Es gab sie einmal - die Saurier...

josef

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#21
Beeindruckend: Ein zweieinhalb Tonnen schwerer Schwanz
Forscher rekonstruieren die Gesamtmasse eines Sauropodenschwanzes – und der wurde nicht hinterhergeschleift

So wurden Sauropoden früher dargestellt – aber wozu hätten sie sich derart belasten sollen?
Foto: AP Photo/Jens Meyer

Dinosaurier-Fans älterer Generationen werden sich noch gut daran erinnern können, wie Sauropoden früher dargestellt wurden: mit einem langen Schwanz, den sie hinter sich her schleiften. Was eigentlich schon damals die Frage aufwarf, warum sich die Tiere mit einem derart unnützen Anhängsel überhaupt hätten abmühen sollen. Erst recht, wenn dieses mehrere Tonnen schwer war, wie nun das Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin berichtet.

Inzwischen ist man von solchen überholten Vorstellungen längst abgekommen. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich herausgeschält, dass die riesigen Dinos ihre Schwänze stets über dem Boden hielten. Der Schwanz balancierte nicht nur den ebenso langen Haus aus, die massive Muskulatur an seinem Ansatz unterstützte auch die Fortbewegung. Möglicherweise haben manche Arten ihn auch als peitschende Abwehrwaffe gegen Fleischfresser eingesetzt.

Neue Analyse
Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Berlin, hat nun zum ersten Mal den dreidimensionalen Bewegungsapparat des Schwanzes eines der am vollständigsten erhalten gebliebenen Sauropoden rekonstruiert: den 150 Millionen Jahre alten Giraffatitan brancai aus der Brachiosaurier-Verwandtschaft.

Alle Elemente des Schwanzes, also Wirbel und Rippen der Schwanzwirbelsäule, sowie das Becken und die Hintergliedmaßen, wurden mittels Photogrammetrie digitalisiert. Danach wurde das Schwanzskelett mit einer speziellen Software rekonstruiert. Im Anschluss wurden die Muskeln dank der überlieferten Unebenheiten und Grate, die diese Weichteile auf den Knochen hinterlassen hatten, modelliert. Als modernes Vergleichsmaterial dienten die Schwänze von Krokodilen.


Blick in den Dinosauriersaal des Museums für Naturkunde in Berlin. Dessen Prunkstück, das Skelett des riesigen Giraffatitan, wurde 2007 umgebaut und hält nun den Schwanz hoch.
Foto: Museum für Naturkunde

Dank dieser detaillierten dreidimensionalen Rekonstruktion des Schwanzes waren die Forscher dazu in der Lage, das wahrscheinliche Gewicht und Volumen jedes einzelnen Muskels genauer zu berechnen. Es ergab sich ein hypothetischer Gesamtwert für den kompletten Schwanz von ca. 2,5 Tonnen. Und fast die Hälfte der Masse befand sich im vorderen Teil des Schwanzes, wo die kräftige Muskulatur zum Vortrieb der Hintergliedmaßen beitrug, anstatt kräftezehrend hinterhergeschleift zu werden.
(red, 16. 7. 2020)

Link
Frontiers in Earth Science: "The Tail of the Late Jurassic Sauropod Giraffatitan brancai: Digital Reconstruction of Its Epaxial and Hypaxial Musculature, and Implications for Tail Biomechanics"

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#22
VERKANNTE VIELFALT
Warum unser Flugsaurier-Bild stark verzerrt ist
So wie Möwen nur ein kleiner Ausschnitt der Vogelvielfalt sind, könnte es auch bei den Pterosauriern gewesen sein, legen neue Funde nahe

Ein Jäger mit zähnestarrendem Maul, der sich von einem Küstenfelsen stürzt, um übers Wasser zu segeln und nach Fischen zu spähen: So stellt man sich Pterosaurier in der Regel vor. Das könnte für ihre tatsächliche Vielfalt aber nicht repräsentativer gewesen sein als Möwen für die heutige Vogelwelt.
Illustration: REUTERS/Luis Rey/University of Portsmouth

Nick Longrich von der Universität Bath lädt zu einem Gedankenexperiment ein: Wenn sich die Paläontologen eines künftigen Erdzeitalters ein Bild von der heutigen Vogelwelt allein anhand von Fossilienfunden machen müssten – wie würde das dann aussehen? Aller Wahrscheinlichkeit nach, so der Evolutionsbiologe, würden sie zum Schluss kommen, dass Vögel hauptsächlich Bewohner von Meeresregionen gewesen seien: Pinguine, Albatrosse, Lunde oder Enten, das seien die typischen Vögel gewesen – und vermeintliche Exoten wie Kolibris, Habichte oder Strauße nur seltene Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Fossilien ergeben ein verzerrtes Bild
Warum? Weil Knochen – insbesondere fragile Vogelknochen – höchst unterschiedliche Chancen haben, als Fossilien erhalten zu bleiben. Klar bevorzugt sind solche, die im Wasser auf den Grund sinken und dort von einer schützenden Schicht aus Sedimenten zugedeckt werden. Das können aber natürlich nur die Knochen von Tieren sein, die im oder über dem Wasser unterwegs waren, als sie starben. Die Körper von Küstenbewohnern bleiben schon deutlich seltener erhalten, und die von Tieren aus dem Landesinneren erst recht.

(Anmerkung: Auf einen Sonderfall ist Longrich allerdings nicht eingegangen – nämlich das Haushuhn. 2018 erstellten britische Forscher die verblüffende Prognose, dass Hühnerknochen dereinst als eines der Leitfossilien unseres Zeitalters wahrgenommen werden dürften. Hühner werden jährlich nämlich zu Milliarden verspeist, und ihre Knochen landen mit dem Hausmüll auf Deponien, wo gute Bedingungen für ihre Konservierung herrschen.)

Was für Vögel gilt, müsste aber genauso für jene Tiergruppe gelten, die schon lange vor den Vögeln das Fliegen gelernt hatte, die Flug- oder Pterosaurier. Etwa 60 bis 70 Millionen Jahre lang gehörte ihnen der Luftraum allein. Sie hatten also jede Menge Zeit, sich zu diversifizieren und unterschiedliche ökologische Nischen zu besetzen. Dennoch prägt bis heute das Bild vom Pterosaurier, der über dem Meer kreist und auf Fische herabstößt, unsere Vorstellung.


Einen Pterosaurier wie Leptostomia begaaensis kannte man bislang noch nicht. Aber war er ein Exot oder ein typisches Tier seines Zeitalters?
Illustration: Megan Jacobs, University of Portsmouth

Das war aber eindeutig nicht der Lebensstil von Leptostomia begaaensis, den Longrich und sein Kollege David Martill von Universität Portsmouth nun im Fachjournal "Cretaceous Research" vorgestellt haben. Darauf weist der Schnabel des Tiers hin, der so lang und dünn war, dass er zunächst für den knöchernen Flossenstrahl eines Fisches gehalten wurde. Erst ein genauerer Blick auf seine Textur zeigte, dass es sich um einen Teil des Schnabels eines Pterosauriers handelte, wie man noch keinen gesehen hatte.

Mit diesem zahnlosen Schnabel muss der etwa truthahngroße Leptostomia im Boden nach Nahrung gestochert haben. Das könnten Regenwürmer gewesen sein, aber auch Muscheln oder Krabben. Die Fundstätte, in der inzwischen noch weitere Überreste des Tiers ausgegraben wurden, spricht für Letzteres: Die Kem-Kem-Formation im heutigen Marokko ist der Rest einer kreidezeitlichen Region, in der mehrere Flüsse ins Meer mündeten und ein feuchtes Ökosystem schufen.

Leptostomia stelzte dort wie ein heutiger Strandläufer herum und stocherte im Schlamm nach Beute. Computertomographische Scans enthüllten ein Netzwerk aus feinsten Kanälen, die sich durch den Schnabel zogen und vermutlich Nerven enthalten hatten: Teil des Sensoriums, mit dem das Tier seine Beute aufspüren konnte.

Die wahren Pioniere
Brachvögel und andere Regenpfeifer, aber auch Kiwis, Ibisse oder Wiedehopfe gehen heute einer vergleichbaren Lebensweise nach, manche an der Küste, andere im trockenen Landesinneren. Und sie alle haben lange, dünne Schnäbel. Wenn man diese Tiere mit Leptostomia vergleicht, darf man aber nicht vergessen, wer das eigentliche Vorbild ist, betont Longrich. Die Vögel hätten bloß wiederholt, was die Pterosaurier schon Dutzende Millionen Jahre vor ihnen erfunden hatten.

Über 100 verschiedene Arten von Flugsauriern wurden laut Universität Portsmouth bereits entdeckt. Der kleinste hatte eine Flügelspannweite von 25 Zentimetern, der größte brachte es auf 13 Meter. Manche jagten – ganz dem klassischen Bild entsprechend – Fische, andere Fluginsekten und wieder andere Tiere auf dem Boden.


So könnte es vor 150 Millionen Jahren in Mitteleuropa ausgesehen haben: Vorne verzehrt ein Pterodactylus einen Krebs, rechts ein Rhamphorhynchus einen Fisch. Und im Hintergrund hat sich ein Germanodactylus eine Libelle geschnappt.
Illustration: Mark Witton

Das bestätigt auch eine weitere Studie, die in "Nature Communications" erschienen ist. Dafür untersuchte ein Team um Jordan Bestwick von der Universität Leicester die Abnutzungsspuren, die die Nahrung an den Zähnen verschiedener Pterosaurierarten hinterließ. Der Analyse zufolge dürfte beispielsweise Dimorphodon verschiedene Wirbeltiere gefressen haben, während sich Rhamphorhynchus auf Fisch spezialisiert hatte und der in Tirol ausgegrabene Austriadactylus hartschalige Beute wie Krebse oder Käfer knackte.

Und auch die Jagdtaktiken dürften sehr unterschiedlich gewesen sein: Während sich manche Pterosaurier aus der Luft auf ihre Beute stürzten, staksten andere lieber gleich am Boden herum. Letzteres galt unter anderem für den giraffenhohen Hatzegopteryx, der riesig genug war, um selbst kleinere Dinosaurier aufzupicken.

