Nächste Streckenstilllegung im Weinviertel

josef

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#1


Bahnlinie Schweinbarther Kreuz wird eingestellt
Die Regionalbahn Schweinbarther Kreuz (Bezirk Gänserndorf) wird mit Dezember eingestellt. Derzeit finden finale Gespräche zwischen dem Land Niederösterreich und den ÖBB statt. Die Bahnlinie soll durch ein Buskonzept ersetzt werden.
Die Linie Schweinbarther Kreuz führt von Groß-Schweinbarth in den Norden nach Bad Pirawarth (beide Bezirk Gänserndorf) und in den Süden einerseits nach Gänserndorf und andererseits nach Obersdorf (Bezirk Mistelbach). Die gesamte Strecke ist 35 Kilometer lang. Die Auslastung ist mit 700 Passagieren täglich allerdings dürftig, im Sinne der Wirtschaftlichkeit müssten es 2.000 sein. Schon in der Vergangenheit hatte es deswegen Kritik vom Rechnungshof gegeben.

Busse fahren schon ab Herbst
Jahrelang wurde über den Fortbestand der Regionalbahn diskutiert, jetzt dürften ihre Tage tatsächlich gezählt sein. Wie auch die „Kronen Zeitung“ berichtet, war bei den finalen Gesprächen zwischen den ÖBB und dem Land Niederösterreich vom Aus im Dezember die Rede.

Diese Woche präsentiert das Land den Bürgermeistern der Region einen Alternativplan, der sich auf Buslinien stützt. Die Busse sollen schon ab Herbst fahren, um eine Gewöhnungsphase zu bieten, heißt es aus dem Büro von Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). Die Schienenstrecken bleiben im Besitz der ÖBB.

Publiziert am 26.03.2019
Bahnlinie Schweinbarther Kreuz wird eingestellt
 

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#6
REGION WOLKERSDORF
Schweinbarther Kreuz: Gemeinsam für die Bahn
Gemeinden hinterfragen Entscheidung und fordern den Fortbestand der Bahnlinie.


Foto Christoph Szeker
Gemeinden entlang der Bahnstrecke Schweinbarther Kreuz möchten per Resolution die Einstellung der Bahn verhindern.
Während die VOR bereits die neuen Fahrpläne für die Busse präsentiert hat, beschlossen die Gemeinderäte in Pillichsdorf, Großengersdorf und Bockfließ eine Resolution zum Erhalt des Schweinbarther Kreuzes. Denn wie berichtet, soll die Bahnlinie mit Dezember von der ÖBB eingestellt werden. Ab September sollen bereits Busse fahren.
Der Beschluss zur Einstellung der Bahn erreichte die Gemeinden im März und wurde mit Überraschung aufgenommen. Viele Argumente wurden diskutiert. Fest steht jedenfalls, dass für einen weiteren Betrieb der Bahn auch Investitionen notwendig wären. Allerdings sind viele der Ansicht, dass die Bahn aufgrund schlechter Fahrpläne und Anschlussmöglichkeiten unattraktiv wurde.
Per Resolution fordern Pillichsdorf, Großengersdorf und Bockfließ daher unisono eine erneute Evaluierung der Entscheidung zur Einstellung der Bahn. Diese Entscheidung basiert auf einer Fahrgastzahl von 2.000 pro Tag, welche für einen effizienten Betrieb notwendig wäre. Selbst mit Investitionen in die Bahnlinie sei dies aber nicht zu erreichen.

