser" (-> Schindelnia...)
4. Nochmals ein "gestecktes" Schindeldach
5. Alter Plan einer mittels Wasserrad angetriebenen "Schindel-Schneid-Maschin" zur Rationalisierung der Fertigung...
 

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#12
Rechenmacher, Korbflechter

Relativ einfache Produkte waren die Holzrechen: Der "Stiel" (-> "Stangl"...) bestand aus Fichtenholz, das "Haupt" aus Buche und die im Haupt eingesetzten "Zähne" (-> "Zurken oder Zinken"...) waren aus Weißbuche oder Hartriegel. Bearbeitet wurden die einzelnen Teile mit dem Reifmesser. Die Zähne wurden mit einer Schräge in die Richtung der am Stiel ziehenden Person in das Haupt eingesetzt. Für die verschiedenen Einsatzorte- bzw. Zwecke (ebene Flächen oder steile Bergwiesen) gab es individuelle Anordnungen des Winkels der Zähne...


Für das Korbflechten verwendete man billiges Material, man benötigte im Vergleich zu anderen Holzarbeiten wenig Kraft und es waren keine komplizierten Werkzeuge erforderlich. So war es meist die Winterarbeit von Altbauern, Kleinhäuslern, Kriegsinvaliden oder Nebenbeschäftigung von Köhlern und Pechern.

Es wurden die verschiedensten Arten von geflochtenen Transportbehältnissen hergestellt, wie Buckelkörbe, Schwingerl, Zisteln (zum Obstpflücken), Kletzenhurten oder auch Dörrflechten genannt (zum Trocknen von Obst in in Dörrhäuschen), Kohlwannen (zum Transport von Holzkohle) usw. .

So wurden um ein festes Gestell z.B. aus Buchenholz Bögen aus Haselholz, Hartriegel usw. hergestellt und darum die "Späne" eingeflochten. Diese "Flechtspäne" bestanden hauptsächlich aus frischgeschnittenen Haselstecken, die am dickeren Ende "eingekerbt" wurden und dann über das Knie oder im "Zoanlbock" so gebogen wurden, dass die Späne von der Kerbe weg abgesprengt wurden. Mit Hilfe des "Zoanlhobels" wurden die abgesprengten Späne auf gleiche Breite und Dicke gebracht. Vor dem Einflechten in das Gestell wurden die Späne eingeweicht um geschmeidig zu werden...

Hier gibt es weitere Berichte zu Korbflechtern aus anderen Regionen in NÖ. ...

1. Beschreibung der Heugabel-Herstellung
2. Erzeugnisse der Rechenmacher
3. Verschiedene aus Holzgeflecht hergestellte Körbe
4. Im Vordergrund "Flechtspäne", dahinter ein "Zoanlbock" zum Biegen der Haselstecken zwecks Absprengung der Flechtspäne...
5. "Zoanlbock"
 

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#13
Köhler - Kohlenbrenner (Teil 1.)

Nach einer Zusammenstellung des Holzverbrauches aus 1790 geht hervor, dass damals ca. 40% des Holzes verkohlt wurde. Dem entsprechend lebte ein Teil der Waldbauern von der Köhlerei.

Absatzgebiet der Holzkohle aus der Region um Gutenstein inklusive Rax- und Schneeberggebiet waren die Hammerwerke in den Flusstälern, die aufkommende Industrie in der Ebene zwischen Neunkirchen, Wiener Neustadt und Wien sowie die Haupt- und Residenzstadt Wien selbst.

Besonders die in den vorhin genannten Gegenden ansässige Eisenindustrie verlangte Kohle bester Qualität, die man in den „Langmeilern“ herstellte.

Die bessere Qualität in den „Langmeilern“ erzielte man durch die Verkohlung von schönen geraden Stämmen, während man in den „Rundmeilern“ eher kurze Scheite und minderwertiges Holz verarbeitete, wodurch die Qualität litt.


Langmeiler:

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Langmeiler in Rohr am Gebirge (gescannt aus meinem Dia-Archiv ca. 1970iger Jahre)

Beim „Aufrichten“ der ca. 3,5 m hohen, 3 m breiten und 10 – 12 m langen Meiler, sollte möglichst wenig leerer Raum zwischen den Stämmern verbleiben, da die dort eingeschlossene Luft das Verbrennen förderte und die Ausbeute an Kohle herabsetzte. Der Holzhaufen wurde zuerst mit Reisig bedeckt und dann mit „Löscherde“, einem Gemisch aus von Kohlenstaub, Erde und Sand, zugedeckt. Ein Bretterverschlag gab dem Reisig und der „Lösch“ auch seitlichen Halt. Diese bisherigen Arbeiten verrichteten zumeist Holzknechte oder Angehörige der Bauernfamilie.

