josef

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#21
Römerstraße über Pyhrnpass

:danke Daniel, passt schon!

Bringe bitte als Quellenangabe den Buchtitel nach! Bei Fremdtexten und Bildern aus Büchern, Printmedien, Webseiten usw. ist dies aus Copyrightgründen notwendig, sonst müssten die Anhänge gelöscht werden.

lg
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#23
OÖ. Landesausstellung 2018 über Donaulimes

Badeanlage aus der Römerzeit an der Donau

Eine besonders gut erhaltene Badeanlage aus der Römerzeit haben Archäologen im Bereich der Schlögener Schlinge ausgegraben. Es handelt sich dabei um ein Vorprojekt für die Landesausstellung 2018, die dem Donaulimes gewidmet sein wird.

Der 14 Meter lange und bis zu sechs Meter breite Bau wurde bereits 1838 entdeckt, als sich „Honoratioren der Umgegend“ zu einem Verein für erste planmäßige Ausgrabungen im Bereich eines römischen Kastells und einer kleinen Zivilsiedlung zusammenschlossen. Dieser Zeitpunkt stellt den Beginn der wissenschaftlichen Archäologie in Oberösterreich dar und obendrein den Anfang der österreichischen Limesforschung.

Die Römer am Donaulimes in Oberösterreich
Die Donau bildete die militärisch gesicherte nördliche Grenze der römischen Provinz Noricum, die von Anfang des ersten nachchristlichen Jahrhunderts beinahe 500 Jahre lang bestand und bleibende Spuren in materieller, vor allem aber in geistiger Hinsicht hinterließ. Diesen ist die Landesausstellung 2018 mit dem Arbeitstitel „Die Römer am Donaulimes in Oberösterreich“ gewidmet.

Das Römerbad soll 2017 mit einem Schutzbau versehen und öffentlich zugänglich gemacht werden. Neben der römischen Siedlung im Ortsteil Schlögen der Gemeinde Haibach ob der Donau sollen dort die Themen antike Badekultur und die dafür notwendigen für die damalige Zeit herausragenden baulichen und technischen Lösungen präsentiert werden.

„Bäder, Wein und harte Männer“
Neben Schlögen und Oberranna im Oberen Donautal mit einer noch zu erforschenden Befestigungsanlage aus antiker Zeit sollen in der Landesausstellung die Städte Linz (römisch: Lentia) und Enns (Lauriacum) eine wichtige Rolle spielen. Im Linzer Schlossmuseum steht eine Aktualisierung der Dauerausstellung Archäologie auf dem Programm, weiters eine Sonderausstellung „Bäder, Wein und harte Männer - Römer in Werbung und Film“. Sie will einen „besonderen Blick auf das geistige Erbe Roms“ bieten.

Enns und Lauriacum
In Enns – einst Stationierungsort der Zweiten Italischen Legion samt Zivilstadt -sollen unter anderem im dortigen Museum Lauriacum die Geschichte dieses militärischen Verbandes sowie die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt vermittelt werden. Die römischen Baureste in der Unterkirche der Basilika St. Laurenz in Lorch, darunter die Mauern einer frühchristlichen Kirche aus der Zeit des Heiligen Severin sollen attraktiver werden.

Weiters soll es eine Schaugrabung bei der größten Anlage an römischen Kalkbrennöfen, die bisher in den römischen Rhein/Donauprovinzen entdeckt worden ist, geben. Als verbindendes Element ist ein Ausstellungsschiff vorgesehen, das jeweils für einige Wochen an den einzelnen Stationen anlegen wird.

UNESCO Welterbe Donaulimes
Parallel dazu läuft der Prozess zur Einreichung für ein „UNESCO Welterbe Donaulimes in Österreich und Bayern“ auf Hochtouren. Die Vorschläge für die Welterbe-Zonen sind finalisiert und werden nun mit den Ländern und Gemeinden abgestimmt. Ein Managementplan für Schutz und Erhalt, Vermittlung, Erschließung und Forschung ist in Arbeit. Die Projektunterlagen sollen 2016 ergänzt und vorgeprüft werden. Die Einreichung ist 2017 geplant. Die Ernennung zum Weltkulturerbe könnte ausgerechnet zur OÖ. Landesausstellung 2018 erfolgen, hoffen die Betreiber.

Archäologie im Aufschwung
Die Archäologie ist in Oberösterreich derzeit erstmals seit längerem wieder im Aufschwung. Denn für die Landesausstellung 2020 mit dem Titel „Versunken - Aufgetaucht“ in Seewalchen, Attersee und Mondsee ist auch die Erforschung der noch vorhandenen Reste von rund 6.000 Jahre alten Pfahlbau- und anderen Siedlungen an den Salzkammergut-Seen neu gestartet worden, unter anderem mit einer Unterwassergrabung am Attersee.
Text u. Foto: http://ooe.orf.at/news/stories/2740746/
 

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#24
OÖ. Landesausstellung 2018 - Arbeitstitel „Die Römer am Donaulimes in OÖ."

Enns ist Zentrum der Landesausstellung 2018 -
Römische Kalkbrennanlage in Enns ausgegraben

Archäologen haben in Enns (Bezirk Linz-Land) am Mittwoch eine Ausgrabung präsentiert, die ein Höhepunkt der Landesausstellung 2018 sein wird: die bisher größte bekannte Kalkbrennanlage der Rhein-Donau-Provinzen im Römischen Reich.

Die Kalkbrennanlage war Voraussetzung für die rege Bautätigkeit der Römer, als diese an der Wende des 2. und 3. Jahrhundert Militär in Enns stationierten, so Wissenschaftler Felix Lang, der mit der Ausgrabung betraut war. Die Archäologen sprechen laut Stefan Traxler vom Landesmuseum von einem Sensationsfund, denn es handelt sich um eine ganze Batterie von insgesamt zwölf Brennöfen.