Und nun hat der Stocherer Leptostomia noch einen Lebensstil eingebracht, den man von Pterosauriern bislang nicht kannte, obwohl er vielleicht ganz alltäglich war. Aber auch wenn solche Funde das althergebrachte Bild von den Flugsauriern bereichern – ganz wird sich die einstige Vielfalt dieser Gruppe mangels Fossilien wohl nie erschließen.
(jdo, 1.11.2020)

Abstract
Cretaceous Research: "A long-billed, possible probe-feeding pterosaur (Pterodactyloidea: ?Azhdarchoidea) from the mid-Cretaceous of Morocco, North Africa"
Link
Nature Communications: "Dietary diversity and evolution of the earliest flying vertebrates revealed by dental microwear texture analysis"

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#23
Patagonischer Dinosaurier könnte das größte Landtier aller Zeiten gewesen sein
2012 wurden die ersten Knochen eines gewaltigen Titanosauriers entdeckt – die Ausgrabungen sind aber noch lange nicht abgeschlossen

Von Nachbildungen in Dino-Parks kann man halten, was man will – der Größenvergleich ist jedenfalls ein Augenöffner.
Foto: REUTERS/David Mercado

Er hat zwar nach knapp neun Jahren immer noch keinen Namen, weil man sich noch nicht sicher sein kann, zu welcher Spezies er gehört oder ob es sich gar um eine bislang unbekannte Art handelt. Doch bleibt jener Sauropode, dessen erste Reste 2012 in Patagonien ausgegraben wurden, ein heißer Kandidat um den Titel des größten Landtiers aller Zeiten. So lautet das Fazit einer Studie, die nun im Fachjournal "Cretaceous Research" erschienen ist.

Giganten unter sich
Es steht zumindest fest, dass es sich um einen Titanosaurier handelte, also um den Angehörigen der letzten großen Sauropodenlinie, die diese Tiergruppe in ihrer 150 Millionen Jahre langen Geschichte hervorgebracht hatte. Sie war vor allem auf dem Südkontinent Gondwana verbreitet, unter anderem mit einigen der größten Dinosaurier überhaupt, etwa Argentinosaurus oder Puertasaurus.


Titanosaurier (hier im Bild der "nur" 15 Meter lange Savannasaurus) hielten bis zum Einschlag des Asteroiden vor 66 Millionen Jahren die Stellung.
Illustration: APA/AFP/NATURE PUBLISHING GROUP, TRAVIS TISCHLER

Als bisheriger Rekordhalter gilt der 2017 ebenfalls in Südargentinien entdeckte Patagotitan mayorum mit einer geschätzten Länge von 37 Metern und einer Masse um die 70 Tonnen – etwa so viel wie zehn Afrikanische Elefantenbullen. Er zeichnete sich zudem durch einen selbst für einen Sauropoden extrem langen Hals aus. Sein namenloser Verwandter aus der patagonischen Provinz Neuquén könnte aber noch einmal 10 bis 20 Prozent größer gewesen sein, sagt Alejandro Otero, Paläontologe des Museums von La Plata.

Ausgrabungen laufen
Mit Sicherheit lässt es sich (noch) nicht sagen. Von dem Giganten wurden laut dem Forscher bisher erst 24 Schwanzwirbel sowie Teile des Becken- und Brustgürtels gefunden. Es fehlen noch Oberarm- oder Oberschenkelknochen, die normalerweise zur Bestimmung der Körpermaße genutzt werden.

Allerdings begannen die eigentlichen Ausgrabungsarbeiten erst im Jahr 2015, und nach Angaben der Forscher ist der Großteil des Skeletts noch im Felsgestein eingeschlossen. Sie hoffen, es in einigen Jahren vollständig oder nahezu vollständig bergen zu können. Dann wird man sehen, ob der Riesensaurier den Patagotitan entthront – falls nicht bis dahin irgendwo ein noch größeres Tier gefunden wird.
(red, 23. 1. 2021)

Abstract
Cretaceous Research: "Report of a giant titanosaur sauropod from the Upper Cretaceous of Neuquén Province, Argentina"

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#24
PALÄONTOLOGISCHE HOCHRECHNUNG
Wie viele Tyrannosaurier haben je gelebt?
T. rex war einer der größten Fleischfresser aller Zeiten. Forscher haben seine Populationsdichte und Gesamtzahl hochgerechnet – mit erstaunlichem Ergebnis

Spitzenräuber, Superstar: T. Rex ist wohl der bekannteste Karnivore der Kreidezeit.
Foto: Imago

Er zählte zu den größten landlebenden Fleischfressern aller Zeiten und gilt als Innbegriff des Spitzenraubtiers: Tyrannosaurus Rex. Kein anderer Dinosaurier brachte es posthum zu einer solchen Berühmtheit wie dieser Vertreter der Theropoda, der mit einer Körperlänge von zwölf Metern, einem Gewicht von bis zu neun Tonnen und einer Beißkraft von mindestens 35.000 Newton zweifellos ein äußerst furchteinflößender Jäger war. Selbst seine verkümmert anmutenden Ärmchen, die T. Rex heute immer wieder zur popkulturellen Zielscheibe von Spott machen, waren tödliche Werkzeuge. Sie konnten nicht nur an die 200 Kilogramm stemmen, sondern waren auch effektive Schlitzwerkzeuge.

Vermutlich ist T. Rex in Kinderzimmern rund um den Globus der präsenteste aller Dinosaurier. Wie viele dieser mächtigen Tiere aber einst die kreidezeitliche Erde unsicher machten, ehe sie vor rund 66 Millionen Jahren verschwanden, ist unklar. Fossilienfunde stammen vorwiegend aus dem westlichen Nordamerika, doch sie zeigen nur einen kleinen und zufälligen Ausschnitt der Populationsgeschichte dieser Giganten. Wissenschafter um Charles Marshall von der University of California in Berkeley haben nun eine statistische Abschätzung versucht, um herauszufinden, wie viele Tyrannosaurier es gegeben haben könnte.

21.000 Zeitgenossen
Für ihre Studie im Fachblatt "Science" nutzten Marshall und Kollegen das sogenannte Damuth-Gesetz, das nach dem US-amerikanischen Ökologen John Damuth benannt ist und eine Ableitung der Bevölkerungsdichte von Tieren aus physiologischen Informationen und ihrer ökologischen Stellung erlaubt. Je größer ein Tier ist und je höher sein Energiebedarf, desto weniger Exemplare können auf gleichem Raum ihr Auskommen finden. Bei Fleischfressern fällt die nachhaltige Populationsdichte im Vergleich zu Vegetariern noch geringer aus, wie sich auch an rezenten Tierarten (Homo sapiens inklusive) beobachten lässt: Um an genug Beute zu kommen, brauchen Karnivoren deutlich mehr Platz.

Das Ergebnis klingt auf den ersten Blick beeindruckend: An die 2,5 Milliarden Exemplare könnte es demnach im Verlauf der späten Kreide gegeben haben. Verteilt über das gesamte Verbreitungsgebiet des T. Rex und über 127.000 Generationen dürften aber im Schnitt nie mehr als 21.000 Individuen zeitgleich existiert haben. Man hätte demnach also schon Pech haben müssen, einem T. Rex zu begegnen.

Die Wissenschafter werteten zahlreiche Studien zur Physiologie der Raubsaurier aus und ließen die Daten in ihr Berechnungsmodell einfließen. So wurde etwa die Geschlechtsreife der Tiere auf 15,5 Jahre eingeschätzt, die maximale Lebensdauer auf etwa 30 Jahre. Die durchschnittliche Körpermasse der Dinosaurier wurde mit 5,2 Tonnen angegeben, für Tiere, die ihre Geschlechtsreife erlebten, mit sieben Tonnen. In ihrem Modell errechneten Marshall und Kollegen eine durchschnittliche Generationszeit von etwa 19 Jahren – und kamen auf eine Verbreitung von einem T. Rex pro 110 Quadratkilometer. Auf der Fläche Wiens hätten demnach keine vier Exemplare ausreichend Lebensraum gefunden.

Große Unsicherheiten, spannender Anfang
Hochgerechnet auf das gesamte bekannte Verbreitungsgebiet von T. Rex, das etwa 2,3 Millionen Quadratkilometer umfasst, würde sich die Koexistenz von knapp 21.000 dieser Raubsaurier ausgehen. Über die Zeitspanne von rund 2,4 Millionen Jahren, in der T. Rex den fossilen Daten zufolge lebte, könnte es demnach 127.000 Generationen und insgesamt rund 2,5 Milliarden Individuen gegeben haben.
Die Betonung liegt bei allen genannten Zahlen auf "könnte": Die Wissenschafter merken ausdrücklich an, dass ihre Berechnung mit großen Unsicherheiten verbunden ist und vor allem eine Grundlage für weitere Untersuchungen bilden soll. Die Forscher hoffen jedenfalls, mit ihrer Studie eine Diskussion über das Potenzial von Populationsmodellen auf Grundlage des Damuth-Gesetzes für die Paläontologie anzustoßen. "Das könnte ein Weg sein, zu quantifizieren, was wir nicht wissen", sagte Marshall.
(David Rennert, 17.4.2021)

Studie
Science: "Absolute abundance and preservation rate of Tyrannosaurus rex"

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Wie viele Tyrannosaurier haben je gelebt?
 

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#25
Erstmals Fund von 160 Millionen Jahre altem Flugsaurier in Chile
Die Verbreitung dieser Gruppe dürfte laut Forschern "größer als bisher bekannt" gewesen sein. Zuvor verzeichnete man solche Funde nur auf der Nordhalbkugel

Für die Forscher ist der Fund ein riesiger Erfolg.
Foto: AFP

Santiago de Chile – Forscher in Chile haben erstmals den Fund eines Flugsauriers der Gattung Rhamphorhynchus auf der Südhalbkugel bestätigt. Der Fund zeige, dass "die Verbreitung dieser Gruppe größer war als bisher bekannt", sagte Jhonathan Alarcón von der Universität von Chile. Die Kreatur hätte eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern, einen langen Schwanz und eine spitze Schnauze mit scharfen, nach vorne gerichteten Zähnen gehabt.

