Suche nach Heißwasservorkommen im nordöstlichen Stadtgebiet von Wien und Suche nach neuen Erdgasvorkommen durch die OMV

Geist

Worte im Dunkel
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#24
Neuigkeiten vom Seismik-Konvoi:

Seismische Messungen: Sorge wegen „Rüttelangriffen“

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Seismische Messungen der OMV sorgen derzeit für Aufregung in Ortschaften rund um Wien.
Die OMV sucht am Nordrand von Wien und im östlichen Weinviertel, wie berichtet, nach Erdgas. Die entsprechenden seismischen Messungen sollen dazu dienen, die Versorgungssicherheit mit Energie für die Zukunft zu sichern. Durchgeführt werden die Arbeiten mit einem Konvoi aus Vibrationsfahrzeugen. In der Woche vor Weihnachten sorgte dieser in Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) für Aufregung.

Dokumentation
„Es sind zahlreiche Beschwerden zu mir gekommen. Die Lkw sind völlig überraschend am 18. Dezember in der Früh durch den Ort gefahren“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der SPÖ Langenzersdorf, Christoph Baumgärtel. „Wir haben zuvor die Bevölkerung aufgerufen, den Zustand ihrer Häuser fotografisch festzuhalten. Damit man eventuelle Schäden nachweisen kann“, fährt er fort. Dazu sei jedoch eine genaue Route und ein genauer Zeitpunkt der Messungen notwendig gewesen, damit die betroffenen Anrainer dies zeitgerecht durchführen können.
Die „Rüttelangriffe“ der OMV seien jedoch unangekündigt durchgeführt worden. Vize-Bürgermeister Josef Waygand (ÖVP) sagt, bei ihm hätte es keine Beschwerden gegeben: „Wir Politiker wurden vorab informiert. Auf Gemeindegrundstücken durften die Arbeiten aber nicht durchgeführt werden, nur auf Landes- und Bundesstraßen. Dazu hat es ein Infoschreiben vom Bürgermeister gegeben.“

Schäden befürchtet
Baumgärtel fürchtet Schäden: „In Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf, Anm.) hat man gesehen, was passieren kann.“ Er meint damit den pensionierten Landwirten Josef Zihr: „Bei mir wurden Messungen zu Ostern auf meinen Feldern durchgeführt. Ich habe vorab ein Beweissicherungsverfahren verlangt“, sagt der 62-Jährige. Während der Arbeiten befand er sich dann in Kärnten.
Doch als er zurück nach Niederösterreich kam, stellte er Risse in seinen Wänden fest, Ziegeln waren von seinem Dach gefallen und es gab immer wieder Stromausfälle, weil die „Hauptleitung aus dem Sockel rausvibriert“ worden sein soll. Die Schäden sollen rund 5000 Euro betragen. Derzeit ist ein Gerichtsverfahren im Laufen. Ein durch das Gericht beauftragter unabhängiger Sachverständiger bewertet derzeit den Sachverhalt.


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Die OMV hat in diesem Jahr in rund 40 Gemeinden Messungen durchgeführt und in zwei davon gab es Beschwerden bei der OMV. „Die OMV geht diesen nach und steht in Kontakt mit den jeweiligen Gemeinden“, heißt es von den Sprechern. Das Unternehmen sei im Mai an die Gemeindevertretung Langenzersdorf herangetreten und hätte entsprechend informiert.
Außerdem hätten zwei persönliche Fachgespräche mit politischen Vertretern der Marktgemeinde und OMV-Vertretern im August und Oktober stattgefunden, an denen Baumgärtel „leider nicht teilnahm“, wie es heißt. Und: „Die Vertreter der Gemeinde nahmen breitere Informationsangebote und Lokalaugenscheine nicht wahr.“
Zu dem laufenden Verfahren mit Herrn Zihr wollte die OMV keine Auskunft geben. Aber: „Aufgrund unserer Auflagen in Bezug auf die ÖNORM S9020 sind die von uns ausgelösten maximalen Schwinggeschwindigkeiten unterhalb des Grenzwertes für denkmalgeschützte Gebäude. Das bedeutet, dass wir mit der Einhaltung der Grenzwerte keinen Schaden verursachen können.“
Quelle: Seismische Messungen: Sorge wegen „Rüttelangriffen“
 

