Mautern - Projekt Neutronenanlage und div. militärische Bauvorhaben

josef

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#82
Lubi "Mauterner Feld"

Mitte obere Bildhälfte: Barackengelände des "Flak-Lagers".

Linke obere Ecke: Oben Ausschnitt des fertiggestellten Garagentraktes, darunter ist der Aushub (Baugruben) für die in Massivbauweise geplanten Kasernenbauten (Mannschaftsgebäude) erkennbar. Diese wurden erst ab 1957 vom ÖBH errichtet (Raab-Kaserne). Diagonal durchs Bild verläuft die damalige Reichsstraße von Krems nach St.Pölten.

Linker oberer Bildrand:Unterhalb der Reichsstraße ist ein Teil des Güpl zu sehen.

Rechte untere Ecke: Der Ort Palt mit Bahnhof Furth-Palt.

lg
josef
 

josef

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#83
Ehemalige Schießstätte

Hallo josef,
Zitat von josef
Bei meinen Nachforschungen stieß ich auf ein tatsächlich verwirklichtes Bauvorhaben südwestlich der Straße Mautern – Steinaweg: Für die Mannschaften des Flak-Lagers wurde ein Schießplatz errichtet. Die Erdwälle der Schießbahn wurden Ende der 1950iger Jahre wieder abgetragen und heute befinden sich Weingärten auf dem Areal.
Wo genau sollte den der Schießplatz gewesen sein auf der Karten, die ich letztens eingestellt habe. Danke für die Info.
Mit beste Gruß
Herr P.
Nach Vergrößerung und Aufhellung des Wolkenschattens in der linken unteren Ecke des Lubi "Mauterner Feld" fand ich auch die damalige Schießstätte:
 

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josef

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#85
Über die geplante Aufstellung eines bereits bestellten Neutronengenerators in Mautern wird auch in der Literatur bei
Silke Fengler; Kerne, Kooperation und Konkurrenz. Kernforschung in Österreich im internationalen Kontext 1900-1955
berichtet:

Textauszug S. 304:
1548967523986.png

1548967622485.png
 
#86
#87
Bestellt hat Gustav Ortner am 11.07.1942 bei CHF. 900 kV Leerlaufspannung.
Ab Oktober 1944 bringt Ortner dem RWA gegenüber die Turnhalle als alternativen Aufstellort, Bausperre in Wien, ins Gespräch.
 
Zuletzt bearbeitet:
#88
Falls es noch immer um den Standort der Anlage gehen sollte die angehangene Lageskizze eine Lokalisierung ermöglichen.
Der Anhang ist ein Ausschnitt aus einem Dokument aus dem Archiv der Akademie der Wissenschaften.

Sollte das Thema belebt werden, dann wären konkrete Fragestellungen hilfreich.

An diesem Teilprojekt ist eigentlich gut die Komplexität einer Neutronenanlage und die Mangelwirtschaft der damaligen Zeit nachzuvollziehen.
Ortner ist dabei mit Gerlach auch an eine Person geraten, die nach seiner Berufung die Forschungslandschaft erheblich konsolidiert hat.
 

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josef

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#89
Falls es noch immer um den Standort der Anlage gehen sollte die angehangene Lageskizze eine Lokalisierung ermöglichen.
Der Anhang ist ein Ausschnitt aus einem Dokument aus dem Archiv der Akademie der Wissenschaften.
Danke, die Lageskizze bringt endlich Aufklärung über den Projektstandort! Es bestätigt meine schon 2011 vertretene Vermutung gegenüber einigen damals mir per PN zugegangenen Meinungen und Behauptungen, es handle sich um eine Halle im Militärbereich! Leider sind die seinerzeitigen "Hauptakteure" nicht mehr im Forum vertreten... :)

1. Lubi Mautern 1935 mit der Turnhalle links der Volksschule (Quelle ein altes Fotobuch über Mautern - genauer Titel leider ubk., habe ich vor einigen Jahren in der NÖ. Landesbibliothek aufg., nur Reg.Nr.133.697B notiert)
2. - 3. Die aktuelle Situation lt. GE
4. GE-Übersicht Mautern - Objekt zeigt keinen Zusammenhang mit den Objekten auf Militärgelände!
 