Nun übernahmen die eigentlichen „Köhler“ die Arbeiten am Meiler. Sie zündeten in beim „Feuerhaus“ an und ließen für einige Stunden das Feuer brennen, bis die für die Verkohlung erforderliche Temperatur erreicht war. Dann wurde auch das „Feuerhaus „ mit Lösch bedeckt und so die offenen Flammen gedämpft. Von da an durfte das Holz nur mehr glosen und nicht brennen, worauf der Köhler zu achten hatte. Mit dem „Anstecheisen“ überzeugte er sich vom Fortschritt des Brandes und leitete den Prozess der Verkohlung durch stechen oder schließen von Luftlöchern. Nach etwa 10 Tagen konnte er mit dem „Ausstören“ beginnen. Zweimal täglich wurde der Meiler geöffnet und mittels „Störhaken“ fertige Kohle entnommen. Nach der Entnahme wurde die Öffnung wieder mit Lösch verschlossen. Die frisch entnommene Kohle wurde in einem Wassertrog gekühlt und dann in einem Holzverschlag, „Kohlboden“ genannt, gelagert. Nach und nach wurde die Seitenverschalung wegen der laufenden Kohlenentnahmen abgetragen und für den nächsten Brand zwischengelagert. Nach 4 – 5 Wochen war die Arbeit beendet und es konnte ein neuer Langmeiler aufgesetzt werden.


Rundmeiler:

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Rundmeiler - Bildtafel im "Forstmuseum Silvanum" Großreifling (Aufn. aus 2009)

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Schnittmodell eines Rundmeilers im Wienerwaldmuseum Eichgraben (Aufn. aus 2015)

Da wurden rund um einen freibleibenden Schacht ringförmig Scheiter in drei Lagen (Schichten) kegelförmig aufgestellt und dann ebenfalls mit Reisig und Lösch bedeckt. Auch Ast-, Prügel- und Wurzelholz wird dabei eingesetzt. Der Meiler wird vom oberen Ende des Schachtes her angezündet und nach Erreichung der nötigen Temperatur abgedämmt. Dann wird er so angestochen, dass er von oben nach unten und von innen nach außen durchglüht. Dadurch kann diese Meilerform erst dann geöffnet werden, wenn die gesamte Holzmenge verkohlt ist, weshalb ein Teil der Kohle „überfeuert“ und daher minderwertig ist. Nach Beendigung des Vorganges müssen den Köhler mehrere Leute helfen, die Kohle rasch „auszustören“ und zu löschen.

Den Transport der Holzkohle zu den Verbrauchern führten einst die Kohlbauern selbst durch. Die pferdebespannten „Kohlengränzen“ kamen so aus der Talschaft bis Wien hinaus. Auf den Märkten oder bei den gewerblichen und industriellen Abnehmern übernahmen die sogenannten „Kohlmesser“ die Ware. Gemessen wurde im „Stibich“ (-> Holzbottich für 2 „Wiener Metzen“).
(Textbasis gekürzt zusammengestellt aus der Broschüre „Arbeit mit Holz“ v. Hiltraud Ast, „Gesellschaft der Freunde Gutensteins“)
 

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#14
Köhler - Kohlenbrenner (Teil 2.)

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Historische Bildtafel "Köhlerfamilie"

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Köhler mit fertiger Holzkohle vor einem Rundmeiler


1. Modell eines Langmeilers mit den durch Stützhölzer gesicherten seitlichem Bretterverschlägen, oben die Abdeckung mit Löscherde.
2. Diorama einer Kohlenbrennerei mit Langmeiler: Links die primitive Schlafstätte des Köhlers, anschließend eine "Kohlengränze" (-> Transportwagen für Holzkohle mit Weidenkorbgeflächt damit die Kohle nicht verloren geht...). In der Mitte der "Langmeiler" und rechts der "Kohlboden" (-> Holzverschlag zur Lagerung der fertigen Kohle...).
3. Pferdebespannte "Kohlengränze"
4. Bildtafel mit Kohlenfuhrwerken der Kohlbauern
5. Weitere Bildtafel: Links der Kohlbauer mit seinem Fuhrwerk und rechts der Kohlenhändler und Kohlmesser mit dem "Metzen"
6. Eine "Kohlengränze" mit geflochtenen Seitenwänden
7. Ein "Metzen" voll Holzkohle
8. Diverses Werkzeug der Köhler...
 

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