josef

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#25


OMV beendet seismische Messungen
Die seismischen Messungen der OMV auf der Suche nach Erdgas in Ostösterreich sind nun abgeschlossen. Eine Fläche von 1.500 Quadratkilometern wurde untersucht. Bewohner kritisieren, dass es dadurch zu Schäden an Häusern gekommen ist.
Seit Dezember 2017 waren die Vibrationen vom Marchfeld über das südliche Weinviertel bis in den Bezirk Tulln zu spüren. Laut OMV war es die größte 3D-Seismik-Messung, die es bisher in Europa gab. Die Techniker untersuchten dabei die Gesteinsschichten im Boden bis in eine Tiefe von 6.000 Metern. Aufgrund naturschutzrechtlicher Vorschriften und der Landwirtschaft im Marchfeld sei die Seismik ausschließlich in den Wintermonaten durchgeführt worden.


ORF
Die Rüttelfahrzeuge verursachten Vibrationen, die von Geophonen anschließend aufgegangen wurden

Aus den Daten wird nun ein dreidimensionales Bild erstellt, das der OMV helfen soll, mögliche Erdgas-Lagerstätten zu finden. Für die Messungen erzeugten die Rüttelfahrzeuge Vibrationen, die von den Gesteinsschichten reflektiert und von Geophonen aufgefangen wurden. Bei der kabellosen Messung kamen 140.000 Stationen mit zwei Millionen einzelnen Geophonen zum Einsatz.

Welle der Empörung
Laut Bewohnern seien dadurch an einigen Häusern Risse in den Wänden entstanden. Daraufhin folgte eine Welle der Empörung, woraufhin auch die Grünen die Messungen kritisierten. Laut OMV halten sich die Schäden in einem üblichen Ausmaß, es gebe bisher eine Hand voll Schadensmeldungen, manche seien auch schon beglichen. Die bei den Messungen geltende ONÖRM-Richtlinie sei jedoch überall eingehalten worden, betont die OMV.

Der Mineralölkonzern produziert derzeit etwa zehn Prozent des heimischen Erdgasverbrauchs. Jährlich werden in Österreich etwa acht Milliarden Kubikmeter Erdgas für den produzierenden Bereich, Kraftwerke, Heizwerke, Fernheizkraftwerke, Haushalte, Verkehr und Dienstleistungen benötigt.

Links:
Publiziert am 16.04.2019
OMV beendet seismische Messungen
 

Geist

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#26
Großes Heißwasservorkommen unter Wien

Unter Wien befindet sich in rund 3.000 Meter Tiefe ein vielsprechendes Heißwasservorkommen. Dieses will Wien Energie in Zukunft für die Wärmeversorgung nutzen – und hat dafür ein geologisches 3-D-Modell entwickelt.

Die Wärmeversorgung ist ein wesentlicher Schlüssel für Klimaschutz in der Stadt, das hat eine Studie im Auftrag von Wien Energie aufgezeigt. Wien Energie forscht deshalb an der Nutzbarmachung von erneuerbaren Wärmequellen. Im Fokus steht dabei die Tiefe Geothermie.

Wärmeversorgung bis 2040 dekarbonisieren

Seit 2016 erforscht der Energiedienstleister im Projekt GeoTief Wien gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie den geologischen Untergrund im Großraum Wien. Jetzt liegen konkrete Ergebnisse in Form eines umfassenden geologisches 3D-Modells vor: In rund 3.000 Metern Tiefe liegt das sogenannte Aderklaaer Konglomerat, ein vielsprechendes Heißwasservorkommen für die Tiefe Geothermie.

Wien Energie/FOTObyHOFER
Mit Vibro-Truck-Messfahrzeugen wird Wiens Untergrund durchsucht

Geothermie für Wärmewende entscheidend

Fernwärme ist für die Wärmewende, also den Umstieg auf erneuerbare Wärmeversorgung, entscheidend. 2040 sollen rund 56 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt über Fernwärme, der Rest im Wesentlichen über Wärmepumpen gedeckt werden. Die Fernwärme soll dann gänzlich klimaneutral sein.