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Geist

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#90
Zur Vervollständigung des Bildes noch ein paar Überlegungen aus 1943:

Auszug eines Schreibens von Gustav Ortner, Institut für Radiumforschung, IX. Boltzmanng. 3, an den Kurator der wissenschaftlichen Hochschulen in Wien, 3. März 1943:

"Die mir für das Rechnungsjahr 1942 bewilligten Sondermittel von RM 40000 waren für die Anschaffung eines Neutronengenerators vorgesehen. Die Verwendung dieses Betrages für den genannten Zweck ist gegenstandslos geworden. Nach endgiltiger Bewilligung des Geldes durch den Herrn Reichsminister war die Fa C.H.F. Müller in Hamburg nicht mehr in der Lage einen Generator zu diesem Preis zu liefern, da derselbe inzwischen zu wesentlich grösserer Leistungsfähigkeit weiterentwickelt worden war und daher auch wesentlich mehr kostete. Etwa zur selben Zeit ist das Reichsamt für Wirtschaftsausbau an mich mit dem Angebot herangetreten, die kernphysikalischen Arbeiten im hiesigen Institut finanziell zu unterstützen. Insbesondere hat es sich bereiterklärt, einen Neutronengenerator der modernen Bauart im hiesigen Institut aufzustellen und hat im Rahmen eines Forschungsauftrages für diesen Zweck RM 118000 bewilligt.
Aus diesem Forschungsauftrag wird wahrscheinlich in der nächsten Zeit ein Vierjahresplaninstitut werden, worüber ich zur gegebenen Zeit Mitteilung machen werde."

Zur Aufstellung des Neutronengenerators am Institut für Radiumforschung kam es ja meines Wissens auch nicht, oder?

Bezüglich der Erwähnung eines Vierjahresplaninstituts war die Gründung des Instituts für Neutronenforschung gemeint, das das Institut für Radiumforschung, das II. Physikalische Institut und das Institut für Theoretische Physik umschloss (siehe hier -> Physikgeschichte)
 
#91
"Zur Aufstellung des Neutronengenerators am Institut für Radiumforschung kam es ja meines Wissens auch nicht, oder?"

Nein, die notwendigen Umbaumassnahmen konnten nicht realisiert werden. Damit hatte man sich ab 07/1943 beschäftigt.

Nachdem, Stand 07/1942, noch Mittel vom REM und der Akademie kommen sollten und lediglich vom RWA ergänzt werden sollen ist wohl in der Folge das RWA voll eingestiegen, in 03/1943 kam der Forschungsauftrag vom RWA und in 05/1943 firmierte Ortner schon unter RWA/VJPI für Neutronenforschung Wien, Boltzmanngasse 5.
 
#92
Es gab 2 VJPI, entsprechend der Abteilungen im Institut, eines für Neutronenforschung und das andere war mit der Entwicklung des Sekundärionen-Elektronenmikroskops befaßt. Das ist welches für das 45 das Patent eingereicht wurde. Karlsch hat auch was dazu geschrieben.
 
#93
Es gab 2 VJPI, entsprechend der Abteilungen im Institut, eines für Neutronenforschung und das andere war mit der Entwicklung des Sekundärionen-Elektronenmikroskops befaßt. Das ist welches für das 45 das Patent eingereicht wurde. Karlsch hat auch was dazu geschrieben.
Da kann ich jetzt nichts zu schreiben. Ich hab den Thumersbach-Report jetzt nicht mehr im Kopf.
Mein Versuch vor Jahren eine SS-lastige Forschergruppe aus Österreich zu identifizieren lief jedenfalls ins Nirvana. Mir fehlt da inzwischen allerdings auch eine belastbare Arbeitshypothese. Die "Verdachtsfälle" hatten eher "unterpreisige" Forschungsaufträge, bei denen mir nichts aufgefallen ist.