„Besterhaltene Anlage überhaupt“
Erste Spuren davon fanden sich bereits 2008 bei einem Straßenbau. Seit dem heurigen April führen dort Archäologen eine Ausgrabung durch und legten einen der Öfen mit einer Höhe von über vier Metern und einem Durchmesser von 3,8 Metern frei. „Es handelt sich zweifellos um einen der besterhaltenen römischen Kalkbrennöfen überhaupt.“

Münzen, Keramik, Tierknochen aus dem 4. Jhdt.
Damit nicht genug weist die Entdeckung noch eine Besonderheit auf: In der Spätantike - vermutlich im Laufe des 4. Jahrhunderts - wurde der Ofen nur noch als „Mülleimer“ verwendet. So konnten daraus mehrere tausend Fundobjekte geborgen werden. Darunter nicht nur Ziegel und einige Metallobjekte wie Münzen und diverse Keramik, sondern auch Knochenteile von Rindern, Pferden beziehungsweise Maultieren, Ziegen und Schafen sowie von einem Hund.

Besonders jubeln die Ausgräber aber über die Fragmente von zwei Herkules-Statuen sowie einen vollständigen Weihealtar. Die Steindenkmäler hätten vermutlich im Ofen zu Kalk gebrannt werden sollen, doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Deswegen hat das Ausgrabungsprojekt auch den Titel „Hercules im Kalkbrennofen“ bekommen.

Ohne Kalk kein römisches Pantheon
Eine Kalkbrennerei war Voraussetzung, dass die Römer ihre bis heute gerühmten Bauten überhaupt realisieren konnten. Ohne Kalk wäre die Gussmörteltechnik nicht möglich gewesen, mit der unter anderem das Pantheon, die Kaiserthermen, Aquädukte und Hafenanlagen errichtet wurden. Ohne sie gäbe es auch keine Estrichböden oder Fresken auf Wandputz.

Mit den Römern gelangte eine neue Baukultur in die Provinzen. Neben dem Gussmauerwerk sind besonders Ziegeldächer sowie Fußboden- und Wandheizungen zu nennen. Diese Revolutionierung des Bauwesens hat nachhaltige Spuren hinterlassen, die bis ins Hier und Jetzt reichen. Neben den Anleihen, die sich Architektinnen und Architekten auch heute noch aus der Antike holen, sind es insbesondere die Lehnwörter aus dem Latein, die das baukulturelle Erbe Roms abbilden.

Enns ist Zentrum der Landesausstellung 2018
Die OÖ. Landesausstellung 2018 trägt den Arbeitstitel „Die Römer am Donaulimes in Oberösterreich“. Im Zentrum steht dabei Enns/Lauriacum, wo die Zweite Italische Legion stationiert war - der größte militärische Stützpunkt der Provinz Noricum - und sich auch eine große Zivilsiedlung mit geschätzten 20.000 Einwohnern befand. Das heutige Enns hat 12.000 Einwohner.

Für die Landesausstellung soll die Schausammlung im Museum Lauriacum neu aufgestellt werden. Dort soll die Bedeutung der Römer für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region aufgezeigt werden, so Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) als Kulturreferent, dem Ennser Bürgermeister Franz Stefan Karlinger (SPÖ) in der Pressekonferenz. Weiters sind die Attraktivierung der römischen Baureste in der Unterkirche der Basilika St. Laurenz in Lorch und eine Schaugrabung an einem weiteren Kalkbrennofen geplant.

Auch das Schlossmuseum in Linz - damals Lentia - und eine freigelegte, besonders gut erhaltene Badeanlage bei Schlögener Schlinge der Donau sollen Schauplätze der Landesausstellung.
Text u. Bilder: http://ooe.orf.at/news/stories/2785474/

1. Die Ausgrabungstätte des römischen Kalkbrennofens in Lauriacum/Enns
2. Auch dieser Teil einer Hercules-Statuette aus Marmor wurde im „Mülleimer“ gefunden
3. Freilegung eines dem Hercules geweihten Altares
 

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#25
Kastell Mittelpunkt der oö. Landesausstellung 2018

Was die Römer in Oberösterreich gegessen und getrunken und wie sie gewohnt und gekämpft haben, ist Thema 2018 bei der Landesausstellung. Im Mittelpunkt steht dabei ist ein Kastell in Engelhartszell (Bezirk Schärding), das vor 1.700 Jahren gebaut wurde.


Es ist 18 mal 18 Meter groß, hatte an allen vier Ecken einen Rundturm und ist in seiner Art in Österreich einmalig: der „Quadriburgos von Oberranna“, von dem aus die Römer wunderbar die Donau überblicken konnten. Höhepunkt der noch erhaltenen Mauern, die teilweise bis zu zwei Meter in die Höhe ragen, ist eine im Turmrest erhaltene Badewanne.


ORF

Überbau als Glücksfall
Die Ausgrabung in Oberanna soll durch einen Schutzbau bei der kommenden Landesausstellung besuchertauglich gemacht werden. Das Kleinkastell ist deswegen noch so gut erhalten, weil es im Spätmittelalter unter Einbeziehung der römischen Substanz überbaut wurde, was als absoluter Glücksfall bezeichnet werden kann. 1960 allerdings wurden durch Baggerarbeiten für eine Tankstelle Teile des Südturms und des Westturmes zerstört.

Geschichte der Römer in OÖ
Die Landesausstellung 2018 will mit vielen Schaugrabungen, Interaktionen und Aktionen wie Forschungsabenteuern den Besuchern die 500-jährige Geschichte der Römer in Oberösterreich näherbringen. Oberanna, Schlögen, Enns und Linz werden 27. April bis 04. November 2018 die Stationen der kommenden Landesaustellung sein - der Quadriburgos von Oberranna gilt als einer der Höhepunkte der Landesausstellung.

