Todesmarsch "Ungarischer Juden" von der Steiermark nach Oberösterreich - Gedenkstätte zum Massaker am Präbichl - Pass

josef

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#1
Bin gerade bei der Aufarbeitung und Archivierung von "Sommerfotos". Dabei kamen mir auch einige Bilder vom Präbichl bei Eisenerz in die Hände:

Dort wurden Ende März 1945 mehr als 200 ungarische Juden von Angehörigen des Eisenerzer Volkssturmes erschossen. Tausende aus Ungarn stammende Juden wurden unter unmenschlichen Bedingungen beim Bau der Reichsschutzstellung (Südostwall) entlang der damaligen Reichsgrenze zu Ungarn eingesetzt. Als Anfang 1945 die Sowjettruppen dem Grenzraum immer näher kamen, wurden die Juden von den Baustellen abgezogen und in Gewaltmärschen quer durch die Steiermark, über die Pässe der Niederen Tauern, Richtung KZ Mauthausen in Oberösterreich, getrieben. Beim Überqueren des Präbichl-Passes kam es zum vorerwähnten Massaker...

Von der Gemeinde Eisenerz wurde unter reger Beteiligung der Schüler aus der Stadt und Umgebung 2004 ein Mahnmal fertiggestellt. Link zum Projekt:
Todesmarschmahnmal Präbichl | Generationendialog Steiermark

Hier der umfangreiche Thread im Forum zum Thema "Südostwall":
http://www.unterirdisch-forum.de/index.php?threads/projekt-südostwall-reichsschutzstellung.2373/

1594487561063.png
Gedenkstätte am Präbichl-Pass

1. Eine Zusammenfassung meiner 3 Übersichts-Berichte aus dem Thread "Projekt Südostwall".
2 - 3. Mahnmahl auf der Präbichl-Passhöhe.
4. Hangbrücke Auffahrt zum Pass von der Eisenerzer Seite. Die alte Pass-Straße liegt heute großteils unter Sturzhalden mit tauben Gestein vom Erzberg.
5. Rückseite des Erzberges mit Gipfel und Sturzhalden vom Parkplatz der Präbichlstraße kurz vor der Passhöhe.

(Alle Aufnahmen vom 09.09.2009)
 

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Brandmeister

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#2
Eisenerz

Hallo Josef,
Zur Gedenkstätte am Präbichl und den Todesmarsch der Ungarischen Juden gibt es auch ein sehr gutes Buch.

Todesmarsch Eisenstraße 1945
Heimo Halbrainer. Christian Ehetreiber.
ISBN:3-9500971-9-8
Verlag: CLIO Verein für Geschichte- und Bildungsarbeit. www.clio-graz.net



Zum Massaker am Präbichl.
Es war am 7 April 1945 um ca. 14 Uhr.
Am 7 und 8 April wurden die Toten, Die Zahl wird mit über 250 geschätzt in der Seeau in Massengräbern begraben.
Nach dem Krieg wurden die Massengräber geöffnet und die Leichen im neu gebauten Judenfriedhof bei der Einfahrt zum Leopoldsteinersee beigesetzt.

Gruß Peter

Anhang: Buch Tipp
 

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josef

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#3
Zeitzeugen gesucht

Die Steyrer Historikerin Ines Bernt-Koppensteiner ist noch auf der Suche nach Zeitzeugen zum "Todesmarsch" der ungarischen Juden durch das Steyrtal in Oberösterreich:
Todesmärsche: Wer weiß, was 1945 geschah?

OÖ. Nachrichten STEYR, KIRCHDORF. Die Steyrer Historikerin Ines Bernt-Koppensteiner sucht noch nach Zeitzeugen der Todesmärsche von Graz nach Mauthausen.

Was im April 1945 geschah, als 8000 ungarische Juden von Graz kommend ins Konzentrationslager Mauthausen getrieben wurden: Das wird nun endlich genau erforscht und dokumentiert. Im Rahmen des Projekts "Ein-Halt", das schwerpunktmäßig im Bezirk Kirchdorf angesiedelt ist, sollen auch Gedenkstätten geschaffen werden. Die Steyrer Historikerin Ines Bernt-Koppensteiner steuert ein Buch mit dem Titel "Nirgendwohin" bei.

Zwischen 1. und 20. April war es. In diesem Zeitraum fanden die sogenannten Todesmärsche in mehreren Kolonnen und zum Teil auf unterschiedlichen Routen statt. Jene Juden aus Ungarn, die zuvor den Südostwall zu bauen hatten , wurden Richtung Norden getrieben. Kaum einer von ihnen trug Schuhe an den Füßen. Zu essen bekamen sie kaum etwas. Wer nicht mehr weiterkonnte wurde erschossen – vom Volkssturm oder der nachfolgenden SS.