Wer sich jetzt für Wien interessieren würde, der findet auch etwas im Archiv der AKDW zur geplanten Bauausführung.
 

josef

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#94
Bestellt hat Gustav Ortner am 11.07.1942 bei CHF. 900 kV Leerlaufspannung.
Ab Oktober 1944 bringt Ortner dem RWA gegenüber die Turnhalle als alternativen Aufstellort, Bausperre in Wien, ins Gespräch.
Mir persönlich geht es hauptsächlich um die Klärung der regional herumschwirrenden Gerüchte und Behauptungen über Verlagerungen aus Wien bzw. angeblich durchgeführter Versuche usw. in den letzten Monaten des Jahres 1944 bzw. bis Kriegsende 1945!
Basis dazu siehe FuV - Österreicher an Nazi-Waffenentwicklung beteiligt :

Als Resümee der bisherigen Faktenlage kann man sagen:

- "Fusions-Versuche" auf einem Truppenübungsplatz bei Klosterneuburg - im Bereich FuV gut aufgehoben (Quelle Karlsch)

- Anlage zur Herstellung von "Schwerem Wasser" in Weer/Tirol - (ebenfalls von Karlsch...) Keinesfalls bis 1945, wenn überhaupt ja dann in einem "Hinterhoflabor" um 1948 in unbedeutender Kleinstmenge!

- Aufstellung eines Neutronengenerators in einer adaptierten Turnhalle in Mautern an der Donau: Anlage bestellt, bis Kriegsende nicht mehr geliefert. Diverse Vorbereitungsarbeiten (Fundament ?) lt. vorhandenem Aktenmaterial begonnen!

- (Teil-) Verlagerung "Vierjahresplaninstitut für Neutronenforschung" nach Schwallenbach/Wachau -> zahlreiche Belege! https://www.unterirdisch-forum.de/index.php?threads/heiligenstadt-97km.6933/
 
#95
Mir persönlich geht es hauptsächlich um die Klärung der regional herumschwirrenden Gerüchte und Behauptungen über Verlagerungen aus Wien bzw. angeblich durchgeführter Versuche usw. in den letzten Monaten des Jahres 1944 bzw. bis Kriegsende 1945!
Basis dazu siehe FuV - Österreicher an Nazi-Waffenentwicklung beteiligt :

Als Resümee der bisherigen Faktenlage kann man sagen:

- "Fusions-Versuche" auf einem Truppenübungsplatz bei Klosterneuburg - im Bereich FuV gut aufgehoben (Quelle Karlsch)

- Anlage zur Herstellung von "Schwerem Wasser" in Weer/Tirol - (ebenfalls von Karlsch...) Keinesfalls bis 1945, wenn überhaupt ja dann in einem "Hinterhoflabor" um 1948 in unbedeutender Kleinstmenge!

- Aufstellung eines Neutronengenerators in einer adaptierten Turnhalle in Mautern an der Donau: Anlage bestellt, bis Kriegsende nicht mehr geliefert. Diverse Vorbereitungsarbeiten (Fundament ?) lt. vorhandenem Aktenmaterial begonnen!

- (Teil-) Verlagerung "Vierjahresplaninstitut für Neutronenforschung" nach Schwallenbach/Wachau -> zahlreiche Belege! https://www.unterirdisch-forum.de/index.php?threads/heiligenstadt-97km.6933/
Quelle Karlsch gehe ich nicht so richtig mit. Was genau auf dem Truppenübungsplatz und dem Innenhof in Wien passierte ist für mich noch unklar. Da hatte ich auch mal nach geforscht, aber nix primäres gefunden.

