Wenn „Lost places“ zu Vorzeige-Gebäuden werden
Viele alte Industrieanlagen liegen in Niederösterreich brach, verfallen und werden zu sogenannten „Lost places“. Das Architekturnetzwerk ORTE setzt sich seit Langem für die Nachnutzung solcher Gebäude ein und holt bei Exkursionen positive Beispiele vor den Vorhang.
Online seit heute, 7.11 Uhr
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Wenn „Lost places“ zu Vorzeige-Gebäuden werden
Viele alte Industrieanlagen liegen in Niederösterreich brach, verfallen und werden zu sogenannten „Lost places“. Das Architekturnetzwerk ORTE setzt sich seit Langem für die Nachnutzung solcher Gebäude ein und holt bei Exkursionen positive Beispiele vor den Vorhang.
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Es gibt Exkursionen, da muss man beim Buchen schnell sein, um dabei sein zu können. Eine davon ist „(G)runderneuert“, die von ORTE Achitekturnetzwerk Niederösterreich veranstaltet wird. Ziel der Exkursionen ist es, auf gelungene Beispiele einer Wiederbelebung aufmerksam zu machen, erklärt Geschäftsführerin Heidrun Schlögl: „Es nehmen viele Planer, Experten von Universitäten, Mitglieder von Institutionen wie dem Umweltbundesamt, aber auch interessierte Ärztinnen, Lehrerinnen an unseren Ausflügen teil.“
In Niederösterreich hat die Wirtschaftsagentur ecoplus etwa in einer Gemeinde-Umfrage 121 leere Industrie-Objekte mit einer Fläche von 112 Hektar erhoben. Bei solchen Objekten, die oft als „Lost places“ gelten, wurde laut dem Achitekturnetzwerk nicht nur der Boden bereits verbraucht, sondern auch graue Energie in Form von Mauerwerk eingesetzt.
ORF/Hannes Steindl
Bei einer der Exkursionen besuchten Interessierte vor wenigen Tagen das ehemalige Glanzstoff-Areal in St. Pölten
„Wir wollen an der Reparaturhaltung der Menschen arbeiten, damit uns langsam in Fleisch und Blut übergeht, dass wir das, was wir haben, wieder in Stand setzen, dass wir das mit neuen Nutzungen füllen, auch wenn es oft nur temporär ist. Wir brauchen dringend eine Reparaturhaltung, vor allem in der Baukultur“, lautet Schlögls Fazit.
Vier unterschiedliche positive Beispiele einer gelungen Nachnutzung wurden bereits besucht: das Glanzstoff-Areal im Nordern, die Firma Voith im Süden von St. Pölten, die „Tischlerei Melk“ und die ehemalige Molkerei in Mank (Bezirk Melk).
Nachnutzung belebt ein ganzes Viertel
Im Jänner 2008 brannte die Glanzstoff-Fabrik, was das Ende einer traditionsreichen Produktionsstätte in St. Pölten besiegelte. Beinahe 20 Jahre später gibt es nun eine heterogene Nachnutzung: 2010 wurden Teile der Bauten auf dem Gelände abgerissen. Die historische Bausubstanz wurde erhalten, insbesondere das Hauptbüro und die Nebenhallen. Diese werden unter dem Titel „Konerei“ als Veranstaltungsort genutzt. Insgesamt steht eine Fläche von rund 2.500 m² zur Verfügung. Es finden Märkte, Hochzeiten, Firmen-, Geburtstags- und Weihnachtsfeiern sowie Ausstellungen statt.
Fotostrecke mit 4 Bildern
ORF/Hannes Steindl
Am ehemaligen Glanzstoff-Areal steht eine Fläche von rund 2.500 m² zur Verfügung
ORF/Hannes Steindl
Im Inneren findet sich etwa eine Kletterhalle
ORF/Hannes Steindl
Teile des Gelände sind noch nicht renoviert
ORF/Hannes Steindl
Das restliche Areal mit einer Größe von rund 21 Hektar wird langfristig als neues Stadtviertel unter dem Namen „Glanzstadt“ entwickelt, hieß es dazu beim Brachflächen-Dialog, einem mehrjährigen Prozess des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Deren Ziel ist es, leerstehende und untergenutzte Standorte (kurz Brachflächen) wieder in die Nutzung zu bringen.