Link:
Publiziert am 01.08.2017
http://ooe.orf.at/news/stories/2858148/
 

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#26
Limes und „Römerlager Arrianis“ in Klosterneuburg


Stift Klosterneuburg gibt Einblicke in Römerlager
Im Stift Klosterneuburg ist eine Ausstellung zum „Römerlager Arrianis“ eröffnet worden. Bis 18. November werden in Klosterneuburg archäologische Funde und Erkenntnisse über den Limes präsentiert.
Die am Donnerstagabend von Propst Bernhard Backovsky eröffnete Jahresausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg widmet sich dem „Römerlager Arrianis“. Sie präsentiert archäologische Funde und Erkenntnisse über den Limes in der Stadt. Eine Schaugrabung, Grabsteine aus dem Lapidarium und antike Objekte veranschaulichen die geschichtsträchtige Bedeutung des Areals.


ORF
Einblicke in die Schaugrabung im Stift Klosterneuburg

Limeslager befand sich am heutigen Stiftsareal
Vier Jahrhunderte lang erstreckte sich entlang der Donau die nördliche Grenze des römischen Reichs. Das Klosterneuburger Limeslager befand sich ab dem ersten Jahrhundert nach Christus auf jener Terrasse, auf der sich heute das Stift befindet. Auch wenn oberirdisches römisches Mauerwerk nicht mehr erhalten ist, kann der Standort des Kohortenlagers sehr genau lokalisiert werden. Hatte man dem Lager noch bis vor einigen Jahren Namen wie Cetium, Asturis, Cannabiaca und Favianis zugeschrieben, untermauern neuere Forschungsergebnisse die Bezeichnung „Arrianis“.


ORF
Die Ausstellung im Stift kann bis 18. November besucht werden

Stiftsarchivar Karl Holubar und Kustos Wolfgang Christian Huber haben die Ausstellung kuratiert, die den Spuren des westlichsten Hilfstruppenlagers der römischen Provinz Pannonia folgt. Dargestellt wird auch die Geschichte der Erforschung, die bis zu Abt Benedikt Prill zurückreicht, unter dessen Amtsführung im Jahr 1736 römische Münzen gefunden wurden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgten im Stiftsbereich einige Grabungen, darunter auch unter dem Kreuzgang und dem Kreuzgarten, die nun erstmals öffentlich zugänglich sind.

Bronzene Urkunde als besonderes Exponat
Ein besonderes Exponat stellt die bronzene Entlassungsurkunde eines römischen Soldaten dar, ein sogenanntes Militärdiplom. Ausgewählte Objekte aus den Stiftssammlungen belegen in einem zweiten Ausstellungsbereich in der Galerie der Sala terrena das Interesse der bildenden Kunst an der Antike bis in die Gegenwart. Ein detailreicher und illustrierter 164-seitiger Ausstellungskatalog liefert profunden Hintergrund.

Link:
Publiziert am 16.03.2018
 

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#27
Favianis - Mautern an der Donau:
Der heilige Severin und das Alltagsleben am norischen Limes


Die vom Mönch Eugippius verfasste Biografie gibt Einblick in das Leben in Favianis, dem heutigen Mautern an der Donau, im fünften Jahrhundert nach Christus
Seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert war Noricum römische Provinz gewesen. Legionslager, Kastelle und Wachtürme waren errichtet und mehrfach umgebaut worden. Straßen waren gebaut worden, und Zivilsiedlungen und Handelsbeziehungen waren entstanden.

Der Tod Attilas und in weiterer Folge der Zusammenbruch des Attilareichs hatten im Donauraum nach 453 ein Machtvakuum geschaffen. Im fünften Jahrhundert nach Christus brach die römische Staatsverwaltung und damit auch die Provinzverwaltung zusammen. Die Grenzbesatzung löste sich auf. Sold gab es keinen mehr. Die Limesorte waren ständig Belagerungen, Plünderungen und Zerstörungen durch verschiedene Interessengruppen ausgesetzt. In Favianis stand, anders als in anderen Limesorten, noch eine reguläre Garnisonstruppe unter dem Befehl eines Tribunen namens Mamertinus. Er hatte allerdings nur wenige und schlecht ausgerüstete Soldaten unter seinem Kommando (paucissimi milites).

In diese Zeit des Umbruchs fällt das Leben und Wirken des heiligen Severin in Ufernoricum.

Das Alltagsleben am norischen Limes
Die vita sancti severini erzählt vom Leben am norischen Limes am Ende der Spätantike und ist damit eine unschätzbare Quelle für diese Zeit. Während der Mönch Eugippius 511 über Wunder und Geschehnisse im Leben des Heiligen erzählt, erfahren wir zwischen den Zeilen über politische Verhältnisse und vor allem das Alltagsleben am norischen Limes.

Dabei besaß der heilige Severin in Noricum weder den Charakter eines römischen Magistrats noch das Mandat eines patrimonialen Beamten. Die vita sancti severini erlaubt weder, Severin als geweihten Priester noch als Mönch anzusprechen. Es war also kein Amt und keine Verantwortlichkeit, die den heiligen Severin zum Entwicklungshelfer machte, sondern vielmehr die Bereitschaft zu helfen, einfach weil er gebraucht wurde.

Severins politischer Einfluss
Severin nutzte seinen politischen Einfluss, seine offenbar vorhandenen Beziehungen und sein Charisma, um etwa Verhandlungen mit den Rugiern zu führen, die auf der anderen Seite der Donau ihre Herrschaft etabliert hatten. Er kaufte Gefangene frei, organisierte Hilfslieferungen für die romanische Bevölkerung und sorgte für eine koordinierte Verteilung der Lebensmittel. An einigen Stellen der Vita warnt der heilige Severin die Bevölkerung vor bevorstehenden Kriegshandlungen und Überfällen, über die er – durch seine politischen Kontakte – offensichtlich gut genug informiert war.