160 Millionen Jahre alt
Der Rhamphorhynchus lebte vor rund 160 Millionen Jahren. Die versteinerten Überreste des Flugsauriers waren bereits 2009 in der Atacama-Wüste gefunden worden. Es ist das erste Exemplar, das auf dem prähistorischen Superkontinent Gondwana entdeckt wurde, der heute unter anderem die Landmasse von Lateinamerika bildet. Alarcón zufolge stammen alle bisher bekannten Funde des Flugsauriers von der Nordhalbkugel, vor allem aus Europa.

Die Entdeckung der Fossilien wurde in der vierteljährlich erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschrift "Acta Paleontologica Polonica" veröffentlicht, die vom Institut für Paläobiologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wird.
(APA, 11.9.2021)
Erstmals Fund von 160 Millionen Jahre altem Flugsaurier in Chile
 

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#26
Brasilien: Ungewöhnlicher Mini-Dinosaurier mit Schnabel entdeckt
Der zahnlose Berthasaura leopoldinae gehört zur Gruppe der Theropoden, der etwa auch der berühmte Tyrannosaurus rex angehörte

So könnte Berthasaura leopoldinae vor rund 70 Millionen Jahren ausgesehen haben.
Illustr.: National Museum of Rio de Janeiro

Brasilianische Paläontologen haben die fossilen Überreste einer recht ungewöhnlichen Dinosaurierart entdeckt. Die bisher unbekannte Urzeitechse zählte zu den Theropoden, einer systematischen Gruppe von sich zweibeinig fortbewegenden, meist fleischfressenden Dinosauriern, die unter anderem die größten landlebenden Raubtiere hervorgebracht hat, darunter etwa den ikonischen Tyrannosaurus rex. Berthasaura leopoldinae, so der wissenschaftliche Namen der neuen Dino-Spezies, war dagegen nur rund einen Meter lang und besaß einen Schnabel anstatt eines Mauls voller Zähne, wie die meisten seiner Verwandten.

Was stand auf dem Speiseplan?
Wegen dieser eher ungewöhnlichen Kopfanatomie, stelle sich die Frage, wovon sich das Tier ernährt habe, erklärte der an der Forschung beteiligte Paläontologe Geovane Alves Souza. "Das bedeutet aber nicht automatisch, dass er kein Fleisch gefressen hat". Viele Vögel nutzten dafür ihre Schnäbel. "Höchstwahrscheinlich war er ein Allesfresser, der in einer unwirtlichen Umgebung lebte".


Die Paläontologen vermuten, dass der neu entdeckte Dinosaurier ein Allesfresser war.
Illustr.: National Museum of Rio de Janeiro

Der Schnabel weist Berthasaura, der vor 70 bis 80 Millionen Jahren gelebt hat, allerdings nicht als unmittelbaren Vorfahren der modernen Vögel aus. Zwar gingen die Vögel tatsächlich aus flugunfähigen Theropoden hervor, doch diese Abspaltung fand bereits im Oberjura vor rund 150 Millionen Jahren statt, also lange bevor Berthasaura leopoldinae aufgetaucht ist.

Bemerkenswert vollständiges Dinosaurierfossil
Das versteinerte Skelett war bereits zwischen 2011 und 2014 bei Ausgrabungen entlang einer Landstraße im südlichen Bundesstaat Paraná gefunden worden. Die Forscher bezeichneten ihre Entdeckung als "einen der vollständigsten Dinosaurier, die in Brasilien aus der Kreidezeit gefunden wurden". Die Entdeckung wurde nun in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht.


Die fossilen Überreste wurden im südlichen Bundesstaat Paraná freigelegt.
Foto: National Museum of Rio de Janeiro

Seinen Namen erhielt die neue Dinosaurier-Art nach Bertha Lutz, einer 1976 verstorbenen angesehenen brasilianischen Wissenschafterin und Feministin, sowie nach der brasilianischen Kaiserin und Förderin der Naturwissenschaften aus dem 19. Jahrhundert, Maria Leopoldine.
(red, APA, 19.11.2021)

Studie
Scientific Reports: "The first edentulous ceratosaur from South America."

Ungewöhnlicher Mini-Dinosaurier mit Schnabel entdeckt
 

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#27
Dinosaurier mit bizarrer Schwanzwaffe entdeckt
Stegouros elengassen gehört zur Gruppe der Ankylosaurier und war deutlich kleiner als die meisten seiner Verwandten

Stegouros elengassen in seiner natürlichen Umgebung.
Illustr.: AP/Luis Perez Lopez

Paläontologen haben in Chile eine neue Dinosaurier-Art aus der Gruppe der Ankylosaurier entdeckt. Die Stegouros elengassen benannte Spezies fällt vor allem durch seine spezielle Schwanzform auf, die ein wenig dem Macuahuitl der Azteken gleicht, einer keulenartigen Waffe, die mit Obsidiansplittern gespickt ist. Der Schwanz hatte möglicherweise auch eine ähnliche Funktion wie das Aztekenschwert.


Eine weitere Lebendrekonstruktion des schwer gepanzerten Dinosauriers.
Illustr.: AP/Mauricio Alvarez

Scharfe Knochenplatten
Das gut erhaltene, fast vollständige Skelett des etwa zwei Meter großen Dinosauriers aus der späten Kreidezeit vor etwa 71,7 bis 74,9 Millionen Jahren wurde in der Region Magellanes im chilenischen Teil Patagoniens gefunden. Der Schwanz von Stegouros elengassen mit sieben Paaren seitlich abstehender Hautknochenplatten hatte dem Team um Alexander Vargas von der Universidad de Chile zufolge eine flache, wedelartige Form.


Ein Teil der im chilenischen Teil Patagoniens freigelegten Fossilien.
Foto: Reuters/Fundacion Azara

Panzer auf vier Beinen
Ankylosaurier waren eine vom oberen Jura bis zum Ende der Kreidezeit verbreitete, pflanzenfressende Gruppe von Vogelbeckensaurier. Charakteristisch für ihr Erscheinungsbild waren eine schwere Panzerung aus Knochenplatten, große Dornen und Hörner und ein meist keulenartiger Schwanz zur Verteidigung gegen Angreifer. Ihr größter Vertreter war vermutlich Ankylosaurus magniventris, der bis zu neun Meter lang werden konnte. Die nun entdeckte, im Fachjournal "Nature" vorgestellte Art nimmt sich mit seiner Körperlänge von zwei Metern daneben eher klein aus.


Zum Skelett zusammengefügte CT-Aufnahmen der entdeckten Dinosaurierknochen.
Foto: Reuters/Francisco Hueichaleo

Das Besondere an Stegouros
Ankylosaurier aus Laurasia, der nördlichen der beiden damaligen Landmassen, in die der Urkontinent Pangaea vor zerbrochen war, sind den Wissenschaftern zufolge gut erforscht. Aus dem südlichen Gondwana dagegen sind nur sehr wenige Ankylosaurier-Funde bekannt, obwohl dort wahrscheinlich die frühesten Vertreter dieser Gruppe gelebt haben. Vor allem auch deshalb sei die nun entdeckte Spezies etwas Besonderes.
(red, APA, 4.12.2021)

Studie
Nature: "Bizarre tail weaponry in a transitional ankylosaur from subantarctic Chile."

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Dinosaurier mit bizarrer Schwanzwaffe entdeckt
 

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#28
Fossilien von mehreren Dinosauriern bei Triest entdeckt
Fünf Meter langer Pflanzenfresser Tethyshadros insularis lebte vor rund 80 Millionen Jahren


Lebendrekonstruktion von Tethyshadros insularis, einer vergleichsweise kleinen Spezies aus der Gruppe der Hadrosaurier.
Illustr.: Davide Bonadonna

Ausgrabungen in einem ehemaligen Kalksteinbruch einige Kilometer nördlich von Triest (Italien) haben die fossilen Überreste von sieben Dinosauriern der selben Art zutage gefördert. Eines der Exemplare erwies sich bei der Analyse der Funde durch ein internationales Forscherteam sogar als praktisch vollständig. Der mittelgroße Pflanzenfresser Tethyshadros insularis lebte vor rund 80 Millionen Jahren, wie die Gruppe um Federico Fanti von der Universität Bologna im Fachjournal "Scientific Reports" berichtet.


Der Schädel von "Bruno".
Foto: A. Giamborino (courtesy of Soprintendenza Archeologia, belle arti e paesaggio del Friuli-Venezia Giulia)

"Antonio" wurde vor 30 Jahren gefunden
Diese Dinosaurier aus der Gruppe der Hadrosaurier wurde mindestens fünf Meter lang, was sich durchaus Bescheiden ausnimmt neben einem nahen Verwandten wie dem 13 Meter langen Edmontosaurus. Manche Paläontologen haben vermutet, dass Tethyshadros als Bewohner einer Inselgruppe im Thethysmeer infolge der Inselverzwergung so klein war.

Das erste entdeckte Exemplar namens "Antonio" war vor rund 30 Jahren identifiziert worden. "Bereits damals wurde im Villaggio del Pescatore bei Triest ein nahezu vollständiges Exemplar entdeckt" sagt Fanti. "Aber es war ein Einzelfund. Jetzt haben wir zum ersten Mal einen Ort entdeckt, an dem wir mehrere Exemplare gefunden haben. "

"Bruno" war ein Erwachsener
Das vollständigste davon wurde von den Forschenden "Bruno" getauft. Durch den Vergleich der neuen Überreste mit denen des ersten entdeckten Dinosauriers "Antonio" wurde außerdem festgestellt, dass die zuvor gefundenen Fossilen tatsächlich einem jüngeren Tier gehörten.