Eine Firma schrumpft und holt sich neue Partner
Die Voith Group ist seit über einem Jahrhundert eng mit St. Pölten verbunden. 1904 nahm hier die erste Auslandsniederlassung des deutschen Unternehmens den Betrieb auf, auf einem Areal von mehr als 150.000 Quadratmetern. Schon die ersten Bauten setzten architektonische Akzente: eine weitgespannte Maschinenbauhalle und eine große Gießerei, beide mit markanten Stahlkonstruktionen, die den industriellen Fortschrittsgeist der Zeit widerspiegelten. Gab es zum Höchststand 2.500 Beschäftigte, so wird heute mit 360 Mitarbeitern das Auslangen gefunden. Das Areal ist für einen Betrieb zu groß.
ORF/Hannes Steindl
Am Gelände der Voith Gruppe hat sich zuletzt etwa der Vorarlberger Beschlägehersteller Blum angesiedelt
Durch die geplante Ansiedlung des Vorarlberger Beschlägeherstellers Blum erfährt das Gelände eine umfassende Revitalisierung. Beide Unternehmen verzichten auf neue Flächenversiegelung und konzentrieren sich stattdessen auf die Nutzung bereits bebauter Flächen. „Voith legt dabei besonderen Wert auf die Sanierung bestehender Gebäude und deren Weiterverwendung mit modernen bautechnischen Möglichkeiten: Ein Beispiel für die Transformation klassischer Industriearchitektur in eine nachhaltige Wirtschaftslandschaft,“ lautet das Urteil von ORTE.
Ein Kulturzentrum soll in die Höhe wachsen
In Melk, zwischen Stift und Stadt, liegt die ehemalige Tischlerei Fürst – ein Ort, der heute weit mehr ist als eine stillgelegte Werkstätte. Über Jahrzehnte prägten Wohn- und Produktionsräume, Schauräume und Gärten das Areal.
Seit der Umsiedlung des Betriebs in eine ehemalige Garnspinnerei in Golling an der Erlauf (Bezirk Melk) ist im Herzen von Melk ein vielfältiges Quartier im Entstehen. In den alten Hallen finden sich heute Co-Working-Spaces, eine Kleinkunstbühne mit 250 Sitzplätzen, Räume für Familien- und Kulturangebote, sogar ein Hostel und ein Makerspace für Handwerk-Workshops für Kinder und Jugendliche.
ORF/Hannes Steindl
In den alten Hallen finden sich heute Co-Working-Spaces, eine Kleinkunstbühne oder Räume für Familien- und Kulturangebote
Im Rahmen des New European Bauhaus-Programms entwickelt sich das Gelände nun zu einem europäischen Vorzeige-Stadtquartier zur Belebung des ländlichen Raums. Es wird bewusst nur in die Höhe gebaut, um den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten.
Lukas Fürst, der Firmeninhaber und Projektentwickler, referierte über die Idee und die Pläne: „Wir holen Gastronomie ins Haus. Wir wollen mehr Arbeitsplätze schaffen, im besten Fall 150 neue Jobs, 50 Menschen sollen hier wohnen können und wir wollen uns als kultureller Versorger der Region stärken.“
Ehemalige Molkerei mit radikalem Neustart
Die ehemalige Molkerei in Mank (Bezirk Melk) steht am Scheideweg zwischen Erinnerung und Vergänglichkeit. Jahrzehnte lang prägten ihre massiven Backsteinbauten, klaren Linien und funktionalen Hallen das Ortsbild – ein lebendiges Zeugnis industrieller Arbeit, in dem einst die berühmte Manker Butter hergestellt wurde, die weit über die Region hinaus bekannt war. Heute ist das Areal leer und devastiert.
