Berliner Flughafen Tegel wird mit 8. 11. 2020 geschlossen und der neue Flughafen Berlin Brandenburg - "BER" nimmt mit 31.10.2020 den Flugbetrieb auf

josef

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Berliner Flughafen Tegel macht endgültig dicht
Die letzte Maschine soll am 7. November Richtung Paris abheben. Für die Weiternutzung des Flughafengeländes gibt es bereits Pläne

Die Zeit des Berliner Flughafens Tegel ist abgelaufen.
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Die Architektur war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich.
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Auch die Concorde flog den Airport an.
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Für viele Berliner ist Tegel ein emotional aufgeladenes Symbol.
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Am 7. November soll hier die letzte Maschine Richtung Paris starten.
Foto: imago images/Metodi Popow

Berlin – Wer die Reichstagskuppel besucht, kann dort regelmäßig die Maschinen beobachten, die von Tegel aus in den Himmel über Berlin starten. So manchen stimmen solche Szenen inzwischen nostalgisch, denn wenn der Hauptstadtflughafen BER Ende Oktober wie geplant eröffnet wird, muss der alte Flughafen Tegel schließen. Dass er überhaupt noch in Betrieb ist, liegt nur an der beispiellosen Pannenserie beim BER-Bau, der deshalb mit neun Jahren Verspätung an den Start geht.

Viele Berlinerinnen und Berliner waren in der Zwischenzeit heilfroh, weiter mit Bordkarten reisen zu können, auf denen der vertraute Flughafencode TXL zu lesen war. Manche halten den Flughafen im Nordwesten Berlins sogar weiterhin für unverzichtbar, auch wenn er längst aus allen Nähten platzt. Ähnlich wie der Flughafen München-Riem, der bereits 1992 geschlossen wurde und heute Standort der Neuen Messe München ist.

Sechseckiges Terminal
Als in Tegel 1948 kurz nach Beginn der Berlin-Blockade in heute schwer zu glaubenden 90 Tagen ein Flugplatz gebaut wurde, war nicht abzusehen, dass er für die Menschen im Westteil der Stadt zum Tor zur Welt würde. Die erste Linienmaschine landete erst im Jänner 1960.

Die Flughafenarchitektur, die die Berliner heute kennen, ist ein Entwurf der Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg. Beim Wettbewerb für Tegel punkteten sie mit ihrem ungewöhnlichen, als Sechseck konzipierten Terminal. Baustart war 1970, Einweihung vier Jahre später. Seitdem ist die Zahl der Fluggäste bis zum Einbruch in der Corona-Krise fast kontinuierlich gestiegen und hat Dimensionen erreicht, die zu Baubeginn kaum vorstellbar waren: Rund 24 Millionen waren es im vergangenen Jahr.

Ob die britische Königin Queen Elizabeth II, Staatsmänner wie Barack Obama oder Wladimir Putin, Stars wie Marlene Dietrich oder Renée Zellweger, für ihre Berlin-Besuche schwebten sie in Tegel ein. Genau wie Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm, der mit dem goldglänzenden Pokal in der Hand nach dem Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft im Juli 2014 in Brasilien aus der Maschine stieg.

Emotionale Erinnerungen
"Das war für viele Fans in Deutschland, auch für mich persönlich, ein sehr emotionaler Moment", gestand der Chef der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup, kürzlich vor Journalisten. Und solche emotionalen Erinnerungen an den Flughafen Tegel gebe es viele. "Aber Tegel ist viel zu klein geworden und entspricht nicht mehr den Standards eines modernen Flughafens", sagte er. "Wer mal mit 1.500 Personen im Terminal C morgens um sechs an der Security angestanden hat, weiß, wovon ich spreche."

Das sehen viele so, aber nicht alle. Berlins FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja etwa hält die geplante Schließung für einen großen Fehler: "Als Cityairport ist er nicht nur ein unschlagbarer Standortvorteil für den Wirtschafts- und Messestandort Berlin, er ist auch ein Entlastungsprogramm für den augenscheinlich dysfunktionalen BER."

Der Kreis schließt sich
Czaja hat jahrelang für den Erhalt des Flughafens gekämpft. Zusammen mit dem Verein Pro Tegel startete die Berliner FDP 2015 eine entsprechende Initiative. Bei einem Volksentscheid, der den Senat allerdings nicht verpflichtete, den Flughafen offen zu halten, gab es 2017 für das Anliegen fast eine Million Stimmen und damit eine knappe Mehrheit. Alles umsonst.

Letzter Tag mit regulärem Flugbetrieb soll der 7. November sein. Am Tag darauf startet am Nachmittag noch einmal ein Airbus A320 der Air France Richtung Paris. Da schließt sich ein Kreis: Mit der französischen Fluggesellschaft begann 1960 der Linienflugverkehr.