Dinosaurier sind nicht die einzigen Fossilen, die aus der Stätte bei Triest geborgen wurden: Fische, Krokodile, Meeresreptilien und sogar kleine Krustentiere haben es ermöglicht, ein außergewöhnliches Bild dieses uralten Ökosystems zu rekonstruieren, das weltweit ohnegleichen ist. Viele dieser Funde können im Städtischen Museum für Naturgeschichte in Triest bewundert werden.
(red, APA. 3.12.2021)

Studie
Scientific Research: "An Italian dinosaur Lagerstätte reveals the tempo and mode of hadrosauriform body size evolution."

Link
Universität Bologna: Il primo branco di dinosauri italiano (Italienisch)

Fossilien von mehreren Dinosauriern bei Triest entdeckt
 

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#29
CHICXULUB-EINSCHLAG
Der letzte Frühling der Dinosaurier
Das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren geschah wahrscheinlich im Frühling oder Sommer, wie die Funde fossiler Eintagsfliegen und Störe zeigen

Obwohl wir das Massensterben infolge des Chicxulub-Einschlags mit dem Aussterben der Dinosaurier in Verbindung bringen, lieferten nun vor allem fossile Fische und Insekten Hinweise auf die Saison, zu der das Ereignis stattfand.
Bild: Florida Atlantic University/Getty Images

Es war ein wahrlich katastrophales Ereignis, das vor 66 Millionen Jahren die Erde für immer veränderte: Der Einschlag eines Asteroiden mit etwa zwölf Kilometern Durchmesser sorgte diversen Forschungsarbeiten zufolge für riesige Tsunamis und Erdbeben und schleuderte immense Gesteins- und Staubmengen in die Luft, die nicht nur im Chicxulub-Einschlagkrater in Mexiko, sondern weltweit nachweisbar sind.

Die glühenden Erdmassen verursachten Großbrände, durch Staub und Ruß verdunkelte sich die Atmosphäre für rund eineinhalb Jahre und brachte nicht nur eine extrem abkühlende Erdoberfläche mit sich, sondern hinderte Pflanzen auch daran, Fotosynthese zu betreiben. Dies alles hatte das drittgrößte Artensterben in der Erdgeschichte zur Folge. Etwa drei Viertel der Tiere und Pflanzen an Land und im Wasser starben aus. Betroffen waren unter anderem zahlreiche Saurierspezies, obwohl Forschende noch diskutieren, inwiefern sich die große Biodiversität der Tiergruppe bereits früher aufgrund von evolutionären Stressfaktoren zurückentwickelte.

Die zahlreichen Hinweise, die bisher zur Chicxulub-Katastrophe gesammelt wurden, werden nun um einen weiteren interessanten Aspekt ergänzt: Ein Forschungsteam aus den USA und aus Großbritannien will die Jahreszeit eingegrenzt haben, in der es zum verheerenden Einschlag kam. Im Fachjournal "Scientific Reports" berichten Erstautor Robert DePalma von der Florida Atlantic University und sein Team von der zeitlichen Eingrenzung des Events, das auch der facettenreichen Evolution der Säugetiere den Weg ebnete.

Saison-orientierte Lebensphasen
Weshalb ist die genaue Zeit, zu der der Asteroid einschlug, überhaupt relevant? "Die Jahreszeit spielt eine wichtige Rolle für viele biologische Funktionen, etwa Fortpflanzung, Ernährungsstrategien, Wirt-Parasit-Interaktionen, saisonale Ruhezeiten und Vermehrungsmuster", sagt der Paläontologe und Geologe DePalma. Daher ist der Zeitpunkt einer globalen Gefahr bedeutsam, weil abhängig davon Leben und Überleben stärker oder weniger stark beeinflusst werden.

Neue Informationen gewann das Forschungsteam von einer Fundstelle im US-Bundesstaat North Dakota, die einen äußerst detaillierten Einblick in die verheerenden Vorgänge liefert. Durch Datierungen, die Analyse von Erdschichten, Funde bestimmter Arten und Pflanzenpollen entstand ein Forschungspuzzle, das auch den beteiligten Forscher Anton Oleinik beeindruckte: "Es ist einfach erstaunlich, dass mehrere unabhängige Beweisketten so deutlich darauf hinweisen, in welcher Saison vor 66 Millionen Jahren der Asteroid auf dem Planeten einschlug."

Barcode der Fische
Zu einer dieser Beweisketten gehörte eine Art Barcode, den das Team aus fossilen Fischgräten gewann. Auf ihnen sind Wachstumslinien zu erkennen – vergleichbar mit Baumringen und Knochenlinien bei anderen Tieren. Während die Fische im Frühling und Sommer mehr fressen können und stärker wachsen, bildet sich eine dunklere Knochenschicht. Bei geringerem Nahrungsangebot, wie es im Herbst und Winter auftritt, entsteht im Kontrast dazu ein helles Band.


Das Stadium, in dem sich verschiedene Insekten und Fischarten zum Zeitpunkt des Einschlags befanden, deutet darauf hin, dass der Asteroid im Frühling oder Sommer die Erde erreichte.
Bild: DePalma et al., Scientific Reports 2021

Daraus lässt sich ableiten: Die Jungfische verstarben alle in ihrer Wachstumsphase, die sich auf den späten Frühling und die erste Hälfte des Sommers einschränken lässt. Darauf deutet auch der Vergleich der Größe dieser Fische und ihrer Laichzeiten mit modernen Fischpopulationen hin.

Aufschlussreiche Eintagsfliegen
Dabei lieferten nicht nur Fische aus der Familie der Störe wichtige Informationen, sondern auch Insekten, deren Larven sich von Blättern ernähren. Ihre Fraßspuren tauchten auf etwa 40 Prozent der Blätter auf, die zum Zeitpunkt des Einschlags frisch waren. Hilfreich war zudem der Fund von Eintagsfliegen im erwachsenen (adulten) Stadium. Die Tiere lassen ihr Larvenstadium üblicherweise im Frühjahr und im Sommer hinter sich, danach sterben sie innerhalb von Stunden oder Tagen – auch ohne Asteroideneinschlag. Ihr Vorkommen in einer Schicht, die sich bei der Katastrophe neu ablagerte, weist aber entsprechend auf diese Jahreszeiten hin.

Der Impakt fiel also in eine Zeit, in der bei vielen Tieren Fortpflanzung, Wachstum und Stadienwandel im Zentrum standen. Dies spricht für das Forschungsteam dafür, dass der Einschlag besonders verheerende Folgen mit sich brachte, die sich über die schwierigen folgenden Monate fortsetzten: "Das Massensterben von Jungtieren wäre besonders für solche Spezies desaströs, die viele Jahre brauchten, um das Brutalter zu erreichen – oder solche, die sich nur unter idealen Bedingungen fortpflanzten."

Asymmetrische Muster
Die Katastrophe und ihre Langzeitfolgen seien gerade in Ökosystemen verheerend, die sich im Laufe von Jahreszeiten natürlicherweise stark verändern, etwa in Sachen Sonnenlicht und Temperatur. "Daher ist es plausibel, dass dieses Phänomen ein asymmetrisches Muster des Aussterbens begünstigte", schreibt das Forschungsteam. In der nördlichen und südlichen Hemisphäre dürften Arten an verschiedenen Orten unterschiedlich stark betroffen gewesen sein.

Aus dem Blick zurück auf dieses Aussterbeereignis lassen sich aber auch für Gegenwart und Zukunft Schlüsse ziehen, heißt es – und zwar für das Abmildern der gegenwärtigen Biodiversitätskrise. Einer in diesem Jahr veröffentlichten Forschungsarbeit zufolge verheißen die derzeitigen Trends nichts Gutes: Bestimmte Süßwasserarten beispielsweise sind aktuell bereits stärker betroffen als beim Chicxulub-Einschlag vor 66 Millionen Jahren. (sic, 12.12.2021)

Studie
Scientific Reports: "Seasonal calibration of the end-cretaceous Chicxulub impact event" (Open Access)

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Der letzte Frühling der Dinosaurier
 

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#30
GIGANT DER URMEERE
Britischer Rekordfund: Riesiger "Fischsaurier" verblüfft Wissenschafter
Paläontologen haben das bisher größte und vollständigste Ichthyosaurier-Fossil in Großbritannien freigelegt

Äußerlich kamen Ichthyosaurier modernen Delfinen nahe – allerdings übertrafen die größten von ihnen selbst die längste Delfinart, den Schwertwal, um mehr als das Doppelte.
Illustr.: Anglian Water/Bob Nicholls

Nicht nur zu Lande wuchsen Reptilien während der Zeit der Dinosaurier zu gewaltigen Wesen heran, auch in den Ozeanen brachte die Evolution riesige Schuppentiere hervor – und zwar in überraschend kurzer Zeit, wie eine Studie kürzlich nachweisen konnte. Diese sogenannten Ichthyosaurier ("Fischsaurier"), die jedoch nicht zu den eigentlichen Dinosauriern zu zählen sind, entwickelten Körperformen, die modernen Delfinen durchaus ähnelten.

Britischer Rekordfund
Nun haben Paläontologen das bisher größte britische Fossil eines Vertreters aus dieser Gruppe entdeckt. Das im Rutland Water Nature Reserve in den East Midlands freigelegte Fossil weist auf ein zu Lebzeiten rund zehn Meter langes Raubtier hin, das vor rund 180 Millionen Jahren die lokalen Meere unsicher machte. Die Überreste werden derzeit in Shropshire näher untersucht und konserviert, sollen aber später nach Rutland zurückkehren, um dort ausgestellt zu werden.


https://twitter.com/RutlandWaterNR?...esiger-fischsaurier-verbluefft-wissenschafter

Einzigartiges Exemplar
Der Fund gelang Joe Davis, Leiter des Naturschutzteams beim Leicestershire and Rutland Wildlife Trust, während der routinemäßigen Trockenlegung einer Laguneninsel zur Neugestaltung der Landschaft im Februar 2021. Das Ichthyosaurier-Fossil ist nicht nur das größte, sondern auch das vollständigste seiner Art, das bisher in Großbritannien gefunden wurde. Darüber hinaus repräsentiert es das erste Exemplar der Spezies Temnodontosaurus trigonodon, das im Land gefunden wurde.