Eine der schlimmsten Passagen war der Präbichel. Das hat Bernt-Koppensteiner von zwei Überlebenden der Todesmärsche bestätigt bekommen. "Das war ein regelrechtes Massaker, das an den Leuten dort verübt worden ist", erzählt sie. Der Volkssturm hatte den Häftlingen angeordnet, sie sollen den Berg hinunter laufen. Dann eröffneten die Bewacher das Feuer. 200 sollen erschossen worden sein.

Eine der Gedenkstätten, die im Rahmen von "Ein-Halt" und 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschaffen werden soll, ist in Kirchdorf geplant, eine weitere in Klaus – dort wird unter anderem an Baronin Mary von Holzhausen gedacht, die Zivilcourage bewies, am 17. April 1945 den jüdischen Häftlingen zu essen gab und damit ihr Leben riskierte. "Auch das wollen wir entsprechend dokumentieren", so Bernt-Koppensteiner.

Ein ähnliches Beispiel ist aus Steyr bekannt. Der Mann, der einem der Juden ein Stück Brot zusteckte, wurde kurzerhand verhaftet. Er überlebte, weil ihn ein Steyrer Polizist laufen ließ. "Renn, ich hab dich nicht gesehen", soll er gesagt haben.

Bernt-Koppensteiner ist noch auf der Suche nach Zeitzeugen aus dem Steyrtal. "Hier wissen wir noch recht wenig." Der Todesmarsch durchs Ennstal sei hingegen recht gut zu rekonstruieren.
http://www.nachrichten.at/oberoeste...sche-Wer-weiss-was-1945-geschah;art68,1547971
 
#4
Todesmärsche durchs Ennstal

Vielleicht kann sich ja jemand erinnern beziehungsweise kennt Zeitzeugen dieses schrecklichen Kapitels unserer Geschichte
 

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josef

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#5
Todesmärsche aus der Oststeiermark über Graz nach Oberösterreich

Soweit ich das Thema verfolgt habe, gab es mehrere Routen aus der Steiermark nach Oberösterreich, auf denen die ungarischen Juden von den Schergen des Regimes Richtung Mauthausen getrieben wurden:

- Eine kleinere Gruppe marschierte über "Voitsberg", das "Gaberl" und den "Triebener Tauern" -> dann über den "Pyhrnpass" und weiter durchs "Krems- bzw- Steyrtal".
- Die Route des Hauptteils führte über den "Präbichl" und weiter durch das "Ennstal"...

http://www.mkoe-steyr.net/informationen/der-todesmarsch-der-ungarischen-juden/

http://www.ennstalwiki.at/wiki/inde...Juden_über_den_Triebener_Tauern_im_April_1945

http://www.erinnern.at/bundeslaende...r Juden durch Osterreich im Fruhjahr 1945.pdf

Die beim "Südostwall-Bau" eingesetzten Juden im nördlichen Burgenland (damals Teil von "Niederdonau") wurden per Bahn oder mittels Schiffen auf der Donau nach Mauthausen gebracht.
 

josef

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#6
Sierning OÖ.: Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Todesmärsche:



Denkmal-Enthüllung in Sierning
In Sierning werden am Nationalfeiertag Denkmäler für Opfer von Todesmärschen enthüllt. Ein Mahnmal am Eingang des Friedhofs befindet sich in unmittelbarer Nähe des Exekutionsortes von zehn ungarischen Juden im April 1945.

Außerdem wurde ein Massengrab von KZ-Häftlingen an der Südseite des Sierninger Friedhofs vom Sierninger Bildhauer Karl Reiter neu gestaltet und Donnerstagabend in einer Lichterprozession besucht.

Ermutigung zur Zivilcourage
Die Gemeinde Sierning will damit einen Schritt in Richtung Aufarbeitung der Vergangenheit setzen und auch die Menschen zu Zivilcourage ermutigen. Die Enthüllung des Denkmals findet um 17.00 Uhr am Friedhof statt.

Publiziert am 26.10.2017
http://ooe.orf.at/news/stories/2874471/
 

josef

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#7
Gedenkstätte Jüdischer Friedhof bei Eisenerz

Am 08.07.2020 schaute ich anlässlich eines intensiven Besichtigungsprogrammes in Hieflau, Eisenerz und Vordernberg auch an der letzten Ruhestätte der beim "Massaker am Präbichl" am 7. April 1945 erschossenen ungarischen Juden vorbei. Die Leichen wurden ursprünglich in der Seeau, in der Nähe des Leopoldsteiner Sees, in mehreren Gräbern begraben. 1948 wurden die ca. 200 - 250 Opfer nach ihrer Exhumierung im neuerrichteten Judenfriedhof an der Zufahrtsstraße zum Leopoldsteiner See beigesetzt.

Dazu einige Fotos der "Gedenkstätte Jüdischer Friedhof Eisenerz":

1594490980768.png
 

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