Neben der Müllverbrennung und der Abwärmenutzung spielt dabei Geothermie eine wichtige Rolle. „Unter Wien schlummert ein riesiges Wärmevorkommen. Dieses wollen wir in Zukunft für die Wärmeversorgung nutzen. Mit dem 3D-Modell haben wir jetzt ein detailliertes Bild vom Wiener Untergrund in der Hand und können uns an die Planung von konkreten Projekten machen. Bis 2030 wollen wir bereits bis zu 125.000 Haushalte mit Wärme aus der Tiefe versorgen können“, so Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

Das Potentialgebiet erstreckt sich oberirdisch von Donaustadt bis Simmering. In diesen Gebieten sieht Wien Energie Chancen, die Heißwasservorkommen drei Kilometer unter der Erde, für die erneuerbare Fernwärme nutzen zu können. Die Forschungen schätzen ein Potential von bis zu 120 Megawatt thermischer Leistung.

Wien Energie/FOTObyHOFER/Christian Hofer
Das Forschungsteam von GeoTief Wien arbeitet an einer genauen Abbildung des tiefen Wiener Untergrunds

16.000 Messpunkte für Abbildung

Seit 2016 arbeitete das Forschungsteam von GeoTief Wien an der bisher genauesten Abbildung des tiefen Wiener Untergrunds. In einem ersten Schritt wurden Bestandsdaten der Kohlenwasserstoffindustrie analysiert und ausgewertet. Anschließend 3D-Seismik-Messungen durchgeführt. Dafür wurden etwa 2017 auf einem Gebiet von rund 175 Quadratkilometern 16.000 kabellose Sensoren ausgelegt, die seismische Reflexionen aus dem Untergrund aufgezeichnet haben.

Mit speziellen Fahrzeugen wurden dafür Schwingungen – ähnlich wie bei einem Ultraschall – in den Erdboden geschickt. 50 Terabyte Daten wurde anschließend analysiert und mit den Bestandsdaten zusammengeführt.

Ablagerungen vor 20 Mio. Jahren entstanden

Im Zuge der Analysen und Interpretation der Daten durch das Forschungsteam ist das Aderklaaer Konglomerat in den Fokus gerückt. Es kann durch die erhobenen Daten besonders gut definiert und eingeordnet werden. Bei dieser Gesteinsschicht handelt es sich geologisch um die miozäne Füllung des Wiener Beckens.

Die Ablagerungen entstanden vor rund 20 Millionen Jahren. Anhand der Modelle konnten die Lage/Ausbreitung, Geometrie, Tiefenlage, Mächtigkeit und mögliche geologische Störungssysteme im Aderklaaer Konglomerat im Untersuchungsgebiet festgelegt werden.

Bis zu 100 Grad Wassertemperatur

Die Geometrie und bisher bekannten hydraulischen Eigenschaften des Thermalwasserreservoirs sind vielversprechend. Bei einer Tiefe von rund 3.000 Metern sollte die Wassertemperatur im Aderklaaer Konglomerat bis zu 100 Grad Celsius liegen und könnte sich damit für die Nutzung für die Wiener Fernwärme eignen. Endgültige Gewissheit gibt jedoch immer nur eine Erkundungsbohrung. Bevor der Beschluss zur Umsetzung einer Geothermie-Anlage fällt, werden bis zum Frühjahr 2022 parallel zu ersten Planungsschritten noch weitere Forschungsarbeiten durchgeführt.

„GeoTief Wien ist das umfassendste Geologie-Forschungsprojekt, das es in Österreich jemals gegeben hat. Nachdem wir nun ein Potentialgebiet identifiziert haben, werden wir uns dessen Eigenschaften mit einer Untersuchung eines alten Bohrlochs noch genauer ansehen. Wenn diese Ergebnisse vorliegen, haben wir alle Vorarbeiten geleistet, die zur geologischen Risikominimierung möglich sind“, erläutert Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber.

Forschungstest in Essling

Mit einem praktischen Test in Essling ist das Forschungsprojekt GeoTief Wien in seiner vorerst letzten Phase. Seit Oktober bis Ende des Jahres 2021 werden am ehemaligen Erkundungsbohrplatz von Wien Energie Untersuchungen durchgeführt, die weitere Informationen zu den Gesteinseigenschaften im Aderklaaer Konglomerat liefern sollen.