Favianis, dessen Zuordnung zum heutigen Mautern an der Donau mittlerweile als gesichert gilt, war einer der Hauptwirkungsorte des heiligen Severin. Hier gründete der Heilige nach seiner Ankunft in Favianis – nicht weit von der Stadt entfernt – ein Kloster. In der Vita werden eine Klosterkirche (basilica), eine Klosterpforte (ianua monasterii) und ein Pförtner (aedituus) erwähnt. In der Kirche selbst befanden sich ein Altar (altarium) und ein Silberkelch (calix argenteus). Die Angehörigen der hier ansässigen Mönchsgemeinschaft nennt Eugippius "monachi", den Abt "presbyter" und die Priester "sacerdotos". Severin selbst zog sich immer wieder in seine rund eine Meile von Favianis entfernte Einsiedelei zurück – offenbar ein ehemaliger Wachturm (burgus), der in der Nähe der Weinberge lag.

Archäologisch sind die genannten Orte nicht fassbar
Bei der Grabung von 1957 bis 1958 wurden von Herma Stiglitz (ÖAI) zwei Gebäude freigelegt, die häufig als Severinskloster interpretiert wurden. Die im Gebiet des Vicus Ost gelegenen Gebäude sind ursprünglich kaiserzeitlich. Spätere Umbauphasen sind wahrscheinlich, spätantike Funde fehlen aber gänzlich. Im Südteil des einen Gebäudes wurde eine apsidiale Mauer angetroffen, die nach Westen ausgerichtet war und die als Priesterbank interpretiert wurde. Vor dem Podest befand sich der Rest eines kleinen halbrunden Fundaments. Der zusätzlich mit einem Estrich belegte, saalartige Innenraum besaß einen zehn mal 5,50 Meter großen Raum, der nur durch eine schmale Holzwand abgetrennt war. Bei den Gebäuden handelt es sich vermutlich um Wirtschaftsgebäude, die kaiserzeitlich genutzt wurden. Eine Datierung in die Spätantike ist nicht belegt. Ob es sich bei der nur bruchstückhaft vorhandenen Mauer um einen sakralen Raum handelt, ist nicht mehr zu klären.

Auch die Severinsklause in einem ehemaligen Burgus (ad vineas) konnte bisher nicht zugeordnet werden und wird wohl – aufgrund der Nutzung eines bereits bestehenden Gebäudes – auch in Zukunft nicht zuordenbar sein.

Spätantike Grabbeigaben
In den beiden größeren, an den Ausfallstraßen des Kastells gelegenen Gräberfeldern sind allerdings Bestattungen aus dem fünften Jahrhundert dokumentiert, die die spätantike Bevölkerung von Favianis etwas greifbarer machen.

Grabbeigaben aus dem spätantiken Bereich des Gräberfelds Ost werden derzeit im Rahmen der Ausstellung "Severin – Held und Heiliger" im Römermuseum Mautern gezeigt. Anhand der Beigaben werden Aspekte des Lebens am norischen Limes im fünften Jahrhundert thematisiert. Etwa die Auflösung der militärischen Organisation, die Nahrungsknappheit, das frühe Christentum und die Kontakte mit dem Kremser Rugierreich.

Ergänzend zeigt die Ausstellung, was anhand der Funde nicht nachvollziehbar ist: Szenen aus der vita sancti severini sind in Playmobil-Dioramen nachgestellt. So kämpft etwa der Tribun Mamertinus mit seinen paucissimi milites als Playmobil-Tribun an der tiguntia gegen die Räuber, und Playmobil-Schiffe bringen den ersehnten Nachschub an Nahrungsmitteln aus Raetien. (Katharina Kalser, 10.5.2018)
Katharina Kalser leitet die Restaurierungs- und Inventarisierungswerkstätten beim Verein Asinoe in Krems und seit Jänner 2017 auch das Römermuseum in Mautern.

Service: Die Sonderausstellung "Severin – Held und Heiliger" ist bis 28. Oktober im Römermuseum Mautern – Favianis – St. Severin zu sehen.
Öffnungszeiten: Freitag von 12 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr. 3512 Mautern, Schloßgasse 12.
favianis.at


foto: a. lorenz
Schiffe aus Raetien bringen Vorräte und beenden die Hungersnot in Favianis

https://derstandard.at/200007949582...verin-und-das-Alltagsleben-am-norischen-Limes
 

josef

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#28
Lebenszeichen aus Lauriacum: Vom Leben und Sterben der Menschen am Donaulimes
Überdurchschnittlich viele Männer wurden am Gräberfeld Steinpass begraben. Ihre Verletzungen lassen auf Kampfhandlungen schließen. Und auch sonst dürfte das Leben in der Römerzeit nicht immer angenehm gewesen sein
Das Legionslager in Lauriacum war der wichtigste Militärstandort an der Nordgrenze der römischen Provinz Noricum. Wie Stefan Traxler bereits berichtete, brachten groß angelegte Forschungsprojekte im Vorfeld der oberösterreichischen Landesausstellung 2018 "Die Rückkehr der Legion. Römisches Erbe in Oberösterreich" enorme Erkenntnisgewinne speziell über die zivilen Siedlungsräume. Doch wie lebte es sich in dieser Stadt? Wie erging es den Menschen und an welchen Krankheiten litten sie?