"Der Fund ist absolut faszinierend und ein echtes Karrierehighlight", erklärte Davis gegenüber BBC News. "Das heutige Großbritannien ist quasi die Geburtsregion der Ichthyosaurier, ihre Fossilien werden hier seit über 200 Jahren ausgegraben", sagte Paläontologe Dean Lomax, Experte für Ichthyosaurier und Leiter des Ausgrabungsteams. "Umso bemerkenswerter ist es, dass der Rutland-Ichthyosaurier das größte jemals in Großbritannien gefundene Exemplar ist".


Alleine der Kopf von Temnodontosaurus trigonodon maß rund zwei Meter.
Foto: Anglian Water

Verblüffend frühe Giganten
Zehn Meter bildete freilich nicht die Längenobergrenze dieser Reptiliengruppe: Einige Fossilien weisen auf Arten wie beispielsweise Shonisaurus hin, die über zwanzig Meter erreicht haben dürften. Bereits der erste Riese unter den Ichthyosauriern aus der mittleren Trias hatte mit einer Länge von 17 Meter und einem Gewicht von 45 Tonnen die Dimensionen eines modernen Pottwals.
Dass dieser Gigant schon vor rund 250 Millionen Jahren existierte, also knapp nach dem Auftauchen dieser Meeresreptilien, verblüffte die Fachwelt. Wie ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Science" Ende Dezember berichtete, müssen sich die Ichthyosaurier damit in nur drei Millionen Jahren zu den Giganten der Urmeere entwickelt haben – viel schneller als beispielsweise die Größenevolution der heutigen Wale.

Video: Der "Ruthland Sea Dragon".Anglian Water

Vom Land zurück ins Meer
Ichthyosaurier stammen von einer bisher unbekannten Gruppe landlebender Reptilien ab und waren selbst luftatmend. "Seit den ersten Skelettfunden in Deutschland und Südengland vor mehr als 250 Jahren gehörten diese 'Fischsaurier' zu den ersten großen fossilen Reptilien, die der Wissenschaft bekannt waren, und sie haben seither die Phantasie der Menschen beflügelt", sagte Erstautor Martin Sander vom Institut für Paläontologie der Universität Bonn und Gastwissenschafter am Natural History Museum (NHM) of Los Angeles County. Warum sie lange vor den Dinosauriern wieder ausstarben, ist noch nicht im Detail geklärt, aber man vermutet, dass Klimaveränderungen eine Rolle gespielt haben.

Nach Angaben der Forscher war Cymbospondylus youngorum, so der wissenschaftliche Name des Ichthyosauriers, das größte bisher entdeckte Tier seiner Zeit. "Soweit wir wissen, war es sogar das erste riesige Lebewesen, das überhaupt jemals auf der Erde gelebt hat", sagt Sander. Wie die Fischsaurier so schnell so groß werden konnten, versuchten die Forscher mithilfe von Modellierungen des damaligen Ökosystems herauszufinden.


Viji Shook, Mitarbeiterin des Dinosaurier-Instituts des Natural History Museum of Los Angeles County, liegt neben dem Schädel von Cymbospondylus youngorum.
Foto: Martin Sander

Viel Nahrung und wenig Konkurrenz
Das Resultat: Die frühen Ichthyosaurier scheinen von einem Überfluss an Conodonten (aalähnliche Wirbeltierverwandte) sowie einer Vielzahl von Ammoniten (eine ausgestorbene schalentragende Teilgruppe der Kopffüßer) profitiert zu haben. "Wir nehmen an, dass sich die Ichthyosaurier auch derart rasant entwickeln konnten, weil sie als erste größere Lebewesen die Weltmeere bevölkerten und einem geringeren Konkurrenzkampf ausgesetzt waren", so Sander.
(tberg, red, 10.1.2022)
Britischer Rekordfund: Riesiger "Fischsaurier" verblüfft Wissenschafter
 

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#31
Der Dinokiller kam im Frühling
Vor 66 Millionen Jahren schlug auf der Halbinsel Yucatán ein gewaltiger Asteroid ein. Dank neuer Analysen konnte nun die Jahreszeit des Impakts


Für Dinosaurier und Flugsaurier bedeutete der Asteroideneinschlag das Ende, während andere Arten überlebten.
Illustration: Imago / StockTrek Images

Das damalige Epizentrum des Infernos liegt heute auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko. Dort schlug vor 66 Millionen Jahren ein über zehn Kilometer großer Asteroid mit der Explosionskraft von ein paar Hundert Millionen Hiroshima-Bomben ein. Weil der nächstgelegene Ort Chicxulub Pueblo heißt, wurde der Krater, der rund 180 Kilometer Durchmesser hat, Chicxulub getauft.

Dieses Ereignis, das die Kreide-Paläogen-Epochengrenze (früher: Kreide-Tertiär-Grenze) markiert, zählt zu einem der bedeutendsten der Erdgeschichte und ist entsprechend gut erforscht: Wie die Wissenschaft heute weiß, hatte der Asteroideneinschlag das drittgrößte Artensterben in der Erdgeschichte zur Folge. Dank Bohrkernanalysen ist auch bekannt, dass der umliegende Ozean verdampfte, Gesteinsmassen schmolzen, sich riesige Tsunamis bildeten und immense Staubmengen in die Luft geschleudert wurden.
Bereits 24 Stunden nach dem fatalen Einschlag hatte sich eine 130 Meter dicke Schicht aus Staub, Erde und Holzkohle an den Rändern des Kraters aufgetürmt.

Aufschlussreicher Fundort
Seit kurzem weiß man nun auch, dass der Dinokiller im Frühjahr eingeschlagen haben muss – was 66 Millionen Jahre später eine ziemlich erstaunliche Detailerkenntnis ist. Dass diese jahreszeitliche Eingrenzung möglich wurde, liegt an einer Fundstelle namens Tanis im heutigen US-Bundesstaat North Dakota an der Grenze zu Kanada.

Gut 3.500 Kilometer nördlich des Asteroideneinschlags deponierte dort eine Stunde danach ein Tsunami all das, was sich ihm in den Weg gestellt hatte. In dem gewaltigen versteinerten Haufen finden sich Sedimente, Bäume und Tierkadaver, die vor 66 Millionen Jahren lebendig begraben wurden. Für die Paläontologie ist Tanis eine echte Fundgrube und lieferte seit 2019 (in einem Artikel im Fachblatt "PNAS") das Material für zahlreiche wissenschaftliche Publikationen.

Versteinerte Fischknochen
Eine davon erschien im Dezember des Vorjahrs und stammt von einem Team um Tanis-Mitentdecker Robert DePalma (Florida Atlantic University). Die Forschenden kamen im Fachjournal "Scientific Reports" unter anderem aufgrund der Analyse von versteinerten Fischknochen und Insekten zum Schluss, dass der Asteroid wohl im späten Frühjahr oder Sommer niedergegangen sein muss. (Der STANDARD berichtete.)

Forschende um Melanie During (Universität Uppsala) haben diese Analysen im Wissenschaftsjournal "Nature" nun verfeinert und bestätigt. During nahm mit ihrem Team ebenfalls die versteinerten Knochen von Fischen unter die Lupe und analysierte sie unter anderem an der European

Synchrotron Radiation Facility in Grenoble.
ESRFsynchrotron

Neben den versteinerten Knochen, deren Wachstumsringe auf einen Einschlag im Frühjahr hindeuten, untersuchte Durings Team auch die stabilen Kohlenstoffisotope eines Fisches, um auf diese Weise auf seinen Ernährungsstatus zu schließen. Dieses Signal deutete laut den Untersuchungen darauf hin, dass die Futtersaison noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte. "Der Tod kam im Frühling", resümiert die Forscherin. Oder wie es im Titel des Fachaufsatzes heißt: "Das Mesozoikum endete im borealen Frühjahr".

Ungleiches Artensterben
Warum das von Belang ist? Ganz einfach: Es könnte zur Erklärung beitragen, warum das damalige Artensterben so ungleich war. Dinosaurier (mit Ausnahme der Theropoden), Flugsaurier und die meisten Meeresreptilien starben aus, während Vögel, Krokodile, Schildkröten und Säugetiere überlebten. Das könnte damit zu tun haben, dass diese Arten wegen der Brutzeit und Brutdauer vom Einschlag im Frühjahr unterschiedlich stark betroffen waren.

Faktum ist, dass mit dem Impakt im Frühling die weitere Entwicklung der Säugetiere erleichtert wurde. Und das half letztlich entscheidend dabei, dass die Gattung Homo rund 64 Millionen Jahre später ihren Siegeszug antreten konnte.
(Klaus Taschwer, 24.2.2022)

Originalpublikationen:
Weiterlesen:
Die Fingerabdrücke des Dino-Killers

Chicxulub: Wie lange der Dinokiller nachwirkte


Der Dinokiller kam im Frühling
 

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#32
SPINOSAURUS
Neue Knochenanalysen lösen Rätsel um größten Raubsaurier
Spinosaurus war größer als Tyrannosaurus rex. Fachleute stritten lange darüber, wo und wie die "Dornechse" lebte. Das wurde nun in einer aufwendigen Studie geklärt

So oder so ähnlich dürfte es vor gut 100 Millionen Jahren im heutigen Nordafrika zugegangen sein: Ein Spinosaurus macht in einem Fluss Jagd auf einen frühen Sägerochen.
Illustration: Davide Bonadonna

Mit einer Länge von bis zu 18 Metern war der Spinosaurus der größte fleischfressende Dinosaurier, der je entdeckt wurde. Damit übertraf er sogar Tyrannosaurus rex um zwei Meter, der ihm zumindest im Film "Jurassic Park III" an Kraft und Größe unterliegt. In echt sind sich die beiden Raubsaurier allerdings nie begegnet, denn Spinosaurus lebte erstens viel früher als T. rex und zweitens auch ganz woanders, nämlich im heutigen Nordafrika und da vermutlich in riesigen Flüssen.