„Weinviertel auf Schiene“ kritisiert Bus-Fahrzeiten
In dem Schriftstück aus Bockfließ wird daher erfragt, wie diese Mindestzahl zustande kam. Außerdem wird auf das starke Verkehrsaufkommen durch den Ort hingewiesen und die Gemeinde schlägt den Einsatz des hybriden ÖBB Cityjet eco vor. Die Verlässlichkeit der Bahn sei zudem ein wichtiger Zukunftsfaktor für die Gemeinde und sie sollte daher ausgebaut werden.
Für den Busverkehr können sich die Gemeinden allesamt wenig erwärmen: Im bereits problematischen Berufsverkehr würden die Busse beim Stehenbleiben den Verkehr noch zusätzlich behindern. Im Gemeinderat Pillichsdorf wurde dies scherzhaft mit der Aussage „eigentlich ist das eine super Verkehrsberuhigung“ kommentiert.
In einer Aussendung der Plattform „Weinviertel auf Schiene“ wird darüber hinaus die Fahrzeit der Busse kritisiert, die in zahlreichen zusätzlichen Haltestellen in den Ortschaften stehenbleiben werden. „Weinviertel auf Schiene“ unternahm eine Testfahrt von Wolkersdorf bis Groß-Schweinbarth mit 25 Haltestellen und ist überzeugt: „Der Bus ist fast doppelt so lange unterwegs wie die Regionalbahn.“ 42 statt 22 Minuten mit der Bahn brauchten die Testfahrer für die Strecke.
NÖN-Mistelbach, von Christoph Szeker. Erstellt am 29. Juni 2019
Schweinbarther Kreuz: Gemeinsam für die Bahn
 

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#7
WOLKERSDORF
Bahnbetreiber für Schweinbarther Kreuz gefunden
Die Bürgerinitiative „Regionalbahn statt Bus“ suchte nach alternativen Betreibern und wurde fündig: Die Graz-Köflacher Bahn möchte den Bahnbetrieb weiterführen.
NÖN Region Mistelbach, Christoph Szeker. Erstellt am 30. Oktober 2019

Szeker
Die Graz-Köflacher Bahn möchte am Schweinbarther Kreuz den Betrieb weiterführen.

Jetzt steht bereits fest: Die Graz-Köflacher Bahn (GKB) möchte die Regionalbahn weiter betreiben, Mitte Dezember stellen die ÖBB den Betrieb ein. Diese bestätigen auf NÖN-Anfrage das Interesse, wiewohl erst einmal die Rahmenbedingungen vom Land abgesteckt werden müssten.

In der letzten Woche trat die Bürgerinitiative „Regionalbahn statt Bus“ des Großengersdorfers Gerhard Mayer (Grüne) mit einer großen Neuigkeit an die Öffentlichkeit: Die Initiative war mit alternativen Betreibern ins Gespräch gekommen, welche am Fortbetrieb des Zugverkehrs am Schweinbarther Kreuz interessiert sind.

"Es geht in erster Linie um die Bedürfnisse der Pendler"
Die Initiative von „Regionalbahn statt Bus“ verdeutlicht, dass es die Bahnbefürworter ernst meinen. In den letzten Monaten haben die Freunde der Bahn bereits Unterschriften gesammelt und im Nationalrat übergeben.
Die Bürgerinitiative hat daher eigenständig gehandelt und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden informiert, um deren Unterstützung zu erhalten. Das Ziel jetzt: Eine gemeindeübergreifende Gesinnungsgemeinschaft für die Regionalbahn auf die Beine zu stellen, um das Vorhaben in Fahrt zu bringen. Von den Gemeinden erwartet Aktivist Gerhard Mayer, dass diese beim Land NÖ intervenieren und „den Wunsch der Bevölkerung nach Weiterführung der Bahn weitertragen“.

Für den künftigen Bahnbetrieb muss jedoch auch ein neues Konzept entwickelt werden. Fest steht bereits, dass der Betrieb auf der gesamten Strecke der Regionalbahn Schweinbarther Kreuz weitergeführt werden soll. Wie zusätzliche Fahrgäste angelockt werden sollen, ist aber noch unklar. Mayer verrät aber: „Es geht in erster Linie um die Bedürfnisse der Pendler. Die Entwicklung des Tagestourismus wird dann Teil des neuen Regionalkonzepts sein.“
Bahnbetreiber für Schweinbarther Kreuz gefunden
 

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#10
AUSGEDIENT
Weinviertler Regionalbahn muss aufs Abstellgleis
Während der Klimawandel dem Zug zu einem Revival verhilft, wird die Regionalbahn am Schweinbarther Kreuz von ÖBB und Land Niederösterreich ausgebremst

Moderne Elektrotriebzüge können in Groß-Schweinbarth nicht fahren, denn die R18 im Weinviertel wurde nie elektrifiziert.
Foto: Matthias Cremer

Im Weinviertel gehen die Uhren anders. Während Bahnfahren und Klimaschutz in aller Munde sind, wird in Niederösterreich eine ÖBB-Nebenbahn für immer aus dem Netz genommen. Es geht um das sogenannte Schweinbarther Kreuz und die nichtelektrisierte Regionalbahn R18 von Obersdorf über Groß-Schweinbarth nach Bad Pirawarth/Gänserndorf.