Im Fokus stehen etwa die Durchlässigkeit des Gesteins sowie die chemische Zusammensetzung des Thermalwassers. Für den Test sind ein mobiler Kran sowie drei große Wasserbecken errichtet. Im Zuge des Tests wird Wasser über eine Pumpe gefördert und in die Becken geleitet. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Forschungsanlage vollständig abgebaut und das Bohrloch wieder verschlossen.

red, wien.ORF.at
Quelle: Großes Heißwasservorkommen unter Wien
 

Geist

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#28
Auch der Standard hat einen guten Artikel zum Thema recherchiert:

Ein warmes Becken im Untergrund soll künftig Wien heizen

Die Suche nach Heißwasservorkommen ist langwierig und teuer. Dafür liefert die Geothermie saubere Energie, wenn man fündig geworden ist – so wie kürzlich in Wien

Philip Pramer
6. Dezember 2021, 12:00

Als die OMV 1974 auf dem Gebiet der heutigen Seestadt Aspern nach Öl und Gas bohrte, sprudelte es aus dem Boden – allerdings nicht schwarz, sondern blau. Statt eines Ölvorkommens hatte man einen unterirdischen Wasserspeicher angebohrt. Anzufangen wusste man mit der heißen Quelle damals allerdings wenig – und suchte weiter nach Öl.

Jahrzehnte später ist das Warmwasser unter Wien aber plötzlich wieder hochinteressant. Will man die Energiewende schaffen, müssen Alternativen zu den Gaskraftwerken her. Eine davon heißt Geothermie: Wärme aus der Tiefe. Wie groß und heiß das Wärmevorkommen unter Wien ist, versuchte das Projekt Geotief seit dem Jahr 2016 herauszufinden. Vergangene Woche präsentierte Geotief schließlich ein geologisches 3D-Modell des sogenannten Aderklaaer Konglomerats – und es ist vielversprechend.

Bis zu 100 Grad heiß soll der in rund 3000 Meter Tiefe liegende Wasserspeicher sein, der sich über mehrere Quadratkilometer von Donaustadt bis Simmering erstreckt. In Zukunft könnte dieses Reservoir zigtausende Wienerinnen und Wiener mit klimafreundlicher Wärme versorgen.



Wärme für bis zu 125.000 Haushalte

Geotief schätzt das Potenzial in Wien auf bis zu 120 Megawatt – das ist etwa doppelt so viel, wie das Heizkraftwerk Spittelau derzeit ins Wiener Fernwärmenetz einspeist.

Will man weg vom Gas, ist die zusätzliche Wärmequelle dringend notwendig. Geht es nach dem Plan der Regierung, soll 2040 die letzte Gastherme abgeschaltet werden, bis dahin soll in Wien mehr als die Hälfte des Wärmebedarfs über Fernwärme gedeckt werden, der Rest über Wärmepumpen, so das Ziel von Wien Energie. Mit der Tiefen Geothermie, wie sie aus dem Aderklaaer Konglomerat gefördert werden kann, sollen bis zu 125.000 Haushalte versorgt werden.

"Es ist wirklich ein Wärmeschatz, der da unter Wien liegt", sagt Geotief-Projektleiter Peter Keglovic zum STANDARD. Ein "perfect match" sei, dass an der Oberfläche bereits eine Fernwärmeinfrastruktur bestehe, in welche die Wärme künftig einfach eingespeist werden könne.

Wärme wie in der Therme

Dazu wird bei einer zukünftigen Geothermieanlage das Reservoir an zwei Stellen angezapft: Durch die eine Bohrung strömt das heiße Thermalwasser an die Oberfläche, wo ihm die Wärme entzogen wird. Rund zwei Kilometer entfernt wird das abgekühlte Wasser wieder zurückgepumpt. Einmal aufgebaut ist so eine Anlage vergleichsweise günstig zu betreiben, weil sie etwa im Gegensatz zu einem Gaskraftwerk keinen Brennstoff benötigt.

Die Wärme im Erdinneren kommt zum Teil noch aus der Entstehung der Erde vor Milliarden von Jahren. Aufbrauchen kann man sie in nächster Zeit aber nicht, denn durch radioaktiven Zerfall entsteht ständig neue Wärme.