Auch wenn die Dornechse (so die wörtliche Übersetzung von Spinosaurus) nicht zuletzt wegen ihrer rund zwei Meter langen Dornfortsätze am Rücken zu den ikonischen Dinosauriern gehört, so sind etliche ihrer Eigenschaften wissenschaftlich umstritten. Dazu gehören nicht zuletzt die namensgebenden Fortsätze, die vermutlich ein ziemlich mächtiges Segel aufspannten. Wozu dieses diente, ist nach wie vor Gegenstand von Spekulationen.

Aquatisch oder nicht?
Besonders leidenschaftlich wird seit Jahrzehnten über das Verhalten von Spinosaurus diskutiert. Etliche Merkmale seiner Anatomie wiesen darauf hin, dass er nicht auf dem Land gejagt hat, wie erste Darstellungen aus den 1950er-Jahren suggeriert hatten: Der krokodilähnliche Kiefer und die kegelförmigen Zähne der Dornechse ähneln jenen anderer aquatischer Raubtiere, und bei einigen Fossilien waren Bäuche voll mit Fischen gefunden worden.

Ein 2014 beschriebenes Spinosaurus-Exemplar, das der Paläontologe Nizar Ibrahim (University of Portsmouth) in Marokko gefunden hatte, wies noch eindeutigere Merkmale auf, die in Richtung Wasser deuteten: An diesem Individuum konnte man kurze Hinterbeine, paddelartige Füße und einen flossenartigen Schwanz rekonstruieren. Die verhältnismäßig kleinen Nasenlöcher befanden sich in der Mitte des Schädels und könnten es Spinosaurus so wie heutigen Krokodilen ermöglicht haben, auch fast vollkommen unter Wasser tauchend zu atmen.

Umstrittene Frage
Diese recht eindeutigen Hinweise auf eine aquatische Lebensweise blieben dennoch umstritten. Das lag auch daran, dass die nichtavischen Dinosaurier (also jene Dinosaurier, die sich nicht zu Vögeln weiterentwickelt haben) lange als die einzige Gruppe galten, die keine Wasserbewohner aufwiesen. Fachleute argumentierten deshalb, dass die Dornechsen bestenfalls im Wasser wateten, also semiaquatisch waren. Und allein aufgrund der Anatomie der wenigen erhaltenen Skelette ließ sich die Streitfrage nach dem Verhalten der mächtigen Raubsaurier nicht so einfach entscheiden.

Doch wie könnte man das Rätsel lösen? Ein internationales Forscherteam, dem auch Ibrahim angehörte, wählte einen innovativen, aber auch ziemlich aufwendigen Ansatz: Die Fachleute untersuchten die Knochendichte von Spinosaurus und verglichen diese mit der Knochendichte einer Vielzahl anderer Tiere.

"Die Idee für unsere Studie war: Okay, wir können die Daten der Fossilien auf verschiedene Weise interpretieren. Aber was ist mit den allgemeinen physikalischen Gesetzen?", wie Erstautor Matteo Fabbri (Field Museum in Chicago) sagt: "Es gibt bestimmte Gesetze, die auf jeden Organismus auf diesem Planeten anwendbar sind." Und eines dieser Gesetze betrifft die Fähigkeit, im Wasser zu schwimmen. Frühere Studien haben nämlich gezeigt, dass Säugetiere, die an das Wasser angepasst sind, dichte, kompakte Knochen in ihren postkranialen Skeletten haben. Denn dichtere Knochen dienen als Auftriebskontrolle und erleichtern das Untertauchen.

Knochen von 250 Tierarten
Bei der Auswahl der Tiere, die in die Studie aufgenommen wurden, scheute Fabbri mit seinen Kolleginnen und Kollegen keinen Aufwand. "Wir haben Robben, Wale, Elefanten, Mäuse und Kolibris miteinbezogen, Dinosaurier in verschiedenen Größen, ausgestorbene Meeresreptilien wie Mosasaurier sowie Plesiosaurier", sagt der Paläontologe. Insgesamt waren es Knochen von rund 250 heute noch lebenden sowie längst ausgestorbenen Tierarten.

Im ersten Schritt der Studie, die am Mittwoch im Fachblatt "Nature" erschienen ist, versuchte das Team zu klären, ob es tatsächlich eine universelle Korrelation zwischen Knochendichte und Verhalten gibt. Das gelang in erster Linie anhand von heute noch lebenden Tieren, von denen wir mit Sicherheit wissen, ob sie aquatisch sind oder nicht.

Bestätigte Vermutungen
Die Untersuchungen bestätigten die Ausgangshypothese eindeutig: Der Zusammenhang zwischen der Knochendichte und der Futtersuche unter Wasser erwies sich als extrem hoch. Umgekehrt formuliert: "Alle Tiere, die im Wasser und eben nicht nur semiaquatisch leben, haben solche dichten Knochen", resümiert Fabbri seine Erkenntnisse.


Zusammenhänge zwischen Knochenstruktur und Lebensweise: Vögel haben besonders dünne und leichte Knochen, während Wasserbewohner und auch besonders schwere Tiere dichte Knochen besitzen.
Illustration: Fabbri et al., Nature 2022

Durch die Analyse der Knochendichte von verschiedenen Spinosauriden zeigte sich im zweiten Schritt, dass Spinosaurus, aber auch sein naher Verwandter Baryonyx dichte Knochen hatten, was mit ziemlicher Gewissheit darauf schließen lässt, dass beide unter Wasser jagten. Ein anderer verwandter Dinosaurier namens Suchomimus dagegen hatte leichtere Knochen, die das Schwimmen erschwerten. Er dürfte wahrscheinlich nur im Wasser gewatet sein.

Knochen lügen nicht
"Letzteres war eine ziemliche Überraschung", sagt Co-Autor Nizar Ibrahim, "denn Baryonyx und Suchomimus sehen sich ziemlich ähnlich." Das Team stellte jedoch nach weiteren Analysen fest, dass dies nichts Ungewöhnliches war, da ähnliche Muster auch bei anderen Tiergruppen zu beobachten waren.

Für Ibrahim ist das Rätsel um das Verhalten von Spinosaurus jedenfalls gelöst: Die Architektur der Knochen habe bestätigt, dass Spinosaurus ein extrem großes Raubtier gewesen sei, das in Flüssen auf Fischjagd ging und seinen paddelartigen Schwanz für den Antrieb nutzte. Nachsatz: "Knochen lügen nicht."
(Klaus Taschwer, 23.3.2022)

Originalstudie:
Nature: "Subaqueous foraging among carnivorous dinosaurs"

Neue Knochenanalysen lösen Rätsel um größten Raubsaurier
 

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#33
Die absurd kurzen Arme des T. rex: Neue Vermutung veröffentlicht
Der gefürchtete Dinosaurier ist auch für seine winzigen Arme bekannt. Ein Paläontologe widerlegt skurrile Hypothesen und äußert seine eigene Vermutung

Im Verhältnis zum restlichen Körperbau wirken die Arme des Tyrannosaurier lächerlich klein. Eine Laune der Evolution?
Bild: Joe Lena / Getty Images

Kein Dinosaurier ist so berühmt-berüchtigt – und birgt gleichzeitig ein respektables Meme-Potenzial. Der räuberische Tyrannosaurus rex, der vor 66 Millionen Jahren seiner Beute grausam den Garaus machte, wird heutzutage auch mit Vorliebe durch den Kakao gezogen. An seinen Ärmchen. Denn diese sehen zwischen den massiven Kiefern und den muskulösen Beinen karikaturistisch klein aus. Auch wenn man sie sich durchaus kräftig vorstellen kann: Sein Bizeps dürfte in der Lage gewesen sein, etwa 200 Kilogramm zu heben.

Warum aber sind die Arme so kurz, dass ein T. rex Probleme hätte, in die Hände zu klatschen oder ein Bett zu machen (sofern er hypothetisch Lust auf derartige Tätigkeiten hätte)? Darum ranken sich seit der Entdeckung der Skelette des bis zu dreizehn Meter langen und sieben Tonnen schweren Raubtiers durch Menschen diverse Mutmaßungen. Wobei die Arme bei den ersten Fossilfunden nicht vollständig erhalten waren und sich die Hypothese der kurzen Vorderextremitäten erst mit einem neuen Fund 1989 bestätigte.


Die Arme waren nur etwa eineinhalb Meter lang und damit kürzer als sein Schädel. Hätte ein Mensch vergleichbar kurze Arme, wären sie umgerechnet bei einer Körperhöhe von 1,50 Metern nur 1,5 Zentimeter lang.

Winkende Saurier
Schon 1906 ließen Forschende ihrer Fantasie bei diesem Thema freien Lauf. Der US-amerikanische Paläontologe Henry Fairfield Osborn vermutete, die imposanten Dinosaurier hätten mit ihren Armen beim Sex den Partner festgehalten. Andere sahen den Nutzwert eher bei der Nahrungsbeschaffung: Sie könnten die Beute festhalten, bevor diese die spitzen Zähne zu spüren bekam. Ein hawaiianischer Forscher äußerte die Theorie, dass die zwei Klauen pro Hand wohl eher zum Aufschlitzen als zum Festhalten brauchbar waren. Heitere Vorschläge stellten etwa die Möglichkeit in den Vordergrund, einen schlafenden Triceratops umzuwerfen – analog zum Mythos des Küheschubsens – oder potenziellen Partnern zuzuwinken.


Das Skelett im paläontologischen Museum der University of California Berkeley verdeutlicht: Mit den Ärmchen war nicht viel anzufangen.
Foto: Peg Skorpinski

Selbst weniger abstruse Spekulationen wurden bisher kaum überprüft, sagt der emeritierte Paläontologe Kevin Padian von der University of California in Berkeley. Er hat eine Evaluation dieser unterschiedlichen Ideen vorgenommen – anhand des T.-rex-Skeletts, das im von ihm kuratierten paläontologischen Museum der Universität steht. Messungen zeigen, dass die Arme zu kurz und unbeweglich für die meisten dieser Mutmaßungen sind: Sie können sich nicht einmal gegenseitig berühren. Und trotz ihrer kräftigen Muskeln käme der Tyrannosaurus nicht in die Nähe von etwas, das er aufheben könnte.