Sie wird am 14. Dezember zum letzten Mal mit Dieseltriebzügen befahren. Mit dem ÖBB-Winterfahrplan ab 15. Dezember wird die inzwischen heruntergekommene und aufgrund zahlreicher Langsamfahrstellen zur Bummelstrecke verlangsamte Strecke vom ÖBB-Personenverkehr nicht mehr bedient. Als Ersatz kurven seit September im Halbstundentakt Busse durch die Gegend. Darauf haben sich Land Niederösterreich und Bahninfrastrukturbetreiber ÖBB im Sommer verständigt – trotz Widerstands der Bevölkerung.

Alternativkonzept mit Bus
"Das kommt wie angekündigt, ist nicht umkehrbar", bekräftigt Florian Krumböck, Sprecher von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). "Die ÖBB sperrt die Strecke zu, weil sie nicht zum Zielnetz 2025+ gehört, und wir akzeptieren das." Daher habe Niederösterreich ein umfassendes, angebotsorientiertes Alternativkonzept mit Bussen entwickelt und eingeführt. Mit 700 Fahrten (das wären bei Hin- und Rückfahrt 350 Fahrgäste) pro Tag lohne der Bahnbetrieb nicht, zu hoch wären die Investitionen in Gleise, technische Anlagen und Wagenmaterial, rechnet Krumböck vor.

Was die Fahrgastzahlen betrifft, gehen die Angaben auseinander. Verkehrsminister Andreas Reichhardt gab die Zahl der Passagiere noch im Juni mit 700 an, das wären doppelt so viele wie die in St. Pölten genannten. Das für eine Attraktivierung der R18 notwendige Nachfragepotenzial von 2000 Fahrgästen würde aber deutlich unterschritten, so der Minister. Bau- und Erhaltungskosten von rund 115 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren wären damit nicht argumentierbar. Hinzu kämen vier Millionen Euro jährlich für den Zugbetrieb, und überhaupt sei ein Dieselverbrauch von bis zu 550.000 Litern pro Jahr dem Klimaschutz nicht zuträglich.

Dieselbus statt Dieselzug
Bei den rund 60 Autobussen, die sich im Übergangsbetrieb seit September durch Ortschaften wie Raggendorf schieben, stört der Diesel nicht. Dieselbusse seien nur eine Übergangslösung, geplant ist der Einsatz von Elektrobussen. Für sie werde in Raggendorf um 3,2 bis 3,5 Mio. Euro ein Buspark mit E-Ladestationen errichtet. Zum Leidwesen der Anrainer. Sie protestieren seit Monaten gegen die "Bus-Invasion" und bombardieren die Landespolitik – ohne Erfolg. Sogar einen alternativen Bahnbetreiber haben sie aufgetrieben. Die staatliche Graz-Köflacher Bahn (GKB) hat laut Bahninsidern Interesse am Zugdienst signalisiert, ihr fehlten aber Bahntrasse (Fahrwegkapazität) und Dieseltriebzüge. Alternativideen zur Schließung wälzt man sogar bei der ÖBB: Mit 85 Millionen wäre eine Teststrecke für Akku-Elektrozüge möglich, sagen Insider.
(Luise Ungerboeck, 14.11.2019)
Weinviertler Regionalbahn muss aufs Abstellgleis - derStandard.at
 

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#11
ENDSTATION - eine Reportage:
Letzte Ausfahrt mit der Regionalbahn Schweinbarther Kreuz im Weinviertel
In zwei Wochen fährt die Regionalbahn Schweinbarther Kreuz aufs Abstellgleis. Die Fahrt im Weinviertler Speckgürtel lohne nicht. Die Bürger kämpfen um ihre Bahn

Am Bahnhof Groß-Schweinbarth werden Signale noch per Hand erteilt und das Pfeiferl ist auch noch im Einsatz. Aber nur mehr bis 14. Dezember.
Foto: Robert Newald

Einsam steht der Dieseltriebzug an einem trüben Nachmittag Ende November zwischen Eibesbrunner Straße und frisch bestellten Äckern im niederösterreichischen Weinviertel. Kaum zwei Dutzend Menschen steigen mit Büro- und Einkaufstaschen bepackt an der Haltestelle Obersdorf aus dem elektrischen Schnellbahnzug Richtung Wolkersdorf und Laa an der Thaya.