Die neuen Geothermieanlagen in Wien wären zusammen zwar das größte Erdwärmeprojekt in Österreich, ganz neu ist die Technologie aber nicht. In Oberösterreich und im steirischen Becken stehen schon zehn Anlagen, die älteste ist 20 Jahre alt.

Trotzdem spielt Geothermie in Österreich und auch weltweit eine bisher untergeordnete Rolle. Wenn man über die Energiewende spricht, ist meistens von Wind und Photovoltaik die Rede. "Wir hatten die letzten Jahre eine Diskussion, wo Energiewende gleich Stromwende geheißen hat", sagt Rolf Bracke, der die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie leitet. Was oft vergessen werde: Rund die Hälfte der Energie wird als Wärme verbraucht. Nicht nur Wohnungen müssen beheizt werden, auch Betriebe – von der Papierfabrik bis zur Bäckerei – brauchen Hitze.

Wo diese herkommt, darüber hat man sich vielerorts lange keine Gedanken gemacht, sagt Bracke. In klassischen Kohleländern wie Deutschland oder Polen sind fossile Brennstoffe im Überfluss vorhanden. Werden sie verbrannt, fällt Wärme beim Verbrennen quasi als Abfallprodukt an. Mit der Stromwende ändert sich das zunehmend – denn Solar- und Windkraftanlagen bleiben kalt, wenn sie Strom produzieren.


In Island, wie hier im Hellisheiði-Kraftwerk nahe Reykjavík, wird Geothermie bereits angewandt.
Foto: ON Power/Arni Saeberg

Teure Suche

Im eher kohlearmen Skandinavien ist man schon weiter. In Schweden etwa konzentriert man sich seit längerem darauf, mit Strom aus Atom- oder Wasserkraft Wärme aus dem Untergrund zu gewinnen. Vor allem dort konnte sich langsam eine Geothermieindustrie etablieren.

Damit das auch in anderen Regionen gelingt, wünscht sich Bracke mehr Hilfe vom Staat. Denn damit die kostenlose Wärme aus dem Boden schießt, muss der Boden zuerst aufwendig untersucht werden – und das ist teuer. So manche Firma musste nach mehreren fehlgeschlagenen Bohrungen schon Insolvenz anmelden.

Staatlich finanzierte Untersuchungsprogramme, Absicherungsfonds oder Risikokapital von Investoren könnten dabei helfen, dass sich auch kleinere Stadtwerke die Exploration leisten können. Bei einer erfolgreichen Bohrung müssten die Unternehmen das Geld nach festgelegten Regeln wieder zurückzahlen. Das wurde schon von Entwicklungsbanken in Afrika und Lateinamerika erfolgreich ausprobiert, sagt Bracke.

Expertise aus der Ölbranche

Zum Flaschenhals könnte noch das Personal werden. Pro Megawatt installierter Geothermie – von Forschung bis Wartung – würden entlang der Wertschöpfungskette rund acht bis 15 Arbeitskräfte benötigt werden. Sollte es zum großflächigen Ausbau der Geothermie kommen, würde man jedes Jahr tausende neue spezialisierte Fachkräfte brauchen, die momentan noch fehlen. Gerade was die Exploration angeht, könnte aber viel Wissen und Personal von der Erdöl- in die Geothermiebranche wechseln.

Auch beim Forschungsprojekt in Wien ist die OMV beteiligt. Um das Aderklaaer Konglomerat auszukundschaften, hat sich das Team von Geotief der Reflexionsseismik bedient – einer Methode, die bereits in der Exploration von Öl- und Gasvorkommen zum Einsatz kommt, wie Keglovic erklärt. Dabei werden Wellen erzeugt, die von den verschiedenen Gesteinsschichten reflektiert werden, aus denen anschließend das 3D-Modell erstellt wurde.

Der Fund des Aderklaaer Konglomerats ist jedenfalls erst der Anfang der Geothermie in Ostösterreich. Denn in noch größerer Tiefe vermuten Geologen den nächsten heißen Tipp für die Wärmewende. (Philip Pramer, 6.12.2021)
Quelle: Ein warmes Becken im Untergrund soll künftig Wien heizen
 
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