Aber selbst viele Berlinerinnen und Berliner, die gar nicht fliegen wollten, zog es immer wieder nach Tegel. Manche nur, um in der Zeit der Teilung der Stadt von der Besucherterrasse aus Maschinen abheben zu sehen, die bald darauf im Westen landen durften. Tegel sei eben auch ein Symbol für die Freiheit Westberlins gewesen, sagte Lütke Daldrup. Wegen der Corona-Krise war die Besucherterrasse monatelang geschlossen. Seit dem vergangenen Wochenende ist sie wieder offen – bis 7. November.

Urban Tech Republic
Wenn der Flughafen dann tatsächlich dicht ist, soll TXL nicht verschwinden. Das Kürzel steht künftig für ein Projekt, das erst noch entstehen muss: ein neues Stadtquartier mit über 5.000 Wohnungen und Platz für mehr als 10.000 Menschen, direkt neben einem Forschungs- und Industriepark mit dem futuristisch klingenden Namen Urban Tech Republic. Die für die Entwicklung verantwortliche landeseigene Tegel Projekt GmbH will dort Gründer, Studenten, Investoren, Industrielle und Wissenschafter zusammenbringen.

In der Urban Tech Republic sollen einmal bis zu 1.000 Unternehmen und Institute ihren Platz finden. Das bisherige Terminal A ist als Hochschulstandort vorgesehen. Die Häuser im weitgehend autofreien neuen Schumacher-Quartier sollen in Holzbauweise entstehen. An sogenannten Mobility Hubs können Bewohner vom Auto auf Rad oder ÖPNV umsteigen.

Noch ist das Zukunftsmusik. Ein halbes Jahr lang muss Tegel ohnehin betriebsbereit bleiben, die Tegel Projekt GmbH übernimmt das Gelände erst im Sommer 2021. Noch im selben Jahr sollen die ersten Arbeiten beginnen. GmbH-Geschäftsführer Philipp Bouteiller rechnet für 2026 mit den ersten Bewohnern im Schumacher-Quartier – und mit 20 bis 30 Jahren für das gesamte Projekt. Falls sich die Bauzeit nicht unerwartet verlängert. Berlin ist da einiges gewohnt.
(APA, dpa, 8.10.2020)

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Berliner Flughafen BER: Der Probebetrieb steht vor dem Abschluss
Der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens in zwei Wochen sollte nichts mehr im Wege stehen


Geflogen werden soll am BER nach jahrelangen Verzögerungen ab 31. Oktober.
Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
– Gut zwei Wochen vor der geplanten Eröffnung endet am Donnerstag der Probebetrieb auf dem neuen Berliner Hauptstadtflughafen BER. Seit Juni haben 9.000 freiwillige Testpassagiere alle Abläufe im neuen Terminal geprobt – von der Ankunft über den Check-in bis zum Gate. Statt in ein Flugzeug ging es dort jedoch allenfalls in einen Bus. Geflogen werden soll am BER nach jahrelangen Verzögerungen ab 31. Oktober.

Die Verantwortlichen wollen nächste Woche eine Bilanz des Probebetriebs ziehen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat jedoch schon deutlich gemacht, dass die Testläufe keine schwerwiegenden Mängel zutage gefördert haben. Zugleich dämpfte er die Erwartung, dass bei der Inbetriebnahme alles glatt laufe.

"Es wird sicherlich nicht alles hundertprozentig funktionieren", sagte Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung am Freitag. Große Schwierigkeiten werde es aber nicht geben. "Die wesentlichen Prozesse sind solide vorbereitet." Die Erfolgsquote beim Probebetrieb sei bis dahin bei gut 82 Prozent gelegen. 80 Prozent seien das Ziel gewesen.

Abläufe kennenlernen
Schon früh zeigte sich etwa, dass die Beschilderung im Terminal verbessert werden konnte. Schließlich sollen die Passagiere ohne Umwege zum Flugzeug kommen. Deutlich wurde auch, dass es vor den Sicherheitskontrollen leicht zu Gedränge kommen kann.

Auch Mitarbeiter der Betreibergesellschaft und weiterer Unternehmen am Flughafen machten beim Probebetrieb mit, um die Abläufe kennenzulernen. Eigentlich sollten rund 20.000 Freiwillige den Flughafen testen. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie erhielten sie alle eine Absage und mussten sich neu bewerben. Weniger Teilnehmer sollten das Abstandhalten ermöglichen. An einem Tag im Juli wurde der Probebetrieb abgebrochen, ein Brandmelder hatte Alarm ausgelöst.

Der Probebetrieb ist nicht vorgeschrieben. Pflicht war nur eine Evakuierungsübung für den Bahnhof, der unter dem Terminal liegt. Sie ging im April über die Bühne.
(APA, dpa, 14.10.2020)

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