Sie zerstreuen sich rasch in der Dämmerung, nachdem sie die Stiege vom Bahndamm heruntergegangen sind. Die einen starten auf dem Park-and-ride-Parkplatz in ihr Auto, die anderen werden mit Pkws abgeholt. Der verbleibende Rest trottet mit Kopfhörern im Ohr oder in Gedanken versunken zum Regionalzug R18. Zwei Frauen begrüßen einander herzlich, ehe sie die Stufen in den Dieselzug hinaufsteigen. Freie Sitzplätze gibt es genug. "Mehr als früher", sagt Frau Slavica, und es klingt wehmütig, fast bitter. "Wissen Sie", sagt sie gestikulierend, "einige sind schon auf das Auto umgestiegen, weil mit unserem Zug ist es bald vorbei hier."


An einem trüben Novembertag sieht der in die Jahre gekommene Dieseltriebzug in Obersdorf im Weinviertel besonders trist aus.
Foto: Robert Newald

"Bald", das ist am 14. Dezember. An diesem Samstagabend fährt der R18 zu letzten Mal, dann stellt die ÖBB den Bahnbetrieb am sogenannten Schweinbarther Kreuz ein. 700 Fahrgäste pro Tag seien zu wenig, die Kosten zu hoch, sagt das Verkehrsministerium. Zwischen Wolkersdorf, Raggendorf, Groß-Schweinbarth, Bad Pirawarth und Gänserndorf fahren dann nur noch Busse.

Das Land Niederösterreich ließ sich beim Buskonzept nicht lumpen, alle halben Stunde kurven seit September Omnibusse durch Straßendörfer und 800-Seelen-Gemeinden im nördlichen Wiener Speckgürtel. Sehr zum Missfallen der Anrainer, sie fühlen sich belästigt durch Lärm, Abgase und 140 Busse täglich, erklärt der Sprecher der Bürgerinitiative "Regionalbahn statt Bus", Gerhard Mayer. Vor allem in Raggendorf, wo sich die Linien 530 und 535 kreuzen und ein Busbahnhof entstehen soll. Hinzu kommt noch die Buslinie 495 zwischen Gänserndorf und Aderklaaer Straße an der Wiener Stadtgrenze. Teils fahren die Busse im Abstand von fünf Minuten, teils verpassen sie die Schnellbahn, und die Fahrgäste müssen eine halbe Stunde auf die nächste S-Bahn warten.

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So seltsam es angesichts gut ausgebauter Straßen klingen mag: Ohne ihre Bahn fühlen sich die Menschen in diesem Teil des Weinviertels abgehängt – gerade einmal zwanzig Kilometer von der Bundeshauptstadt entfernt.

Wenn der Zug weg ist
"Wenn der Zug weg ist, fahre ich mit dem Auto", sagt Herr Richard trotzig. So schnell und zuverlässig wie der Zug sei der Bus nie, schon gar nicht im Winter. Früher sei der hauptsächlich von Pendlern und Schülern genützte Regionalzug zwei Garnituren lang gewesen, und die Fahrgäste sind gestanden, weil es viel zu wenig Sitzplätze gab, erinnert Herr Richard an die 1990er-Jahre. Er ist Beamter und fährt seit 31 Jahren von Groß-Schweinbarth nach Obersdorf und von dort mit Schnell- und U-Bahn über Wien-Floridsdorf ins Büro in der City. "Da zieht es nicht, es gibt ein Klo, und der Zug ist pünktlich." Er misstraut dem Buskonzept, dessen Kosten das Land mit mehr als drei Millionen Euro pro Jahr angibt. "Es ist nicht gut durchdacht, und wenn sich die Leute endlich damit abgefunden haben, wird es sicher ausgedünnt."