Fotostrecke mit 4 Bildern
ORF/Hannes Steindl
Die ehemalige Molkerei ist heute leer und devastiert
ORF/Hannes Steindl
Jahrzehnte lang prägten die massiven Backsteinbauten, klaren Linien und funktionalen Hallen das Ortsbild
ORF/Hannes Steindl
ORF/Hannes Steindl
2017 übernahm die Stadt das Areal, entfernte die alte Biogasanlage und begann, eine Vision für die Zukunft zu entwickeln: Ein kompaktes Stadtquartier soll entstehen, in dem Wohnen, Handel und Grünflächen miteinander verschmelzen. Für 2026 ist der nächste große Schritt geplant: Die Molkerei weicht 180 neuen Wohneinheiten und einer durchdachten Quartiersentwicklung.
11.05.2026, red, noe.ORF.at/Agenturen
In Niederösterreich hat die Wirtschaftsagentur ecoplus etwa in einer Gemeinde-Umfrage 121 leere Industrie-Objekte mit einer Fläche von 112 Hektar erhoben. Bei solchen Objekten, die oft als „Lost places“ gelten, wurde laut dem Achitekturnetzwerk nicht nur der Boden bereits verbraucht, sondern auch graue Energie in Form von Mauerwerk eingesetzt.
Bei einer der Exkursionen besuchten Interessierte vor wenigen Tagen das ehemalige Glanzstoff-Areal in St. Pölten
„Wir wollen an der Reparaturhaltung der Menschen arbeiten, damit uns langsam in Fleisch und Blut übergeht, dass wir das, was wir haben, wieder in Stand setzen, dass wir das mit neuen Nutzungen füllen, auch wenn es oft nur temporär ist. Wir brauchen dringend eine Reparaturhaltung, vor allem in der Baukultur“, lautet Schlögls Fazit.
Vier unterschiedliche positive Beispiele einer gelungen Nachnutzung wurden bereits besucht: das Glanzstoff-Areal im Nordern, die Firma Voith im Süden von St. Pölten, die „Tischlerei Melk“ und die ehemalige Molkerei in Mank (Bezirk Melk).
Nachnutzung belebt ein ganzes Viertel
Im Jänner 2008 brannte die Glanzstoff-Fabrik, was das Ende einer traditionsreichen Produktionsstätte in St. Pölten besiegelte. Beinahe 20 Jahre später gibt es nun eine heterogene Nachnutzung: 2010 wurden Teile der Bauten auf dem Gelände abgerissen. Die historische Bausubstanz wurde erhalten, insbesondere das Hauptbüro und die Nebenhallen. Diese werden unter dem Titel „Konerei“ als Veranstaltungsort genutzt. Insgesamt steht eine Fläche von rund 2.500 m² zur Verfügung. Es finden Märkte, Hochzeiten, Firmen-, Geburtstags- und Weihnachtsfeiern sowie Ausstellungen statt.
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Am ehemaligen Glanzstoff-Areal steht eine Fläche von rund 2.500 m² zur Verfügung
Im Inneren findet sich etwa eine Kletterhalle
Teile des Gelände sind noch nicht renoviert
Das restliche Areal mit einer Größe von rund 21 Hektar wird langfristig als neues Stadtviertel unter dem Namen „Glanzstadt“ entwickelt, hieß es dazu beim Brachflächen-Dialog, einem mehrjährigen Prozess des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Deren Ziel ist es, leerstehende und untergenutzte Standorte (kurz Brachflächen) wieder in die Nutzung zu bringen.
Eine Firma schrumpft und holt sich neue Partner
Die Voith Group ist seit über einem Jahrhundert eng mit St. Pölten verbunden. 1904 nahm hier die erste Auslandsniederlassung des deutschen Unternehmens den Betrieb auf, auf einem Areal von mehr als 150.000 Quadratmetern. Schon die ersten Bauten setzten architektonische Akzente: eine weitgespannte Maschinenbauhalle und eine große Gießerei, beide mit markanten Stahlkonstruktionen, die den industriellen Fortschrittsgeist der Zeit widerspiegelten. Gab es zum Höchststand 2.500 Beschäftigte, so wird heute mit 360 Mitarbeitern das Auslangen gefunden. Das Areal ist für einen Betrieb zu groß.