Knochen als Informationsquelle
Um diesen Fragen nachzugehen, untersuchten wir im Rahmen eines dreijährigen Projektes – eine Kooperation zwischen dem Oberösterreichischen Landesmuseum und dem NHM Wien, finanziert vom Land Oberösterreich – menschliche Skelettreste aus Lauriacum. Im Mittelpunkt stand das Gräberfeld Steinpass, das mit 381 dokumentierten Brand- und Körpergräbern den bis dato größten Bestattungsplatz Lauriacums darstellt. Ins 2. bis 4. Jh. n. Chr. datiert, fällt dessen Belegung in die Zeit der Stationierung der legio II Italica.



foto: oölm
Das OÖ Landesmuseum führte am Gräberfeld Steinpass in Enns in den Jahren 1951 bis 1963 Rettungsgrabungen durch.
Ein gefährliches Leben
Am Steinpass wurden überdurchschnittlich viele Männer, zumeist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, begraben. Ihr Anteil ist so hoch wie in keinem anderen bisher untersuchten Gräberfeld am österreichischen Abschnitt des Donaulimes. Kinder und Frauen sind hingegen deutlich unterrepräsentiert.

Besonders auffällig waren die vielen verheilten und unverheilten Schädelverletzungen. Bei Letzteren handelt es sich zumeist um Lochbrüche im Schädeldach, aber auch Schwerthiebe konnten festgestellt werden. Obwohl sich der genaue Tathergang nicht rekonstruieren lässt, sprechen Form und Lage vieler Verletzungen für zwischenmenschliche Gewalt, genauer, für Kampfhandlungen. Die Befunde unterstützen die archäologische Hypothese, dass dieses nahe dem Legionslager liegende Gräberfeld vermutlich von Soldaten und deren Familien genutzt wurde.



fotos: w. reichmann, nhm wien
Verheilter (links) und nicht verheilter Schwerthieb (rechts). Enns/Steinpass, Grab 223, ♂, 20 bis 40 Jahre.
Volkskrankheit Sinusitis
Ein auffallender Befund war die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel die chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis). Erstaunlicherweise litten daran mehr als 80 Prozent der diesbezüglich untersuchbaren Individuen. Man kann diese Erkrankung also durchaus als Volkskrankheit bezeichnen.

Die Ursache für die weite Verbreitung dürfte in den kaum isolierten und schlecht beheizbaren Häusern und Kasernen liegen. Neben der starken Rauchentwicklung beim Heizen und Kochen belasteten auch (Rauch-)Gase, Ruß und Feinstaub aus Handwerksbetrieben und von Leuchtmitteln die Atemwege. Die hohe Bevölkerungsdichte förderte zudem die Verbreitung von Atemwegserkrankungen. Das Leben in Lauriacum war in dieser Hinsicht wenig behaglich.



foto: w. reichmann, nhm wien
Knochenneubildungen in der linken Kieferhöhle aufgrund von chronischer Sinusitis. Enns/Steinpass, Grab 60, ♂, 20 bis 25 Jahre.
Schlechter Zustand der Zähne
Die Untersuchung auf Zahnerkrankungen brachte ähnliche Erkenntnisse wie bei anderen römerzeitlichen Gräberfeldern: Die Menschen hatten schlechte Zähne. Fast alle hatten sie Zahnstein, Karies konnte bereits bei über der Hälfte der Jugendlichen und bei praktisch allen älteren Erwachsenen festgestellt werden. Oftmalig kam es dadurch auch zu Abszessen im Zahnwurzelbereich; traurige Spitzenreiter waren zwei ältere Männer mit jeweils elf Abszessen.

Daraus lässt sich einerseits auf eine unzureichende Zahn- und Mundhygiene schließen, andererseits auf eine kohlehydratreiche Ernährung. Neben dem Hauptnahrungsmittel Getreide standen wohl auch süße Lebensmittel wie etwa Honig, eingedickter Süßmost oder (Trocken-)Früchte auf dem Speiseplan der hier Bestatteten.



fotos: w. reichmann, nhm wien
Oberkiefer mit Karies an den Zähnen und Abszessen im Zahnwurzelbereich. Enns/Steinpass, Grab 375-1, ♂, 25 bis 35 Jahre.
Staub und Asche
Bis ins 2. Jh. n. Chr. war Leichenverbrennung die bevorzugte Bestattungsart, Körperbestattungen setzten sich erst später durch. Daher dürfte es sich bei den Brandgräbern um die älteren Bestattungen handeln. Wenngleich Knochen durch die Verbrennung schrumpfen und in kleine Fragmente zerbersten, lässt sich noch einiges daran feststellen. Aus der Farbe der Leichenbrandfragmente kann geschlossen werden, dass die Toten zumeist vollständig, mit einer Temperatur von über 800 °C verbrannt wurden. In vielen Fällen ließ sich das Geschlecht und das ungefähre Sterbealter bestimmen: Auch hier überwiegen Männer im jüngeren Erwachsenenalter. In einem ungewöhnlichen Fall konnte sogar die wahrscheinliche Todesursache rekonstruiert werden: Schnittspuren am Kiefer und ersten Halswirbel eines 40- bis 60-jährigen Mannes deuten auf ein Verbluten als Folge der durchtrennten linken Halsschlagader hin.



foto: a. stadlmayr, nhm wien
Teile des Leichenbrandes (Rippen-, Wirbel- und Beckenfragmente) aus Grab 120. Mit einem Gesamtgewicht von über 1.300 Gramm gehört dieser zu einem der vollständigsten vom Steinpass.
Zur Bioarchäologie der Kronstorfer Doppelbestattung
Molekularbiologische Untersuchungen im Gräberfeld Steinpass blieben aufgrund der überwiegend schlechten DNA-Erhaltung zunächst ergebnislos. Mittlerweile konnten wir in einigen Proben DNA nachweisen – allerdings müssen die Daten noch verifiziert werden. Bei einem Grab unweit von Enns hatten wir mehr Glück. In Kronstorf wurde 2016 bei Bauarbeiten ein spätantikes Steinkistengrab entdeckt. Darin fanden sich die Skelette eines circa 15- bis 18-jährigen Mannes und einer circa 40- bis 60-jährigen Frau. Beide datieren über 14C in das 3.–4. Jh. n. Chr., was die kulturhistorische Einordnung anhand der Grabbeigaben bestätigt. Die Überreste des jungen Mannes wirken als wären sie im Grab beiseite geschoben worden, das weibliche Skelett befand sich in anatomisch korrekter Lage. Folglich wurde der Mann zuerst bestattet.