"Innovationsregion"
Das bestreitet man im Büro von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) energisch. Es sei auf mindestens drei Jahre angelegt, und ab 2022 soll in der zur "Innovationsregion" ausgerufenen Gegend auf Elektrobusse umgerüstet werden. "Vor der Landtagswahl im Jänner 2018 wurde uns seitens Niederösterreichs versichert, dass die Regionalbahn Schweinbarther Kreuz als eine von fünf Regionalbahnen attraktiviert wird", sagt Landschaftsökologin Elfriede hörbar enttäuscht. Eine Steigerung der Fahrgastzahlen von 6500 auf 11.000 wäre realistisch. Und jetzt wird die Bahn zugesperrt.


Frau Slavica (rechts) arbeitet in Wien in einer Kantine. Wie sie ab Mitte Dezember ohne den Zug R18 von Obersdorf nach Wien fahren wird, weiß sie noch nicht.
Foto: Robert Newald

Wie Frau Elfriede und Herr Richard denken viele. "Der Bus ist nie so pünktlich, und wenn er zu spät zur Bahnstation kommt, ist die S-Bahn weg!", warnt Frau Slavica, die frühmorgens in der Kantine einer Versicherung den Dienst antreten muss. "Und er kostet um 38 Euro mehr", sagt sie und schüttelt den Kopf. Sie habe schon überlegt, ein Auto zu kaufen für den Weg zur S-Bahn-Station Gänserndorf. "Aber mein Mann hat gesagt, für das eine Jahr bis zur Pension zahlt sich das nicht aus."

Endstation aus der Zeit gefallen
Inzwischen ist der Zug an seiner Endstation in Groß-Schweinbarth angekommen. Es ist bereits dunkel, nur der Bahnhof ist beleuchtet. Er scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Es gibt noch einen Fahrdienstleiter, der Ankunft und Abfahrt über Lautsprecher ankündigt und mit dem Pfeiferl Signale gibt. Der Bahnhof, an dem sich die Bahnlinien kreuzen (siehe Grafik) hebt sich wohltuend von vergleichbaren Einrichtungen ab: Der Wartesaal in dem alten Gebäude ist beheizt, alles ist picobello sauber, es gibt Zimmerpflanzen und sogar eine saubere Toilette. Diesen Komfort schätzt auch eine junge Frau, die an der Graphischen Akademie studiert. Sie sattelt mangels Alternative auf den Bus um.

Kämpfen bis zuletzt
Andere sind weniger resigniert. "In Zeiten des Klimawandels eine Bahn zusperren, das ist absurd!", echauffiert sich Kommunikationsberaterin Gabriele R., die sich ebenfalls für den Erhalt der Bahn engagiert. Hoffnung gibt die Graz-Köflacher Bahn (GKB), die den Bahnbetrieb weiterführen würde – vorausgesetzt, Bund und Land machen kehrt und investieren doch. Auf gut 80 Millionen Euro taxieren Experten den Investitionsbedarf in die Schieneninfrastruktur inklusive Neubau einer 900 Meter langen Verbindungsspange zu den Schnellbahngleisen Richtung Wien-Leopoldau (U-Bahn). "Mit Akkuzügen könnten dann beide, S-Bahn und Regionalbahn, befahren werden", schildert Gerhard Mayer von der Initiative "Regionalbahn statt Bus", einmal mit Strom aus der Oberleitung, einmal aus der Batterie. Das wäre einer Innovationsregion würdig.

Die Bahn, das zweite Auto
"Ein Leben auf dem Land ganz ohne Auto, das ist eine Illusion", weiß auch Gabriele R. – trotz Klimakrise. "Aber die Bahn könnte wenigstens das zweite Auto im Haushalt sein." Wie positiv ein Bahnanschluss wirkt, ist übrigens messbar. Das wenige Kilometer entfernte Pillichsdorf rangiert im Standortranking gleich um Klassen besser.

Ein Schüler, der eben von der HTL in Wien nach Hause fährt, hat die Hoffnung längst aufgegeben: "Ab Jänner hab ich einen Führerschein, dann fahre ich mit dem Auto." Die Kapazitäten dafür werden gerade geschaffen: Der Park&Ride-Platz neben der Haltestelle wird bis Frühjahr 2020 um rund 900.000 Euro ausgebaut.
(Luise Ungerboeck, 30.11.2019)

Aus für Regionalbahn nach Groß-Schweinbarth im Weinviertel
Im Speckgürtel lebt es sich's am besten

Letzte Ausfahrt mit der Regionalbahn Schweinbarther Kreuz im Weinviertel - derStandard.at
 
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