Ich kenne Fragmente eines "frühen" Stetter-Komplexes, da geht es um Patentfragen im Zusammenhang mit Uran und Energie. Wirtz beurteilt die Sache aber nicht im Sinne Stetters. (das sind Unterlagen aus dem MPG-Archiv)

Zur Neutronenanlage nach Kriegsende noch, man wollte wohl noch von CHF beziehen, aber CHF hat auf Probleme durch Beschlagnahmung und Einlagerung hingewiesen. Die Dokumente verlaufen in 1949.
 

josef

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#96
#97
Der "themenauslösende" Thread aus 2009 bezieht sich auf einen Artikel im "derStandard" in dem Karlsch zitiert wurde...
Danke für den Hinweis!
Bitte, keine Ursache.

Meine Einlassung zu Karlsch und seinen Quellen bezog sich, bei allem Respekt für seine Forschungsleistungen, auf den manchmal merkwürdigen Umgang mit und die einseitige Interpretation seiner Quellen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Magnettrenner und seine vermutete Grossanlage in der Nähe von Berlin.
 

josef

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#99
Heute machte ich vor Ort einen Lokalaugenschein:
Die ehemaligen Turnhalle war leicht zu finden...

1549300670670.png

Aufnahmerichtungen einiger Fotos lt. Lageplan aus 1944:
1549300867727.png
Quelle: Lageskizze von @Kracher aus #88


1. Melker Straße Richtung Stadtmitte: Links das auf der Skizze eingezeichnete Kriegerdenkmal und danach die Volksschule
2. Blick von der Melker Straße nach Norden in die Schulgasse mit der ehemaligen Turnhalle
3. Das Gebäude ist renoviert, dürfte aber im hinteren Bereich teilweise umgebaut sein (Wohnungen ?). Eine Nutzung der Restflächen ist mir nicht bekannt. Jedenfalls ist die Freifläche um das Objekt eingezäunt und darin befindet sich ein Pumpwerk.
4. Die Weinberge im Hintergrund befinden sich schon am linken Donauufer, oberhalb des Dachgiebels erkennt man den Braunsberg mit der "Donauwarte".
5. Blick aus der Gegenrichtung nach Süden: Die einfache Fassade und die neuen Fenster im Vordergrund des Gebäudes deuten auf die vorhin angesprochenen Umbauarbeiten. Im Hintergrund die Rückseite der Volksschule.
6. - 7. Weitere Details.
8. Die eher schmucklose Rückseite.
 

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Als Resümee der bisherigen Faktenlage kann man sagen:

- Aufstellung eines Neutronengenerators in einer adaptierten Turnhalle in Mautern an der Donau: Anlage bestellt, bis Kriegsende nicht mehr geliefert. Diverse Vorbereitungsarbeiten (Fundament ?) lt. vorhandenem Aktenmaterial begonnen!
Dazu noch ein passendes Dokument:
Schreiben des Verwaltungsdirektors Rudolf Kraus an das Reichsamt für Wirtschaftsausbau, Betreff: Kosten für eine Neutronenanlage, 27. November 1944:
"Nach den uns in diesen Tagen bekanntgegebenen Kosten für die in der Ausweichstelle Mautern zu errichtenden Neutronenanlage des Institutes für Radiumforschung werden diese insgesamt mit RM 150.000 veranschlagt. Und zwar RM 120.000 für die Apparatur und RM 30.000 für Bauten, Installation, Transport. Nun war ein Betrag von RM 138.000 bereits für das Rechnungsjahr 1943 und ebenso für 1944 genehmigt und zwar RM 90.000 für eine komplette Neutronenanlage, RM 10.000 für einen Hochspannungskathodenoszillographen und RM 38.000 für eine Helium-Verflüssigungsanlage. Da Oszillograph und Verflüssigungsanlage dermalen nicht angeschafft werden können, so bitte ich, diesen dafür ausgesetzten Betrag von RM 48.000, das sind also RM 60.000 noch für die in Aussicht genommene Neutronenanlage zu genehmigen.

Anbei eine Quittung RM 75.000, da mit dem Bau bereits begonnen wurde und die Lieferung eines Teiles der Apparatur in der nächsten Zeit zu erwarten ist."
 
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