foto: w. klimesch
Die Doppelbestattung des spätantiken Steinkistengrabes aus Kronstorf. Im Bild oben: Skelett des Mannes, unten: Skelett der Frau.
Im Rahmen der DNA-Analytik wurde das biologische Geschlecht verifiziert und die beiden hinsichtlich ihrer Verwandtschaft untersucht. Das Standardverfahren aus der forensischen Molekularbiologie und die biostatistische Bewertung ergaben eine Wahrscheinlichkeit von 90,5 Prozent für eine elternschaftliche Beziehung, knapp 9,5 Prozent für eine Vollgeschwisterschaft und nur eine minimale Restwahrscheinlichkeit für eine Nicht-Verwandtschaft. Aufgrund der DNA-Befunde und der 14C-Datierung war es allerdings nicht möglich festzulegen, ob die Frau die Mutter des jungen Mannes war (und er früh verstarb) oder – wenngleich auch deutlich unwahrscheinlicher – der junge Mann Vater eines Mädchens war, das ihn lange überlebte. (Maria Marschler, Andrea Stadlmayr, Jan Cemper-Kiesslich, 17.5.2018)
https://derstandard.at/200007987242...uriacum-Vom-Leben-und-Sterben-der-Menschen-am
 

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#29
Burgus St. Lorenz (Teil 1)

Die Kirche St. Lorenz befindet sich westlich von Rossatz, am rechten Donauufer, direkt an der Anlegestelle der Rollfähre nach Weißenkirchen in der Wachau, man erreicht sie über die B33 oder dem Donau-Radweg. Die Kirche gehört zu den kleinsten Gotteshäusern in der Wachau und wurde als Andachtsstelle für Flussschiffer erbaut.

Im nördlichen turmartigen Gebäude sind die Überreste eines spätantiken Burgus verbaut. Die nördliche Mauer des Kirchenschiffes bildet hierbei die ältere Südmauer des Pfarrhofes und damit gleichzeitig die des Burgus. Einen Ausschnitt von ihr kann man noch an der Westseite zwischen Hausdach und Kirche erkennen. Seine Zeitstellung ist unbekannt.

Quelle: Limestürme in der Wachau – Wikipedia

Alle Fotos vom 19.06.2019
1561644414385.png
Die Kirche St.Lorenz von der B33 aus gesehen - Aufnahmerichtung NW: Der römische Wachturm (Burgus) befand sich an der im Foto verdeckten Nordwand in Richtung des anschließenden Gebäudes.

1561644493885.png
Die Römerstraße im Abschnitt Mautern - Melk verlief auf der Hochfläche des Dunkelsteinerwaldes. Zu den Wachtürmen entlang des Donauufers führten Stichstraßen durch Seitentäler abwärts. Direkt entlang der Donau gab es damals keine durchgehende Straßenverbindung.
 

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#30
Burgus St. Lorenz (Teil 2)

1. Blick von der B33 nach Norden zur Donau, im Hintergrund Weißenkirchen. Der Burgus befand sich im Bereich des Anbaues an die Kirche Richtung N (Donauseite).
2. Die Kirche Richtung West...
3. ...und Richtung SW von der von der Rollfähre zur B33 führenden Zufahrtsstraße.
4. - 5. Westseite der Kirchenmauer und der Hausanbau, dieser ist direkt am Platz des einstigen Wachturmes errichtet worden . An der Nordseite der Kirche ist links der Dachrinne ein kleines Stück der ehemaligen südlichen Originalmauer des Burgus zu erkennen.
6. Blick von der Donaulände, Anlegestelle der Rollfähre von Weißenkirchen, nach Süden: Der Burgus befand sich im Bereich des an die Kirche angebauten Hauses. Im Hintergrund entlang des Hanges verläuft die B33 (Mautern-Melk).
7. Infotafel an der Kirchenmauer.
8. Teil des Kircheninneren, aufgenommen "um die Ecke" durch ein Schmiedeeisengitter...
9. Bild des Innenraumes der Kirche St.Lorenz von einer Infotafel.
10. Foto aus 2013 mit Blick vom Nordufer beim Rollfähreanleger Weißenkirchen ans gegenüberliegende Ufer mit St.Lorenz.
 

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#31
Burgus Bacharnsdorf (Teil 1.)

In Bacharnsdorf (Gemeinde Rossatz-Arnsdorf) findet man an der Nordseite eines Wohnhauses noch die Ruine eines römischen Wachturmes - "Burgus"

Lage:
Der Ortsteil Bacharnsdorf befindet sich am nordöstlichen Ende einer Flussniederung bei der Ortschaft Mitterarnsdorf, kurz bevor die Donau hier eine Engstelle durchströmt, etwa 13 km flussaufwärts von Mautern an der Donau entfernt, an der Bundesstraße 33. Die Ruine selbst liegt in das gewachsene Ortsbild eingebettet beim Haus Bacharnsdorf Nr. 7. Seine Überreste grenzen im Süden direkt an ein mittelalterliches Hofgebäude, im Westen an etwas höher gelegenes Terrain und im Norden an ein Gartenareal. An der Ostmauer wurde eine Informationstafel angebracht. Der Name des Ortes geht auf Bischof Arno von Salzburg zurück, dem durch Kaiser Karl dem Großen im 8. Jahrhundert hier ein Lehen zugesprochen wurde.