Am Gelände der Voith Gruppe hat sich zuletzt etwa der Vorarlberger Beschlägehersteller Blum angesiedelt
Durch die geplante Ansiedlung des Vorarlberger Beschlägeherstellers Blum erfährt das Gelände eine umfassende Revitalisierung. Beide Unternehmen verzichten auf neue Flächenversiegelung und konzentrieren sich stattdessen auf die Nutzung bereits bebauter Flächen. „Voith legt dabei besonderen Wert auf die Sanierung bestehender Gebäude und deren Weiterverwendung mit modernen bautechnischen Möglichkeiten: Ein Beispiel für die Transformation klassischer Industriearchitektur in eine nachhaltige Wirtschaftslandschaft,“ lautet das Urteil von ORTE.
Ein Kulturzentrum soll in die Höhe wachsen
In Melk, zwischen Stift und Stadt, liegt die ehemalige Tischlerei Fürst – ein Ort, der heute weit mehr ist als eine stillgelegte Werkstätte. Über Jahrzehnte prägten Wohn- und Produktionsräume, Schauräume und Gärten das Areal.
Seit der Umsiedlung des Betriebs in eine ehemalige Garnspinnerei in Golling an der Erlauf (Bezirk Melk) ist im Herzen von Melk ein vielfältiges Quartier im Entstehen. In den alten Hallen finden sich heute Co-Working-Spaces, eine Kleinkunstbühne mit 250 Sitzplätzen, Räume für Familien- und Kulturangebote, sogar ein Hostel und ein Makerspace für Handwerk-Workshops für Kinder und Jugendliche.
In den alten Hallen finden sich heute Co-Working-Spaces, eine Kleinkunstbühne oder Räume für Familien- und Kulturangebote
Im Rahmen des New European Bauhaus-Programms entwickelt sich das Gelände nun zu einem europäischen Vorzeige-Stadtquartier zur Belebung des ländlichen Raums. Es wird bewusst nur in die Höhe gebaut, um den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten.
Lukas Fürst, der Firmeninhaber und Projektentwickler, referierte über die Idee und die Pläne: „Wir holen Gastronomie ins Haus. Wir wollen mehr Arbeitsplätze schaffen, im besten Fall 150 neue Jobs, 50 Menschen sollen hier wohnen können und wir wollen uns als kultureller Versorger der Region stärken.“
Ehemalige Molkerei mit radikalem Neustart
Die ehemalige Molkerei in Mank (Bezirk Melk) steht am Scheideweg zwischen Erinnerung und Vergänglichkeit. Jahrzehnte lang prägten ihre massiven Backsteinbauten, klaren Linien und funktionalen Hallen das Ortsbild – ein lebendiges Zeugnis industrieller Arbeit, in dem einst die berühmte Manker Butter hergestellt wurde, die weit über die Region hinaus bekannt war. Heute ist das Areal leer und devastiert.
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Die ehemalige Molkerei ist heute leer und devastiert
Jahrzehnte lang prägten die massiven Backsteinbauten, klaren Linien und funktionalen Hallen das Ortsbild
2017 übernahm die Stadt das Areal, entfernte die alte Biogasanlage und begann, eine Vision für die Zukunft zu entwickeln: Ein kompaktes Stadtquartier soll entstehen, in dem Wohnen, Handel und Grünflächen miteinander verschmelzen. Für 2026 ist der nächste große Schritt geplant: Die Molkerei weicht 180 neuen Wohneinheiten und einer durchdachten Quartiersentwicklung.
11.05.2026, red, noe.ORF.at/Agenturen
Wenn „Lost places“ zu Vorzeige-Gebäuden werden