Anlässlich des Oscar-Skandals um Will Smith, seine Ehefrau Jada Pinkett Smith und Chris Rock äußerte sich auch der Twitter-Account der T.-rex-Dame Sue mit Verweis auf die kurzen Arme.

Aggressive Warnung
Aber wie lautet dann die Antwort auf die Frage, die Padian so häufig wie keine andere von seinen Studierenden zu hören bekam? Nachdem seine Standardantwort bisher "Das weiß keiner" gelautet hatte, formulierte er nun seine eigene Hypothese, die zu aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen passt. Vor einem Jahr erschien bereits eine Studie, die ein Bild der Tyrannosaurier als Rudeljäger zeichnete. Und wenn man sich bildlich eine hungrige Gruppe vorstellt, deren Mitglieder Bissen aus einem geteilten Beutetier reißen, dann scheint Padians Idee nicht so abwegig.

Wie er Ende März im Open-Source-Fachjournal "Acta Palaeontologica Polonica" der polnischen Akademie der Wissenschaften in einer lesenswerten Studie schrieb, könnten die kurzen Ärmchen einen T. rex vor versehentlicher Amputation bewahrt haben. "Man stelle sich eine Menge massiver Schädel mit unglaublich kräftigen Kiefern und Zähnen vor, die direkt neben einem Fleisch und Knochen zerreißen und zerkleinern", sagt Padian. "Was, wenn deine Freunde sich denken, dass du ihnen ein bisschen zu nahe kommst? Vielleicht warnen sie dich, indem sie deinen Arm abtrennen."

Das klingt nach einer martialischen Auffassung von Freundschaft. Aber wenn die vorderen Extremitäten bei der Jagd – und der Fortbewegung – ohnehin nicht gebraucht wurden, könnte es sich dabei um einen evolutionären Vorteil gehandelt haben, der ihre Rückentwicklung begünstigte. Schwere Bisswunden an den Armen können zu starken Blutungen, Infektionen und letztendlich auch zum Tod führen, sagt Padian.

Beweis durch Bisswunden
Inspiriert wurde er zu dieser Überlegung auch von Komodowaranen und Krokodilen. Sie jagen in Gruppen, die größeren Tiere stürzen sich zugleich auf die erlegte Beute und können sich dabei gegenseitig zerfleischen. Bisswunden wurden bei Tyrannosauriern und anderen fleischfressenden Dinos bereits gefunden, an Schädeln und anderen Teilen des Skeletts.

Tyrannosaurier, die zufällig kürzere Arme hatten, trugen bei einem vergleichbaren Szenario womöglich auch ein geringeres Risiko und konnten sich erfolgreicher vermehren, sofern dies bei der Paarung kein Hindernis darstellt. (Im Übrigen wären die Arme viel zu kurz und zu schwach, um einen Sexualpartner von vergleichbarem Kaliber damit zu kontrollieren.) Auch der vor T. rex lebende verwandte Gorgosaurus besaß ziemlich kurze Arme; die Entwicklung könnte in verschiedenen Sauriergruppen unabhängig voneinander vorgekommen sein.

Beweisen lässt sich die Hypothese viele Millionen Jahre nach dem Ableben der Spezies allerdings nur schwerlich. Eine Korrelation ließe sich immerhin überprüfen, sagt Padian: "Wenn man weniger Bisswunden an den kürzeren Gliedmaßen findet, könnte das ein Anzeichen dafür sein, dass die Verkleinerung effektiv war." Dafür müsste man aber Fossilien auf der ganzen Welt noch einmal genauer nach Bisswunden untersuchen. Vielleicht ist dies der nächste Schritt bei der Lösung dieses Rätsels der Evolutionsgeschichte.
(Julia Sica, 2.4.2022)

Studie
Acta Palaeontologica Polonica: "Why tyrannosaurid forelimbs were so short: An integrative hypothesis" (Open Access)

Nachlese

Die absurd kurzen Arme des T. rex: Neue Vermutung veröffentlicht
 

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#34
IMPOSANTE ENTDECKUNG
Überreste riesiger Meeressaurier in den Alpen aufgetaucht
Auf 2.800 Metern Höhe fanden sich in der Schweiz neuen Analysen zufolge Relikte des größten bisher bekannten Ichthyosauriers, der je lebte

Vor etwa 205 Millionen Jahren lebten riesige "Fischsaurier" auf dem Gebiet, das sich im heutigen Alpenland befindet.
Bild: Jeannette Rüegg / Heinz Furrer, Universität Zürich

Wo heute die Bündner Alpen ein ansehnliches Schweizer Gebirgspanorama zeichnen, verstecken sich auch maritime Spuren längst vergangener Zeiten. Der Paläontologe Heinz Furrer leitete hier bis 1990 Grabungen, bei denen unter anderem ein Zahn, Wirbel und Rippen von Meeressauriern zutage gefördert wurden. Aktuelle Analysen zeigen, dass sie zu riesigen Tieren gehörten, die dort vor mehr als 200 Millionen Jahren lebten. Besonders beeindruckend: Es könnten die Überreste der größten Ichthyosaurier sein, die je gelebt haben, wie das Team um Tanja Wintrich von der Universität Bonn im Fachblatt "Journal of Vertebrate Paleontology" schreibt.

Die beeindruckend dicke Zahnwurzel des Sauriers.
Foto: Rosi Roth / Universität Zürich

Beim Zahn handelt es sich dementsprechend um den bisher dicksten Ichthyosaurier-Zahn, der bisher gefunden wurde. Seine Zahnwurzel hat einen Durchmesser von sechs Zentimetern. "Das bisher größte noch in einem vollständigen Schädel steckende Exemplar lag bei 20 Millimetern und stammt von einem Ichthyosaurier, der fast 18 Meter lang war", sagt Erstautor Martin Sander von der Uni Bonn.

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Jedoch lässt sich allein auf Basis des Zahnes kaum sagen, wie groß der Saurier war, wie das Team – mit Beteiligung des Grabungsleiters Furrer, der auch ehemaliger Kurator des Museums für Paläontologie an der Universität Zürich ist – berichtet. Demnach muss der Zahn nicht von einem besonders riesigen Ichthyosaurier stammen, sondern könnte auch einem Ichthyosaurier (oder "Fischsaurier", wie sie teilweise genannt werden) mit besonders riesigen Zähnen gehört haben.

Meer, wo heute Gebirge sind
Unabhängig davon ist es aber erst das zweite Mal, dass ein Zahn einem so großen Ichthyosaurier zugeordnet werden konnte. Während nämlich die meisten kleineren Spezies sehr wohl Zähne besaßen, waren die großen Arten meist zahnlos und ernährten sich, indem sie ihre Beute einsaugten. Diejenigen mit Zähnen dürften wohl kleinere Ichthyosaurier und große Fische verspeist haben, spekulieren die Forschenden.

Ausgegraben wurden der Zahn sowie die Rippen und Wirbel von insgesamt drei Meeressaurier-Exemplaren in den Bündner Alpen – am Chrachenhorn, Tinzenhorn und an der Schesaplana. Die Fundgebiete zählen zur sogenannten Kössen-Formation. Das ist eine stratigrafische Einheit in den Ostalpen, die sich von der Ostschweiz bis in den Osten Österreichs erstreckt. Abgelagert wurden die Sedimente in der späten Triaszeit, als das Tethys-Meer große Teile der Schweiz bedeckte.

Die Alpen verschluckten das Urmeer
Tethys.Terra X plus

Angespülte Kadaver?
Die Gesteine zeigen, dass es sich bei der Kössen-Formation um ein flaches Küstengebiet handelte – eigentlich zu beengend für die gigantischen, bis zu achtzig Tonnen schweren Meerestiere, die an ein Leben in offenem Meer angepasst waren. Die Forschenden vermuten deshalb, dass sich die schnell schwimmenden Jagdsaurier manchmal ins Küstenbecken des nordwestlichen Tethys-Ozeans verirrt hatten oder dass ihre Kadaver dorthin gespült wurden.

Studienautor Martin Sander mit dem Fossil einer Rippe. Das zugehörige Individuum dürfte etwa 20 Meter lang gewesen sein.
Foto: Laurent Garbay / Universität Bonn

Die ausgegrabenen Skelettüberreste förderten gemäß den Forschenden nicht nur einen Zahnrekord zutage, sondern auch den größten Rumpfwirbel eines Ichthyosauriers, der bislang in Europa gefunden wurde. Dieses Exemplar kann es demnach mit dem größten heute bekannten Meeresreptilfossil aufnehmen, dem 21 Meter langen Ichthyosaurier Shonisaurus sikanniensis aus British Columbia in Kanada. Vor einigen Jahren wurde auch ein Unterkieferknochen entdeckt, der dieser Spezies aus der Familie der Shastasaurier-Artigen ähnelt und 26 Meter lang gewesen sein könnte.

Riesig werden und aussterben
Die gefundenen Überreste des dritten Ichthyosaurier-Exemplars lassen auf eine Länge von etwa 15 Metern schließen. Ob auch diese zwei Ichthyosaurier Zähne besaßen, ist derzeit aber unklar. Es könnte sich stattdessen auch um zahnlose Meeresriesen handeln.