Forschungsgeschichte
Schon im 19. Jahrhundert vermutete man hier auf Grund der vorhandenen Bausubstanz und Münzfunden einen ehemaligen römischen Wachturm. Auch Friedrich von Kenner, Eduard von Sacken und Eduard Nowotny äußerten die Vermutung, dass gegenüber von Spitz an der Donau, oberhalb der Ortschaft Arnsdorf, aufgrund der günstigen topographischen Lage ein römischer Beobachtungsposten bestanden haben muss. Gertrud Pascher bezeichnete allerdings in ihrer Fundzusammenstellung von Arnsdorf dies allerdings als „bloße Vermutung“ da meist nur Meldungen von Münzfunden aus dieser Gegend vorlagen. Im Sommer 1964 machte unter anderem der Heimatforscher Alois Topitz erneut auf das Vorhandensein dieses Burgus aufmerksam. Nach Meldung an die zuständigen Stellen wurde 1970 vom Österreichischen Archäologischen Institut (Herma Stiglitz) eine erste Untersuchung durchgeführt und durch Keramikfunde der römische Ursprung des Mauerwerkes zweifelsfrei bestätigt. 1985 erfolgte schließlich eine Bauaufnahme durch das Österreichische Bundesdenkmalamt (Gertrude Wlach, Marcelo Moreno-Huerta, Hannsjörg Ubl). Im Norden, Westen und vor allem im Osten wurde das Material bis unter die antike Fundschicht abgetragen. Danach erfolgte eine komplette Sanierung und Konservierung der Mauerreste. Antike Quellen oder Inschriften zu diesem Turm sind bis dato keine bekannt. Die aufgefundene Keramik wird im Museum Mautern an der Donau aufbewahrt.

Befund
Durch die über neun Meter hoch erhaltene Südmauer lässt sich das Aussehen dieser Befestigungsanlage gut rekonstruieren. Der Turm hatte zwei Stockwerke und besaß keine Unterkellerung. Der quadratische Grundriss misst in etwa 12,2 × 12,4 m. Der Bau steht auf rund 1,5 m breiten Fundamenten, das aufgehende Mauerwerk ist rund 1,6 m breit und verjüngt sich nach oben hin. In den einzelnen Stockwerken sind deutlich die Abdrücke der Balkenköpfe für die Verstrebungen der Zwischendecken erkennbar. Die Süd-West-Ecke ist noch bis in eine Höhe von zwei Meter erhalten. Der Eingang lag im Norden, vermutlich im Erdgeschoss, der erste Stock wurde durch jeweils zwei Schlitzfenster an den Seiten belüftet. Im zweiten Stock durchbrachen je zwei große Bogenfenster die Mauern. Das Erdgeschoss diente vermutlich als Vorratsraum, der erste als Unterkunft der Mannschaft und der zweite Stock als Wachstube. Vermutlich hatte der Burgus ein zeltförmiges, ziegelgedecktes Dach. Überreste einer den Turm umgebenden Wallanlage konnten nicht beobachtet werden.

Funktion und zeitliche Einordnung

Der Burgus sicherte das Donauufer und den Zugang des sich zur Donau nach Südosten hin öffnenden Kupfertales (Dürrenbachtal), durch das eine römische Geleisstraße verlief, die die Wachau mit der Reichsstraße zwischen Cetium (St. Pölten) und Namare (Melk) verband. Vermutlich wurde er um 370 n. Chr. von Soldaten der milites auxiliares Lauriacenses im Zuge der Grenzsicherungsmaßnahmen Valentinans I. errichtet. Der Turm wurde bis ins Hochmittelalter benutzt.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Limest%C3%BCrme_in_der_Wachau


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Ruine des Burgus an der Nordseite eines Winzerhauses

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Der Bacharnsdorfer Burgus war über eine Stichstraße durch das Kupfertal von der auf der Hochfläche des Dunkelsteinerwaldes verlaufenden Hauptverbindung Mautern - Melk erreichbar.
 

josef

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#33
Burgus Bacharnsdorf (Teil 3.)
Römerstraße durchs "Kupfertal"


Entlang dem südlichen Donauufer existierte teilweise bis ins Mittelalter hinein keine durchgehende Straßen- bzw. Wegeverbindung. Der Nordabfall des Dunkelsteinerwald reichte an einigen Stellen bis an den Uferbereich. Die wenigen flachen Anlandungen wurden periodisch von den Hochwässern überschwemmt. Die römische Reichsstraße verlief in diesem Abschnitt daher weiter im Hinterland durch Täler bzw. über die Hochflächen des Dunkelsteinerwaldes. Von dort führten Stichstraßen durch die Talschluchten zu den Wachtürmen am Donauufer. Diese standen jeweils in Sichtweite zueinander entlang des Stromes.
Quelle: Limestürme in der Wachau – Wikipedia


Die Zufahrtsstraße zum Burgus Bacharnsdorf führte von der Hochfläche aus dem Raum Schenkenbrunn - Maria Langegg durch das "Kupfertal" hinunter ins Donautal.

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Das romantische Kupfertal:
Über die Herkunft des Namens konnte ich bisher noch nichts in Erfahrung bringen. Jedenfalls gibt es in der einschlägigen Literatur keinen Hinweis auf eventuelle Kupfervorkommen.

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Übersicht GE:
An der Römerstraße durch das Kupfertal liegt auch das "Türkentor", ein Rest von Befestigungen gegen die Türken aus dem Spätmittelalter.
 

josef

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#34
Burgus Bacharnsdorf (Teil 4.)
Römerstraße durchs "Kupfertal"

1. Blick vom Rollfähreanleger Arnsdorf hoch zu den das rechte Donauufer säumenden Bergen des Dunkelsteinerwaldes. Von der Bildmitte nach rechts sieht man den Taleinschnitt des Kupfertales.
2. Der Übergang von den Weinrieden zum auf die Hochfläche führenden Waldgebiet des Kupfertales.
3. - 4. Tiefblick vom gleichen Standort in die Gegenrichtung (Norden) ins Donautal. Bacharnsdorf und die Donau liegen verdeckt hinter der Baumreihe, dahinter erkennt man am Nordufer die Wehrkirche von St. Michaell.
5. Nochmals der ehemalige Burgus im Tal als Ziel der Stichstraße.
6. - 10. Das romantische Kupfertal mit den Resten der Römerstraße.
 

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josef

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#35
„Donaulimes“: Hoffen auf den Welterbe-Titel

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Die antike römische Grenzbefestigung in Österreich, der „Donaulimes“, wird den Status „UNESCO-Welterbe“ vorerst nicht bekommen. Ein lange geplanter Antrag scheiterte an einer unerwarteten Entscheidung Ungarns.
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Der Limes zieht sich über tausende Kilometer quer durch Europa und gilt heute als eine der bedeutendsten Grenzanlagen der Menschheitsgeschichte. Die Römer wollten sich vor etwa 2.000 Jahren bestmöglich vor Angriffen aus dem Norden schützen. Auf dem Gebiet des heutigen Österreichs verlief die Grenze entlang der Donau.

Zwei Drittel der heute noch sichtbaren Grenzbefestigungen befinden sich in Niederösterreich. Die bekannteste ist jene von Carnuntum (Bezirk Bruck an der Leitha). Doch auch westlich davon sind Überreste kleinerer Anlagen erhalten, etwa in Klosterneuburg, Zeiselmauer (beide Bezirk Tulln), Traismauer (Bezirk St. Pölten), Pöchlarn und Ybbs (beide Melk).

Langjährige Planungen
Die Projektverantwortlichen versuchen spätestens seit einem ersten Antrag 2011, den Status UNESCO-Welterbe zu erreichen. Die ersten Überlegungen dazu begannen bereits Mitte der Nullerjahre. Zwar sind die „Frontiers of the Roman Empire“, also der Limes, als Gesamtmonument seit dieser Zeit bereits Weltkulturerbe, die einzelnen Staaten müssen jedoch ihre nationalen Anträge gesondert einreichen. Der britische Limes-Abschnitts, der Hadrianswall, wurde sogar bereits in den 1980er-Jahren zum Welterbe erklärt.
Mit dem Projekt „Donaulimes“ sollen die antiken Stätten nun auch hierzulande besser zur Geltung kommen. Dazu soll es etwa einen gemeinsamen Auftritt der Projektpartner und übergreifende Managementstrukturen geben. „Aus touristischer Sicht ist die Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe ein wichtiges Prädikat, um internationale Gäste auf ein Reiseziel aufmerksam zu machen“, sagt Bernhard Schröder, Geschäftsführer der Donau Niederösterreich Tourismus GmbH, gegenüber noe.ORF.at.
Für die betroffenen Ausgrabungsstätten und Museen entlang der Donau wird ein deutlicher Anstieg bei der Zahl der Besucher prognostiziert. „Insbesondere erwarten wir uns, dass die Anzahl der internationalen Besucher im Archäologischen Park Carnuntum zunimmt“, erklärte Schröder am Montag. Zusätzlich zum touristischen Aspekt standen seit Beginn der Planungen auch die Bewahrung des kulturellen Erbes und eine verbesserte wissenschaftliche Bearbeitung im Mittelpunkt.

Überraschung in Baku
Für die aktuellen Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Baku (Aserbaidschan) hatten sich die österreichischen „Donaulimes“-Verantwortlichen gute Chancen ausgerechnet. In einem gemeinsamen Antrag mit Deutschland, der Slowakei und Ungarn sollte das Ziel, auf die Welterbe-Liste zu gelangen, endlich erreicht werden. Doch wegen kurzfristiger Änderungen beim ungarischen Abschnitt entschied das Komitee am Samstag, die Grenzabschnitte vorerst nicht aufzunehmen.
Das Gremium, das noch bis zum 10. Juli in der Hauptstadt Aserbaidschans tagt, reagierte damit „auf eine kürzlich erfolgte Entscheidung Ungarns, einen Teil im Bereich der archäologisch erhaltenen römischen Stadt Aquincum im Norden von Budapest aus der transnationalen seriellen Nominierung herauszunehmen“, heißt es seitens der Österreichischen UNESCO-Kommission. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) hält den Palast allerdings für besonders wichtig in der Bewerbung um den Titel.
Insgesamt umfasste die Einreichung in allen vier Ländern 98 Komponenten entlang der Donau. Der Antrag wurde nun zur Überarbeitung an die vier beteiligten Staaten zurückgewiesen und muss durch den ICOMOS erneut evaluiert werden, bevor im nächsten Jahr ein neuer Anlauf zur Aufnahme auf der Liste gestartet werden kann.

Künftig gute Chancen
„Wenngleich es natürlich sehr bedauerlich ist, dass die so aussichtsreiche Einschreibung des Donaulimes auf die Welterbeliste nun nicht in diesem Jahr möglich ist, wurde in der Einreichphase wiederholt die Bedeutung dieser Nominierung auf internationaler Ebene bestätigt. Die Zeichen stehen gut, dass in intensiver Zusammenarbeit der vier Staaten eine Lösung gefunden wird, die eine erfolgreiche Einschreibung im kommenden Jahr ermöglicht“, so die Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, Sabine Haag.
Der ungarische Delegierte verteidigte am Sonntag die Entscheidung seines Landes, den Antrag abzuändern. Jede Regierung habe demnach das Recht auf Änderungen. Er bedauere, dass die anderen Staaten die Leidtragenden seien, erklärte der Delegierte.
Zuletzt hatte das UNESCO-Welterbekomitee im Jahr 2017 ein niederösterreichisches Projekt aufgenommen. Das Wildnisgebiet Dürrenstein trägt seitdem offiziell den Titel Weltnaturerbe – mehr dazu in Wildnisgebiet Dürrenstein wird Weltnaturerbe (noe.ORF.at; 7.7.2017).
red, noe.ORF.at/Agenturen

Tourismus: „Donaulimes“: Hoffen auf den Welterbe-Titel
 
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