Diese künstlerische Interpretation eines Ichthyosauriers lehnt sich optisch an Wale an, die wie die Reptilienverwandten keine Fischkiemen hatten, sondern zum Atmen auftauchen mussten. Bisherige Funde ließen auf viele große, aber zahnlose Ichthyosaurier schließen, die ihre Beute einsaugten, während kleinere Arten eher Zähne besaßen.
Bild: Marcello Perillo / Universität Bonn

Ichthyosaurier tauchten erstmals vor etwa 250 Millionen Jahren auf, als ungefähr 95 Prozent der marinen Arten ausstarben. Sie lebten zur gleichen Zeit wie Dinosaurier, gehören jedoch nicht zu dieser Gruppe. Ihren Nachwuchs brachten sie lebend zur Welt, wie Delfine oder Wale heute. Weil sie von Landtieren abstammten, besaßen sie keine Kiemen wie Fische, sondern mussten immer wieder an der Oberfläche Luft holen. Vor etwa 200 Millionen Jahren starben die meisten Ichthyosaurier aus – relativ kurz nachdem einige von ihnen gigantische Formen entwickelt hatten.
(red, APA, 29.4.2022)

Studie
Journal of Vertebrate Paleontology: "Giant Late Triassic ichthyosaurs from the Kössen Formation of the Swiss Alps and their paleobiological implications"

Überreste riesiger Meeressaurier in den Alpen aufgetaucht
 

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#35
Aussterben der Dinosaurier veränderte die Pflanzenwelt unseres Planeten
Als die großen Pflanzenfresser verschwunden waren, verlangsamte sich die Entwicklung neuer Pflanzenarten: Stacheln verschwanden, und Früchte wurden größer

Als nach mit Aussterben der Dinosaurier auch die großen Pflanzenfresser verschwunden waren, beschritt die Evolution der Flora neue Wege.
Foto: APA/AFP

Nicht nur der Asteroideneinschlag am Ende der Kreidezeit selbst hatte großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Erdflora. Auch das Verschwinden der Dinosaurier wirkte sich auf die weitere Pflanzenevolution aus. Die 25 Millionen Jahre lange Abwesenheit großer Pflanzenfresser verlangsamte die Entwicklung neuer Pflanzenarten. Verteidigungsmerkmale wie Stacheln bildeten sich zurück, und die Früchte wurden größer. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Leipzig.

Mit dem Aussterben großer flugunfähiger Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren existierten in den folgenden zwei Dutzend Jahrmillionen keine großen Pflanzenfresser auf der Erde. Da sich Pflanzen und tierische Vegetarier gegenseitig beeinflussen, stellt sich die Frage, ob und wie sich diese sehr lange Abwesenheit und die spätere Rückkehr der sogenannten Megaherbivoren auf die Evolution der Pflanzenwelt ausgewirkt hat.

Dornen und Stacheln
Um diese Frage zu klären, untersuchten Forschende fossile und heute lebende Palmen. Mithilfe genetischer Analysen konnten sie die evolutionäre Entwicklung der Pflanzen während und nach der Abwesenheit der Megaherbivoren nachvollziehen. Damit bestätigten sie zunächst die gängige wissenschaftliche Annahme, dass viele Palmenarten zur Zeit der Dinosaurier große Früchte trugen und mit Stacheln und Dornen an Stamm und Blättern versehen waren.

Das Team stellte jedoch fest, dass die Evolutionsgeschwindigkeit, mit der neue Palmenarten mit kleinen Früchten entstanden, während der Megaherbivoren-Lücke abnahm. Die Evolutionsgeschwindigkeit derjenigen mit großen Früchten blieb hingegen nahezu konstant. Die Größe der Früchte selbst nahm ebenfalls zu. Es gab also auch noch nach dem Aussterben der Dinosaurier Palmen mit großen Früchten. Offenbar konnten viel kleinere Tiere ebenso große Früchte fressen und die Samen mit ihren Ausscheidungen verbreiten.

Vegetation wurde dichter
"Damit konnten wir die bisherige wissenschaftliche Annahme widerlegen, dass das Vorkommen großer Palmfrüchte ausschließlich von Megaherbivoren abhing", sagt die Erstautorin der Studie, Renske Onstein von iDiv und der Universität Leipzig. "Wir gehen daher davon aus, dass der fehlende Einfluss großer Pflanzenfresser zu dichteren Vegetationen führte, in denen Pflanzen mit größeren Samen und Früchten einen evolutionären Vorteil hatten."

Die Verteidigungsmerkmale der Pflanzen, Stacheln und Dornen an Blättern und Stängeln, zeigten jedoch ein anderes Bild: Die Zahl der Palmenarten mit Verteidigungsmerkmalen nahm während der Megaherbivoren-Lücke ab. "Ohne Fressfeinde boten Verteidigungsmerkmale offenbar keine evolutionären Vorteile mehr", so Onstein, die am iDiv die Nachwuchsgruppe Evolution und Anpassung leitet, "sie kehrten aber bei den meisten Palmenarten zurück, als sich neue Megaherbivoren entwickelten, im Gegensatz zu den Veränderungen bei den Früchten, die bestehen blieben."

Was kommt nach den großen Herbivoren?
Mit ihrer im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten Arbeit werfen die Forschenden ein neues Licht auf die Evolution und Anpassung während einer der rätselhaftesten und einzigartigsten Perioden in der Geschichte der Evolution großer Pflanzen, während und nach dem Aussterben der Megaherbivoren. Wenn man versteht, wie sich das Aussterben von Megaherbivoren auf die Pflanzenevolution in der Vergangenheit ausgewirkt hat, kann man auch zukünftige ökologische Entwicklungen vorhersagen.

Die Autoren haben zum Beispiel den Verlust von Merkmalen während der Megaherbivoren-Lücke festgestellt. Dieser Verlust kann sich auf wichtige Ökosystemfunktionen und -prozesse auswirken, beispielsweise auf die Ausbreitung von Samen oder den Verzehr ganzer Pflanzen oder Pflanzenteile. Das anhaltende Aussterben von Großtieren aufgrund der menschlichen Jagd und des Klimawandels kann daher auch das Merkmalsspektrum in Pflanzengemeinschaften und Ökosystemen heute und in absehbarer Zukunft beeinflussen.
(red, 4.5.2022)

Studie
Proceedings of the Royal Society B: "The megaherbivore gap after the non-avian dinosaur extinctions modified trait evolution and diversification of tropical palms."

Aussterben der Dinosaurier veränderte die Pflanzenwelt unseres Planeten
 

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#36
Jüngste Fischsaurier Österreichs entdeckt
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Vor ein paar Jahren haben zwei Hobbypaläontologen in Salzburg und Oberösterreich Überbleibsel von Fischsauriern entdeckt. Fachleute identifizierten sie nun als Zahn und Schnauzenteile von zwei Tieren, die vor rund 130 Millionen Jahren lebten – die ersten Funde aus dieser Zeit in Österreichs Alpen.
Online seit heute, 15.02 Uhr
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Die erstaunlichen, im Fachblatt „Cretaceous Research“ vorgestellten Funde stammen aus Sandsteinen der Rossfeld-Formation in Salzburg und aus Kalken der Schrambach-Formation in Oberösterreich. Der einzelne Zahn ist laut den Analysen in etwa 132 Mio. Jahre alt und die Schnauze rund zwei Millionen Jahre jünger. Aus der Trias-Zeit (rund 250 bis 200 Millionen Jahren vor unserer Zeit) und der Jura-Zeit (rund 200 bis 145 Mio. Jahre) gab es schon früher Ichthyosaurier-Funde aus Österreich, erklärte der Paläontologe Alexander Lukeneder vom Naturhistorischen Museums (NHM) Wien.

Langwierige Rekonstruktion
Hätte man die nunmehr vorgestellten, von Karl Böhmdorfer aus Pinsdorf (OÖ) und Alfred Leiblfinger aus Golling (Salzburg) ausgegrabenen Fossilien nicht genauer analysiert, wäre das Schnauzen-Stück vermutlich eher für Muschelreste gehalten worden. Niemand habe damit gerechnet, dass sich in Relikten dieser Zeit Ichthyosaurier-Reste finden ließen, so Lukeneder, der bereits vor zwei Jahren mit dem Fund von Zahn-Überresten eines anderen Meeressauriers, eines Pliosauriers, aufhorchen ließ.

In langwierigeren Arbeiten wurde dann aber klar, dass sich in dem jüngeren Fund tatsächlich Zähne befinden. Über die Forschungstätigkeit über zwei Jahre hinweg, konnte der Inhalt der Gesteinsprobe in 3-D so rekonstruiert werden. „Wahnsinn, was ist denn da los“, dachte sich der Paläontologe dann.

Während der nunmehr am Salzburger Haus der Natur befindliche Einzelzahn auf einen Saurier mit der Größe von 1,5 bis zwei Meter schließen lasse, stammen die Schnauzen-Relikte mit mehr als zehn bis zu drei Zentimeter großen Zähnen vermutlich von einem Tier mit rund vier Metern Länge. Nikolay Zverkov vom Geologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften konnte bei der Zuordnung der gefundenen Strukturen helfen.

Bis zu 18 Meter lang

NHM Wien, Alexander Lukeneder
Zahn des Ichthyosauriers



Ichthyo- und Pliosaurier waren in den Urmeeren, deren Böden heute Bergregionen bilden, vermutlich Nahrungskonkurrenten, die beide Ammoniten, Tintenfische oder kleine Urhaie jagten. In der Jura- und Trias-Zeit brachten es Ichthyosaurier mitunter auf Längen von bis zu 18 Meter und ein Gewicht von 40 Tonnen.

In der Kreidezeit waren die delfinartig aussehenden Saurier dann schon deutlich kleiner. Ihr Ende fanden sie übrigens nicht mit dem Meteoriteneinschlag vor rund 66 Mio. Jahren, der die Saurier dahinraffte. Schon ungefähr ab der Zeit vor 93 Mio. Jahren findet man nämlich keine Fossilien mehr von ihnen – warum, ist noch unklar.

Gerade der „jüngere“ Fund aus Oberösterreich lasse darauf schließen, dass sich weitere Reste der Tiere noch in den hiesigen Gesteinsformationen finden könnten, vermutet der Forscher. Diese seien aber extrem schwer zugänglich. Ob es sich bei den österreichischen Funden um Hinweise auf neue Arten handeln könnte, lasse sich aufgrund der wenigen Reste nicht seriös angeben. Die Experten und Expertinnen stimmen die Analysen positiv, denn zuvor habe man gedacht, dass das Konservierungsumfeld in der Kreidezeit in der Region zu sauer war als dass sich noch Knochen finden lassen, „aber man sieht, dass eindeutig die Strukturen da sind“, so Lukeneder.


09.05.2022, red, science.ORF.at/Agenturen

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